RE:Artemis 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 13361440
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2) Die Göttin.

I. Name.

1. Der ionisch, attisch und später allgemein Ἄρτεμις, Ἀρτέμιδος lautende Name der Göttin ist auch in mehreren dialektischen Formen bekannt. Hauptsächlich aus Westgriechenland ist die Form Ἄρτεμις, Ἀρτέμιτος belegt: Abai (Bull. hell. V 1881, 449), Naupaktos (Collitz II 1428 h), Zakynthos (Collitz II 1679), Delphoi (Dittenberger Syll. I 233), ferner Akrai (CIG III 5430 erwähnt ein Artemition), Anaphe (CIG II 2481. add. 2481 b), Halasarna (Bull. hell. V 1881, 196), Hybla (CIG III 5735), Sparta (Le Bas II 162 b). Die dorischen und aiolischen Stämme bevorzugen die Form Ἄρταμις, die bald mit δ flectiert wird: Ἀρτάμιδος u. s. w. (besonders in Boiotien: Anthedon [IGS I 4176], Askra [ebd. 1809], Chaironeia [ebd. 3385. 3386. 3391. 3407. 3410ff.], Orchomenos [ebd. 3214], Tanagra [ebd. 546. 555], Thisbe [ebd. 2228. 2232. 3564]), bald mit τ (Ἀρτάμιτος u. s. w.): Aigina (CIA II 545), Delphoi (CIG I 1688; vgl. aber o.), Epidauros (Collitz III 3336), Knidos (ebd. III 3502), Korkyra (ebd. III 3211. CIG II 1849), Kynaitha (Collitz II 1600), Megara (IGS I 44), Rhodos (IGIns. I 66. 784. 786 u. s. w.), Trozen (Bull. hell. XVII 1893, 93); ein Dativ Ἀρτάμυτι ist für Epidauros (ebd. 3335), Ἀρτάμι für Argos (Le Bas II 109 a), Ἀρτέμει für Kreta (Mus. Ital. III 739) bezeugt. Erwähnt seien noch die etruskischen Umformungen Artumes, Artemes (Bezzenb. Beitr. II 163).

2. Mit diesen dialektischen Formen des Namens der Göttin hängt auch die Namensform des nach ihr benannten, an zahlreichen Orten gebräuchlichen Monats zusammen. Wir finden den Monat Ἀρτεμίσιος bezw. Ἀρτεμείσιος in Byzantion (? Schol. Pap.), Hypata (Collitz II 1435), Lakedaimon (? Thuk. V 19, für die Form des Namens nicht massgebend), Maionia (Le Bas III 669), Makedonien (CIG III 4672), Mesembria (Athen. Mitt. IX 221), Odessos (CIG II add. 2056 e), Olymos (Athen. Mitt. XIV 371. 391), Phanagoria (CIG II 2126 b), Poseidonos Hieron (Le Bas III 483), Seleukia Syr. (CIG III 4463), Sidyma (Benndorf-Niemann, Reisen in Lykien 75), Thera (Dittenberger Syll. II 377); Ἀρτεμισιών in Chios (CIG II 2220), Delos (Bull. hell. V 1881, 25ff.), Ephesos (CIG II 2954. Le Bas III 137), Erythrai (Dittenberger Syll. I 159), Halikarnassos (Bull. hell. V 1881, 209ff.), Istropolis (Arch.-epigr. Mitt. VI 36), Kyzikos (CIG II 3657), Lampsakos (ebd. add. 3641 b), Magnesia Thess. (Athen. Mitt. VII 71ff.), Naxos (CIG II add. 2416 b), Patmos (Dittenberger Syll. II 402), Tenos (CIG II 2338, 48); Ἀρτεμίτιος in Kalaureia (Collitz III 3380), Korkyra (CIG II 1845), Rhodos (CIG IV 8518, 48); Ἀρταμίσιος in Astypalaia (Bull. hell. VIII 1884, 22), Kalymna (ebd. 28), Kos (Ross Inscr. ined. II 175); Ἀρταμίτιος in Akrai (CIG III 5441), Arkadia Kret. (CIG II 3052), Eknomos (CIG III 5479), Epidauros Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 82), Eryx (CIG III 5508), Katana (CIG III 5659), Kos (Paton-Hicks 34. 43. 344. 382), Leontinoi (CIG III 5748 d), Messana (CIG III 5619 g), Panormos (CIG III 5556), Rhodos (CIG III p Vff. IV 8518), Syrakus (CIG III 5377 c). Tauromenion (CIG III 5645), Teos (Le Bas III 79).

Etymologisches.

3. Der Name A. muss Bis hier Korrekturstand fertig[1337] als noch ungedeutet bezeichnet werden, obwohl man sich in alter und neuer Zeit viel mit seiner Deutung beschäftigt hat. Aus dem Altertum sind uns (ausser einigen ganz wertlosen Spielereien mit dem Gleichklang, wie sie die Alten liebten) drei Etymologien überliefert. Die älteste und verbreitetste leitet den Namen von dem homerischen ἀρτεμής, ,gesund, heil‘ ab; danach erklärt Plat. Kratyl. 406 B διὰ τὴν τῆς παρθενίας ἐπιθυμίαν, also ,die Jungfräuliche‘ (von Neueren folgen ihm hierin Preller Griech. Myth.² I 228. Welcker Griech. Götterl. I 603); dass diese Erklärung schon deshalb falsch ist, weil ἀρτεμής nie von jungfräulicher Unverletztheit gebraucht wird, hat wohl bereits Apollodoros von Athen bemerkt, denn in seiner Schrift περὶ θεῶν erklärte er A. ἀπὸ τοῦ ἀρτεμέας ποιεῖν (Strab. XIV 635. Eustath. 1732, 27. Cornut. 32. Artemidor. II 34. Etym. M. 150, 14, vgl. Münzel De Apollod. π. θεῶν libris, Diss. Bonn. 1883, 22. 30); diese Etymologie nahm K. O. Müller (Dor. I² 374) an, etwas anders (,die Fehllose‘) schon Voss (Mythol. Br. III 54). Die zweite antike Ableitung, von ἀήρ und τέμνειν (ἀερότεμις = aerem secans, Macrob. sat. VII 16, 27. I 15, 20. Schol. Il. XXIII 67. Etym. M. 150, 13) hat von modernen Forschern besonders Pott (Etym. Forsch. I² 221; Jahrb. f. Philol. Suppl. III 321) vertreten. Für ungriechisch (phrygisch) scheint Clem. Alex. Strom. I 384 Pott. den Namen zu erklären.

4. Eine Reihe anderer Erklärungen hat die neuere Forschung aufgestellt. Einige Gelehrte, an einer Erklärung aus der griechischen Sprache verzweifelnd, wollten den Namen aus barbarischen Sprachen ableiten, so aus dem Hebräischen (Kanne: volles Licht; Sickler: Feindin der Unreinheit, des Dunkels, der Unkeuschheit; Schelling: Zauberin), aus dem Persischen (Creuzer, O. Frank), aus dem Ägyptischen (Hug; alle die letztgenannten Erklärungen sind mir nur aus der Anführung von Stoll in der früheren Auflage dieser R.-E. bekannt); die persische Etymologie hat bis in die neueste Zeit Anhänger gefunden, indem man an die zahlreichen mit Arta – beginnenden persischen Namen (Artames, Artaphrenes u. s. w.) erinnerte (Layard Recherches sur le culte de Vénus 107. Gosche De ariana ling. armen. indole 28. E. Curtius Ges. Abh. II 18) und ,die Grosse, Erhabene‘ deutete ((Claus De Dianae antiquiss. ap. Graec. nat., Diss. Vratisl. 1881, 10f.); für lelegisch hält den Namen und die Gottheit W. Tomaschek (Mitt. d. anthropol. Gesellsch. in Wien XXII 1892, S.-Ber. 1ff.); aus dem kretischen μάρτις = Jungfrau (s. u. Kap. IV c 4) leitet den Namen her Schwenck (Andeut. 218). Andere hielten an dem griechischen Ursprunge des Wortes fest, so Welcker (Ἀρίθεμις, zu Schwenck 263f.), und Goebel (Lexilog. zu Homer I 594: σρατ-, ρατ-, = vibrare, Ἄρτεμις = iaculatrix).

5. Aus all diesen sprachlich meist sehr bedenklichen Versuchen spricht deutlich die Ratlosigkeit, in der man sich diesem, wie den meisten anderen Namen des griechischen Olymps gegenüber befindet. Von einer Ableitung aus fremden Sprachen muss man so lange absehen, als nicht der fremdländische Ursprung der A.-Religion selbst feststeht oder zugleich nachgewiesen wird; dies [1338] ist bisher nicht in irgend überzeugender Weise geschehen; eine Inconsequenz wie die von Claus, der den Namen für persisch, den Kult für griechisch hält, richtet sich selbst. Aber auch die griechischen Etymologien gehen sämtlich von einer einseitigen Auffassung des Wesens der Göttin aus, die sie dann in den Namen hinein zu interpretieren suchen. Wissenschaftlich in Betracht gezogen werden können eigentlich nur zwei Ableitungen: auf die antike Etymologie von ἀρτεμής greift zurück Fick Die griechischen Personennamen² 439; aber er selbst muss zugeben, dass ἀρτεμής nicht mit Sicherheit zu erklären ist; die Schwierigkeit ist also hier nur verschoben, ohne gelöst zu sein. Sehr ansprechend erscheint dagegen die von Robert (Preller-Robert I 296, 2) mit Nachdruck vertretene, von E. Meyer (Gesch. d. Altertums II 104) u. a. angenommene Zusammenstellung mit ἀρταμεύς, ἄρταμος, ἀρταμεῖν, wonach Ἄρταμις ,die Schlächterin‘ bedeuten würde; diese Ableitung ist nicht nur sprachlich wohlbegründet, sie passt auch zu einigen, und zwar gerade älteren A.-Kulten sehr gut. Sie passt jedoch auch nur für einige Kultgebräuche (auch das von Wolters Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 221ff. πίν. 10 publicierte Vasenbild beweist nicht mehr als dies); weder bietet sie für das ursprüngliche Wesen der Gottheit eine völlig geeignete Bezeichnung, noch wissen wir überhaupt, wann der Name A. für die Göttin aufkam. Wir müssen uns also mit G. Curtius (Gr. Etym.⁵ 556) und Schreiber (Roschers Lex. I 558) bescheiden, dass eine sichere Deutung des Namens noch nicht gefunden ist. Viel wichtiger, als fruchtlose Versuche in dieser Richtung zu machen, ist es, zusammenzustellen, was wir über Geschichte und Formen des Kultus erfahren.

1. Die grosse Mannigfaltigkeit der A.-Kulte in späterer Zeit und die Verschiedenheit der sich aus ihnen ergebenden Vorstellungen von der Göttin musste schon den Alten auffallen. Zur Erklärung dieser Thatsache suchte man sich meist damit zu helfen, dass man, so gut oder schlecht dies gehen wollte, irgend eine, wenn auch noch so entfernte Beziehung zum Monde herausfand, weil die Auffassung der A. als Mondgöttin in späterer Zeit weite Verbreitung gefunden hatte. Oder man verfiel auf das auch anderen Olympiern gegenüber angewandte Mittel, eine Reihe verschiedener gleichnamiger Gottheiten anzunehmen (Cic. d. deor. nat. III 23 nach stoischen Quellen). In beiden Richtungen sind neuere Mythologen gefolgt. Die Auffassung der A. als Mondgöttin beherrscht den grössten Teil der neueren Litteratur, und für eine Zerlegung der einen Gottheit in eine Vielheit von Gottheiten, die erst allmählich mit einander verschmolzen und den gemeinsamen Namen erhielten, haben sich (wenn auch nicht in der naiv äusserlichen Weise der Stoiker) u. a. Welcker (Griech. Götterl. I 560f.) und Schreiber (Roschers Lex. I 560ff.) ausgesprochen. Und doch kann bei näherer Betrachtung keine dieser beiden Theorien standhalten. A. ist ursprünglich keine Mondgöttin gewesen. Sie war es allerdings in den späteren Zeiten des Altertums neben anderen Göttinnen; [1339] aber Auffassung und Kult haben bei dieser Gottheit wie bei allen grossen Gottheiten der Griechen ihre Geschichte, und es lässt sich zeigen, an welchem Punkte, dieser Geschichte die neue Vorstellung einer Mondgöttin zuerst auftritt. Auch die Zerlegungstheorie enthält einen richtigen Grundgedanken; denn in der That finden sich unter dem Namen A. manche heterogenen Elemente bei einander. Aber die Sache liegt hier doch anders als z. B. bei Apollon (s. d.); ist dort eine Vielheit ganz verschieden gearteter Gottheiten zum Teil unter dem Einflüsse politischer Bewegungen zu einem in gewisser Beziehung einheitlichen Gottesbilde verschmolzen, so sind die fremden Kulte, die sich der A. im Laufe der Zeit angegliedert haben, ihr auch in der Folgezeit innerlich fremd geblieben. Man kann sie leicht ausscheiden; was übrig bleibt, stellt sich bei genauerem Zusehen als ein Complex von durchaus einheitlichen und in sich wohl geschlossenen Vorstellungen dar. In dieser Grundauffassung stimme ich vollkommen mit der oben citierten Dissertation von Claus und mit E. Curtius (Studien z. Gesch. d. Artemis, S.-Ber. Akad. Berlin 1887 = Ges. Abh. II 1ff.) überein.

2. Eine grosse weibliche Naturgottheit ward seit alter Zeit allenthalben in Griechenland verehrt. Man ehrte sie auf den Höhen der Berge, wie in der sumpfigen Thalniederung, in den rauschenden Wäldern, wie am murmelnden Quell. Ihr Wirken und Walten glaubte man überall zu erkennen, ihren gnadenreichen Segen in der sprossenden Wiese, der reifenden Halmfrucht, im Gedeihen alles Lebendigen auf der Erde, der wilden Tiere in Wald und Feld, der gezähmten dem Menschen dienstbar gewordenen, und der menschlichen Jugend selber, vom Augenblicke ihrer Geburt an; ihren vernichtenden Zorn in dem Hinsterben der Vegetation, in dem Einbrechen wilder Tiere in die Äcker und Pflanzungen und in dem letzten rätselhaften Ende des Lebens, dem Tode. Keine leere Personification, etwa die Erde als Göttin gedacht, war diese Gottheit, denn solche Abstractionen sind jeder ursprünglichen Religion fremd; es war eine umfassende Naturmacht, an die man überall in ähnlicher Weise glaubte, wenn man sie auch mit verschiedenen Namen benannte, je nach dem Ort, wo man sie hausend dachte (z. B. Λιμνᾶτις), je nachdem man örtlich mehr die finstere oder die segnende Auffassung hervorhob (vgl. Βριμώ) und Ἡμέρα), oder eine besondere Seite ihres Waltens stärker verehrte (z. B. Λεχώ). Und wie man alles in der belebten Natur sich in männlich und weiblich scheiden sah, so konnte auch in der Vorstellung neben der weiblich gedachten Naturmacht ihr männliches Correlat nicht fehlen. So finden wir A. in einer Reihe von älteren Kulten mit einem wesensverwandten Naturgotte verbunden, dem die Überlieferung an verschiedenen Orten verschiedene Namen giebt: in Lakonien ist sie dem altpeloponnesischen Gotte Karneios gesellt, in Arkadien wiederholt dem Poseidon, anderwärts dem Zeus, Apollon, Dionysos u. s. w. (Näheres s. Kap. IV b). Diese über dem menschlichen Geschick waltenden Mächte suchte man zu versöhnen und ihre Huld zu erwerben, indem man ihnen den liebsten Besitz oder das am schwersten zu Erwerbende als Opfer darbrachte; [1340] nicht allein die Erstlinge der Herden und des Feldes, vor allem auch wilde Tiere, wie Bären und Eber, opferte man, ja es fehlten nicht die Menschenopfer. Für eine beträchtliche Anzahl dieser Kulte, sowohl der männlichen, wie der weiblichen Naturgottheit lässt sich die ursprüngliche Sitte der Menschenopfer nachweisen; ihre Rudimente sind in der Form seltsamer Kultgebräuche bis tief in die historische Zeit hinein erhalten geblieben. Die Nachweisbarkeit anfänglicher Menschenopfer ist geradezu ein Kennzeichen, nach dem man einen Kult diesen ältesten Naturkulten zuweisen kann; sie sind aber nur eine Äusserlichkeit, die den Kult nicht erschöpft, und erschienen jener rauhen Zeit sicher bei weitem nicht so grauenvoll wie uns; um so weniger scheint es denkbar, dass von diesem Zuge sich der allmählich auftauchende allgemeine Name der Göttin als einer ,Opferschlächterin' hergeleitet hätte. Wann und wo dieser Name, den sie in den homerischen Gedichten bereits trägt, zuerst aufkam, darüber schwebt bis jetzt völliges Dunkel.

3. Dass man einer solchen Göttin (wir wollen sie von jetzt an A. nennen) einen frauenhaften, mütterlichen Charakter beilegte, müsste man annehmen, auch wenn sich nicht sichere Spuren davon erhalten hätten. Nicht nur in Arkadiens schwer zugänglichem Bergland, wo sich altertümliche Vorstellungen länger und reiner erhielten, als anderswo, galt A. Καλλίστη als Gattin des Zeus und Mutter des Stammvaters Arkas; auch in Lakonien ist sie (ihre Hypostase Taygete) von Zeus Mutter des Lakedaimon, wurden ihrer Huld am ,Ammenfeste‘ xyz die Säuglinge empfohlen. So ist sie denn eine Göttin, die ebenso die heranwachsende Jugend behütet, wie auch besonders das Schicksal der Frauen lenkt, von ihnen in ihrer schweren Stunde angerufen wird und ihrem Leben das Ziel setzt. Auf der andern Seite berührte sich A. mit den allerorten seit alter Zeit verehrten göttlichen Localwesen, den Nymphen, deren Tänze sie anführt, mit denen sie durch Wald und Feld und in den Bergen schweift, sie selber eine Nymphe in höherer Potenz.

4. In nicht sicher bestimmbarer Zeit erlitten diese in sich geschlossenen Vorstellungen wesentliche Modificationen durch die Vermischung mit einem ganz anders gearteten Religionskreise, dem Letoidenkultus. Ergaben jene das Bild einer durchaus festländischen Gottheit, in der die Züge der Gattin und Mutter vorherrschen, so haben wir hier die göttliche Familie eines Seefahrervolkes, in der das geschwisterliche Verhältnis der beiden Letokinder den Mittelpunkt bildet (s. o. S. 6f.). Wie im einzelnen, besonders seit der Vereinigung des delphischen Gottes mit dem delischen, die alte Naturgöttin A. mit der Letotochter verschmolz, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir sehen nur die einschneidenden Folgen, die diese Verschmelzung für die alten Vorstellungen hatte. Vor allem war es das mütterliche, frauenhafte Element, welches unter dem Einfluss der übermächtig vordringenden Apollonreligion zurückwich und in späterer Zeit für das antike Gefühl fast völlig verschwand. Neben den jugendlichen Gott Apollon trat die jungfräuliche A. Dies hatte wiederum zur Folge, dass eine Reihe von Einzelzügen sich von dem Bilde der Göttin ablöste und auf besondere [1341] Sagenfiguren übertragen wurde: die Bildung sog. Hypostasen ist bei A. besonders deutlich. Nicht A. Καλλίστη ist nunmehr die Mutter des Arkas, sondern ihre Gefährtin Kallisto; sie selbst, die jungfräuliche, hasst ja die Ehe, und so hat sie natürlich auch die frevelnde Gefährtin bestraft: Kallisto wird in das alte Symbol der Göttin, die Bärin, verwandelt. Dies ist nur ein Beispiel für viele (s. u. Kap. IV a). Wurden so die alten Vorstellungen für die religiöse Empfindung von neuen Ideen mannigfach überdeckt, so wurden sie doch nicht vernichtet. Dies allein giebt uns die Möglichkeit, sie bis zu einem gewissen Grade zu reconstruieren; denn nur so lassen sich so seltsame Vorstellungen, wie die einer jungfräulichen, die Ehe hassenden, von ihren Gefährtinnen Keuschheit fordernden Gottheit als Göttin der Entbindung erklären.

5. Noch andere neue Züge kamen durch denselben Process in das Bild der Göttin hinein. Sie ward zu einer Göttin der Fischer und Seefahrer; Häfen, Küsten und Inseln sind ihr heilig, Aus- und Eingang, Handel und Wandel stehen unter ihrem Schutze. An Apollon lehnt sie sich immer mehr an, wo Apollon verehrt wird, findet man auch A., zahlreiche Beinamen empfängt sie von ihm, ihm wiederum einige wenige verleihend; selbst an der Mantik hat sie gelegentlich teil.

6. Auf diesem Punkte ihrer Entwicklung befindet sich die A.-Religion, wie wir sie in der homerischen Welt kennen lernen. Es ist bezeichnend, dass A. in den homerischen Gedichten als Schwester des Apollon und Tochter der Leto erscheint, und dass doch die Seite ihres Wesens, welche im Epos am meisten hervortritt, die Todesgöttin der alten Naturreligion ist. So wenig der Todesgott Apollon, wie er bei Homer erscheint, dahinschreitend ,der Nacht vergleichbar‘, ein Sonnengott sein kann, so wenig ist die ihm gesellte Todesgöttin A. eine Mondgöttin. Ist schon die Vergleichung der Sonnenstrahlen mit Todespfeilen wenig glücklich, so erscheint sie dem Mondlicht gegenüber völlig absurd, zumal Apollon wie A. gerade in älterer Zeit nicht eben selten mit ganz anderen Waffen ausgerüstet sind, als mit Bogen und Pfeil (s. u. Kap. IX).

7. Die Auffassung der A. als Mondgöttin, die uns seit dem 5. Jhdt. begegnet, beruht teils auf philosophischer Speculation, teils auf einer Ideenassociation des Volksglaubens, die an die Ausbildung der Vorstellung der Hekate anknüpft (s. d. folg. Kap.). Sie hat den Kultus so gut wie gar nicht berührt, wenn auch die Dichter sich bald gewöhnten, gelegentlich A. und Selene zu identificieren.

8. Die so gewordene Göttin traf an der Peripherie der griechischen Welt überall mit barbarischen Kulten zusammen, in denen das griechische Volk verwandte Elemente zu erkennen glaubte, und die es demgemäss mit seiner A. identificierte. Wenigstens bei einer dieser Gottheiten können wir den gar nicht sehr frühen Zeitpunkt mit Sicherheit bestimmen, vor welchem eine Identification mit A. gar nicht stattgefunden haben kann: Anâhita, die Göttin des Oxusstroms, ist erst durch den Perserkönig Artaxerxes II. zu einer grossen, weit und breit verehrten Göttin geworden. Aber alle diese fremden Götterkulte blieben entweder, [1342] wie Anâhita, Bendis, Busbatos, die Göttin von Koloe, die Ma von Komana, die babylonische Nanâ, dem Wesen der A.-Religion fremd, oder sie wurden in etwas engerer, aber immer noch äusserlicher Weise angegliedert, wie die ephesische und die taurische Göttin.

9. Zum Schlusse dieses Abschnittes kann die äusserlich folgenreichste Identification eines barbarischen Kultes mit dem griechischen A.-Kult nicht unerwähnt bleiben. Die Römer identificierten frühzeitig A. mit der altitalischen Göttin Diana und mit der Ausbreitung des römischen Weltreiches hat auch der Kult der A.-Diana weite Verbreitung erlangt. Im folgenden ist jedoch diese Phase der Entwicklung nicht weiter berücksichtigt, sondern dem Specialartikel Diana vorbehalten worden.

III. Bedeutung und Wesen der Artemis.

1. Der vorstehende Versuch einer historischen Entwicklung der A.-Religion konnte nur in Umrissen und grossen Zügen das Bild der Göttin zeichnen, wie sie ward. Was sie geworden ist in begrifflichem Zusammenhang darzulegen, soll in diesem Abschnitt versucht werden. Ich beginne mit den einfacheren, aus concreten Vorgängen abgeleiteten Vorstellungen. Da tritt uns zuerst der Begriff der allwaltenden Naturgöttin entgegen, und zwar in dreifacher Weise. A. ist eine Göttin des Erdsegens in all der mannigfaltigen Weise, wie dieser sich äussert. Nicht blos in Arkadien (vgl. die Zusammenstellung der arkadischen Kulte in Kap. VII), sondern auch anderswo betet man sie auf den Höhen der Berge an (vgl. Ἀρκία, Κορυφαία u. s. w.); aber auch die blumige Aue ist ihr heilig: von unberührter Wiese, die kein Tier zur Weide betritt, wo nur die Frühlingsbiene geschäftig summt, pflückt Hippolytos 2Hippolytos seiner Göttin den reinen Kranz (Eur. Hipp. 73ff.); in Aulis hat sie ihre heilige Wiese, wo Iphigeneia geopfert werden soll (Eur. I. A. 1464); Weingärten und Baumpflanzungen weiht man ihr in Olymos (Le Bas III 337. 338). Mancherlei Bäume sind ihr in verschiedenen Kulten heilig: im Ölwald liegt das Heiligtum der A. Koryphaia, Cypressenhaine stehen beim Tempel der A. Orthia auf Lykone und beim Tempel der Eurynome in Phigalia (vgl. auch A. Kyparissia), in einer hohlen Ceder steht das Bild der Kedreatis; auf den Nussbaum deutet der Name Karyatis hin (Lorbeer und Myrte sind ihr gelegentlich wohl nur durch Übertragung von Apollon und Aphrodite heilig, vgl. auch Δαφναία, Δαφνία); von Weidengestrüpp umschlungen ist das Bild der Lygodesma (vgl. die Phakelitis in Rhegion); im Eichenwald wohnt sie als δρυμονίη) (Orph. Hymn. XXXVI 12); in Myra steht ihr Idol im Wipfel eines Baumes (Imhoof-Blumer Tier-u. Pflanzentvpen Taf. X 42); vgl. das Relief aus Thyrea, Ann. d. Inst. 1829 tav. C. Heilige Haine hat A. an vielen Orten (Beispiele ausser den genannten: an der Alpheiosmündung, bei Aricia, in Astyra, Aulis, Ortygia bei Ephesos, Pellene, am Timavus im Heneterland; vgl. auch die Epiklesis Νεμιδία); auch den Früchten schenkt sie Gedeihen: man verehrt sie als Kokkoka und bringt der A. Laphria in Patrai Früchte zum Opfer dar. So tritt sie auch mit den Göttern ländlichen Segens in Beziehung, mit Chariten, Nymphen und Horen (vgl. Kap. IV b); sie selbst heisst Ὡραία, Ἐνδίαγρος. [1343] Auch zu Dionysos hat sie vielfältige Beziehungen, einmal (Orph. Hymn. XXXV 2) wird sie sogar Βρομία genannt. Andererseits hat sie auch Macht, das Wachsen und Gedeihen von Wiese und Busch zu vernichten, vgl. die tegeatische Sage von Leimon und Skephros (Paus. VIII 53, 1ff.).

2. Der Göttin des Wachsens und Gedeihens in der Natur war auch die befruchtende Feuchtigkeit heilig, die, je spärlicher ein Land damit versehen ist, um so mehr an Wert und Wichtigkeit gewinnt. So verehrte man A. als Λιμναία, Λιμνᾶτις, Λιμενῖτις, Ἐλεία, Ποταμία, Ἀλφειαία; sie heisst δέσποινα λίμνης (Eur. Hipp. 228), Ἰμβρασίη vom Fluss Imbrasos auf Samos (Kallim. Hymn. Art. 228): an fliessendem Wasser, Quelle, Bach oder Fluss, liegen viele ihrer Kulte; Beispiele: Alpheiosmündung (Ἀλφειωνία, Strab. VIII 343; gemeinsamer Altar der A. und des Alpheios in Olympia, Paus. V 14, 6), Attaleia (Kaibel Epigr. 808), Dereion (Δερεᾶτις, Paus. III 20, 7), Korinthos (Paus. II 3, 5), Marios (Paus. III 22, 8), Mothone (Paus. IV 35, 8), Olympia (Altar gemeinsam mit Kladeos, Paus. V 15, 7; vgl. o. Alpheios), bei Pheneos (Paus. VIII 15, 6), Phigalia (Εὐρυνόμη), Paus. VIII 41, 4), Stymphalos (Στυμφαλία, Paus. VIII 22, 7f.), Teuthrone (Ἰσσωρία, Paus. III 25, 4).

3. Besonders wichtig erscheint dem Menschen die Einwirkung einer solchen Naturgöttin auf das Wachstum der Feldfrüchte; so wird A. auch speciell zur Göttin des Ackerbaus. Ihr Segen lässt das Getreide emporspriessen (Hymn. Orph. XXXII 4) und reichlich tragen (Kallim. H. Art. 130); sie heisst βαθύπλουτος und εὐδαίμων (die Laphria bei Suid. s. βαθύπλουτος), oder ὀβλιόμοιρος (Orph. Hymn. XXXVI 9). Vom Ackerfeld wehrt sie schädliche Einflüsse ab (φύλαξ ἀγροῦ Anth. Pal. VI 157); sie vertreibt die Feldmäuse (Μῦσία) und tötet die Aloaden, die Korndaemonen; auf Münzen von Leontinoi (Brit. Mus. Cat. Coins, Sicily 93) finden wir den Pflug als Beizeichen des A.-Kopfes (das der A. Orthia in dem Fragment des Alkman Bergk PLG⁴ III 41 dargebrachte φάρος ist doch wohl eher mit Wide Lakon. Kulte 115 als Gewand, als mit Sosiphanes im Scholion als ἄροτρον ZU fassen). So ist sie auch den Schnittern hold (Ἔρειθος), und der Aitoler Leochares weiht ihr eine als Siegespreis bei einem A.-Agon empfangene Sichel (Bull. d. Inst. 1873, 143). Darum fordert sie aber auch Ernteopfer (θαλύσια, Il. IX 533; vgl. die Getreideopfer im A.-Heiligtum des Xenophon in Skillus [Xen. anab. V 3, 9] und bei den Paioniern [an A. Βασίλεια, Herodot. IV 33]), deren Versäumnis sie mit Reiffrösten (Kallim. H. Art. 125), Hungersnot und Misswachs (Schol. Ar. Lys. 645. Suid. s. ἄρκτος) bestraft, oder indem sie wilde Tiere sendet, die in die Felder verwüstend einbrechen (kalydonischer Eber). Und auch der weiteren Verarbeitung des Kornes gewährt sie ihren Schutz als Ἐπιμύλιος, Ἐπικλιβάνιος. So kann es nicht Wunder nehmen, dass sie nicht selten neben anderen Gottheiten des Feldbaues, wie Demeter und Despoina, erscheint, oder wenn sie als Beschützerin des boiotischen Landes γαιάοχος (Soph. O. T. 160 m. Schol.) heisst.

4. Am liebsten ist ihr aber doch die Frühlingszeit, wenn die Natur noch jung ist, wenn alles in frischem Grün und bunten Blumen prangt, [1344] wenn die Wachtel erscheint und die Bienen wieder summen. Darum sind auch ihre Feste im Frühling, ist der ihr geheiligte Monat allenthalben ein Frühlingsmonat.

5. Das zweite Gebiet, über das sich die Macht der A. erstreckt, ist die Tierwelt; sie ist die Herrin der Tiere in Bergen und Wäldern (πότνια θηρῶν Il. XXI 470, vgl. Studniczka Kyrene 153ff.). Am deutlichsten und umfassendsten kommt diese Überzeugung zum Ausdruck in dem Kult der A. Laphria in Patrai, deren Fest Pausanias VII 18, 11ff. beschreibt: lebend wird dort allerlei wildes und zahmes Getier zusammen mit Baumfrüchten auf einem grossen Scheiterhaufen verbrannt. Zahlreiche Arten von Tieren werden der A. heilig gehalten (vgl. Kap. IX): von Raubtieren besonders die Bären (in Arkadien A. Καλλίστη oder ihre Hypostase Kallisto selbst als Bärin gedacht; keine Mondgöttin, wie die (meisten mit Usener meinen, – auch Aisch. Ag. 140ff. erklärt die geflissentlich Καλά angeredete A. ausdrücklich als Herrin der Tierwelt) und Eber (in Aitolien zumal, vgl. den kalydonischen Eber), aber auch Löwen, Wölfe, Panther; von anderen wilden Tieren besonders der Hirsch, aber auch Reh, Hase, Büffel; von Vögeln vor allem die Wachtel (Ὀρτυγίη); gelegentlich auch Fische. Die Schildkröte, auf welche die Epiklesis Χελύτις zu deuten scheint, ist ihr wohl als Symbol der Erdgöttin beigegeben. Die wilden Tiere müssen sich der Macht der Göttin fügen; sie zwingt sie, wenn sie will (vgl. die Hypostase Kyrene), oder zähmt sie nach Belieben: im Heneterland am Timavus sollen im Hain der Ἀ. Αἰτωλίς wilde Tiere zahm werden, Hirsche sich zu Wölfen gesellen (Strab. V 215); in Syrakus wurden im Hain der A. wilde Tiere bei der Festprocession geführt (Theokr. II 67). Und bei Kolophon liegt eine heilige Insel der A., wohin die Hirschkühe vom Festland hinüberschwimmen, um im Schutze der Göttin zu gebären (Strab. XIV 643).

6. Es war nur natürlich, dass sich aus der Göttin des Tierreichs der Begriff einer Göttin der Jagd entwickelte. Wie sie, im Taygetos und Erymanthos schweifend, sich freut an Ebern und schnellen Hirschen (Od. VI 102ff.), so trifft auch ihr nie verfehlender Pfeil, wenn sie will, das Getier, das ihr unterthan. Diese Auffassung als Jägerin, zu der sich später auch mit besonderem Nachdruck der Begriff der Jungfräulichkeit gesellte, ist für die Phantasie des Volkes am eindrucksvollsten gewesen und hat der Kunst bei ihrem Bestreben, die Göttin zu verkörpern, den Weg gewiesen. Wie stark der Begriff der Jägerin in dem Gesamtbilde der A. hervortrat, davon geben auch die zahlreichen, zum Teil sehr alten Kultbeinamen Kunde, die sich auf diese Seite ihrer Macht beziehen: Άγραία, Άγρότα, Άγροτέρα, Άγρότις, Ἑκάτη (vgl. Kap. IV a), Ἐλαφηβόλος, Ἐλαφία (Ἐλαφιαία), Κυναγία, Λαφρία, Ποδάγρα, Τοξία. Die Dichter wetteifern in der Erfindung von Beiwörtern, welche die Jagdliebe der A. illustrieren; Beispiele: ἀγρώσσουσα (Nonn. Dion. XVI 130), δυσχίμων ὀρῶν ἄναξ (Aisch. frg. 342 N.²), δεσπότις ἄγρης (Nonn. Dion. XLVIII 302ff.), ἑκαέργη (Ant. Lib. 13. Clem. Al. Strom. V 8, vgl. Käp. IV a), ἑκηβόλος (Hom. Hymn. Art. IX 6. IGA 407), ἐλαφηβόλος (Hom. Hymn. XXVII 2), ἐλαφοκτόνος [1345] (Eur. I. A. 1113), ἐλλοφόνος (Kallim. H. Art. 190. Suid. Etym. M. s. v.; die Inschrift CIG III 5943 ist wohl ligorianische Fälschung), ὅλης ἐπιήρανος ἄγρης (Nonn. Dion. XI 343), ἐρημάς (Nonn. Dion. V 433), εὔδρομος (Orph. Hymn. XXXVI 6), εὔσκοπος(Od. XI 198), θηροκτόντος (Orph. Hymn. XXXVI 9), θηρολέτις (Anon. Laur. Studemund Anecd. I 270), θηροσκόπος (Hom. Hymn. Art. XXVII 2), θηροφόνη (Theogn. 11. Ar. Thesm.320), θηροφόνος (Eur. Herakles 378. Hesych. s. v.), ἰοχέαιρα (Il. V 53. 447. VI 428. IX 538. XX 39. 71. XXI 480. XXIV 606; Od. VI 102. XI 172. XV 478. Hom. Hymn. Ap. Pyth. 21; Del. 15. Hymn. IX 2. XXVII 2. Hes. Theog. 14. 918. Pind. Pyth. II 16. Nonn. Dion. V 343. IGA 407. IGS I 113. Kaibel Epigr. 1046, 53; das Beiwort in alter und neuer Zeit verschieden erklärt, vgl. Hesych. s. v. Apollon. Lex. 92, 2 Bk. Etym. M. 473, 4. G. Curtius Etymol.⁵ 204f.), κελαδεινή (Il. XVI 183. XX 70. XXI 510. Hom. Hymn. Aphr. 16. 118. Hymn. Art. XXVII 1; nach den Homerscholien vom Lärm der Jagdhunde abzuleiten; vgl. Dilthey Rh. Mus. XXV 1870, 321ff. Studemund Anecd. I 270. 277. 283), κελαδοδρόμος (Orph. Arg. 902), κεμαδοσσόος (Nonn. Dion. XIII 300), κυναγός (Soph. El. 550), κυνηγετικὴ θεός (Triklin. Schol. Soph. O. T. 203), κυνηγέτις (Cornut. de nat. deor. 34. Poll. V 13), κυνοσσόος (Nonn. Dion. XLVIII 440), λαγωβόλος (ebd. XV 171. XXXIII 126), ὀρειάς (ebd. XVI 128. XXV 294), ὀρειβάτις (Theod. Prodr. Katom. 207. Anon. Laur. a. a. O.), ὀρεστέρα (Eur. Tro. 551), οὐρεία (Eur. I. T. 127), οὐρεσίφοιτις (Cornut. 34), παγκοίρανος θήρης (Opp. Kyn. 421), παρθένος ἀγροτέρα (Athen. Mitt. 1883, 202), πολύθηρος (Eur. Hipp. 145), σηροκτόνος (Ar. Lys. 1262), σκυλακῖτις (Orph. Hymn. XXXVI 12), σκυλακοτρόφος (Nonn. Dion. XLVEH 415), τοξόδαμνος (Diphilos II 549 Kock. Lykopin. 1331), τοξοφόρος (Il. XXI 483. CIG I 1051), φιλαγρότις (Hymn. Orph. XXXV 6). Von Tieren ist deshalb der Hund ihr steter Gefährte (s. Kap. IX); Jägerinnen sind ihre Hypostasen Atalante und Kallisto; die Jägerin Antikleia ist ihr eine liebe Genossin (Kallim. H. Art. 211); den Skamandrios lehrt sie, alles Wild zu treffen, das in den Bergen der Wald ernährt (Il. V 49ff.); in den Sagen von Aktaion und Saron haben wir die gleiche Auffassung; A. die Jägerin verehrt man in den ,Jagdgründen‘ Thera und Agrai; und der Tempel der Brauronia heisst τὸ ἱερὸν κυνηγέσιον (Hypoth. [Dem.] XXV).

7. Auf der andern Seite wird in ähnlicher Weise, wie sich aus der Göttin des Pflanzenwuchses eine Beschützerin des Ackerbaues entwickelt, aus der Herrin der Tiere eine Schirmherrin der Viehzucht. Eine ihrer Hypostasen heisst Polymele (s. Kap. IV a); sie selbst beschirmt Ziegen und Rinder, auch Stiere, und nimmt sie als Opfertiere an, vgl. die Epikleseis Κναγία, Κνακαλησία, Κνακεᾶτις, Πολύβοια, Ταυροπόλος, Ταυροφάγος; beim Altar der A. Ὀρθωσία stand ein Stier, [Aristot] mirab. ausc. 175 p. 847 a 1. Auch der Rossezucht steht sie vor als Εὐρίππα, ἱπποσόα (Pind. Ol. III 26), ἐλάτειρα θοᾶν ἵππων (Pind. frg. 89 Bgk.), und erscheint in diesem Sinne wiederholt mit Poseidon verbunden (vgl. Kap. IV b); besonders in dem rossetummelnden Thessalien verehrt man [1346] sie als Schützerin der Pferdezucht, vgl. die Münzen von Pherai (Mionnet Suppl. III 305f., 252ff.) und das Relief aus Krannon (Millingen Anc. Uned. Mon. II 16). Schon die Ilias giebt ihr das Beiwort χρυσήνιος (Il. VI 205. Hom. Hymn. Art. 9), vgl. auch Kallim. H. Art. 111. Apoll. Rhod. III 877. Wiederholt sehen wir sie auf Münzen auf einem von Stieren, oder wie ihre Priesterin in Patrai auf einem von Hirschen gezogenen Wagen fahren. Ihr weiht man in Hyampolis die Herden, um sie vor Krankheit zu schützen (Paus. X 35, 7). Bei ihren Festen sollen die Hirten zuerst bukolische Gesänge ausgeführt haben (Serv. Prob. prooem. Verg. Eclog.). Ihr gelobte man das schönste Tier im Jahreszuwachs der Herde zu opfern, vgl. in der Atridensage die Gelübde des Atreus (Apollod., Myth. Gr. I 185, 7 Wagner) und Agamemnon (Eur. I. T. 21. 209, vgl. v. Wilamowitz Herm. XVIII 253).

8. Wie über die Tier- und Pflanzenwelt, so erstreckt sich die Macht der A. auch über die Menschenwelt. Vorzugsweise ist es auch hier das Wachsen und Werden, dem ihre Fürsorge gilt; sie wird zur Beschützerin der Jugend. So feiert man zu Ehren der A. Κορυθαλία zwischen Sparta und Amyklai das Ammenfest Τιθηνίδια (Athen. IV 139 A B); so heisst die Göttin auch κουροτρόφος (vgl. die Begründung Diod. V 73, 5f. und das von Weisshäupl Röm. Mitt. 1891, 177ff. richtig gedeutete sog. Telephosrelief der V. Borghese), Παιδοτρόφος, Ἱακυνθοτρόφος, Φιλομεῖραξ, φιλοπάρθενος (Nonn. Dion. II 122). Auch die Epiklesis Παρθένος wird von Wide Lakonische Kulte 130 ansprechend als Παρθενοτρόφος erklärt. Knaben und Mädchen stehen in gleicher Weise unter ihrem Schutze; den Töchtern des Pandareos schenkt sie hohen Wuchs (Od. XX 71); auf Delos bringt ihren Hypostasen, den Hyperboreerinnen Hyperoche und Laodike, die Jugend ein Haaropfer: die Mädchen vor der Hochzeit, um eine Spindel gewunden; die Knaben beim Eintritt in die Ephebie, um einen grünenden Zweig gewunden (Herodot. IV 34, vgl. die delische Weihung an A. ὑπὲρ τῶν παιδίων, Bull. hell. XI 1887, 257); in ähnlicher Weise opfern in Athen an den Apaturien die Knaben der A. ihr Haar (Hesych. s. κουρεῶτις ἡμέρα, vgl. A. Mommsen Heort. 316). Vgl. auch Anth. Pal. VI 242. 277. In Sekyon steht ihr Bild im Gymnasion neben dem Palaistragott Herakles (Paus. II 10, 7); in Elis hat sie ein ἱερόν neben dem Gymnasion (Paus. VI 23, 8). In Athen findet zu Ehren der A. Ἀγροτέρα eine Pompe der Epheben ἐν ὅπλοις statt (CIA II 467ff.); in Munichia an den Munichien zur Erinnerung an den Tag von Salamis eine Regatta der Epheben (Plut. glor. Ath. 7 p. 350 A. CIA II 471); auch in Sparta zu Ehren der A. Ὀρθία Kampfspiele der Knaben (CIG I 1416. Kaibel Epigr. 806). Auch hier fehlt aber, wie überall bei A.. die Kehrseite nicht: dieselbe Göttin, die als Φιλομεῖραξ sich der jugendlichen Vollkraft freut, sie fordert als Ὀρθία ein junges Menschenleben als Opfer, wenn sie auch später sich mit der blutigen Geisselung der Knaben begnügt. Dieselbe Göttin, der die Mädchen vor der Hochzeit ihr jungfräuliches Haar weihen, verlangt die schönste Jungfrau als Opfer, wenn auch später das symbolische Opfer der ἀρκτεία (s. d.) an die Stelle tritt.

[1347] 9. Bereits im vorigen Abschnitt ist die Bedeutung der A. für die Hochzeit erwähnt. A. tritt hier in Parellele mit Zeus und Hera, Aphrodite, Peitho (vgl. Plut. quaest. Rom. 2 p. 264 B). Sie wird selbst Πειθώ und Λυσιζώνη genannt; auch die Epiklesis Ἡγεμόνη kann hier aufgeführt werden, obwohl Schreiber (Roschers Lex. I 574) dieselbe gewiss zu eng fasst, wenn er meint, sie habe ursprünglich lediglich der Hochzeitsgöttin gegolten. Auch das Attribut der Fackel (vgl. Φωσφόρος, Σελασφόρος, Σελασία) kann hierher gehören. Bräute opfern vor der Hochzeit der Hera Τελεία, der A. und den Moiren (Poll. III 38); in Boiotien und Lokris speciell der Εὔκλεια (Plut. Arist. 20); der Λιμνᾶτις weiht ein Mädchen vor der Hochzeit ihr Kinderspielzeug, Tympanon, Ball und Puppen, ihr Haarnetz und ihre Mädchenkleider (Anth. Pal. VI 280); andere weihen der A. den Gürtel (ebd. 59) oder eine Haarlocke (ebd. 277, vgl. auch 276). Das Haaropfer auf Delos ist bereits oben erwähnt. Vgl. auch Eurip. I. T. 1113f. μόσχοι τε, πρὸ γάμων ἃς θεᾷ πεσεῖν χρεὼν Ἀρτέμιδι. So erscheint A. auch auf Darstellungen der Hochzeitsfeier neben Apollon (Beispiel Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. VIII 7).

10. Die Göttin, welche von zartester Kindheit an das junge Menschenleben behütet, wird naturgemäss auch zur Göttin der Entbindung. Viele Kultbeinamen deuten auf diese wichtige Seite ihrer Wirksamkeit: Ἰφιγένεια, Λεχώ, Λοχεία, Ὀρσιλόχη, Σοωδίνα. Ja sie heisst in manchen Gegenden (besonders in Boiotien) geradezu Εἰλείθυια, und wird gelegentlich sogar in dem Masse mit Eileithyia identificiert, dass man wie von mehreren Eileithyien (schon die Ilias schwankt zwischen einer und mehreren) auch von mehreren Ἀρτέμιδες Πρᾷαι redet. So scheint es, dass auch Eileithyia ursprünglich als Hypostase der A. aufzufassen ist; so stellen auch die beiden hyperboreischen Hypostasen der A. Opis (= Εὐῶπις und Loxo (= Λοξῶπις ein Paar von Geburtsgöttinnen dar, aus dem zugleich ersichtlich ist, wie man auf den Gedanken einer Zweiheit kam. Aber auch als als Eileithyia längst eine feste selbständige Gestalt war, galt A. doch immer noch als die eigentliche Beschützerin der Entbindung, gewissermassen die höhere Instanz: Aisch. Hik. 676f. Ἄρτεμιν δ’ Ἑκάταν γυναικῶν λόχους ἐφορεύειν, vgl. Kallim. H. Art. 21. In einer Version der delischen Geburtssage wird A. einen Tag vor Apollon geboren,um Leto von diesem zu entbinden (Apollod. I 4, 1. Serv. Ecl. IV 10; Aen. III 73. Liban. Decl. XXXII). Aus demselben Grunde ist Ἀρτεμίδωρος, abgekürzt Ἀρτέμων, ein häufiger Name. In Kindesnöten rufen die Frauen A. an, gnädig, ohne den Todesbogen zu kommen (Ant. Pal. VI 273), und weihen ihr nach glücklich überstandener Entbindung ihr Gewand oder auch eine Locke (ebd. 201f. 271.; vgl. auch die Epiklesis Χιτώνη. Sie heisst ἐπάρωγος ὠδίνων (Orph. Hymn. XXXVI 4), ἐπίσκοπος ὠδίνων (Anth. Pal. IX 22, 5), εὔλοχος (Eur. Hipp. 166), κυβερνήτειρα ἀναγκαίου τοκετοῖο (Nonn. Dion. XLVIII 838), μογοστόκος; (Theokr. XXVII 29), πρηεῖα (Anth. Pal. VI 271), ὠδίνων μείλιχος (ebd. 242), ὠκυλόχεια (Hymn. Orph. XXXVI 8). Vgl. auch die § 5 erwähnte A.-Insel bei Kolophon.

