Philemon

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Philemon
Untertitel: Pseudonymes Fragment
aus: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel S. 731–732, 1314
Herausgeber: Paul Rießler
Auflage:
Entstehungsdatum: 1. Jahrhundert v. Chr. (?)
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Dr. B. Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer: Paul Rießler
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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[731]
42. Philemon

1. Kapitel.

Der Komiker Diphilus sagt folgendes über das Gericht:

1
Glaubst du, Nikeratos, die Toten,
2
die in dem Leben schwelgerisch gelebt,
3
die könnten vor der Gottheit sich verstecken

und ihr entfliehen?

4
Ein Auge gibt es, ein gerechtes,

das alles sieht.

5
Wir glauben auch,

daß in der Unterwelt zwei Wege sind.

6
Der eine führt die Frommen,

der andere die Sünder an das Ziel,

7
wenn auch die Erde stets die zwei verborgen hält.
8
Geh! Stiehl und raub!

Bring alles durcheinander!

9
Doch täusch dich nicht!

Auch in der Unterwelt gibt’s ein Gericht,

10
das Gott, des Alls Beherrscher, hält,
11
er, dessen Name furchtbar;

nicht nennen möcht ich ihn.

12
Er ist es, der den Übeltätern

ein langes Leben läßt.

13
Glaubt aber einer von den Sterblichen,

er könne täglich Schlechtes tun
und dennoch Gott dabei verborgen bleiben,

14
der ist in üblem Wahn

und wird darin gefangen,

15
erscheint die Strafe, die so lang gesäumt.
16
Beachtet dies,

ihr, die ihr glaubt,
es gebe keinen Gott!

17
Er ist, er ist!

Wenn jemand Böses tut, von Haus aus böse,

18
er nütze nur die Zeit,
19
wird er zu seiner Zeit doch später Strafe leiden.


[732]
2. Kapitel

Darüber schreibt der Komiker Menander mit den gleichen Worten:

1
Mein Pamphilus!

Bringt jemand als ein Opfer

2
der Stiere oder Böcke eine Menge dar,
3
sei’s anderes von dieser Art, beim Zeus,

seien es Geräte,

4
indem er goldene Mäntel fertigt oder purpurne,
5
sei’s Schmuck aus Elfenbein oder aus Smaragd,
6
und glaubt er damit, Gottes Huld sich zu erwerben,
7
der ist im Irrtum und voll Leichtsinn.
8
Der Mann muß edel sein,
9
darf Jungfrauen nicht verderben,

nicht ehebrechen,

10
nicht stehlen und nicht morden um des Geldes willen.
11
Mein Pamphilus!

Begehr nicht eine Nadelspitze!

12
Denn Gott, der gegenwärtig, sieht auch dich. –

Und wieder schreibt Menander hierüber:

13
Nicht eine fremde Nadel sollst du je begehren, Lieber!
14
Denn Gott erfreut sich an den guten Werken
15
und nicht an bösen.
16
Dem Mann der Arbeit schenkt er selbst ein glücklich Leben,
17
der Nacht und Tag den Boden ackert.
18
Bring Gott ein Opfer dar,

indem du allzeit fromm verbleibst!

19
So rein wie dein Gewand,

sei auch dein Herz!

20
Und wenn du donnern hörst,

flieh nicht,

21
solang du selbst dir nichts bewußt bist, Herr!
22
Denn Gott, der gegenwärtig, sieht auch dich.

Erläuterungen

[1314]
42. Zu Philemon

Die Überlieferung schwankt zwischen den beiden Komödiendichtern Philemon aus Soli und Diphilus aus Sinope, den Zeitgenossen des berühmtesten Komödiendichters Menander um 322 v. Chr.

  • 1: 1 Clem. Alex. Strom. V 14, 121, Euseb Praep. ev. XIII 13, 47 schreibt diese Verse dem Diphilus zu. Sie handeln von der Bestrafung der geheimsten Sünden durch den allwissenden und gerechten Gott.
  • 2: 1 Diese Verse werden von Clem. Alex. Strom V 14, 119 f Euseb Praep. ev. XIII 13, 45 ff dem berühmten Komödiendichter Menander zugeschrieben. Sie behandeln das Thema, daß ein sittlicher Wandel notwendiger und wertvoller als Opfer sei. Das Ganze atmet jüdischen Geist.

Anmerkungen (Wikisource)

Siehe auch folgenden Artikel aus Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft zu dem hier dargebotenen Text: