RE:Alexandra 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 1375–1376
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Alexandra (Ἀλεξάνδρα). 1) Alte lakonische Göttin. Sie hatte ein ἱερὸν in Amyklai, in dem die Ehrendecrete für Gemeindemitglieder aufgestellt wurden. Ein erhaltenes Decret mit Votivrelief stellt A. leierspielend dar. Athen. Mitt. III 164ff. Paus. III 19, 6. Sie wurde ferner verehrt in Leuktra, Paus. III 26, 5. An beiden Orten wurde sie später identificiert mit Kassandra (s. d.), der Tochter des Priamos, vermutlich unter dem Einfluss der Sage, die den Tod des Agamemnon (s. d.) und der Kassandra nach Amyklai verlegte. Paus. III 19, 6. 26, 5. Hesych. s. Κασσάνδρα. Auch in Unteritalien, bei den Dauniern und in Dardanos (Illyrien?) wurde eine Göttin A., die Männer-Abwehrende, verehrt. Mädchen, die vor der [1376] ehelichen Verbindung mit den ihnen bestimmten Männern wegen ihres Alters oder ihrer Hässlichkeit zurückschreckten, umarmten, schwarz gekleidet und stark geschminkt, das Kultbild der A. und erhielten so ihre Jungfräulichkeit. Auch diese A. wurde mit Kassandra identificiert, war es vielleicht von je. Lykophr. 1126–1140, der vielleicht aus Timaios schöpft: Schol. Lykophr. 1138. Mit der lakonischen A. ist die unteritalische nicht identisch. Die erstere ist richtig von Löschcke (Athen. Mitt. a. a. O.) als πολιοῦχος und σωσίπολις gefasst worden. Vgl. ausserdem v. Wilamowitz Hom. Unt. 156, 18. Hinrichs Philol. XLIV 409ff. Belger Berl. phil. Wochenschr. XI 1281ff. 1315ff.