11. Es ist selbstverständlich, dass die Göttin [1348] der Entbindung vorzugsweise von Frauen verehrt wird und so speciell als eine Frauengöttin gilt. Sie ist es, ἁ γυναικῶν μέγ’ ἔχει κράτος (Skol. 4. PLG III⁴ 644), sie ist δέσποινα γυναικῶν (Anth. Pal. VI 269); überhaupt wird sie oft δέσποινα genannt (z. B. Aisch. frg. 342 N.². Soph. El. 626. Eur. Hipp. 1324. 1395. Philemon II 495 Kock. CIA III 216), und in Athen pflegen die Frauen bei ihr zu schwören (Soph. El. 626. 1239. Eur. Med. 160 [anders jedoch v. Wilamowitz Herm. XV 1880, 514]. Ar. Lys. 435. 922; Thesm. 517; Ekkl. 84). Beziehungen zum Frauenleben scheinen auch bei der A. Λυγοδέσμα obzuwalten (über die Weidenart λύγος oder ἄγνος vgl. o. Bd. I S. 58. 832ff). Auch dass A. an manchen Orten als Mutter des Stammes oder des Stammesheroen (Arkas, Lakedaimon; vgl. auch die Epikleseis Παμφυλαία, Πατριῶτις, Πατρῴα) gilt, gehört hierher.

12. Insbesondere aber ist A. eine Todesgöttin, vor allem für das weibliche Geschlecht; diese Auffassung tritt bei Homer am meisten hervor, vgl. Il. XXI 483 ἐπεί σε λέοντα γυναιξὶν Ζεὺς θῆκεν, καὶ ἔδωκε κατακτάμεν ἥν γ’ ἐθέλησθα. A. tötet die Frauen mit Bogen und Pfeil, ohne Krankheit (Il. VI 428. XIX 59; Od. XI 171ff. 323. XV 478. XX 10ff. 81); bisweilen sanft (Od. XV 409. XVIII 202), doch auch im Zorn (Il. VI 205). So führt sie auch das Beiwort χρυσηλάκατος (Il. XVI 183. XX 70; Od. IV 122. Hom. Hymn. XVI 118. XXVII 1), das an die Spindel der Moiren erinnert, mit denen A. vereinzelt auch im Kult verbunden ist; in der Sage tötet sie die Töchter der Niobe, ferner Kallisto, Koronis, Maira (Pherek. Schol. Od. XI 325) und Ariadne (Od. XI 325). Vgl. auch die makedonische Grabstele, Heuzey-Daumet Mission en Macéd. 236, 107. Aber die Bedeutung der A. als Todesgöttin wird auch verallgemeinert; auch Männer fallen ihr zum Opfer, wie in der Sage Adonis (Apollod. III 14, 3, 4), die Aloaden, Aktaion, Broteas (Apollod. Mythogr. Gr. I 183, 4 Wagner) Buphagos (Paus. VIII 27, 17) Leimon (Paus. VIII 53, 1ff.), Orion (Od. V 123), Tityos (Pind. Pyth. IV 90), vgl. Kap. V. Als allgemeine Todesgöttin erscheint sie auch Kallim. H. Art. 126. - Cornut. 32, vgl. den grausen Fluch des Hipponax (frg. 31, PLG⁴ II 473). Als Todesgöttin hat sie Hypostasen, wie Admete, Adrasteia, Hekate (vgl. Kap. IV a), und wird geradezu zu einer Unterweltsgöttin, wie die Βριμώ von Pherai, wie die A. Soteira in Trozen, in deren Tempel sich Altäre der θεοὶ καταχθόνιοι befanden, auch ein Eingang zur Unterwelt (Paus. II 31, 1); die Orphiker nennen sie eine Tochter des Unterweltsgottes Eubuleus (Orph. Hymn. LXXII 3). Auch die Epiklesis Τοξία gehört vielleicht der Todesgöttin.

13. Dass die Todesgöttin auch Menschenopfer verlangte, ist nicht wunderbar. Wie ihr Zorn die Fluren vernichtet, die ihre Gnade gedeihen lässt, wie sie über der Tierwelt segnend und tötend waltet, so offenbart sich auch an der Menschheit ihre Fürsorge und ihr grimmer Zorn. Und wie man durch Frucht- und Tieropfer diesen Zorn von Äckern und Herden abwenden zu können glaubte, so meinte man, die Menschen eben nur dadurch mit der Göttin versöhnen zu können, dass man ihr wirklich Menschen zum Opfer darbrachte. So finden wir Spuren alter Menschenopfer in den Kulten der A. Ἀριστοβούλη, Βραυρωνία, Λαφρία, [1349] Μουνιχία, Ὀρθία, Ὀρθωσία, Πατμία, Ταυροπόλος, Τρικλαρία, Nachklänge von Menschenopfern in Sagen wie der von Iphigeneias Opferung u. ä. In historischer Zeit sind diese Menschenopfer nur noch in symbolischer Form erhalten gewesen, indem man entweder der Gottheit genehme Opfertiere unterschob oder das Opfer nur symbolisch vollzog, in Dienstbarkeit verwandelte u. s. w.

14. Der Todesgöttin nahe verwandt ist die Kriegsgöttin, und auch als solche erscheint A. nicht selten. Hierauf weisen Epikleseis wie Εὔκλεια, Νικηφόρος, und Hypostasen wie Ἀλκίς und Ἀνδρόκλεια. In Athen opfert der Polemarch der A. Ἀγροτέρα und dem Enyalios (Poll. VIII 91); der A. Ἀγροτέρα werden zum Andenken an den Tag von Marathon alljährlich 500 Ziegen geopfert (s. o. Bd. I S. 907); ihr zu Ehren findet eine πομπὴ ἐν ὅπλοις der Epheben statt (CIA II 466–471), ebenso wie das Andenken an die Schlacht bei Salamis am Feste der A. Μουνιχία gefeiert wird (CIA II 468). Auch in der Verbindung der A. mit den Amazonen spricht sich die Beziehung zu Tod und Krieg aus, vgl. o. Bd. I S. 1764. Die Spartaner opferten vor der Schlacht der A. Ἀγροτέρα eine Ziege (Xen. hell. IV 2, 20; Pol. Lak. XIII 8. Plut, Lyk. 22). Vielleicht ist auch die Epiklesis Κολαινίς in kriegerischem Sinne zu deuten (vgl. Claus a. a. O. 91). So wird die Göttin auch öfters im Schmucke kriegerischer Waffen dargestellt, so in Messene (Paus. IV 13, 1); Helm und Schwert (vgl. das Epitheton χρυσάορος im Spruch des Bakis, Herodot. VIII 77) hat sie auf der sf. Tityos-Amphora im Louvre (Mon. d. Inst. 1856 Tav. X 1), den Helm auch auf der Cornetaner Niobidenvase (Antike Denkm. I 22); Bogen und Pfeil führt sie ebenso als Jagd-und Todesgeschoss wie gegen ihre Feinde; ebenso den Speer, den sie als Αἰτωλή und Πατριῶτις, sowie auf zahlreichen Münzen hält: Chersonesos (Brit Mus. Cat. Coins, Thrace 2f.), Bithynien (Mionnet II 503, 1ff), Lakonien (Brit. Mus. Cat. Coins, Pelop. 126. 130), Mazaka-Kaisareia (Rev. Num. XIII 1895, 71 pl. III 9), Messene (Journ. Hell. Stud. VII 71 pl. P 3), Mothone (ebd. 73 pl. P 13), Psophis (ebd. 105 pl. T 19), Tanagra (ebd. VIII 9 pl. X 3-5), Paestum (Brit. Mus. Cat., Italy 282), Parion (ebd. Mysia 100), Patrai (ebd. Pelop. 27), Perge (Mionnet III 459f., 70ff.), Pharos Illyr. (Brit, Mus. Cat. Coins, Thessaly 81), Phigalia (ebd. Pelop. 197), Syrien (ebd. Seleucid Kings 33. 94); mit Schild auf Münzen von Amphipolis (ebd. Macedonia 55f. 58) und Lakonien (ebd. Pelop. 130 pl. XXVI 5). Dem Kriege ein Ziel setzt sie endlich als Ἀστρατεία.

15. Die Vermischung der binnenländischen Naturgöttin mit dem ionischen Letoidenkultus hatte die Aufnahme mancher neuen Züge in das Gesamtbild der Göttin zur Folge. Galten schon früher Quellen und Bäche als ihr wohlgefällig, so dehnt sich nun ihre Macht auch über das Meer aus, wozu sich auch die alten binnenländischen Beziehungen zu Poseidon trefflich fügten. Nun hat sie auch am Meeresstrande zahlreiche Heiligtümer (Beispiele die Tempel der A. Αἰτολή in Naupaktos, Δίκτυννα bei Las, Σαρωνία in Trozen, der Leto und ihrer Kinder in Delion; vgl. auch die Epiklesis Παραλία). Sie ist es, die den Seefahrern glückliche Ausfahrt (Ἐκβατηρία) verleiht, [1350] den Lauf der Schiffe beflügelt (νηοσσόος, Apoll. Rhod. I 570; vgl. die Epiklesis Εὐπορία) und ihnen unversehrte Heimkehr gewährt (Εὔνοστος); sie ist es, die den Sturm tosen lässt (vgl. Plut. Luc. 13) oder den günstigen Wind zurückhält (z. B. für die Flotte in Aulis); Schiffe benennt man häufig zur günstigen Vorbedeutung mit Beinamen der A. (vgl. Boeckh Staatsh. III² 84ff. CIA II 794). Ein Schiffsvorderteil hält A. auf Münzen von Leukas (Brit. Mus. Cat. Coins, Thessaly 179. 181 pl. XXVIII 16. XXLX 1) und Smyrna (ebd. Ionia 254 pl. XXVII 2); sie sitzt auf einem solchen auf Münzen der thessalischen Magneten (ebd. Thessaly 34 pl. VII 2, auch 18 pl. III 1). Die Häfen schirmt sie als Ἐπίσκοπος, sie ist λιμενῖτις (Anth. Pal. VI 105, 1), λιμενοσκόπος (Kallim. H. Art. 259) oder λιμένεσσιν ἐπίσκοπος (ebd. 39). Ihr zu Ehren, die von dem Bruder den Namen Δελφινία entlehnt, feiert man in Athen das Seeausfahrtsfest (Mommsen Heort. 48f.) der Delphinien. Eine Göttin der Fischer ist die thessalische Ἀσπαλίς und die kretische Δίκτυννα–Βριτόμαρτις; Fische sind ihr heilig auf Ortygia bei Syrakus (Diod. V 3, 6), sonst besonders die Seebarbe (Plat. com. I 646 Kock); an A.-Festen werden Fische geopfert (Hegesandros bei Athen. VII 325 C); als die weithin waltende Εὐρυνόμη wird die Göttin sogar selbst mit einem Fischschwanz dargestellt; vgl. auch die Rolle des Fisches in der von Kreophylos erzählten Gründungssage des ephesischen Tempels (Athen. VIII 361 D). Auch auf der Sosiasschale (Berlin 2278) ist vielleicht die neben Poseidon thronende Frauenfigur mit dem Fisch als A. zu bezeichnen.

16. Dieselbe Göttin, die den Schiffen sichere Fahrt durchs unwirtliche Meer gewährt, sie schirmt auch zu Lande Weg und Steg; sie heisst ἀγυιαῖς ἐπίσκοπος (Kallim. H. Art. 38), sie geleitet den Wanderer als Ἁγεμώ oder Ἡγεμόνη, Ἐνοδία, Ἐφοδία und schreitet ihm als Προηγέτις, Προκαθηγέτις voran; sie giebt seinen Fahrten gutes Gelingen als Εὐραξία und hütet den Eingang und Ausgang als Προθυραία, Προπυλαία, Στροφαία (?). So bewacht sie mit ihrer Meute auch das delphische Heiligtum, vgl. den neugefundenen Paian des Aristonoos (Crusius Phil. LIII Suppl. 16), so bezeichnet sie Orph. Arg. 902 der Dichter als ἐμπυλίη von Kolchis.

17. Die Schützerin von Weg und Steg, Handel und Wandel wird ferner auch zur Göttin des Marktverkehrs, wo sie neben Zeus eine hervorragende Rolle spielt. In Sekyon befand sich nahe bei der Agora ein zu Pausanias Zeit bereits verfallener Tempel der A. Λιμνᾶτις (Paus. II 7, 6), an der Agora beim Buleuterion standen die hochaltertümlichen Bilder der A. Πατρῴα und des Zeus Μειλίχιος neben einander und auf dem Markte selbst dasselbe Götterpaar, ein Erz-Zeus von Lysippos und eine vergoldete Statue der A. (Paus. II 9, 6); Heiligtümer der A. auf oder am Markt finden wir noch in Aigion (Paus. VII 24. 1), Athen (Εὔκλεια, Paus. I 14, 5; Ὀρθία, Schol. Pind. Ol. III 54), Ephesos (Athen. VIII 361 E), Olympia (Altar der A. Ἀγοραία, Paus. V 15, 4), Patrai (Λιμνᾶτις, Paus. VII 20, 7), Sparta (Bilder des Apollon Pythaeus, der A. und Leto, Paus. III 11, 9), Trozen (Σώτειρα, Paus. II 31, 1).

18. Und wie der Marktplatz der Mittelpunkt des Staatslebens ist, so wird die Marktgöttin zu [1351] einer das ganze Staatswesen beschützenden Gottheit. Schon der homerische Sänger rühmt von ihr (Hymn. Aphr. 20) καὶ γὰρ τῇ ἅδε τόξα ....δικαίων τε πτόλις ἀνδρῶν. Auch hier tritt sie neben Zeus (Πολιεύς, Σωσίπολις u. s. w.), sie selbst heisst Ἀστίας, πολύπτολις (Kallim. H. Art. 225); als πολιήοχος (Apoll. Rhod. I 312) erscheint sie mit der Mauerkrone geschmückt auf Münzen von Abydos, Akmonia Phryg., Capua, Chersonesos Taur., Isindos Pisid., Lysimacheia, Priapos Mys., Tenedos. Als Ἀριστοβούλη verehrt man sie in Melite und auf Rhodos, als Βουλαία oder Βουληφόρος in Athen und Miletos.

19. Eine andere Gedankenreihe knüpft einerseits wohl an die entsprechende Seite des Apollonkultes an, andererseits an die Verehrung der A. bei Bächen und Quellen: sie erscheint nicht selten auch als heilkundige Göttin. Besonders bei warmen, heilkräftigen Quellen finden wir diese Auffassung, die sich in den Epikleseis Θερμαία, Βαιιανή, Λουσιᾶτις (vgl. Ἡμέρα) widerspiegelt; so sind ihr die Heilquellen der Thermopylen und von Astyra (Ἀστυρηνή), Marios und Phigalia heilig; und am Eingang zu den Bädern von Korinth standen Statuen der A. und des Poseidon (Paus. II 3, 5). Dann heisst sie auch allgemeiner Εὐάκοος, Λυαία, Λυσαία, Ὀπιταΐς, Οὐλία, ἰήιος (Schol. Soph. O. T. 173), λυτηρίας (Orph. Hymn. XXXVI 7), und wir finden sie nicht selten neben Asklepios verehrt. In der Ilias (V 447f.) heilt sie den verwundeten Aineias; für Kranke wird sie angerufen (Anth. Pal. VI 240, vgl. Theogn. 13). Als Heilgöttin erscheint auch A. Ἀνάειτις in der Weihinschrift aus Koloe Bull. hell. IV 1880, 128.

20. Die Retterin aus Krankheitsnöten wird schliesslich zur Retterin aus aller Not überhaupt. Wie sie auf Weg und Steg, auf dem Meerespfade der Schiffe, auf dem lauten Markt und im Rate der Stadt, am Lager der Gebärenden hülfreich nahe ist und den Sterbenden einen sanften Tod giebt, so wird sie ganz allgemein als Σώτειρα verehrt, vgl. auch die Beinamen Ἐπήκοος, Προστατηρία, βοηθόος (Kallim. H. Art. 22), εὐάντητος (Orph. Hymn. XXXVI 7). An ihren Altar flüchtet sich der Verfolgte, sie ist Ἄσυλος, wie sie in Perge heisst, vgl. das Asylrecht des ephesischen Artemision (CIG II 2737 b), des A.-Heiligtums in Lusoi bei Kleitor (Polyb. IV 18, 10), der persischen A. in Magnesia a. Sip. (Bull. hell. XI 1887, 82). Vgl. auch Tac. ann. III 60ff.

21. Dass man bei einer Gottheit, die so allgemein über dem Menschenleben waltet, schwört, ist begreiflich: sie wird zur Hüterin der Eide. In Athen schwören die Frauen bei ihr (s. o. § 10), sie erscheint im Schwur der delphischen Amphiktionen (CIG I 1688), der Hierapytnier (CIG II 2555), der Latier und Olontier (CIG II 2554), der Lyktier (CIA II 459), der Magneten vom Sipylos (CIG II 3137 = Dittenberger Syll. I 171 II 60), der Smyrnäer (ebd. Z. 70). In Pellene schwört man bei A. Σώτειρα (Paus. VII 27, 3); in Zeleia schwört man officiell bei A. (Dittenberger Syll. I 113); und im attischen Ephebeneid in der Aglaurosgrotte finden wir (A.) Ἡγεμόνη unter den Schwurgöttern (Dem. XIX 303. Poll. VIII 106. Plut. Alk. 15).

22. Ein neues Element, welches durch den Letoidenkultus in die Vorstellung von A. hineinkommt [1352] und sich darin immer siegreicher behauptet, ist der Begriff der Jungfräulichkeit. Wie A. die Jugend beschützt, wird sie selbst mit wachsender Vorliebe jugendlich gedacht; sie heisst Παρθένος, Κόρα, Κορία und führt Beinamen wie ἁγνή (Od. V 123. XVIII 202. XX 71. Aisch. Hik. 144; Agam. 135. Simon. frg. 107, PLG⁴ III 462), ἁγνοτάτη (Benndorf Reis. in Lyk. 77), Αἰδώς (rf. Amphora, Gerhard Auserl. Vas. I 22, vgl. jedoch O. Jahn Arch. Aufs. 130), ἀδμήτα (Aisch. Hik. 149. Soph. El. 1239), ἀμύητος ὠδίνων (Orph. Hymn. XXXVI 4), ἀνύμφευτος (Nonn. Dion. XXXVI 248), ἀπειρολεχής (Ar. Thesm. 119), ἄστοργος (Nonn. Dion. IV 339), ἀτελής τε γάμων καὶ ἄπειρος ἐοῦσα (Orph. frg. 137 Ab.), εὐπάρθενος (Anth. Pal. VI 287), καθαρή (Nonn. Dion. XV 179), παρθενίη (Kallim. H. Art. 110. Nonn. IV 186), παρθένος (Hom. Hymn. IV 2. IGI 964), παρθένος αἰδοίη] (Hom. Hymn. XXVII 2), παρθένος ἀγροτέρα (Athen. Mitt. 1883, 202), παρθένος ἀδμής (Od. VI 109). Als Ὑμνία verlangt sie Enthaltsamkeit von ihrer Priesterschaft (Paus. VIII 13, 1). In Magnesia a. M. hiess die Cella des Artemision Παρθενών, vgl. O. Kern DLZ 1894, 857. A. trotzt der Aphrodite (Eurip. Hipp. 1301) und schirmt keusche Jünglinge und Mädchen (Aisch. Hik. 144ff. Theokr. XXVII 15; vgl. die Hippolytossage); dagegen straft sie jeden Fehltritt, vgl. Kallisto, Maira, Taygete, Komaitho (Paus. VII 19, 2), wie sie auch jeden bestraft, der ihr mit Liebesbegehren naht (Buphagos, Paus. VIII 27, 17; Otos in der Version bei Hyg. fab. 28) oder ihre Jungfräulichkeit belauert (Siproites, Ant. Lib. 17; vgl. die spätere Version der Aktaionsage). Der scharfe Gegensatz dieser Auffassung der A. zu der Ehegöttin A. scheint den Alten nicht zum Bewusstsein gekommen zu sein, oder sie schieden zwischen der ehelichen Liebe, der auch A. gnädig sei, und der freien Hingabe an den Geliebten. Und doch ist in der Sage wenigstens der Gegensatz noch vollkommen deutlich, wenn A. Ariadne und Koronis bestraft, weil sie dem Gotte untreu waren, der sie liebte, Kallisto, Maira und Taygete aber, weil sie sich dem Gotte hingaben. Das Eindringen des Begriffs der jungfräulichen A. auch in die kleinasiatischen Kulte, die ja im wesentlichen den Begriff der mütterlichen Gottheit festhielten, zeigt die inschriftlich feststehende (Benndorf Reisen in Lykien 77) Thatsache, dass in Sidyma als Priesterinnen der A. ursprünglich Frauen dienten, und erst in späterer Zeit infolge eines Orakelspruches Jungfrauen das Amt erhielten.

23. Der ewig jugendlichen, jungfräulichen Göttin eignet auch hohe Schönheit; sie führt die Epiklesis Καλλίστη, vielleicht auch Ἀρίστη (sc. εἶδος); καλλίστη heisst sie bei Pamphos (Paus. VIII 35, 8); καλλίστα πολὺ παρθένων, Eurip. Hipp. 66; καλλίστη καὶ ἀρίστη bei Sappho (Paus. I 29, 2); καλή, Aisch. Agam. 140. Arist. Frö. 1359; ξανθή), Anakr. frg. 1. PLG⁴ III 253: εὐπλόκαμος, XX 81; μάλα μεγάλη τε ἰδεῖν καὶ εἶδος ἀγητή, Hom. Hymn. Ap. Pyth. 20; vgl. ἀγλαόμορφος (Jo. Tzetz. Anteh. 36), ἀγρυρόπεζα (Nonn. Dion. XXXIV 47), ἀρσενόμορφος (Orph.Hymn. XXXVI 7), χρυσεοβόστρυχος(Eur.Phoin. 191). Ihre Hypostase Helene wird stets wegen ihrer Schönheit gepriesen. Die Odyssee findet, um weibliche Schönheit zu illustrieren, keine passendere Vergleichung als die mit [1353] A.: Helene (IV 121f.), Nausikaa (VI 150ff.), Penelope (XVII 36f. XIX 53f.). Sie ist auch die Schönste unter ihren Nymphen (VI 105ff.), und den Töchtern des Pandareos verleiht sie μῆκος (XX 71).

24. Vortrefflich passt es zu der neugewonnenen Auffassung, dass A. schon von alters her als dem Tanze und der Musik wohlgesinnt gilt. Frühlings- und Erntefeste werden bei fast allen Völkern durch Tänze und Gesänge gefeiert; so wurden vieler Orten an A.-Festen seit alter Zeit Reigentänze und Gesänge der Mädchen aufgeführt, der Göttin sind lieb φόρμιγγές τε χοροί τε διαπρύσιοί τ’ ὀλολυγαί (Hom. Hymn. Aphr. 19, vgl. Kallim. H. Art. 3 und das Sprichwort ποῦ γὰρ ἠ Ἄρτεμις οὐκ ἐχόρευσεν; Paroemiogr. II 229); aus dem Reigentanz der A. raubt Hermes die Polymele (Il. XVI 180ff., danach Hom. Hymn. Aphr. 118); A. tanzt mit Kore und Athene (Eur. Hel. 1315), singt mit den Musen zur Leier des Apollon (Hom. Hymn. Apoll. Pyth. 19ff.), führt den Chortanz der Musen (Hom. Hymn. XXVII 18) und freut sich am Reigen der Nymphen (Od. VI 106); sie führt den Namen Ὑμνηία; in Hiera auf Lesbos finden wir einen ἀρχίχορος der A. und des Apollon Maloeis (Collitz Dial.-Inschr. I 255); A. Καρυᾶτις wird mit altertümlichen Tänzen der Mädchen gefeiert (Paus. III 10, 7. IV 16, 9); über die lakonischen und sicilischen βουκολιασμοί vgl. K. O. Müller Dor.² II 338; zu Ehren der A. Κορδάκα bei Olympia tanzen die Gefährten des Pelops den Kordaxtanz (Paus. VI 22, 1); Theseus raubt Helene beim Tanz zu Ehren der A. Ὀρθία (Plut. Thes. 31); in Syrakus führte man am Fest der A. Χιτωνέα Tänze zur Flötenbegleitung auf (Athen. XIV 629 E); Tänze und Mummenschanz im Dienste der A. Κορυθαλία (Hesych. s. κορυθαλίστριαι, κυριττοί); Mummenschanz und Gesang auch bei dem lakonischen Tanz Bryallicha zu Ehren der A. und des Apollon (Poll. IV 104, Hesych. s. βυλλίχαι, βρυλλιχισταί, βυλλίχης, βρυλλιχίδδει); auf Mummenschanz deutet auch die Erzählung von dem Feste, das A. Ἀλφειαία in Letrinoi mit ihren Nymphen feiert (Paus. VI 22, 9). Im Dienste der A. Δερεᾶτις wurden Hymnen καλαβοίδια (Hesych. s. v.) gesungen; in Trozen Hymnen, die οὔπιγγες hiessen (Athen. XIV 619 B. Schol. Apoll. Rhod. I 972. Poll. I 38).

25. In solchen Festfeiern der A. mochte sich leicht eine gesteigerte Begeisterung einstellen, namentlich unter dem Einfluss der nicht seltenen Verbindung mit Dionysos (A. heisst sogar Βρομία Orph. Hymn. XXXV 2) und orientalischer Kulte, wie des der ephesischen Göttin (s. u.); doch muss betont werden, dass ein eigentlich orgiastisches Element der griechischen A. vollkommen fehlt (anders, aber von irrigen Voraussetzungen ausgehend, W. M. Ramsay Journ. Hell. Stud. III 54f.).

26. Dagegen ist der A. die Mantik nicht völlig fremd geblieben: sie ist aber im A.-Kult etwas von Apollon her Übertragenes. Mit Apollon gemeinsam hat sie Orakel in Adrasteia (Strab. XIII 587). auf Delos (Βριζώ), im Didymaion (Prophet der A., Le Bas III 223), bei Seleukeia (Σαρπηδονία, Strab. XIV 676); in späterer Zeit ist das Orakel der A. Περγαία berühmt; auf Teilnahme am delphischen Orakel scheint zu deuten, [1354] dass nach Paus. X 12, 2 die delphische Sibylle Herophile sich ἐν τοῖς ἔπεσιν bald γυνὴ γαμετή des Apollon, bald dessen Schwester oder auch Tochter nannte; so heisst A. bei Clem. Alex. Strom. I 323 (vgl. Suid. s. v.) geradezu Σίβυλλα Δελφίς. Der Dreifuss (Zeichen des Orakels) kommt auf Silbermünzen von Knidos als Revers des A.-Kopfes vor (Imhoof-Blumer Monn. gr. 310). 27. Schliesslich ist noch eine Seite in dem Gesamtbilde der A. zu erwähnen, die vielleicht am spätesten von allen hinzutrat, aber allmählich an Bedeutung wuchs, die Auffassung als Mondgöttin. In der Zeit des Epos ist noch keine Spur dieser Auffassung vorhanden. Noch dem Hom. Hymn. XXXII ist die Identification von A. und Σελήνη völlig unbekannt. Selbst die Stellen der attischen Tragiker, welche die Identification für das 5. Jhdt. beweisen sollen, sind ganz zweifelhaft. Denn das Aischylosfragment 164 ἃς οὔτε πέμφιξ ἡλίου προσδέρκεται, οὔτ’ ἀστερωπὸν ὄμμα Λητῴας κόρης kann höchstens auf den nächtlichen Sternenhimmel (Claus a. a. O. 47) gehen; der Dichter konnte doch nicht den Mond ,das gestirnte Auge der Mondgöttin‘ nennen! Die Stellen Soph. Tr. 214; O. T. 207 deuten nur auf die Fackel als Attribut der A.; diese Fackel kann sie aber ebenso gut als Jägerin und als Hochzeitsgöttin haben. Bei Euripides ist die Botenrede I. A. 1570 interpoliert, und Phoin. 179 lautet die Überlieferung θύγατερ Ἀελίου (nicht ἁ Λατοῦς) Σελαναία. Gleichsetzung der A. und Selene ist erst bei den Stoikern nachgewiesen (Stellen s. Preller-Robert I 296, 1); sie war die natürliche Folge der Gleichsetzung des Apollon mit der Sonne. Ferner ward die Auffassung als Mondgöttin noch besonders befördert durch die Ausbildung der Hypostase Hekate (s. Kap. IV a), die doch in stetem Connex mit A. selber blieb. Allmählich dringt, freilich mehr in die Volksvorstellung als in den Kult die Ansicht ein, A. sei eine Mondgöttin. Epikleseis wie Σελασία, Σελασφόρος, Φιλολάμπαδος, Φωσφόρος scheinen sich dazu zu fügen, obwohl keineswegs zu erweisen ist, dass sie ursprünglich diesen Sinn hatten (über Καλλίστη s. u. Kap. VI); zu Apollon Νεομήνιος gesellt sich A. Νουμηνία; die Epiklesis Αἰθοπία deutet Kallimachos (Steph. Byz. s. Αἰθόπιον) als ,feuriges Antlitz‘ auf die Mondgöttin; an den Munichien opferte man ἀμφιφῶντες, Kuchen mit Lichtern besteckt, – auch sie werden, vielleicht sehr zu Unrecht, in diesem Sinne gedeutet (Athen. XIV 645 A. B. Poll. VI 75. Etym. M. 94, 56); die Mondsichel und noch mehr die Fackel werden zum ständigen Attribut der A. auf Münzen. Bei alledem ist jedoch festzuhalten, dass nirgends im Kult officiell die Auffassung der A. als Mondgöttin hervortritt.

IV. Beziehungen zu anderen Gottheiten.

a) Hypostasen. Wohl bei keiner Gottheit des griechischen Olymps lassen sich die einander entgegenwirkenden Vorgänge einer wachsenden Zersetzung und Vereinzelung in Kulten und Mythen auf der einen und einer Aufnahme fremder Elemente auf der andern Seite, wie sie in der griechischen Religion allgemein sind, deutlicher beobachten als bei A. Es ist deshalb hier von ganz besonderem Wert, diese Vorgänge näher zu betrachten und das Erkennbare festzustellen. Da [1355] finden wir zuerst eine grosse Zahl sog. Hypostasen, d. h. einzelner Züge im Gesamtbilde der A., die selbständige Geltung gewonnen und sich zu göttlichen oder heroischen Gestalten verdichtet haben. Eine Anzahl dieser Hypostasen sei hier zunächst kurz zusammengestellt, indem bei den bekannteren Sagenfiguren die Ausführung den Einzelartikeln vorbehalten bleibt.

1. Admete, vgl. Maass De Aesch. Suppl. (Ind. Gryph. 1890–91) XXXIV.

2. Adrasteia, schon von Demetrios von Skepsis für eine Hypostase der A. erklärt (Harpokr. s. Ἀδράστειον), vgl. Claus a. a. O. 87f. und o. Bd. I S. 407.

3. Alexandra, altlakonische Göttin (Bd. I S. 1375), wird von Preller-Robert I 307, 2 als der A. nahestehend bezeichnet.

4. Alkis und Androkleia, Töchter des Thebaners Antipoinos, die sich für ihr Vaterland opferten und im Tempel der A. Εὔκλεια begraben liegen (Paus. IX 17, 1), mit Recht von Bethe (o. Bd. I S. 2145) für mythische Figuren erklärt, die aus zwei Epikleseis der A. entstanden sind.

5. Arethusa, die von Alpheios verfolgte Quellnymphe, kann, obwohl sie aus der Sage von den Beziehungen des Alpheios zu A. entwickelt ist, als eine späte und vielleicht rein dichterische Fiction, nicht eigentlich als Hypostase der A. betrachtet werden, vgl. die gründliche und gelehrte Auseinandersetzung von Wentzel (o. Bd. I S. 1633ff.).

6. Arge erscheint auf doppelte Weise als Hypostase der A. gesichert. Einmal erscheint sie bei Herodot (IV 35) als eine der Hyperboreerinnen, die mit Opis zusammen A. und Apollon begleitend nach Delos kamen und ein Heroon hinter dem Artemision haben; dass die Namen der Hyperboreerlegende im wesentlichen Beinamen der Letoiden entlehnt sind, wird allgemein zugegeben. Arge zeigt ihre Zugehörigkeit zu A. noch dadurch, dass sie bei Hyg. fab. 205 als Jägerin erscheint, die sich gegen Sol vermessen rühmt und von diesem in eine Hirschkuh, das Tier der A., verwandelt wird. Vgl. o. S. 688. Crusius Roschers Lex. I 2811.

7. Ariste. In Athen standen bei der Akademie in einem Temenos der A. ξόανα der Ariste und Kalliste, in deren Namen bereits Paus. I 29, 2 mit Recht Epikleseis der A. erkennt. Vgl. o. S. 876 und Kap. III 23.

8. Atalante ist eine Hypostase der arkadischen und aitolischen A., vielleicht ebenfalls aus einem alten Kultnamen (,die Unermüdliche‘ – Jägerin?) entstanden. Näheres unter Atalante.

9. Britomartis s. Kap. IVc 4.

10. Chesias, samische Nymphe, vom Flusse Imbrasos Mutter der Okyroe, einer Geliebten des Apollon (Apollon. bei Athen. VII 283 E); Hypostase der A. Χησιάς.

11. Chryse, lemnische Göttin, Parallelfigur zu A. Ἰφιγένεια, vgl. K. O. Müller Dorier I² 387ff.(Schreiber Roschers Lex. I 573. 586. Von den Alten wurde sie jedoch der Athena gleichgesetzt (Schol. Il. II 722. Schol. Soph. Phil. 194. 1326).

12. Chrysothemis ist als Hypostase der A. gekennzeichnet 1) als Mutter der Molpadia (Amazonenname), Parthenos und Rhoio (Geliebte des Apollon, Mutter des Anios), Diod. V 62, 1; 2) als Geliebte des Apollon und Mutter des Sternbildes [1356] Parthenos, Hyg. Poet. Astr. II 35; 3) als Tochter des Agamemnon und Schwester der Iphigeneia.

13. Eileithyia. Wie es scheint ursprünglich ein in Boiotien heimischer Kultbeiname der anderwärts Λεχώ, Σοωδίνα u. s. w. zubenannten Entbindungsgöttin A. (vgl. Kap. III 10). Der Grund, weswegen sich hier eine selbständige göttliche Figur abzweigte, war einesteils wohl der Umstand, dass der Begriff der jungfräulichen A. immer mehr Boden gewann (vgl. Claus a. a. O. 65ff.), andererseits die in der Vorstellung des Volkes eintretende Teilung der Functionen in eine gnädige, hülfreiche und eine der glücklichen Entbindung widerstrebende, feindliche Göttin; dieselbe Teilung, die sich in den beiden Namen der gleichfalls als Hypostasen der A. anzusehenden Hyperboreerinnen Opis (= εὐῶπις, die gut, d. h. mit günstiger Vorbedeutung blickende, vgl. Crusius Roschers Lex. I 2811. Wide Lakon. Kulte 128) und Loxo (= Λοξῶπις, die schief, d. h. mit ungünstiger Vorbedeutung blickende, vgl. Maass bei Wide a. a. O.) ausspricht, herrscht bei Homer zwischen Eileithyia (vielleicht wirklich als Ἐλευθώ = ἐλευσομένη, ,die [hülfreich] Nahende‘ zu deuten, vgl. Preller-Robert I 511) und A. (vgl. Claus a. a. O.). Dies führte zu der Annahme zweier Eileithyien, die dann gewöhnlich als Töchter der Hera angesehen wurden; aber charakteristisch ist es, dass vereinzelt A. selbst in dieser Bedeutung verdoppelt wird, und zwar im Kult: Weihung aus Lebadeia Ἀρτέμισιν Πρα[ε]ίαις, IGS I 3101. Gewöhnlich wird das Verhältnis zwischen A. und Eileithyia als eine nachträgliche Identification von ursprünglich getrennten Gottheiten aufgefasst, vgl. Schreiber Roschers Lex. I 572f.

14. Eukleia. Hypostase der A. Εὔκλεια, vgl. A. Mommsen Heortologie 410. Roscher Lex. I 1400.

15. Hekaerge ist Hypostase der A. Ἑκαέργη, der Schwester des Apollon Ἑκάεργος, des ,Fernhinwirkenden‘, Ferntreffers; sie erscheint daher neben der A.-Hypostase Opis (s. o. Eileithyia) 1) als Hyperboreerin (vgl. Crusius Roschers Lex. I 2813) und 2) als Amme des Apollon und der A. (Serv. Aen. XI 532). Vgl. auch unten Ktesylla.

16. Hekate ist ursprünglich nichts weiter als ein Beiname der A., welcher dem Beinamen Ἕκατος des Apollon entspricht; es ist eine Abkürzung für Ἑκατοβόλη und bedeutet ebenso wie Hekaerge und Hekabe (= Ἑκαβόλη, eine weitere Hypostasierung der Hypostase Hekate, vgl. die Verwandlung der Hekabe in einen Hund; s. auch Noack Iliupersis, Diss. Giss. 1890, 8) ,die Fernhintreffende‘, vgl. auch Preller-Robert I 321. v. Wilamowitz Herm. XXI 609. Das älteste litterarische Zeugnis, ein in die hesiodische Theogonie (411ff.) eingeschobener Hymnos, nennt sie zwar nicht A.; aber die umfassende Wirksamkeit, die er der Hekate zuschreibt, deckt sich thatsächlich mit dem Machtbereich der A., es wird also A. Ἑκάτη besungen. Späterhin wird der Hekate ein viel enger begrenzter Wirkungskreis zugeschrieben, und zwar ein solcher, wie er sich aus der im Namen liegenden Bedeutung folgerichtig entwickelt. Der Name deutet auf die Todes- und Jagdgöttin; als Todesgöttin vornehmlich der Frauen ist es A. Ἑκάτη, die bei Aisch. Hik. 676 γυναικῶν λόχους ἐφορεύει. Als Jagdgöttin trägt sie [1357] die Fackel zur nächtlichen Aufspürung des Wildes, hat sie den Hund als Attribut und Opfertier. Wie A. wird auch Hekate Schützerin der Wege und Thore, man verehrt sie an Kreuzwegen; hier spielt dann wieder die Todesgöttin hinein, indem sie der Glaube an unheimliches Geistertreiben zur Nachtzeit an den Kreuzwegen in seine Kreise zog; besonders im Lichte des Vollmondes, wenn spukhaft Lichter und Schatten umherhuschten, war es dort nicht geheuer. So wird Hekate ebensowohl zur Mondgöttin (als solche auch auf A. rückwirkend), wie zur Beschützerin nächtlichen Zauberwerks. Übrigens ist zu beachten, dass sich Hekate nie ganz von A. abgelöst hat, dass beide im Kult nicht scharf getrennt werden (vgl. Kern Herm. XXIV 500) und auch in der Volksvorstellung beständig in einander übergehen, wie die zahlreichen beiden gemeinsamen Beinamen beweisen.

17. Helene. Dass diese Sagenfigur eine Hypostase der A. als Schützerin der Jugend, speciell der weiblichen, ist, hat Wide Lakon. Kulte 343f. erwiesen: aus dem Reigentanz zu Ehren der A. Ὀρθία wird Helene von Theseus geraubt (Plut. Thes. 31; von einem A.-Opfer, Hyg. fab. 79); in ihrem Tempel wird ein hässliches Kind schön (Herodot. VI 61, vgl. A. Κορυθαλία); die Schönheit der Helene und A. vergleicht Od. IV 121f.; nach rhodischer Sage wird Helene an einem Baum erhängt und dann als Λενδρῖτις verehrt (Paus. III: 19, 10, vgl. A. Ἀπαγχομένη); in Argos weiht sie der Eileithyia einen Tempel, nachdem sie dort die Iphigeneia geboren (Paus. II 22, 6f.); in Lakonien fahren zu dem Feste Ἑλένια (Hesych.) die spartanischen Jungfrauen in Korbwagen (κάνναθρα), die mit Schnitzbildern von γρύπες und τραγέλαφοι bedeckt waren (Hesych. s. κάνναθρα. Plut. Ages. 19; für die Hyakinthien bezeugt dasselbe Athen. IV 189 F). Hinzuzufügen ist noch, dass die der A. als ἄρκτοι dienenden Mädchen zur Beendigung ihres Dienstes die Ceremonie des ἑλενηφορεῖν ausführten (vgl. Artikel Ἀρκτεία).

18. Hyperoche, eine der beiden Hyperboreerinnen, die nach Herodot. IV 33f. die Erntegaben ihres Volkes nach Delos brachten und dort links vom Eingang in das Artemision bestattet sind; über ihrem Grabe wächst ein Ölbaum; ihnen wird von Mädchen und Knaben beim Abschied von der Jugendzeit ein Haaropfer dargebracht (s. Kap. III 8). Auch hier haben wir eine Hypostase der A. κουροτρόφος zu erkennen.

19. Iphigeneia ist als Hypostase der A. längst anerkannt: A. selbst führt in Hermion die Epiklesis Ἰφιγένεια; sie heisst Ὀρσιλόχη (Amm. Marc. XXII 8, 34), vgl. die Iphigeneia Ὀρσιλοχία auf Leuke (Ant. Lib. 27); beim A.-Tempel in Megara ist ein Heroon der Iphigeneia, die dort gestorben sein sollte (Paus. I 43, 1); sie wird der A. geopfert, die ihr eigenes Symbol, die Hirschkuh (oder die Bärin, Etym. M. s. Ταυροπόλος), unterschiebt; sie wird dann zur Priesterin und Verbreiterin des Kultes der A. Ταυροπόλος; die Taurer opfern der Parthenos und behaupten, es sei Iphigeneia (Herodot. IV 103); zum Schluss ihres Lebens wird Iphigeneia in Hekate verwandelt (Hes. Katal. frg. 118 Kink.). Näheres über diese hier nur kurz hervorgehobenen Züge s. u. Iphigeneia; über das Verhältnis zu Sagenfiguren wie Iphianassa, [1358] Iphigone, Iphinoe, Iphis vgl. M. Jacobson De fab. ad Iph. pert. Diss. Regim. 1888, 17ff.

20. Kallisto ist als Hypostase der A. Καλλίστη allgemein anerkannt. Ursprünglich war diese selbst als Mutter des Arkas (und Pan, Schol. Theokr. I 123) und ,Zeus Gattin in Arkadien die Landesmutter‘ (E. Curtius Ges. Abh. II 11); als später die immer mehr hervortretende Vorstellung der jungfräulichen A. dem widersprach, ward Kallisto zu einer nymphenartigen Figur herabgedrückt, und sollte dann entweder zur Strafe für ihren Frevel in eine Bärin (eine Löwin nach Eur. Hel. 379) verwandelt oder getötet (Paus. VIII 3, 6; ebenso die Münzen von Heraia [Imhoof-Blumer Monn. gr. 194], Methydrion [Wiener Num. Ztschr. IX 25], Orchomenos [Head HN 377]) worden sein; einen hohen, mit Bäumen bestandenen, künstlichen Erdhügel bei Trikolonoi, auf dessen Spitze sich ein Heiligtum der A. Καλλίστη befand, zeigt man als ihr Grab (Paus. VIII 35, 8). Die Verbindung mit dem seit alters bekannten Sternbild des Bären scheint erst in alexandrinischer Zeit erfolgt zu sein. Vgl. Kap. VI unter Καλλίστη.

21. Karya, Priesterin der A. (Καρυᾶτις) und Geliebte des Dionysos, wird in einen Nussbaum verwandelt, Serv. Ecl. VIII 30.

22. Ktesylla. Die bei Ant. Lib. 1 aus Nikandros mitgeteilte aitiologische Novelle, der Geschichte von Akontios und Kydippe nachgebildet (vgl. Buttmann Mythologus II 128ff., besonders 135), sucht den Kult einer auf Keos verehrten Göttin Ktesylla zu begründen, die man in Iulis mit Aphrodite identificierte, in den übrigen Städten von Keos mit (A.) Ἑκαέργη. Es war also einer jener Kulte, die wie der Nemesiskult von Rhamnus auf dem Grenzgebiete, zwischen Aphrodite und A. lagen, ohne dass sich feststellen liesse, welcher Göttin sie ursprünglich eigen waren. Hier scheint zwar die Verwandlung in eine Taube für Aphrodite zu sprechen, deren Kult auf Keos nicht unbezeugt ist (IGA 397). Mehr jedoch spricht für A.: 1) der speciell der A. zukommende Beiname Ἑκαέργη; 2) der starke A.-Kult auf Keos (s. u. Kap. VII); 3) die in diesem Zusammenhang gewiss nicht unwichtige Thatsache, dass das Grab der bei Herodot (IV 35) Arge, sonst Hekaerge genannten Hyperboreerin auf Delos hinter dem Artemision ἀγχοτάτω τοῦ Κηίων ἱστιητορίου lag.

23. Kyrene ist als Hypostase der A. durch Studniczka (Kyrene 144ff.; Roschers Lex. II 1749ff.) erwiesen.

24. Laodike, die hyperboreische Genossin der Hyperoche, ist ebenso zu beurteilen wie diese (s. o.). Vgl. auch die Bemerkung von Crusius Roschers Lex. I 2811 Anm., ferner Laodike, Gemahlin des Arkassohnes Elatos (Apollod. III 9, 1, 1), und Laodike, die in der Ilias (IX 145. 287) als Tochter des Agamemnon und Schwester der Chrysothemis (s. o.) erscheint.

25. Leto. Auch Leto muss als Hypostase der A., d. h. als durch Differenzierung der grossen weiblichen Naturgottheit entstanden, angesehen werden. Ausführlich auf die Figur der Leto in Sage und Kult einzugehen, kann im Rahmen dieses Artikels nicht versucht werden; nur das Wichtigste sei zur Begründung angeführt. Der Name [1359] Λητώ kennzeichnet sich durch seine Form als Hypokoristikon und bietet dadurch der Erklärung besondere Schwierigkeiten; die gewöhnliche Ableitung von λανθάνω scheint aus sprachlichen Gründen verworfen werden zu müssen (G. Curtius Etym.⁵ 120). Ansprechend ist die neuerdings (Roschers Lex. II 1970) von Enmann versuchte Ableitung von einem indogermanischen Stamm , welcher ,geben, gewähren‘ bedeutet; denn als Gewährerin des Kindersegens erscheint Leto in Kult und Sage. In der Sage ist ihre Hauptrolle die der Gebärerin; sie ist eine Muttergottheit, die als solche auch εὐτεκνίαν verleiht und κουροτρόφος heisst (Theokr. XVIII 50); sie kann aber auch den Kindersegen vernichten (Niobesage). In allem diesem deckt sie sich ganz mit A. Εἰλείθυια (s. o. Kap. IV a) und A. Κουροτρόφος. Aber noch mehr! Als Φυτίη verwandelt sie in Phaistos eine Jungfrau in den Jüngling Leukippos (eine Gestalt des apollinisch-artemisischen Kreises), Ant. Lib. 17, ein Wunder, das man füglich jenem spartanischen Wunder der A.-Hypostase Helene vergleichen kann, wodurch aus einem hässlichen Kinde ein schönes wurde (s. o.). In Plataiai ist Leto Μυχία (d. h. doch wohl die das Kind im Mutterleib beschützende) aufs engste mit dem Kult der Hera verbunden, Plut. de Daed. 3f. Und auch die eigenartige Teilung in eine gnädige und eine widerstrebende Göttin, die bei A. als Entbindungsgöttin zu beobachten war, findet sich bei Leto wieder: in Argos ist sie mit Chloris verbunden (Paus. II 21, 10), die sich auch durch ihren zweiten Namen Μελίβοια als der Persephone verwandt erweist; derselbe Gegensatz wie zwischen Eileithyia und A., zwischen (Eu-) Opis und Loxo(-pis) waltet auch hier zwischen Leto und Chloris. Schliesslich ist auch nicht ausser acht zu lassen, dass die grosse kleinasiatische Muttergöttin bald der Leto, bald der A. gleichgesetzt wurde, vgl. Ramsay Journ. Hell. Stud. 1889, 216ff. So kommt auch A. und ihre Hypostase, die Sibylle, gelegentlich als Gattin und Mutter des Apollon (s. o.) vor. Über die Vereinigung von Leto und A. im Kult vgl. u. Kap. IV b.

