Otto der Große und Heinrich von Kempten

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Textdaten
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Autor: Ludwig Storch
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Titel: Otto der Große und Heinrich von Kempten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 147–148
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[147]
Album der Poesien.
Nr. 3.
Die Gartenlaube (1853) b 147.jpg

Otto der Große und Heinrich von Kempten.

Zu Pavia war’s, dem schönen, im Lombardenparadies,
Wo der deutsche König Otto sich zum Kaiser krönen ließ,
Jener Sachse, den die Nachwelt schmückte mit des Großen Namen,
Des noch größern Vogelstellers König Heinrich’s würd’ger Samen.

Im Palatium zu Pavia hält er prächtig Hofgelag
Und begeht im Ritterkreise fromm den heil’gen Ostertag,
Weither aus Lombardiens Gauen kam die Schaar der edlen Gäste,
Daß sie ihren Kaiser ehre an dem hohen Kirchenfeste.

Schon bereitet ist die Tafel in dem reichgeschmückten Saal,
und der Truchseß hat geordnet schon die Schüsseln mit dem Mahl,
Osterlamm und Osterfladen tragen blanke Silberteller
Und dazwischen volle Krüge aus der Klöster reichem Keller.

[148]

Ernst und mit gemess’nen Schritten geht der Truchseß auf und ab,
Hält das Zeichen seines Amtes in der Hand, den schweren Stab.
Leer noch ist der Saal, der Herold rief noch nicht aus den Gemächern
Mit Drommetenschall die Gäste zu den Schüsseln, zu den Bechern.

Sieh’ da springt herein ein Knabe, eines schwäbischen Fürsten Kind,
Bricht von einem schönen Kuchen sich ein Stücklein ab geschwind.
Flugs der Truchseß schlägt gewaltig auf das Haupt ihn mit dem Stabe.
Blutend, schreiend stürzt zu Boden der genäschige kleine Schwabe.

Auf dem Gang zum Speisesaale ruft des Prinzen Nothgeschrei
Seinen Führer Heinz von Kempten, den vielwerthen Mann, herbei.
Kaum erblickt der seinen Zögling auf dem Täfelwerk des Saales,
Als er rasch den Truchseß tödtet mit der Schärfe seines Stahles.

Wildes Lärmen, Schreien, Rennen durch den fürstlichen Palast;
Und es naht der junge Kaiser mit Gefolg in zorniger Hast.
Kein Gehör dem deutschen Ritter! Ohne Prüfung, ohne Fragen
Läßt er gleich den Stöcker rufen, Kempten’s Haupt vom Rumpf zu schlagen.

Kaum ist der Befehl ergangen, der Herrn Heinz das Leben kürzt,
Als verzweiflungsvoll des Ritters Kraft sich an den Kaiser stürzt;
Schlägt ihn mit der Faust in’s Antlitz und zerzaust ihm Bart und Locken,
Bis die Andern ihn bewält’gen, Alle schier zum Tod erschrocken.

„Willst Du so das Leben nehmen mir, dem ungehörten Mann,
Sei Dein Name schmachbelastet ewig und verflucht, Tyrann!
Und die späten Enkel mögen’s ein Geschlecht dem andern sagen,
Daß gerecht den Ungerechten ich in’s Antlitz Dich geschlagen!“

An der Pforte steht der Stöcker mit dem blanken Richterschwert,
Der nach seines Kaisers Spruche jetzt den schuldigen Mann begehrt,
Und die Hand, die fürchterliche, streckt er nach ihm aus, den Willen
Des Gebieters ohne Zaudern auf der Blutstatt zu erfüllen.

Doch der Kaiser spricht bedächtig; „Rühre mir sein Haupt nicht an!
Unverletzlich ist und heilig dieser pflichtgetreue Mann,
Der da ließ zur rechten Stunde mir mit seinen guten Fäusten
Ernstlich Mahnung angedeihen, Recht und Pflicht ihm treu zu leisten.“

Otto hört den Ritter Heinrich an mit Ruh und mit Geduld.
„Kann ich auch nicht ledig sprechen Dich von all und jeder Schuld,
Ist Dir meine doch noch größer, weil von bösem Zorn besessen,
Ich Dich ungehört verdammte und so Recht und Pflicht vergessen.

„Darum Dir zu Dank verpflichtet, der Du mich mit Manneskraft
Hast bewahrt vor Uebereilung meiner sündigen Leidenschaft,
Wir mit Kaiserwort Verzeihung Dir für Deine Schuld entbieten.
Nimm ein Roß aus unserm Stalle und zieh morgen heim in Frieden.“

 Ludw. Storch.