Novelliertes Lustspiel

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Textdaten
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Autor: Ernst Wichert
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Titel: Novelliertes Lustspiel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 764
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[764] Novellisirtes Lustspiel. Einen neuen Beitrag zum Capitel der literarischen Freibeuterei liefert uns ein Brief aus Königsberg von unserem geschätzten Mitarbeiter Ernst Wichert. Wir beeilen uns, derselben zur Warnung vor ähnlichen Vorkommnissen hier mitzutheilen.

     „Geehrte Redaction!

Sollte man es für möglich halten, daß es einem Menschen in den Sinn kommen kann, ein Lustspiel, das fast ein halbes Hundert Aufführungen im königlichen Schauspielhause zu Berlin erlebt hat, Repertoirestück des Wiener Hofburgtheaters und auf allen größten und kleinsten deutschen Bühnen heimisch geworden ist, das überdies in Reclam’s Universal-Bibliothek für zwanzig Pfennige erworben werden kann, in eine ‚Humoristische Original-Novelle‘ umzuschreiben? Dieses Ungeheuerliche leistet ein Herr Hermann Görwitz in einem in Zittau erscheinenden Blatte ‚Deutscher Kriegerbund‘ – officielles Organ diverser deutscher, mecklenburgischer, kur- und neumärkischer etc. Kriegerbünde, Wochenschrift für alle Vereine ehemaliger Militärs in Deutschland – und das Opfer ist mein Lustspiel ‚Ein Schritt vom Wege‘. Freilich nennt Görwitz die Quelle nicht, denn er schreibt ja eine humoristische ‚Original-‘Novelle, auch mißfällt ihm der Titel, und er macht daraus: ‚Des Premier-Lieutenants Flitterwochen im Bade‘, wie er denn auch sämmtlichen mithandelnden Personen andere Namen beilegt, aber damit hat seine Originalität auch ihr Genüge. Im Uebrigen hat er ganz harmlos Scene nach Scene in eine entsprechende Anzahl Original-Capitel umgewandelt und selbst große Theile des Dialogs wörtlich hinübergenommen. Daß Herr Görwitz mit dem Vermerke ‚Nachdruck verboten‘ am Kopfe seiner Novelle den Schutz des Gesetzes gegen literarische Freibeuterei in Anspruch nimmt, wird man nur vorsichtig nennen können; er scheint aus eigener Erfahrung zu wissen, wie gefährlich es ist, einen guten Einfall zu publiciren. Vielleicht passirt ihm noch die Unannehmlichkeit, daß Jemand seine ‚Original-Novelle‘ in ein deutsches ‚Original-Lustspiel‘ umschreibt und damit Geschäfte macht. Er würde es sicher sehr übel vermerken, wenn dann nicht wenigstens auf dem Theaterzettel zu lesen wäre: ‚Nach einer Original-Novelle von Hermann Görwitz.‘

Die Ungenirtheit, mit der hier fremdes Eigenthum benutzt wird, verdient Bewunderung. Aber so gern ich auch den deutschen Kriegern eine humoristische Unterhaltung gönne, zu der ich die Kosten trage, scheint es mir doch Pflicht, die Redactionen, denen etwa diese ‚Original-‘Novelle zum Nachdrucke angeboten werden möchte, öffentlich darauf aufmerksam zu machen, daß der muntere Vogel sich mit fremden Federn schmückt.

Die Klagen mehren sich, daß neu erscheinende Novellen und Romane von allgemeinem Interesse sofort in der schamlosesten Weise von Schauspielfabrikanten für ihre Zwecke ausgebeutet werden, aber in den meisten dieser Fälle wird doch wenigstens nicht versäumt, auf die Quelle hinzuweisen. Bleibt die umgekehrte Freibeuterei, bei der sogar geflissentlich durch Aenderung des Titels und der Namen der Ursprung verhüllt wird, ungerügt, so möchte bald Niemand mehr seines Gutes sicher sein.

Aus diesem für den ganzen Schriftstellerstand bedeutsamen Grunde halte ich die Sache für wichtig genug, um Sie ersuchen zu dürfen, in Ihrem weitest verbreiteten Blatte durch Veröffentlichung dieser Zuschrift davon Notiz zu nehmen.

Mit größter Hochachtung Ihr
ergebenster
Ernst Wichert.