26. Leukophryne, die im Heiligtume der A. Λευκοφρυηνή zu Magnesia a. M. begrabene Heroine, ist zweifellos als Hypostase dieser Göttin anzusehen, vgl. Curtius Ges. Abh. II 11. Drexler Roschers Lex. II 2000ff. Kern D. Gründungsgesch. v. Magnesia a. M. (Berlin 1894)

27. Loxo und

28. Opis s. o. Eileithyia. Ausführlich erweist Opis als Hypostase der A. Crusius Roschers Lex. I 2812f., der jedoch Λοξώ mit dem Epitheton Λοξίας des Apollon zusammenstellt.

29. Ortygia, Hypostase der A. Ὀρτυγία, erscheint in Ephesos als Amme des Apollon und der A. (Strab. XIV 639f.).

30. Phylonoe, Tochter des Tyndareos und der Leda, von A. unsterblich gemacht (Apollod. III 10, 6 = Myth. gr. I 143 Wagner), erscheint trotz der geringen Überlieferung, die wir über sie besitzen, als eine Parallelfigur zu Iphigeneia. Die Namensform, überliefert auch in der besten Klasse der Hss., steht durch die Vase des Xenotimos (Antike Denkm. I 59, 1, vgl. Robert Arch. Anz. 1889, 143) fest (gewöhnlich Philonoe genannt).

31. Polyboia, nach Hesych eine bald für A., [1360] bald für Kore erklärte Göttin; noch deutlicher für ihre Auffassung als Hypostase der A. spricht die Darstellung am Hyakinthosaltar in Amyklai, wo der Gott Hyakinthos und die Göttin Polyboia im Geleite zahlreicher meist chthonischer Gottheiten dargestellt waren (Paus. III 19, 4); die spätere Zeit deutete dies so, dass hier Hyakinthos und seine als Jungfrau gestorbene Schwester Polyboia der Unsterblichkeit entgegengeführt würden. Ursprünglich waren wohl der Jugendgott Hyakinthos (s. o. S. 11. 70f., vgl. auch A. Ἱακυνθοτρόφος) und die Herdengöttin A. Πολύβοια als ein Götterpaar aufgefasst, das im Geleit befreundeter Gottheiten dahin schritt oder fuhr, wie wir ähnlichen Götterzügen auf archaischen Monumenten, besonders Vasen, so häufig begegnen.

32. Polymele ist schon durch ihren Namen als ein Seitenstück zu Polyboia gekennzeichnet. In der Ilias (XVI 180ff.) erscheint sie als Jungfrau, die aus dem Reigen der A. von Hermes geraubt Mutter des Eudoros wird.

33. Taygete, ursprünglich die auf dem Taygetos hausende (vgl. Od. VI 102ff.), an seinen Abhängen stark verehrte (s. Δερεᾶτις, Λιμνᾶτις) A., mit der Zeus den Lakedaimon zeugt, die also, ähnlich wie in Arkadien A. Καλλίστη, als Stammmutter des lakonischen Landes aufgefasst wird. Aus demselben Grunde, wie dort Kallisto, wird hier Taygete als Nymphe des Taygetos abgezweigt und verschieden genealogisch eingereiht. Von Zeus geraubt war sie am amyklaeischen Thron dargestellt (Paus. III 18, 10). Nach Pindar (Ol. III 29f.) hatte Taygete der A. die später von Herakles verfolgte Hirschkuh geweiht; sie wird gleich Kallisto wegen ihres Fehltritts von A. verstossen und in das Symbol der A., hier eine Hirschkuh mit goldenen Hörnern, verwandelt (Eur. Hel. 381ff., etwas anders Schol. Pind. Ol. III 53). Vgl. Preller-Robert I 306. Wide Lakon. Kulte 127.

b) Verbindungen. Zu einer Reihe anderer Gottheiten tritt A. in nähere Beziehung durch Kultgemeinschaft, Nachbarschaft oder Mythos. Es sind folgende:

1. Aphrodite. Beiden Göttinnen gemeinsame Epikleseis sind Ἀκρία (in Argos, Hesych.), Ἡγεμόνη (Hesych.), Πειθώ, Πρᾶξις (Aphrodite in Megara, Paus. I 43, 6; vgl. A. Εὐπραξία). Im Kult erscheinen sie vereinigt in Sparta (Aphrodite Ἐνόπλιος und A. Ὀρθία, CIG I 1444); in Amyklai am Hyakinthosaltar neben einander Aphrodite, Athena und A. (Paus. III 19, 4); ebendaselbst sind Aphrodite und A. Gegenstücke als Stützen zweier Dreifüsse von Gitiadas (Paus. III 18, 8); ebenda erscheinen die Priesterschaften des Poseidon Ἀσφάλιος, der Athena Χαλκίοικος und Πολιᾶχος, der Tyche, A. Πατριῶτις, Demeter, Kore, Aphrodite Οὐρανία, des Hermes, Dionysos u. s. w. vereinigt Ἐφημ. ἀρχ. 1891, 24); bei Orchomenos (Arkad.) liegen nahe dem ἄγαλμα der A. Κεδρεᾶτις vor der Stadt ἱερά der Aphrodite und des Poseidon (Paus. VIII 13, 2); auf Paros bringen die Strategen eine Weihung der Aphrodite, dem Zeus Aphrodisios, Hermes und der A. Εὐκλείη, Le Bas II 2062; in Teuthis sind die Tempel der Aphrodite und A. neben einander. Paus. VIII 28, 6; in Patrai erscheint Aphrodite auf Münzen neben A. Λαφρία (Brit, Mus. Cat. Coins. Pelop. 28 pl. VI 3). Aphroditeartig sind die A. Σώτειρα von Boiai (vgl. [1361] Wide Lakon. Kulte 121f.) und die Ktesylla von Keos (s. o. Kap. IV a). Die Göttin von Athmonon heisst bald Aphrodite Οὐρανία (Paus. I 14, 7), bald A. Ἀμαρυσία (Paus. I 31, 4); entweder ist beidemal dieselbe Gottheit gemeint, oder wir haben hier zwei benachbarte Tempel beider Gottheiten. Die auf Cap Kolias verehrte Entbindungsgöttin Genetyllis (auch Genetyllides pluralisch) wird bald mit der A. (Schol. Ar. Thesm. 130) oder Hekate (Hesych. s. Γενετυλλίς: ihr Symbol der Hund) identifiziert, bald mit Aphrodite (Schol. Ar. Wolk. 52. Schol. Luk. amor. 42). Auch die Nemesis von Rhamnus hat zu beiden Beziehungen; ebenso heisst die auf Samothrake in der zerinthischen Höhle verehrte Göttin, der man Hundeopfer darbrachte, bald Hekate (Schol. Ar. Fried. 277), bald Aphrodite (Suid. s. Ζηρυνθία). Cupido heisst bei Cic. d. deor. nat. III 60 Sohn der Diana prima. Über die Verbindung der Aphrodite mit Apollon auf Delos und ihren dortigen Beinamen ἁγνή) vgl. Bd. I S. 2749. Man sieht also, dass der Gegensatz, in den in späterer Zeit namentlich durch die Dichter A. zur Aphrodite gesetzt wird (vgl. Eurip. Hipp. 1301 τῆς γὰρ ἐχθίστης θεῶν ἡμῖν), erst secundärer Natur ist; in diesem Sinne sendet dann, wie schon Eur. Hipp. 1420 (vgl. Schol.) anzudeuten scheint, A. den Eber, welcher den Adonis tötet (Apollod. III 14, 4, 1).

2. Apollon. Die innigsten Beziehungen verknüpfen A. mit ihrem Bruder (ihr Gemahl ist er bei Eustath. Il. XX 70 p. 1197, 39, vgl. Paus. X 12, 2) Apollon, vgl. o. S. 33ff. Zu dem dort Zusammengestellten ist (ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu machen) nachzutragen: Gemeinsame Beinamen sind Ἀργαία (Ἀργαῖος), Ἀγροτέρα (Ἀγρεύς), Ἀκρία (Ἀκρίτας), Ἀφαία (Ἀφεταῖος, ἀφήτωρ), Δαφναία (Δαφναῖος), Δελφινία (Δελφίνιος), Δηλία (Δήλιος), Διδύμα (Διδυμεύς), Ἑκαέργη (Ἑκάεργος), Ἐκβατηρία (Ἐκβάσιος), Ἑλεία (Ἑλείτας), Ἔναγρος (ἐνδίαγρος), Ἐπικλιβάνιος, Ἐπιμύλιος (Πασπάριος, Μύλας), Ἔρειθος (Ἐριθάσσος, Ἐρίθιος), Θερμία (Θέρμιος), Ἱακυνθοτρόφος (Ὑάκινθος), Καυκασίς (Καυκασεύς), Κλαρία (Κλάριος), Κολοφωνία (Κολοφώνιος), Κορυθαλία (Κόρυθος), Κυνθία (Κύνθιος), Λαφρία (Λάφριος), Λοξώ (Λοξίας), Λυκεία (Λύκειος), Νουμηνία (Νεομήνιος), Οὐλία (Οὔλιος), Οὖπις (Ἐπόψιος), Πατριῶτις, Πατρῴα (Πατρῷος), Προθυραία (Θυραῖος), Προπυλαία (Προπύλαιος), Προστατηρία (Προστατήριος), Πυθία (Πύθιος), Σαρπηδονία (Σαρπηδόνιος), Τοξία (Τόξιος). Gemeinsame Kulte: Aigina (Eid, CIA II 545), Aigion (an der Agora gemeinsamer Tempel, Paus. VII 24, 1), Aizanoi (Weihung, CIG III 3842), Araxa Lyk. (macht den Anspruch, Geburtsstätte der Letoiden zu sein, Benndorf-Niemann Reisen in Lykien 76, 53 B 10), Athen (Weihung an Apollon Σμινθεύς und A., CIA II 1597; Kuchenopfer an Apollon und A., CIA III 77; Weihung an Apollon Πατρῴος und A., ebd. 176), Attaleia (gemeinsamer Priester des Apollon Ἀρχηγέτης, Dionysos, Ares und der A. Ἐλαφηβόλος, Bull. hell. VII 1883, 263), Augustodunum (Weihung an A. Ἐφεσία und Apollon, IGI 2524), Bizya und Byzantion (Bundesmünze, Brit. Mus. Cat. Coins, Thrace 92), Chaironeia (Weihung an Apollon Δαφναφόριος und A. Σοωδίνα, IGS I 3407), Chytroi (im Apollontempel Weihung an A., Athen. Mitt. IX 137), Delos [1362] (Opfer im Lenaion an Apollon und A. Νουμηνία, Bull. hell. XIV 1890,492), Delphoi (Amphiktioneneid bei Apollon Pythios, Lato, A., CIG I 1688), Didymaion (Weihungen an Apollon, A., Leto, CIG II 2852. 2855), Ephesos (A. und Apollon Ἰκέσιος auf Münzen, Brit. Mus. a. a. O., Ionia 79. 102 pl. XIII 10; beide von Leto getragen, ebd. 104), Eretria (Weihung an Apollon. A., Leto, Athen. Mitt. XVII 204. Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 140), Germe (Apollon A. Asklepios auf Münze, Brit. Mus. a. a. O., Mysia 69), Halikarnassos (Παρθένος neben Apollon und Athena, Dittenberger Syll. I 6), Hiera auf Lesbos (ἀρχίχορος der A. und des Apollon Μαλόεις, Collitz Dial.-Inschr. I 255), Hierapytna (Schwur: Apollon Πύθιος, Lato, A. neben einander, CIG II 2555), Hyampolis (Weihung an Apollon und A., Bull. hell. XVIII 1894, 60), Ikonion (beide unter den θεοὶ σωτῆρες, CIG in 3993), Kalchedon (Münze, Brit. Mus. a. a. O., Pontus 126 pl. XXVII 15), Kamiros (A. und Apollon Ἐρεθίμιος, IGIns. 732, 9. 786, 8), Kolophon (Münze, Mionnet Suppl. VI 102, 141), Kuphonisi b. Amorgos (gemeinsames ἱερόν, Athen. Mitt. XVI 180), Kynortion (gemeinsamer Priester. CIG I 1173), Lakonien (Tanz Bryallicha, s. o. Kap. III 24), Leontinoi (Münze, Brit. Mus. a. a. O., Sicily 93), Lyktos (Schwur, Apollon Πύθιος, A., Leto, CIG II 549), Magnesia a. M. (beide von Leto getragen, Münze, Brit. Mus. a. a. O., Ionia 165; Verbindung der A. Λευκοφρυηνή mit Apollon, Kern S.-Ber. Arch. Ges. Berlin, Juni 1894), Magnesia a. S. (Schwur: A. Ταυροπόλος neben Apollon ἐν Πάνδοις, CIG II 3137 II 60), Maionia Lyd. (Weihung an A. und Apollon Δήλιος, Le Bas III 676), Makedonien (Apollon und A. als Todesgötter auf einer Grabstele, Heuzey-Daumet Mission en Macéd. 236, 107), Megara (Tempel der A. Ἀγροτέρα und des Apollon Ἀγραῖος, Paus. I 41, 3), Messene (im ἱερόν des Asklepios Gruppe des Damophon: Apollon, Musen, Herakles, Thebe, Tyche, A. Φωσφόρος, Paus. IV 31, 10), Miletos (beide von Leto getragen, Münze, Brit. Mus. a. a. O., Ionia 200), Mylasa (gemeinsamer Priester, CIG II 2694), Nakoleia Phryg. (Münze, Mionnet Descr. IV 345, 866f.), Olymos (ἱερὸν ἀργύριον beider, Le Bas III 332. Athen. Mitt. XIV 383. 388; ἱερὰ γῆ, Le Bas III 337; τέμενος, Athen. Mitt. XIV 391), Olympia (Statuen im Heraion, Paus. V 17, 3), Panamara (Weihung an Zeus Πανήμερος, Hera, A., Apollon Κολιόργων, Bull. hell. XII 1888, 101, vgl. ebd. 266f.), Panormos Mys. (Weihungen, CIG II 3699. Athen. Mitt. IX 25), Pellene (ἱερόν des Apollon Θεοξένιος, daneben Tempel der A., Paus. VII 27, 4), Pyrrichos (ἱερά des Apollon Ἀμαζόνιος und der A. Ἀστρατεία neben einander, Paus. III 25, 3), Rhegion (Münze, Brit. Mus. a. a. O., Italy 382), Stektorion (beide von Leto getragen, Münze, Imhoof-Blumer Monn. Gr. 412), Tamynai (Weihungen an A., Apollon, Leto, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 160), Thisbe (Weihung an Apollon und A. Ἀγροτέρα, IGS I 3564), Traianopolis (Münze, Brit. Mus. a. a. O., Thrace 177), Zeleia (Eid bei A., Tempel des Apollon Πύθιος, Dittenberger Syll. I 113).

3. Ares. Gemeinsamer Priester in Attaleia, s. o. Apollon. Vgl. auch Enyalios.

4. Asklepios. Gemeinsame Kulte: Germe (Apollon, A.. Asklepios auf Münze, Brit. Mus. Cat. Coins, Mysia 69), Hypsoi (ἱερόν des Asklepios [1363] und der A. Δαφναία, Paus. III 24, 8), Korone (gemeinsamer Tempel der A. Παιδοτρόφος, des Asklepios und Dionysos, Paus. IV 34, 6), Mantineia (Doppeltempel des Asklepios und der Leto mit ihren Kindern, Paus. VIII 9, 1), Panamara (im Buleuterion Bilder des [Zeus] Πανάμαρος, der Hekate, A., des Asklepios und der Hygieia, Bull. hell. XII 1888, 83f.; Weihung an A. unter verschiedenen Beinamen, Zeus Κτήσιος, Tyche, Asklepios, ebd. 269), Sparta (A. Πατριῶτις neben Asklepios Σχοινάτας verehrt, CIG I 1444). Vgl. Kap. III 19.

5. Athena. Über ihre Einfügung in die Geburtssage der Letoiden vgl. o. S. 22, 10ff. Gemeinsame Beinamen: Ἀρκία (Argos, Hesych.), Κορία, Παρθένος, Σώτειρα, Ταυροπόλος. Kulte: Alea (ἱερά der A. Ἐφεσία, Athena Ἀλέα, des Dionysos, Paus. VIII 23, 1), Amyklai (am Hyakinthosaltar Aphrodite, Athena, A. neben einander, Paus. III 19, 4; s. auch oben § 1), Attaleia (gemeinsame Priesterin der A. Ἄσυλος und der Athena, Bull. hell. X 1886, 159), Azara (ἱερόν der Athena und ἱερόν der A., Strab. XVI 744), Delos (Opfer im Lenaion an Zeus Σωτήρ, Athena Σώτειρα, Leto und deren Kinder, Bull. hell. VI 1882, 22), Epidauros (Athenastatuette der A. geweiht, Athen. Mitt. XI 316), Halikarnassos (Παρθένος neben Apollon und Athene, Dittenberger Syll. I 6), Ilion (die Hauptgöttin bald Athena [Epos], bald A. [Eur. Hek. 933; Tro. 551ff.] genannt), Koloe (am gvgaeischen See ἱερόν der A. Κολοηνή [Strab. XIII 626] und der Athena Γυναία [Eustath. Il. 366, 3]), Tegea (gemeinsame Priesterin, Athen. Mitt. IV 137), Zoster (Altäre der Athena, des Apollon, der A. und Leto, Paus. I 31, 1).

6. Chariten. Die Gottheiten des ländlichen Natursegens stehen an sich der A. nahe; im Kult verbunden erscheinen sie in Athen (am Aufgang zur Burg verehrte man die Chariten mit Hermes und A. Ἐπιπυργιδία Πυρφόρος , die auch Ἡγεμόνη hiess und als Ἑκάτη aufgefasst wurde, vgl. Robert Comm. Momms. 143ff.), Eleusis (Ziegenopfer an Hekate, Hermes und Chariten, CIA I 5, vgl. Robert a. a. O. und Preller-Robert I 761, 1), Lakonien (am Bache Tiasa ἱερόν der A. [Polem. frg. 86] und ἱερόν der lakonischen Chariten Kleta und Phaenna [Paus. III 18, 6]), Magnesia a. M. (daraus, dass Bathykles von Magnesia in Amyklai Statuen der Chariten und der A. Λευκοφρυηνή) geweiht hatte [Paus. III 18, 9], schliesst Preller-Robert I 482, 1 mit Recht auf Kultgemeinschaft dieser Gottheiten in Magnesia), Sparta (beim sog. Dromos ἱερόν der A. Ἡγεμόνη, des Apollon Karneios und der Eileithyia und ἱερόν der Dioskuren und Chariten, Paus. III 14, 6).

7. Demeter und Persephone, die der A. wesensverwandten Gottheiten, konnten auch im Kult und in der Volksvorstellung nicht ohne Beziehung zu ihr bleiben. Gemeinsame Beinamen der Demeter und A. sind Κουροτρόφος, Μυσία, Ταυροπόλος (Demeter Ταυροπόλα in Kopai, Collitz Dial.-Inschr. I 560), Βριμώ (für Demeter erklärt bei Clem. Al. Protr. II 15 p. 13, 21 Pott. Arnob. V 20); der Persephone und A.:Δέσποινα (Persephone heisst in Arkadien Despoina, Paus. VIII 37, 9; über A. δέσποινα vgl. Kap. III 11 und CIA III 216: Weihung, Athen. Δέσποινα Ἄρτεμι Κολαινί), [1364] Βριμώ (für Persephone erklärt Lyk. 698 mit Schol.), Κόρα (vgl. Kap. VI), Πολύβοια (Hesych.), Σώτειρα (Beiname der Persephone in Megalopolis, Paus. VIII 31, 1). A. Tochter der Persephone bei Cic. d. deor. nat. III 58. Als Tochter der Demeter und des Poseidon scheint A. im eleusinischen Kult gegolten zu haben, vgl. Aischyl. frg. 324 (Herodot. II 156, danach Paus. VIII 37, 6). Eur. Ion 1048, und die Kultgemeinschaft der A. mit Poseidon (Πατήρ!) in Eleusis (Paus. I 38, 6), dazu Rubensohn Mysterienheiligt. 34. Ob A. in Syrakus die Epiklesis Ἄγγελος wegen ihres Verhältnisses zu Persephone trägt, wie Schreiber (Roschers Lex. I 348) vermutet, ist zweifelhaft. Örtliche Berührungen: Akakesion-Lykosura (Tempel der A. Ἡγεμόνη] vor dem Eingang zum ἱερόν der Despoina, Paus. VIII 37, 1; im Tempel der Despoina Gruppe des Damophon: Demeter und Despoina, neben dieser der Titan Anytos, neben jener A. mit Hirschfell angethan, in den Händen Fackel und Schlangen, zu Füssen ein Hund, Paus. VIII 37, 3f.; heilige Hirschkuh der Despoina mit Halsbandinschrift, Paus. VIII 10, 10, vgl. die Hirschkuh der Taygete), Amyklai (s. o. § 1), Eleusis (Ziegenopfer an A., Hekate, Hermes, Chariten, CIA I 5, s. o. § 6), Herakleia Salbake Kar. (auf Münze Amazone, A., Demeter, Imhoof-Blumer Griech. Mzn. 672), Isthmos (die Tempel der A., Demeter, Kore und des Dionysos in einem gemeinsamen περίβολος, CIG I 1104), Megalopolis (A. als Relief am Eingang des Tempels der Θεαὶ Μεγάλαι, d. h. Demeter und Soteira-Kore, Paus. VIII 31, 1), Plakia (Priesterin der Μήτηρ Πλακιανή, Κόρη, Μήτηρ [= Demeter?], A. Μουνυχία, Athen. Mitt. VII 156), Zoitia (Tempel der Demeter und A., Paus. VIII 35, 7).

8. Despoina s. Demeter.

9. Dionysos Verbindung mit A. ist fast ganz auf die Peloponnes und Attika beschränkt: Aigina (neben einander drei Tempel des Apollon, der A. und des Dionysos, Paus. II 30, 1), Alagonia (ἱερά des Dionysos und der A., Paus. III 26, 11), Alea (ἱερά der A. Ἐφεσία, Athena Ἀλέα und des Dionysos, Paus. VIII 23, 1), Amyklai (s. o. § 1), Attaleia (s. o. § 2), Epidauros (zwei Tempel des Dionysos und der A., Paus. II 29, 1), Isthmos (s. o. Demeter), Karyai (A.-Hypostase Karya, Geliebte des Dionysos, Serv. Ecl. VIII 30), Korone (gemeinsamer Tempel der A. Παιδοτρόφος, des Asklepios und Dionysos, Paus. IV 34, 6), Nikaia (A. dem Dionysos die Hand reichend, Münze Brit. Mus. Cat. Coins, Pontus etc. 175), Patrai (Menschenopfer für A. Τρικλαρία hören mit der Einführung des Dionysosdienstes auf, Paus. VII 19, 8f.), Pellene (ἱερόν des Dionysos Λαμπτήρ gegenüber einem Haine der A., Paus. VIII 27, 3), Phelloe (neben einander ἱερά des Dionysos und der A., Paus. VII 26, 11), Phlya (gemeinsamer Tempel für Apollon Διονυσόδοτος, A. Σελασφόρος, Dionysos Ἄνθιος, Nymphai Ἰσμηνίδες, Ge, Paus. I 31, 4), Sekyon (Tempel der A. Λιμναία nahe beim Tempel des Dionysos, Paus. II 7, 6), Sparta (im Quartier Limnai, das auch A. Λιμνᾶτις verehrt, Kult des Dionysos, Strab. VIII 363; Kult der A. Κναγία, von der Dionysoshypostase Knageus gestiftet, vgl. Wide Lak. Kulte 120; die von Wide 116 versuchte Verbindung des Kultes der A. Ὀρθία mit Dionysos ist zweifelhaft, s. u.), Trozen

[1365] (Tempel der A. Λυκεία, davor heiliger Stein, auf dem Orestes [dionysische Figur] entsühnt wurde; dabei Altäre des Dionysos Σαώτας und der Themis, Paus. II 31, 4f.). Der Grund dieser häufigen Verbindung ist die Wesensverwandtschaft beider Naturgottheiten; Dionysos trat an vielen Orten an Stelle einer früher der A. zugesellten männlichen Naturgottheit, besonders wo beide in feuchten Niederungen verehrt wurden. Zu erinnern ist auch an die Verbindung der A.-Hypostase Iphigeneia mit Orestes in der Sage; A. Βρομία Hymn. Orph. XXXVI 2; A. tötet Ariadne Διονύσου μαρτυρίῃσιν Od. XI 324f. Dagegen ist das nicht selten behauptete (Lobeck Aglaoph. II Epim. 6. Welcker Gr. Götterl. II 392. K. O. Müller Dor. I² 382. Preller-Robert I 307. Schreiber Roschers Lex. I 570) Vorhandensein orgiastischer Elemente im griechischen A.-Dienst durchaus in Abrede zu stellen; dass die in einer Reihe von A.-Diensten vorkommenden Tänze und Maskenscherze (s. Kap. III 24) orgiastischer Art waren, ist nirgends überliefert; der Kordaxtanz, der noch am ersten so aufgefasst werden könnte, ward als etwas Fremdes eben deswegen empfunden, ist jedoch wahrscheinlich eher auf die naturwüchsige Ungeniertheit einer sehr alten Zeit zurückzuführen. Den Namen Ὀρθία phallisch zu deuten (K. O. Müller Dor. I² 390), liegt kein Grund vor.

10. Dioskuren. Kultverbindung in Sparta:; ἱερόν der Dioskuren und Chariten neben ἱερόν der Eileithyia, des Apollon Καρνεῖος und der A. Ἡγεμόνη (Paus. III 14, 6), Priesterin der A. Ὀρθία καὶ τῶν συγκαθειδρυμένων αὐτῇ θεῶν: Moirai Lacheseis, Aphrodite Ἐνόπλιος, Asklepios (Σχοινάτας, A. Πατριῶτις ἐν Πλείαις, Dioskuren (CIG I 1444; die Ergänzungen von Boeckh erscheinen nicht immer einwandsfrei). Münzen des Caracalla von Ephesos mit Darstellung der A. Ἐφεσία zwischen zwei Reitern (Caracalla und Geta als Dioskuren): Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia 85. 89 pl. XIV 2.

11. Enyalios. Opfer an A. Ἀγροτέρα und Enyalios in Athen, dargebracht vom Archon Polemarchos, Poll. VIII 91. S. Ares.

12) Eubuleus. Orph. Hymn. LXXII 3 Ἄρτεμιν Ἡγεμόνην μεγαλώνυμον, Εὐβουλῆος αἵματος ἐκγεγαῶσαν.

13) Ge. Im Kult mit A. vereinigt in Phlya, s. o. Dionysos. Vgl. auch die in Athen gefundene Weihinschrift κουροτρόφου παρὰ Ἄρτεμιν, Athen. Mitt. 1894, 147.

14) Hera. Gemeinsamer Beiname Ἀκρία (Hesych. s. v.). Bräute pflegten der Hera Τελεία, der A. und den Moiren zu opfern, Poll. III 38. Auch Hera heisst Eileithyia, bei Homer u. s. erscheinen die Eileithyiai als Töchter der Hera. In der Theomachie ist A. der Hera gegenübergestellt (Il. XX 70f. XXI 470ff.). Gemeinsame Weihung aus Panamara s. o. Apollon.

15) Herakles. Im ἱερόν des Asklepios zu Messene (Paus. IV 31, 10) erscheinen in der figurenreichen Gruppe des Damophon auch Herakles und A. Φωσφόρος; dies deutet jedoch auf keinerlei Kultgemeinschaft, wahrscheinlich hat der erst in römischer Zeit lebende Damophon (s. d.) der eisernen Statue des Epameinondas lediglich einen Kreis boiotischer Gottheiten hinzugefügt. Im Gymnasion zu Sekyon standen die Oberkörperhermen der A. [1366] und des Herakles als der Beschützer einer mannhaften Jugend bei einander (Paus. II 10, 7).

16. Hermes. Gemeinsame Beinamen: Ἀγοραῖα (Ἀγοραῖος), Ἐνοδία (Ἐνόδιος), Ἡγεμόνη (Ἀγήτωρ, Ἡγεμόνιος, Ἡγεμών), Κουροτρόφος (Κουροτρόφος), Παιδοτρόφος (Παιδοκόρος), Προπυλαία (Προπύλαιος), Στροφαία (Στροφαῖος), Σώτειρα (Σωτήρ, Χθονία (Χθόνιος). Beide haben auch als Götter der Viehzucht Berührungspunkte, vgl. im hesiodischen Hekatehymnos (Theog. 444, dazu Kap. IV a 16)ἐσθλὴ δ’ ἐν σταθμοῖσι σὺν Ἑρμῇ ληΐδ’ ἀέξειν. Im Kult ist Hermes Προπύλαιος mit den Chariten und A. Ἡγεμόνη (Ἑκάτη Πυρφόρος als Ἐπιπυργιδία ) am Eingang der Burg zu Athen verbunden (CIA II 208. III 268. Paus. I 22, 8; vgl. Robert Comm. in hon. Momms. 143ff.), ferner in Amyklai (s. o. § 1); Paros s. ebd. Nach ephesischer Localsage verkündet Hermes die Geburt der A. auf dem Berge Kerykion bei Ephesos i (Hesych. s. Κηρύκιον). Bei Cic. d. deor. nat. III 60 heisst Cupido primus Sohn des Mercurius und der Diana prima. Bilder der Rhea-Kybele zwischen A. und Hermes, vgl. Preller-Robert I 653, 2. Noch ungedeutet ist die merkwürdige Darstellung einer Kupfermünze Gordians III. von Seleukeia Kilik.: eine halbnackte weibliche Figur schläft liegend, im Hintergrund eilt A. zurückblickend fort, die Rechte gegen den verfolgenden Hermes erhebend, der die Hand nach ihr ausstreckt (Imhoof-Blumer Monn. gr. 364 mit Abb.).

17. Horen. Über die Verbindung der Horen mit A. (vgl. die Epiklesis Ὡραία) ist auf Robert Comm. Momms. 143ff. zu verweisen.

18. Leto erscheint mit A. in der Sage verbunden durch die Geburtslegende (s. o. S. 21ff.) und die Sage von Tityos und den Niobiden. Im Kult sind beide vereinigt in Abai (Tempel mit Erzbildern von Apollon, A., Leto, Paus. X 35, 4)), Aigina (Schwur bei Apollon Pythios, A., Leto, CIA II 545), Artemision in Karien (ἱερόν der A., dabei Hain der Leto, Strab. XIV 651), Athen (Priesterin der A. und Leto, CIA III 376), Chalkis (Weihung an Apollon, A., Leto, vgl. Welcker Griech. Götterl. I 530), Delion (im Tempel des Apollon Statuen der A. und Leto, Paus. IX 20, 1), Delos (Opfer im Lenaion an Zeus Σωτήρ Athena Σώτειρα, Leto und ihre Kinder, Bull. hell. VI 1882, 22; im Posideon an Apollon, A., Leto, ebd. XIV 1890, 495: zahlreiche Weihungen an Apollon, A., Leto: CIG I 2280. 2282. 2283 d. 2284. Bull. hell. II 1878, 399. III 151. 156. 160. 161. 367. 373. 379. 381. 470. IV 217. 218. VI 43. 44), Delphoi (Schwur der Amphiktionen bei Apollon Πύθιος, Lato, A., CIG I 1688; Stieropfer für dieselben Gottheiten, Bull. hell. V 1881, 164 = Dittenberger Syll. 233), Didymaion (Weihungen an Apollon, A., Leto, CIG II 2852. 2855), Dreros (Schwur bei Apollon Πύθιος, A., Lato, Mus. Ital. III 660), Ephesos (Leto ihre Kinder tragend, Münze Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia 104), Eretria (Weihungen an Apollon, A., Leto, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 154, 41. 42. 157, 52. 160, 54. 55. Athen. Mitt. XVII 204), Gortyn (Schwur bei Apollon Πύθιος, A., Lato, Mus. Ital. III 692), Halikarnassos (Weihung an A. und Leto, Bull. hell. IV 1880, 398), Hierapytna (Schwur bei Apollon Πύθιος;, A., Lato, CIG II 2555), Kirra (gemeinsamer [1367] Tempel für Apollon, A., Leto, Paus. X 37, S), Koraza (Weihung an A. Κωράζων, Leto und Apollon, Bull. hell. XII 1888. 267), Lato und Olus (Bundesvertrag, CIG II 2554. Mus. Ital. I 145), Lesbos (Achilleus opfert Apollon, A., Leto, um sich von dem Morde des Thersites zu reinigen, Aithiopis bei Prokl. p. 33 Kink.), Lykone (Tempel der A. Ὀρθία mit Marmorstatuen von Apollon, A., Leto, angeblich von Polykleitos, Paus. II 24, 5), Lyktos (Schwur bei Apollon, A., Leto, CIA II 549), Magnesia a. M. (Leto ihre Kinder tragend, Münze Brit. Mus. a. a. O. 165), Mantineia (Doppeltempel des Asklepios und der Leto und ihrer Kinder, Kultbilder von Praxiteles, Paus. VIII 9, 1), Megara (im Tempel des Apollon Προστατήριος Gruppe der Leto mit ihren Kindern von Praxiteles, Paus. I 44, 2), Miletos (Leto ihre Kinder tragend, Münze Brit. Mus. a. a. O. 200), Olympia (Apollon, A., Leto, Statuen im Heraion, Paus. V 17, 3), Ptoon (Schol. Lyk. 365. Plut. Pelop. 16), Rom (Opfer bei den Lectisternien und bei der Saecularfeier s. Diana; Statuen im palatinischen Tempel, Prop. II 31; Leto mit den Kindern von Euphranor im Tempel der Concordia, Plin. XXXIV 77; Leto und A. bei der Porticus der Octavia, Plin. XXXVI 34), Sparta (auf der Agora Bilder des Apollon Πυθαεύς, der A. und Leto, Paus, III 11, 9). Stektorion (Leto ihre Kinder tragend, Münze Imhoof-Blumer Monn. Gr. 412), Tamynai (Weihungen an A.. Apollon, Leto, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 160), Tanagra (Tempel Apollon, A., Leto gemeinsam, Paus. IX 22, 1), Zoster (Opfer der Fischer an Apollon, A., Leto, Paus. I 31, 1. Steph. Byz. s. Ζωστήρ). Über das Verhältnis zwischen Leto und A. s. o. Kap. IV a 25.

19. Lenkippiden. Über ihre Beziehungen zu A. Ὀρθία vgl. Wide Lakon. Kulte 330f.

20. Μεγάλη Θεός. Zu verschiedenen als ,Grosse Göttin‘ bezeichneten Gottheiten steht A. in naher Beziehung: im attischen Demos Phlya finden wir in einem grösseren Kultverein neben A. auch die hier von Pausanias für Ge erklärte Μεγάλη Θεός (Paus. I 31, 4); in Megalopolis war A. in Relief dargestellt am Eingang des Tempels der Θεαὶ Μεγάλαι (Paus. VIII 31, 1); mit der Μεγάλη Θεός von Lemnos, die später mit Bendis identificiert wurde (Hesych. s. μεγάλην θεόν), ist A. eng verwandt, vgl. Preller-Robert I 313, 1.

21. Μήτηρ Θεῶν. Bilder der Rhea-Kybele zwischen A. und Hermes, vgl. Preller-Robert I 653, 2. Kultverbindung in Akakesion (dort A. mit Demeter und Despoina verbunden; in demselben Kultverein auch die Μεγάλη Μήτηρ, Paus. VIII 37, 2f.), Athen (Weihung an Μήτηρ Θεῶν und A., CIA III 207), Ikonion (unter den Θεοὶ Σωτῆρες auch Θεῶν Μήτηρ, Apollon und A. genannt, CIG III 3993), Magnesia a. Sip. (Schwur bei einem Götterverein, in dem u. a. auch Ταυροπόλος und Μήτηρ Σιπυληνή) figurieren, CIG II 3137 II 60), Plakia (s. o. § 7). Die Göttin von Koloe wird als Μήτηρ Φιλείς bezeichnet Bull. hell. VIII 1884, 378. Im allgemeinen vgl. über die Verwandtschaft zwischen A. und Kybele W. M. Ramsay Journ. Hell. Stud. III 54f.

22. Moiren. Zu ihnen hat A. als Todesgöttin Beziehungen; in diesem Sinne führt sie bei Homer der dort herrschenden Auffassung (vgl. Kap. II 6. [1368] III 12) gemäss das Beiwort χρυσηλάκατος. Die Moiren sind die Vollstreckerinnen ihres Willens in der Admetossage; hierzu passt auch die Angabe, dass Bräute der Hera Τελεία, der A. und den Moiren zu opfern pflegten (Poll. III 38). Im Kult finden wir die Μοῖραι Λαχέσεις innerhalb eines grösseren Göttervereins mit A. . und A. Πατριῶτις verbunden in Sparta (CIG I 1444, vgl. o. § 10).

23. Nemesis ist eine Gottheit, die aufs engste einerseits mit Aphrodite, andererseits mit A. zusammenhängt; besonders die Nemesis von Rhamnus ist der A. verwandt: ihr Kultbild von Agorakritos hatte Hirschfigürchen als Stirnschmuck (Paus. I 33, 7); sie galt dort wie in den Kyprien (frg. 6 Kink.) als Mutter der A.-Hypostase Helene (Paus. ebd., vgl. Engelmann Roschers Lex. I 1930); als Οὖπις bezeichnet sie Herodes Attikos Kaibel Epigr. 1046). Vgl. Welcker Griech. Götterl. I 576ff. Claus a. a. O. 87f.

24. Nymphen. Mit den Nymphen in Wald und Feld, Berg und Fluss steht A. in innigster Beziehung. In der Vorstellung des Volkes waren die Nymphen ihre steten Begleiterinnen; mit ihnen streifte sie im Taygetos und Erymanthos, sich freuend an allerlei wildem Getier, das sie nach Belieben pflegte und jagte, sie unter allen Genossinnen die schönste (Od. VI 102ff.); mit ihnen hauste sie im Freien unter den Nussbäumen von Karyai (Paus. III 10, 7), hielt sie ihre Tänze und Feste in Letrinoi am Alpheios (Paus. VI 22, 9) oder am Flusse Amnisos (s. Artikel Amnisiades); die Nymphen des Ismenos haben im attischen Phlya einen gemeinsamen Tempel mit A., Apollon, Dionysos, Ge (Paus. I 31, 4); in Attaleia weiht man an einer den Nymphen heiligen Quelle dem Apollon und der A. zwei Altäre (Kaibel Epigr. 808).

25. Peitho erscheint mit dem Kult des Apollon und der A. verbunden in Sekyon, nach der von Paus. II 7. 7f. erzählten Legende. Vgl. auch die Epiklesis Πειθώ.

26. Persephone s. o. Demeter.

27. Poseidon. Gemeinsame Beinamen: Βασίλεια (Βασιλεύς), Εὑρίππα (Ἵππιος, Ἱπποκούριος), Προπυλαία (Πρόνεως), Σωτείρα (Σωτήρ). Die Verbindung im Kult beschränkt sich wesentlich auf die Peloponnes; zum Teil sind es sehr alte, binnenländische Kulte, in denen Poseidon noch nicht ausschliesslich als Meeresgott galt. Im Kult verbunden erscheint A. mit Poseidon in Amyklai (s. o. § 1), Eleusis (Tempel der A. Προπυλαία und des Poseidon Πατήρ, Paus. I 38, 6, vgl. o. § 7), Hermion (bei oder im ἱερόν der A. Ἰφιγένεια Erzstatue des Poseidon, den Fuss auf einen Delphin setzend, Paus. II 35, 1), Kalaureia (Rossopfer an Poseidon und Altar im Artemision, Rangabé Ant. hell. 821 b), Kaphyai (ἱερά des Poseidon und der A. Κνακαλησία, Paus. VIII 23, 3), Korinthos (am Eingang der Bäder Statuen des Poseidon und der A., Paus. II 3, 5), Naupaktos (ἱερόν der A. Αἰτωλή neben einem Tempel des Poseidon am Meeresstrand, Paus. X 38, 12), Orchomenos Ark. (vor der Stadt ἱερά des Poseidon und der Aphrodite, nahebei das Kultbild der A. Κεδρεᾶτις, Paus. VIII 13, 2), Pheneos (Tempel der A. Εὑρίππα; wahrscheinlich darin, jedenfalls mit ihm durch die Stiftungslegende verknüpft, ein ἄγαλμα des Poseidon Ἵππιος, Paus.

[1369] VIII 14, 5), Sparta (ἱερά des Poseidon Ἱπποκούριος und der A. Αἰγιναία, Paus. III 14, 2).

28. Tyche ist mit A. verbunden in Akrasos (A. mit einem Hirschzweigespann fahrend, hält die Statue der Tyche auf der rechten Hand, Münze Mionnet Descr. IV 4, 20), Amyklai (s. o. § 1), Ephesos (A. Ἐφεσία. von Tyche gehalten, Münzen Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia 86. 99), Gerasa (A. geradezu als Τύχη Γεράσων bezeichnet auf einer Münze, Mionnet V 329, 55ff.), Messene (im ἱερόν des Asklepios figurenreiche Gruppe des Damophon, darin Tyche neben A. Φωσφόρος, Paus. IV 31, 10), Mytilene (A. Θερμία scheint in einer Inschrift als Μεγάλη Τύχη Μυτιλήνης bezeichnet zu werden, Bull. hell. IV 1880, 430), Panamara (s. o. § 4), Perge (A. Περγαία von Tyche gehalten, Münze Imhoof-Blumer Monn. gr. 333). A. ist hier überall als Schutzgöttin des Staatswesens gedacht (vgl. Kap. III 18); in demselben Sinne trägt sie auf Münzen nicht selten (Abydos, Akmonia, Capua, Chersonesos Taur., Isindos, Lysimacheia, Priapos, Tenedos) eine Mauerkrone. Auch der Orph. Hymn. LXXII identificiert A. mit Tyche.

29. Zeus ist von alters her der A. als Gatte gesellt, in Arkadien als Vater des Arkas, in Lakonien als Vater des Lakedaimon; in dem später allgemein geltenden Göttersystem ist sie eine Tochter des Zeus (Διὸς θυγάτηρ, κόρα u. s. w.). Als Σώτειρα tritt sie dem Zeus Σωτήρ Σωσίπολις zur Seite. Im Kult finden wir Zeus und; A. neben einander in Argos (Xoanon des Zeus und der A., Paus. II 19, 7), Delos (Opfer im Lenaion an Zeus Σωτήρ, Athena Σώτειρα, Leto, Apollon, A., Bull. hell. VI 1882, 22. XIV 1890, 492), Ephesos (A. Ἐφεσία von dem thronenden Zeus gehalten, Münze Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia 85), Korope (Schwur der thessalischen Magneten bei Zeus Ἀκραῖος, Apollon Κοροπαῖος, A. Ἰωλκία, Athen. Mitt. VII 73), Kreta (in den Schwurformeln der kretischen Bundesverträge, in denen. A. nie fehlt, ist stets auch Zeus genannt, vgl. CIG II. 2554. 2555. CIA II 459), Larisa (Weihung an Zeus Μειλίχιος und Ἐνοδία, Bull. hell. XIII 1889, 392), Magnesia a. M. (A. Λευκοφρυηνή von dem thronenden Zeus gehalten, Münze Mionnet III 648. Raye Milète et le golfe Latm. I 132), Magnesia am Sip. (Schwur CIG II 3137), Megalopolis (im Tempel des Zeus Σωτήρ neben dem Kultbild das ἄγαλμα der A. Σώτειρα, Paus. VIII 30, 10), Mylasa (gemeinsamer Priester der Ταυροπόλος und des Zeus, CIG II 2699), Panamara (s. o. § 2. 3), Paros (s. o. § 1), Sekyon (beim Buleuterion an der Agora hochaltertümliche Bilder des Zeus Μειλίχιος und der A. Πατρῴα; auf der Agora ein Erz-Zeus des Lysippos neben einer vergoldeten A.-Statue, Paus. II 9, 6).

c) Identificationen. In diesem Abschnitt sollen die wichtigsten nicht griechischen Kulte zusammengestellt werden, welche die Griechen mit ihrer A. identificierten und deren Dienst allmählich mit dem der A. vermischt wurde.

1. Anaïtis [Anâhita), ursprünglich als Göttin des Oxusstromes nur von localer Bedeutung, wurde erst von Artaxerxes II. zum Range einer grossen Beichsgottheit erhoben und erst von dieser Zeit an durch ihre allgemeine Verehrung in allen Teilen des persischen Reiches den Griechen näher bekannt (noch Herodot I 131 verwechselt Anaitis [1370] und Mithra), vgl. Ed. Meyer Gesch. des Altert. I 542 und Roschers Lex. I 330. Preller-Robert I 332. Cumont o. Bd. I S. 2030f. Von den Griechen ward sie gelegentlich auch mit anderen Göttinnen (Athena, Aphrodite), meist jedoch mit A. identificiert und entweder als A. Ἀναΐτις oder Περσική bezeichnet (Citate Kap. VI); zunächst wohl der ephesischen Naturgöttin gleichgesetzt, der denn auch ihre Darstellungen (vgl. Cumont a. a. O.) entsprechen; wegen des Stiersymbols und unter dem Eindruck der seit Euripides üblichen Vermischung der taurischen Göttin mit der Ταυροπόλος ward sie auch mit diesen identificiert. Auch die am gygaeischen See bei Sardeis als A. Κολοηνή oder Μήτηρ Φιλείς verehrte Göttin ist mit Recht für die Anaitis erklärt worden, ebenso die A. Βορειτηνή) in Thyateira und die A. Σαρδιανή in Sardeis.

2. Aspalis, eine durch den Beinamen Ἑκαέργη) mit A. identificierte Fischergöttin, wurde zu Melitaia in Thessalien verehrt, vgl. Preller-Robert I 318, 3.

3. Bendis, thrakische Gottheit, als kriegerische Jägerin aufgefasst, daher δίλογχος genannt (Hesych. s. δίλογχον), bereits von Herodot mit A. identificiert, der V 7 als Hauptgötter Thrakiens Ares, Dionysos und A. nennt und IV 33 Weizenopfer der Thraker an A. Βασιληίη) erwähnt. Dass auch in Thrakien in späterer Zeit diese Identification allgemein verbreitet war, zeigen die zahlreichen Spuren des A.-Kultes daselbst in Kunstdarstellungen (Heuzey-Daumet Mission en Macéd. 80) und Münzen thrakischer Städte; mit dem Bendiskult verbreitete sie sich auch nach Kleinasien, besonders nach Bithynien (vgl. den Monatsnamen Βενδιδαῖος und bithynische Münzen, wie die Silbermünze des Nikomedes [Mionnet II 503, 1ff.], welche A.-Bendis als δίλογχος mit zwei Speeren in der Rechten, einem Dolch in der Linken, den Schild zu Füssen, thronend darstellen, oder die Erzmünzen von Nikaia [Imhoof-Blumer Griech. Mzn. 603 Taf. VI 10] und Tion [ebd. 607 Taf. VI 17], wo A. als Mondgöttin mit einem Stier- oder Zebuzweigespann dahinfährt, in jeder Hand eine Fackel, die Mondsichel auf dem Kopfe). So sagt Hesych. geradezu Βενδῖς • ἡ Ἄρτεμις Θρᾳκιστί, und Palaiph. 32 καλοῦσι τὴν Ἄρτεμιν Θρᾷκες Βένδειαν. Im Peiraieus fand die thrakische Göttin schon um die Mitte des 5. Jhdts. Eingang, und ihr Fest Βενδίδεια (CIA I 210) ward von dem thrakischen Teil der Hafenbevölkerung mit einer Procession und einem Fackellauf zu Ross gefeiert; sie erscheint hier nicht mit A. identificiert, wohl aber der A. (Μουνιχία) benachbart. Vgl. Rapp Roschers Lex. I 779ff. Preller-Robert I 327f. Der Bendis verwandt oder mit ihr identisch ist wohl auch die nach Hesych. Βούσβατον • τῆν Ἄρτεμιν Θρᾷκες mit A. identificierte thrakische Göttin Busbatos.

