Merkwürdige Lehensbräuche

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Titel: Merkwürdige Lehensbräuche
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 804
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[804] Merkwürdige Lehensbräuche. Gar seltsame Bedingungen waren in früheren Jahrhunderten oft an Belehnungen geknüpft und werthvolle Besitzungen wurden oft um Kleinigkeiten: Falken, Schwerter, mit Pfeffer gefüllte Handschuhe etc. verliehen, wodurch offenbar nur das Abhängigkeitsverhältniß der Lehensempfänger angedeutet werden sollte. Der Besitzer eines adeligen Gutes in Franken mußte z. B. zu Martini seinem Lehensherrn einen Zaunkönig darbringen, ein österreichischer Edelmann dagegen zwei Maß Fliegen liefern. Ein Graf v. Hohenlohe gab 1245 dem Bürger Otto Begenhaar seine Hofstätte zu Augsburg unter der Bedingung zu Lehen, daß er und seine Familie, so oft sie in die Stadt kamen, bei Begenhaar Herberge nehmen dürfen und ihm jedesmal ein Paar Corduan-Kniestiefel gereicht werden müssen. In der Bretagne mußten die Vasallen, wenn die Gemahlin des Lehensherrn im Kindbette lag, die Frösche durch Schlagen des Sumpfwassers zum Schweigen bringen, damit ihr Gequake der gnädigen Frau nicht beschwerlich falle. Andere Vasallen mußten in Harlekinskleidern bei der Hochzeitstafel der Tochter des Lehensherrn Aufwärterdienste thun, wofür sie dann das ganze Tafelservice an sich nehmen durften. Ein Vasall mußte der Gemahlin seines Lehensherrn alljährlich ein Liedchen vorsingen, und die Herren von Dymerode mußten dem Kaiser, wenn er nach Thüringen kam, einen Heerwagen mit Schüsseln präsentiren. Einige Vasallen des Hauses d’Argenton waren verpflichtet, an einem bestimmten Tage ihrem Herrn eine Lerche auf einem mit Ochsen bespannten Wagen zu überbringen. Dem Frauenkloster zu Remiremont hatte das Dorf St. Maurice am ersten Pfingsttage zwei Schüsseln voll Schnee zu liefern; kam dasselbe dieser Verpflichtung nicht nach, so mußte es dafür einen mit zwei weißen Ochsen bespannten Wagen geben. „Es fehlt demselben aber,“ schrieb ein alter Schriftsteller, „auch in der größten Hitze nicht an Schnee.“ Ein Vasall des Königs von England war verpflichtet, den König, wenn er über das Meer ginge, zu begleiten und ihm den Kopf zu halten, wenn er seekrank werden sollte. Dem Könige Eduard I. soll dieser Lehendienst wirklich geleistet worden sein.