Pomologische Monatshefte:1. Band:6. Heft:Handbuch aller bekannten Obstsorten

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 6, Seite 273–276
Johann Georg Conrad Oberdieck
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Gegenstände der Berathung der XVII. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe zu Cleve
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Gründliche Anleitung für Maulbeerbaumzucht und Seidenbau

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Handbuch aller bekannten Obstsorten u. s. w. von Freiherrn Ferd. von Biedenfeld. 2. Band, Aepfel. Jena bei Friedrich Frommann 1854, LXVI und 320 Seiten, 2 Thlr.

Den ersten Band dieses sehr zu beachtenden Werkes, enthaltend die Birnen, haben wir bereits in der Monatsschrift angezeigt. Der thätige Herr Verfasser hat den 2. Band dem ersten rasch folgen lassen. Dieser hat im Allgemeinen dieselbe Einrichtung, wie der erste Band, und haben wir daher auch dieselben Wünsche hinsichtlich vollkommenerer Einrichtung des Buches auszusprechen, wenn gleich wir uns gern abermals bescheiden, daß bei einem so mühsamen, schwierigen Werke, wie das vorliegende, sofortige größere Vollkommenheit gar nicht möglich war. Einige wesentliche Verbesserungen finden sich indeß schon bei diesem Bande, z. B. daß bei jeder Frucht jedesmal und vollständiger als im ersten Bande, die Autoren genannt werden, bei denen sie vorkommt, wenn gleich wir auch hier noch wünschen möchten, daß die falschen Synonymen (z. B. Rother Calville bei Gelber Winter Carthäuser, Grauer Kurzstiel bei Carpentin) unter den wirklichen bemerklich gemacht worden wären, mehr eingewebte kritische und nachweisende Notizen sich fänden, und die Autoren nicht bloß am Schlusse der Artikel über jede Frucht, sondern, wie es meist in Herrn Dochnahl’s ähnlichem Werke geschehen ist, möglichst gleich hinter den einzelnen Synonymen aufgeführt wären, um gleich sehen zu können, bei welchem Autor dieser oder jener Name der Frucht vorkommt. Schade ist es, daß dem Herrn Verfasser nicht auch die Werke von Downing (Fruits and fruit trees of America)[WS 1] und British Pomologie etc. by Robert Hogg (London 1851)[WS 2] zu Gebote gestanden haben, die man nirgends angeführt findet, zumal Hogg schon weit vollständigere kurze Charakteristiken der Englischen Aepfel gibt, als der Katalog der Londoner Gartenbau-Gesellschaft von 1847, der in der That nur Skizze ist. Aus Downing’s Werken wird der Hr. Verf. in der von ihm redigirten Thüringischen Gartenzeitung, nach brieflicher Mittheilung Nachträge liefern. Einzeln fehlten auch Hinweisungen auf Diel’s Werke, wo sich bei demselben eine Frucht findet, wie z. B. bei den Aepfeln Altgeld’s Küchenapfel, Pultri, Christ’s bunter Pepping, wo nur das Werk des Concipienten dieser Anzeige von 1852 allegirt ist; oder man begegnet wohl einmal einer kleinen Ungenauigkeit in den Namen, wie z. B. Sulinger Borsdorfer statt Sulinger Borsdorfer Reinette, doch sind das untergeordnete Momente.

Lehrreich ist häufig die Vergleichung der angeführten Synonymen mit denen in Dochnahl’s kürzlich erschienenen Werke über die Aepfel. Oft stimmen beide Werke sehr überein, wie z. B. bei Carpentin, Grauer Fenchel Apfel, Rother Stettiner, und das gibt, da beide Autoren unabhängig arbeiteten, Forschern, die die Synonymen noch nicht näher kennen, schon größere Gewißheit; oft hat der Eine mehr Synonymen, als der Andere, wie z. B. bei Gelber Winter Carthäuser und an andern Stellen.

