Ostern (Lingg)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Hermann Lingg
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ostern
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 185
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[185]
Ostern.


Eiszeitstürme rissen sich los
Von Gletscherhöh´n, schwarz die Nacht,
Schwarz die Erde, Stromgetos,
Hagelschauer und Wolkenschlacht. –

5
Das ist der Frühling, eh' er erwacht.


Finster noch ist sein Antlitz, seine Brauen
Seh'n drohend umschattet, Kampf ist sein Loos.
Es trotzten ihm Frost und Nebelgrauen,
Es trotzt verschlossen der Erde Schoos.

10
Grabhügel wirft er und mordet Blüthen,

Wie ein Erob´rer nur im Zerstören groß.

Aber bald regt es sich milder, es thauen
Frühere Morgen, Herzen erglühten,
Herzen erglühen, und Veilchen schauen

15
Lächelnd empor, der Schnee zerrann –

Jetzt führt er, ein Sieger, sein dampfend Gespann
Jauchzend über Bergesspitzen –
Unter Blumen dann, weil er die Schlacht gewann,
Schlummert er ein, gekrönt von Blitzen.

20
Ueber den Wipfeln lichter immer

      Ahnungsvoll nah,
Leuchtet schon wärmerer Schimmer,
      Ostern ist da!

Ostern! Lieblicher Name, gestickt

25
In´s Festgewand der verjüngten Natur,

Schon aus duftenden Kelchen blickt
Sonnengelb wieder und Himmelsazur!
Ostern! Ihr jubelnd Frohlocken
Schmettert die Lerche dem Aether zu,

30
Ostern - es mahnen die ernsten Glocken:

Menschenherz, frohlock´ auch du!

Ueberall breiten im Frühlingssegen
Deiner Sehnsucht, liebenden Armen gleich,
Sich die Wunder der vom Todtenreich

35
Auferstandenen Schöpfung entgegen.

      Ostern ist da!

Hermann Lingg.