RE:Alkiopos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1547–1548
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Alkiopos (Ἀλκίοπος), ein Koer, dessen (nicht benannte) Tochter Herakles heiratet, als er auf der Rückkehr von Ilion schiffbrüchig nach Kos verschlagen wird. Plut. quaest. gr. 58. Die Tochter ist nach Maass (Hermes XXVI 1891, 189) gleich der kurz vorher allgemein bezeichneten γυνὴ Θρᾷσσα, welche in ihrem Frauengemach und blumigen (thrakischem?) Gewande den vor den koïschen Meropen flüchtenden Herakles versteckt und gerettet hatte (dagegen Dibbelt Quaest. Coae mythol. Diss. Gryph. 1891, 30, 3). Nach Maass (a. O.) ist A. selbst gleich dem chalkidisch-abantischen Alkon = Chalkon (Chalkodon), Vater der Chalkiope, die sonst auf Kos die Alkiopostochter in diesem Mythos vertritt, und zwar als Mutter des Thessalos von Herakles. Darum ändert F. Back (de graec. caerimon. Berl. 1883, 20) mit C. Robert τὴν Ἀλκιόπου in Χαλκιόπην (dagegen Dibbelt a. O.). A. stammt wohl aus Chalkis als Vertreter der koïschen (Molon) und chalkidischen, ursprünglich thrakischen Abanten (so Maass) = Chalkodontiaden (Jahrb. f. Philol. Suppl. XVI 1887, 211), auf Kos Chalkonidoi genannt (Schol. Theokrit. VII 5. Philol. N. F. IV 1891, 631 mit Anm. 67). [1548] Letzthin wird dieser Thraker Alkon (vgl. auch Hyg. fab. 173) mit seiner Tochter = Θρᾷσσα aus Τραχίς (= Θρᾳκίς) stammen, welches die älteste Heimat des Mythos vom Versteck des Herakles im Frauengemach und seiner Verkleidung in Frauentracht (bei der Trachinierin Omphale) ist (v. Wilamowitz Herakles I 315f.; vgl. Philol. a. O. 615f. mit Anm. 23. 607ff.). Keinen anderen Sinn hat es, wenn in der sonstigen Überlieferung der koïsche Schwiegervater des Herakles, Vater der Chalkiope, Εὐρύπυλος heisst: er ist Eponymos der Thermopylen (Maass Götting. Gel. Anz. 1890, 347; über die [abantische] Verbindung Südthessaliens über Chalkis mit Kos vgl. v. Wilamowitz Isyllos 53).