RE:Agyrrhios 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 914915
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Agyrrhios. 1) Athenischer Staatsmann aus dem Gau Kollytos (Dem. XXIV 134. CIA II 1 b. [915] Harpokr. Suid.), erscheint zuerst ohne Nennung seines Namens um 405 v. Chr. in der Überlieferung: Aristophanes (Fr. 367f., vgl. Schol. Ekkl. 102. Suid.) verspottet ihn, weil er das Honorar der Dichter beschnitten habe. Wenig später (403/2) tritt er als Ratsschreiber auf (CIA II 1 b = Dittenberger Syll. 48) und zu gleicher Zeit erwähnt ihn namentlich Andokides (I 133). In der Wende des 5. zum 4. Jhdt. führte A., um den Besuch der Volksversammlung zu heben, als entscheidende Neuerung den Sold von einem Obolos für die Masse der zuerst anwesenden Bürger ein. Aristot. Ἀθην. πολ. 41, 3. Schol. Aristoph. Ekkl. 102. Um dieselbe Zeit (vor 395, vgl. Zenob. III 27. Hesych. Suid. s. δραχμὴ χαλαζῶσα) setzte A. die Wiederherstellung des Schaugeldes für die Theateraufführungen (Theorikon) durch. Harpokr., vgl. Phot. s. θεωρικά. Lexic. Vindob. p. 37, 15. Boeckh Staatsh. d. Ath. I³ 284. Bald nach 394 nennt ihn Isokrates (XVII 31. 32). Um 390 vermehrte dann A. den Ekklesiastensold, der in der Zwischenzeit durch Herakleides von Klazomenai (s. d.) auf zwei Obolen gebracht worden war, auf drei. Aristot. a. O. Aristoph. Ekkl. 96. 184, vgl. 292. 300ff. 380. 392; Plut. 176 – die Scholien wertlos – 329. Wuerz merces ecclesiastica Athenis etc. Diss. Berlin 1878, 17ff. 29ff. Endlich fällt vermutlich in das 1. Jahrzehnt des 4. Jhdts. eine längere Haft des A. als Staatsschuldners. Dem. XXIV 135. Im Frühjahr 388 wurde A. an Stelle des gefallenen Thrasybulos (s. d.) mit dem Befehl über ein grösseres athenisches Geschwader betraut und schlug in Lesbos (oder Lemnos?) sein Hauptquartier auf. Xen. Hell. IV 8, 31. Diod. XIV 99, 5. Plat. b. Plut. praec. reip. 4. Suid.