Pomologische Monatshefte:1. Band:2. Heft:Annales de Pomologie

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 2, Seite 66–68,
unter: Pomologische Literatur
Johann Georg Conrad Oberdieck
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Vermehrung des Weinstocks mittelst krautartiger Zweige
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Aus den „Beiträgen zur Statistik der Landwirtschaft in Württemberg“

[66] Annales de Pomologie Belge et etrangère, publiées par la Commission royale, instituée par Sa Majesté le Roi des Belges. Première Année 1853; Bruxelles, F. Parent, imprimeur - editeur.

Das hier bezeichnete, in Deutschland vielleicht noch zu wenig bekannte, pomologische Kupferwerk wird ohne Zweifel, wenn es lange genug fortgesetzt werden kann, eine sehr hervorragende Stelle unter den pomologischen Schriften einnehmen, und ist ein erfreuliches Zeugniß, wie in Belgien auch die Regierung anfängt, für Fortschritte der Pomologie und des Obstbau’s größere Opfer nicht zu scheuen. Durch eine Verfügung vom 16. Juni 1852 hat der König von Belgien eine pomologische Commission niedergesetzt, welche ihren Sitz zu Vilvorde bei der dortigen Gartenbauschule hat, und als deren jetzige Mitglieder durch das Königl. Ministerium des Innern ernannt sind, die Herren: d’Avoine, Doktor der Medizin, zu Malines; de Bavay, Direktor der Gartenbauschule zu Vilvorde; Bivort, Besitzer der von Herrn v. Mons nachgelassenen Baumschulen zu Fleurus; Florent Schoumann zu Ecaussines; Gailly, Direktor der Königlichen Gärten zu Laeken; Hennau, Professor an der Universität zu Lüttich; Reinaert-Bernaert, Vicepräsident der Gartenbaugesellschaft zu Courtrai; Royer, Landrath (Conseiller provincial) zu Namur; Scheidweiler, Professor an der Gartenbauschule zu Gendbrugge bei Gent. Unter diesen bilden die Herren de Bavay, Bivort, Hennau und Royer wieder ein comité de redaction; Royer ist Präsident der Commission, de Bavay secrètaire-redacteur für das obbenannte Werk. Die Commission, welche überhaupt für Hebung des Obstbau’s in Belgien thätig seyn wird und bereits eine Anzahl Pomologen des Auslandes, vorzüglich aus Frankreich, zu correspondirenden Mitgliedern ernannt hat, giebt auch das obbezeichnete, pomologische Kupferwerk heraus, zu dessen Herausgabe die Regierung Anfangs jährlich 4000 Franken herschießt, welche Summe sich mindern wird, so wie die Zahl der Subscribenten sich mehrt. Das Werk, von dem dem Concipienten dieser Anzeige bisher 9 Lieferungen vorliegen, erscheint periodisch, jedoch ohne bestimmte Zeit, in Lieferungen von 4 Kupfern in Folio, nebst den erforderlichen Blättern Text, der schätzbare Nachrichten enthält, auch bisher bei dem ersten Kupfer einer neuen Obstklasse mit einer schätzbaren botanischen Introduction und gedrängten Anweisung zum Anbau der Obstart, auch geschichtlichen Nachrichten, meistens von de Bavay, doch auch von andern Mitgliedern der Commission abgefaßt. Jede Kupfertafel stellt in der Regel nur Eine Obstsorte, so viel man ohne diese selbst in der Natur angeschaut zu haben, beurtheilen kann, treffend und nicht verschönert dar; von Stachelbeeren, Erdbeeren etc. sind zuweilen mehrere Sorten geschmachvoll zu einem Kranze oder Bouquet verschlungen. Auf einem Band, der 21 Lieferungen enthalten soll, subscribirt man durch frankirte Vorauszahlung von 24 Franken, (bei der Ausgabe auf Papier superfein, die besonders sorgfältig colorirt wird, 36 Franken) und muß wenigstens auf eine Jahreslieferung subscribiren, die Auflage ist vorerst auf 600 Exemplare berechnet; doch sollen im Allgemeinen wenig Exemplare über die Zahl deren, auf welche subscribirt ist, abgezogen werden. Es werden, zu besserer Conservation, mit der Post immer nur 3 Lieferungen oder 12 Kupfertafeln, nebst Text etc., versandt.