4. Britomartis-Diktynna. Über diese vorwiegend kretische Göttin ist das Urteil einigermassen erschwert; denn wenn Solin (XI 9, vgl. Hesych. s. βριτύ. Etym. M. 214, 29) recht hat, und der Name ,süsse Jungfrau‘ bedeutet, müsste sie schon um des Namens willen als ungriechisch angesehen werden. Hiergegen erheben sich aber zwei gewichtige Bedenken. Zunächst scheint die angebliche Erklärung aus dem Kretischen auf Irrtum oder Flunkerei zu beruhen, denn nach [1371] Steph. Byz. s. Γάζα, heisst ,Jungfrau‘ auf kretisch marna und nicht martis. Dann aber hören wir auf Delos, wo der Kult der hier Britamartis genannten Göttin durch das Fest Βριταμάρτια (am 8. Artemision, vgl. Bull. hell. XIV 1890, 493) bezeugt ist, von einer Göttin Βριζώ), die speciell von den Frauen mit Opfern geehrt und besonders wegen glücklicher Schiffahrt (also als Σώτειρα) angefleht wurde (Semos von Delos ἐν β’ Δηλιάδος [FHG IV 493] bei Athen. VIII 335 A. Eustath. Od. XII 252 p. 1720, 55). Diese Göttin, schon durch ihr Fest am Tage nach den Ἀρτεμίσια aufs engste mit A. verbunden, lehnt sich durch ihre Eigenschaften als Frauengöttin und Σώτειρα an A. und durch ihre Fürsorge für die Schiffahrt zugleich an Britomartis-Diktynna an. Der Name Brizo ist durch seine Form deutlich als Kurzname gekennzeichnet. Aber auch die volle Form ist uns erhalten; Semos selbst deutet darauf hin, indem er, erinnernd an das schon homerische Wort βρίζειν = καθεύδειν, den Namen Βριζώ als ἡ ἐνυπνιόμαντις erklärt. Es gab also auf Delos ein Traumorakel der Brizo; bei Hesych. ist uns ihr voller auf dies Traumorakel bezüglicher Name überliefert (von M. Schmidt in der Editio minor leider wieder entstellt): Βριζόμαντις • ἐνυπνιόμαντις. Wir sehen hieraus aber auch, dass wir hier nur einen Beinamen, natürlich der A., vor uns haben, der sie als Göttin des Traumorakels bezeichnet. Aus dem Beinamen wurde eine Hypostase durch Identification mit der kretischen Diktynna, indem zugleich der Name in Britomartis sich veränderte. Die richtige griechische Etymologie geriet in Vergessenheit und wurde durch eine erfundene barbarische ersetzt. Britomartis wurde unter diesem Namen, besonders im mittleren und östlichen Kreta verehrt, doch hielt man sie mit der in Westkreta verehrten Diktynna für identisch; ist dies richtig, so kann nur eine von beiden Benennungen der ursprüngliche Name sein; da Britomartis als Beiname der A. erkannt ist, so muss Diktynna überall auf Kreta der ursprüngliche Name sein. Auch er ist jedoch deutlich ein Beiname, der die Göttin zunächst als Herrin des Δικτυνναῖον ὄρος im Westen Kretas bezeichnet, wie Rapp (Roschers Lex. I 822) treffend hervorhebt; man muss aber noch weiter gehen: wenn man beachtet, dass auch in Ostkreta ein Berg Dikte heisst, so gelangt man zu der Vermutung, dass der Stamm Dikt im kretischen überhaupt den Berg bezeichne, und Δίκτυννα demnach als die allgemein-kretische Bergmutter anzusehen sei. Dass diese Folgerung das Rechte trifft, zeigen Münzen von Kreta (vgl. Brit. Mus. Cat. Coins, Crete 3 pl. I 9), welche die inschriftlich bezeichnete Δίκτυννα als Pflegerin des Zeuskindes darsteilen; hierzu passt auch, dass gelegentlich Demeter mit Diktynna identifiziert erscheint Ἐφημ. ἀρχ. 1891, 24). Wir haben also die Verehrung dieser kinderpflegenden μήτηρ ὀρείη in ganz Kreta vorauszusetzen, doch scheint im Westen der Name Diktynna, im Osten der Name Britomartis überwogen zu haben. Dass die kretische Göttin ursprünglich nicht mit A. identisch gewesen sein kann, liegt schon wegen der Pflege des Zeuskindes auf der Hand; den thatsächlichen Beweis liefern die alten kretischen Schwurformeln (Lato und Olus, CIG II 2554; Lyktos, CIA II [1372] 549; Dreros, Mus. Ital. III 659ff.), in denen sie neben A. angerufen wird (vgl. auch die oben citierte Inschrift Ἐφημ. ἀρχ. 1891, 24). Im 5. Jhdt. ist die begrifflich ja leicht erklärliche Identification bereits wohlbekannt (Eur. Hipp. 146. 1130; I. T. 126f. Ar. Wesp. 368). Wie alt die aus falscher Ableitung des Namens Diktynna von δίκτυον herausgesponnene Legende vom Sprung in die Fischernetze und von der Liebe des Minos (s. Artikel Britomartis) ist, lässt sich nicht feststellen; für uns ist sie vor Kallimachos (Hymn. Art. 189ff.) nicht nachweisbar, denn die angeführte Stelle der Wespen ἡ δέ μοι Δίκτυννα συγγνώμην ἔχοι τοῦ δικτύου setzt sie mit nichten voraus: es ist ein auch ohne den Hintergrund einer Legende ebenso gut, vielleicht besser verständlicher Wortwitz, ein witziger Einfall des Dichters, der möglicherweise sogar damit selbst die Veranlassung zu der falschen Etymologie gegeben hat.

5. Bubastis, die ägyptische Göttin Bast, von den Griechen nach ihrer heiligen Stadt Bubastis (PE-BAST ,Stadt der Bast‘) genannt, wird von Herodot mit A. identificiert (I 59. 83. 137. 155f.); die Gründe dieser Identification sind unbekannt.

6. Die ephesische Göttin zeigt uns eine der folgenreichsten Identificationen eines ungriechischen Kultes mit der griechischen A. Die Identification war hier dem Wesen nach wohl begründet und begreiflich; denn auch die im sumpfigen Mündungsland des Kaystros verehrte Göttin war eine mütterliche, das ganze Reich der Natur beherrschende Göttin, wie die griechische A.; sie ist die grosse Nährmutter für Pflanzen, Tiere und Menschen. Der Umstand, dass man eine solche Gottheit mit A. identifizieren konnte, beweist aufs neue, dass auch A. ursprünglich durchaus mütterlich, nicht jungfräulich aufgefasst wurde, und dass der Begriff der Jungfräulichkeit erst secundär im Zusammenhang mit dem Apollondienste Geltung gewann. Die ephesische Göttin ist niemals jungfräulich gedacht worden, und doch hat man sie frühzeitig mit A. identificiert, obwohl auch ihre Darstellungen wie ihr Kult stets orientalisch und fast frei von griechischen Umgestaltungen blieben. Dies ist nur bei einer wesenhaften Übereinstimmung beider Gottheiten denkbar. Das Kultbild, wie es uns aus späterer Zeit durch Münzen (Brit. Mus. Cat Coins, Ionia 53ff.) und statuarische Nachbildungen (z. B. Clarac 361, 1195. 1198. 562 B, 1198 B C. 563, 1199) bekannt ist, mit seinen vielen Brüsten, mit den zahllosen Symbolen, die es bedecken, ist ein völlig orientalisches Idol. Und auch der Kult behielt allezeit seinen orientalischen Charakter; ein Heer von Priestern, Priesterinnen, Tempeldienern war dabei in Thätigkeit. An der Spitze der verschnittenen Priester, der Μεγάβυζοι, stand der Essén, von den Griechen als ἀρχιερεύς bezeichnet. Neben diesen entmannten Priestern gab es auch Priesterinnen in den drei Klassen der μελλιέραι, ἱέραι und παριέραι; auch an ihrer Spitze stand wohl eine dem Essén entsprechende ἀρχιέρεια, wie man aus dem Vorkommen dieses Titels in anderen Kulten der Ἐφεσία (Aphrodisias, CIG II 2823) schliessen darf. Dieser priesterliche Hofstaat gebot über zahlreiche Tempelsclaven beiderlei Geschlechts (Genaueres bei Schreiber Roschers Lex. I 591. Preller-Robert I 329). Der Charakter des Kultus war im Gegensatz [1373] zu griechischen A.-Kulten ein wilder, orgiastischer, so dass der Hymnos des Timotheos Bergk PLG⁴ III 620) die Göttin als μαινάδα θυάδα φοιβάδα λυσσάδα feiern konnte. Frühzeitig haben die hellenischen Ansiedler diesen orientalischen Kult mit ihrer A. identificiert, ohne ihn doch innerlich hellenisieren zu können (völlig andere Beurteilung des Verhältnisses bei Maass Orpheus 170f.). Eine äusserliche Hellenisierung, die im Laufe der Zeit in einigen Punkten eintrat, verdankt die Möglichkeit ihrer Entstehung offenbar auch nur dem Entgegenkommen der Priesterschaft, die eine Ausdehnung ihres Machtbereichs nicht von der Hand zu weisen gewillt war. Vor allem galt die Verbindung mit Apollon, die dem Wesen der ephesischen Muttergottheit ja eigentlich widerstrebte, für wünschenswert; die Anknüpfung war nicht schwer: wo so viele Orte (s. o. S. 21 f.) Anspruch darauf machten, die Geburtsstätte des Gottes gewesen zu sein, konnte auch Ephesos dasselbe thun, zumal es ja undenkbar war, dass seine grosse Göttin nicht am Orte selbst geboren wäre; auf dem nahe gelegenen Koressos oder im Hain Ortygia waren die göttlichen Zwillingskinder geboren, Ortygia hiess ihre Amme (Strab. XIV 640) oder Ἀμμάς (Hesych. s. v.), ja Ephesos selbst nennt sich τροφὸς τῆς ἰδίας θεοῦ τῆς Ἐφεσίας (CIG II 2954), und auf dem nahen Berge Kerykion hatte Hermes die Geburt der A. verkündet (Hesych. s. Κηρύκιον). Dass dagegen auch die Sage vom Pythonkampf in der Umgegend localisiert worden sei, wie Schreiber (Apollon Pythokt., Leipz. 1879, 48) annimmt, ist völlig unbegründet, da die Existenz eines Pythion am Hafen (vgl. o. S. 66ff. die – sicherlich nicht vollständige – Liste von 81 [!] Kultstätten des A. Πύθιος) und die späten Kaisermünzen mit der fliehenden Leto natürlich gar nichts beweisen. Dagegen wurden die vielleicht schon früher in der Gegend heimischen Amazonensagen mit einem Kranz hellenischer Sagen umwoben (vgl. Bd. I S. 1757). Ohne den orientalischen Charakter des eigentlichen Kultus zu ändern, richtete man Spiele nach griechischem Muster ein, die Ἀρτεμίσια oder Οἰκουμενικά im Monat Artemision (Thuk. III 104. Dion. Hal. IV 25. CIG II 2954. Le Bas III 139; das Acta S. Timothei p. 11 Us. erwähnte Fest Καταγώγια, das Usener auf die ephesische A. bezieht, weist Maass Orpheus 57 dem kleinasiatischen Dionysos zu). So hat lange Zeit das ephesische Artemision eine Hauptrolle unter den A.-Kulten gespielt, und der Dienst der ephesischen Göttin hat sich weithin verbreitet (vgl. Kap. VI); selbst in der römischen Kaiserzeit gewann er noch einmal frische Lebenskraft und nahm einen erneuten Aufschwung, Vgl. Ramsay Class. Rev. VII 1893, 78f.

7. Die Göttin von Leukophrys, seit alter Zeit am Flusse Lethaios an den Abhängen des weiss leuchtenden Berges Thorax verehrt, war ursprünglich eine der ephesischen verwandte Göttin des Naturlebens; ihr Kultbild sah ähnlich aus wie die A. Ἐφεσία (Müller-Wieseler I 2, 14); weil sie als Beschützerin der Viehzucht galt, war ihr der Zebu (vgl. die Münzen Imhoof-Blumer Monn. Gr. 290. Brit. Mus., Jonia 159ff.) heilig. Thessalische Magneten, die eine Zeit lang in Kreta gewesen, gründeten dann (die Zeit ist nicht sicher festzustellen) nach der Anweisung [1374] des pythischen Orakels nahebei am Maiandros ein neues Magnesia; sie identificierten die Göttin von Leukophrys mit ihrer heimischen A. und zollten ihr hohe Verehrung, ja als die Stadt im J. 399 verlegt wurde, schloss sie sich an das Heiligtum an und rückte ebenfalls an den Lethaios, wenn sie auch den alten Namen ἐπὶ τῷ Μαιάνδρῷ und das Maianderornament auf ihren Münzen beibehielt. Im Gegensatz zum ephesischen Kult zeigte sich die A. Λευκοφρυηνή den griechischen Einflüssen zugänglicher, wozu die stete Verbindung mit Delphoi, wohl auch vorübergehend die Herrschaft des Themistokles beigetragen haben mag. An der Stelle des alten Heiligtums errichtete wahrscheinlich gegen Ende des 3. Jhdts. Hermogenes von Alabanda einen neuen Prachttempel, weniger prunkend, aber geschmackvoller als der ephesische Tempel (Strab. XIV 647), vgl. R. Heyne Arch. Anz. 1894, 85 (bemerkenswert die Orientierung nach Westen, vgl. die unten citierten Vorträge von Kekulé und Kern); um dieselbe Zeit wurden auf Anordnung des delphischen Gottes die Festspiele Λευκοφρύνεια eingerichtet (IGIns. I 73 b 6). Über die Ergebnisse der neuesten Ausgrabungen vgl. vorläufig Kekulé Arch. Anz. 1894, 76f. O. Kern ebd. 78ff. 1895 (Märzsitzung d. arch. Gesellsch.). Kern Die Gründungsgesch. von Magnesia a. M., Berlin 1894.

8. Ma, Name einer gleichfalls der ephesischen Göttin verwandten kappadokischen Naturgöttin, die von den Griechen meist mit A. (aber auch mit Enyo, Strab. XII 535) identificiert und in den beiden Komana mit orientalisch-orgiastischen Kulten gefeiert wurde; sie hatte einen ähnlichen Hofstaat wie die Göttin von Ephesos: in dem in der Thalschlucht des Antitauros gelegenen Komana standen über 6000 männliche und weibliche Hierodulen unter dem Oberpriester, der hier fast wie ein König gebot; auch in Kastabala hatte sie als Περασία ein Hieron, und ihr zu Ehren gingen fanatisch schwärmende Priesterinnen mit nackten Füssen über glühende Kohlen. An beiden Orten ist die Identification der A. mit der asiatischen Natur- und Kriegsgöttin nur sehr äusserlich zu stande gekommen und beschränkt sich anscheinend wesentlich auf die Behauptung beider Orte, das echte taurische, von Orestes geraubte A.-Idol zu besitzen, und auf die Ausdeutung einer in derselben Gegend verehrten männlichen Gottheit als Apollon, vgl. Paus. III 16, 7 (dazu Robert Arch. Märch. 145). Strab. XII 535–537. Dio Cass. XXXVI 13. Steph. Byz. s. Καστάβαλα. Ed. Meyer Gesch. d. Altert. I 298. 302. Th. Reinach Mithridate Eupator 243.

9. Nanâ (s. d.), altbabylonische Göttin, deren Hauptheiligtum in Uruk (Ὀρχόη) lag und die frühzeitig mit der assyrischen Ištar verschmolz. Dass man auch sie der A. gleichsetzte, zeigt eine Weihinschrift aus dem Peiraieus (CIA II 1613), vgl. Joseph. ant. Iud. XII 354. Macrob. sat. II 1, 13.

10. Die Göttin von Perge (Περγαία), die auf ragender Höhe oberhalb des Kestrosflusses ein berühmtes Heiligtum hatte (Strab. XIV 667) und auch ausserhalb an mehreren Orten Verehrung genoss (s. Kap. VI), und deren Priester nach Art der Derwische bettelnd das Land durchzogen, ist ebenfalls hier zu nennen. Das sehr altertümliche [1375] Idol war ein mit Goldblech ornamentierter (das Gold von Verres geraubt, Cic. in Verr. II 1, 20) Kegel; der weibliche Kopf trug einen Kalathos. So erscheint das Bild auf den Münzen der Stadt mit der Inschrift Ἀρτέμιδος Περγαίας (Mionnet Descr. III 459ff.), neben der auch ϝάνασσα Περγαία vorkommt. Ihr jährliches Fest bezeugt Strabon a. a. O. Andere Münzen zeigen, dass mit der fortschreitenden Hellenisierung auch die Vorstellung der rüstigen Jägerin A. sich mit der Göttin von Perge verband (z. B. Mionnet III 463, 92f.). Vgl. Hesych. Suid. Phot. s. Περγαία. Kallim. H. Art. 187. CIG III add. 4342 b.

11. Die taurische Göttin endlich darf in diesem Zusammenhang nicht fehlen. Auf der taurischen Chersones verehrte man eine jungfräuliche Göttin mit Menschenopfern. Diese Παρθένος Ταυρική wurde von den Griechen frühzeitig mit Iphigeneia identificiert (Kypr. bei Prokl. p. 19 Kink. Herodot. IV 103; vgl. Hesiod. Katal. frg. 118 Kink.) und hat als Παρθένος oder Σκυθική an verschiedenen anderen Orten Kulte (s. Kap. VI unter Παρθένος, Πατμία, Δερία). Die folgenreiche Identification der Ταυρικὴ Παρθένος mit der A. Ταυροπόλος scheint nicht älter zu sein als Euripides, vgl. Robert Arch. Ztg. 1875, 134. v. Wilamowitz Herm. XVIII 254. Robert Arch. Märch. 147 und bei Preller 313f. Später ist sie ganz allgemein, vgl. Hesych. s. Ταυρώ, und hat zur Folge, dass zahlreiche A.-Kulte, zum Teil im Widerspruch mit ihrer eigenen Kultlegende, behaupten, das von Orestes und Iphigeneia aus dem Taurerlande entführte Bild zu besitzen, s. u. Kap. VI unter Ταυροπόλος.

12. Die phoinikische Göttin TNT (die Vokalisation des nur inschriftlich überlieferten Namens ist unsicher), die Stadtgöttin von Karthago, zeigt mit A. identifiziert die Wiedergabe des theophoren Eigennamens ʿabd TNT (= Knecht der TNT) durch Ἀρτεμίδωρος; vgl. E. Meyer ZDMG XXXI (1877) 716ff.


V. Artemis-Sagen.

1. Geburt. Die Geburtssage in ihren verschiedenen Variationen ist ausführlich im Artikel Apollon (o. S. 21ff.) behandelt. Für A. ist speciell noch folgendes hinzuzufügen:

Im allgemeinen gilt A. für eine Tochter des Zeus und der Leto, Zwillingsschwester des Apollon; andere Genealogien sind: Tochter der Demeter, Aisch. frg. 324 (Herodot. II 156, danach Paus. VIII 37, 6; vgl. Eurip. Ion 1048), s. o. Kap. IV b 6; des Eubuleus, Orph. Hymn. LXXII 3, s. o. Kap. IV b 11; der Persephone, Cic. d. deor. nat. III 58; des Upis und der Glauke, Cic. ebd. Wie Apollon am siebenten, so sollte A. am sechsten Monatstage geboren sein, der ihr daher heilig war. Diog. Laert. II 44. III 2. Schol. Aesch. Sept. 806. Wood Discov. Ephes. Inscr. Gr. Theatre 1. Als Ammen der A. werden genannt: 1) Ortygia, Strab. XIV 639f. 2) Ἀμμάς, Hesych s. v. 3) Elaphion, Paus. VI 22, 11 (elische Legende). 4) Ephesos nennt sich selbst τροφὸς τῆς ἰδίας θεοῦ τῆς Ἐφεσίας, CIG II 2954.

2. Pythonkampf. Den Kampf mit Python ficht in der Regel Apollon allein aus (s. o. S. 23ff.); nur vereinzelt findet sich daneben eine Version, nach der auch A. am Kampfe teilgenommen haben sollte. Für Sekyon hat dies Schreiber (Apollon Pythokt. 45) wahrscheinlich gemacht. Für eines der Säulenreliefs am Tempel der Apollonis in Kyzikos scheint es nach der Überschrift des Epigramms (Anth. Pal. III 6) angenommen werden zu müssen; wenn aber Schreiber (a. a. O. 72) daraus, dass Apollon und A. nicht auf dem Arm der Mutter dargestellt waren, schliesst, dass [1376] sie bereits erwachsen waren, so ist dies unberechtigt: in Delphoi selbst ward Apollon beim Pythonkampf als Knabe vorgestellt, und auf einem etruskischen Spiegel (Gerhard IV 291 A) erschiessen beide den Drachen, als Kinder auf ihn zu tretend. Zweifelhaft ist, ob man mit Imhoof-Blumer (Monn. grecq. 287f.) eine ephesische Kupfermünze des Septimius Severus (vor dem Idol der A. Ephesia sitzen zwei nackte Kinder am Boden und weisen auf eine zwischen ihnen befindliche Schlange hin) auf den Pythonkampf beziehen darf.

3. Den Tityos, dessen Tod sonst gewöhnlich dem Apollon zugeschrieben wird (s. o. S. 25), tötet A. bei Pindar Pyth. IV 90. Im Hinblick hierauf redet Kallim. Hymn. Art. 110 die Göttin Τιτυοκτόνε an. In der älteren Kunst wird sie häufig als Teilnehmerin an der Bestrafung des Unholdes dargestellt, vgl. u. Kap. VIII.

4. Auf die Niobidensage kann hier nicht ) näher eingegangen werden; s. den Artikel Niobe.

5. Auch an der Gigantomachie nahm A. der Sage nach teil, wie zahlreiche Kunstdarstellungen (s. Kap. VIII) und die Überlieferung bei Apollod. bibl. I 6, 2, 5 zeigen; hier wird ihr Gegner Γρατίων genannt, eine sicher verderbte Lesart, für die von Neueren (M. Mayer Gig. u. Tit. 201. Puchstein S.-Ber. Akad. Berlin 1889, 343. R. Wagner Mythogr. Gr. I 16) mit Vorliebe nach einer Conjectur von Gale Aigaion eingesetzt wird. Aber die (auch von Robert bei Preller I 71 gebilligte) Berufung auf die Inschrift der Schale des Aristophanes und Erginos (Berlin 2531) ist nicht unbedingt beweisend, da auf dieser nur Γαίων steht und nie mehr gestanden hat, der Name Gaion aber, von Gaia abgeleitet, für einen Giganten durchaus passend erscheint.

6. Mit der Gigantomachie setzte man später auch die Aloaden in Verbindung, deren Tod man auf Naxos der A. zuschrieb; vgl. Preller-Robert I 105, 1. M. Mayer Gig. u. Tit. 42ff. 47. 199. Oben Bd. I S. 1591. II S. 28.

7. Das Märchen von den Hyperboreern (vgl. o. S. 26) ist von Anfang an untrennbar ebensomit A. wie mit Apollon verbunden (anders Preller-Robert I 298), besonders auf Delos, das als die älteste erkennbare Heimat der Sage anzusehen ist. Im Lande der frommen und glücklichen Hyperboreer weilt das göttliche Geschwisterpaar gern und lässt sich ihre Eselshekatomben gefallen (Pind. Pyth. X 36 γελᾷ θ’ ὁρῶσ’ ὕβριν Ὀρθία κνωδάλων nach der einleuchtenden Verbesserung von Crusius Roschers Lex. I 2816 Anm.); dorthin verfolgt Herakles die zu ihrer Herrin fliehende Hirschkuh (Pind. Ol. III 26ff.); alle jene hyperboreischen Mädchen, deren Namen die Legende nennt, Laodike, Hyperoche, Opis, Arge, Hekaerge, Loxo, lassen sich als Hypostasen der A. erkennen (s. o. Kap. IV a); und wenn einerseits erzählt wird, man habe, wie in Delos dem Apollon (und der A. ist wohl sicher zu ergänzen), so in Argos der A. ὕμνοι ἀποπεμπτικοί gesungen (Menand. d. encom. I 4), andererseits, in Trozen habe man der A. zu Ehren Hymnen gesungen, die den Namen οὔπιγγες, οὔπιγγοι führten (Athen. XIV 619 B. Schol. Apoll. Rhod. I 972. Poll. I 38), so muss wohl angenommen werden, dass beide Nachrichten zu vereinigen sind und auf eine Localisierung der Legende in Argolis hindeuten.

[1377] 8. In zahlreichen Sagen tritt A. als zürnende und strafende Göttin auf. Gerade hier erkennt man deutlich, wie wesentlich der Begriff der allgemeinen Todesgöttin für A. ist; denn in den älteren Sagen dieser Art verhängt A. die Todesstrafe nicht, weshalb dies unter Umständen nach dem Volksglauben wohl jeder Gott thun kann, weil sie selbst beleidigt ist, sondern sie erscheint als Vollstreckerin einer von anderen Gottheiten verhängten Todesstrafe: die Aloaden tötet sie, um Ares zu befreien (Schol. B Il. V 375. Schol. Pind. Pyth. IV 156), Ariadne auf Wunsch des Dionysos (Od. XI 325), Aktaion als Nebenbuhler des Zeus bei Semele (Akusilaos bei Apollod. III 4,4. Stesich. bei Paus. IX 2, 3), Koronis auf Apollons Geheiss (Pind. Pyth. III 10ff.), Leimon ebenfalls im Sinne Apollons, weil er dessen Günstling Skephros erschlagen (Paus. VIII 53, 1ff.), die Niobiden, weil Leto von deren Mutter beleidigt war, Orion im Auftrage des Götterrates (Od. V 121ff.). Später verblasst diese Vorstellung der A. mehr und mehr, und A. verhängt den Tod nur wie andere Götter über den, der gegen sie frevelt. Hierher kann man die Admetossage der späteren Zeit rechnen, nach der Admetos sterben soll, weil er vergessen, der A. bei der Hochzeit zu opfern (vgl. o. Bd. I S. 379; der ursprüngliche Zusammenhang der Sage führt in den Kreis der Unterweltsgötter); Aktaions Tod wird nun damit motiviert, dass er sich gerühmt habe, ein besserer Schütze zu sein als A. (Eur. Bakch. 339. Diod. IV 81, 4); Orions Tod damit, dass er sich mit A. zusammen jagend gerühmt habe, alles Wild auf der Erde zu vertilgen, vgl. Preller-Robert I 452; der Jäger Broteas ehrt A. nicht, ἔλεγε δὲ ὡς οὐδ’ ὑπὸ πυρός τι πάθοι • ἐμμανὴς οὖν γενόμενος ἔβαλεν εἰς πῦρ ἑαυτόν (Apollod. epit. Mythogr. Gr. I 183, 4 Wagner; andere Versionen über Broteas s. unter Broteas). Einer noch späteren Schicht, meist wohl erst alexandrinischer Zeit, gehören Sagen und Sagenversionen an, in denen die Jungfräulichkeit der A. zum Zielpunkt der Beleidigung gemacht wird: Aktaion überrascht A. beim Bade und wird deshalb gestraft (Kallim. Hymn. V 110ff. Schol. Theokr. V 38 u. s., auf die Spitze getrieben Hyg. fab. 180); die Aloaden fallen, weil sie der A. Gewalt anthun wollen, Hyg. fab. 28; Buphagos wird aus gleichem Grunde im Pholoegebirge von den Pfeilen der A. erlegt, Paus. VIII 27, 17; Kallisto (s. o. Kap. IV a) wird zur Strafe verwandelt, weil sie ihre Jungfräulichkeit preisgab; Orion fällt nun, weil er sich an A. oder an ihrer Hypostase Upis vergreifen wollte (Belegstellen bei Preller-Robert I 452, 5); Taygete wird verwandelt, weil sie ihre Jungfräulichkeit preisgab (Eur. Hel. 381ff.).

9. In anderen Sagen tritt A. als gnadenvolle Beschützerin auf. Vornehmlich den Jägern ist sie hold; so lehrt sie den Skamandrios die Jagd (Il. V 49ff.); in Trozen ist Saron, der Eponymos des saronischen Meerbusens, ihr Liebling; auf der Jagd kommt er, einem Hirsch nachsetzend, im Meere um, und sein Leichnam ist im Tempel der A. Σαρωνία bestattet (Paus. II 30, 7); so galt auch der als κουροτρόφος δαίμων in Trozen verehrte Gott Hippolytos dem Athen des 5. Jhdts., und seit Euripides allgemein als der keusche Jäger und Liebling der A.

[1378]
VI. Ἐπικλήσεις.

Ἄγγελος, Beiname der A. in Syrakus, Hesych. s. Ἄγγελον. Ihr zu Ehren die ἀγγελικὴ ὄρχησις, die als ὄρχησις πάροινος bezeichnet wird, Athen. XIV 629 E. Hesych. s. ἀγγελική. Grund der Benennung unbekannt; Vermutungen s. Preller-Robert I 324. Schreiber Roschers Lex. I 348. Jessen o. Bd. I S. 2189.

[Ἀγγίτας ἡ Ἄρτεμις, Hesych.; wohl missverständlich für Anaitis.]

Ἁγεμώ, Abkürzung für Ἀγεμόνα, in 1) Asea (Arkadien): Statuette mit Inschrift IGA 92, vgl. Bechtel bei Collitz I 1185. 2) Naupaktos: Weihung, Collitz II 1428 h. 3) Stratos (Akarnanien): Münze mit Aufschrift Ἀρτέμιτος Ἁγεμόνος, Cauer Del.² 246. Die von Weil (Ztschr. f. Num. VII 1880, 124) auf A. bezogene Münzlegende des akarnanischen Bundes Ἁγήμων ist wohl von Imhoof-Blumer Wiener Num. Ztschr. X 1878 mit Recht als Strategenname aufgefasst worden.

[Ἁγνά in Andania (Dittenberger Syll. II 388, 84), von Schreiber Roschers Lex. I 563 für identisch mit A. erklärt, ist vielmehr für Kore zu halten, vgl. Preller-Robert I 251, 3. 749.]

Ἀγοραία in Olympia (Altar, Paus. V 15, 4; vgl. Robert Herm. XXIII 1888, 431. Wernicke Arch. Jahrb. IX 1894, 99) s. o. Kap. III 17.

Ἀγραία in Agrai (Vorstadt von Athen), Paus. Attic. frg. 13. Bekker Anecd. 326, 24. 334. 11. Schol. Plat. Phaidr. 229 C. S. Ἀγροτέρα.

Ἀγρότα in Apollonia (Illyrien): Votivrelief, Collitz Dial. Inschr. III 3221 = Athen. Mitt. VI 136 (o. Bd. I S. 906 ist irrtümlich Byzantion genannt).

Ἀγροτέρα, allgemeiner Beiname der A. als Jagdgöttin (s. o. Kap. III 6). Kult nachweisbar in: 1) Aigeira: ἱερόν in der Oberstadt (Paus. VII 26, 3; Ziegen gaben danach den Anlass zur Stiftung des Kultes [wohl aus dem Stadtnamen herausgesponnen]; ob der Paus. VII 26, 5f. genannte A.-Tempel, der, wie Pausanias richtig folgert, ursprünglich der A. Ἰφιγένεια gehörte, mit diesem identisch ist, bleibt zweifelhaft); auf Münzen A. als Jägerin (Journ. Hell. Stud. "VII 1886, 93 pl. S 4. 5). 2) Athen: Tempel in der Vorstadt Agrai oberhalb des Ilisos beim Stadion (dort hatte A. bei der Ankunft aus Delos zuerst gejagt, Paus. I 19, 6); Tempelschatz (CIA I 210. 223. 273); Fest am 6. Boedromion, zusammen mit Apollon Βοηδρόμος (A. Mommsen Heort. 48f. 211), zugleich Gedächtnisfeier für die Schlacht bei Marathon (über das Ziegenopfer vgl. oben Bd. I S. 907f.); Procession der Epheben in Waffen (CIA II 467ff., vgl. Plut. de Herod. malign. 26). 3) Euboia: Weihepigramm vom Artemision (Athen. Mitt. VIII 202). 4) Kyrene: Tempel auf Myrtusa unfern des alten Kyrenetempels, auf der Stelle wohl der alten Burg der Battiaden nach deren Vertreibung von der Demokratie errichtet (Kaibel Epigr. 873. Studniczka Roschers Lex. II 1749f.); Reste des Tempels, Smith-Porpher Discov. at Cyrene 71ff. pl. LV. Studniczka Kyrene 168; Hauptfest von Kyrene Ἀρτεμίτια (Athen. XII 549 F. FHG III 187, 6), an dem der jedesmalige Priester des Apollon seine Vorgänger zu bewirten hatte. 5) Megalopolis: Tempel, von Aristodemos gestiftet (Paus. VIII 32, 4). 6) Megara: Tempel [1379] gemeinsam mit Apollon Ἀγραῖος (Paus. I 41, 3); Münzen, Journ. Hell. Stud. VI 1885, 53 pl. A 2. 7) Olympia: Altar vor dem Prytaneion (Paus. V 15,8). 8) Phanagoria: Weihinschrift eines Tempels der A. Ἀγροτέρα (CIG II 2117 = Dittenberger Syll. I 102). 9) Sparta: Ziegenopfer im Felde (Ar. Lys. 1262ff. Xen. hell. IV 2, 20; resp. Lac. XIII 8. Plut. Lyk. 22). 10) Syrakus: Tempel (Schol. Il. Townl. XXI 471). 11) Thisbe: Weihung an Apollon und A. Ἀγροτέρα (IGS I 3564). Zu Apollon Ἀγραῖος und A. Ἀγροτέρα soll nach Xenophon (Kyneg. VI 13) der Jäger beten, wenn er den Hund loslässt. Im übrigen vgl. o. Bd. I S. 906ff.

Ἀγρότις in Lebadeia: Altar, IGS I 1300; vgl. das Epitheton φιλαρότις (Hymn. Orph. XXXVI 6).

Αἰγιναία in Sparta: bei einander die Heiligtümer des Poseidon Ἱπποκούριος und der A. Αἰγιναία (Paus. III 14, 2). Doch wohl auch in Aigina vorauszusetzen; vgl. jedoch Wide Lakon. Kulte 109.

Αἰθιοπία s. Al&OJiia. Αἰθοπία

Αἰθοπία auf Lesbos: Weihung (Rev. des études grecques V 1892, 413); Bis vor kurzem nur durch litterarische Erwähnungen bekannt (s. o. Wentzel Bd. I S. 1107), in denen die Überlieferung zwischen Αἰθιοπία und Αἰθοπία schwankt. Da durch die Inschrift jetzt die richtige Namensform feststeht, so fällt von den bei Steph. Byz. s. Αἰθόπιον zusammengestellten antiken Erklärungen des Beinamens die Ableitung von den Αἰθίοπες fort. Neuerdings ist man geneigt, in der A. Αἰθοπία die Göttin des Ortes Αἰθόπιον auf Euboia zu sehen (Maass De Aesch. Suppl., Ind. Gryph. 1890/91 XXIII; Herm. XXVI 190. Preller-Robert I 313, 1. Wentzel a. a. O.), doch ist ihr Kult hier nirgends bezeugt. Auf den lesbischen Kult deutet auch der Dialekt des Weihepigramms Anth. Pal. VI 269.

Αἰτωλή in Naupaktos: ἱερόν am Meer neben einem Tempel des Poseidon (Paus. X 38, 12; das Kultbild führte einen Speer).

Αἰτωλίς im Heneterlande am Timavus: heiliger Hain, wo wilde Tiere von selbst zahm werden, Hirsche mit Wölfen Freundschaft halten (Strab. V 215).

[Ἀκαλανθίς, scherzhafte, von Aristophanes (Vög. 873) im Anklang an Κολαι erfundene Epiklesis, vgl. d. Schol.]

Ἀκρία, in Argos auf der Höhe Ἄκρον verehrt, Hesych. s. v.; ἱερόν von Melampus gestiftet, ebd. s. ἀκρουχεῖ.

Ἀλκίς, s. o. Kap. IV a 4.

Ἀλφειαία, nach dem Flusse Alpheios genannt, in Letrinoi: Tempel (Paus. VI 22, 9f.). Vgl. Wentzel o. Bd. I S. 1629f. und unten Ἐλαφία.

Ἀλφειώα (Schol. Pind. Pyth. II 12; Nem. I 3), Ἀλφειωνία, Ἀλφειοῦσα (Strab. VIII 343), Ἀλφειώσα (Athen. VIII 346 C) 1) an der Alpheiosmündung: heiliger Hain mit Tempel, in dem sich Gemälde befanden (über die Stelle vgl. K. O. Müller Dor.² II 443). 2) In Olympia: Altar gemeinsam mit Alpheios (Paus. V 14, 6). Vgl. Wentzel a. a. O.

Ἀμαρυνθία, Ἀμαρυνθίς, Ἀμαρυσία Benennung der A. Κολαινίς (s. d.), hergenommen von deren Hauptkultort 1) Amarynthos auf Euboia: Heiligtum Ἀμαρύνθιον, Strab. X 448. Liv. XXXV 38, 3 (nennt das nahegelegene Eretria als Sitz des Kultus). [1380] Paus. I 31, 5. Steph. Byz. s. Ἀμαρύνθος; über die Lage vgl. Lolling Athen. Mitt. X 1885, 354; Fest Ἀρτεμίσια oder Ἀμαρύνθια (Rhangabé Ant. Hell. II 689, 45. Schol. Pind. Ol. XIII 159), verbunden mit kriegerischer Procession der Epheben; Opfer, Aelian nat. an. XII 34. Von dort Kult und Benennung übertragen nach 2) Athmonon in Attika (jetzt Marusi von dem Namen der Göttin): τέμενος, CIA I 526. Lolling Athen. Mitt. V 1880, 290; Fest Ἀμαρύσια, CIA II 580. Paus. I 31, 5. Hesych. s. Ἀμαρύσια. Vgl. Jessen o. Bd. I S. 1743.

Ἀναΐτις, Hellenisierang des Namens der persischen Göttin Anâhita (s. o. Kap. IV c 1), in 1) Philadelpheia: Weihung, Bull. hell. VIII 1884, 376, vgl. CIG II 3422 (Priester); Spiele τὰ μεγάλα Σεβαστὰ Ἀναείτεια, CIG II 3424. 2) Koloe: Weihung, Bull. hell. IV 1880, 128. S. auch Περσική.

Ἀνδρόκλεια s. o. Kap. IV a 4. )

Ἀπαγχομένη in Kondylea (Arkadien, daher auch Κονδυλεᾶτις genannt): Hain und Tempel mit aitiologischer Kultlegende, Paus. VIII 23, 6f. Kallim. bei Clem. Alex. Protr. II 38. Vgl. Preller-Robert I 305, 2. Wentzel o. Bd. I S. 2666. Ähnliche Legenden s. o. Kap. IV a 17 und Eustath. Od. XII 85 p. 1714, 43.

Ἀπτέρα, Ἀπτεραία in Aptera (Kreta): ἱερόν, Le Bas III 75. Dionys. Kalliph. 122; Silbermünze mit dem Kopfe der Göttin, Ἐφημ. ἀρχ. 1889, 196 πίν. XI 8.

[Ἄργη, wohl ursprünglich Beiname, später Hypostase der A., vgl. o. Kap. IV a 6.]

Ἀρίστη in Athen: im Peribolos der A. bei der Akademie ξόανα der Ἀρίστη und Καλλίστη, Paus. I 29, 2 (der in den Namen mit Recht zwei Epikleseis der A. erkennt, mit Berufung auf Sappho, vgl. jedoch Bergk PLG III⁴ 139f.).

Ἀριστοβούλη (Anon.Laur. Studemund Anecd. I 270) in 1) Melite: ἱερόν, Plut. de Herod. mal. 137; Themist. 22 (in der Nähe der Ort für die Leichen der Hingerichteten). 2) Auf Rhodos: Tempel mit Reminiscenz an Menschenopfer (an den Kronien wird ein zum Tode Verurteilter zum Tempel geführt und dann geopfert), Porphyr. de abstin. II 54. Vgl. Artikel Aristobule.

Ἀσπαλίς in Melitaia,'s. o. Kap. IV c 2.

Ἀστιάς in Iasos als Stadtgöttin (προκαθηγεμὼν τῆς πόλεως ἡμῶν, Rev. des étud. grecq. VI 1893, 159): Kultbild unter freiem Himmel, angeblich weder von Regen noch Schnee getroffen. Polyb. XVI 12, 3; ἱερόν, CIG II 2671; Weihungen. CIG II 2683 (= Le Bas III 300). Athen. Mitt. XIV 108.

Ἀστρατεία in Pyrrichos (Lakonien): ἱερόν neben dem des Apollon Ἀμαζόνιος, angeblich von den Amazonen gestifteter Kult, Paus, III 25, 3; vgl. Wide Lakon. Kulte 94. Das Kultbild mit Speer und Schild glauben P. Gardner und Imhoof-Blumer auf Münzen nachweisen zu können (Journ. ) Hell. Stud. VII 58 pl. N 3. VIII 59 pl. GG 21).

Ἀστυρηνή in Astyra bei Antandros: heiliger Hain, Strab. XIII 606. 613; Münze mit Inschrift Ἄρτεμις Ἀστυρηνὴ Ἀντανδρ., Mionnet Suppl. V 287, 54, vgl. Ztschr. f. Numism. 1880 Tat I 14.

Ἄσυλος in Perge: Priesterin, Petersen-Niemann-Lanckoroński, Städte Pamphyliens I 168, 39; inschriftlich auf Münzen, Mionnet Descr. III 466. 111. 467, 119. Vgl. o. Kap. III 20.

[1381] Αὐλίδεια in Tanagra: Priesterin, IGS I 565.

Αὐλίς in Rom: Weihung, IGI 963 (ob mit dem Kult in Aulis zusammenhängend, vgl. Paus. IX 19, 5?).

Ἀφαία auf Aigina: ἱερόν, Paus. II 30, 3. Ant. Lib. 40. Hesych. s. Ἀφαία; Reste des Tempels erhalten, vgl. Bursian Geogr. v. Griech. II 1, 84; von Pindar in einem Hymnos gefeiert (Paus. a. a. O.). Von den Alten für identisch mit Britomartis-Diktynna gehalten (Paus. Hesych.; diese Identification entstammt wohl bereits dem 5. Jhdt., wo eine enge Verbindung zwischen Aigina und Kydonia bestand, vgl. Herodot. III 59. Strab. 876), der Beiname von φαίνεσθαι abgeleitet und auf die Epiphanie bezogen; andere sprachlich ebenso unmögliche Etymologien bei Claus (De Dian. antiq. ap. Graec. natura 46) und Schreiber (Roschers Lex. I 583).

Βαυανή in der Troas: Weihung bei Thermen, CIG II add. 3695 e.

Βασίλεια bei den Thrakern und Paioniern (also als Beiname bezw. Übersetzung des Namens Bendis aufzufassen, s. o. Kap. IV c 3): Weizenopfer, von Frauen dargebracht, Herodot. IV 33.

Βενδῖς (Hesych.), Βένδεια (Palaiph. 32), Name einer thrakischen mit A. identificierten Göttin, s. o. Kap. IV c 3. Fest Βενδίδεια in Athen, CIA I 210. Vgl. auch den Artikel Bendis.

Βορειτηνή in Thyateira: Priesterin, CIG II 3507; Weihung, ebd. 3477; Münzen Eckhel III 121. Mionnet IV 152f., 863ff. Vgl. Clerc De rebus Thyatirenorum 77f. Hiller v. Gaertringen Wochenschr. f. klass. Phil. 1893, 1388 (erklärt sie für eine einheimisch-lydische Gottheit).

Βούβαστις s. o. Kap. IV c 5.

Βουλαία in 1) Athen: Opfer vor der Volksversammlung an Apollon Προστατήριος und A. Βουλαία, CIA II 390. 392. 408. 417. 431. 433. 459. Ἐφημ. ἀρχ. 1890, 151; vielleicht im Buleuterion verehrt, vgl. Preller-Robert I 315. 2) Miletos: Priesterin διὰ βίου, Bull. hell. I 1877, 287.

Βουληφόρος in Miletos: Fest und Opfer, Dittenberger Syll. II 391. Vgl. Βουλαία und Σκιρίς.

Βούσβατος, thrakische mit A. identifizierte Göttin, s. o. Kap. IV c 4.

Βραυρωνία, Beiname der A. Ἰφιγένεια (s. d.) nach ihrer Verehrung in 1) Brauron: ἱερόν, Strab. IX 399 (in Demos Philaïdai, Schol. Ar. Vög. 873, vgl. Löper Athen. Mitt. XVII 360f.; also nicht in Halai Araphenides, wie v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 254 und ihm folgend Preller-Robert I 303 unter Verwerfung der richtigen Unterscheidung Strabons irrtümlich annehmen); über das Verhältnis des brauronischen Kultus zu dem der A. Ταυροπόλος in Halai s. u. Ταυροπόλος. Dafür, dass der brauronische Kult der Entbindungs- und Frauengöttin A. Ἰφιγένεια gehörte, ist nicht allein Beweis, dass man dort ein Grab der Iphigeneia zeigte und erzählte, diese sei daselbst Priesterin gewesen, sondern vor allem der Kultgebrauch, dass dieser Göttin die Gewänder der Wöchnerinnen geweiht wurden (Eur. I. T. 1462ff., der nur von den Kleidern der im Wochenbett verstorbenen Frauen redet; in der athenischen Filiale weihen die Frauen gerade nach glücklich überstandener Entbindung ein Gewand; nach Preller-Roberts wahrscheinlicher Vermutung [I 314] geschah dasselbe auch in Brauron, mit der [1382] Unterscheidung, dass man der verstorbenen Heroine die Gewänder der Toten, der lebendigen Göttin die der Lebenden weihte; also auch hier haben wir jene oben S. 1356 hervorgehobene Differenzierung der Entbindungsgöttin in eine gnädige, hülfreiche und eine finstere, unerbittliche [Todes-] Göttin); Localisierung des Iphigeneiaopfers, Phanodem. frg. 11. Schol. Ar. Lys. 646; Kultbrauch der ἀρκτεία s. d.; Fest Βραυρώνια, vornehmlich ein Frauenfest (Herodot. VI 138); dabei auch rhapsodische Agone, Hesych. s. Βραυρωνίοις. Der brauronische Kult hatte 2) in Athen eine Filiale auf der Akropolis (Paus. I 23, 7), vielleicht eine Stiftung der Peisistratiden (v. Wilamowitz Kydathen 128), auch als τὸ ἱερὸν κυνηγέσιον bezeichnet (Hypoth. [Dem.] XXV); Tempelschatz unter den Schätzen der ἄλλοι θεοί verzeichnet, CIA I 273. 366. II 646 u. s. w.; von Frauen nach der Entbindung Gewänder dargebracht, vgl. die Inventare CIA II 751ff.; daher auch Χιτώνη (s. d.) genannt, Schol. Kall. Hymn. Zeus 77. 3) Amphipolis: die dort verehrte A. Ταυροπόλος (s. d.) nennt Antipatros von Thessalonike (Anth. Pal. VII 705) Βραυρωνίς. Vgl. Ταυροπόλος, Χιτώνη

Βραυρωνίςs. Βραυρωνία.

Βριζόμαντις, Βριζώ s. o. Kap. IV c 4.

Βριμώ, Epiklesis der in Pherai verehrten A., wohl richtig als die ,Schnaubende, Grimme‘ erklärt. Sie ist einerseits eine Schützerin der Rossezucht, wie die Münzen von Pherai zeigen, andererseits eine erbarmungslose Todesgöttin (vgl. die Sagen von Admetos und Koronis; v. Wilamowitz Isyllos 71f.), daher bald mit Hekate (Lyk. 1176. Apoll. Rhod. III 861ff. 1211 mit Schol. Orph. Arg. 17. 431), bald auch mit Demeter (Clem. AI. Protr. II 15 p. 13 P.) oder Persephone (Lyk. 698 mit Schol.) identificiert. S. u. Φεραία.

Βριτάμαρτις, Βριτόμαρτις (s. o. Kap. IV c 4). Kult nachweisbar 1) auf Delos: Fest Βριταμάρτια am 8. Artemision, Bull. hell. XIV 493. 2) Dreros: Schwur, Cauer Del.² 121. Mus. Ital. III 659ff. 3) Gortyn: Kallim. Hymn. Art. 189; die Vermutung von J. N. Svoronos (Rev. beige de numism. V 1894, 113ff.), wonach in dem gewöhnlich auf Europa gedeuteten Bilde einer vielbesprochenen Reihe gortynischer Silbermünzen (ebd. pl. IV) vielmehr Britomartis zu erkennen sei, ist nicht stichhaltig. 4) Knossos: Schwur, Cauer Del.² 121. 5) Lato: Schwur, CIG II 2554. 6) Lyktos: Schwur, CIA II 549. 7) Olus: Schwur, CIG II 2554. CIA II 549. S. auch Βρύτη, Δίκτυννα

Βρύτη (besser wohl Βρίτη als Kurzform) nennt Mythogr. Vat. II 26 die Βριτόμαρτις.

