Pomologische Monatshefte:1. Band:3. Heft:Obstliqueur

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 3, Seite 106
Dr. Reuß
fertig
<<<
Weißes Apfelgelee
>>>
Zwanzigster Jahresbericht des Thüringer Gartenbau-Vereins zu Gotha für das Jahr 1853
[106]
Obstliqueur.

Einen ganz vortrefflichen Obstliqueur bereitete ich mir in dem obstreichen Jahre 1847 auf folgende ganz einfache Weise. Ich nahm süßen Birnmost, frisch von der Presse hinweg und versetzte denselben mit Obstbranntwein, den ich mir aus Birntrebern selbst gebrannt hatte. Zu 1 Maas süßen Birnsaft kam 1 Maas Branntwein. Um den eigenthümlichen Obstgeschmack zu decken und dem Getränk ein angenehmes Arom zu geben, wurden zu 2 Maas Flüssigkeit (Branntwein und Birnsaft) 15–20 Tropfen in etwas Alcohol aufgelöstes Pfeffermünzöl beigemischt. Das Ganze wurde gut durchgeschüttelt und blieb ruhig stehen, bis es sich klärte. Eine Gährung findet nicht Statt und soll vielmehr auch nicht stattfinden, da der Branntwein hinlänglich Geist liefert und der Birnmost, um die Stelle des Zuckers zu ersetzen, süß bleiben muß. Nachdem sich die schleimigen Bestandtheile des Birnsaftes ausgeschieden, wird der fertige Liqueur abgezogen oder auch durchfiltrirt. Um diesen schleimigen Inhalt des Birnsaftes, der größtentheils aus Pflanzeneiweiß besteht, schon von vorn herein zu entfernen, darf man nur den noch ganz süßen Birnsaft auf 65° R.[WS 1] erhitzen und das dadurch gerinnende Eiweiß abschäumen. Dieser Obstliqueur mundet selbst Feinschmeckern vortrefflich und Niemand erräth, daß er zur Hälfte aus Birnsaft besteht; er ist noch jetzt sehr delikat. Es wird nicht nöthig seyn zu bemerken, daß sich ein solcher Liqueur viele Jahre lang aufbewahren läßt.

Stuttgart im Dezember 1854.

Dr. Reuß.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. = 81,25 °C