RE:Antalkidas

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 23442346
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Antalkidas, Spartaner, Sohn des Leon (Plut. Artax. 21, 5), wurde Ende des J. 393 v. Chr. von seiner Regierung zu Tiribazos (s. d.), dem persischen Statthalter der sardischen Satrapie gesandt, um das damals zwischen Persien und Athen bestehende freundschaftliche Verhältnis zu sprengen. Es gelang auch A. in der That, mit dem alten lakedaimonischen Angebot der Anerkennung der Ansprüche des Grosskönigs auf das gesamte Kleinasien für sich zu gewinnen: dieser gab ihm die Geldmittel für eine neue spartanische Flottenrüstung (Xen. hell. IV 8, 12. 14–16. Plut. Ages. 23, 2; apophth. Lac. Ages. 60; vgl. Judeich Kleinasiat. Studien 1892, 81ff.). Aber der Grosskönig Artaxerxes II. Mnemon (s. d.) billigte damals noch nicht die Politik seines Satrapen und rief ihn ab. Wenige Jahre danach (388) setzte Artaxerxes freilich Tiribazos wieder in die alte Stellung ein und zeigte damit sein Wohlwollen für Sparta. Darauf wurde A. von neuem abgesandt, diesmal als Nauarch der lakedaimonischen Flotte (Xen. hell. V 1, 6. Diod. [2345] XIV 110, 2). Mit Tiribazos gemeinsam reiste dann A. zum Perserhofe, wo er mit den höchsten Ehren empfangen wurde und ohne Schwierigkeit mit dem Grosskönig ein wirkliches Bündnis auf die früher gebotenen Bedingungen vereinbarte (Xen. hell. V 1, 25. 31. Plut. Artax. 21, 4. 5. 22, 1; Pelop. 30, 4; symp. VII 8, 4. 14. Ael. v. h. XIV 39. Athen. II 48 e). Durch eine kühne und geschickte Kriegsführung machte sich A. bald vollends zum Herrn der Lage. Nachdem er Ende 387 an die Küste zurückgekehrt war, schlich er sich nach Abydos durch, wo seine Flotte von der athenischen belagert wurde, brach die Blokade und schnitt seinerseits durch Sperrung des Hellesponts die athenischen Schiffe vom aegaeischen Meere ab (Xen. a. O. 25–29. Polyaen. II 24; vgl. Judeich a. O. 103ff.). So konnte er, da die Hauptgegnerin Spartas, Athen, machtlos war, den Frieden erzwingen, der mit Recht nach ihm als der ,Friede des Antalkidas‘ (Dem. XX 54. Polyb. I 6, 2 u. a.) benannt wird.

Im Winter 387/6 wurden die Gesandten der beteiligten griechischen Staaten von Tiribazos nach Sardes beschieden, um dort die vom Grosskönig vorgeschriebenen Friedensbedingungen zu hören. Der formelle Abschluss fand in Sparta vor Mitte 386 statt (Xen. a. O. 30. 32–36. Swoboda Athen. Mitt. VII 181ff.). Die Bedingungen des Friedens lauteten: 1) Das gesamte kleinasiatische Festland mit den Inseln Klazomenai und Kypros wird als dem Grosskönig unterworfenes Gebiet anerkannt. 2) Alle Griechenstädte, soweit sie nicht unter persischer Herrschaft stehen, sind frei und selbständig mit Ausnahme des alten athenischen Besitzes Lemnos, Imbros, Skyros, der Athen verbleibt. 3) Vollstrecker und Bürgen des Friedens sind der Grosskönig und die Unterzeichner der Friedensurkunde (Xen. V 1, 31; vgl. Diod. XIV 110, 3. 4. Plut. Artax. 21, 5; Ages. 23, 3. Iustin. VI 6, 1. Isokr. IV 141. 179f. IX 60f. Theop. XII bei Phot. cod. 176. Koehler Athen. Mitt. II 141, 1. Judeich a. O. 105f.).

A. erntete für die grossartigen diplomatischen und kriegerischen Erfolge von seiner Regierung verdienten Dank und verdiente Anerkennung, so sehr der antalkidische Friede, der den Verzicht der Festlandsgriechen auf den Schutz ihrer kleinasiatischen Stammesgenossen, den Verzicht auf jede grossgriechische Politik dauernd besiegelte, vom allgemein griechischen Standpunkte aus zu beklagen ist. Im Winter 370/69 finden wir A. als Ephoren (Plut. Ages. 32, 1). Auch hat man noch mehrfach seine Beliebtheit beim Grosskönig für die spartanischen Interessen auszunützen gesucht. Im J. 372 scheint A. seine dritte Reise nach Persien unternommen zu haben, um für die Aufrechterhaltung des Königsfriedens zu wirken; er hat auch seinen Zweck erreicht (Xen. hell. VI 3, 12; vgl. Diod. XV 50, 4. Plut. Artax. 22, 3. Grote Gesch. Gr. V² 392f.). Gänzlich erfolglos ist dagegen die letzte Gesandtschaft des A. im J. 367 (?) geblieben. Die Thebaner hatten unterdessen durch die Schlacht bei Leuktra (371) die spartanische Vorherrschaft vernichtet, ihnen neigte der Grosskönig jetzt seine Gunst zu. Auch A. vermochte sie nicht zurückzugewinnen; er fiel persönlich vollständig in Ungnade. Aus Furcht [2346] vor einer ihm deshalb drohenden Anklage seiner Gegner soll er sich selbst den Tod durch Hunger gegeben haben (Plut. Artax. 22, 3; vgl. Judeich a. O. 197f.). Ein tiefer begründetes Gesamturteil über A.s Persönlichkeit lässt sich leider bei den wenigen erhaltenen Nachrichten nicht fällen; im ganzen erscheint er als der Typus des echten, stolzen Spartiaten in seinen Aussprüchen (Plut. Ages. 31, 5; apophth. reg. et imp. 192 b. c; apophth. Lac. 217 d. e) wie in seiner Politik. Er vertritt Agesilaos Abenteurerideen gegenüber die engherzige, einseitige, aber consequente Festlandspolitik der altconservativen Adelspartei (Plut. Ages. 23, 2. 3. 26, 2; vgl. Artax. 22, 2; Lyk. 13, 6; Pelop. 15, 2; apophth. Lac. Antalk. 6). Für sie hat er als Diplomat, wie als Feldherr in hervorragendster Weise gewirkt.