Βωρθέα, Βωρσέα s. Ὀρθία.

[Γυναία nennt E. Curtius (Arch. Ztg. XI 1853, 148ff.) die am gygaeischen See bei Sardeis verehrte A. Κολοηνή, s. d.]

Δαφναία iu Hypsoi: ἱερόν mit Asklepios gemeinsam, Paus. III 24, 8; vgl. Wide Lakon. Kulte 122.

Δαφνία in Olympia: jährliches Fest, Strab. VIII 343; vgl. Wieseler Gött. Nachr. 1880, 32.

ἡ ἐν Δειράδι in Aperlai: Priesterin, CIG III add. 4300 t (die Ergänzung des Kultnamens ist sehr unsicher).

Δελφινία, ein wie es scheint erst von Apollon auf A. übertragener Beiname (vgl. A. Mommsen Heort. 400), in 1) Athen: Poll. VIII 119. 2) Larisa (Thess.): Weihmig, Ἐφημ. ἀρχ. 1884, 223.

[1383] Δερεᾶτις in Dera oder Dereion am Taygetos: ἄγαλμα im Freien bei der Quelle Anonos, Paus. III 20, 7. Steph. Byz. s. Δέρα; dort ihr zu Ehren Hymnen (καλαϜοίδια) gesungen, Hesych. s. καλαβοίδια.

Δηλία in 1) Delos: Weihungen, Bull. hell. VI 1882, 49 (= Dittenberger Syll. II 367) Z. 78. 182. 185. 198. IX 1885, 50 Z. 198. 2) Illyricum: Weihung (dea virago Delia), Arch.-epigr. Mitt. IV 1880, 196.

Δηλιάς in Halikamassos: Weihung, Newton Discov. II 2, 698.

Διδύμα in Ikonion: Tempel, ... ύμας (Boeckh [Διδ]ύμας) καὶ Ἀπόλλωνος τὸν ναόν, CIG III 3994.

Δικτύα in Massilia: Weihung, CIG III 6764.

Δίκτυννα, Δικτυνναία, kretische mit A. verschmolzene Gottheit; über die Bedeutung des Namens vgl. oben Kap. IV c 4. Kulte nachweisbar in 1) Ambrosos: ἱερόν, Paus. X 36, 5. 2) Antikyra: Priesterin, Athen. Mitt. IV 161. 3) Astypalaia: Weihung, Collitz Dial.-Inschr. III 3475. 4) Athen: Weihung, CIA II 1609. 5) Kreta: Münzen des κοινὸν Κρητῶν, Brit. Mus. Cat. Coins, Crete 3ff. pl. I 9 (inschriftlich ΔΙΚΤΥΝΝΑ mit Zeuskind). 6) Kydonia: Hauptheiligtum auf dem Berge Tityros, Strab. X 479, vgl. Preller-Robert I 317; Münze, Brit. Mus. a. a. O. 30. 7) Las: Tempel, Paus. III 24, 9; Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 69. 8) Phalasarna: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 65 pl. XVI 7ff. 9) Polyrrhenion: Münzen ebd. 66ff. pl. XVI 11ff. XVII 1ff. 10) Sparta: ἱερόν, Paus. III 12, 8. Liv. XXXIV 38; vgl. Eur. Hipp. 146. 1130; I. T. 126f. Plut. de soll. an. 36. S. auch Ἀφαία, Βριτάμαρτις, Δικτύα.

Εἰλείθυια (s. o. Kap. IV a 13), als Kultname der A. besonders in Boiotien heimisch (mit wechselnder Schreibung): 1) Anthedon: Weihungen, IGS I 4174ff. 2) Chaironeia: Weihungen, ebd. 3385f. 3391. 3410ff. 3) Orchomenos: Weihung, ebd. 3214. 4) Tanagra: Weihung, ebd. 555. 5) Thespiai: Weihungen, ebd. 1871f. 6) Thisbe: Priesterin, ebd. 2228. A. mit den Eileithyien verbunden in Marathon (Weihung, Athen. Mitt. X 279) und Lykien (Priesterin, Benndorf Reis. in Lyk. 77). Vgl. Orph. Hymn. II 12. Plut. probl. symp. III 10, 3. S. Πρᾴα. Selbständige Kulte der Eileithyia s. Artikel Eileithyia.

Ἑκαέργη, wohl ursprünglich Beiname, später Hypostase der A., s. o. Kap. IV a 15.]

Ἑκάτη hat sich als Kultbeiname der A. erhalten in 1) Athen: am Eingang der Akropolis A. Ἑκάτη Ἐπιπυργιδία verehrt (gemeinsam mit Hermes und den Chariten, s. o. Kap. IV b 16), CIA II 208 (Weihung), vgl. Paus. II 30, 2; Plut. de Herod. malign. 862 A bezeichnet auch die A. Ἀγροτέρα von Agrai als Ἑκάτη; ebenso Hesych. s. Καλλίστη die A. Καλλίστη im Kerameikos. 2) Delos: Weihung. Bull. hell. VI 1882, 344 (= Dittenberger Syll. II 367). 3) Epidauros: Tempel, Ἐφημ. ἀρχ. 1885, 52f. 1886, 110 (Cavvadias); Weihung, ebd. 1883, 152, 48. Fouilles d’Épid. I 58, 141. Neben Hekate wurde A. verehrt in Lagina, Bull. hell. XI 1887, 147, vgl. XII 1888, 83f. In einer Weihinschrift aus Pantikapaion (Latyschew II 23) wird Hekate als Σπάρτης μεδέουσα angerufen; da es in Sparta keinen specialen Hekatekult gegeben hat, so kann damit nur die daselbst lebhaft verehrte A. gemeint sein. Über [1384] Hekate als Hypostase der A. s. o. Kap. IV a 16. Selbständige Kulte der Hekate s. Artikel Hekate.

Ἐκβατηρία auf Siphnos, Hesych. (so wohl das überlieferte ἐκβατηρίας zu verbessern).

Ἐλαφηβόλος in 1) Apollonia (Chalkidike): Monat Elaphebolion, Athen. VIII 334 E. 2) Athen: Fest Ἐλαφηβόλια in Agrai, an dem der Göttin als symbolische Opfer Kuchen in Hirschform dargebracht wurden, Athen. XIV 646 E. Bekk. Anecd. I 249, vgl. das Relief Friederichs-Wolters 1909; Monat Elaphebolion, CIA I 1. 190. II 132. 174. 230 b. 300. 307. 319. 323. 334. 344. 401. 408. 420. 453. 469. 3) Attaleia (Pamphyl.): gemeinsamer Priester des Apollon Ἀρχηγέτης, Dionysos, Ares, und der A. Ἐλαφηβόλος, Bull. hell. VII 1883, 263. 4) Hyampolis: Fest Ἐλαφηβόλια, Plut. de mul. virt. 244 E; probl. symp. IV 1; vgl. Paus. X 35, 7. 5) Iasos: Monat Elaphebolion, CIG II 2675 b. 2677.

Ἐλαφία, Ἐλαφιαία in 1) Elis: Paus. VI 22, 10; Monat Elaphios, Paus. V 13, 5. VI 20, 1. 2) Kalymna: Monat Elaphrios, Newton Greek inscr. in the Brit. Mus. 299 (Wide Lakon. Kulte 119 zieht diesen Monatsnamen zu A. Λαφρία). Letrinoi: Paus. VI 22, 10 (die elische A. Ἐλαφιαία verdrängte in Letrinoi die A. Ἀλφειαία). 4) Olympia,: jährliches Fest, Strab. VIII 343.

Ἑλεία in 1) Alorion (Grenze zwischen Triphylien und Arkadien): Strab. VIII 350. 2) Messene: ) Hesych. s. Ἑλεία.

Ἐλευθερία in Lykien, Artemidor. Oneirokr. II 35.

Ἐλευσινία in Antiocheia: Tempel und Kultlegende, Liban. I 306 Reisk.; in Lakonien (vgl. jedoch Wide Lakon. Kulte 119f.) und Sicilien, Hesych.

Ἐνδίαγρος, Hesych.

Ἐνοδία (auch Beiname der Hekate, s. d.) als Beiname der A. (Hesych. s. Ἐνοδία) nachweisbar in 1) Epidauros: Priester, Le Bas II 147 a = Cavvadias Fouilles d’Épid. I 52, 87 : Weihung, ebd. 57, 126. 2) Lartos: Weihung, IGIns. 914. Unsicher, ob mit Ἐνοδία A. oder Hekate gemeint sei, in 3) Larisa (Thess.): Weihung, Bull. hell. XIII 1889, 392. 4) Oreos (Euboia): Weihung, ebd. XV 1891, 412. 5) Pherai: Weihung, ebd. VII 1883, 60.

Ἐπήκοος in 1) Ephesos: Weihung, Bull. hell. I 1877, 293. 2) Epidauros: Weihung, Ἐφημ. ἀρχ. 1883, 152. 3) Rom: Weihungen, IGI 963ff. 4) Samothrake: Weihung, Athen. Mitt. 1893, 377.

Ἐπικλιβάνιος, Sext. Empir. adv. math. IX 185.

Ἐπιμύλιος, Sext. Empir. adv. math. IX 185. Etym. M. 394, 4.

Ἐπιπυργιδία in Athen, auf der Felswarte der Akropolis, Beiname der A. Ἑκάτη, Ἡγεμόνη, Πυρφόρος, CIA III 268.

Ἐπίσκοπος in Elis: ἱερόν, genannt Aristarcheion. Plut. qu. Gr. 47. Vgl. Kallim. Hymn. Art. 38. 225ff. 259.

– – ερατίς(?) in Achaia: Weihung, Collitz Dial.-Inschr. II 1600, vgl. Purgold Arch. Ztg. XL. 1882, 393.

Ἔρειθος in Athen: Altarweihung, Athen. Mitt. 1894, 147. Göttin der Schnitter, vgl. Apollon Ἐριθάσεος, Ἐρίθιος und oben Kap. III 3; anders Maass Orpheus 17: ,Lohnarbeiterin‘, Gegenstück zu Athena Ergane.

Εὐάκοος (von ἀκέομαι abzuleiten), in 1) Eleutherna: [1385] Weihung, CIG II 2566. 2) Lartos: Weihung (Σώτειρα Εὐάκοος), IGIns. 914. 3) Mytilene: bei den Thermen Weihungen an A. Θερμία Εὐάκοος, CIG II 2172. 2173. Athen. Mitt. XI 1886, 284.

Εὔκλεια (vgl. Plut. Arist. 20). Der Name steht bald für sich, bald als Beiname der A. in folgenden Kulten: 1) Athen: Tempel auf der Agora, Paus. I 14, 5. Ἐφημ. ἀρχ. 1884, 165 (mit Eunomia gemeinsam); Priester, CIA III 277. 2) Byzantion: Monat Eukleios, Schol. Pap. 3) Korinthos: Fest Εὔκλεια, Xen. hell. IV 4, 2. 4) Korkyra: Monat Eukleios, Collitz Dial.-Inschr. III 3206. 5) Paros: Weihung der Strategen an Aphrodite, Zeus Aphrodisios, Hermes, A. Εὐκλείη, Le Bas II 2062. 6) Tauromenion: Monat Eukleios, CIG III 5640. 7) Theben: Tempel (mit Kultbild von Skopas), Paus. IX 17, 1. vgl. Soph. O. T. 161. v. Wilamowitz Aus Kydathen 151. Die Inschrift von Astypalaia Bull. hell. VIII 1884, 26 nennt nicht einen Monat Eukleios, sondern einen Personennamen Εὐκλῆς.

Εὔνοστος (Hesych. s. v. Etym. M. 394, 4), Mühlengottheit, von Crusius (Roschers Lex. I 1405) für A. erklärt. Vgl. auch den Heros Eunostos (s. d.) in Tanagra.

Εὐπορία in 1) Peiraieus: ὑμνητὴς Εὐπορίας θεᾶς Βελήλας (= Belit = Baaltis), CIA III 1280 a. 2) Rhodos: Hesych. s. v.

Εὐπραξία in Tyndaris: Weihrelief, Ann. d. Inst. 1849, 264 tav. H. IGI 375.

Εὑρίππα in Pheneos: ἱερόν, (darin?) ἄγαλμα des Poseidon Ἵππιος, Paus. VIII 14, 5; angeblich gestiftet von Odysseus, als er seine Rosse wiederfand; die Münzen von Pheneos (Eckhel I p. CV vgl. II 147. Journ. Hell. Stud. VII 101) zeigen auf dem Revers ein Pferd.

Εὐρυνόμη in Phigalia: ἱερόν bei Thermen in einem Cypressenhain, das Kultbild mit Fischschwanz, Paus. VIII 41. 4f. Vgl. Preller-Robert I 480.

Ἐφεσία. (s. o. Kap. IV c 6). Kult nachweisbar (vgl. Guhl Ephesiaca, der aber viel Unrichtiges anfÜhrt) in 1) Akrasos Lyd.: Münzen, Mionnet IV 2, 7ff. 2) Alea: ἱερόν, Paus. VIII 23, 1; vgl. Journ. Hell. Stud. VII 103. 3) Andros: Münze, Brit. Mus. Cat. Coins, Crete 88. 4) Ankyra: Münze, Imhoof-Blumer Griech. Münzen 729. 5) Aphrodisias: κοσμήτειρα und ἀρχιέρεια, CIG II 2823; Münze, Imhoof-Blumer Monn. gr. (Amsterdam 1883) 306. 6) Augustodunum: Weihung. Kaibel Epigr. 798 = IGI 2524. 7) Bargasa Kar.: Münze, Mionnet III 333, 174. 8)Chios: Weihung, CIG II 2228. 9) Dios Hieron: Münze, Imhoof-Blumer Griech. Münzen 717. 10) Emporion Hisp.: Kult, Strab. III 160. 11) Ephesos (s. o. Kap. IV c 6). 12) Epidauros: Weihung, Ἐφημ. ἀρχ. 1894, 20. 13) Hemeroskopeion Hisp.: ἱερόν auf der Höhe, von Massalia aus gegründet, Strab. III 159. 14) Kidramos Phryg.: Münze, Imhoof-Blumer Griech. Münzen 732. 15) Klazomenai: Münze, Mionnet Suppl. VI 94. 89. 16) Korinthos: auf der Agora (Bild oder Tempel?), Paus. II 2, 6. 17) Kyzikos: Münze, Mionnet Suppl. V 329, 303. 18) Larisa bei Ephesos: Weihung, Ber. Sächs. Ges. 1894 I 120. 19) Massalia: Tempel Ἐφέσιον, Strab. IV 179; Münze, Mionnet I 76, 176. 20) Megalopolis: Bild in einem Staatsgebäude [1386] am Markt, Paus. VIII 30, 6. 21) Mossyna Phryg.: A. Ἐφεσία zwischen zwei Reitern, Relief über einem Psephisma, Journ. Hell. Stud. IV 378. 22) Neapolis Samariae: Münzen, Mionnet V 501, 79ff. 23) Panamara: Weihung, Bull. hell. XII 1888, 269. 24) Panormos Mys.: ἱερόν, Strab. XIV 639. 25) Pantikapaion: Weihung, CIG II add. 2104 b = Latyschew II 11. 26) Prusa: Münze, Brit. Mus. a. a. O., Pontus etc. 199. 27) Rhodanusmündung: ἱερόν, von Massalia aus angelegt, Strab. IV 184. 28) Rhode Hisp.: Kult, Strab. III 160. 29) Rom: Xoanon auf dem Aventin, Strab. IV 180 (vgl. Artikel Diana); Weihung, IGI 964. 30) Skillus: Temenos und Tempel, von Xenophon auf seinem Landgut gegründet, Xen. anab. V 3, 4–13. Paus. V 6, 5. 31) Smyrna: Temenos, CIG II 3155; vgl. III 5945. 32) Syrien: Silbermünze des Demetrios III., Brit. Mus. a. a. O. Seleucid Kings nr. 449. 33) Teos: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. Ionia 320. Imhoof-Blumer Griech. Münzen 653.

Ἐφοδία in Nemea: – ι Ἐφοδίᾳ (A. oder Hekate?), IGA 26.

Ζαρῆτις, Name der persischen A. nach Hesych. s. v. (Missverständnis für Anaïtis?).

Ἡγεμόνη (vgl. Ἁγεμώ) in 1) Akakesion: Tempel am Eingang zum Peribolos des Heiligtums der Despoina (Erzbild mit Fackeln), Paus. VIII 37, 1. 2) Ambrakia: ἱερόν, Polyaen. VIII 52; Kultlegende Ant. Lib. 4. 3) Athen: am Eingang der Akropolis gemeinsamer Kult mit Hermes und den Chariten, Paus. I 22, 8 (vgl. IX 35, 2 und Robert Comm. Mommsen. 143ff.). CIA III 268; im Schwur der Epheben in der Aglaurosgrotte, Demosth. XIX 303. Poll. VIII 106. 4) Sparta: bei einander ein ἱερόν der Dioskuren und Chariten und ein gemeinsames der A. Ἡγεμόνη, des Apollon Κάρνειος und der Eileithyia, Paus. III 14, 6. 5) Tegea: ἱερόν, Paus. VIII 47, 6. Als ,Führerin‘ spielt A. auch in den Gründungssagen von Boiai (Paus. III 22. 12) und Miletos (Kallim. Hymn. Art. 226f.) eine Rolle. Vgl. auch die Bezeichnung ἄγος für die Priesterin der A. Περγαία (Hesych. s. ἄγος). Die Epiklesis ist verschieden erklärt worden, je nachdem man die ,Führerin‘ als eine Führerin zur Hochzeit (Stoll Bd. I 1705 der zweiten Auflage dieser R.-E. Schreiber Roschers Lex. I 574), auf den Pfaden des Jägers (Preller-Robert I 306), zur Schlacht (Claus a. a. O. 93) oder zur Unterwelt (Wide Lakon. Kulte 111) auffasste. Die Identification der A. Ἡγεμόνη mit Hekate in Athen, die Verbindung mit Hermes, Despoina, den Chariten zeigt klar die chthonische Grundbedeutung dieses Kultes, die völlig der grossen Naturgöttin entspricht: sie ist es ja, die aus dem Mutterschoss der Erde und des Weibes alles Leben heraus,führt‘, sie ,führt‘ auch alles Lebende als unerbittliche Todesgöttin wieder in die Erdtiefe hinab. Dass man aber auch in anderen wichtigen Lebenslagen (Hochzeit, Gefahren der Jagd und des Krieges. Städtegründung) sich gern unter den Schutz der ,führenden‘ Gottheit stellte, ist menschlich durchaus verständlich, obgleich es sich aus dem Kult nicht begründen lässt.

Ἡμέρα, Ἡμερασία, die ,Milde‘ (Maass De Aesch. Suppl., Ind. Gryph. 1890/91 XXXVII), die ,Zähmerin‘ (Schreiber Rosch. Lex. I 565), [1387] in Lusoi: ἱερόν zu Pausanias Zeit bereits zerstört, Polyb. IV 18, 10. 25, 4. IX 34, 9. Paus. VIII 18, 8. Hesych. s. v.; der Ort wohl nach einer Heilquelle (die ganze Gegend an den Westabhängen des Aroaniagebirges ist sehr wasserreich) genannt, der man eine ähnliche Wirkung zuschrieb wie der nahen, noch heute fliessenden Quelle Alyssos (Paus. VIII 19, 3); so bezeichnet die Epiklesis A. wohl als ,milde‘ Heilgöttin; dazu passt, dass man erzählte, Melampus habe dort im ἱερόν die Proitiden geheilt (Paus.), oder die geheilten Proitiden hätten das Heiligtum gestiftet (Schol. Kallim. Hymn. Art. 236); Asylrecht des Heiligtums. Polyb. IV 18, 10; Spiele: Arch. Ztg. 1877, 47f. (Fränkel).

Θαυμακία in Thaumakia (Halbinsel Magnesia): ἱερόν Steph. Byz. s. v.

Θερμαία, Θερμία als Göttin warmer Heilquellen in 1) Kyzikos: Aristeid. I 503 Dindf. 2) Mytilene: Weihungen, CIG II 2172. 2173. 2185. 2187. Bull. hell. IV 1880, 430; Priester, Fest, Spiele, ebd. 431; vgl. C. Curtius Herm. VII 1873, 411ff. 3) Rhodos: IGIns. I 24, 4. S. auch Εὐάκοος.

Ἱακυνθροτρόφος in Knidos: Tempel, Le Bas III 1572 bis; Weihungen, Collitz Dial.-Inschr. III 3502. 3512; Fest Ἱακυνθροτρόφια, Bull. hell. VII 1883, 485 = Collitz a. a. O. 3501.

Ἱέρεια in Oresthasion: ἱερόν, zu Pausanias Zeit in Trümmern, Pherekyd. frg. 97 (Schol. Eur. Or. 1645). Paus. VIII 44, 2. Mit Unrecht will Breyer Demeter Melaina (Gymn. Progr., Sprottau 1895) 8 diese Epiklesis durch Conjectur beseitigen.

Ἰσσωρία in 1) Sparta: ἱερόν auf dem Hügel Ἰσσώριον, nahe bei dem Bezirk Pitane, Paus. III 14, 2. Plut. Ages. 32. Polyaen. II 14. Steph. Byz. s. Ἰσσώριον, vgl. Kallim. Hymn. Art. 172; Fest Ἰσσώρια, Hesych. s. Ἰσσωρία. Dass Pausanias die A. Ἰσσωρία mit Britomartis identifiziere, wie gewöhnlich behauptet wird (Preller-Robert I 318, 5. Höfer Roschers Lex. II 552), beruht auf irriger Interpretation der Stelle, vgl. Wentzel Ἐπικλήσεις VI 16. Wide Lakon. Kulte 109. 2) Teuthrone: Heiligtum bei der Quelle Naïa, Paus. III 25, 4.

[Ἰτώνη, Ἰτωνία, fälschlich von Suidas und dem Anonymus Laurentianus (Studemund Anecd. I 270) der A. beigelegte Epiklesis, vgl. Wentzel (Ἐπικλ. I 8), der den Irrtum mit Recht aus dem Beinamen Χιτώνη, Χιτωνία ableitet.]

Ἰφιγένεια. Der die Geburtsgöttin bezeichnende Name ist direct als Epiklesis der A. nur aus 1) Hermion überliefert: ἱερόν, Paus. II 35, 1, vgl. Hesych. s. v. Wide De sacris Troezeniorum etc. (Upsalae 1888) 29. Doch scheint sich der Kult weiter nördlich bis nach Attika hinein erstreckt zu haben und ist noch an folgenden Stellen in Spuren nachweisbar (vgl. v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 256ff.): 2) Aigeira: Tempel der A., dem eine Jungfrau als Priesterin vorsteht, und in dem sich ein altertümliches Kultbild befindet, das den Namen Iphigeneia führt und zu Pausanias Zeit daher für die Tochter Agamemnons erklärt wurde (Paus. VII 26, 5); der Schluss des Periegeten, der Tempel müsse ursprünglich der Iphigeneia geweiht gewesen sein, ist vollkommen logisch; wir werden sagen dürfen, er gehörte der A. Ἰφιγένεια. 3) Argos: neben einander die Tempel der Eileithyia [1388] (von Helene gestiftet) und der Hekate (= A. Ἰφιγένεια nach v. Wilamowitz), Paus. II 22, 6ff. 4) In Aulis möchte man den Kult voraussetzen,, doch giebt das Iphigeneiaopfer keine sichere Spur, vgl. v. Wilamowitz a. a. O. 5) Brauron (vgl. Βραυρωνία, Ταυροπόλος): Iphigeneia war dort Priesterin der A., ist daselbst begraben, ihr werden die Gewänder der verstorbenen Wöchnerinnen geweiht, Eur. I. T. 1451ff.; Euphorion, der das Opfer der Iphigeneia nach Brauron verlegt (frg. 81), muss das Grab natürlich für ein κενήριον erklären. 6) Leuke: die taurische Göttin dort als Ὀρσιλόχη verehrt, Amm. Marc. XXII 8,34; Iphigeneia von A. unsterblich gemacht und als Ὀρσιλοχία mit Achilleus vermählt, Nikand. bei Ant. Lib. 27. 7) Megara: Heroon der Iphigeneia, Paus. I 43, 1.

Ἰωλκία auf der Halbinsel Magnesia in 1) Iolkos: Priesterin, Athen. Mitt. XV 302. 2) Korope: Schwur der Magneten bei Zeus Ἀκραῖος, Apollon Κοροπαῖος und A. Ἰωλκία, Athen. Mitt. VII 73.

Καλλίστη, Epiklesis der A. bei Pamphos und Sappho (vgl. jedoch Bergk PLG III⁴ 139f.), im Kult in 1) Athen s. o. Ἀρίστη; Hesych. s. v. berichtet von einem Heiligtum der Hekate Καλλίστη im Kerameikos, ἢν ἔνιοι Ἄρτεμιν λέγουσιν, wohl mit Bezug auf dasselbe Heiligtum. 2) Beroia: Weihung CIG III 4445. 3) Trikolonoi: Tempel auf dem Grabhügel der Hypostase Kallisto (s. o. Kap. IV a 20). Einen Kult im athenischen Quartier Limnai nimmt Maass Orpheus 17 unter Berufung auf Dörpfeld (Athen. Mitt. 1894, 147) und die oben citierte Hesychstelle an; aber das von Dörpfeld angeführte Kallimachosscholion (H. Art. 172) nennt doch wohl nur aus Unwissenheit das peloponnesische Limnai, um das es sich dort handelt, einen ,Demos von Attika‘. Mit ganz unzureichenden Gründen erklärt Usener in seinem verhängnisvollen, weil ohne Nachprüfung ziemlich allgemein gebilligten Aufsatze ,Kallone‘ (Rh. Mus. XXIII 324ff.) A. Καλλίστη für eine Mondgöttin; vgl. o. Kap. III 27.

Καπροφάγος auf Samos: Hesych. s. v.

Καρυᾶτις in Karyai: ἱερόν mit ἄγαλμα unter freiem Himmel, Paus. III 10, 7. Hesych. s. v.; Opfer, Hesych. s. Καρυάτεα; jährliches Fest Καρύα (Hesych. s. Καρύαι), Καρυᾶτις (Hesych. s. v.), Καρυάτεια (Phot. s. v.); dabei einheimisch-eigenartige Tänze der Mädchen, Paus. III 10, 7. IV 16, 9. Luc. de salt. 10. Poll. IV 104; die Mädchen singen dazu Hymnen, Stat. Theb. IV 225. Diomed. GL III p. 486 Keil. Vgl. Wide Lakon. Kulte 108; über die Beziehung des Karyatidenreigens zu den gebälktragenden Mädchen der Architektur vgl. Wolters Lützows Ztschr. f. bild. Kunst N. F. VI 36ff.

Καυκασίς in 1) Erythrai (mit Apollon Καυκασεύς): Priester, Dittenberger Syll. II 370, 19. Genannt nach 2) Kaukasa auf Chios (Herodot. V 33), wo also der Kult ebenfalls vorausgesetzt werden muss.

Κεδρεᾶτις bei Orchomenos (Ark.): ἄγαλμα in einer hohlen Ceder aufgestellt, Paus. VIII 13. 2. Die Form der Epiklesis deutet eher auf Ableitung von einem Ortsnamen, so dass die Ableitung von der Ceder (einem in Griechenland nicht heimischen asiatischen Baume) vielleicht erst secundär ist. Vielleicht hängt der Name mit der alten karischen Stadt Κεδρεαί zusammen, deren Existenz [1389] sich bis ins 6. Jhdt. zurückverfolgen lässt (Hekataios v. Milet. frg. 234) und die noch Steph. Byz. s. v. bezeugt. Vgl. Bull. hell. X 1886, 423ff.

Κεκοία, ἡ ἐν Κεκοίᾳ in Kekoia bei Lindos (jetzt Ἐρημοκέκοια vgl. Selivanow Athen. Mitt. XVI 1891, 124f.): Priester, IGIns. I 57. 829; Priestercollegium, ebd. 833; Weihungen, ebd. 786. 814. 819. 823. 825f. 828. 831. 834. 845. 883.

Κελκαία, Κελκεῗτις in 1) Athen: ἕδος, Arrian. anab. VII 19, 2; Weihung, CIG II 1947; vgl. Petersen Arch.-epigr. Mitt. V 1880, 21ff. 2) Dalmatien: Weihung eines Hekataion, CIL III 3516 a (Deana Celceitis). 3) Kelkaion bei Nikopolis (Epeiros): Priesterin, Arch.-epigr. Mitt. XIV 1890, 113, 1 (ἱερασαμένην τῇ θεῷ ἐν Κελκαίῳ), danach wohl als Ort, nicht als Tempel, zu fassen, wozu die Formen der Epiklesis auch besser passen).

Κιθωνέα s. Χιτώνη.

Κινδυάς bei Bargylia: ἱερόν (dabei früher Ort Kindye), Strab. XIV 658; das Kultbild im Freien, weder von Schnee noch Regen getroffen, Polyb. XVI 123; alter Kult, später mit dem des Augustus verbunden: gemeinsamer Priester, Bull. hell. V 1881, 192; Weihungen, Le Bas III 497. Bull. hell. XIII 1889, 38; Weihung an Apollon und A. Κινδυάς, Le Bas III 496; das Idol auf Münzen von Bargylia: Imhoof-Blumer Griech. Münzen 670 Taf. X 3.

Κλαρία in Kolophon: Münzaufschriften, Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia 42, 44f. (Ἄρτεμις Κολοφωνίων Κλαρία). Catal. Magnoncourt 324 (A. Ἀ. Κλαρία Κολοφωνία) u. ö.

Κναγία in Sparta: Kultlegende, Paus, III 18, 4. Über die Bedeutung des Namens vgl. Preller-Robert I 302, 4. Wide Lakon. Kulte 120.

Κνακαλησία in Kaphyai: ἱερόν neben einem ἱερόν des Poseidon, Fest auf dem Berge Knakalos, Paus. VIII 23, 3f. Vgl. Preller-Robert I 302, 4.

Κνακεᾶτις bei Tegea: Trümmer eines ἱερόν, Paus. VIII 53, 11. S. d. vorigen.

Κοκκώκα in Olympia: Altar hinter dem Heraion, Paus. V 15, 7. Von κόκκος, Kern, abzuleiten, also Göttin der Vegetation.

Κολαινίς, in der Umgebung des Euripus nachweisbar in 1) Amarynthos (dort führte sie den Beinamen Ἀμαρυσία, s. d.); Opfertiere jeder Art, auch verstümmelte, zulässig, Euphr. und Kallim. Schol. Ar. Vög. 873. 2) Athen: Weihung, CIA III 216; Priester, CIA III 275. 360. 3) Athmonon: als Ἀμαρυσία (s.d.). 4) Aulis: Da hier wie in Amarynthos A. jedes Opfertier annahm (Paus. IX 19, 7), so vermutet v. Wilamowitz (Herm. XVIII 1883, 256) wohl mit Recht, die A. von Aulis sei die Κολαινίς von Amarynthos. 5) Kephale (attischer Demos, jetzt Kalywia): Altar, Athen. Mitt. XII 282. 6) Myrrinus: ἱερόν, CIA II 575; Xoanon, Paus. 131,4f.; Priester, Metagenes Schol. Ar. Vög. 873; Altar, Athen. Mitt. XII 277; Stiftungslegenden, Hellanikos und Phanodemos in Schol. Ar. Vög. 873. Der Name wird gewöhnlich von Kolainos abgeleitet (Hellan. Phanod. Paus. a. a. O. Hesych. s. v. Theognost. Cram. Anecd. Oxon. II 66, 30); von κολεός (Schwertscheide) leitet ihn ab Claus a. a. O. 91; bei Theognost. a. a. O. lautet er Κολαινία.

Κολοηνή am gygaeischen See bei Sardeis, der später Koloe hiess: ἱερὸν μεγάλην ἁγιστείαν ἔχον [1390] Strab. XII 626. Vgl. E. Curtius Arch. Ztg. XI 1853, 148ff. W. M. Ramsay Journ. Hell. Stud. III 54f. Wohl identisch mit der in dem südlydischen Ort Koloe verehrten Μήτηρ Φιλείς (s. d.). S. o. Γυναία.

Κολοφωνία in Kolophon: Münzaufschriften, Mionnet Suppl. VI 100, 130. Cat. Magnoncourt 324 u. ö. Vgl. Κλαρία.

Κομβική in Lykien: Weihung aus Patara oder Myra, Arch.-epigr. Mitt. VII 1883, 124 (Loewy). Angeblich nach der lykischen Stadt Komba (Ptol. V 3, 5).

Κονδυλεᾶτις in Kondylea bei Kaphyai, auch Ἀπαγχομένη genannt, s. d. Der Ort ist vermutlich nach einer Bodenanschwellung so genannt; ganz unwahrscheinlich ist die von Usener (Rh. Mus. XXm 336) gegebene Deutung. Wenn Clem. Alex. Protr. II 38 in seiner Aufzählung lächerlicher oder unpassender Beinamen von heidnischen Göttern auch die ,gehängte‘ A. der Arkader aufführt, ohne ihres zweiten Beinamens zu gedenken, dagegen unmittelbar danach eine angeblich in Methymna verehrte ,Faustschlag‘-A. (Κονδυλῖτις) nennt, die uns sonst nicht bezeugt ist, so liegt die Annahme nahe, dass ἐν Μηθύμνῃ auf einem Irrtum beruhe und beidemal dieselbe Göttin von Kondylea gemeint sei. Das Kultbild auf Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 104 pl. T 14.

Κονδυλῖτις s. Κονδυλεᾶτις.

Κόρα in Thessalien: Weihung τᾶι ΚόρϜαι, IGA 324, von Preller-Robert I 320, 4 auf A. bezogen, wozu ein äusserer Grund zunächst nicht vorzuliegen scheint; vgl. jedoch die Κόρης θήρα (doch wohl ein heiliger Bezirk mit Wildpark) in Lebadeia, Paus. IX 39, 4.

Κορδάκα bei Olympia: ἱερόν, wo der Sieg des Pelops von seinen Gefährten mit dem am Sipylos heimischen Kordaxtanz gefeiert war, Paus. VI 22,1.

Κορία in Lusoi (Arkadien): ἱερόν, von Proitos ) zugleich mit dem der A. Ἡμέρα gestiftet, Kallim. Hymn. Art. 234 mit Schol. Pausanias, der dies Heiligtum nicht erwähnt, nennt jedoch ganz in der Nähe auf einem Berge bei Kleitor einen Tempel der Athena Κορία (VIII 21, 4); ganz ähnlich liegt die Sache bei der ebenfalls mit der Proitidensage in Verbindung gebrachten A. oder Athena Ἀκρία (s. d.) in Argos. Man wird demnach kaum mit Immerwahr Arkad. Kulte 158 eine von Kallimachos begangene Verwechslung annehmen dürfen; vielmehr ist wohl anzunehmen, die an beiden Orten verehrte Göttin sei bald mit A., bald mit Athena identificiert worden. Fest Κοριάσια in Megara, Le Bas II 422.

Κορυθαλία (= κουροτρόφος, vgl. Wide Lak. Kulte 123f.) bei Sparta: ἱερόν am Bache Tiasa, zu dem am Fest Τιθηνίδια die kleinen Knaben von ihren Ammen hingebracht und dem Schutze der Göttin empfohlen werden; es folgt ein ländliches Mahl im Freien unter Zelten (Polemon bei Athen. IV 139 B), an das sich Tänze der Mädchen und allerlei Mummenschanz anschliesst (Hesych. s. κορυθαλίστριαι und κυριττοί). Aus dieser Epiklesis ist die von Plut. probl. symp. III 9, 2 als Amme des Apollon genannte Korythaleia hypostasiert.

Κορυφαία bei Epidauros: ἱερόν auf dem Berge Koryphon oder Koryphaion, Paus. II 28, 2. Steph. Byz. s. Κορυφαῖον.

[1391] [Κουροτρόφος ist als Kultname der A. (über ihre Bedeutung als κουροτρόφος s. o. Kap. III 8) nicht sicher bezeugt. Gewöhnlich deutet man jetzt die Ar. Thesm. 295 als Κουροτρόφος angerufene Göttin auf A., vgl. auch Diod. V 73, 5. Die Κουροτρόφος, der die attischen Epheben opfern (CIA II 481), ist doch wohl als Ge aufzufassen, vgl. die Inschrift Athen. Mitt. 1894, 147 und Maass Orpheus 17.]

[Κρησία nach ihrer Verehrung auf Kreta (vgl. Diod. V 77, 7) in einer Weihinschrift aus Augustodunum, Kaibel Epigr. 798 = IGI 2524.]

Κτησύλλα auf Keos, s. o. Kap. IV a 22.

Κυναγία in Thessalien am Peneios: Weihinschrift Κυναγία ὀνέθεινε, Bezzenbergers Beitr. V 18 (Fick, der wohl mit Recht an A. denkt).

Κυπαρισσία in Sparta: inschriftlich auf einer Münze, Journ. Hell. Stud. VII 59 pl. N 4. Brit. Mus. Cat. Coins, Pelop. 128 pl. XXV 9.

Κυρία in 1) Ephesos: Weihungen, Brit. Mus. Inscr. III 2, 578 c. 580. 582 a. 586 a. 588. 590. 2) Laodikeia am Meer: Priesterin, CIG III 4470f. 3) Milyas: Priesterin, Petersen-v. Luschan Reis. in Lykien, Milyas u. Kibyratis 171, 210. 4) Philippopolis: Weihung, Dumont Mél. d’arch. et d’épigr. 1892, 334. 35. 5) Rom: Weihung, IGI 964: 6) Tibur: Weihung, ebd. 1124 a. b.

Κωράζων in Koraza bei Panamara: Tempel, vgl. Foucart Bull. hell. XIV 1890, 372ff.; Weihungen aus Panamara an A. Κωράζων, Leto und Apollon, ebd. XII 1888, 267. 269.

Λαφρία in 1) Aitolien: Monat Λαφριαῖος, Wescher-Foucart 243. Bischoff De fastis 363. 2) Erineos: Monat Λάφριος, Wescher-Foucart 54. Bischoff365. 3) Gythion: Monat Λάφριος, Brit. Mus. Inscr. 143. Bischoff 367, 1. 4) Hyampolis: Fest μεγάλα Ἐλαφηβόλια καὶ Λάφρια, Athen. Mitt. IV 1879, 223. 5) Kalydon: neben Apollon Λάφριος, Strab. X 459. Paus. IV 31, 7; das von den Naupaktiern Menaichmos und Soïdas verfertigte Kultbild nach Kalydons Zerstörung durch Augustus nach Patrai übertragen, Paus. VII 18, 8. 10. 6) Kalymna, s. Ἐλαφία. 7) Kephallenia: Kult, Ant. Lib. 40 (angeblich = Britomartis). 8) Naupaktos: Tempel mit Kultbild von Damophon, Paus. IV 31, 7; vgl. Le Bas-Reinach 18, 134ff. Wolters Athen. Mitt. XIV 1889, 133ff. Wilhelm ebd. XVI 1891, 350, 2. Dass Pausanias auch für Messenien den Kult bezeuge (Preller-Robert I 310) beruht auf irriger Interpretation. 9) Patrai: ἱερόν auf der Akropolis ; das ἄγαλμα, früher in Kalydon (s. o.), stellte A. als Jägerin dar (vgl. Studniczka Röm. Mitt. III 1888, 277ff. Wolters a. a. O.); Fest Λάφρια ausführlich beschrieben, Paus. VII 18, 8ff.; Weihungen, CIL III 499. 510; Münzen von Patrai mit lateinischer Aufschrift des Kultnamens, Brit. Mus. Cat. Coins, Pelop. 26ff. pl. V 17. VI 1. 3. Journ. Hell. Stud. VII 80f. pl. Q 6ff. 10) Phokis: Monat Λάφριος, Wescher-Foucart 63. 212. Bischoff Leipz. Stud. VII 355. Die spartanische Heroine Lathria erklärt Wide (Lakon. Kulte 119) für eine Hypostase der A. Λαφρία; vgl. den delphischen Heros Laphrios (Paus. VII 18, 9. Schol. Eur. Or. 1094), der doch wohl als Hypostase des Apollon Λάφριος aufzufassen ist. Als εὐδαίμων und βαθύπλουτος bezeichnet die A. Λαφρία Suid. S. βαθεία κόμη, βαθύπλουτος.

[1392] Λερία auf Thera: Weihung, Ross Inscr. ined. III 249 (als Bezeichnung der auf Leros verehrten Παρθένος, s. u.).

Λευκιανή in Panamara: Weihung, Bull. hell. XII 1888, 269.

Λευκοφρυηνή, Λευκοφρυνή), Λευκοφρύηεια in 1) Amyklai: Statue von Bathykles aus Magnesia geweiht, Paus. III 18, 9. 2) Antiocheia πρὸς τῇ Πισιδίᾳ. (Phryg.): Kult, vermutet von Kern Arch. Anz. 1894, 124. 3) Athen: Statue auf der Akropolis, von den Söhnen des Themistokles (der einst in Magnesia herrschte) geweiht, Paus. I 26, 4. 4) Bithynien (Ort jetzt Paladari): Weihung, Bull. hell. XVII 1893, 543. 4) 5) Hierapytna und Itanos: Vertrag am Altar der A. Λευκοφρυηνή, CIG II add. 2561 b. 6) Magnesia a. M.: s. o. Kap. IV c 7. 7) Miletos: Tempel, in den sich Kleopatras Schwester Arsinoe geflüchtet hatte, Appian. bell. civ. V 9 (wohl ein Irrtum, es sollte wohl Magnesia heissen, dessen Asylrecht berühmt war, vgl. Tac. ann. III 62). 8) Panamara: Weihung, Bull. hell. XII 1888, 269. Der Altar der A. Λευκοφρυηνή, an dem Hierapytna und Itanos den Vertrag CIG II add. 2561 b schlossen, lag nicht, wie man bisher vermutete, auf Kreta, sondern ist der in Magnesia vor der Westfront des Tempels aufgefundene Altar, vgl. Kern a. a. O. Über die Bedeutung des Kultnamens s. o. Kap. IV c 7.

Λεχώ in Sparta: Weihung, IGA 52.

Λιμναία in 1) Sekyon: Tempel nahe der Agora, zu Pausanias Zeit ohne Dach und Kultbild, Paus. II 7, 6. 2) Sparta: ἱερόν, Strab. VIII 362. Paus. III 14, 2. An der Existenz eines solchen Heiligtums zweifelt Fränkel (Arch. Ztg. XXXIV 1876, 30) mit unzureichenden Gründen; bei Gelegenheit des Kultes der A. Ἰσσωρία (s. o.) in Sparta sagt Pausanias, die Spartaner nennten die A. auch Λυμναία, die er für die kretische Britomartis erklärt (Limnaia-Limnatis eine Göttin der Fischer, Artemid. Oneirokr. II 35); nach Paus. III 16, 7 liegt das Heiligtum der A. Ὀρθία zu Sparta in dem χωρίον Limnaion; und Strabon erklärt, das ἱερόν der A. in Sparta heisse Λιμναῖον nach dem Ort Limnai an der messenischen Grenze, wo sich das altberühmte Heiligtum der A. Λιμνᾶτις befand; danach scheint der Sachverhalt so, dass die spartanische Ὀρθία nach dem Stadtquartier auch Λιμναία genannt wurde, und man später den Namen mit Limnai am Taygetos in Verbindung brachte, um die lakonischen Ansprüche auf dies Grenzheiligtum (s. u.) zu kräftigen. Dagegen ist weder für den Ort Limnaia am ambrakischen Meerbusen (Polyb. V 5, 14. 6, 5. 14, 2) noch für das argivische Limnaia (Steph. Byz. s. v.) ein A.-Kult bezeugt; wenn Stoll (Bd. I² S. 1801 dieser R.-E.) das von Pausanias I 33, 1 erwähnte A.–Idol in Argos dem argivischen Limnaia zuschreibt, so ist dies bare Willkür. S. auch Λιμνᾶτις.

Λιμνᾶτις in 1) der Nähe von Epidauros Limera: ἱερόν, Paus. III 23, 10. 2) Limnai an der Grenze Messeniens und Lakoniens, nahe bei Thuria am Taygetos (irrig schliesst Drexler Roschers Lex. II 2051 aus Pausanias IV 31, 3 ἐν τῇ μεσογαίῳ auf die Existenz eines zweiten Limnai im Innern Messeniens): ἱερόν, gemeinsame Stätte der Verehrung für Lakonien und Messenien, Strab. VIII 362. Paus. III 2. 6. 7, 4. IV 4, 2. 31. 3; [1393] zugleich seit alter Zeit ein Streitobject zwischen beiden Staaten bis in die Zeit des Tiberius, vgl. die Inschrift vom Postament der Nike des Paionios, Arch. Ztg. XXXIV 1876, 128ff. (dazu Neubauer). Tac. ann. IV 43; Reste des Tempels von Ross (Reisen u. Reiserouten I 1ff.) wieder aufgefunden, vgl. E. Curtius Peloponnesos II 156f.; Weihungen, IGA 50. 61. 73, vgl. auch Anth. Pal. VI 280 und die Inschrift einer Vase in Athen (Collignon 793); ἀγωνοθέτης, Le Bas II 297–300; das von Schreiber (Roschers Lex. I 565) angeführte Käseopfer beruht auf einem argen Missverständnis des Alkmanfragments 34, PLG III⁴ 49f. 3) Messene: Priester (Le Bas II 311) und Priesterin (ebd. 311 a), Athen. Mitt. XVI 1891, 351; Freilassung, Le Bas II 349; Geldzahlung als Strafbestimmung, Athen. Mitt. a. a. O. 349. 4) Patrai: Temenos mit Tempel bei der Agora, Paus. VII 20, 7. 5) Bei Tegea: ἱερόν mit ἄγαλμα aus Ebenholz, Paus. VIII 53, 11. 6) Trozen: Kult beim Ort Limne, 5 Schol. Eur. Hipp. 1133 (von Fränkel a. a. O. bezweifelt). S. auch Λιμναία.

Λοξώ, vielleicht alter Kultname der A., s. o. Kap. IV a 13. 28.

Λουσιᾶτις in Achaia: Weihung, Collitz Dial.-Inschr. II 1601. Gemeint doch wohl die als Ἡμέρα und Κορία im arkadischen Lusoi verehrte Göttin.

Λοχεία, Λοχία in 1) Gambreion: Tempel, CIG II 3562 = Dittenberger Syll. II 470. 2) Halos Phthiot.: Weihungen, Collitz Dial.-Inschr. II 1473. Bull. hell. XV 1891, 566. Vgl. Eur. Hik. 958. Ptot. probl. symp. III 10, 3. Wide Lakon. Kulte 114f. S. o. Kap. III 10.

Λυγοδέσμα, Kultname des von Weidenzweigen (λύγος, agnus castus) umflochtenen Kultbildes der A. Ὀρθία (s. u.) in Sparta, mit altertümlicher aitiologischer Kultlegende, Paus. III 16, 11. Die Beziehungen des λύγος zum weiblichen Geschlechtsleben (vgl. Riess o. Bd. I S. 58. Wagler ebd. S. 833f.) kennzeichnen die Göttin als Frauengöttin, wozu auch die übrigen Kultbräuche der A. Ὀρθία (s. u.) passen. Wie man in Attika bereits im 5. Jhdt. die A. Ἰφιγένεια von Brauron mit der Ταυροπόλος von Halai durch Vermittlung der taurischen Göttin verknüpfte (s. u. Ταυροπόλος), so versuchte man in späterer Zeit auch zwischen der spartanischen A. Ὀρθία und der Ταυροπόλος eine Verbindung herzustellen, indem man unter Ignorierung der alten Legende das Kultbild für das von Orestes geraubte taurische Idol ausgab, vgl. Robert Arch. Märch. 144ff.

Λυαία in Syrakus: Tempel, nach dem Aufhören einer Pest errichtet, Prob. Verg. ecl. II 26ff. Keil. Diomed. GL III 486.

Λυκεία in Trozen: Tempel, von Hippolytos gestiftet, Paus. II 31, 4.

