RE:Τισαπατίγγα

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band VI A,2 (1937), Sp. [VI_A,2 1468]–[VI_A,2 1469]
Linkvorlage für WP   
* {{RE|VI A,2|1468|1469|Τισαπατίγγα|[[REAutor]]|RE:Τισαπατίγγα}}        

Τισαπατίγγα (nach Renous Ausgabe: Σιναπατίγγα), eine unter den westlich und östlich des Indos angeführten Städten Indiens bei Ptolem. VII 1, 64. Mannert (Geographie der Griechen und Römer V 146) setzte die Stadt am Paddarflusse an der Stelle der Festung Dschalor (heute Jālor im Jodhpur-Staate (72° 37' ö. L., 25° 21' n. Br.) an. Lassen (Ind. Alt. III 141 A. 1) sieht in T. das moderne Udaipur (so auch auf Kieperts Karte bei Pullé Studi It. di Fil. Indo-Iran. IV, 1901, Atl. Tav. 1; und bei Lassen, III, Karte). Berthelot (L’Asie ancienne, d’après Ptolémée, Paris 1930, 288) sucht das Gebiet der Χaτριαῖοι, zu deren Städten T. gehört, im Südosten des Indusbogens von Sukkur-Ruk, im Distrikt Khairpur und an der östlichen Narra. Etymologisch ist dem Namen schwer beizukommen; es ließe sich in dem zweiten Bestandteil ein °pataṅga ‚Berg‘ vermuten; Τισα- erinnert an Tiṣya-, ein in Personennamen oft vorkommendes Kompositionsglied (vgl. Charpentier Bulletin of the School of Orient. Studies 6, 1931, 316 n. 2); für einen Ortsnamen wäre auf Tiṣyāmratīrtha (Corp. Inscr. Ind. III 282 nr. 76) zu verweisen. Die Lagepunkte von T. (123° L., 24° 20' Br.), mit denen sicher lokalisierbarer Örtlichkeiten bei Ptolemaios verglichen, würden T. an die Längengrade der Einmündung des Koas (Kābul) in den Indos (VII 1, 27: 124°) heranbringen. In der Breitenlage käme etwa Τaμαλίτης (VII 1, 73: 24° 30') in Betracht, das heutige Tamlūk (87° 56' ö. L., 22° 18' n. Br.; s. o. Bd. IV A S. 2091) oder das nicht einheitlich identifizierte Πaτάλα (VII 1, 59: 24°). Der Schnittpunkt, etwas nach Westen verlegt, ergäbe eine Position auf Kathiawar (Kāṭhiāvāḍ). Für eine solche Bestimmung spräche noch ein Umstand: das gleichfalls VII 1, 64 vorkommende Σουδασσάνα mit 123° L. und 26° 50' Br., das mit dem zeitlich und lautlich damit übereinstimmenden Dorf Sudasanā (Sudisaṇā), bzw. Teich Sudarśana in der Nähe des modernen Junāgadh (Ep. Ind. VIII 65ff., bzw. 36ff.) identifiziert werden könnte. Ein solcher Ansatz vertrüge sich mit der Lage von Σουππάρα (112° 30' L., 25° 20' Br.: VII 1, 6), heute Sopāra (72° 41' ö. L., 19° 25' n. Br.) oder Συράστρα κώμη [1469] (114° L., 19° 30' Br.: VII 1, 3), heute Surat (72° 50' ö. L., 21° 12' n. Br.), das in der antiken Landschaft Syrastrene lag. Ist die vermutete Bestimmung von T. auf Kathiawar richtig, dann waren die Χaτριαῖοι die alte Bevölkerung des nördlichen Kathiawar.