Lehrreich und vielfältig anregend ist wieder die dem Werke beigegebene längere Vorrede und Einleitung, namentlich die gegebene Uebersicht über die bisher erschienenen pomologischen Systeme, wo jedoch eine nähere Darlegung der Systeme des Hrn. Pastors Koch und des Hrn. Professors Hlubeck fehlt, wie sie in den Frauendorfer Blättern von 1844, S. 234[WS 3] und von 1847, S. 232 gegeben ist. Wenn Concipient [274] dieser Anzeige dabei zuerst auch eine Uebersicht des von Herrn Freiherrn von Aehrenthal vorgeschlagenen Systems fand, dessen kleines Werk: „Anleitung, unter den in Deutschland bekanntesten Obstsorten, ohne Beihülfe wissenschaftlicher Systeme, eine den verschiedenen Zwecken entsprechende Wahl selbst treffen zu können, Prag 1845“[WS 4] ihm erst kürzlich bekannt wurde, und aus dem Buchladen in diesem Augenblick noch nicht zugegangen ist, und dessen größeres pomologisches Kupferwerk er bisher noch nicht einsehen konnte, so stimmte derselbe von Herzen in die Bemerkung ein, daß das frühere Fehlen eines pomologischen Journals, das pomologische Notizen Jedem leicht zugänglich machte, in der That ein wesentlicher Mangel gewesen sey. Was aber Herrn Dochnahl’s aus dessen kleiner Schrift von 1847, aufgeführtes System betrifft, so ist zu bemerken, daß Herr Dochnahl dasselbe in seinem obgedachten Werke über die Aepfel bereits so wesentlich geändert hat, daß es ein gänzlich anderes geworden ist. Ob dieses System nun, wie Hr. Dochnahl glaubt, und mit einer gewissen Geringschätzung der bisherigen Leistungen unserer tüchtigsten Pomologen behauptet, nunmehr erst vollkommen und wissenschaftlichen Anforderungen entsprechend und genügend sey, ob es insbesondere für den, der Obstfrüchte noch nicht kennt und nach ihrem rechten Namen aufsuchen will, sicherer und weiter führend sey, als das Diel’sche System, so daß es gerathen wäre, dieses zu verlassen, steht wohl sehr dahin, und möchte Concipient dieser Anzeige, bei aller Achtung gegen Hrn. Dochnahl’s Kenntnisse, Geistesgewandtheit und Thätigkeit, vollkommen daran zweifeln. Versuche derer, die noch unbekannte Obstfrüchte nach diesem Systeme aufsuchen wollen, werden nähere Entscheidung darüber geben müssen.

Lehrreich ist in dem Werke unseres Hrn. Verfassers auch die in der Einleitung gegebene Zusammenstellung der französischen Cyderäpfel und der gangbarsten Art, wie man in Frankreich den Cyder bereitet, wo in der That sehr anregend für unsern deutschen Obstbau die Notiz ist, daß in Frankreich 30 Departements sich mit der Bereitung von Obstwein beschäftigen, die 700 bis 875 Millionen Preuß. Quart. Obstwein, zu dem Werthe von 171/3–20 Millionen Thaler produciren. Ebenso interessant ist die gegebene Uebersicht, wie der verstorbene Metzger für die süd- und westlichen Gegenden Deutschlands die Aepfel nach ihrer Tauglichkeit für wärmere Lagen und höhere Gebirgsgegenden, für Gärten mit Grabeland und größere Baumstücke mit Grasboden zusammengestellt hat, wenn man gleich diese Zusammenstellung noch für sehr unvollkommen und nicht selten, bei Empfehlung einzelner Früchte für diese oder jene Lage (z. B. der Guten Louise. Virgouleuse, Colmar für Hausgärten in höheren Gebirgslagen) für unmotivirt und schwerlich auf wirkliche Erfahrung gegründet, halten möchte. Erfahrungen über diesen so wichtigen Punkt der Pomologie müssen wir noch weit mehr sammeln, ehe irgend Genügendes darüber gegeben werden kann.

Nicht ganz übereinstimmen kann ich mit dem Herrn Verfasser in folgendem Punkt. S. 50 der Einleitung sagt er, in Beziehung auf eine Bemerkung in der Einleitung zu meiner Schrift von 1852, wo ich geschrieben hatte „was die Baumschuleninhaber betrifft, so wird es erforderlich seyn, daß Jeder derselben sich bemühe, nur wissenschaftlich bestimmtes Obst unter deutschen Namen anzuziehen etc.“, er könne dem: „nur unter deutschen Namen“, nur bedingungsweise zustimmen, denn wir hätten bis jetzt in Deutschland keine einzige pomologische Autorität solcher Hoheit und Kraft erlebt, daß deren Aussprüche allgemeine, unwandelbare Gültigkeit erlangen könnten; wir hätten und erkenneten keinen pomologischen Papst, und so bestehe auch als historische Wahrheit, daß alle unsere Obstsorten unwandelbare deutsche Namen bis jetzt noch nicht hätten und führten, sondern unter mancherlei Benennungen, je nach diesem oder jenem pomologischen Meister, oder wenn sie hier und dort bekannt seyen, umliefen, und von jedem neuen Pomologen sich oft wieder eine Umtaufung oder Modifikation gefallen lassen müssen; weßhalb denn, zumal selbst mancher Baumschulenbesitzer sich gar oft für eine Art pomologischen Papstes halte und Namen ertheilen zu dürfen glaube, man wohl dem Himmel danken müsse, daß in sehr vielen Fällen die ausländischen Namen in der allgemeinen Verwirrung uns sagten, was wir eigentlich unter den verschiedenen deutschen Namen begreifen. Wir könnten daher und dürften die ausländischen Namen nicht entbehren und verbannen, so lange nicht unsere Pomologie ihr Tridentinum und dessen Feststellungen erlebt habe.

