RE:Agdistis 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 767–768
Pauly-Wissowa I,1, 0767.jpg
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2) Agdistis (Ἄγδιστις, auch Ἄγγδιστις CIG III 3886 add. 3993. IV 6837 [Ἄγγιστις], Varianten bei Strab. XII 567. Keil Philol. VII 198), ein phrygisches Zwitterwesen, nach dem Berge Agdos benannt. Die epichorische Sage der Pessinuntier bei Paus. VII 17, 9: aus dem Samen des Zeus, der ihn im Schlaf auf die Erde entfloss, entstand ein Zwitterwesen mit Namen Agdistis, welches die Götter fesselten und entmannten. Aus dem abgeschnittenen Gliede erwuchs ein Mandelbaum, dessen Frucht die Tochter des Flussgottes Sangarios brach und in den Busen steckte. Sie wurde schwanger und gebar einen Knaben Attes, der ausgesetzt, aber von einem Bocke gepflegt wurde. A. verliebte sich in den herangewachsenen schönen Knaben; die Verwandten aber schickten diesen nach Pessinus zur Vermählung mit einer Königstochter. Die Hochzeit wurde gefeiert, da erschien A. und machte Attes und den König von Pessinus wahnsinnig, so dass sie sich selbst entmannten; Zeus aber gewährte auf die Bitte der A., welche die That bereute, dass der Leib des Attes nie verwesen sollte. Breiter ausgeführt und nur in unwesentlichen Einzelheiten abweichend, erzählt Arnobius (V 5) denselben Mythos. Auf dem öden Felsengebirge Agdos (Agdistis Paus. I 4, 5), welches an der Grenze Phrygiens lag, sollen Deukalion und Pyrrha aus Steinen Menschen hervorgerufen haben. Auch Kybele entstand aus einem Steine; Zeus, der ihr vergeblich beizuwohnen suchte, zeugte, statt mit ihr, mit dem Felsen das furchtbare Zwittergeschöpf A., welches von Dionysos trunken gemacht und entmannt wurde. Aus seinem Blute wuchs ein Granatbaum hervor, von dessen Früchten geschwängert Nana, die Tochter des Sangarios, den Attis gebar. Um seinen Besitz stritten sich Kybele und A., als König Midas ihn soeben mit seiner Tochter (Ia nach dem Pontifex Valerius Arnob. V 7) vermählen wollte. Alle wurden von der eifersüchtigen A. in Wahnsinn versetzt: Attis und seine Begleiter entmannten sich, seine Braut tötete sich, aus ihrem Blute entstanden Veilchen und ein Mandelbaum. Zeus gewährte der A. dass der Leib des Attis nicht verweste, die Haare immerfort wuchsen und der kleine Finger sich stets bewegte (s. Attis und Kybele). Zum Gedächtnis stiftete A. den jährlichen Festkult des Attis zu Pessinus. Beide Berichte gehen auf Alexander Polyhistor zurück (Kalkmann Pausan. der Perieget 247), der sich u. a. auf den von Arnobius angeführten Timotheos, non ignobilem theologarum unum, berufen hatte. Steph. Byz. s. Γάλλος. A. ist ursprünglich ein Beiname der Rhea oder Kybele (Strab. X 469. XII 567. Hesych. CIG 3886. 3993; bei Arnobius gehen A. und Kybele durcheinander), später aber losgelöst [768] und zu einer selbständigen Potenz erhoben. CIG 6837. Preller-Plew griech. Mythol. I 533. Mannhardt Wald- und Feldkulte II 291ff. Baudissin Studien z. semit. Religionsgesch. II 207ff.