Noch einmal der Untergang des Dampfers „London“

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Noch einmal der Untergang des Dampfers „London“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 128
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Blätter und Blüthen
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[128] Noch einmal der Untergang des Dampfers „London“. In dem uns aus England selbst gewordenen Berichte von einigen Scenen aus der gräßlichen Katastrophe, die den Untergang des „London“ herbeiführte, ist unter Andern die Vermuthung ausgesprochen worden, daß der Capitän des unglücklichen Schiffes ohne Compaß in See gegangen sei. Uns selbst kam dieser Umstand etwas befremdlich vor, indeß bei der Authenticität unserer Quelle nahmen wir doch keinen Anstand, auch diese Mittheilung mit zum Abdruck zu bringen. Neuerdings sind uns weitere Nachrichten über jenes furchtbare Ereigniß zugegangen, die uns darthun, daß zwar das Schiff mit den nöthigen Compassen versehen gewesen, daß dagegen den Capitän jedenfalls die große Schuld trifft, die barometrischen Beobachtungen und die an der Küste aufgehißten Sturmsignale ganz außer Acht gelassen zu haben. Der Dampfer London hatte Plymouth am 6. Januar verlassen. Die Londoner Zeitungen waren vor der Abfahrt schon auf dem Schiffe angelangt und darin unter den stehenden meteorologischen Nachrichten das plötzliche Sinken des Barometers von 30″ auf 29½″, und selbst noch tiefer hinab, verzeichnet, was unverkennbar auf einen heranziehenden Sturm deutete. Capitän Martin zog indeß dies Alles nicht in Berechnung, sondern setzte, mit einer unbegreiflichen Tollkühnheit, seine Fahrt fort, obschon andere Fahrzeuge vor seinen Augen nach Plymouth zurücksteuerten. Er hat seinen Leichtsinn schwer gebüßt, es ist daher nicht mehr an uns, dem Todten unsere Vorwürfe in sein nasses Grab nachzurufen.