Vielleicht hat der Herr Verfasser meine obgedachte Aeußerung und Forderung nur unrichtig aufgefaßt. Ich habe die Fremdnamen für das Obst nicht für die Pomologen und aus den Handbüchern der Pomologie verbannen wollen; da sind sie am Platze und jeder Pomologe mag und muß sie sich merken. Ich habe sie nur, und auch nur so viel wie möglich, aus den Baumschulen [275] und der pomologischen Sprache des Volks verdrängen und zu allgemeiner Adoptirung der von unsern deutschen Pomologen gegebenen deutschen Obstnamen ermuntern wollen. Ich habe daher auch in der Anzeige des ersten Bandes des hier besprochenen Handbuches es nicht mißbilligt, daß der Herr Verfasser bei den aus dem Auslande gekommenen Obstsorten, den ursprünglichen Fremdnamen vorangestellt hat, und nur gewünscht, daß er für den Unkundigen den von Diel und andern classischen deutschen Pomologen gegebenen deutschen Namen der Sorte durch irgend etwas kenntlicher hätte machen mögen; wie es mir denn auch zusagt, daß Herr Dochnahl in seinem gleichen Werke sich strenge an die von unsern Pomologen, namentlich von Diel gegebenen deutschen Benennungen, die vorangestellt sind, hält, und wo er solche nicht fand, gewöhnlich einen glücklichen Griff in Ertheilung eines deutschen Namens gemacht hat. Die Baumschulenbesitzer aber sollen, wie ich dringend gewünscht und gebeten habe, zunächst nur die von unsern Pomologen geprüften und für unsere Gegenden schon sicherer bewährten Obstsorten verbreiten, und wo die sehr großen Baumschulen etwa dennoch noch nicht geprüfte neuere Sorten aufnehmen zu können und zu müssen glauben, da ist es am rechten Orte, daß sie diese unter den ursprünglichen Fremdnamen aufführen. Meine Bemerkung war gegen die bisherige gewöhnliche Beschaffenheit der Kataloge deutscher Baumschulen gerichtet, die ein buntscheckiges Gemisch von deutschen und ausländischen, oft jämmerlich corrumpirten Namen darstellten, die pomologische Sprache ist nicht bloß für die Wissenschaft, sondern zunächst für das Volk und selbst dessen ungebildeteren Theil, der fremde Sprachen nicht kennt, bestimmt, und darum soll jede Obstsorte, die wir kennen, einen deutschen Namen erhalten. Der Herr Verfasser hat selbst öfter bemerkt, wie jämmerlich die Fremdnamen in deutschen Obstkatalogen oft corrumpirt werden, wo z. B. Louise bonne sich als Lissabonner fand und ich irgendwo von einer Winter epine d’été, Calville rouge die rothe, gelesen, oder im Volke Namen wie Engl. Laterne (Angleterre), Schwengtscherseng etc. gehört habe; – wie denn auch der Hr. Verfasser S. 60 der Einleitung dem selbst beizustimmen scheint, und bemerklich macht, wie die deutschen Namen oft selbst in wissenschaftlichen Katalogen des Auslandes arg corrumpirt würden, was selbst öfter im Kataloge der Horticultural Society geschehen sey, wo z. B. Grunken Berger’s Krachapfel, Hoskreiger, Marmorister Sommer Pepping, Reinette von Claveral, Dietzer Mandelsreinette, Credo’s Gütten Reinette etc. sich findet. Alle deutschen Pomologen sind daher auch einstimmig bisher der Sitte gefolgt, die Fremdnamen durch einen deutschen zu geben. Haben wir nun bisher – wohl keinen pomologischen Papst, – aber auch keine genügende pomologische Auctorität, laufen die von unsern classischen Pomologen benannten Obste immer noch unter allerlei Namen um, und erlaubt sich bald dieser, bald jener daran willkürliche Aenderungen, so sage ich dazu von ganzem Herzen ein quod male! und spreche es als meine bestimmteste Ueberzeugung aus, daß, wenn wir jetzt nicht Selbstverleugnung genug und Sorge genug für Emporkommen rationellen Obstbau’s haben, um der Auctorität eines Diel, Truchseß und Liegel uns unterzuordnen, die mit Mühe und Kosten geleistet haben, was so leicht ein Anderer nicht leisten wird, dann zu Lebzeiten dieser Männer, wo wenigstens unter den Pomologen Uebereinstimmung war, in der Pomologie mehr Fortschritte gemacht seyn werden, als künftig zu hoffen sind, und es auch künftig zu respectirten Beschlüssen einer pomologischen Versammlung nicht, es sey dann nach langen und schädlichen Wirrsalen, kommen werde. Ich meinerseits habe der Auctorität unserer classischen[WS 5] Pomologen mich willig untergeordnet und werde mich an die von ihnen gegebenen Obstnamen auch ferner streng halten (wie ich mir denn überhaupt meine Aufgabe zunächst nur darin gesetzt habe, die Frage möglichst weiter zu fördern, welche Obste in unsern Gegenden die besten und einträglichsten sind). Wer es mit Emporkommen des Obstbaus redlich meint, thue es auch, und dieß wird nicht nur der beste Weg werden, aus dem Chaos herauszukommen und die vielen Synonymen aus der Praxis zu entfernen, sondern es wird dann auch hoffentlich eines künftigen pomologischen Tridentinums nicht bedürfen – was sehr zu wünschen ist, da kein Grund ist, zu hoffen, daß man künftig einiger und selbstverleugnender seyn werde, als jetzt.