Λυκοᾶτις in Lykoa, am Fusse des Mainalon: ἱερόν mit Erz-ἄγαλμα, Paus. VIII 36, 7.

Λυσαία in Epidauros: Weihung, Cavvadias Fouilles d’Épid. I 57, 127.

Λυσιζώνη in Athen: ἱερόν, Schol. Apoll. Rhod. I 288. Hesych. und Suidas geben die Namensform Λυσίζωνος.

Μά s. o. Kap. IV c 8.

Μήτηρ s. o. Kap. IV b 21.

Μουνιχία in 1) Kyzikos: Priesterin, CIG II 3657. 2) Peiraieus, auf der Halbinsel Munichia: [1394] Tempel, Paus. I 1, 4 (daher Kallim. Hymn. Art. 259 πότνια Μουνιχίη λιμενοσκόπε); Fest Μουνίχια am 16. Munichion, Plut. de glor. Ath. 7. Athen. XIV 645 A B. Poll. VI 75. Etym. M. 94, 56, vgl. A. Mommsen Heort. 403ff.; Opferbräuche der ἀρκτεία und ἀμφιφῶντες, s. o. Artikel ἀρκτεία und Bd. I S. 1949 (Stengel); Pompe der Epheben zur Erinnerung an den Tag von Salamis, Plut. a. a. O. CIA II 468; Tempelschatz, CIA I 215. 273. 3) Plakia (Mysien): Priesterin der Μήτηρ Πλακιανή, Kore, Meter, A. Μουνιχία, Athen. Mitt. VII 156. 4) Pygela bei Ephesos: ἱερόν, angeblich von Agamemnon gestiftet, Strab. XIV 639. 5) Sekyon: Xoanon, von Dipoinos und Skyllis verfertigt, Clem. Alex. Protr. IV p. 42 P., vgl. Plin. n. h. XXXVI 10. Hauptkult ist wohl zweifellos der von Munichia, der durch Übertragung zu den übrigen Kultstätten gelangte. Die gewöhnliche Ableitung des Kultnamens Μουνιχία = Μουνονυχία ist schon deshalb falsch, weil sie von einer falschen Form des Namens ausgeht; auch giebt es keinen Beweis für die Bedeutung der A. Μουνιχία als Mondgöttin (auch die ἀμφιφῶντες können dies nicht beweisen). Vielmehr ist A. hier nach dem Ort des Kultus benannt, Munichia selbst aber heisst nach Munichos, vgl. v. Wilamowitz Aus Kydathen 137. S. auch Suchier De Diana Brauronia Diss. Marb. 1847, 46ff. Kern Ἐφημ. ἀρχ. 1890, 136, 4.

Μυρέα in Myra: urschriftlich auf einer Münze, Rev. num. 1893, 333.

Μυσία bei Sparta, an der Strasse nach Arkadien: ἱερόν neben einem τέμενος des (Apollon) Κράνιος Στεμματίας, Paus. III 20, 9. Den Beinamen hat man mit Mysien, mit μύω, ja mit den Musen (Claus a. a. O. 102f.) zusammenbringen wollen; die richtige Erklärung (von μῦσ als Abwehrerin der Mäuse, vgl. Apollon Σμινθεύς) giebt Wide Lakon. Kulte 118. Vgl. o. Kap. IV b 7. )

Νανᾶ im Peiraieus: Weihung, CIA II 1613. S. o. Kap. IV c 9.

Νεμιδία in Dyme: ἱερόν, Strab. VIII 342.

Νεώθυος(?) in Tanais: Weihung, Latyschew II 421.

Νικηφόρος, Beiname der Leukophryene in Magnesia a. M.: Altäre vor jedem Hause, vgl. Kern Arch. Anz. 1894, 122 (der auch eine Erklärung für diese Benennung giebt).

Νουμηνία auf Delos: Opfer im Lenaion an ) Apollon und A. Νουμηνία, Bull. hell. XIV 1890, 492.

Οἰναία in Oinoe (Attika): Priesterin, CIA III 336; Tempelschatz, CIA I 534.

Οἰνωᾶτις in Oinoa bei Argos: ἱερόν auf dem Berg Artemision (Paus. II 25, 3), angeblich von Proitos gegründet (Steph. Byz. s. Οἴνη), vgl. auch Eur. Herakles 379. Hesych. s. Οἰνωάτιδος.

Ὀλυμπία in Eretria: Weihung, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 141. Benannt nach dem Berg Olympos (jetzt Elymbos) auf Euboia.

Ὀπιταΐς auf Zakvnthos: Weihung einer θεοκολήσασα Ἀρτέμιτι Ὀπιταΐδι, CIG II 1934 = Collitz Dial.-Inschr. II 1679. Vgl. Wide Lakon. Kulte 128.

Ὀρθία (auf einigen archaisirenden Inschriften aus Sparta Βωρθέα, Βωρσέα Le Bas II 162 a. b = Cauer Del.² 34. 37; Vgl. Hesych. s. Βωρθέα) in 1) Athen: ἱερόν im Kerameikos, Schol. Pind. Ol. III 54. 2) Epidauros: Weihungen, Ἐφημ. ἀρχ. [1395] 1885, 195. Cavvadias Fouilles d’Épid. I 44, 38. 59, 147. 3) Berg Lykone in Argolis: ἱερόν auf dem Gipfel in einem Cypressenhain, darin Bilder von Apollon, Leto, A., Werke des Polykleitos, Paus. II 24, 5. 4) Orthia in Elis: ἱερόν, Didymos, Schol. Pind. Ol. III 54; vgl. Paus. V 16, 6. 5) Sparta (s. Λιμναία, Λυγοδέσμα: ἱερόν im Quartier Limnai, Paus. III 16, 7; Kultlegenden, ebd. 7ff.; Priesterin (zugleich Priesterin einer Reihe anderer lakonischer Gottheiten), CIG I 1444; Käseopfer (?), Xen. Λακ. πολ. II 9; φάρος von Frauen dargebracht, Alkm. frg. 23 (Bergk PLG⁴ III 41) s. o. Kap. III 3; Chorreigen der Mädchen, Plut. Thes. 31; Agone der Knaben: Wettrennen (CIG I 1416, vgl. Kap. III 8), musische (Kaibel Epigr. 806); jährliche διαμαστίγωσις der Knaben, Xen. a. a. O. Plut. Arist. 17; Lyk. 18; inst. Laced. 239 C. Paus. III 16, 10f. VIII 23, 1. Philostr. Apoll. Tyan. VI 20. Schol. Plat. 633 B (nennt sie Ὀρθωσίη) u. s.; πομπὴ Λυδῶν, Plut. Arist. 17; Weihungen, Kaibel Epigr. 874. Bull. hell. III 1879, 196. Verschiedene Deutungen des Namens, vgl. Preller-Robert I 309, 3; am besten wohl die von Apollodoros (Schol. Pind. Ol. III 54, ähnlich Etym. M. 631, 1. Schol. Plat. 633 B) gegebene Deutung: ὅτι ὀρθοῖ εἰς σωτηρίαν ἢ ὀρθοῖ τοὺς γεννωμένους, wonach A. Ὀρθία eine die Jugend und das Frauenleben schützende Gottheit wäre; hiermit stimmen auch andere Züge ihres Kultus überein: die Umwindung des Bildes mit λύγος: das von den Prauen dargebrachte Gewand, die Nachbarschaft des Heiligtums der Eileithyia (Paus. III 17, 1), das Hervortreten der männlichen (Geisselung, Agone) und weiblichen (Reigentänze) Jugend beim Feste der Göttin; ferner auch der Beiname Ὄρθιος des Asklepios, vgl. Cavvadias a. a. O. nr. 155. Den Namen phallisch zu deuten (Schreiber Roschers Lex. I 586) liegt nicht der geringste Grund vor. Dagegen wird der Name Ὀρθία öfters verwechselt und hängt wohl sicher zusammen mit dem der

Ὀρθωσία. Kult in 1) Byzantion: Altar, Herodot. IV 87. 2) Megara: Priesterin, IGS I 113. Michaelis Anc. Marbl. in Gr. Britain, Brocklesby Park 26. 3) Berg Orthosion in Arkadien (auch Orthion genannt): ἱερόν, in dem Taygete die später von Herakles erjagte Hirschkuh der A. geweiht haben sollte, Pind. Ol. III 28ff. mit Schol. Hesych. s. Ὀρθία. Neben dem Altar stand ein Stier, [Aristot.] mirab. ausc. 175 p. 847 a 1.

Ὀρσιλόχη, Beiname der taurischen Göttin:ἱερόν, Amin. Marc. XXII 8, 34; vgl. Iphigeneia Ὀρσιλοχία (Ant. Lib. 27) und v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 260.

[Ὀρτυγία, Soph. Trach. 214 mit Schol. Ovid. met. I 694. Wohl nicht als Kultname anzusehen; der Name Ortygia als Ortsname wie als Name der Göttin hängt wohl mit der Wachtel, dem Frühlingsvogel, zusammen.]

Οὐλία (zur Deutung Suid. s. οὔλιος. Cramer Anecd. Par. III 211) auf Delos(?): Theseus gelobt Opfer an Apollon Οὔλιος und A. Οὐλία beim Zug nach Kreta, Pherek. bei Macrob. I 17, 21.

Οὖπις s. Ὦπις.

Παγασῖτις in Pagasai: Weihung, Athen. Mitt. XV 303.

Παιδοτρόφος in Korone (Messenien): Tempel gemeinsam mit Asklepios und Dionysos, Paus. IV 34. 6.

[1396] Παμφυλαία in Epidauros: Weihung eines πυροφορήσας, Ἐφημ. ἀρχ. 1883, 28, 5. 6 = Collitz III 3334. Cavvadias Fouilles d’Épid. I 52, 86. Die Göttin des Stammes der Πάμφυλοι, vgl. Wide De sacris Troezeniorum (Diss. Upsalae 1888) 30.

Παραλία in Kition (Kypros): Weihungen, Cesnola Cyprus 429 nr. 37.

Παρθένος (s. o. Kap. III 22. IV c 11). Unter diesem Namen wurde eine weibliche Gottheit verehrt in 1) Chersonesos (Taur.): Tempel und Xoanon auf der Akropolis, Strab. VII 308; Altar, Bull. hell. V 1881, 74 = Latyschew I 185; Fest Παρθένεια, ebd. Z. 47; Priesterin (?), Latyschew I 184. 2) Halikarnassos: Ein Götterverein Apollon, Athena und Parthenos besitzt Äcker und Häuser, Bull. hell. IV 1880, 302. 3) Lakonien: Frauenfest, dabei Kuchen in Form von μαστοί herumgetragen unter Hymnengesang und dann von den Frauen verzehrt, Athen. XIV 646 A. 4) Leros: ἱερόν in sumpfiger Niederung, Athen. XIV 655 E (die Priester pflegen die μελεαγρίδες, Class. Rev. 1894, 376; Priesterin, CIG II add. 2661 b, vgl. Keil Philol. IX 457. 5) Neapolis (Thrakien): Kultbild abgebildet über einem Vertrag mit Athen, Schöne Griech. Reliefs Taf. VII 48. 6) Paros: Weihung, IGA 401. 7) Patmos: ἱερόν, Ἐφημ. ἀρχ. 1863, 261, 229. 8) Thera: Weihung Παρθένου Λερίας, Ross Inscr. ined. III 249. Alle diese ursprünglich wohl kaum identischen Gottheiten wurden, obwohl meist absolut als Παρθένος bezeichnet, von den Griechen früher oder später mit A. identificiert. Dass die lakonische Göttin als A. galt, zeigt wohl Ar. Lys. 1263; sie ist, wie der erwähnte Opferbrauch beweist, eine kindernährende Göttin, daher von Wide (Lakon. Kulte 130) wohl mit Recht als Παρθενοτρόφος aufgefasst; daraus darf man weiter schliessen, dass sie wirklich eine A. ist. Die taurische Göttin ist frühzeitig mit A. Ἰφιγένεια identificiert worden, vgl. Herodot. IV 103; mit ihr hängt die Göttin von Leros, Patmos, Thera aufs engste zusammen (s. u. Πατμία, Σκυθίη). In der parischen Weihung heisst die Göttin geradezu A.

Πατμία auf Patmos: Weihung an Apollon Κάρνειος und A. Πατμία, Ἐφημ. ἀρχ. 1863, 262. 230; vgl. Παρθένος, Σκυθίη.

Πατριῶτις in 1) Amyklai: Temenos, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 24. 2) Pleiai (Lakonien): Priesterin, CIG I 1444 (zugleich zahlreicher anderer Götter, darunter A. Ὀρθία, s. o.), vgl. Wide Lakon. Kulte 129; Weihung, Arch. Ztg. XL 1882 Taf. VI 1. vgl. Treu S. 145ff.

Πατρῷα in Sekyon: pfeilerförmiges Idol an der Agora beim Buleuterion, neben dem als Spitzsäule gestalteten Idol des Zeus Μειλίχιος, Paus. II 9, 6.

Πειθώ in Argos: ἱερόν, der Sage nach von Hypermestra errichtet, Paus. II 21, 1.

Πελδεκεῖτις in Panamara: Weihung, Bull. hell. XII 1888, 269f. Peldekos als Personenname erscheint in einer Liste karischer Namen aus Halikarnassos, Bull. hell. IV 1880, 305.

Περασία in Kastabala-Hieropolis: ἱερόν, angeblich mit dem taurischen Idol; die Priesterinnen schreiten mit blossen Füssen über glühende Kohlen, Strab. XII 537. Steph. Byz. s. Καστάβαλα; vgl. o. Kap. IV c 8. Usener (Rh. Mus. XXIII 351) identificiert sie irrig mit der Göttin von Perge (s. Περγαία und Ταυροπόλος).

[1397] Περγαία (vgl. Kap. IV c 10) in 1) Halikarnassos: Priesterin und Opfer, CIG II 2656 = Dittenberger Syll. II 371. 2) Lindos: Weihung, IGIns. I 784. 3) Perge: ἱερόν auf der Akropolis von Perge mit jährlichem Fest, Strab. XIV 667. Skylax 39, 100. Petersen-Niemann-Lanckoroński Städte Pamphyliens I 36ff. 164, 29; der ältere Name einfach Ϝάνασσα, später mit A. identificiert (Head HN 585); Asylrecht des Heiligtums s. o. Ἄσυλος; Priester, Petersen a. a. O. 166, 33; Priesterin, ebd. 168, 39 (heisst ἄγος, Hesych. s. ἄγος); umherziehende Bettelpriester, Suid. Phot. s. ἡ Περγαία; Weihung, Petersen a. a. O. 167, 36; vgl. Kallim. Hymn. Art. 187. 4) Rhodos: Priesterin, IGIns. I 66, 2. Athen. Mitt. XVI 119; Weihung, ebd. 122. Irrig mit der Περασία von Kastabala identificiert von Usener (Rh. Mus. XXIII 351).

Περσεία, Περσία, Περσική, Bezeichnung der mit A. identificierten Anâhita (s. o. Kap. IV c 1); vgl. Diod. V 77, 8. Kulte in 1) Akilisene (Armenien): ἱερόν am Euphrat mit Ansprüchen auf den Besitz des taurischen Idols, Procop. b. Pers. I 17 p. 83; b. Goth. IV 5 p. 480 Bonn. Prostitution vornehmer Mädchen, Strab. XI 532; heilige Rinder, Plut. Luc. 24. 2) Hierokaisareia: Tempel, Tac. ann. III 62. Paus. V 27, 5 (derselbe Kult wohl auch VII 6, 6 gemeint); Weihung, Bull. hell. XI 1887, 95 (mit Kaiserkult verbunden); Spiele τὰ μεγάλα Σεβαστὰ Ἀρτεμείσια, ebd. 96; Münzen mit Inschrift Περσική Mionnet IV 48, 249, mit Perseus ebd. 252. Imhoof-Blumer Griech. Münzen 717 Taf. XI 17. 3) Hypaipa: ἱερόν, Paus. V 27, 5; Spiele Artemeisia, Rev. arch. 1885 II 114 nr. 14. 4) Koloe: heiliger Hain, ebd. 107; Weihungen, ebd. Class. Rev. 1889, 69. 5) Magnesia am Sipylos: Asylrecht des Kultes, Bull. hell. XI 1887, 82. 6) Maionia: Heiligtum, Verhandeling. d. K. Akad. Letterk., Amsterd. XVII 1886, 3ff. 7) Philadelpheia: Priester, CIG II 3422; Spiele τὰ μεγάλα Σεβαστὰ Ἀναείτεια, ebd. 3424 = Le Bas III 655; Weihung, Bull. hell. VIII 1884, 376. 8) Sardeis: Priester, Rev. arch. a. a. O. 105; vgl. Σαρδιανή. 9) Zela (Pontos): ἱερόν und Fest Σάκαια, Strab. XI 512. In Lydien mit der Ταυροπόλος identificiert, Paus. III 16, 7.

Ποδάγρα in Lakonien: ἱερόν, Sosibios bei Clem. Alex. Protr. II 38 p. 32 P. Bezeichnet wohl die Jagdgöttin (ποδάγρα = Fussangel). Vielleicht auch die Λυγοδέσμα gemeint; vgl. Wide Lakon. Kulte 129.

Πολύβοια s. o. Kap. IV a 31.

Ποταμία in Syrakus auf Ortygia: ἕδος, Pind. Pyth. II 7; vgl. Diod. V 3, 5.

Πρᾶα in Lebadeia: Weihung Ἀρτέμισιν Πραείαις, IGS I 3101.

Πριαπίνη in Priapos: Tempel, Plut. Luc. 13.

[Προηγέτις in Sidyma: Priester τῶν προηγετῶν θεῶν Ἀρτέμιδος καὶ Ἀπόλλωνος, Benndorf-Niemann Reisen in Lykien 69. Nicht eigentlich als Kultname aufzufassen.]

Πρυθυραία in Epidauros: Weihung, Ἐφημ. ἀρχ. 1884, 27 = Collitz Dial.-Inschr. III 3336. Cavvadias Fouilles d’Épid. I 60, 162; vgl. auch Νικηφόρος.

Προκαθηγέτις in Ephesos: Weihung, Brit. Mus. Inscr. III 147.

[1398] Προκαθηγεμών in Iasos: Rev. des ét. grecq. VI 1893, 159.

Προπυλαία in Eleusis: Tempel, Paus. I 38, 6;. vgl. die Münze Journ. Hell. Stud. VIII 1887, 35 pl. BB 16.

Προσῃώα, Hauptkult von Nordeuboia (wie die Κολαινίς von Amarynthos für Südeuboia), auf dem Vorgebirge Artemision: ἱερόν, Herodot. VII 176; τέμενος, Kaibel Epigr. 461; Tempel, Plut. Themist. 8; über die Lage des Tempels vgl. Lolling Athen. Mitt. VIII 7ff.; Festspiele ebd. 202. Im benachbarten Histiaia-Oreos datierte man nach dem ἱεροθύτης des Tempels, vgl. Wilhelm Arch.-epigr. Mitt. XV 111ff.

Προστατηρία, Aisch. Sieb. 449; vgl. die Inschrift aus Attaleia: ἱέρεια τῆς προεστώτης τῆς πόλεως ἡμῶν Ἀρτέμιδος Ἀσύλου, Petersen-Niemann-Lanckoroński Städte Pamphyliens I 168, 39.

Πρωτοθρονία in Ephesos: Temenos, Paus. X 38, 6; vgl. Kallim. Hymn. Art. 228.

Πυθία im Didymaion bei Miletos: ὑδροφόρος CIG II 2885. 2885 b. c. Bull. hell. I 1877, 288; Weihung, CIG II 2866.

Πυρωνία auf dem Berg Krathis bei Pheneos (Arkadien): ἱερόν, Paus. VIII 15, 9.

Σαμορνίη in Ephesos (soll früher Samorna geheissen haben): Hesych. s. Ἄρτεμι Σαμορνίη.

Σαρδιανή in Sardeis: ἀρχιερεύς und ἱέρεια, CIG II 3459; vgl. Περσεία.

Σαρπηδόνια bei Seleukeia (Kilikien): ἱερόν mit Orakel, Strab. XIV 676.

Σαρωνία, Σαρωνίς in 1) Trozen: ἱερόν am Meere, Paus. II 32, 10. Hesych. s. v.; Fest Σαρώνια, Paus, ebd.; Kultlegende, Paus. II 30, 7. 2) Epidauros: Weihungen, Cavvadias Fouilles d’Épid. I 51f., 85. 57, 128.

Σελασία in Sellasia (Lakonien): Hesych. s. v.

Σελασφόρος in 1) Phlya (Attika): Tempel gemeinsam mit Apollon Διονυσόδοτος, Dionysos Ἄνθιος, den Νύμφαι Ἰσμηνίδες und der Ge (= Μεγάλη θεός), Paus. I 31, 4. 2) Pholegandros: Priester, Rev. arch. 1865 I 126.

Σκιαδῖτις in Skiadis bei Megalopolis: Trümmer eines von Aristodemos gestifteten ἱερόν, Paus. VIII 35, 5.

Σκιρίς in Miletos: A. Βουληφόρος (s. o.) wird nach dem Exegetengeschlecht Σκιρίδαι auch Σκιρίς genannt, Dittenberger Syll. II 391.

Σ[κ]οπελία in Epidauros: Weihung eines πυροφορήσας, Cavvadias Fouilles d’Épid. I 52, 91 (der sich jeder Ergänzung enthält).

Σκυθίη auf Patmos: Weihung einer ὑδροφόρος, Kaibel Epigr. 872 (späte Kultlegende, durch Vermischung der delischen Legende mit der Orestessage hergestellt); vgl. Πατμία.

Σοωδίνα in Chaironeia: Weihung (mit Apollon Δαφναφόριος), Collitz Dial.-Inschr. I 376 = IGS I 3407. )

Στροφαία in Erythrai: Fest, Athen. VI 259 B; das Kultbild gefesselt, Polemon bei Schol. Pind. Ol. VII 95. Danach wäre der Name von στροφεῖον (Strick) abzuleiten (vgl. Ποδάγρα, Λυγοδέσμα) und nicht mit Schreiber (Roschers Lex. I 585) ,Hüterin der Thürangel‘ zu übersetzen.

Στυμφαλία in Stymphalos: ἱερὸν ἀρχαῖον, vergoldetes Xoanon, Fest, Paus. VIII 22, 7f. Steph. Byz. s. Στύμφαλος. Eustath. Il. II 608 p. 302 [1399] 11; das Heiligtum heisst Artemision, Bull. hell. VII 1883, 486f. (Lage desselben, ebd. 490); Kopf lorbeerbekränzt auf Münzen des 4. Jhdts., Journ. Hell. Stud. VII 1886, 103.

Σώτειρα in 1) Akragas: inschriftlich auf Münzen, Brit. Mus. Cat. Coins, Sicily 20. 2) Anaphe (mit Apollon Πύθιος): Weihungen, Collitz Dial.-Inschr. III 3433. 3449ff. Bull. hell. I 1877, 287. 3) Athen: ἱερόν, Ἀρχ. Δελτίον 1890, 115, vgl. Athen. Mitt. XV 346; Decret eines κοινὸν τῶν Σωτηριαστῶν, Ἐφημ. ἀρχ. 1893, 49ff. 4) Boiai: Kult, Paus. III 22, 12 (über den aphroditeartigen Charakter der Göttin von Boiai vgl. Wide Lakon. Kulte 121); Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 67. 5) Daulis: Weihung, Collitz a. a. O. II 1528. 6) Epidauros: Weihung, Cavvadias Fouilles d’Épid. I 110. 268a. 7) Ikonion: als θεοὶ σωτῆρες genannt Angdistis, Μήτηρ Βοηθηνή, die Göttermutter, Apollon und A., CIG III 3993. 8) Itanos: Weihung, Mus. Ital. III 587. 9) Kyzikos (?Kore?): Fest Σωτήρια, Bull. hell. IV 1880, 473. 10) Lartos (Rhodos): Weihungen, IGIns. I 914. 915 a. 11) Loryma: Heiligtum, Benndorf-Niemann Reisen in Lykien u. Karien 22. 12) Megalopolis: ἄγαλμα im Tempel des Zeus Σωτήρ neben dem Kultbild, Paus. VIII 30, 10 (der jedoch gleich darauf 31, 1 versichert, in Arkadien heisse Kore Σώτειρα). 13) Megara: ἄγαλμα von Strongylion (s. u. Kap. VIII), errichtet nach einem Überfall des Mardonios, Paus. I 40, 2f.; Priesterin, IGS I 112. Ἐφημ. ἀρχ. 1886, 234. 14) Pagai: Erzbild, Copie der megarischen Statue, Paus. I 44, 4; Münzen, Journ. Hell. Stud. VI 1885. 57. 15) Pellene: Hain, nur für Priester zugänglich, Paus. VII 27, 3 (man schwört bei A. Σώτειρα). 16) Phigalia: ἱερόν, Paus. VIII 39, 5 (ἄγαλμα ὀρθόν); Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 110 pl. V 9. 10. 17) Rom: Weihung, IGI 963. 18) Spalanthra (Halbinsel Magnesia): ἱερόν Athen. Mitt. XIV 197. 19) Syrakus: inschriftlich auf Münzen, Brit. Mus. Cat. Coins, Sicily 183. 197. 199. 20) Thisbe: Tempel, IGS I 2234; Weihung, ebd. 2232. 21) Trozen: Tempel und ἄγαλμα, von Theseus nach der Besiegung des Minotauros gestiftet, Paus. II 31, 1 (Verbindung mit der Unterwelt); Weihung, Bull. hell. XVII 1893, 93; vgl. auch Anth. Pal. VI 267.

Ταυρική. s. Ταυροπόλος.

Ταυροπόλος, abgekürzt Ταυρώ (Hesych. s. v.), ist durch den Namen als Göttin der seit alters (vgl. die Goldbecher von Vafio, Bull. hell. XV 1891 pl. XIIff.) in Griechenland betriebenen Stierzucht bezeichnet. Die Alten erklarten den Namen verschieden: von dem Stier der Hippolytossage leitet ihn Istros frg. 8 ab, von dem Stier als Symbol des Mondes Apollodoros π. θεῶν frg. 40; am folgenschwersten war die für uns zuerst bei Euripides auftretende Identification mit der Ταυρική Παρθένος (s. o. Kap. IV c 11), wodurch sie auch mit der Iphigeneiasage in Berührung kam, die seitdem unauflöslich mit ihr verbunden blieb. Dass diese Identification gerade auf attischem Boden erfolgte, ist vollkommen natürlich, denn nahe benachbart dem brauronischen Kult der frühzeitig (anscheinend bereits in den Kyprien, Procl. p. 19 Kink.) mit der taurischen Göttin identificierten Frauengöttin A. Ἰφιγένεια im Demos Philaïdai (s. o. Βραυρωνία) lag dort im Demos Halai [1400] Araphenides das Heiligtum der A. Tauropolos (Strab. IX 399). So ward der Bär, eigentlich das Symbol der Stiergöttin (als gefürchteter Feind der Rinderherden; vgl. den Wolf als Symbol des Herdengottes Apollon), auch in den brauronischen Kult eingeführt (s. Artikel Ἀρκτεία). So kam es auch, dass A. in allen Kulten, welche in späterer Zeit das alte taurische, von Orestes und Iphigeneia geraubte Idol zu besitzen vorgaben, als Ταυροπόλος bezeichnet werden konnte. Folgende Kulte der Ταυροπόλος sind danach bezeugt: 1) Amphipolis: Tempel, Liv. XLIV 44; in späterer Zeit in Trümmern, Antip. Thessal. Anth. Pal. VII 705; Fackellauf, Diod. XVIII 4; Münzen (auf einem Stier reitend, mit Fackel, Brit. Mus. Cat. Coins, Maced. 50ff.). 2) Andros: ἱερόν, Ross Inselr. 20. Athen. Mitt. I 240. 3) Aricia: im Hain Artemision ἀφίδρυμα der Ταυροπόλος (der Priester muss seinen Vorgänger erschlagen). Strab. V 239; s. Artikel Diana. 5) Hadrianopolis: Münztypen wie in Amphipolis, Brit. Mus. Cat. Coins, Thrace 118. 5) Halai Araphenides: ἱερόν, Eur. I. T. 1450ff. (beim Feste symbolisches Menschenopfer). Kall. Hymn. Art. 173. Strab. IX 399. 6) Ikaria (Insel bei Samos): Ταυροπόλιον, Strab. XIV 639. 7) Ikaria (Insel im persischen Meerbusen): Ael. n. a. XI 9. Dion. perieg. 610. 8) Kastabala-Hieropolis: das dortige Idol der A. Περασία galt für das von Orestes geraubte taurische Idol, Strab. XII 537. 9) 10) In den beiden Komana stellte man dieselbe Behauptung auf, Strab. XII 535. Paus. III 16, 8. Procop. b. Pers. I 17 p. 83; b. Goth. IV 5 p. 480 Bonn. Robert Arch. Märch. 145. 11) Laodikeia am Meer besass angeblich als Schenkung des Seleukos das echte taurische, von Xerxes aus Brauron entführte Idol, Paus. a. a. a. O. Robert a. a. O. 12) Lemnos: dass die dort verehrte μεγάλη θεός mit der Ταυροπόλος ursprünglich identisch ist, beweist der Kultgebrauch der ἀρκτεία (s. d.), weswegen man auch eine sagenhafte Verbindung zwischen dem brauronischen und dem lemnischen Kult herzustellen suchte; vgl. Preller-Robert I 313, 1. 13) Lyktos: auch den A.-Kult von Lyktos setzt Plutarch de mul. virt. 8 mit dem brauronischen Idol in Verbindung. 14) Magnesia am Sipylos: den Vertrag mit Smyrna beschwören die Magneten u. a. auch bei der Ταυροπόλος, CIG II 3137 (= Dittenberger Syll. I 171) Z. 60. 15) Metropolis (Phrygien): Ehrendecret für eine ἱερασαμένη ἐπιφανῶς θεᾶς Ἀρτέμιδος Ταυροπόλου, Journ. Hell. Stud. IV 64. 16) Mylasa: Priester, CIG II 2699; Ταυροφόνια. Le Bas III 404, vgl. Preller-Robert I 571 Anm. 17) Patmos: Verbindung mit der Orestessage, Kaibel Epigr. 872; vgl. Πατμία, Σκυθική. 18) Pergamon: Schwur bei der Ταυροπόλος, Fränkel Inschr. v. Pergamon I 13. 19) Phokaia: Menschenopfer, Clem. Alex. Protr. III 43 p. 36 P. (vgl. jedoch E. Hiller Herm. XXI 127ff.). 20) Samos: Ταυροπόλιον, Steph. Byz. s. Ταυροπόλιον, vgl. Herodot. III 48. 21) Smyrna: Schwur der Smyrnaeer in dem oben nr. 14 angeführten Vertrag mit Magnesia, Z. 70. 22) Sparta: auch der dortige Kult der Ὀρθία hatte sich in späterer Zeit die taurische Legende angeeignet, Paus. III 16, 8. Vgl. ferner die unter Βραυρωνία genannten Kulte. S. auch Περσεία.

Ταυρώ s. Ταυροπόλος.

[1401] Τοξία(?) in Amyklaion (Kreta): Schwur, Mus. Ital. I 246. III 6f., vgl. III 717.

Τρικλαρία in Patrai: Tempel, früher mit Menschenopfern verbunden, die seit der Einführung des Dionysosdienstes durch Eurypylos aufhörten, Paus. VII 19, 1ff.

Τύχη in Gerasa (Palaestina): inschriftlich auf Münzen Ἄρτεμις Τύχη Γεράσων, Mionnet V 329, 55ff., vgl. Drexler Roschers Lex. I 1628.

Ὑμία bei Orchomenos (Arkadien): ἱερόν, Paus. VIII 5, 11 (alter Kult). 13, 1 (jährliches Fest; Priester und Priesterin); vgl. Diod. XIX 63.

Ὑπομελάθρα(?): Hesych. s. v.

Φαγλε..τίς in Panamara: Weihung, Bull. hell. XII 1888, 268.

Φαινώ in einer Münzaufschrift Φαινος ἐμὶ σῆμα, Arch. Ztg. XXXVII 27ff. (von Fränkel Ephesos zugewiesen); vgl. aber P. Gardner ebd. 184ff.

Φακελῖτις in Rhegion: Tempel von Orestes gestiftet, Idol von Reisig (φάκελον) umgeben, Prob. Verg. ecl. p. 3 Keil: vgl. Λυγοδέσμα.

Φεραία (s. Βριμώ) in 1) Argos: Kultbild angeblich aus Pherai, Paus. I 23, 5. 2) Athen: Kult, ebd. Hesych. s. Φεραία. 3) Issa (Dalmatien): Weihung, CIG II 1837. 4) Pherai: Hauptsitz des Kultus; sie führte dort den Namen Βριμώ; Münzen (A. mit Fackel auf springendem Rosse), Mionnet Suppl. III 305f., 252ff. 5) Sekyon: ἱερόν beim Gymnasion (Kultbild angeblich aus Pherai), Paus. II 10, 7; Münzen, Journ. Hell. Stud. VI 1885, 79 pl. H 17ff.

Φιλείς in Koloe (Lydien): bestraft eine Frau ἰς τοὺς μαστούς, Bull. hell. VIII 1884, 378. S. o. Κολοηνή) und Kap. IV b 21.

Φιλολάμπαδος, Hesych. s. v.

Φιλομεῖραξ in Elis: ἱερόν neben dem Gymnasion, Paus. VI 23, 8.

[Φοίβη in Sidyma: Versweihung, Benndorf-Niemann Reisen in Lyk. u. Kar. 80, 59.]

Φωσφόρος in 1) Athen: Opfer vor der Volksversammlung, CIA II 432. 459; Schwur, Arist. Lysistr. 443; vgl. Eur. I. T. 21. CIA II 794. 2) Augustodunum: Weihung, Kaibel Epigr. 798 = IGI 2524. 3) Byzantion: Tempel auf dem Vorgebirge Metopon, Dionys. Byz. frg. 27 (Geogr. gr. min. II 32). Hesych. Miles. Const. 16. 4) Erythrai: Priester, Dittenberger Syll. II 370, 138. 5) Messene: Statue des Damophon im ἱερόν des Asklepios, Paus. IV 31, 10. 6) Peiraieus: Altar in Munichia, von Thrasybulos errichtet, Clem. Alex. Strom. I 25 p. 418 P.; derselbe wohl auch bei Lysias XIII 24 gemeint.

Χελύτις in Sparta: Clem. Alex. Protr. II 38 p. 32 P. mit abgeschmackter Etymologie. Wohl eher mit Welcker (Griech. Götterl. I 586) von χέλυς (Schildkröte) abzuleiten, wenn auch vielleicht nicht im Sinne einer musischen Göttin, als vielmehr einer Erdgöttin, vgl. Maass bei Wide Lakon. Kulte 130.

Χησιάς auf Samos: Tempel auf dem Vorgebirge Chesion, Herodot. III 48. Kallim. Hymn. Art. 228 mit Schol.; vgl. Kap. IV a 10.

Χιτώνη, Χιτωνία (ionisch Κιθωνέα, Hesych. s. v.), Beiname der brauronischen A. von den ihr dargebrachten Gewändern in 1) Athen auf der Burg: Schol. Kallim. Hymn. Art. 225; Zeus 77. S. o. Βραυρωνία. 2) Im attischen Chitone ebenfalls vorauszusetzen, vgl. Schol. Kallim. Hymn. [1402] Zeus 77. 3) Miletos: Kult von Neleus aus Athen übertragen, ebd.; Fest Νηληΐς, Plut. de mul. virt. p. 253 F, danach Polyaen. VIII 35. 4) Segesta: das von Cic. Verr. IV 34 beschriebene Kultbild wird von Schreiber (Roschers Lex. I 572f.) hierher bezogen. 5) Syrakus: mit Tänzen gefeiert, Athen. XIV 629 E; vgl. Epicharm. bei Steph. Byz. s. Χιτώνη.

Ὦπις, Οὖπις in 1) Ephesos: Alex. Aitol. bei Macrob. sat. V 22 (Auszug Serv. Aen. XI 532). 2) Kreta: Kallim. Hymn. Art. 204f. 3) Sparta: Palaiph. 32. 4) Trozen: Hymnen οὔπιγγοι (Schol. Apoll. Rhod. I 972) oder οὔπιγγες (Poll. I 38); vgl. auch Cic. de deor. nat. III 58. Etym. M. 641, 54ff. Zahlreiche Deutungsversuche, zusammengestellt bei Claus (De antiquiss. Dian. natura 13f.) und Wide (Lakon. Kulte 127f.); am wahrscheinlichsten ist wohl die Kap. III 10 gegebene Erklärung.

Ὡραία im Peiraieus: Weihung, Ἐφημ. ἀρχ. 1884, 69 = CIA II add. 1517 c.


VII. Kultstätten.[2]
A. Griechenland.

a. Attika. 1) Acharnai: Altar (gefunden in Menidi), Athen. Mitt. XIII 340; Weihung (Kalywia von Chassiá), ebd. XII 282. 2) Agrai s. Athen. 3) Athen: Opfer im Poseideon, CIA I 4; Weihung an Apollon Σμινθεύς und A., CIA II 1597; Kuchenopfer an Apollon und A., CIA III 77; Weihung an Apollon Πατρῷος und A., CIA III 176; Priesterin der A. und Leto, CIA III 376; Weihung an die Göttermutter und A., CIA III 207; Münztypen, Journ. Hell. Stud. VIII 34f., s. auch Agraia, Agrotera, Ariste, Aristobule, Bendis, Brauronia, Bulaia, Chitone, Delphinia, Diktynna, Elaphebolos, Epipyrgidia, Ereithos, Eukleia, Hegemone, Hekate, Kalliste, Kelkaia. Kolainis, Kurotrophos, Leukophryene, Lysizonos, Orthia, Pheraia, Phosphoros, Soteira. 4) Athmonon s. Amarysia, Kolainis. 5) Brauron s. Brauronia, Iphigeneia. 6) Chitone s. Chitone. 7) Eleusis: Ziegenopfer, CIA I 5; s. Propylaia. 8) Halai Araphenides s. Tauropolos. 9) Kephales s. Kolainis. 10) Laurion: Weihungen, Athen. Mitt. XII 300. XIX 532. 11) Marathon: Altar, der A. und den Eileithyien geweiht, Athen. Mitt. X 279. 12) Melite s. Athen. 13) Munichia s. Peiraieus. 14) Myrrinus s. Kolainis. 15) Oinoe s. Oinaia. 16) Peiraieus: Weihungen, CIA II 1333. 1661; s. auch Euporia, Horaia, Munichia, Nana, Phosphoros. 17) Philaïdai s. Brauronia. 18) Phila s. Selasphoros. 19)Phyle: Opfer, Ἐφημ. ἀρχ. 1884, 137. 20) Zoster: am Gestade Altar von Athena. Apollon, A., Leto, Paus. I 31, 1. 21) Andere Spuren des A.-Dienstes in Attika gesammelt bei E. Curtius Stud. z. Gesch. der A. (Ges. Abh. II) 5.

b. Boiotien. 1) Anthedon s. Eileithyia. 2) Askra: Weihung, IGS I 1809 = Collitz Dial.-Inschr. I 832. 3) Aulis: Tempel, Paus. IX 19, 6 (wie bei der A. Kolainis jede Art von Opfer zulässig, vgl. v. Wilamowitz Herm. XVIII 257). Dionys. Kalliph. 89; heilige Wiese, Eur. Iph. Aul. 1464; heiliger Hain, ebd. 1545; s. auch Aulis, Iphigeneia, Kolainis. 4) Chaironeia: Priesterin, [1403] IGS I 3430; s. auch Eileithyia, Soodina. 5) Delion: Tempel für A., Apollon, Leto, Paus. IX 20, 1. 6) Haliartos: Priester, IGS I 2850. 7) Lebadeia s. Agrotis, Kora, Praa. 8) Orchomenos: Kult des Aktaion, Paus. IX 38, 5; s. auch Eileithyia. 9) Plataiai: Idealisierung der Aktaionsage, Paus. IX 2, 3. 10) Ptoon: im Kult mit Apollon und Leto vereinigt, Schol. Lyk. 365. Plut. Pelop. 16. 11) Tanagra: Grenzstein eines Temenos. IGS I 548; Tempel, Paus. IX 22, 1 (mit Apollon und Leto); Kultstatue mit Fackel auf Münzen, Brit. Mus. Cat. Coins, Central Greece 66 pl. X 16. Journ. Hell. Stud. VIII 9 pl. X 3. 4. 5; s. auch Aulideia, Eileithyia. 12) Thebai: Weihung (gefunden beim Kabirion), Athen. Mitt. XV 387; vgl. die bei Thebai gefundenen hocharchaischen Vasen Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 221ff. πίν. 9.10; s. auch Alkis, Androkleia, Eukleia. 13) Thespiai: Weihung, Collitz Dial.-Inschr. I 832; s. auch Eileithyia. 14) Thisbe s. Agrotera, Eileithyia, Soteira.

c. Thessalien (Ziegenopfer, Ant. Lib. 13; s. auch Kora). 1) Demetrias: Münzen (A. auf Schiffsvorderteil sitzend), Mionnet III 143, 599. Brit. Mus. Cat., Thessal. 18 pl. III 1. 2) Halos Phthiot. s. Locheia. 3) Hypata: Monat Artemisios, Collitz II 1435. 4) Iolkos s. Iolkia. 5) Korope s. Iolkia. 6) Krannon: Relief, Millingen Anc. uned. mon. II 16. 7) Larisa: Weihung an A. und Athena, Athen. Mitt, XVI 261; s. auch Delphinia, Enodia. 8) Magnesia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 34 pl. VII 2; Monat Artemision, Athen. Mitt. VII 71ff; s. auch Iolkos, Korope, Spalauthra. 9) Melitaia s. Aspalis. 10) Pagasai s. Pagasitis. 11) Am Peneios s. Kynagia. 12) Pherai s. Brimo, Enodia, Pheraia. 13) Spalauthra s. Soteira. 14) Thaumakia s. Thaumakia. 15) Thebai Phthiot.: Weihungen, Collitz II 1464. 1465. 16) Thermopylai: die Bäder der A. heilig nach Soph. Trach. 635ff.

d. Phokis (s. Laphria). 1) Abai: Apollon, A., Leto von Erz im jüngeren Apollontempel, Paus. X 35, 4; Weihung, Collitz II 1513 = Bull. hell. V 1881, 449. 2) Ambrosos s. Diktynna. 3) Daulis s. Soteira. 4) Delphoi, vgl. Heliodor. Aithiop. III 4, 5. Paus. X 12, 2 und oben Kap. IV b 2; s. auch Laphria. 5) Hyampolis: Tempel, nur zweimal im Jahr geöffnet, Paus. X 35, 7 (das A. geweihte Vieh gedeiht besser, ohne Krankheit); Weihung an Apollon und A., Bull. hell. XVIII 1894, 60; s. auch Elaphebolos, Laphria. 6) Kirra: Tempel mit Apollon und Leto gemeinsam, Paus. X 37, 8.

e. Doris. 1) Erineos s. Laphria.

f. Lokris. 1) Antikyra: ἱερόν mit Kultbild von Praxiteles (s. u. Kap. VIII), Paus. X 37, 1; wieder aufgefunden und beschrieben von Lolling Athen. Mitt. XV 229ff., der auch eine dort gefundene Weihung veröffentlicht; s. auch Diktynna.

g. Aitolien (Münzen des aitolischen Bundes, Brit. Mus. Cat., Thessaly etc. 195 pl. XXX 7; s. auch Laphria). 1) Apollonia: Münze Brit. Mus. a. a. O. 200 pl. XXX 14. 2) Kalydon s. Laphria. 3) Naupaktos s. Aitole, Laphria, Hagemo.

h. Akarnanien (Münzen des akarnanischen Bundes, Brit. Mus. a. a. O. 169 pl. XXVII 4. 5). 1) Stratos s. Hagemo.

i. Isthmos und Umgebung (die Tempel [1404] von Demeter, Kore, Dionysos, A. in gemeinsamem Peribolos, CIG I 1104). 1) Megaris: Aigosthena: Münze, Journ. Hell. Stud. VI 59. Megara: Gruppe der Leto mit ihren Kindern von Praxiteles (s. Kap. VIII) im Tempel des Apollon Prostaterios. Paus. I 44, 2; Weihung IGS I 44 = Collitz III 3026; Münzen, Brit. Mus. Cat., Attica 121ff. pl. XXI 14. XXII 2. Journ. Hell. Stud. VI 56 pl. A 10; s. auch Agrotera, Iphigeneia, Koria, Orthosia, Soteira. Pagai s. Soteira. 2) Korinthos, vgl. Kap. IV b 27; Münzen, Brit. Mus. Cat., Corinth 76 pl. XX 1. Journ. Hell. Stud. VI 67f. pl. D 66ff.; s. auch Eukleia, Ephesia. 3) Sekyon, vgl. Kap. IV b 9. 15. 29; archaisches Agalma auf der Akropolis, Paus. II 13, 5, vgl. Journ. Hell. Stud. VI 81; s. auch Limnaia, Munichia, Patroa, Pheraia. 4) Phleius: Grenzstein, Bull. hell. VI 1882, 444 = Collitz III 3171; Münze. Journ. Hell. Stud. VIII 54 pl. FF 19.

k. Argolis. 1) Argos: Weihung, Le Bas II 109 a; Votivrelief der Polystrata, Berl. Mus. Sculpt.-Verz. nr. 682; ὕπνοι ἀποπεμτικοί, Menand. de encom. I 4; vgl. Kap. IV b 29; s. auch Akria, Iphigeneia, Peitho, Pheraia. 2) Epidauros: vgl. Kap. IVb 5. 9; Weihung, Collitz III 3335; Monat Artamitios, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 82; s. auch Enodia, Epekoos, Ephesia, Hekate, Koryphaia, Lysaia, Orthia, Pamphylaia, Prothyraia, Saronia, Skopelia, Soteira. 3) Hermion, vgl. Kap. IVb 27; s. auch Iphigeneia. 4) Kleonai: Münzen, Journ. Hell. Stud. VI 81. VIII 55. 5) Berg Kynortion: gemeinsamer Priester der A. und des Apollon, CIG I 1173. 6) Berg Lykone s. Orthia; am Fuss ein zweiter Tempel der A., Paus. II 24, 5. 7) Methana: Münzen, Brit. Mus. Cat., Pelop. 165 pl. XXX 12.13. Journ. Hell. Stud. VI 99 pl. M 1. 2. 8) Nemea s. Ephodia. 9) Oinoa s. Oinoatis. 10) Thyrea: Votivrelief in Athen, Ann. d. Inst. 1829 tav. C. 11) Trozen: Weihungen, Bull. hell. XVII 1893. 93; Münzen, (Journ. Hell. Stud. VI 96 pl. M 6. Imhoof-Blumer Monn. grecq. 183; vgl. Kap. IVb 9; s. auch Limnatis, Lykeia, Opis, Saronia, Soteira.

l. Lakonien (vgl. S. Wide Lakon. Kulte, Leipzig 1893). S. auch Eleusinia, Parthenos, Podagra. 1) Alagonia s. Kap. IVb 9. 2) Amyklai: archaisches Idol im Amyklaion gefunden, Ἐφ. ἀρχ. 1891, 18; vgl. Kap. IV b 1; s. auch Leukophryene, Patriotis. 3) Boiai: Münze, Mionnet Suppl. IV 230, 54; s. auch Soteira. 4) Dereion ) s. Dereatis. 5) Epidauros Limera s. Limnatis. 6) Gythion: Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 67; s. auch Laphria. 7) Hypsoi s. Daphnaia. 8) Karyai s. Karyatis. 9) Las s. Diktynna. 10) Limnai s. Limnatis. 11) Marios: ἱερόν mit Quellen, Paus. III 22, 8. 12) Pleiai s. Patriotis. 13) Pyrrichos s. Astrateia. 14) Sellasia s. Selasia. 15) Sparta: Monat Artemisios, Thuk. V 19; Ziegenopfer an den Τιτηνίδια. Athen. IV 139 B. vor der Schlacht, Xen. hell. IV 2. 20; Λακ. πολ. XIII 7. Plut. Lyk. 22: Tempel ohne Epiklesis. Paus. III 12. 8; Münzen, Mionnet II 220, 49f. 221, 51ff.; Suppl. IV 223. 25. 28; s. auch Agrotera, Aiginaia, Chelytis, Diktynna, Hegemone, Hekate, Issoria, Knagia, Korythalia, Kyparissia, Lecho, Limnaia, Lygodesma, Mysia, Opis, Orthia, Tauropolos. 16) Teuthrone s. Issoria. 17) Therapne: Kult, Solin. p. 62 Momms.; vgl. jedoch Wide a. a. O. 133.

m. Messenien. 1) Korone s. Paidotrophos. [1405] 2) Messene: Idol mit Schild, Paus. IV 13, 1; s. auch Heleia, Limnatis, Phosphoros. 3) Mothone: ἱερόν, Paus. IV 35, 8; Münze, Journ. Hell. Stud. VII 73 pl. P 13. 4) Thuria: Münze (mit Fackel), ebd. 69 pl. O 23.

n. Elis. 1) Alpheiosmündung s. Alpheioa. 2) Elis s. Elaphia, Episkopos, Philomeirax. 3) Letrinoi s. Alpheiaia, Elaphia. 4) Olympia: Statue im Heraion, Paus. V 17, 3; zwei Altäre ohne Epiklesis innerhalb der Altis (Paus. V 15, 4. 14, 5), einer ausserhalb (ebd. 15, 7); gemeinsamer Altar mit Alpheios, ebd. 14, 6. Schol. Pind. Ol. V 8; s. auch Agoraia, Agrotera, Alpheioa. Daphnia, Elaphia, Kokkoka, Kordaka. 5) Orthia s. Orthia. 6) Skillus s. Ephesia.

o. Achaia (s. – –ερατίς, Lusiatis). 1) Aigeira: Münzen, Brit. Mus. Cat., Pelop. 17 pl. IV 1. Journ. Hell. Stud. VII 93 pl. S 4. 5; s. auch Agrotera, Iphigeneia. 2) Aigion: Tempel an der Agora gemeinsam mit Apollon, ἱερόν auf der Agora, Paus. VII 24, 1; Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 19 pl. IV 16. Journ. Hell. Stud. VI 91 pl. R 21. 22. 3) Dyme s. Nemidia. 4) Patrai: vgl. Kap. IV b 9; s. auch Laphria, Limnatis, Triklaria. 5) Pellene: ἱερόν ohne Epiklesis neben ἱερόν des Apollon Theoxenios, Paus. VII 27, 4; vgl. Kap. IV b 2. 9. Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 32 pl. VI 18. Journ. Hell. Stud. VII 96 pl. S 12; s. auch Soteira. 6) Phelloe, vgl. Kap. IV b 9.

p. Arkadien (vgl. Immerwahr Die arkad. Kulte 140ff.). 1) Äkakesion-Lykosura: vgl. Kap. IV b 7; s. auch Hegemone. 2) Alea: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 177 pl. XXXIII 3. Journ. Hell. Stud. VII 103; s. auch Ephesia. 3) Alorion s. Heleia. 4) Berg Artemision (Grenze nach Argos): Tempel, Paus. II 25, 3. VIII 6, 6; Kultlegende, Apollod. Bibl. II 5, 3, 1ff.; vgl. Ἀρχ. Δελτίον 1888, 116. 1889, 154. 5) Asea s. Hagemo. 6) Heraia: Münzen (mit Darstellung des Kallistomythos), Brit, Mus. a. a. O. 181 ff. pl. XXXIV 7. 10ff. 13. 17. Journ. Hell. Stud. VII 107. Imhoof-Blumer Monn. grecq. 194. 7) Kaphyai: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 178 pl. XXXIII 6. Journ. Hell. Stud. 104 pl. T 14; vgl. Kap. IV b 27; s. auch Knakalesia. 8) Kondylea s. Apanchomene, Kondyleatis. 9) Berg Krathis s. Pheneos. 10) Lusoi s. Hemera, Koria, Lusiatis. 11) Lykoe s. Lykoatis. 12) Lykosura s. Akakesion. 13) Mantineia: Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 98 pl. S 17; vgl. Kap. IV b 4. 14) Megalopolis vgl. Kap. IV b 20; s. auch Agrotera, Ephesia, Soteira. 15) Methydrion: Münzen (Kallistomythos), Wiener Numism. Ztschr. IX 25, vgl. Weil Ztschr. f. Numism. IX 34, 3. 16) Orchomenos: Münzen (Kallistomythos). Brit. Mus. a. a. O. 190 pl. XXXV 15ff. Journ. Hell. Stud. VII 100 pl. S 21ff. Imhoof-Blumer Monn. grecq. 203 pl. E 10; s. auch Hymnia. Kedreatis. 17) Oresthasion s. Hiereia. 18) Orthosion s. Orthosia. 19) Pheneos: Procession der A.-Priesterin von Tegea nach Pheneos, Polyaen. VIII 34: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 195 pl. XXXVI 11f.; vgl. Kap. IV b 27 und o. S. 34; s. auch Heurippa, Pyronia (Krathis). 20) Phigalia: Münzen. Brit. Mus. a. a. O. 197 pl. XXXVI 16. Journ. Hell. Stud. VII 110 pl. V 9. 10; s. auch Eurynome, Soteira. 21) Psophis: Münzen, Mionnet Suppl. IV 291. 105. Brit. Mus. a. a. O. pl. XXXV 15. Journ. Hell. Stud. VII 105 pl. [1406] T 19. 20. 22) Skiadis s. Skiaditis. 23) Stymphalos: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 199 pl. XXXVII 4. 5; s. auch Stymphalia. 24) Tegea: vgl. Kap. IV b 5 und o. S. 35, 2; s. auch Pheneos, Hegemone, Knakeatis. Limnatis. 25) Teuthis vgl. Kap. IV b 1. 26) Thelpusa: Münzen. Mionnet II 257, 77; Suppl. IV 295, 126. 27) Trikolonoi s. Kalliste. 28) Zoitia vgl. Kap. IV b 7.