Das Werk soll sich sowohl über die alten Obstvarietäten, die es noch verdienen weiter erhalten zu werden, als über die guten, neuen, zahlreich in den Handel gekommenen Obstarten erstrecken, soll diese beschreiben, sie zu classificiren und der Confusion in den vielen Synonymen [67] abzuhelfen suchen. Es ist mithin das Werk in seiner Anlage so großartig, daß, es nicht etwa sinken zu lassen und für seine Vollendung zu sorgen, ein wahrhaft eines Königs würdiger Act wäre. Möchte der verehrte Monarch von Belgien nicht aufhören, sich für dasselbe zu interessiren, wenn möglicherweise die Subscription die großen Kosten der Herausgabe nicht decken sollte, da nur Societäten und begüterte Personen dasselbe sich werden verschaffen können. König Ludwig in Bayern hat so Unsterbliches für die Kunst gewirkt; einem Wohlgefallen des Kaisers von Oesterreich an einer blühenden Collection Pelargonien verdanken wir ein herrliches Kupferwerk über Pelargonien, in dem noch manche Blume fortlebt und von ihrer früheren Schönheit Kunde giebt, nachdem die Varietät unter den Händen der das Veränderliche und die Mode stets zu sehr liebenden Menschen untergegangen ist. Sollte nicht auch ein Werk über das so vielen Einfluß auf die Landeswohlfahrt habende Obst, und namentlich jetzt, wo man der Ansicht sich hingeben darf, daß man die besten jetzt bekannten Obstarten für immer zu conserviren suchen wird, der Protection und wirksamen Unterstützung eines Königs sich zu erfreuen haben?

