Melpomene/Band 2/039 Bei dem Grabe eines Mädchens, das auszehrte

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 118–120
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[118]

39. Bei dem Grabe eines Mädchens, das auszehrte.

Melod. VIII.

1. Hier begruben wir so eben
Eine stille Dulderin,
Doch sie gab ihr junges Leben
Gerne Gott zum Opfer hin.
[119]
2. Schon seit einem Jahr entbehrte
Sie des Wohlbefindens Lust,
Aber neues Leben kehrte
Wieder in die kranke Brust.

3. Doch das Übel kehrte wieder,
Fiel sie an mit neuer Kraft,
Drang mit Schmerz durch alle Glieder,
Und verzehrte jeden Saft.

4. Zwar sie brauchte Medizinen,
Nach des Christen heil’ger Pflicht,
Welche zwar zu helfen schienen,
Aber ach! sie halfen nicht.

5. Hinter bläulicht rother Wange
War des Todes Wurm versteckt,
Der, gleich einer falschen Schlange,
Sich in ihre Brust gelegt.

6. Keine Hoffnung zur Genesung
Kam in ihre Brust zurück,
Nur nach baldiger Erlösung
Sehnte sich ihr Thränenblick.

7. Ein zurückgetrettnes Fieber
Brachte ihr die Wassersucht;
Diese gieng in Fäulung über,
Und der Tod war ihre Frucht.

8. Endlich kam ihr Lebensende;
Sie verblich in Todesfarb,
Gab sich hin in Gottes Hände,
Neigte sanft ihr Haupt, und starb.
[120]
9. Doch sie litt die größten Schmerzen
Mit beständiger Geduld,
Und bereute stets von Herzen
Ihre Sünden große Schuld.

10. Also können wir vermuthen,
Daß sie gut gestorben sey,
Und ihr Gott, wie allen Guten,
Gnad und Seligkeit verleih.