Melpomene/Band 2/028 Bei dem Grabe einer armen Frau, die lang und schwer zu leiden hatte

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 88–90
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[88]

28. Bei dem Grabe einer armen Frau, die lang und schwer zu leiden hatte.

Melod. V.

Tiefe Trauer füllet unsre Herzen
Bei dem Grabe unsrer Schwester hier.

1. Leiden Schmerzen, Furcht und Kummer
Wiegten sie in Todesschlummer;
Und in tiefer Trauer klagen wir.
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2. Und beinahe ganz verlassen
Mußte sie im Tod erblassen,
Und es half kein Zittern für den Tod.

3. Denn der Mangel jeder Freude
Schwächte ihre Eingeweide,
Und vermehrte ihre große Qual.

4. Von dem falschen Glück betrogen,
War ihr Wohlstand ihr entzogen,
Und sie sank herab in Dürftigkeit.

5. Ihre Lebenskräfte schwanden,
Weil sie keine Nahrung fanden,
Und sie zehrte ab in kurzer Zeit.

6. Zwar sie brauchte Medizinen,
Welche ihr zu helfen schienen
Aber ach! es war nur falscher Schein.

7. Denn zur Rettung ihres Lebens
War die Hülfe schon vergebens;
Ihre Rettung konnte nicht mehr seyn.

8. Der Genesung Hoffnung Schimmer
Schwand dahin, und kehrte nimmer,
Und erlosch im düstern Todesthal.

9. Nur die zarte Kinderliebe
Machte ihr den Tod so trübe,
Und die Trennung ihr zur höchsten Qual.

10. Doch sie wollte Gottes Willen
Auch im Tode noch erfüllen,
Wie sie stets im Leben schon gethan,

11. Ganz ergeben ihrem Gotte
Fand sie nun der Himmelsbothe,
Und er traf sie ganz bereitet an.
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12. Endlich hatte Gott Erbarmen;
Sie entschlief in Todes Armen,
Und so kam sie an bey dem Gericht,

13. Und sie fand nach ihrem Leiden
Dort gewiß des Himmels Freuden,
Und bei Gott ein holdes Angesicht.

14. Trocknet also eure Zähren,
Und befolget Jesu Lehren,
Und in süsser Hoffnung lebet ihr;

15. Und wenn wir bereitet sterben,
Werden wir den Himmel erben,
Und in ew’ger Wonne leben wir.