RE:Aeternus

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 696697
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Aeternus (deus). Ein nur inschriftlich bezeugter Gott, dessen Kult wir im 2. und 3. Jhdt. n. Chr. im Abendlande verbreitet finden. Widmungen aeterno oder deo aeterno kommen in Rom (CIL VI 3761) und Italien (Aeclanum CIL IX 1092; Aquileia V 8208. 769. 770; Verona V 3211; Turin V 6901–2), in Numidien (Eph. ep. V 787), Mauretanien (CIL VIII 8923. 9704 (?). Eph. ep. V 1050. 1058. Cagnat Rev. arch. 1889 nr. 133; vgl. CIL VIII 796 Numen a.), Gallien (CIL XII 5423), Pannonien (CIL III 3327 = Eph. ep. II 593), Moesien (Arch. epigr. Mitt. XIV 1891, 158 nr. 45), besonders häufig aber in Dacien vor (CIL III 428. 988 a. b. 990. 1286. 6258. Suppl. 7736ff. 7900f. 7996), aber nicht in Spanien (über CIL II 2606f. vgl. Revista archeologica Lissabon 1887, 90). Obwohl dieser Gott – wenn er mit dem θεὸς ὕψιστος? nicht identisch ist – auf griechischen Inschriften nie erwähnt wird, beweisen ausser der Zeit seiner Erscheinung im Abendlande manche anderen Indicien seinen orientalischen, bezw. syrischen Ursprung. Auf einem Stein des d. a. (CIL III Suppl. 7900) wird ein Marinus Marini f., ein Mitglied des Priestergeschlechtes des Iuppiter Dolichenus (Hettner de Iove Dolicheno 1877, 9) erwähnt, und überhaupt wird der Beiname a. häufig dem commagenischen Gotte gegeben. CIL III 1301 a. b. Suppl. 7832. VI 406. 412(?). In Rom wird der Caelus aeternus Iupiter neben Mithras angerufen CIL VI 81. 82. Besonders aber spricht dafür der Umstand, dass fast ausschliesslich diejenigen Götter aeterni genannt werden, welche mit den in Syrien verehrten Baʿlim identificiert wurden, nämlich Iuppiter und Sol oder Apollo (Iovi a. Rom, Not. d. Scavi 1890, 388; vgl. Arch. epigr. Mitt. XV 1892, 81 [die älteste, im J. 1 n. Chr. von einem orientalischen Freigelassenen gestiftet]; Italien, CIL V 789. 7809. IX 4452(?). X 8475 [Iup. sempiternus]; Raetien, CIL III 5788; Dalmatien, CIL III 1783. 3158 b. Suppl. 8667; Dacien, CIL III 1082. 1083. 1352(?). Suppl. 7912–14 [von demselben T. Fl. Afer, der auch Arch. epigr. Mitt. XIII 1890, 192 nr. 1 eine Widmung Malaqbeli macht]. S(oli) oder s(ancto) Iovi a. CIL III 1788. 3138. Soli a. Dyrrachium, III 604; Olisippo, II 259; Africa, VIII 796(?). Apollini a. Dacien, III 990). Wenn wir also annehmen dürfen, dass der d. a. ein syrischer Gott ist und als der höchste Gott angesehen wurde, so ist das beinahe alles, was wir von ihm wissen. Über sein Wesen geben die Beinamen magnus (CIL V 3221. Eph. ep. V 787), sanctus (CIL V 1058. VI 3761), exauditor (V 3208), wenig Auskunft und ebenso spärlich sind die Angaben über den Kult (fons Aeterni CIL III 990. Viribus Aeterni taurobolio III 6961f.). Nur ein Bild dieses Gottes besitzen wir (Bull. com. III t. XXI): er wird ganz nach römischer Art als Iuppiter mit Blitz und Donnerkeil dargestellt, auf den Seiten rechts und links stehen Apollo und [697] Diana. Auch in den Inschriften finden wir neben dem Sol oder Apollo aeternus die Luna aeterna (Rom, CIL VI 755 [mit Sol invictus]. Orelli-Henzen 1929) oder Diana aeterna (CIL III 6161), und obwohl die Existenz einer dea aeterna nicht mit Sicherheit nachzuweisen ist (VII 336 (?). V 8209, ist wohl aeternae L[unae] zu lesen), so ist doch wahrscheinlich, dass die syrische weibliche Gottheit unter diesem Namen im Abendlande verehrt wurde. Auch die ignes aeterni (CIL XII 1551 mit Hirschfelds Anm.) werden wohl Sonne und Mond bedeuten, obwohl derselbe Ausdruck auf einem neu entdeckten Steine (Bull. com. 1883, 218) für das immerdauernde Feuer der Vesta gebraucht wird (vgl. Verg. Aen. IV 200). Wenn dagegen die vergötterte Stadt Rom, die Victoria oder Pax Augusti aeternae genannt werden, hängt das damit zusammen, dass das Reich, seine Hauptstadt und die Kaiser, die seinen Fortbestand sicherten, als ewig angesehen wurden (s. Aeternitas). Die Nymphae aeternae (CIL X 5163) sind, wohl nichts anderes als ein fons perennis. Überhaupt werden also die Götter auf den Inschriften merkwürdig selten ewig genannt und dieser Begriff scheint sich erst mit den orientalischen Kulten in den niedrigen Schichten der Bevölkerung verbreitet zu haben. Es wäre jedenfalls verkehrt anzunehmen, dass derselbe von dem Reiche auf seine Schutzmächte übertragen worden ist. Cumont Revue arch. I 1888 I 184ff. Ruggiero Diz. epigr. I 320ff. v. Premerstein Arch. epigr. Mitt. XV 1892, 81ff.