Mit dem hier angezeigten pomologischen Werke und der dasselbe herausgebenden Commission royale steht in ziemlich genauer Verbindung eine in Belgien gleichfalls unter Protection der Regierung zusammengetretene Société v. Mons, über welche wir daher einige Nachrichten gleich hier anfügen. Diese Societät hat zunächst den Zweck, die von Herrn Professor v. Mons durch Kernsaaten gewonnenen zum Theil jetzt zerstreuten guten Früchte wieder zu vereinigen und zu erhalten, sowie die Bemühungen desselben, Verbesserungen des Obstes durch Kernsaaten zu erzielen, fortzusetzen; sie will aber auch andere gute, schon in Belgien cultivirte, oder aus dem Auslande bezogene Früchte, in einem pomologischen Garten der Societät anzubauen und zu prüfen suchen, ehe dieselben weiter verbreitet werden. Zu dem Zwecke hat Herr Bivort, (dessen treffliches Album der Pomologie nicht mehr fortgesetzt zu werden scheint, da die erste Lieferung der obgedachten Annalen auf dem Umschlage die Nachricht enthält, daß von dem Album nur noch 3 Exemplare vorräthig seyen), der Gesellschaft vorläufig auf 20 Jahre, seine aus circa 7000 Stämmen jeder Größe bestehenden Baumpflanzungen, größtentheils acquirirt durch Ankauf der von Herrn v. Mons nachgelassenen Baumschulen, oder gewonnen durch Kernsaaten nach dessen Systeme, zur Benutzung überlassen, und vermiethet ihr das Grundstück, welches diese Pflanzungen einnehmen, sowie eine Wohnung für den Gärtner und das Local für die Bureaux der Societät. Dieser pomologische Garten, über dessen Acquisition man sich mit Recht freut, da es an einem gehörigen pomologischen Garten, den man in Frankreich, zum großen Vortheile des Obstbaus, fast in jedem Departement habe, in Belgien, wo die trefflichsten botanischen Gärten sich finden, bisher noch ganz gefehlt habe, (ganz wie bei uns), soll durchaus nicht zu Handelszwecken, sondern nur für die Wissenschaft benutzt werden. Durch eine jährliche Zahlung von 10 Franken kann man bei der Société v. Mons sowohl im Inlande als Auslande sich betheiligen, und erhält dann – wenn die Erndten nicht völlig hinreichend seyn sollten, nach einer durch’s Loos bestimmten Reihenfolge, – bald Früchte, bald Pfropfreiser von den schätzbarsten Obstsorten, namentlich von denen die man zu besitzen wünscht. Erlaubt es die Kasse, so werden besondere Obstausstellungen gemacht, und ein Jahresbericht soll von dem Stande der Societät fortlaufende Nachrichten geben. Wir erfahren aus den Ankündigungen noch, daß Herrn Bivort’s Pflanzungen meistens aus Stämmen der neunten bis dreizehnten Generation bestehen, von denen bisher 245 Früchte gebracht haben; 61 von diesen haben ausgezeichnete Früchte geliefert, unter welchen sind Poire Prévôt, Beurré Berkmanns, Prince Albert, Comte de Paris, Beurré Antoinette, Calebasse Tougard, Leopold I., Docteur Trousseau, Pie IX., Dumont-Darmortier, Souvenir d’Espérin, Laure de Glymes, Villermoz, Duchesse d’Orleans etc. etc.; 110 andere haben auch mehr oder weniger zu beachtende Früchte gegeben, die jedoch noch in Prüfung bleiben; 74 dagegen lieferten Obst von geringerer Güte, oder Sommerfrüchte. Die ersten 8 Generationen der durch Herrn von Mons erzogenen Stämme (nach und nach circa 80,000) sind hinsichtlich der sich darunter findenden schätzbaren Sorten erschöpft oder zerstört, haben aber die Obstsammlungen von Europa und selbst Amerika bereichert mit trefflichen Sorten wie z. B. Calebasse Bosc, Conseiller de la Cour, Marie Louise Nova, Beurré Colmar, Nouveau Poiteau, Fréderic de Wurttemberg, Beurré d’Amanlis, Colmar d’Aremberg, Comte de Flandre, Colmar Nelis, Reine des Pays-Bas, Bergamotte rouge tardive, Bezi de Louvain, Nec plus Meuris, Beurré Drapiez, Doyenné Dilleu, Enfant prodigue, Doyenné Sentelet, Fondante des Celestins etc. etc.

[68] Die schätzbarsten Früchte, welche die Société v. Mons gewinnt oder sammelt, sollen in den Annales de Pomologie abgebildet werden, und wird bemerkt, daß namentlich die neuesten Generationen noch bessere Resultate, als die früheren, und vorzüglich spät reifende Früchte, versprechen, die noch besonders gewünscht werden.

Die Societät ist ein würdiges, dem Herrn v. Mons gestiftetes Denkmal und wünschen wir derselben reiche Erfolge. Von großem Werthe wäre es gewiß auch, wenn die Societät ihre Forschungen mit darauf erstrecken wollte, welche im Besitze des Herrn v. Mons gewesenen und durch ihn verbreiteten Früchte, genauer von ihm selbst erzogen, oder von seinen pomologischen Freunden aus Kernen erzogen, oder von diesen und Herrn v. Mons nur irgendwo aufgefunden und als gute, schon vorhandene Varietäten gesammelt sind.

Die bisherigen Nachrichten darüber sind, wenigstens für uns Deutsche, noch immer unsicher und oft dunkel, und scheint nicht selten eine mit dem Beisatze par Mr. Hardenpont, Duquesnez, Liart etc. aufgeführte Frucht mehr von diesen Männern nur verbreitet, als von denselben erzogen zu seyn. Eine Zusammenstellung der Abkunft der besten jetzigen belgischen Früchte, nebst Notizen wer sie benannte, ob der Name auf eine Person oder einen Ort etc. sich bezieht, wäre gewiß sehr lehrreich.


