Melpomene/Band 2/057 Bei dem Grabe eines armen Mannes

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 163–164
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[163]

57. Bei dem Grabe eines armen Mannes.

Melod. III.

1. Ach ach! schon wieder eine Leiche,
Die dieser Grabeshügel deckt,
Er war vom Tod mit einem Streiche
Von seiner Sense hingestreckt;
So blieb er ganz betäubet liegen,
Und röchelte den bittern Tod,
Und lag in seinen letzten Zügen,
Und unterlag der größten Noth.

2. Zwar schon vor mehr als einem Jahre
Verlohr er der Gesundheit Lust,
Und seines Athems Freiheit ware
Beklommen in der kranken Brust,
Doch schien das Übel nicht gefährlich,
Und nur von kurzer Daur zu seyn,
Nun ward sein Athem höchst beschwerlich,
Und drohte ihn dem Tod zu weihn.

3.[1] Er brauchte also Medizinen,
Und hoffte noch auf Besserung,
Doch, wollte er sich mehr bedienen
Der Mittel zur Beseligung;
Bereute also seine Sünden
Aus wahrhaft reiner Lieb zu Gott,
Und hoffte Gnade so zu finden
Nach einem hoffnungvollen Tod.
[164]
4. So gab er ohne Furcht und Beben
Sein Leben Gott zum Opfer hin,
Denn Jesus Christus war sein Leben,
Und Sterben war für ihn Gewinn;
Denn immer blieb er ja zufrieden
Mit Gott in seinem niedern Stand,
Und gieng, nachdem er hier verschieden
Dort ein ins wahre Vaterland.

5. Lasst uns daher, so lang wir leben,
Mit unserm Stand zufrieden seyn,
Zurück vor jeder Sünde beben,
Und uns der wahren Tugend weihn:
Dann können wir voll Hoffnung sterben,
Wenn gähling uns der Tod befällt,
Und werden dort den Himmel erben,
Den Gott für uns bereitet hält.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. fehlende Nummerierung ergänzt