B. Die Inseln.

1) Aigina, vgl. Kap. IV b 2. 9; s. auch Aiginaia, Aphaia. 2) Anaphe s. Soteira und oben S. 34. 3) Andros s. Ephesia, Tauropolos. 4) Astypalaia: Monat Artamisios, Bull. hell. VIII 1884, 22; s. auch Diktynna, Eukleia. 5) Chios: Monat Artemision, CIG II 2220; Localisierung der Orionsage, vgl. Preller-Robert I 452; s. auch Ephesia. a. Kaukasa s. Kaukasis. 6) Delos: Monat Artemision, Bull. hell. V 1881, 25ff. Dittenberger Syll. II 367; ὑφιέρεια, Bull. hell. XVI 1892, 154; Münze, Brit. Mus. Cat., Crete etc. 99 pl. XXIII 2; Weihung der Nikandre, IGA 407; vgl. Kap. III 8. V 7 und oben S. 34; s. auch Britomartis, Brizomantis, Delia, Hekate, Numenia, Ulia. 7) Euboia. a. Aithopion s. Aithopia. b. Amarynthos s. Amarynthia, Kolainis. c. Artemision s. Agrotera. Proseoa. d. Eretria: ἱερόν, CIG II add. 2144 b. Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 126; Münze, Brit. Mus. Cat., Central Greece 123 pl. XXIII 9; vgl. Kap. IV b 2; s. auch Ὀλυμπία. e. Histiaia–Oreos s. Enodia, Proseoa. f. Tamynai: Fest Artemisia, Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 159; vgl. Kap. IV b 2. 8) Gyaros: Münze, Brit. Mus. Cat., Crete etc. 100 pl. XXIII 7. 9) Ikaria (bei Samos): Münze, Brit. Mus. Cat., Ionia 347 pl. XXXIV 1; s. auch Tauropolos. 10) Ikaria (im persischen Meerbusen) s. Tauropolos. 11) Imbros: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 48; Choix d. monn. pl. I 10. 12) Issa (Dalmat.) s. Pheraia. 13) Ithaka: Temenos mit Tempel, CIG II 1926. 14) Kalaureia: Monat Artemisios, Collitz Dial.-Inschr. III 3380; s. Kap. IV b 27. 15) Kalymna: Monat Artamisios, Bull. hell. VIII 1884, 28; s. auch Elaphia, Laphria. 16) Keos s. Ktesylla. a. Iulis: Weihung, CIG II add 2367 b; Münzen, Brit. Mus. Cat., Crete etc. 96 pl. XXII 15ff. b. Karthaia: Tempel, Nikand. bei Ant. Lib. 1. Mus. Ital. I 219. 17) Kephallenia s. Laphria. 18) Korkyra: Tempel Artemition, Collitz Dial.-Inschr. III 3206, 62; zahlreiche archaische Terracottaidole daselbst gefunden, Bull. hell. XV 1891, 1ff.; Monat Artemitios, CIG II 1845. Collitz III 3206, 98; Weihung, Collitz III 3211; s. auch Eukleia. 19) Kos: Monat Artamisios, Ross Inscr. ined. II 175. a. Halasarna: Weihung. Paton-Hicks Inscr. of Cos 372. 20) Kreta: Weihung. Bull. hell. XIII 1889, 75; s. auch Diktynna, Kresia, Opis. a. Achaia: Münze, Ἐφημ. ἀρχ. 1889, 197. b. Fluss Amnisos, vgl. Kap. IV b 24. c. Amyklaion s. Toxia. d. Aptera: Münzen, Brit. Mus. Cat., Crete 8ff. pl. II 3ff. III 1ff.; s. auch Aptera. e. Arkadia: Monat Artamitios, CIG II 3052. f. Chersonasos: Münzen, Mionnet II 264. 45ff. Brit. Mus. a. a. O. 16 pl. IV 1–3. Mus. Ital. I 765. g. Dreros s. Britomartis und oben S. 34. h. Eleutherna s. Euakoos. i. Gortyn: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 45; s. auch Britomartis und oben S. 34. k. Hierapytna: vgl. Kap. IV b 2; s. auch Leukophryene. l. Itanos s. Leukophryene, [1407] Soteira. m. Keraia: Münze, Mionnet II 264, 44. n. Knosos: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 25f. pl. VI 11; s. auch Britomartis. o. Kydonia s. Diktynna. p. Lasos: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 217. q. Lato: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 54 pl. XIII 10; s. auch Britomartis und oben S. 34. r. Lyktos: vgl. Kap. IV b 2; s. auch Britomartis, Tauropolos. s. Olus: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 60 pl. XIV 12. 13; s. auch Britomartis und oben S. 34. t. Phalasarna: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 66 pl. XVI 7ff. u. Polyrrhenion s. Diktynna. v. Priansos: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 73f. pl. XVIII 8. 10. 12. w. Sulia: Weihung, Mus. Ital. III 739f. 21) Kuphonisi, vgl. Kap. IV b 2. 22) Kypros. a. Chytroi, vgl. Kap. IV b 2. b. Kition: θίασος τῆς Ἀρτέμιδος, Ἐφημ. ἀρχ. 1863, 312; s. auch Paralia. 23) Kythnos: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 98. 24) Lemnos s. Tauropolos. a. Myrina: ἱερόν, CIA II 593 add. 25) Leros s. Leria, Parthenos. 26) Lesbos s. Aithopia. a. Hiera, vgl. Kap. IV b 2. b. Methymna s. Kondyleatis. c. Mytilene s. Euakoos, Thermaia. 27) Leukas: Münzen, Brit. Mus. Cat., Thessaly etc. 179ff. pl. XXVIII 16. XXIX 1. 28) Leuke s. Iphigeneia. 29) Melos, vgl. Conze Mel. Thongef. Taf. 1. 30) Naxos: Monat Artemision, CIG II add. 2416 b; Weihungen auf Delos: colossale Apollonstatue (Athen. Mitt. XVII 42f., 33), Nikandreanathem (IGA 407), φιάλη καρυωτή im Artemision (Bull. hell. X 461). 31) Paros: Münzen, Brit. Mus. Cat, Crete etc. 114ff. pl. XXVI 6. 11ff.; s. auch Eukleia, Parthenos. 32) Patmos: Monat Artemision, Dittenberger Syll. II 402; s. auch Parthenos, Patmia, Skythia, Tauropolos. 33) Pholegandros s. Selasphoros. 34) Rhodos: Monat Artamitios, CIG III p. Vff. IV 8518; s. auch Aristobule, Euporia, Pergaia. a. Kamiros: Spiele Artemitia, IGIns. I 730, 5; vgl. auch Kap. IV b 2. b. Kekoia s. Kekoia. c. Larsos s. Enodia, Euakoos, Soteira. d. Lindos s. Pergaia. e. Nettia, IGIns. I 891, 5ff. 35) Salamis: Münze, Mionnet Suppl. III 605, 71. 36) Samos s. Chesias, Kaprophagos, Tauropolos. 37) Samothrake s. Epekoos. 38) Sicilien: Monat Artamitios, CIG III 5751, 2. 8. 31; s. auch Eleusinia. a. Agyrion: Münzen, Mionnet I 216, 72f. b. Akragas s. Soteira. c. Akrai: Heiligtum Artamition, IGI 217; Monat Artamitios, CIG III 5441. 5456 b 18. 23. d. Amestratos: Münze, Brit. Mus. Cat., Sicily 31. e. Eknomos: Monat Artamitios, CIG III 5479. 5480. 5485. f. Eryx: Monat Artamitios, ebd. 5508. 5510. 5513. 5519. 5521. 5526. g. Hybla: Weihung, ebd. 5735. h. Iaitia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 85. i. Katana: Monat Artamitios, CIG III 5659. 5670. k. Kentoripai: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 56. l. Leontinoi: Monat Artamitios, CIG III 5748 d; Weihung im Artemision auf Delos, Bull. hell. X 1886, 461; vgl. Kap. IV b 2. m. Mamertinoi: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 113. n. Messana: Monat Artamitios, CIG III 5619 g. k. o. Morgantia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 114. p. Ortygia s. Syrakusai. q. Panormos: Monat Artamitios, CIG III 5556. r. Segesta s. Chitone. s. Syrakusai: dreitägiges Fest, Liv. XXV 23. Plut. Marc. 18; Procession mit wilden Tieren im heiligen Haine, Theokr. II 67; Monat Artamitios, CIG III 5377 c. 5380 c; Münzen, Head Coinage of Syracuse pl. XIII 3. 10; s. auch Agrotera, [1408] Angelos, Chitone, Lyaia, Ortygia, Potamia, Soteira. t. Tauromenion: Monat Artamitios, CIG III 5645; s. auch Eukleia. u. Tyndaris s. Eupraxia. 39) Siphnos s. Ekbateria. 40) Syros: Münze, Brit. Mus. Cat., Crete etc. 124. 41) Tenos: Monat Artemision, CIG II 2338, 48. 42) Thasos: Münze, Brit. Mus. Cat., Thrace etc. 225. 43) Thera (= Jagdrevier; hiess früher Kalliste): Priesterin, Ross Inscr. ined. II 215; Monat Artemisios, Dittenberger Syll. II 377; s. auch Leria. 44) Zakynthos: Münzen, Brit. Mus. Cat., Pelop. 100f. pl. XX 13. 14. 17; s. auch Opitais.

C. Das übrige Europa.

a. Italien. [3] 1) Aricia s. Tauropolos. 2) Bruttium: Münzen, Mionnet I 181, 773. Brit. Mus. Cat., Italy 322. 3) Capua: Weihung, Athen. XI 466 E. 489 B; Münzen, Mionnet I 113, 124f. 129. 131. Brit. Mus. a. a. O. 81. 4) Consentia: Münze, ebd. 341. 5) Heneter s. Aitolis. 6) Larinum: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 72. 7) Neapolis: Münzen, ebd. 118f. 8) Metapontion: Münze, ebd. 263. 9) Poseidonia: Münzen, ebd. 277. 282. 10) Rhegion: Münzen, ebd. 380ff.; vgl. Kap. IV b 2; s. auch Phakelitis. 11) Rom s. Aulis, Epekoos, Ephesia, Kyria, Soteira. 12) Thurioi: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 302. 13) Tibur s. Kyria. 14) Vibo Valentia: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 363.

b. Epeiros (Münzen: Brit. Mus., Thessaly etc. 92 pl. XVII 15. XXXII 2. 111 pl. XX 8. 9). 1) Amantia: Münzen, Mon. d. Inst. VIII 32, 6. Imhoof-Blumer Monn. grecq. 137. 2) Ambrakia s. Hegemone. 3) Kelkaion s. Kelkaia. 4) Nikopolis: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 103 pl. XIX 1; s. auch Kelkaia. 5) Paramythia: Tempel (Latein. Weihung), Bull. hell. XVI 1892, 175. 6) Phoinike: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 109 pl. XXXII 11.

c. Makedonien (Monat Artemisios, CIG III 4672; Münzen, Brit. Mus. Cat., Macedonia 7. 16). 1) Amphipolis: Münzen, ebd. 48ff. Mionnet I 464f.; Suppl. III 22f.; s. auch Brauronia, Tauropolos. 2) Apollonia (Chalkid.) s. Elaphebolos. 3) Bottiaioi: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 63. 4) Dion: Münze, ebd. 71. 5) Orthagoria–Stageira: Münze, ebd. 88. 6) Paionien s. Basileia. 7) Thessalonike: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 111.

d. Thrakien (s. Basileia, Bendis, Busbatos). 1) Abdera: Münzen, Gött. gel. Anz. 1880, 31f. (Apollon?). 2) Anchialos: Münze, Brit. Mus. Cat., Thrace 83. 3) Bizya s. Byzantion. 4) Byzantion: Monat Artemeisios, Schol. Pap.; Coalitionsmünze mit Bizya, vgl. Kap. IV b 2; s. auch Eukleia, Orthosia, Phosphoros. 5) Colla: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 193. 6) Deultum: Münzen, ebd. 111ff. 7) Elaius : Münzen, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 46 pl. F 27; Griech. Münzen 529 Taf. I 1. 8) Hadrianopolis: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 118. 120; s. auch Tauropolos. 9) Lysimacheia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 195. 10) Mesembria: Monat Artemisios, Athen. Mitt. IX 221. 11) Neapolis s. Parthenos. 12) Perinthos: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 151. Philippopolis s. Kyria. 14) Serdike: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 174. 15) Traianopolis vgl. Kap. IV b 2.

e) Moesia. 1) Istropolis: Monat Artemision, [1409] Arch.-epigr. Mitt. VI 36. 2) Markianopolis: Münzen Brit. Mus. Cat., Thrace 33. 39. 3) Odessos: Monat Artemisios, CIG II add. 2056 e. 4) Pantalia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 143. 5) Tomoi: Münzen, ebd. 36. 59.

f. Illyria, Dalmatia (s. Delia, Kelkaia). 1) Apollonia: Weihung, Collitz Dial.-Inschr. III 3222; Münzen, Brit. Mus. Cat., Thessaly etc. 59ff. pl. XII 8. 10; s. auch Agrota. 2) Dyrrachion: ἱερόν, Appian. bell. civ. II 60. 3) Pharos: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 81 pl. XIV 12. 13.

g. Bosporos und Sarmatia. 1) Chersonesos Taur.: Münzen, Mionnet I 346, 3. 4. Brit. Mus. Cat., Thrace etc. 1ff. Rev. num. 1892 pl. I 1; s. auch Orsiloche, Parthenos. 2) Olbia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 12. 3) Pantikapaion s. Ephesia, Hekate. 4) Phanagoria: Monat Artemeisios, CIG II 2126 b; Münzen, Mionnet II 333, 6; Suppl. IV 417, 10. Brit. Mus. Cat., Pontus etc. 3 pl. I 6; s. auch Agrotera. 5) Tanais s. Neothyos.

h. Gallia. 1) Augustodunum s. Ephesia, Kresia, Phosphoros. 2) Massilia: Münze, Mionnet I 67f., 37ff. 68, 47ff. 68ff., 50–136; s. auch Diktya, Ephesia. 3) Rhodanusmündung s. Ephesia.

i. Hispania. 1) Emporion. 2) Hemeroskopeion. 3) Rhode s. Ephesia.

D. Africa.

1) Alexandreia: Münzen, Brit. Mus. Cat., Alexandreia 49. 71. 81. 109. 2) Artamis: Ptolem. IV 4, 11, vgl. Svoronos Rev. num. 1892, 212f.: 3) Kyrene s. Agrotera.

E. Asia.

a. Troas und Aiolis (s. Baiiane). 1) Abydos: Münzen, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 261; Choix pl. III 107; Griech. Münzen 620f. Taf. VII 15–18. 20. Rev. num. 1892 pl. IV 13. 2) Adrasteia s. o. S. 34. 3) Kyme: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 272. 4) Lampsakos: Monat Artemision, CIG II add. 3641 b. 5) Magnesia (am Sip.): vgl. Kap. IV b 2. 21; s. auch Perseia, Tauropolos. 6) Sipylos s. Kordaka. 7) Zeleia: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 268; Choix pl. III 112; vgl. Kap. III 21.

b. Mysia. 1) Adramytteion: Weihgeschenke auf Delos, Bull. hell. X 1886, 461. 2) Apollonia (am Rhynd.): Münze, Brit. Mus. Cat., Mysia 12. 3) Astyra s. Astyrene. 4) Gambreion s. Locheia. 5) Germe vgl. Kap. IV b 2. 6) Kyzikos: Weihung, Athen. Mitt. X 208; Monat Artemision, CIG II 3657. Athen. Mitt. VI 45; Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 49 pl. XIII 4. Rev. num. 1892 pl. IV 3 (Aktaionkopf); s. auch Ephesia, Munichia, Soteira, Thermaia. 7) Miletopolis: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 93; vgl. auch CIG III 5944. 8) Panormos: Weihungen, CIG II 3699. Athen. Mitt. IX 25; s. auch Ephesia. 9) Parion: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 100f. 105ff. pl. XXII 5. 14. 10) Pergamon: ἱερόν, CIG II 3537; s. auch Tauropolos. 11) Pitane: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 173. 12) Plakia s. Munichia. 13) Priapos: Münzen, Brit. Mus. ( a. a. O. 176f.; s. auch Priapine.

c. Ionia. 1) Didymaion s. Miletos. 2) Ephesos (vgl. Kap. IV c 6): Münzen, Brit. Mus. Cat., Ionia 53ff. Imhoof-Blumer Griech. Münzen 638; s. auch Epekoos, Ephesia, Kyria, Opis, Phaino, Prokathegetis, Protothronia. 3) Erythrai: Monat Artemision, Dittenberger Syll. I 159; ἱερόν, Bull. hell. VIII 1884, 350; s. auch Kaukasis, Phosphoros, [1410] Stropheia. 4) Klazomenai s. Ephesia. 5) Kolophon: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 40. 42 pl. VIII 9; vgl. Kap. III 5; s. auch Klaria, Kolophonia. 6) Koressos s. Ephesia. 7) Larisa (bei Ephesos) s. Ephesia. 8) Leuke: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 289 pl. E 34. 9) Leukophrys s. Leukophryene. 10) Magnesia a. M. s. Leukophryene, Nikephoros. 11) Miletos (Didymaion): Prophet, Le Bas III 223; ὑδροφόρος, ) ebd. 225. 226; Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 198 pl. XXII 11; vgl. Kap. IV b 2; s. auch Bulaia, Bulephoros, Chitone, Leukophryene, Pythia, Skiris. 12) Ortygia s. Ephesia. 13) Phokaia: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 210 pl. V 6; s. auch Tauropolos. 14) Pygela: Brit. Mus. a. a. O. 228 pl. XXIV 1. 2; s. auch Munichia. 15) Smyrna: Münze, Brit. Mus. a. a. O. 254 pl. XXVII 2; vgl. CIG III 5945; s. auch Ephesia, Tauropolos. 16) Teos: Monat Artamitios, Le Bas III 79; s. auch Ephesia.

d. Lydia. 1) Akrasos s. Ephesia. 2) Aureliopolis: Münzen, Mionnet IV 15, 77; Suppl. VII 323, 49. 3) Dios Hieron s. Ephesia. 4) Hiera Kome: ἱερόν, Polyb. XXXII 27, 11. 5) Hierokaisareia: Münzen, Mionnet IV 48f. Imhoof-Blumer Griech. Münzen 717f.; s. auch Perseia. 6) Hypaipa s. Perseia. 7) Kilbianoi: Fest Artemeisia, Athen. Mitt. XIV 99. 8) Koloe s. Anaitis, Koloene, Perseia, Phileïs. 9) Maionia: Monat Artemisios, Le Bas III 669; vgl. Kap. IV b 2; s. auch Perseia. 10) Mastaura; Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 386. 11) Philadelpheia: Priester, CIG II 3422. Le Bas III 648; s. auch Anaitis, Perseia. 12) Sardeis: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 388; s. auch Koloene, Perseia, Sardiane. 13) Stratonikeia–Hadrianopolis: Münze, Imhoof-Blumer Griech. Münzen 725. 14) Temenothyrai: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 389. 15) Thyateira: Münzen, ebd. 390. Mionnet IV 152f, 863ff. 167, 964. 168, 969f.; s. auch Boreitene.

e. Karien. 1) Amyzon: Münze, Imhoof-Blumer Griech. Münzen 662. 2) Aphrodisias s. Ephesia. 3) Artemision: ἱερόν, Strab. XIV 651. 4) Bargasa s. Ephesia. 5) Bargylia s. Kindyas. 6) Halikarnassos: Monat Artemision, Bull. hell. V 1881, 209ff.; vgl. Kap. IV b 18; s. auch Delias, Parthenos, Pergaia. 7) Herakleia am Salbakos, vgl. Kap. IV b 7. 8) Iasos s. Astias, Elaphebolos, Prokathegemon. 9) Kalynda: Münze, Imhoof-Blumer Monn. grecq. 307. 10) Kedreai s. Kedreatis. 11) Kindye s. Kindyas. 12) Knidos: Monat Artamisios, Le Bas III 79; Münze, Imhoof-Blumer a. a. O. 310; s. auch Hiakynthotrophos. 14) Koraza s. Korazon. 15) Kyon: Münze, Mionnet III 344, 243. 16) Lagina: Weihung, Le Bas III 538; Priesterin, Bull. hell. XI 1887, 147. 17) Loryma s. Soteira. 18) Mylasa: Priester, Le Bas III 373; vgl. Kap. IV b 2; s. auch Tauropolos. 19) Myndos: Kult, Bull. hell. XIV 119. 20) Olymos, vgl. Kap. IV b 2; Monat Artemisios, Athen. Mitt. XIV 371; Priester, ebd. 375; Lage u. s. w., ebd. 367ff. 21) Panamara s. Ephesia, Korazon, Leukiane, Leukophryene, Peldekeitis, Phagle .. tis. 22) Poseidonos Hieron: Monat Artemisios, Le Bas III 483. 23) Sebastopolis: Agalma auf Münze, Imhoof-Blumer Griech. Münzen 673f. Taf. X 9. 10. 24) Stratonikeia: Münze, ebd. 674. 25) Tabai: Münzen, [1411] [1411] Mionnet III 385f. Imhoof–Blumer Monn. grecq. 316; Choix pl. IV 142. 26) Tralleis: Priesterin, Bull. hell. V 1881, 348; Münzen Mionnet IV 187, 1088. 189, 1097f.

f. Lykien (s. Eleuthera). 1) Aperlai s. ἡ ἐν Δειράδι. 2) Araxa, vgl. Kap. IV b 2. 3) Bubon: Münze, Rev. num. 1892, 330. 4) Komba s. Kombike. 5) Massakythos: Münze. Imhoof–Blumer Monn. grecq. 325; Choix pl. IV 150. 6) Milyas s. Kyria. 7) Myra: Weihung, Petersen-v. LuschanReisen in Lykien, Milyas, Kibyratis 38, 71; s. auch Kombike, Myrea. 8) Patara: Münze. Imhoof Monn. grecq. 327; Choix pl. IV 152; s. auch Kombike. 9) Pinara: Kult, Benndorf-Niemann Reisen in Lykien 77 nr. 53 B 15. Rhodiapolis: Münze, Rev. num. 1893, 334. Sidyma: Weihung, Benndorf-Niemann a. a. O. 63; Monat Artemisios, ebd. 75; s. auch Phoibe, Proegetis. 12) Telmessos: ἱερόν, Bull. hell. XIV 1890, 164: Münze, Imhoof–Blumer Monn. grecq. 328f. 13) Tlos: Münze, ebd. 329. 14) Tymena: Münze, ebd. 329 pl. E 15.

g. Pamphylien. 1) Ariassos: Münze, Mionnet III 446, 2. 2) Attaleia, vgl. Kap. IV b 2. 24; s. auch Elaphebolos, Prostateria. 3) Perge s. Asylos, Pergaia. 4) Sillyon: Kult der Ϝάνασσα von Perge s. Petersen-Lanckoroński Städte Pamphyl. I 173, 54, 29.

h. Pisidien, Lykaonien, Galatien. 1) Amblada: Tempel vgl. Ramsay Journ. Hell. Stud. IV 40ff. 2) Ankyra s. Ephesia. 3) Apollonia Pisid.: Priesterin, Bull. hell. XVII 1893, 256f. nr. 36. 4) Baris: Münze, Imhoof–Blumer Monn. grecq. 336. 5) Ikonion, vgl. Kap. IV b 2. 21; s. auch Didyma, Soteira. 6) Isindos: Münze, Imhoof–Blumer Griech. Münzen 696. 7) Kerai: Münze, ebd. 693. 8) Pogla: Münze, ebd. 698. 9) Selge: Münze, Imhoof–Blumer Mon. grecq. 341; Choix pl. V 167. 10) Termessos: Priester, CIG III 4366f.; Kanephoros, ebd. 4362; Münze Imhoof–Blumer Monn. grecq. 345

i. Phrygien. 1) Aizanoi, vgl. Kap. IV b 2. 2) Akmonia: Münzen, Mionnet IV 196, 2f. 198. 21. 3) Antiocheia s. Leukophryene. 4) Eukarpia: Münze, Imhoof–Blumer Monn. grecq. 399. 5) Hierapolis: Münze, ebd. 403. 6) Hyrgalea: Münzen, Imhoof–Blumer Griech. Münzen 740f. 7) Keretapa: Münze, Imhoof–Blumer Monn. grecq. 395. 8) Kidramos s. Ephesia. 9) Kolossai: Münze, Imhoof–Blumer Griech. Münzen 733 Taf. XII 12. 10) Metropolis s. Tauropolos. 11) Mossyra s. Ephesia. 12) Nakoleia, vgl. Kap. IV b 2. 13) Sibidunda: Münzen, Imhoof–Blumer Griech. Münzen 746. Rev. num. 1892 pl. III 5. 14) Stektorion: Münzen, Imhoof–Blumer Monn. Grecq. 412; Griech. Münzen 747. 15) Tiberiopolis: Münze, Imhoof–Blumer Monn. grecq. 414.

k. Bithynien (s. Leukophryene). 1) Kalchedon: Münze, Brit. Mus. Cat., Pontus etc. 126 pl. XXVII 15. 2) Kreteia-Flaviopolis: Münze, ebd. 137 pl. XXIX 6. 3) Nikaia: Münzen, ebd. 175. Imhoof–Blumer Griech. Münzen 603 Taf. VI 10. 4) Nikomedeia: Weihung, CIG II 3768. 5) Prusa s. Ephesia. 6) Tion: Münze, Imhoof–Blumer Griech. Münzen 607 Taf. VI 17.

l. Paphlagonien, Pontos, Kappadokien. 1) Amastris-Sesamos: Münzen, Brit. Mus., Pontus etc. 94 pl. XXI 9. Wiener Num. Ztschr. XXIII [1412] Artemis 1891, 20, 43. 26 Taf. II 43. 2) Amisos: Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 16 pl. III 2. Imhoof–Blumer Griech. Münzen 572 Taf. IV 5. 3) Kaisareia-Mazaka: Didrachmon, Rev. num. XIII 1895, 71 pl. III 9. 4) Komana s. Tauropolos. 5) Sesamos s. Amastris. 6) Sinope; Münze, ebd. 100 pl. XXIII 5. 7) Zela s. Perseia.

m. Kilikien. 1) Amanon: Localisierung der Orestessage, Steph. Byz. s. Ἄμανον. 2) Anazarbos-Kaisareia s. Anazarbos. 6) Kasa: Münze Mionnet III 553, 82; vgl. ebd. 80. 3) Anemurion: Münzen, ebd. III 558, 108f. 4) Hieropolis s. Kastabala. 5) Kaisareia s. Anazarbos. 6) Kasa: Münze (Hekate ?), Imhoof-Blumer Griech. Münzen 705. 7) Kastabala-Hieropolis: Münzen Imhoof-Blumer Monn. grecq. 353f. pl. H 6. 7; s. auch Perasia, Tauropolos. 8) Mopsuestia: Münze (Sabina als A.), ebd. 361. 9) Seleukeia, vgl. Kap. IV b 16; s. auch Sarpedonia. 10) Selinus: Münzen, Mionnet III 608, 331. Ztschr. f. Numism. XVII Taf. II 8. 11) Tarsos: Kaisermünzen, Mionnet III 650, 575. 651, 586. 654, 600.

n. Syrien, Palaestina (s. Ephesia). 1) Antiocheia s. Eleusinia. 2) Beroia s. Kalliste. 3) Gerasa s. Tyche. 4) Laodikeia: Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 60f. pl. N 11. 12; s. Kyria, Tauropolos. 5) Neapolis Samar. s. Ephesia. 6) Seleukeia: Monat Artemisios, CIG III 4463.

o. Babylonien, Armenien, Persien. 1) Akisilene s. Perseia. 2) Artemita, Strab. XVI 740. 3) Azara, vgl. Kap. IV b 5. 4) Borsippa s. o. S. 34. 5) Persien s. Anaitis, Perseia, Zaretis.


VIII. Kunstdarstellungen.

Eine auf umfassender Durcharbeitung des in Museen und Publicationen gegebenen Materials beruhende Behandlung der A.-Darstellungen in der Kunst giebt es nicht; auch an einer annähernd vollständigen Zusammenstellung der verschiedenen Typen fehlt es bis jetzt. Eine ganz summarische Übersicht findet sich bei Preller-Robert I 333ff.; völlig ungenügend, auch in Einzelheiten unrichtig, ist dagegen der Artikel von Schreiber Roschers Lexikon I 594. Es kann demnach im folgenden nur versucht werden, aus dem ohne umfangreiche Vorarbeiten zugänglichen Material die Hauptpunkte hervorzuheben.

A. Archaische Kunst.

1. Ältere Periode. a) Das Ideal der A. Wie in allen alten Götterkulten der Griechen ist auch in dem der A. eine Zeit für uns erkennbar, wo die Gottheit unter dem Bilde formloser, d. h. noch nicht menschliches Aussehen zeigender Idole verehrt wurde. Idolen dieser Art, die in späteren Zeiten erhalten waren, zollte man als Resten urältester Gottesverehrung besondere Ehrfurcht. So zeigte das neben einem kegelförmigen Idol des Zeus Meilichios in Sekyon aufgestellte Bild der A. Patroa die Form eines Pfeilers [κίων), Paus. II 9, 6; ähnlich vielleicht in Argos, Paus. II 19, 7 (die Überlieferung unsicher); ein roher Holzbalken war die ikarische A. nach Arnob. VI 11. Den Übergang zu menschlicher Gestaltung der Gottheit bilden dann die durch Hinzufügung von Kopf und Gliedmassen menschenähnlich gemachten Idole. In dieser Art werden wir uns das Bild der A. Lygodesma in Sparta (Paus. III 16, 9ff.) vorstellen müssen, bei dessen Anblick nach der altspartanischen [1413] Kultlegende die Finder Astrabakos und Alopekos wahnsinnig wurden, – an ein völlig anikonisches Idol hätte sich eine solche Legende schwerlich angesponnen; von dieser Art waren wohl auch die verschiedenen für das taurische von Orestes und Iphigeneia entführte Idol ausgegebenen Kultbilder (s. o. Kap. VI unter Ταυροπόλος), sowie die dem Daidalos zugeschriebenen Xoana in dem kretischen Olus (Paus. IX 40, 3. Solin. II 8) und dem karischen Monogisa (Steph.) Byz. s. v.). Ein Beispiel giebt uns das auf Delos geweihte A.-Bild der Nikandre in Athen (Cavvadias Κατάλ. ἀρ. 1), abgebildet Bull. hell. III 1879 pl. I. Roscher Lex. I 598. Overbeck Plastik⁴ I 96; vgl. auch das Terracottarelief in Neapel, Röm. Mitt. 1891 Taf. VIII. Ferner gab es auch in den Kulten der meist mit A. identificierten asiatischen Naturgöttinnen Kultbilder, die bis in die späteste Zeit einen Typus dieser Art festhielten; so kennen wir aus Münzbildern die altertümlichen Idole der A. von Perge (Mionnet III 460ff. Head HN 585, vgl. o. Kap. IV c 10), der Leukophryene von Magnesia a. M. (Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia pl. XIX 4–7; auch das nach Pausanias III 18, 9 von Bathykles in Amyklai geweihte Bild der Göttin muss sich an diesen Typus angeschlossen haben), der Kindyas von Bargylia (Imhoof–Blumer Griech. Münzen Taf. X 3) und endlich das auf zahlreichen Münzbildern (z. B. Imhoof–Blumer a. a. O. VII 12. VIII 20), aber auch statuarisch (Beispiele Clarac 561, 1195. 1198. 562 B, 1198 B. 563, 1199. Matz-Duhn 665. 666) erhaltene Bild der A. von Ephesos. Das letztere trägt mit seiner Häufung der Symbole durchaus orientalisches Gepräge; ein Holzbild der A. in Ephesos schrieb man dem Endoios zu (Athenag. Leg. p. Christ. XIV 61. Plin. n. h. XVI 214), doch ist der Typus zweifellos älter.

Vollkommen menschlich gebildet haben wir uns bereits die A.-Darstellungen des Tektaios und Angelion (Athenag. Leg. p. Christ. XIV 61), sowie des Dipoinos und Skyllis (Xoanon der A. Munichia in Sekyon, Clem. Alex. Protr. IV p. 42 Pott.; vgl. Plin. n. h. XXXVI 10, dazu v. Rohden Arch. Ztg. XXXIV 1876, 122f.) vorzustellen. In den erhaltenen Darstellungen dieser Periode erscheint A. häufig geflügelt; so zeigt sie ein im Amyklaion gefundenes Bleiidol (Ἐφημ. ἀρχ. 1891, 18) und eine sf. Vase in Neapel (S. A. 120, von Heydemann ungenügend beschrieben, besser von Furtwängler Roschers Lex. I 2213: Dreifussraub); besonders oft in der Auffassung als Herrin der Tierwelt (πότνια θηρῶν), die ihr unterworfenen Tiere bei Kopf, Beinen oder Schwanz packend: so am Kypseloskasten (Panther und Löwe), wo sich Pausanias (V 19, 5) über die seiner Zeit nicht mehr geläufige Beflügelung wundert; fernere Beispiele sind: 1) altgriechisches (nicht etruskisches) Relief aus Grächwyl (Arch. Ztg. 1854 Taf. LXIII 1. Friederichs-Wolters 237: vier Löwen, zwei Schlangen, Raubvogel, zwei Rehe), 2) Bronzerelief aus Olympia (Olympia, Bronzen Taf. XXXVIII: zwei Löwen), 3) Thonplatte im Mus. Kircheriano (Helbig Führer II 375, 221: Löwe und Panther), melisches Vasenfragment aus Thera (Berlin 301, abg. Arch. Ztg. a. a. O. Taf. LXI: Löwe), altboiotischer Kasten (Berlin 306: zwei Gänse), 6) 7) korinthische Pinakes (Berlin 907. 908: Vierfüssler), [1414] 8) korinthisches Alabastron, Berlin 1009 (ebd. LXIII 6: zwei Schwäne), 9) Françoisvase auf beiden Henkeln (Wien. Vorlegebl. 1888 Taf. IV 1 c d: einmal mit zwei Löwen, das anderemal mit Panther und Hirsch), 10) Gemme (Micali Mon. Ined. I 23: zwei Löwen), 11) Terracottastatuette aus Capua (Arch. Ztg. a. a. O. LXII 1: zwei Löwen; vgl. auch das Thonrelief freien Stils ebd. 2), 12) Reliefvase aus Chiusi (Micali Storia XXI 2: zwei Panther). So wird auch die auf einem von zwei Rehen gezogenen Wagen fahrende Flügelfigur einer spät-sf. Lekythos des Louvre (Élite céram. II 9) als A. zu deuten sein; ebenso wahrscheinlich auch die sog. Nike des Archermos im Nationalmuseum zu Athen (Cavvadias Κατάλ. 21, abg. Bull. hell. 1879 pl. 6. 7; vgl Robert Herm. XXV 1890, 449; Führer d. Archäol. Mus. Halle nr. 59), dessen Söhne Bupalos und Athenis für Chios und Lasos A.-Bilder arbeiteten (Plin. n. h. XXXVI 12). Auch ungeflügelt ist die Darstellung der πότνια θηρῶν nicht selten; Beispiele: 1) geometrische Vase aus Theben Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 221ff. πίν. 10: zwei Löwen, über diesen links ein Stierkopf, rechts ein Stierfuss, 2) melische Vase im Nationalmuseum zu Athen (Conze Mel. Thongef Taf. IV. Overbeck Atlas zur Kunstmyth. XIX 7: Hirsch), 3) Thonrelief aus Mykenai (Arch. Ztg. XXIV 1866 Taf. A: zwei Löwen), 4) Thonlampe aus Tarsos (Arch. Ztg. XI 1853, 305*: zwei Löwen), 5) sf. Amphora des Nikosthenes im Vatican (Mus. Greg. II 27, 2 [33, 2]. Klein Meisters.² 56, 8. Helbig Führer II S. 281: zwei Löwen), 6) sf. korinthisch-attische Amphora Campanari (Gerhard Auserl. Vasenb. I 26 = Élite céram. II 27: Löwe); auch gehört hierher der reiche Terracottenfund von Korkyra, Bull. hell. XV 1891, 1ff. (vgl besonders 82f.).

Neben der allgewaltigen Herrin der Tierwelt aber steht schon seit alter Zeit die frohgemute Jägerin; dies lehren Beispiele wie das Relief aus Pleiai (Arch. Ztg. XL 1882 Taf. 6, 1), ein korinthyscher Aryballos des Berliner Museums (abg. Arch. Jahrb. I 1886, 146) und eine Bronzestatuette ebenda, vermutlich aus Dodona (abg. ebd. II 1887, 204). Vereinzelt, aber ungemein wichtig und mit Unrecht kürzlich (Petersen Röm. Mitt. IX 262) angezweifelt, ist die hocharchaische Darstellung der Göttin als einer Gebärenden auf einer boiotischen Vase (abg. Ἐφημ. ἀρχ. 1892 πίν. 9, vgl. Wolters ebd. 224ff.).

Die Göttin ward in dieser Periode stets vollbekleidet dargestellt; sie trägt meist den dorischen Peplos, dazu auch nicht selten einen weiten Mantel; weniger häufig erscheint sie im ionischen Chiton (Beispiel: sf. Hydria-Durand 14. Gerhard Auserl. Vasenb. I 20. 21 = Élite céram. II 50), ganz vereinzelt in dem später so häufigen kurzen Jagdkleide (auf dem obenerwähnten Relief aus Pleiai). Gewöhnlich hat sie langes, hinten aufgelöst herabfallendes Haar, seltener geordnete Frisuren (Krobylos: sf. Amphora in Wien, K. K. Hofmus., Élite céram. I 6); bisweilen fallen Locken über die Schultern nach vorn (Beispiele: Gerhard Auserl. Vasenb. I 17. 137. Élite céram. II 11). Im Haar liegt häufig eine Binde oder ein Diadem; vereinzelt trägt sie einen Helm (Niobidenvase in Corneto, Antike Denkm. I 22; Pariser Tityosvase, Mon. ed Ann. d. Inst. 1856 Tav. X [1415] 1); ihr gewöhnlichster, fast ständiger Kopfschmuck aber ist in dieser Periode eine hohe, mit Parallelstreifen und Zacken auf mannigfache Weise verzierte Mütze (Beispiele: Gerhard Auserl. Vasenb. I 15. 101. 137. Élite céram. I 57. II 11. 25. III 41), welche in einer Darstellung der Athenageburt (Amphora Brit. Mus. Élite céram. I 65 A) auch die inschriftlich bezeichnete Ηιλείθυα trägt, die also damit doch wohl als A. Eileithyia bezeichnet werden soll. Als Attribute führt A. entweder Bogen und Pfeil in Händen, den Köcher auf dem Rücken, oder sie spendet dem Bruder aus einer Kanne in die vorgestreckte Schale.

b) In mythischen Scenen. Eine Reihe von Sagen, in denen A. handelnd auftritt, ist bereits in der ältesten Kunst gestaltet worden. 1) Ob sich das Bild einer späten sf. Lekythos im Cabinet des Médailles zu Paris (Élite céram. II 1A) auf den Pythonkampf bezieht, wie ich noch oben S. 96 annahm, ist zum mindesten unsicher: zwischen zwei Säulen, auf deren jeder eine Eule sitzt, steht eine vollbekleidete Frau, auf jedem Arm ein in einen Mantel gewickeltes Kind (Geschlecht nicht unterscheidbar) haltend; man könnte hier ebenso gut wie an Leto auch an Nyx mit Hypnos und Thanatos denken (die Eule ein Nachtvogel!). Sonst nimmt A. auf Denkmälern dieser Periode teil an den Kämpfen gegen 2) Tityos: am amyklaeischen Thron (Paus. III 18, 15); Fragment von der Akropolis zu Athen (Ἐφημ. ἀρχ. 1883 πίν. 3 = Overbeck Atlas z. Kunstmyth. XIX 8); Amphora Campana, Louvre (Mon. ed Ann. d. Inst. 1856 tav. X 1 = Overbeck a. a. O. XXIII 2); 3) die Niobiden: Amphora in Corneto (Antike Denkm. I 22); 4) Idas und Marpessa (?): chalkidische Amphora (Luynes Descr. pl. 6. 7. Mon. d. Inst. II 18. Élite céram. II 59. 60); 5) die Giganten: zwei gleiche Amphoren in Wien, K. K. Hofmus. (Sacken-Kenner 193B 46. Laborde Vases Lamberg Introd. p. XIV. Millingen Anc. uned. Mon. I 9. Élite céram. I 6); 6) bei Aktaions Bestattung: boiotische Pyxis in der Samml. d. Arch. Gesellsch. zu Athen 3354, abg. Athen. Mitt, XV Taf. VIII S. 240ff (Bethe). Häufiger noch ist A. zuschauend gegenwärtig bei mythischen Scenen, zu denen sie keine unmittelbare Beziehung hat, so bei der Apotheose des Hyakinthos am Hyakinthosaltar zu Amyklai (Paus. III 19, 4), bei der Zurückführung des Hephaistos (Françoisvase, Wien. Vorlegebl. 1888 Taf. 3), der Geburt der Athena (als Entbindungsgöttin; Beispiele Élite céram. I 57–59. 62. 65 A), beim Streit des Apollon und Herakles um den Dreifuss (Liste Overbeck Kunstmyth. Apollon 394ff.), um den Hirsch (Gerhard Auserl. Vasenb. 101), bei Herakles mit dem Eber (Amphora München 694), bei Herakles Apotheose (Amphora Northampton, Gerhard a. a. O. 137; Amphora Berlin 1870. Gerhard Etr. u. Camp. Vas. Taf. XVIII. XIX u. s.; vgl. die Liste bei Overbeck a. a. O. 50). Am allerhäufigsten aber begegnen wir ihr in der Gesellschaft des Apollon (reiche Listen bei Overbeck a. a. O. 42ff.), teils allein, teils im Verein mit anderen Göttern; da lauscht sie bald bewundernd dem Saitenspiele des Bruders, bald giesst sie dem feierlich zum Opfer Schreitenden die Spende ein, bald begleitet sie mit ihm und anderen Göttern die so beliebten Wagenzüge, die einer bestimmten mythischen [1416] Deutung spotten, obwohl man sie oft für Hochzeitszüge erklärt hat (Furtwängler zu Berlin 1872. 1891. 1892. 1893 für Hochzeit des Peleus und der Thetis).

Einige archaistische Reliefs, die auf dem Typengut der archaischen Kunst beruhen und deswegen hier erwähnt werden können, sind oben S. 90 aufgeführt.

