Melpomene/Band 2/075 Bei dem Grabe eines vom Blitz erschlagenen Jünglings

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 194–197
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[194]

75. Bei dem Grabe eines vom Blitz erschlagenen Jünglings.

Melod. I. XIV.

1. Noch zittern wir an diesem Grab
Von Angst betäubt, und klagen;
Denn ach! ein Jüngling sank hinab
Vom gähen Blitz erschlagen.
So kann auch plötzlich uns, wie ihn,
Ein Blitzestrahl erreichen,
Und ach! wir wissen nicht, wohin?
Demselben auszuweichen.

2. Es war zur heißen Sommerszeit,
Und in der Ärndte Mitte,
Und auf dem Lande weit und breit
[195] Befand man sich im Schnitte;
Auf einmal kam von Westen her
Ein Wetter angezogen,
Und senkte sich, wie Berge schwer,
Herab vom Himmelsbogen.

3. Verstärket geben Berg und Thal
Den Donnerton zurücke,
Es rissen Blitze ohne Zahl
Das Firmament in Stücke;
Die Schnitter eilten schweißbedeckt
Mit den geladnen Früchten,
Vom Blitz und Donnerton erschreckt,
Nach Hause sich zu flüchten.

4. So sah auch dieser Bauernsohn
Heran das Wetter ziehen,
Und eilte mit der Frucht davon,
Demselben zu entfliehen;
Zu diesem Ende war er auf
Das Sattelpferd gestiegen,
Und trieb es an zum raschen Lauf,
Und schien davon zu fliegen.

5. Auf einmal fuhr ein zacker Blitz
Herab auf seinen Scheitel,
Und warf ihn von dem Sattelsitz,
Und seine Flucht war eitel;
Die Pferdte lagen tod, wie er,
Vom Blitzestrahl getroffen,
Da war kein Lebenszeichen mehr,
Und keine Hülf zu hoffen.

[196] 6. So hauchte er sein Leben aus,
Berührt vom Blitzesstreiche
Man hob ihn auf, und trug nach Haus
Die ganz entseelte Leiche.
Bei diesem Anblick gieng ein Stich
In seiner Eltern Herzen,
Sie kamen völlig ausser sich
Vor Schrecken Leid und Schmerzen.

7. Sie nahmen voll Verzweifelung
Die Leiche in die Arme,
Und schluchzten mit gelähmter Zung:
O daß sich Gott erbarme!
Sie ringen sich die Hände wund,
Bei seiner kalten Leiche
Und finden Trostesgrund
In diesem Erdenreiche.

8. Doch ja! wenn Jesus wieder käm,
Den Leichensarg berührte,
Den Jüngling bei den Händen nähm,
Und ins Leben führte. –
Allein was dort geschah zu Naim
Wird künftig auch geschehen,
Sie werden ihren Sohn daheim
Im Vaterlande sehen.

9. Indessen soll sein Unglücksfall
Uns weise Vorsicht lehren;
Zwar können wir dem Blitzestrahl
Das Schlagen nicht verwehren:
Wir können seinem Schlag jedoch
Bei Zeiten noch entgehen,
[197] Sobald wir ein Gewitter hoch
Am Himmel kommen sehen.

10. Besonders sollen wir niemal
Hin unter Bäume stehen,
Weil öfter wir den Blitze Strahl
In Bäume schlagen sehen;
Auch ists gefährlich allemal
Bei Pferdten Pflug und Wagen,
Denn öfter pflegt der Blitzestrahl
In sie hinein zu schlagen.

11. Am beßten schützt uns allemal
Ein guter Blitzableiter,
Er zieht an sich den Blitzestrahl,
Und lässt ihn nicht mehr weiter;
Den beßten Schutz gewährt jedoch
Ein ruhiges Gewissen,
Wenn wir uns frei vom Sündenjoch
Und seinen Folgen wissen.

12. Lasst uns daher die Sünde fliehn
Mit ihren bösen Streichen,
Denn mag zuletzt uns immerhin
Ein Blitzestrahl erreichen;
Er führet uns in jene Welt
Hinüber frey von Sünden,
Und wenn er uns auch gäh befällt:
Wir werden Gnade finden.