RE:Archermos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 457–458
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Archermos von Chios, Bildhauer, Sohn des Mikkiades, Vater des Bupalos und Athenis, Plin. XXXVI 11, Inschrift aus Delos, Loewy Inschr. gr. Bildh. 1. Die Angabe des Plinius, dass der Grossvater des A. Melas geheissen habe, beruht auf einem Missverständnis dieser Inschrift, in der Chios als Stadt des Melas, d. h. ihres mythischen Gründers, eines Sohnes des Poseidon und einer Nymphe (Ion v. Chios bei Paus. VII 4, 8) bezeichnet wird. Auch die Nachricht, dass Mikkiades selbst Bildhauer gewesen sei, ist, da sie möglicherweise lediglich auf einem Schluss aus derselben Inschrift beruht, nicht unbedingt zuverlässig. Plinius erwähnt Werke des A. auf Lesbos und Delos; zu den letzteren gehörte eine geflügelte Frauenfigur, die man später für Nike [458] hielt und als das älteste Beispiel für die Beflügelung dieser Göttin anführte, Schol. Arist. Av. 573 (wo der Name in Ἄρχεννος verderbt ist). Dass die auf Delos gefundene Basis, auf der A. als Künstler, sein Vater Mikkiades als der Weihende genannt ist, von dieser Statue herrührt, und dass man diese selbst in einer nahe dabei gefundenen weiblichen Flügelfigur zu erkennen hat, bleibt trotz manchen erhobenen Einwendungen sehr wahrscheinlich; Abbildungen der Statue Bull. hell. III 1879 pl. VI. VII. Brunn-Bruckmann Denkm. nr. 36. Collignon Hist. de la sculpt. I 366 fig. 186; gegen die Zugehörigkeit erklärt sich Sauer Athen. Mitt. XVI 1891, 182ff.; über die Ergänzung der Inschrift s. Robert Herm. XXV 445, wo die zuerst von Homolle Bull. hell. III 393ff. vorgeschlagene Deutung als geflügelte Artemis empfohlen wird; M. Mayer in Roschers Lexikon II 354 denkt an Iris. Eine zweite Künstlerinschrift mit dem Namen des A. ist im Perserschutt der Akropolis gefunden, Ἐφ. ἀρχ. 1886, 133. 1888, 73. CIA IV p. 181 nr. 350 a+373, 95. Trotz dem etwas jüngeren Schriftcharakter liegt eine Nötigung, sie einem späteren gleichnamigen Künstler aus derselben Familie zuzuschreiben, nicht vor. Die Lebenszeit des A., der nach allem diesem als der älteste Repräsentant und vielleicht als Gründer der chiotischen Künstlerschule erscheint (s. u. Bupalos), lässt sich mit ziemlicher Sicherheit in die erste Hälfte des 6. Jhdts. ansetzen; vgl. Robert Arch. Märch. 115ff.