Um den Inhalt des besprochenen Werkes noch etwas näher würdigen zu können, füge ich das Verzeichniß der in dem mir gerade vorliegenden ersten Jahrgang der Annalen der Pomologie abgebildeten Obstsorten, hier schließlich an, in der Reihenfolge wie die Sorten aufgeführt und abgebildet sind.

Bon Chrétien d’hiver, Winter gute Christen- oder Winter Apothekerbirn.

Framboise Victoria, Victoria Himbeere.

Poire Conseiller de la Cour, Hofrathsbirn.

Pomme d’Api étoillée, Stern Api.

Poire Marie Parent (Riv.), Marie Parentbirn.

Fraises Goliath und Fr. Mammouth, Goliath und Mammuth Erdbeere.

Poire Duchesse d’Angoulême, Herzogin von Angoulême.

– – – panachée, Gestreifte Herzogin von Angoulême.

Cerise Reine Hortense, Königin Hortensie Herzkirsche.

Bigarreau Napoleon, Napoleon’s Knorpelkirsche.

Muscat blanc hatif du Jura, Weiße frühe Muskateller.

Beurré gris, Graue Herbstbutterbirn, Isembart.

Grosse Mignonne hative, Frühe Lieblingspfirsich.

St. Germain panachée, Gestreifte Herrmannbirn.

Chorister, Invincible und Band Europe, Stachelbeere.

Angler und Echo Stachelbeere.

Pêche Belle et bonne, Schöne und Gute Pfirsich.

Tockay des Jardins, Tockayer Traube.

Prune de Monsieur, jaune, Gelbe Herrenpflaume.

Doyenné de Julliet (v. M.), Julius Dechantsbirn.

Beurré de Wetteren (Berkm.), Wetterenner Butterbirn.

Cerise Belle de magnifique, Schöne von Chatenay.

– – de Choissy, Schöne von Choissy.

Verte-longue panachée, Gestreifte lange grüne Herbstbirn, Melonenbirn, Schweizerhose.

Beurré Colmar, Colmar oder Mannabirn.

Abricot Pêche, Pfirsich Apricose oder Apricose von Nancy.

Poire Prince Albert (Biv.), Prinz Albertsbirn.

Prune Impératrice, Kaiserin- oder Diadempflaume.

Doyenné roux, Graue Dechantsbirn.

Pomme royal d’Anglettere, Englischer königlicher Apfel.

Cerise Royale de Hollande, Königliche Kirsche von Holland.

Pomme Duitsch Mignonne, Deutscher Lieblingsapfel (scheint die Glanz-Reinette).

Pêche Grosse noire de Montreuil (Galande, Bellegarde), Große schwarze Montreuiler Pfirsich.

Poire Rousselon (Esp.), Rousselonbirn.

Raisin Angers rouge hatif, Frühe rothe Traube von Angers.

Poire Medaille d’or, (wahrscheinlich Sylvester’s Herbstbirn), Goldene Ordensbirn.

Grosse Mignonne, Prinzeß- oder Lackpfirsich.

Noyer commun, Gemeine Welschnuß.

Poire Petit Rousselet (Rousselet de Rheims), Rousselet von Rheims.

Prune Imperiale violette, Violette Kaiserpflaume.

St. Germain Vanquelin, Vanquelin’s Herrmannsbirn.

Cerisier de la Toussaint, Allerheiligenweichsel.

Poire Arlequin musqué (v. M.), Muskirte Arlequinbirn.

Cerisier Royale-tardive d’Angleterre, Späte englische königl. Glaskirsche.

Pomme de Cantorberry, Canterbury Reinette.

Smelling Beauty, Bunkers Hill und Husband-Man, Stachelbeere.

Pêche Belle Bausse, Bausse’s schöne Pf., (eine Art Große Mignonne).

Poire Beau-Present d’été, (Éspargue), die Sparbirn, Franz-Madame.

Pomme Framboise, Himbeerapfel (wahrscheinlich Gestreifter Herbst Calvill).