Neun Linden

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Textdaten
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Autor: Eduard Lynker
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Titel: Neun Linden
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 276–278
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[276]
Neun Linden.[1]

Es waren in des Vaters Schloß
Am hellen Rhein,
Von edlem Stamm der blüh’nde Sproß,
Neun Mägdlein zart und fein.

5
Wer malt des Vaters Herzenslust?

Wer mißt den Preis
Der Freud’ in treuer Mutterbrust,
An solcher Töchter Kreis?

Und wenn sie gingen Hand in Hand,

10
Die dreimal Drei,

So unschuldsreich am schönen Strand,
In heitern Spielen frei:

Da pries entzückt der Fluthen Gott
Die Mädchenschaar,

15
Ihr Lilienweiß, ihr Rosenroth,

Ihr Auge, wunderklar.

Der Vater einst zum Kampfe ritt,
Gebot noch schwer,
Ja nicht zu ziehn mit flücht’gem Schritt

20
Zum Bergesgipfel her.
[277]

Sie aber wallten durch die Au’n –
Wie Neugier plagt!
Es trieb sie, dort hinab zu schau’n,
Wo hoch das Berghaupt ragt.

25
Sie tranken reinen Aetherduft

In langem Zug,
Sie trug wohl über Flur und Kluft
Des Auges Adlerflug.

Doch Vater du, ach wärest du

30
Im Schlachtgewühl

Gesunken, ach! zur ew’gen Ruh’
Entrückt dem Schmerzgefühl!

Sie weilten auf dem Gipfel hehr
Dem Himmel nah,

35
Zum Vater kehrte Keine mehr,

Ein Zauberwerk geschah.

Der Vater flog den Pfad hinan
Zum Berge fort;
Was fand er auf der Höhe Plan?

40
Neun Linden fand er dort.


Sie scherzten dort im Abendglanz
Die dreimal Drei;
Jetzt duften sie im Blüthenkranz
Als Linden froh und frei.

45
Sie sprechen leise flüsternd nur

Von Allerlei,
Ein sanfter West bringt von der Flur
Den Glockenklang herbei.

Doch drohen Blitze, feurig, bang

50
In Sturmes Nacht,

Da sprechen sie auch ernsten Klang
Zu Dem, der droben wacht.

[278]

Sie stehn, ein Bild der Schwestertreu,
Wenn Donner kracht,

55
Furchtlos in Lieb’ und heil’ger Scheu

Vereint voll starker Macht.

Wer aber malt des Vaters Schmerz?
Und wer die Qual,
Die scharf das treue Mutterherz

60
Verzehrt wie glüh’nder Strahl?


Die Lüfte wehn Jahrhundert’ fort
Durch Flur und Kluft,
Noch steh’n, im Sonnenlichte dort
Neun Linden hehr im Duft.

Eduard Lynker.

  1. Namen der höchsten Spitze des Kaiserstuhles, 1785 Fuß über dem Meere.