Praktische Anmeldung bei Goethe

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Titel: Praktische Anmeldung bei Goethe
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aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 752
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Johann Wolfgang von Goethe
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[752] Praktische Anmeldung bei Goethe. Daß es einer Menge Reisender versagt blieb, den berühmten Mann zu sehen und zu sprechen, ist eben so bekannt als erklärlich; er würde oft den ganzen Tag gebraucht baben, um dem Andrange zu genügen. Und wie klein war die Zahl würdiger Besucher, verglichen mit der Masse derer, die nur Neugierde oder Eitelkeit in Bewegung setzte, und die zu keiner Unterhaltung mit solch’ einem Geiste befähigt waren.

Der Wirth des ersten Gasthofes (zum Erbprinzen) rieth Fremden immer, die ganz gewiß vergebens unternommene Anmeldung zu unterlassen, würde sie nicht durch einen Empfehlungsbrief unterstützt.

Acht Jahre vor Goethe’s Tode kamen zwei junge Doctoren[1] auf ihrer Heimreise von Göttingen durch Weimar und traten im Erbprinzen ab. G.... der Eine von Beiden, brannte vor Begierde, den Schöpfer des „Faust“ zu sprechen; herkömmlich verweigerte der Wirth sein Vermittelung. G... verlangte Papier und Schreibzeug, schrieb folgente Strophen, setzte seinen Namen darunter und ließ das Couvert durch einen Lohndiener Goethe überreichen:


     „Wenn der Feuersinn der Brust,
     lodernd seiner Kraft bewußt,
     Kühn die Schranken wagt zu sprengen,
     Und die unermess’nen Räume
     Frei durcheilt im Reich der Träume,
     Wer kann ihm den Weg verengen?
     Unaufhaltsam
     Weckt er der Saiten schlummernden Ton,
     Und entfloh’n
     Seiner Beschränkung gewaltsam,
     Regt er die Lust, regt er den Schmerz,
     Weitet das Herz,
     Wiegt sich im rhythmischen Klange.

So empfand ich, als in fernen Landen
Meiner Jugend Freund Dein Tasso war;
Tiefer fühlt’ ich und mit grausen Banden
Fesselte Dein Faust mich wunderbar;
Meiner Jugend frohe Zauber schwanden,
Und der Sinn der Dichtung ward mir klar.
Geistig sah ich längst Dich mit Entzücken,
Laß mich jetzt verkörpert Dich erblicken.“

Umgehend erfolgte freundliche Einladung.

  1. Eckhorst, Dr. med. aus Hamburg, und Gülich, Dr. jur. aus Flensburg, welcher letztere nach der Erhebung, gleich anderen tüchtigen Patrioten, aus seinem engeren Vaterlande verwiesen wurde und jetzt Kreisrichter in Bergen auf der Insel Rügen ist.