RE:Κυρετίαι

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,1 (1924), Sp. 169171
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Κυρετίαι (besser Χυρετίαι), Stadt in Perrhäbien. Die aus Cyretiae Liv. XXXI 41, 5 usw. geschlossene Form Κυρετίαι ist nicht belegt. Ethnikon Χυρετιεύς IG IX 2, 388, 1. Ἐφημ. ἀρχ. 1913, 145. Journ. [170] hell. stud. 1913 XXXIII p. 323 nr. 12c Z. 35 Woodward. Einmal Gen. plur. Χυρετιαίων IG IX 2, 349a. Die Lage der Stadt ist von Leake Travels Northern Greece IV 304 mit Hilfe von zwei Inschriften mit dem Stadtnamen festgestellt, IG IX 2, 338. 349a. Die Burg und die Stadt lag auf dem Hügel (380 m) östlich von Domeniko, Arvanitopullos Πρακτικά 1912, 237, der von der Kirche H. Georgios gekrönt ist. Bei ihr waren alle Inschriften eingemauert, die IG IX 2, 338-355 stehen, mit Ausnahme von nr. 352. Jetzt sind sie zum Teil ins Museum von Elassona verbracht. Arvanitopullos Ἐφημ. ἀρχ. 1913, 145-154 unterzog sie einer ergebnisreichen Nachprüfung. Auf dem Berg ist eine in einen Springbrunnen gefaßte Quelle, Ussing Reisen u. Stud. 45. Leake IV 304f. Mit ihr hängt vielleicht der einzige in der Stadt bezeugte Kult und die Priesterschaft für Asklepios und Hygieia zusammen, IG IX 2, 348. Am Nordhang, an dem sich die Stadt ausdehnte, fließt ein Bach (150 m), der in einen Nebenfluß des Xerias (Titaresios) mündet. Die zwischen Domeniko und dem Xerias sich ausbreitende Ebene das Stadtgebietes ist besonders fruchtbar, Georgiades Θεσσαλία², Volo 1894, 183. Daß Chyretiai schon in alter Zeit bestand, darf man wohl aus einem dort gefundenen archaischen Grabrelief schließen, IG IX 2, 353. Ἐφημ. ἀρχ. 1913, 154. Aber Münzen prägte die Stadt nicht, und ihr Name wird erst erwähnt in der Kriegsgeschichte des 2. Jhdts. v. Chr. Chyretiai gehörte zu dem vom Makedonenkönig beherrschten Perrhäbien, wie Livius mehrfach bezeugt, Kip Thessal. Stud. 1910, 120. 199 v. Chr. wurde die Stadt von den mit den Römern verbündeten Ätolern geplündert, Liv. XXXI 41, 5. Niese Gesch. d. mak. Staat. II 604. König Philipp vertrieb den Feind wieder, Kromayer Ant. Schlachtfelder II 28f. Aber nach der Schlacht bei Kynoskephalai mußte sich Chyretiai ebenso wie die anderen thessalischen Städte bedingungslos den Römern übergeben. Damit fielen viele Besitzungen der makedonischen Könige oder hervorragender Römerfeinde nach Kriegsbrauch den Römern zu. Niese II 666. Doch Flamininus überließ in einem 196 oder 194 verfaßten Brief an die Tagoi und die Stadt die beschlagnahmten Vermögen, soweit sie noch nicht zugunsten der römischen Staatskasse veräußert waren, der Stadt; nicht den früheren Besitzern, so daß dieser Gnadenbeweis natürlich der römerfreundlichen Partei zugute kam, IG IX 2, 338. Syll.³ 593. Die Römer gewannen damit dauernd die Ergebenheit der Stadt. Sie widersetzte sich 192 dem Antiochos, wurde aber von den Ätolern abermals erobert, Liv. XXXVI 10. 5. Niese II 699, doch schon im Frühjahr 191 von Baebius zurückgewonnen, Liv. XXXVI 13, 4. Niese II 702. Ebenso konnte Perseus 171 die Stadt erst nach wiederholtem Sturmangriff für sich gewinnen, Liv. XLII 53, 9. Niese III 122. Als Perrhäbien unter Augustus mit Thessalien vereinigt wurde, kam Chyretiai zur Hestiaiotis, Ptol. III 12, 41 (Müller). Die Stadt scheint damals erst aufgeblüht zu sein, wie auch die Erwähnung bei Ptolemaios bezeugt. Zahlreiche Inschriften stammen aus dem 1. und 2. Jhdt. n. Chr. Die Freilassungsurkunden sind nach dem thessalischen Strategen (Kroog De Thess. praetor., Halle 1908, [171] 14) und dem städtischen ταγός, ταμίας oder ἵππαρχος datiert. IG IX 2, 349 b und c und 344 sind vermutlich nach den Jahren des Kaisers Claudius datiert, vgl. Wilhelm Beitr. z. Inschr.-Kunde 312. Die Monatsnamen sind nicht mehr perrhäbisch, sondern thessalisch, Rensch De manumiss. tit. ap. Thess., Halle 1908, 89. 119. 125f. An der Spitze der städtischen Verwaltung standen entsprechend der perrhäbischen und thessalischen Städteordnung schon seit 196 mehrere ταγοί, Kip 124. Schoenfelder Die städt. u. Bundesbeamten, Leipzig 1917. 20, 6. Auch in byzantinischer Zeit blühte der Ort, wie die zahlreichen alten Kirchen beweisen, Leake IV 303; er führte den Namen Δομένικον und war ein mit Elassona vereinigter Bischofssitz, Hierokl. synekdem. ed. Parth. notitia 3 nr. 503. Le Quien Oriens christ. 1740 II p. 125-128 nr. 17. Vgl. Anna Comnena Alexias V 7 P 141 D. Bursian Geogr. v. Griechenl. I 56. Lolling Hellen. Landesk. 151. Leake IV 303-310.