RE:Althaia 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 16941696
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3) Ἀλθαία, althaea, die wilde Malve oder der gemeine Eibisch, Althaea officinalis L.; vgl. Fraas Synops. pl. fl. class. 100. Billerbeck Flora class. 175. Die graufilzigen Stengel sind 3 bis 4 Fuss hoch, die Blätter herzförmig eirund, [1695] die Wurzel ist fingersdick. Dem Worte ἀ., welches lautlich mit ἄλθος (Heilmittel) und ἄλθειν, ἀλθαίνειν (heilen) zusammenhängt (vgl. Diosc. III 153), entspricht unser ‚Heilwurz‘, wie der Eibisch in mehreren Gegenden Deutschlands wegen der ihm innewohnenden Heilkräfte thatsächlich vom Volke genannt wird. Das Wort Eibisch oder Ibisch ist aus ἰβίσκος, ἐβίσκος (hibiscum – z. B. Verg. ecl. II 30. X 71. Calpurn. ecl. IV 32 – ebiscum, hibiscus) entstanden, und letzterer Ausdruck ist schon im Altertum von einigen Autoren ausdrücklich als gleichbedeutend mit ἀ. bezeichnet worden (vgl. Diosc. a. O. Galen. XI 867. Pallad. XIV 11. Ps.-Apul. de herb. 38), womit aber nicht gesagt sein soll, dass alle alten Botaniker obige Wörter ohne jeden Unterschied gebrauchten; vielmehr scheint es, als ob z. B. Plinius unter ἀ. (XX 222. 229f.) und hibiscum (XIX 89. XX 29. XXVI 21) zwar einander ähnliche Pflanzen versteht (hibiscum, quod molochen agrian vocant XX 29), aber doch keineswegs immer die gleichen. Auch Linné rechnete Malva L. und Althaea L. zu den Malveae (Frucht in fünf bis zahlreiche quirlständige, nüsschenartige Carpelle zerfallend), dagegen Hibiscus L. und einige andere zu den Hibisceae (Frucht eine meist 3 bis 5fächerige, fachspaltige Kapsel); aber zur Familie der Malvaceae (Malvengewächse, vgl. Koch Bäume u. Sträucher des alten Griechenl. 249) gehören sowohl die Malveae als die Hibisceae; vgl. Leunis Synops. 2. Teil³ II § 515, 2 u. 6. Betreffs der völlig berechtigten Gleichsetzung der termini ἀ. und ἀγρία μαλάχη, ἀγριὰς μαλάχη, ἀγριομαλάχη, malva agrestis s. silvestris, wilde Malve, vgl. Theophr. h. pl. IX 15, 5. Schol. Nic. Ther. 89. Diosc. a. O. (hier auch die Bezeichnung ἀλθίοκον = ἀ.). Plin. XX 222 (ἀ. hier auch plistolochia genannt ab excellentia effectus). Galen. a. O.; ferner VI 646 (vgl. XII 67). Die Blüte wird von Dioskorides beschrieben als rosafarbig – diese Angabe ist jedenfalls richtiger als die des Theophrast, der die Blüte μήλινον d. i. ‚apfelfarbig, quittengelb‘ nennt (h. pl. IX 18, 1); sie ist eigentlich rötlichweiss (blass fleischrot) –, der Stamm als zwei Ellen hoch, die Wurzel als schleimig und inwendig weiss. Nach Theophrast (h. pl. IX 18, 1) ist das Blatt malvenartig, nur dass es grösser und behaarter ist, die Stiele sind weich, die Früchte wie die der Malve. Man gebrauchte die schon seit den ältesten Zeiten wegen ihrer Heilkraft in hohem Ansehen stehende ἀ. bei vielen Leiden, z. B. gegen Zerreissungen und Husten (zur leichteren Lösung des Schleimes und Erleichterung des Auswurfs) in süssem Weine, mit Öl gegen Geschwüre u. s. w. Genaueres ausser bei Dioskorides a. O. und Galen (VI 646. XI 739. 750. 867. XIX 694) bei Plin. n. h. XX 222ff., besonders 229f. und Scribon. Larg. compos. med. 80. 82. Auch glaubte man, dass die Wurzel der ἀ., gerieben ins Wasser geworfen, letzteres gerinnen mache; vgl. Theophr. h. pl. IX 18, 1. Plin. XX 230. Diosc. a. O. am Ende. A. officinalis L. (neugr. νερομολόχα) wächst in Griechenland häufig wild, namentlich in Meeresniederungen (vgl. v. Heldreich Pfl. d. att. Eb. 526), an Sümpfen und sonst feuchten Orten, sowie auf Salzboden; sie ist auch in Italien häufig (jetzt altea, buonvisco, bismalva; vgl. Lenz Bot. d. a. [1696] Gr. u. R. 635) und wurde nicht selten in Gärten gezogen; vgl. Geopon. III 6, 6. Vom Eibisch führte wohl auch die Stadt Ἀ. in Hispania Tarraconensis (Nr. 1) ihren Namen, vgl. Murr Die geogr. u. myth. Namen d. altgr. Welt in ihrer Verw. f. ant. Pflanzengeogr. II 28.