RE:Akanthon

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 4243
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[42] Akanthon (Ἀκανϑῶν). Μηχανὴ καλουμένη Ἀκανϑῶνος wird Oxyr. Pap. I 202 eine Schöpfmaschine (Schöpfrad) benannt, wie sie im alten und neuen Ägypten zur Berieselung des Ackerfeldes an den Ufern des Nils und der Nilcanäle so häufig anzutreffen waren bezw. sind. A. bezeichnet in dieser Verbindung aber nicht, wie man auf den ersten Blick annehmen möchte, eine Person, etwa den Erfinder einer besonderen Art dieser Maschinen oder den Erbauer gerade der [43] genannten Maschinerie, sondern es ist ein Flurname. . ist das Distelfeld, wie συκών der Feigengarten, ἐλαιών der Olivenhain und Ähnliches. Dass diese Auffassung die richtige ist, zeigen uns die beiden Beispiele Oxyr. Pap. I 137, 13 μηχανὴν καλουμένη γηδίου Ἀνιανοῦ (woraus freilich die Herausgeber Grenfell und Hunt einen Gedius Anianus machen) und ebd. 102, 10 μηχανῆς ἐδ[άφ]ους Τεψιταὶ [λέ]γομένου. Diese Beispiele zeigen uns, dass wir auch an unserer Stelle (natürlich nur im Gedanken) γηδίου oder ἐδάφους zu ergänzen haben, ebenso auch Oxyr. Pap. I 194 μηχανὴ καλουμένη [γηδίου] Καϱίου; ebd. I 192 ist der Flurname Λιβικός direct adjectivisch auf die Maschine übertragen. Wie A. auf ἄκανϑος, so gehen κάϱιος auf κάϱος und λιβικός auf λιβυκή) zurück. In Ἀνιανόν-Annianum haben wir einen römischen, in Τεψιταί wohl einen ägyptischen Flurnamen. Der Ortsname Ἀκανϑῶν findet sich, worauf W. Crönert aufmerksam macht, zweimal auf einer Mumienetiquette der Sammlung Erzherzog Rainer (Mitt. V 1889, 17 Holztäfelchen nr. 5). Vgl. Amélineau La géographie de l’Égypte à l’époque copte 17.