RE:Ἀνδραποδιστής

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2134
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Ἀνδραποδιστής hiess derjenige, welcher Raub an Menschen beging (ἀνδραποδισμός, worüber eine verlorene Rede des Antiphon handelte, Bekker anecd. 352, 27, auch ἀνδραπόδισις, Xen. Apol. 25), indem er freie Leute oder Sclaven in seine Gewalt brachte, um sie zu verkaufen; vgl. die Erklärungen bei Schol. Ar. Plut. 521. Bekker anecd. 219, 2. 394, 11. Etym. M. 102, 7. Dass der Zweck des Verkaufs dabei wesentlich war, zeigt sowohl Pollux III 78 δίκη δὲ κατὰ τῶν ἀνδραποδιστῶν ἐλευθεροπρασίου, als die Ableitung von ἄνδρας ἀποδίδοσθαι bei dem Schol. Aristoph. a. O., wie auch die Stellen Lys. X 10. XIII 67. Demosth. XXIV 204. XXV 55. Es ist auch nicht glaublich, dass jedes ungerechtfertigte ἄγειν εἰς δουλείαν als ἀνδραποδισμός betrachtet worden sei, wenngleich bei Plato Leg. XII 955 a. IX 879 a dieser Begriff einen weiteren Umfang hat. Das Verfahren gegen die Menschenräuber war die ἀπαγωγή, Isokr. XV 90; vgl. Luk. bis accus. 13; vitar. auct. 7. Die Strafe war in Athen (wie auch anderwärts, Lys. XIII 67) der Tod, Xen. a. a. O. und Mem. I 2, 62. Demosth. IV 47. Lyk. bei Harpokr. Vgl. Meier-Lipsius Att. Proc. 275. 458. Hermann-Thalheim Rechtsaltertümer 27, 41.