RE:Aëtion 1

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band I,1 (1893), Sp. 700
Pauly-Wissowa I,1, 0699.jpg
Linkvorlage für WP   
* {{RE|I,1|700||Aëtion 1|[[REAutor]]|RE:Aëtion 1}}        

Aëtion. 1) Auch Eetion, Maler und Bildhauer, dessen Name und Persönlichkeit, während man früher auf Grund von handschriftlichen Verderbnissen einen Künstler Echion annahm, von Stark (Arch. Stud. 40f.) und Brunn (Gesch. d. gr. Kstl. I 502. II 243f.) festgestellt worden ist. Er wird neben den berühmtesten griechischen Malern genannt (Cic. Brut. 70; parad. 37. Plin. n. h. XXXV 50. Lucian de merc. cond. 42). Plinius (XXXIV 50. XXXV 78) setzt seine Blüte in die 107. Ol., aber damit lässt sich kaum vereinigen, dass sein berühmtestes Gemälde die erst im Anfang der 113. Ol. vollzogene Hochzeit Alexanders mit der Roxane darstellte, und dass sich der Künstler erst nach der Aufstellung desselben in Olympia verheiratete. Deshalb ist der Zeitbestimmung, welche sich aus dem 8. Epigramm des Theokrit (Anth. Pal. VI 337) ergiebt, dass er ein Zeitgenosse dieses und seines Freundes, des Arztes und Dichters Nikias, war, also um die 130. Ol. lebte, der Vorzug zu geben, und der Maler Aëtion von dem Bildhauer Eetion nicht mehr zu trennen. Die Hochzeit der Roxane, welche sich zu Lucians Zeit in Italien befand, hat dieser nach eigener Anschauung genau beschrieben (Herod. s. Aetion 4f.; vgl. imag. 7). Ausserdem malte A. nach Plinius (n. h. XXX 78) 30 folgende Bilder: Liber pater, item Tragoedia et Comoedia, Semiramis ex ancilla regnum apiscens, anus lampadas praeferens et nova nupta verecundia notabilis, welche Figuren wohl auf vier Gemälde verteilt waren: s. Förster Arch. Zeit. XXXVIII 89f. Die Technik des A. wird als vollkommen vollendet, ähnlich der des Nikomachos, Protogenes und Apelles bezeichnet. Von seinen plastischen Werken kennen wir zwei Statuen, durch Theokrit (a. a. O.) einen für Nikias gefertigten Asklepios aus Cedernholz in Milet und durch Phlegon (mirab. 3 S. 71 Keller) einen auf seinem Wagen stehenden Helios in Syrakus. Über das Leben des A. wissen wir nur, dass er in Milet und Syrakus thätig war und infolge der Ausstellung der Roxane in Olympia die Tochter des Hellanodiken Proxenidas zur Gemahlin erhielt.