RE:Adoratio

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 400401
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Adoratio, griech. προσκύνησις. Bei den Persern herrschte der Brauch, dass, wer sich dem König nahte, vor ihm, wie vor den Bildern der Götter, anbetend niederfallen musste (Plut. Them. 27; Arist. 5. Arr. an. IV 11, 9. Xen. Cyr. VIII 3, 14; vgl. IV 4, 13. V 3, 18. Her. III 86. VIII 118. Senec. de ben. II 12), so dass sein Antlitz den Boden berührte (Curt. VIII 5, 22). In derselben Weise wurden auch hohe Würdenträger von ihren Untergebenen verehrt (Xen. an. I 6, 10). Diese Sitte, welche den Griechen immer entwürdigend erschienen war (Val. Max. VI 3 ext. 2. Ael. v. h. I 21. Nep. Con. 3, 3. Iust. VI 2, 13. Her. VII 136. Xen. an. III 2, 13. Polyb. XXX 19, 5. Eurip. Or. 1508), versuchte Alexander der Grosse auch an seinem Hofe einzuführen, scheiterte aber damit an dem Widerstands der Makedonier (Arr. an. IV 10, 5ff. Curt. VIII 5, 5 ff. Plut. Al. 54. Iust. XII 7, 1–3). In der früheren Kaiserzeit erscheint die A. vereinzelt, bald als Schmeichelei eines Höflings (Suet. Vit. 2. Dio LIX 27, 5), bald als Forderung eines verrückten Tyrannen (Dio LIX 27, 1. Hist. Aug. Alex. 18, 3). Wenn auch Zenobia sie in Palmyra einführte, so geschah dies in Nachahmung des nahen Persien (Hist. Aug. XXX Tyr. 30, 13). Erst Diocletian, welchem gleichfalls nach dem offenen Geständnis des Galerius die persische Despotie bei seiner Umgestaltung der Reichsverfassung als Vorbild diente (Lact. de mort. pers. 21), machte sie noch vor 289 (Eumen. paneg. III 11) zu einem bleibenden Bestandteil der römischen Hofetikette (Vict. Caes. 39, 4. Zon. XII 31. Eutr. IX 26. Amm. XV 5, 18; vgl. XV 5, 27. Eunap. vit. Aedes. 26). Die Ceremonie der kaiserlichen Audienzen wurde jetzt so geordnet, dass die Zugelassenen in der Reihenfolge ihres Ranges und Dienstalters eintraten (Cod. Theod. VI 8; daher adorare inter eos, qui ex ducibus sunt C. Th. VI 23, 1: inter tribunos et notarios Cass. Var. XI 18. 20; inter protectores C. Th. VI 24, 3. X 22, 3. Not. Dign. Or. 39, 37. 40, 38. 41, 41. 42, 45. Cass. Var. XI 31), sich vor dem Herrscher niederwarfen (Themist. or. IV 52 c. Proc. b. Vand. II 9) und dieser ihnen einen Zipfel seines Purpurgewandes hinhielt (Amm. XV 5, 18. XXI 9, [401] 8), den sie ergriffen und an die Lippen drückten (C. Th. VI 24, 4. VIII 7, 16. Ioh. Chrysost. ad pop. Ant. XI 5 = Migne Gr. 49, 126; vgl. Themist. or. IV 53c). Daher nennt man den Act auch adorare purpuram (C. Th. VI 24, 3. VII 1, 7. VIII 1, 13. 7, 4. 8. 9. 16. XII 1, 70 C. Iust. XII 29, 2. Amm. XXI 9, 8. Cass. Var. XI 20. 31). Die Zulassung dazu galt als Privileg, das nur Standespersonen zukam oder durch besondere Gunst gewährt wurde (C. Th. VI 13, 1. 24, 3. 4. VIII 7, 16. Euseb. vit. Const. IV 67. Eumen. paneg. III 11. Amm. XXI 9, 8. XXII 9, 16). Den Mitgliedern zahlreicher Beamtencollegien wurde, nachdem sie die höchste Staffel ihres Dienstes erreicht hatten, der Abschied in der Form erteilt, dass sie an einer solchen Massenaudienz teilnehmen durften (C. Th. VII 1, 7. VIII 1, 13. X 22, 3. Not. Dign. ed. Seeck 327) und durch die Ehre, die geheiligte Person des Kaisers zu sehen und zu berühren, gewisse Privilegien (C. Th. VI 24, 4. VIII 7, 8. 9. 16. XII 1, 70) und eine gesetzlich bestimmte Rangerhöhung erhielten (C. Iust. XII 29, 2. Cass. Var. XI 18. 20. 31).