Pomologische Monatshefte:1. Band:3. Heft:Neue Methode zur frühern Ausbildung der Pfirsichbäume am Spalier

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 3, Seite 98–100
Julien Alexandre Hardy, Hermann Jäger
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Einfache Methode Obstsorten in Umrissen zu zeichnen
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Ueber die Bepflanzung der Wege mit Obstbäumen
[98]
Neue Methode zur frühern Ausbildung der Pfirsichbäume am Spalier.[1]

Fig. 56.

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Man sieht aus dem Vorhergehenden, daß eine lange Zeit (10 bis 11 Jahre) dazu gehört, um einen ausgewachsenen Pfirsichbaum in der angegebenen Form zu ziehen, denn wir haben dabei noch angenommen, daß der Boden gut ist und daß den Baum kein Unfall betrifft.

Wir haben Versuche gemacht, auf eine neue Methode den Pfirsichbaum mit gleich gutem Erfolge in dieser Form zu ziehen, wobei wir zugleich Zeit gewinnen, ein Vortheil, der nie aus den Augen zu lassen ist. Man darf jedoch auch nicht zu schnell gehen, denn vor Allem muß Alles vermieden werden, was der Regelmäßigkeit und dem guten Zustande des Baumes Schaden bringen könnte.

Fig. 57.

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Durch die in Rede stehende Methode gelangen wir schnell zu einem guten Erfolg; wir gehen dabei rasch und sicher. Sie hat die Erfahrung für sich, und ist im Grunde nichts Anderes, als eine Anwendung der Regeln zur Ziehung des Pfirsichbaumes in Form eines U oder der doppelten Palmette auf das Viereck. Fig. 56 zeigt einen jungen einjährigen Baum, welcher einmal beschnitten worden ist, an dem also der zweite Schnitt vorgenommen wird. Der Trieb ist an der Stelle a abgeschnitten worden, und aus den beiden obersten Augen sind zwei Triebe entstanden, welche die Mutteräste bilden sollen und ungefähr in einem Winkel von 70 Grad befestigt werden. Im Sommer werden, so oft es nöthig ist, die Nebentriebe entspitzt, [99] mit Ausnahme der Triebe b, welche für das folgende Jahr Holzzweige bilden sollen.

Fig. 58.

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Im zweiten Jahre wird, wie vorstehende Fig. 57. zeigt, der Mutterast A soweit niedergezogen, daß er ungefähr einen Winkel von 50 Grad bildet, und gar nicht beschnitten. Er wird durch allmäliges Niederziehen nach und nach der unterste Seitenast und darum nicht geschnitten. Man erkennt schon daraus, in wiefern diese Methode neu ist. Die Holzäste werden ebenfalls nicht beschnitten, wodurch sie eine große Wuchskraft erhalten. Der Nebentrieb C, den wir beibehalten hatten, treibt sehr stark, aber ohne seinem Mutterast A gefährlich zu werden. In Folge der Biegung welche man ihm gibt, so wie er die Höhe der Mauer erreicht hat, welche der Ast B einnehmen soll, wird sein Wachsthum mäßiger, und an der Biegungsstelle beginnt ein neuer Nebentrieb C2. Sollte auf dieser Stelle kein Nebentrieb von selbst zum Vorschein kommen, so macht man über dem Auge, welches ihn hervorbringen soll, einen Einschnitt. Man bindet ihn zeitig an, und kneipt gewissenhaft allen etwa entstehenden Nebentrieben die Spitzen ab, um ihn in Vergleich zum Aste B in einem Zustande der Unterordnung und Schwäche zu erhalten. Der (neue) Nebentrieb C wird begünstigt, um den Verlängerungsast zu bilden. Sollte jedoch der Ast B ein zu großes Uebergewicht gegen den Mutterast A bekommen wollen, so wird ein zu rechter Zeit ausgeführter Sommerschnitt diesen Nachtheil beseitigen; in der Regel genügt jedoch schon das Ausbrechen der Zweige und ein wohlüberlegtes Anbinden im Sommer, um Herr über den Ast zu werden.

Im dritten Jahre, wie nebenstehende Fig. 58. zeigt, erreicht der erste Ast seine vollständige Ausbildung. Man biegt ihn jetzt mehr nach unten, was nun jedes Jahr geschieht, bis er eine fast horizontale Lage einnimmt. Man bildet nun den dritten Unterast ganz wie den zweiten.

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Fig. 59.

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Endlich im vierten Jahr, wie die Fig. 59. zeigt, biegt man den vierten Ast um, gewinnt so den letzten (obersten) Unterast, und im fünften Jahre füllen bereits sämmtliche Unteräste den ihnen bestimmten Raum aus.

Im sechsten Jahre erzieht man den ersten Oberast, welcher im siebenten Jahre sein Endziel erreicht.

Eben so wird es mit den andern Aesten gemacht.

Zu Ende des siebenten Jahres ist der Baum ganz fertig gezogen.

Man gewinnt also drei Jahre ohne Nachtheil für die Dauer und das Gleichgewicht des Baumes. Man benutzt eben die ganze Wuchskraft des Baumes und kommt darum schnell zum Ziele. Auf diesem Punkte angelangt, werden die Spitzen von fernerer Ausbreitung zurückgehalten, was ganz in der Weise geschieht, wie wir früher bei dem gewöhnlichen Verfahren angezeigt haben. Das Fruchtholz wird ganz nach den früher aufgestellten Grundsätzen behandelt.

Die kleinen Zahlen zeigen an, in welchem Jahre jeder Zweig gewonnen wurde.

Anmerkung. In dem Abschnitt über Literatur befindet sich eine Beurtheilung der Schrift, aus welcher wir den obigen Artikel entlehnten. Wir hielten es für geeignet, als Probe der sehr gelungenen Zeichnungen sowie der kurzen und bestimmten Belehrungen diesen kurzen Artikel hier mitzutheilen und hoffen, es werde sich diese sehr empfehlenswerthe Schrift recht bald allgemein verbreiten.
Die Redaktion.

  1. Aus dem Werk: „Der Obstbaumschnitt. Neueste Methode zur Behandlung der feineren Obstarten am Spalier und in allen anderen gebräuchlichen Formen[WS 1].“ Von J. A. Hardy; nach[WS 2] der zweiten Auflage des Originals bearbeitet und durch Zusätze und Erläuterungen den deutschen Verhältnissen angepaßt von H. Jäger. (Leipzig 1855 bei Otto Spamer.)[WS 3]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gebrächl ich e oma
  2. Vorlage: nch
  3. Der Obstbaumschnitt. Neueste Methode zur Behandlung der feineren Obstarten am Spalier und in allen anderen gebräuchlichen Formen (= Illustrirte Bibliothek des landwirthschaftlichen Gartenbaues für Gärtner, Landwirthe und Gartenbesitzer. 1. Abt., Bd. 3). Otto Spamer, Leipzig 1855 Google – Original: Traité de la taille des arbres fruitiers […]. 2. Auflage. Dusacq, Paris 1853