RE:Aminaea

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 18351837
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Aminaea (Ἀμιναῖα), nach Hesychios alter Name von Peucetia; dagegen sagt Macr. Sat. III 20, 7: Aminei fuerunt, ubi nunc Falernum est; nach Philargyr. zu Verg. Georg. II 97 waren die Amineer Thessaler, die ihre Weinreben nach Italien [1836] verpflanzten. An die Umgegend von Neapel knüpft den Namen der aminaeischen Rebe auch Galen Meth. med. XII 4. Der angebliche Volksname wird aus dem der Weinsorte Aminaeum vinum abgeleitet sein.

Die A.-Rebe war schon in früher Zeit in Italien wegen ihrer grossen Ergiebigkeit besonders beliebt (Col. III 9, 3). Schon Cato (aminnium vinum, de agr. 6, 4. 7, 1; vgl. Varro r. r. I 25. 58) nennt ausser den Blendlingen neben nur sechs andern Sorten als Spielarten der A.-Rebe eine kleinbeerige und eine Zwillingsrebe, d. h. eine solche, bei der die Trauben paarweise standen (Col. III 2, 10. Plin. XIV 22), ferner noch eine grossbeerige mit harter Schale, von der man Rosinen machen könne. In einem Edict vom J. 89 v. Chr. wird der A.-Wein dem griechischen gleichgeschätzt (Plin. XIV 95). Auch zu Columellas (III 2, 7–12) und Plinius (XIV 21. 22) Zeit stand sie obenan. Von beiden Schriftstellern werden fünf Spielarten unterschieden: eine gross- und kleinbeerige echte, von denen aber die erstere kaum in Betracht komme, eine gross- und kleinbeerige Zwillingsrebe, beide von herberem Safte, von denen die kleinere die bekannteste Rebe sei, da sie auf den berühmten Hügeln des Vesuv und bei Sorrent, sonst nur an Bäumen wachse, endlich eine behaarte, die so benannt werde, weil ihre Blätter noch behaarter seien, als die der anderen, was von Plinius als besonders eigentümlich für eine einheimische Rebe hervorgehoben wird. Ausserdem spricht Columella (ebd. 13) noch von einer besonderen A.-Rebe, welche der grösseren Zwillingsrebe ähnlich sei, unter deren Eigenschaften er auch die hervorhebt, dass sie weisse Trauben habe. Überhaupt muss aber der A.-Wein in der Regel weiss gewesen sein, was schon aus der Verwendung hervorgeht, welche Cato (106) von ihr wie von weissen Blendlingen macht. So bezeichnet ihn Servius (Georg. II 97; vgl. Isid. or. XVII 5, 18. XX 3, 5) als weiss. Doch gab es auch eine rote A.-Rebe, welche syrische genannt wurde (Plin. XIV 41). Der Geschmack des A.-Weins war herbe (Diosc. V 6) und seine Wirkung adstringierend (Galen. XI 441). Die Rebe gedieh, was schon aus den Empfehlungen der genannten Agrarschriftsteller hervorgeht, in den verschiedensten Gegenden, besonders in warmen (Col. III 2, 7. Pall. III 9, 4), und wenn sie an Bäumen gezogen wurde (Geop. V 17, 1), so bei Poetelia in Bruttien (Orelli 3678 = CIL X 114, 29), ausserhalb Italiens in Syrien, eine minderwertige in Spanien (Plin. a. O.), eine in Sicilien, die herben und weissen Wein gab (Galen. X 634. 635. XI 16), endlich eine in Bithynien (Galen. VI 337. XI 16. Geop. IV 1, 3), während die falernische, wenn sie vom ager Falernus anderswohin verpflanzt wurde, überall sehr schnell aus der Art schlug (Plin. XIV 38). Darum ist auch Macrobius im Irrtum, wenn er (Sat. III 20, 7) behauptet, dass die A.-Rebe von der Gegend benannt sei, wo früher die Amineer sesshaft gewesen seien, zu seiner Zeit aber sich Falernum befinde. Vielmehr scheint die Falernertraube, die besonders Galenos (X 832. 833) von der A. unterscheidet, eine an den Ort gebundene Spielart der A. gewesen zu sein, wie unser der Herkunft nach unbekannter Riesling e nach der Localität Johannisberger, [1837] Markobrunner, Liebfrauenmilch u. s. w. genannt wird. Dass nämlich die A.-Rebe von Campanien aus sich verbreitete, beweist schon die angeführte Bemerkung über die kleinbeerige Zwillingsrebe, wie denn auch Galenos (X 833. XIV 16) sagt, dass der auf den Hügeln von Neapel wachsende Wein schlechthin der A. genannt werde. Ebenso weist auch der Zusatz scantianas, den Varro (I 58) in seinem Citat aus Cato zu amineas (maiores) macht und den auch Plinius (XIV 97) gelesen hat, auf Campanien hin. Wenn aber die Rebe von hier stammte, so liegt es schon an und für sich nahe, Hellas als ihre Urheimat anzusehen, obwohl sie in dem erwähnten Edict des J. 89, ebenso von Antistius Labeo (Dig. XXXIII 6, 16) und Plinius (XIV 25) für einheimisch angesehen wurde. Freilich die Erklärung des Servius (a. O.) durch sine minio i. e. rubore ist verfehlt, da minium wohl ein spanisches, jedenfalls kein griechisches Wort ist. Doch Beachtung verdient die Bemerkung des Verfassers der unter dem Namen des Philargyrius gehenden Vergilscholien, dass in den uns nicht erhaltenen πολιτεῖαι des Aristoteles gesagt gewesen sei, dass die Amineer Thessaler gewesen seien, welche die Rebe ihrer Gegend nach Italien gebracht hätten und diese davon den Namen erhalten habe. Allerdings stimmt damit wieder schlecht die Glosse des Hesychios, dass Peuketia Ἀμινεία genannt werde, was jedoch V. Hehn (Kulturpflanzen⁴ 468) nicht hindert, die spätere Heimat der Rebe in die Umgegend von Neapel zu verlegen, indem er Πευκετία als ein ursprüngliches Appellativ für Waldgegenden auffasst, während die angebliche thessalische Herkunft nichts weiter besage, als dass diese Traube in die älteste Zeit der griechischen Ansiedelung hinaufgehe. Die thessalische Herkunft bestreitet auch K. F. Weber (Diss. de agro et vino Falerno 1855, 37–43) und leitet den Namen aminaeum vinum entsprechend dem vinum eugeneum und unserem Gutedel von ἄμεινον ab. Dagegen wollte J. H. Voss (Des P. Virgilius Maro ländl. Gedichte III 1800 S. 300) bei Hesychios Πικεντία lesen und so als italienische Heimat der Rebe das Gebiet der Picentiner am paestanischen Meerbusen ansehen. Abgesehen davon finden sich auch in der Sage Beziehungen Thessaliens zu dieser Gegend, so besonders bei Dionys. Hal. I 17. 21; auch soll der thessalische König Eumelos Palaiopolis in der Nähe des späteren Neapel gegründet haben (Stat. silv. IV 8, 49), und die Bewohner von Puteoli leiteten ihren Ursprung von dem thessalischen Fürsten Pheres ab (Sil. Ital. XII 159). Sonach kann die Herleitung der A.-Rebe aus Thessalien nicht ganz von der Hand gewiesen werden.

[Olck.]