Mit ganzem Herzen stimme ich dagegen mit dem Herrn Verfasser in dem Wunsche überein, daß man den unlängst von dem Preußischen Gartenbau-Vereine erlassenen Aufruf nicht mißverstehen und unrecht deuten möge, wozu, wie erwähnt wird, bereits einiger Anschein sey, und daß derselbe veranlassen möge, daß die großen Baumschulen, sowohl unseres Inlandes, als wieder diese mit den pomologischen Anstalten zu London und Brüssel gegenseitig Pfropfreiser austauschen möchten, um Irrthümer [276] und falsche Benennungen aus der Pomologie immer mehr zu verbannen. Solchen Austausch habe ich gleichfalls meinerseits schon einzuleiten gesucht, und es ist möglich, daß auch unsere Monatsschrift zu einer größern und mehrfältigen Verbindung deutscher Pomologen mit denen des Auslandes führt, wo sie bereits beachtet zu werden scheint, wie noch unlängst wieder mehrere von Pomologen aus Frankreich und Belgien der Redaction zugegangene Schreiben bekunden. Daß aber die nächste Versammlung deutscher Pomologen ersprießliche Früchte für die Pomologie haben werde, wünsche und hoffe ich mit dem Herrn Verfasser und schließe diese Anzeige mit dem Wunsche, mit dem der Herr Verfasser nach einem gar schönen Liede des sel. Hempel (in dem verhängnißvollen Jahre 1812 an den Verein zu Altenburg gerichtet) seine Einleitung schließt, daß wir friedlich Pomonen’s Reich durchstreifen und bei uns nie ein Erisapfel reifen möge.

Jeinsen, 25. Januar 1855.

Oberdieck.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. A. J. Downing: The Fruits and Fruit Trees of America; The Culture, Propagation, and Management, in the Garden and Orchard, of Fruit Trees Generally […]. Wiley and Putnam, New York / London 1845 Google
  2. Robert Hogg: British Pomology; or, The History, Description, Classification, and Synonymes, of the Fruits and Fruit Trees of Great Britain. Groombridge and Sons, London [u. a.] 1851 Internet Archive
  3. G. Liegel, J. E. Fürst: Schmerzens-Thränen werden Freuden- und Dankes-Thränen. In: Vereinigte Frauendorfer Blätter. Jg. 1844, Nr. 30, S. 233–235 MDZ München
  4. Johann von Aehrenthal: Anleitung, unter den in Deutschland bekanntesten Kernobstsorten ohne Beihilfe wissenschaftlicher Systeme eine den verschiedenen Zwecken entsprechende Wahl selbst treffen zu können […]. Prag 1845 California
  5. Vorlage: cassischen