2. Jüngere Periode. a) Das Ideal der A. Auch in der Periode der heranreifenden Kunst bringt die Überlieferung eine Reihe von Künstlernamen mit A.-Darstellungen in Verbindung. Gitiadas verfertigte für das Amyklaion eine unter einem Dreifuss aufgestellte A.-Statue (Paus. III 18, 8. IV 14, 2). Menaichmos und Soidas waren die Künstler des Goldelfenbeinbildes der A. Laphria in Kalydon, das sich später durch eine Schenkung des Augustus in Patrai befand (Paus. VII 18, 10); eine Nachbildung dieses Werkes hat Studniczka (Röm. Mitt. III 1888, 277ff.; zugestimmt haben Furtwängler Olympia, Bronzen 21 und Wolters Athen. Mitt. XIV 133f., ablehnend verhält sich Overbeck Plastik⁴ I 255) in der zu Pompeii gefundenen A.-Statuette (Röm. Mitt. III Taf. X. Overbeck a. a. O. 254, vgl. Friederichs-Wolters nr. 442) nachgewiesen, von der sich eine Replik in Venedig befindet (Dütschke V 309. Friederichs-Wolters nr. 443. Clarac IV 561, 1196), vgl. auch die Darstellung eines Wandgemäldes in dem antiken Haus der Farnesina (Mon. d. Inst. XII 29, 1) und auf Münzen des Augustus (Cohen Méd. imp. I 287, 171f. 177); als Weiterbildung ist die A.-Figur des Spadareliefs (Braun Taf. 3. Schreiber Die hellenist. Reliefb. Taf. V) anzusehen. Ferner sind noch zu nennen Praxias und Androsthenes, die im Vordergiebel des delphischen Apollontempels Apollon, A. und Leto mit den Musen darstellten (Paus. X 19, 4); Chionis von Korinth, der in einer mit Diyllos und Amyklaios zusammen für Delphoi gearbeiteten Gruppe des Dreifussraubes die A. verfertigte (Paus. X 13, 7); Arkesilas von Paros (ἄγαλμα der A., Diog. Laert. IV 45); Kritonidas von Paros (ἄγαλμα auf einer Säule, der A. geweiht, Loewy Inschr. griech. Bildh. nr. 6). Das ältere Kultbild des Brauronion, das dieser Periode angehörte, wird wahrscheinlich von den auf der Akropolis gefundenen Terracotten wiedergegeben, vgl. Winter Arch. Anz. 1893, 146f.; ein attisches Kultbild derselben Zeit giebt auch das Athen. Mitt. V 1880 Taf. X publicierte Reliefbild einer Thonschale wieder (vgl. dazu Robert Arch. Märch. 156). Zu Kritios und Nesiotes setzt Furtwängler Meisterw. 76 die selinuntische Metope (s. u.) in Beziehung.

Die Göttin erscheint in dieser Zeit stets lang bekleidet, und zwar meist mit dem damals modernen ionischen Chiton und einem darüber fallenden Mantel angethan; Beispiele ausser der Statue aus Pompeii häufig auf streng-rf. Vasen: Gerhard Auserl. Vasenb. I 22. 24. 27. 30. 78. 146. 147. Élite céram. II 10. 18. 19. 58. 99. Wien. Vorl. VI 7 u. s., auch auf dem Fries vom Siphnierschatzhaus (s. u. S. 1418, 15). Seltener trägt sie den dorischen Peplos; Beispiele Élite céram. I 64. II 36. 57. Bisweilen hat sie über das Gewand eine Nebris gegürtet (Beispiele Mon. d. Inst. I 20. Athen. Mitt. V 1880 Taf. X). Sehr selten erscheint [1417] sie noch geflügelt: nolanische Amphora der Ermitage 1732, nolanische Hydria aus Terranuova (abg. Klein Lieblingsinschr. 77), Kanne der Sammlung Dutuit. (Froehner Mus. de France pl. 4). Haartracht und Kopfschmuck sind sehr mannigfaltig; einfach lang herabfallendes Haar finden wir verhältnismässig selten (Beispiele: Münze von Heraia Arkad., Brit. Mus. Cat. Coins, Pelop. pl. XXXIV 7. Gerhard Auserl. Vasenb. I 27. 146. 147. Élite céram. II 58; Andokidesvase Berlin 2159), bisweilen wie bei der pompeianischen A. (s. o.) in Verbindung mit Schulterlocken; häufig ist das Haar hinten in einen Haarbeutel oder Schopf zusammengefasst (Beispiele: Münzen von Arkadien, Brit. Mus. a. a. O. pl. XXXI 10. 11. 12. 14. 15; streng-rf. Vasen Gerhard a. a. O. I 3. 4. Masner Vasen und Terrac. d. K. K. Österr. Mus. 331), an dessen Stelle bisweilen ein richtiger Krobylos tritt (Beispiele: arkad. Münze Brit. Mus. a. a. O. 13; streng-rf. Vasenbilder Mon. d. Inst. I 20. Gerhard a. a. O. I 22); vereinzelt finden wir das Haar zu einem Flechtennest zusammengesteckt (Münze von Phokaia, Brit. Mus. Cat. Coins, Ionia pl. V 6); auch gekräuselte Löckchen über der Stirn kommen vor (Münze von Heraia, s. o.; Durisvase, Wien. Vorlegebl. VI 7). Daneben tritt auch eine Frisur auf, bei der das Haar vom Scheitel nach allen Seiten gekämmt und hinten aufgenommen ist, so dass eine Art Rundkopf entsteht (Gerhard a. a. O. I 24. 30 u. ö.); dazu ist das Haar bisweilen über der Stirn gescheitelt und unter die Binde gesteckt (so auf arkadischen Münzen, Brit. Mus. Cat., Pelop. XXXI 16–20). Auch die Binden, mit denen das Haar aufgebunden ist, sind sehr verschiedenartig; bald sind sie einfache umgelegte Bänder, bald am Hinterkopf mit einer Schleife versehene sog. Schleifenbinden (Gerhard a. a. O. 146. 147. Berlin 2318), haW auch dreifache Binden (Gerhard a. a. O. I 3. 4. 30); daneben finden wir jene haubenartig sich nach hinten verbreiternde Binde, die man als Sphendone zu bezeichnen pflegt (Gerhard a. a. O. I 26. Élite céram. II 19 u. s.), sehr häufig auch in dieser Zeit eine wirkliche den ganzen Hinterkopf bedeckende Haube (Gerhard a. a. O. I 78. Luynes Descr. pl. XXV. Athen. Mitt. V 1880 Taf. X. Élite céram. II 57. 99. Wien. Vorlegebl. VI 7 [Duris]. VIII 3 [Brygos]. 1888 Taf. VIII 7. Mon. d. Inst. XI 33). Ausser Binde und Haube findet sich auch ein Diadem (Élite céram. II 58. Österr. Mus. 331 Masner; vgl. auch die Statuette aus Pompeii), oft mit Blättern besteckt (arkad. Münzen, Brit. Mus. a. a. O. 18. 19. Gerhard a. a. O. I 27. 76. Mon. d. Inst. I 20. Élite céram. II 32); seltener erscheint A. bekränzt (Gerhard a. a. O. I 22 [Euthymides?]. Berlin 2159 [Andokides]).

In weitaus den meisten Fällen ist A. in ruhiger Haltung stehend dargesteUt; doch fehlt auch das Schreiten, wie es sich für die rüstige Jägerin ziemt, nicht ganz. Ich erinnere an das Werk des Menaichmos und Soidas in Patrai; in eilender Bewegung finden wir A. auch auf dem Teller des Sikanos (Röm. Mitt. III 1888 Taf. I); besonderes Interesse bietet eine nolanische Amphora des Cabinet des Méailles zu Paris (Luynes Descr. pl. XXV = Élite céram. II 18; eine der Glaukonvasen), die auf der einen Seite die eilig dahinschreitende [1418] Gestalt der A. (Bogen mit der Linken vorgestreckt, während die Rechte aus dem auf dem Rücken hängenden Köcher einen Pfeil entnimmt), auf der anderen eine ganz in den Mantel gewickelte weibliche Figur zeigt, die eine brennende Fackel hält: zweifellos ist hier ein Kultbild und seine Anbeterin gemeint, woraus erhellt, dass schon damals für Kultbilder der A. ein so bewegtes Schema denkbar war.

b) In mythischen Scenen. Von eigentlichen A.-Mythen finden wir in dieser Periode folgende dargestellt: 1. Aktaion: α) Metope von Selinus (Benndorf Taf. 9 u. ö.); β) nolanische Amphora (Micali Storia 100, 1). – 2. Gigantomachie: α) Fries vom Schatzhaus der Siphnier in Delphoi (Comptes rendus de l’acad. des inscr. 1894, 358); β) Krater aus Altamura im Brit. Mus. (Heydemann 6. Hall. Winckelmannsprogr. 1881 Taf.). – 3. Orion: auf diesen Mythos ist wahrscheinlich das Bild einer nolanischen Amphora aus Girgenti (Élite céram. II 58) zu deuten, wo Apollon mit einem Palmbaum und A. mit Bogen und Pfeil auf einen ins Knie gesunkenen bartlosen Mann (Fellchlamys, Fellmütze) eindringen. – 4. Tityos: α) Amphora des Louvre (von Euthymides?, abg. Gerhard a. a. O. I 22. Élite céram. II 56). β) Vase der Sammlung Rogers (Ann. d. Inst. II tav. H = Élite céram. II 57).

Sonst erscheint A. auch in dieser Periode am häufigsten in Gemeinschaft mit Apollon: im Gespräche mit ihm als Innenbild einer Schale des Brygos im Louvre (Wiener Vorlegebl. VIII 3); auf einem Viergespann, daneben Apollon mit Leier und Schale, Stamnos der Sammlung Pizzati in Florenz (Gerhard a. a. O. I 76); dem Apollon die Leier haltend, Lekythos des Mys aus Tanagra im Nationalmuseum zu Athen (Δελτίον ἀρχ. 1888, 126); meist mit einer Kanne dem Apollon gegenüberstehend (Gerhard a. a. O. I 24. 27. 78. Berlin 2206 = Élite céram. II 10), ihm einschenkend (Gerhard a. a. O. I 29. Élite céram. II 19), bisweilen über einem Altar (Gerhard a. a. O. I 30. Élite céram. II 32. Masner nr. 331). Als zuschauende Nebenperson finden wir A. bei zahlreichen Scenen: 1. Geburt der Athena: Pelike der Sammlung Beugnot, später Hope (Gerhard a. a. O. I 3. 4 = Élite céram. I 64). – 2. Dreifussstreit: α) Giebel des Siphnierschatzhauses in Delphoi (Compt. rend. a. a. O.). β) Gruppe des Diyllos, Amyklaios und Chionis in Delphoi (Paus. X 13. 7). γ) Amphora des Andokides, Berlin 2159 (Gerhard Trinksch. u. Gef. Taf. XIX). δ) Schale im Vatican (Mus. Greg. II 85 [88]). ε) Napf, Berlin 2318; vgl. die Liste bei Overbeck Kunstmyth. Apollon 400ff. – 3. Herakles Einführung in den Olymp: α) Stamnos der Sammlung Fontana (Gerhard A. V. 146. 147). β) Sosiasschale (Antike Denkm. I 9. 10), vgl. o. S. 96. – 4. Idas und Marpessa: Lekane aus Agrigent in München 745 (Mon. d. Inst. I 20. Overbeck K.-M. Atlas XXVI 6), vgl. o. S. 95. – 5. Alexandros und Menelaos Zweikampf: Durisschale im Louvre (Wien. Vorlegebl. VI 7). – 6. Bisher nicht genügend erklärte Scene, Schale des Museums zu Corneto (Mon. d. Inst. XI 33), vgl. Ann. d. Inst. 1881, 168ff. (G. Körte). Arch. Ztg. XLII 1884, 72. Verh. Philol.-Vers. Görlitz 290ff. (Engelmann). – 7. Hochzeitsscene: Pyxis im Louvre (Wien. Vorlegebl. 1888 Taf. VIII 7).

[1419]
B. Kunst der Blütezeit.

1. Ältere Periode (Zeitalter des Pheidias).

a) Das Ideal der A. Das 5. Jhdt. ist für die Entwicklung des A.-Ideals von besonderer Bedeutung gewesen. Die auch uns geläufigsten Haupttypen der späteren Zeit gehen auf diese Periode zurück; besondere Verdienste haben sich dabei die attischen Kunstschulen erworben. Von Pheidias selbst ist uns zwar nur eine A.-Darstellung und auch diese nur litterarisch bekannt (Relief am Thron der Zeusstatue zu Olympia, Paus. V 11, 2: Tötung der Niobiden; auf diese Darstellung führt Furtwängler Meisterw. 68 einige römische Reliefs zurück, mit immerhin beachtenswerten Gründen); aber einige der erhaltenen Darstellungen atmen so sehr den Geist seiner Kunst, dass sie uns dafür Ersatz bieten können. Ein Kultbild aus der Zeit und dem geistigen Bannkreis der älteren Periode des Pheidias giebt eine Statue der Villa Albani wieder (Helbig Führer II 849.: Clarac 678 F, 1621 B); die Göttin, in der für Pheidias so charakteristischen Stellung leicht bewegter Ruhe dargestellt, hält auf der Hand ein Hirschkalb (der antike Kopf der Statue ist nicht zugehörig, aber dem Stile nach ungefähr passend). Etwa derselben Zeit und Kunstrichtung gehören die beiden schönen bei Furtwängler a. a. O. 89 abgebildeten Köpfe der Sammlung Barracco (Helbig Taf. 37 als Ephebenkopf bezeichnet) und der Ermitage an, die dieser wohl mit Recht mit der von ihm nachgewiesenen Athena Lemnia des Pheidias in stilistischen Zusammenhang bringt. In den Kreis der Parthenos fuhrt ein Terracottarelief der Sammlung Gréau (Froehner 1084), jetzt im Berliner Museum (Inv. 8294), abgebildet Arch. Anz. 1892, 107; doch sind hier bereits spätere Zuthaten beigemischt. Auch das Votivrelief des Sohnes des Bakchios im Nationalmuseum zu Athen (Le Bas 49, 1. Overbeck Atlas XX 16. Friederichs-Wolters nr. 1131) gehört hierher; leider ist der Kopf der A. nicht erhalten. Neben Pheidias ist Alkamenes zu nennen, der, wie Paus. II 30, 2 berichtet (ἐμοὶ δοκεῖν), die Hekate zuerst dreigestaltig bildete, ein Werk, das als Ἐπιπυργιδία auf dem Nikepyrgos aufgestellt war und also A. Ἑκάτη darstellte (s. o. Kap. VI). Nach Petersens sorgfältiger Sammlung und Sichtung der erhaltenen Hekataia (Arch.-epigr. Mitt. IV 1880, 140ff. V 1881, 1ff.) kann man sich das Aussehen der Hekate des Alkamenes in seinen Hauptzügen vorstellen: es waren drei um einen Pfeiler, an den sie sich mit dem Rücken lehnten, gruppierte ruhig stehende Frauengestalten, angethan mit dem in dieser Epoche für A. üblichen (s. u.) dorischen Peplos; ob sie einen Mantel trugen, ist zweifelhaft; ebenso ob sie ohne Attribute dargestellt waren oder (worauf auch der Beiname Φωσφόρος führt) eine Fackel und eine Schale trugen: einige altertümliche Züge, wie der Polos auf dem Kopfe und die Schulterlocken, waren beibehalten. Über die Bedeutung der Dreigestalt s. den Artikel Hekate. Aus dem Kreise des Pheidias sind ferner zu nennen der ältere Praxiteles (Gruppe der zwölf Götter im Tempel der A. Soteira zu Megara, Paus. I 40, 3) und Kolotes (in der Götterversammlung am Kranztisch zu Olympia, Paus. V 20, 2). Von attischen Künstlern dieser Periode legte endlich Strongylion die [1420] Grundzüge eines Typus fest, der in der Folgezeit lebhaften Anklang und reiche Ausbildung fand: den der ihr Jagdgebiet fröhlich durchstreifenden Jägerin. Die von Pausanias I 40, 3 erwähnte Erzstatue der A. Soteira in Megara, von der sich nach Paus. I 44, 4 in Pagai eine Copie befand, lässt sich auf Münzen von Megara (Journ. Hell. Stud. VI 56 pl. A 1) und Pagai (ebd. 57) nachweisen ; A. war im kurzen Chiton dahineilend dargestellt, mit Fackeln in den Händen; von hier bis zur A. des Praxiteles in Antikyra (s. u.) war nur ein Schritt, die weitere Entwicklung führt zur A. von Versailles. Ein attisches Werk aus der ersten Hälfte des 5. Jhdts. ist auch die sogenannte Hera Farnese (Overbeck Atlas z. Kunstm. IX 1. 2), die bereits Conze (Beitr. z. griech. Plast. 1ff.) mit Recht als A. gedeutet hat (vgl. die selinuntische Aktaionmetope); Furtwängler Meisterw. 77, 1 schreibt sie der Schule des Kritios und Nesiotes zu; die jungfräuliche Herbigkeit der Gesichtszüge und die mädchenhafte Haartracht (das von einem Bande umschlossene Haar ist über der Stime gescheitelt und rollt leicht wellig in den Nacken) ist für Hera ebenso ungeeignet wie für A. passend und bezeichnend. Unter den Parthenonsculpturen finden wir A. zweimal: auf einer der sehr zerstörten Ostmetopen (Michaelis Parthenon Taf. V nr. XII; vgl. Robert Arch. Ztg. XLII 1884, 52ff.) und in der Götterversammlung des Ostfrieses. Die Deutung der einzelnen Götterfiguren ist hier allerdings strittig. Furtwängler (Meisterw. 191) erkennt A. nach Gerhards Vorgang in der gewöhnlich Peitho genannten Figur neben Aphrodite; obwohl die Haube für A. sehr passend wäre (s. u.), muss ich diese Deutung wegen der für diese Zeit bei A. unerhörten Entblössung des Busens für ausgeschlossen halten. Ich sehe daher mit Flasch (Zum Parthenonfries 48ff.) A. in der mit einem jugendlichen Gotte (Apollon, s. o. S. 97) gruppierten Figur mit der Fackel (Brunn-Bruckmann Taf. 107); auch hier trägt A. den Peplos, dazu noch einen Mantel, und hat, wie die meisten Gottheiten des Frieses, kurze Haarfrisur. Im Fries von Phigalia (Overbeck Atlas XX 15) finden wir A. auf einem von Hirschen gezogenen Wagen als Wagenlenkerin des Apollon im Kentaurenkampf; auch hier trägt sie den Peplos; der Kopf ist leider zerstört. Der attischen Kunst dieser Zeit gehört auch das schöne Kasseler Relief (Friederichs-Wolters nr. 1202) an, ferner ein Votivrelief in Villa Panfili (Matz-Duhn 3773. Overbeck Atlas XXII 22); auch wäre die nach Paus. I 26, 4 von den Söhnen des Themistokles auf der Akropolis geweihte Erzstatue der A. Leukophryene hier zu erwähnen, obwohl wir über ihr Aussehen nicht unterrichtet sind. Die Auffassung der grossen attisch-ionischen Malerei endlich spiegelt sich in einigen Vasenbildern wieder, wie der Gigantenvase aus Melos im Louvre (Mon. grecs 1875 pl. I. Wiener Vorlegebl. VIII 7), Berlin 2645 (Élite céram. II 44) u. s.: A. erscheint hier in jagdmässigem Costüm, mit Stiefeln und kurzem buntgesticktem Chiton.

Aus dem Kreise peloponnesischer Kunst werden uns drei Künstler genannt: Dionysios von Argos verfertigte für Olympia eine zu den Weihgeschenken des Mikythos (um Ol. 80 = 460) gehörige A.-Statue (Paus. V 26, 2); Dameas, ein [1421] Schüler des Polykleitos, schon an der äussersten Grenze unserer Periode, arbeitete in dem grossen nach der Schlacht von Aigospotamoi in Delphoi aufgestellten Weihgeschenk der Lakedaimonier die Statuen der A., des Poseidon und des Lysandros (Paus. X 9, 8).

Als ein Werk peloponnesischer Kunst ist von erhaltenen Darstellungen das aus Argos stammende schlichte Votivrelief der Polystrata im Berliner Museum nr. 682 (Le Bas Mon. fig. 102, 1) zu betrachten; einige schöne arkadische Münztypen (Brit. Mus. Cat. Coins, Pelop. pl. XXXI 21. 22. 24) stehen sichtlich unter dem Einfluss der zeitgenössischen attischen Kunst.

In der Tracht der A. herrscht am Anfang dieser Periode noch der aus der vorigen überkommene ionische Chiton mit Knöpfärmeln (Beispiele: Relief Villa Panfili, Matz-Duhn 3773; Vasenbilder des ,älteren schönen‘ Stils, Élite céram. II 12; mit einem Mäntelchen, Berlin 2407. 2380 = Arch. Ztg. XLII 1884 Taf. 13. Mon. d. Inst. XI 42, 1. Berichte Sächs. Gesellsch. 1875 Taf. III b). Allmählich gewinnt jedoch der dorische Peplos wieder Geltung und wird zur fast ausschliesslichen Tracht der A. Beispiele: Statue Villa Albani, Clarac 678 F, 1621 B. Fries von Phigalia. Relief der Polystrata, Le Bas 102, 1. Vasenbilder des ,jüngeren schönen‘ Stils, Élite céram. II 8. 26. 92. Berlin 2531 (Wiener Vorlegebl. I 5: Aristophanes und Erginos). 2633 (Gerhard Apul. Vasenb. Taf. C). 2634 (Wiener Vorlegebl. I 7, 1: Kadmosvase). Gerhard Antike Bildw. 59. Mon. d. Inst. Suppl. XXII. Oesterr. Mus. 342 Masner (Taf. VII). Meist wird er ohne Mantel getragen, seltener findet sich ein mantelartiges Obergewand (Parthenonfries; Relief Le Bas 49, 1; vgl. Élite céram. II 90); die Gürtung wird durch den Überschlag verdeckt in dem attischen Typus, Clarac IV 569, 1214 A (s. o.). Gegen das Ende der Periode kommt dann auch unter dem Einfluss der Malerei der gestickte Chiton auf, bald kürzer, bald länger, bald mit, bald ohne Mantel getragen (Élite céram. II 44. 45. Wiener Vorlegebl. VIII 7). Das kurze Jagdcostüm endlich, von dem sich Spuren bereits in der archaischen Kunst (s. o.) fanden, tritt für die Folgezeit bedeutsam hervor in dem Werk des Strongylion und findet sich vereinzelt auch schon auf Vasenbildern dieser Zeit (Arch. Ztg. XVIII 1860 Taf. CXXXVIII 2).

Mit der lebensvolleren Darstellung der Gestalt geht auch die tiefere Durchbildung und schärfere Charakterisierung des Kopfes Hand in Hand. Dem stolzen, spröden Ernst der farnesischen Büste stellt sich würdig der strenge, finster schöne Kopf der Diktynna mit den tiefliegenden Augen und dem festgeschlossenen Munde zur Seite, wie wir ihn auf Münzen von Phalasarna (Brit. Mus. Cat., Crete pl. XVI 7–9) finden. Im allgemeinen jedoch herrscht, dem Kunstcharakter der Epoche entsprechend, eine schlichte, milde Auffassung vor, wie sie die Figur des Parthenonfrieses, der Kopf Barracco, das Relief der Polystrata und zahlreiche Vasen zeigen. Das lang herabhängende Haar der archaischen Zeit kommt nur noch selten vor (auf Vasen, z. B. Élite céram. II 12. Mon. d. Inst. Suppl. XXII. Berlin 2634 [Wiener Vorlegebl. I 7, 1]. 2407); am gewöhnlichsten ist eine Rundkopffrisur : das Haar ist über der Stirn gescheitelt, [1422] an den Seiten wellenförmig zurückgestrichen, hinten einfach aufgenommen und von einer Binde zusammengehalten (Kopf Barracco, Parthenonfries, Relief der Polystrata, arkadische Münzen [Brit. Mus. a. a. O. Pelop. pl. XXXI 22] u. s.); oder es ist am Hinterkopf zum Knoten geschürzt (Arch. Ztg. XLII 1884 Taf. 13. Wiener Vorlegebl. I 5. Gerhard Ant. Bildw. 59. Élite céram. II 8. 26. 44. 45); einfach in den Nacken gestrichen ist es bei der sogenannten Hera Farnese. Neben der einfachen Haarbinde kommt auch die doppelte (Élite céram. II 26) und die dreifache (Münzen von Phalasarna, s. o.) vor; häufig ist das Haar in eine Sphendone gefasst (Élite céram. II 92. Mon. d. Inst. IV 48. XI 42, 1. Gerhard Apul. Vasenb. Taf. C. Brit. Mus. a. a. O. Pelop. XXXI 21); auch eine wirkliche Haube kommt vor (Mon. d. Inst. XI 40. Österr. Mus. 363 Masner u. s.). Die farnesische Büste trägt ein Diadem, ebenso einige A.-Darstellungen auf Vasen (Élite céram. II 90. Berlin 2407), auch mit Blättern bekrönt (Élite céram. II 8. 12. Wiener Vorlegebl. VIII 7. Sächs. Ber. 1875 Taf. III b u. ö.). Neben den gewöhnlichen Attributen des Bogens und Köchers tritt jetzt immer häufiger die Fackel hervor (Parthenonfries, A.-Hekate des Alkamenes, Relief der Polystrata; auf Vasen z. B. Élite céram. II 8. Wiener Vorlegebl. I 7, 1. Mon d. Inst. Suppl. XXII).

b) In mythischen Scenen. 1. Pythonkampf s. o. S. 99. – 2. Gigantomachie: α. Ostmetope des Parthenon, vgl. Arch. Ztg. XLII 1884, 52ff. β. Schale des Aristophanes und Erginos (Berlin 2531, abgeb. Wiener Vorlegebl. I 5). γ. Amphora aus Melos im Louvre (Mon. grecs 1875 pl. I. Wiener Vorlegebl. VIII 7). Auf den Vasen kämpft A. mit zwei Fackeln; ähnlich war es wohl auch auf der Metope. – 3. Kentaurenkampf: Fries von Phigalia, s. o. – 4. Aktaion: Krater aus Vico Equense (Mon. d. Inst. XI 42, 1: A. hält eine Fackel, während Λύσα im Beisein Δίος drei Hunde auf Aktaion hetzt). – 5. Niobiden: α. Relief des Pheidias am Thron des Zeus zu Olympia, s. o. β. Schale im Britischen Museum (Ber. Sächs. Gesellsch. 1875 Taf. III b). γ. Amphora Laborde (Élite II 90: A., mit der Rechten einen Pfeil aus dem Köcher nehmend, verfolgt mit vorgestrecktem Bogen eine fliehende Frau, die ein kleines Mädchen auf dem Arme trägt; die Deutung der Herausgeber S. 294ff. ist wertlos). δ. Krater malerischen Stils aus Orvieto (Mon. d. Inst. XI 40). – 6. Erlegung, des Hirsches: α. Marmorrelief in Kassel (Friederichs-Wolters 1202: A. hat den Hirsch ereilt und zückt den Speer auf ihn). β. Pelike Blacas (Arch. Ztg. IV 1846 Taf. 46. Élite céram. II 92: A. stösst im Beisein von Zeus und Apollon mit der Fackel nach der hingesunkenen Hirschkuh, die sie bei den Ohren fasst; vgl. Furtwängler Meisterw. 190f.). – 7. Auf der Hirschkuh reitend ist A. dargestellt auf einer Schale des ,jüngeren schönen‘ Stils im K. K. Hofmuseum zu Wien (Übersicht nr. 685. Laborde Vases Lamberg II 26. Élite céram. II 8: sie reitet auf einen Altar zu und hält eine Fackel).

Mit Apollon wird A. auch in dieser Zeit häufig gruppiert (z. B. Reliefs: Le Bas 49, 1. Overbeck Atlas XXII 22; Vasen: Élite céram. II 12. 26. 44. 45. Berlin 2407. Gerhard Ant. Bildw. [1423] 59); auch als Zuschauerin mythischer Scenen finden wir sie nicht selten dargestellt, z. B. bei Orestes in Delphoi (Arch. Ztg. XVIII 1860 Taf. CXXXVIII 2. XLII 1884 Taf. 13), Wettstreit zwischen Apollon und Marsyas (s. Artikel Marsyas), Kadmoa Drachenkampf (Berlin 2634. Wiener Vorlegebl. I 7, 1), Parisurteil (Berlin 2633. Gerhard Apul. Vasenb. Taf. 0).

2. Jüngere Periode (Zeit des Praxiteles und Skopas). a) Das Ideal der A. Das A.-Ideal des 4. Jhdts. trägt im wesentlichen den Stempel praxitelischen Geistes. Wir haben litterarisch von vier A.-Darstellungen des Praxiteles Kunde. Zweimal stellte er die Gruppe der drei delphischen Gottheiten Apollon, Leto und A. dar: in deren Tempel zu Mantineia (Paus. VIII 9, 1) und im Apollontempel zu Megara (Paus. I 44, 2); von der Gruppe in Mantineia, deren Basisreliefs erhalten sind, ist nichts wieder aufgefunden, und bisher sind auch keine Nachbildungen nachgewiesen worden; dagegen finden wir die megarische Gruppe auf Münzen der Stadt abgebildet (Journ. Hell. Stud. VI 56 pl. A 10. Overbeck Kunstmyth. Apollon Münztaf. X 3; Plastik⁴ II 44): alle drei Gottheiten standen ruhig da, Apollon in der Mitte, zu seiner Linken A. in langem Gewande, mit der Linken den Bogen haltend, mit der Rechten nach dem Köcher auf ihrem Rücken greifend, um einen Pfeil herauszunehmen. Erhalten wir auf diese Weise nur eine schattenhafte Vorstellung von dem Werke, so giebt uns doch das Münzbild die Möglichkeit, auch statuarische Nachbildungen aufzufinden. Nun zeigt ein in zahlreichen Copien erhaltener, also auf ein berühmtes Original zurückgehender A.-Typus die Göttin in Gewandung und Bewegung genau mit dem Münzbild übereinstimmend; das besterhaltene Exemplar befindet sich im Dresdener Albertinum (abg. Furtwängler Meisterwerke Taf. XXIX), eine gute Wiederholung auch im Berliner Museum (nr. 60); manche Exemplare sind durch falsche Ergänzungen entstellt (als Athena im Museo Chiaramonti. Clarac 268, 883, vgl. 471, 899; als Muse in Villa Borghese, ebd. 516, 1050): A. steht ruhig da mit linkem Standbein, angethan mit dem dorischen Peplos ohne sichtbare Gürtung, in der gesenkten Linken den Bogen haltend, mit der Rechten über die Schulter nach dem Pfeil greifend; der Kopf (abg. Furtwängler a. a. O. S. 555) zeigt einen durchaus praxitelischen, der knidischen Aphrodite verwandten, jedoch mehr mädchenhaften Charakter; das Haar ist einfach gescheitelt und zurückgestrichen und am Hinterkopf zu einem Knoten vereinigt. Bereits Furtwängler (a. a. O. S. 554) schrieb das Original direct dem Praxiteles, und zwar dessen älterer Periode, zu; ich stehe nicht an, hier die megarische A. des Künstlers zu erkennen. Eine dritte A.-Darstellung des Praxiteles war das jüngere Götterbild des Brauronion auf der Akropolis zu Athen (Paus. I 23, 7). Auf dies Werk hat nicht ohne Wahrscheinlichkeit Studniczka (Vermutungen z. griech. Kunstgesch., Wien 1884, 18ff.; vgl. Robert Arch. Märch. 144ff. Studniczka Herm. XXII 1887, 494ff.; zugestimmt hat u. a. Furtwängler a. a. O. 138, 1. 190. 553, ablehnend verhält sich Overbeck Plastik⁴ II 40) die A. von Gabii im Louvre (Froehner Notice 97) zurückgeführt; römische Repliken sind [1424] die Statuen im Pal. Doria (Matz-Duhn 675. Clarac 573, 1227) und in Villa Massimi (Matz-Duhn 676); ein ähnlicher Kopf auf Münzen des Seleukos II. (Brit. Mus. Cat. Coins, Seleucid Kings VI 7). Die überaus anmutige Bewegung der jugendlich zarten Figur mutet schon stark hellenistisch an; ist also Studniczkas Hypothese richtig, so wird man die Brauronia in die spätere Periode des Künstlers setzen müssen. A. ist in kurzem amazonenhaftem Chiton dargestellt, wie sie im Begriff steht, sich auf der rechten Schulter den Mantel zu befestigen; das Haar ist wellig zurückgestrichen (Vorstufe zur Frisur des sogenannten Brunnschen Kopfes). Das Motiv des Gewandumlegens ist vielleicht eine mit feinem künstlerischem Geschmack erfundene discrete Anspielung auf das Umlegen des Kultgewandes; Klein (Arch. Jahrb. VII 1892, 144) scheint hier nur das Walten eines sonderbaren Zufalls zu sehen. Die vierte A.-Darstellung des Praxiteles ist ein Colossalbild im A.-Tempel zu Antikyra; die Göttin hatte nach Paus. X 37, 1 in der Rechten eine Fackel, den Köcher auf dem Rücken, und zu ihrer Linken lief ein Hund nebenher (παρὰ δὲ αὐτὴν κύων ἐν ἀριστερᾷ). Der von Michaelis (Arch. Ztg. XXXIV 1876, 168) versuchte Nachweis, mit diesen Worten sei vielmehr gemeint, der Hund habe sich zur Linken des Beschauers, also zur Rechten der Göttin befunden, ist verfehlt, wie ich in anderem 30 Zusammenhange darzulegen hoffe; die Wiedergabe der Statue auf einer Münze von Antikyra (abg. Arch. Ztg. a. a. O. Journ. Hell. Stud. VIII 20 pl. Y 17. Ztschr. f. Num. VI 15. Rev. num. 1843 pl. X. Overbeck Plastik⁴ II 45) kann nicht für ihn entscheiden: A. ist hier von ihrer rechten Seite gesehen, sie schreitet in lebhafter Bewegung vorwärts, auf ihrem Rücken ist der Köcher sichtbar, zu ihrer Linken springt ein Hund; sie hält jedoch die Fackel in der Linken, in der Rechten aber einen Bogen. Michaelis erklärt diese Abweichung dadurch, dass die Münze das Kultbild im Gegensinne darstelle, der Hund sei also zur Rechten der Göttin gewesen; ebenso möglich und nach den Worten des Pausanias wahrscheinlicher ist die Erklärung, dass der Stempelschneider bei der einzig für ihn verwendbaren Ansicht von rechts die Fackel, welche an der Colossalstatue nicht störend wirkte, in dem kleinen Münzbild als Attribut der Rechten lästig fand, da sie so einen Teil des Oberkörpers verdeckte; er vertauschte also die Attribute, während er dem Hunde seine Stelle neben dem linken Bein der Göttin beliess. Die A. von Antikyra steht in starkem Gegensatz sowohl zu der noch von der Tradition der Pheidiasschule beeinflussten Statue von Megara, wie zu der selbständigen, frei und anmutig erfundenen Brauronia, und zeigt, wie der grosse Künstler von seinen Vorgängern zu lernen verstand, bevor er sein Ideal der Göttin aus eigener Individualität schuf; sie lehnt sich ohne Frage an die A. des Strongylion an; Gewandung und Haartracht sind beidemal gleich, und die Bewegung ist sehr verwandt; aber wenn dort das Einherstürmen durch die wohl kultlich geforderte Beigabe der Fackel nicht hinreichend motiviert schien, so stellte Praxiteles für alle Zeit den Typus der frei dahineilenden Jägerin fest. Er ist es, der damit dem Ideal der A. diejenige Fassung gegeben hat, in [1425] der es der römischen Welt und damit auch uns Modernen am geläufigsten geworden ist.

Ausser diesen bezeugten Werken des Praxiteles hängen noch mehrere der erhaltenen A.-Typen mit praxitelischer Kunst zusammen. Das praxitelische Motiv der mit Entlastung der Spielbeinseite verbundenen Ausbiegung der Hüfte verwendet eine aus Larnaka (Kition) stammende Marmorstatuette des k. k. Hofmuseums zu Wien (Arch. Ztg. XXXVIII 1880 Taf. 17. Jahrb. d. kunsthist. Samml. d. Allerh. Kaiserhauses V Taf. I. II [R. v. Schneider]), deren Original auch auf Münzen von Eukarpia (Arch. Ztg. a. a. O. Mon. d. Inst. 1883 Tav. 57 B 3) und Tiberiopolis (Imhoof–Blumer Monn. grecq. 414, 164) wiedergegeben erscheint. A. steht ruhig da (rechtes Standbein) mit dem linkem Ellbogen auf ihr eigenes archaisches Idol gelehnt; sie trägt einen über dem Überschlag gegürteten dorischen Peplos, über den das Köcherband hinläuft; ein Zipfel des Mantels fällt über die linke Schulter nach vorn, dann geht der Mantel über den Rücken und ist in mittlerer Höhe nach vorn genommen, wo er über den linken Arm geworfen ist. Der Kopf mit seinen zarten Formen und der schlichten Haartracht ist der megarischen A. des Praxiteles nahe verwandt. Hier schliesst sich unmittelbar ein Kopftypus an, dessen bekanntestes Exemplar der antike der A. Colonna (Berlin 59, abg. Friederichs Praxiteles u. d. Niobegruppe, Tafel; danach Roschers Lex. I 605) aufgesetzte Kopf ist; weitaus schöner giebt aber den Typus der vortreffliche Kopf aus Kyzikos im Dresdener Albertinum wieder (abg. Arch. Anz. 1894, 6; besser Rev. arch. XXV 1894 pl. XVII. XVIII): die über der Stirn gescheitelten und in reichen Wellen in den Nacken fallenden Haare sind von einer einfachen Binde umschlossen. Eine von S. Reinach (Rev. arch. a. a. O. 283) zu dem Typus gerechnete Statue, gefunden auf Lesbos, befindet sich in Konstantinopel (abg. Americ. Journ. of Arch. 1885. pl. IX, mir nicht zugänglich). Wenn R. v. Schneider (Übersicht d. kunsth. Samml. d. Allerh. Kaiserhauses 81 nr. 108) wegen der unleugbaren Verwandtschaft mit den Köpfen dieses Typus den von Benndorf für Aphrodite erklärten Kopf aus Tralleis im Wiener Hofmuseum (Arch.-epigr. Mitt. IV Taf. I. II) als A. bezeichnet, so kann ich ihm darin nicht beistimmen; die stilistische Übereinstimmung deutet zwar auf den gleichen Ursprung hin, aber die Verschiedenheit im Charakter zwischen jenen Köpfen und dem Wiener Kopfe verlangt auch eine verschiedene Benennung: dort A., hier Aphrodite. Einen weiteren, der praxitelischen Schule angehörigen Typus bietet die A. Colonna (s. o.), deren Kopf zu dem soeben besprochenen Typus gehört. Die Berliner Statue ist nur eine von zahlreichen Wiederholungen des Typus, z. B. in Rom Pal. Borghese (Matz-Duhn 673), Villa Tomba (ebd. 674), Villa Panfili (Clarac 568, 1209 B), Villa Mattei (ebd. 564 A, 1214 B), Vatican (ebd. 572. 1222, schiessend ergänzt); eine dieser Wiederholungen besitzt, worauf zuerst Furtwängler (Arch. Anz. 1889, 10, vgl. Athen. Mitt. XIV 1889, 134) aufmerksam gemacht hat, den zugehörigen Kopf, nämlich eine Statue im Vatican (Helbig Führer II 37. Visconti Mus. Pio-Clem. I 29. Clarac 564, 1207. Braun Vorschule z. Kunstmyth. Taf. 54): die Göttin trägt hier in dem gescheitelten [1426] Haar ein Diadem. Die Tracht ist die der megarischen A. des Praxiteles; aber während diese ruhig steht, schreitet die A. Colonna leicht dahin; so ist auch die Bewegung der Hände eine andere; die leicht nach vorn gehobene Linke ist mit dem Bogen zu ergänzen, die Rechte ist seitwärts gestreckt – sie hat eben den Pfeil abgeschossen. Die schreitende, langgewandete A. war uns schon einmal in der Laphria des Menaichmos und Soidas begegnet; als eine Weiterbildung dieses Werkes im Sinne des 4. Jhdts. sieht Studniczka (Röm. Mitt. III 1888, 278) den Typus Colonna mit Recht an. Wenn Wolters Athen. Mitt. 1889, 133f. unter Zustimmung Helbigs (a. a. O.) daran die Vermutung knüpft, das Original sei vielleicht die A. Laphria des Damophon in Messene (s. u.), so beruht diese verlockend klingende Combination leider auf der früheren irrigen Zeitbestimmung des Damophon (s. d.). Auf Praxiteles in seiner späteren Zeit führt endlich Furtwängler Meisterw. 558 noch einen schönen A.-Typus zurück, von dem er zwei Vertreter namhaft macht, einen Marmortorso des Museo Chiaramonti (Clarac 573, 1228) und eine Marmorbüste der Ermitage 188 B (neue Erwerbung); A. steht in diesem Typus ruhig da (rechtes Standbein), mit dem linken Ellbogen auf einen Baumstamm gelehnt, die Rechte in die Seite stützend; Furtwängler vergleicht Kopf und Gesichtsformen mit dem praxitelischen Hermes und glaubt die ganze Composition in einem Votivrelief der Villa Albani zu finden, das diese A. als Kultbild von drei Adoranten verehrt zeigt: die Göttin trägt den kurzen Chiton, wie die Statue von Antikyra, aber darüber noch ein über die linke Schulter gelegtes und um die Hüfte schärpenartig geschlungenes Mäntelchen. Dieselbe Tracht, aber mit einem etwas bewegteren Schema verbunden, zeigt die Statue Berlin 63 (Wiederholungen Pourtalès, Clarac 577, 1243, und Durand, ebd. 576. 1239); ähnlich scheinen auch die zwei Statuetten im Pal. Rospigliosi (Matz-Duhn 694. 695) zu sein: A. ist schreitend dargestellt (linkes Standbein), in der gesenkten Linken den Bogen haltend. mit der Rechten nach einem Pfeil greifend.

Ausser Praxiteles werden uns aus dieser Periode noch folgende Künstler als Verfertiger von A.-Darstellungen genannt: 1. Skopas: a) Kultbild im Tempel der A. Eukleia zu Theben (Paus. IX 17, 1). b) Leto und Ortygia mit deren Zwillingen ) auf dem Arm, Gruppe in Ephesos (Strab. XIV 640). c) ? A., Lukian. Lexiphan. 12 (Σκοπάδειον ἔργον). 2. Timotheos: A.. später im palatinischen Apollontempel aufgestellt (Plin. n. h. XXXVI 32. Prop. II 31, 15); die Urlichs’sche, von Overbeck (Plastik⁴ II 28) geteilte Annahme, sie habe mit dem Apollon des Skopas und der Leto des Kephisodotos dort eine Gruppe gebildet, ist durch nichts begründet. 3. Der jüngere Kephisodotos: a) A., später im Iunotempel in der Porticus der Octavia aufgestellt (Plin. XXXVI 24). b) Zusammen mit Xenophon: Thronender Zeus zwischen Megalopolis und A. Soteira, Gruppe aus pentelischem Marmor im Tempel des Zeus Soter zu Megalopolis (Paus. VIII 30, 10; früher dem älteren Kephisodotos zugeschrieben, doch vgl. Dörpfeld bei Overbeck Plastik⁴ II 137, 5). 4. Euphranor: Leto mit Apollon und A. auf den Armen, Gruppe später im Tempel der Concordia (Plin. [1427] XXXIV 77; über Schreibers irrigen Versuch, Wiederholungen der Gruppe nachzuweisen, s. o. S. 103). 5. Der jüngere Polykleitos: Marmorstatuen des Apollon, der A. und Leto auf Lykone (Paus:II 24, 5; vgl. Loeschcke Arch.Ztg.XXXVI 1878, 10ff. Overbeck Plastik⁴ I 569). 6. Lysippos (?): Zeus von Erz in Sekyon, daneben (auch von Lysippos ?) vergoldete A. (Paus. II 9, 6). Zu Lysippos setzt Schreiber (Roschers Lex. I 602) ohne ersichtliche Begründung einen in Münzen (Hieropolis-Kastabala, Imhoof–Blumer Monn. Grecq. 354 pl. H 7; Chersonesos, Brit. Mus. Cat. Coins, Thrace 3; Hierokaisareia, Mionnet Descr. IV 48, 248) und Reliefs (drei Votivreliefs aus Philippi, Heuzey-Daumet Miss. en Macéd. pl. IV 8), aber wie es scheint nicht statuarisch, (die von Schreiber angeführten Statuen Clarac 564 D, 1246 C und 574, 1230 sind schon ihrer starken Ergänzungen halber nicht verwendbar) erhaltenen Typus in Beziehung, welcher A. als Jägerin zeigt: angethan mit dem kurzen Jagdchiton, hat sie einen Hirsch erreicht, kniet auf dem gestürzten und packt ihn am Geweih. Als Maler schliessen sich noch an 7. Apelles: malte Dianam sacrificantium (?) virginum choro mixtam (Plin. n. h. XXXV 96; vgl. Dilthey Rh. Mus. XXV 1870, 321–336). 8. Asklepiodoros: Bildercyclus der zwölf Götter (ebd. 107). 9. Nikomachos: Apollon und A. (ebd. 108). Angeführt sei hier noch 10. die zeitlich unbestimmbare Malerin Timarete, Tochter eines Mikon, die in Ephesos A. als Tafelbild antiquissimae picturae malte (ebd. 147, vgl. 59). Auch das Bild des 11. Künstlers Aregon im Tempel der A. Alpheionia an der Alpheiosmündung (A. auf einem Greif emporgetragen, Strab. VIII 343) wird wohl ein Tafelbild gewesen sein. Zum Schluss dieser Künstlerreihe möge der Name des Leochares genannt werden, obwohl uns von ihm keine Darstellung der A. überliefert ist; denn auf ihn hat P. Winter (Arch. Jahrb. VII 164ff., vgl. o. S. 103f.) die bekannte Statue des Apollon vom Belvedere zurückführen wollen. Ist diese Zurückführung, für die vieles spricht, richtig, so wäre Leochares auch der Schöpfer der in der A. von Versailles im Louvre (Froehner Notice nr. 98) vorliegenden anmutigen Composition, die man längst als Seitenstück zum Apollon von Belvedere ansah (vgl. Friederichs-Wolters nr. 1531 und jetzt Furtwängler Meisterw. 558; aus dieser richtigen Überzeugung ist auch die, übrigens ganz in der Luft schwebende, Verbindung der beiden Statuen mit einer Athenastatue zu einer Statuengruppe hervorgegangen, wie sie Overbeck [Ber. Sächs. Ges. XIX 1867, 121ff.; Plastik⁴ II 369. 378ff.] vermutet hat). A. ist leichten Schritts dahineilend dargestellt, den linken Fuss versetzend und den Kopf nach rechts (wo der Standpunkt des Beschauers gedacht ist) wendend; sie fasst mit der Rechten nach dem Köcher, um einen Pfeil heraus zu nehmen, und hält die gesenkte Linke, mit der sie den Bogen führt, zwischen das Geweih der neben ihr springenden Hirschkuh; bekleidet ist sie mit dem kurzen Jagdchiton, dem über die linke Schulter geworfenen und schärpenartig um den Leib geschlungenen Mäntelchen und Stiefeln; in dem gescheitelten und hinten zum Knoten geschürzten Haare trägt sie ein Diadem. Statuarische Repliken in Neapel (Mus. Borb. VIII 75. Clarac 570 B, 1224 B), Rom [1428] Capitol (Mus. Capit. III 72. Clarac 572, 1224), Pal. Strozzi (ebd. 570 A, 1224 A), Florenz (ebd. 1224 D); einzige genaue Münzreplik auf einer Kupfermünze der Faustina von Amastris Paphl. (J. v. Schlosser Wiener Num. Ztschr. XXIII 1891, 26 Taf. II 43); verwandte Typen auf Münzen von Markianopolis Moes. inf. (Num. Chron. N. S. XVI pl. IX 8), Hierokaisareia Lyd. (Imhoof-Blumer Griech. Münzen Taf. XI 17), Kyzikos (Brit. Mus. Cat. Coins, Mysia pl. XIII 4), Kretaia Bithyn. (ebd. Pontus pl. XXIX 6), Alexandreia (ebd. Alex. pl. III 938); der Kopftypus findet sich auf Münzen von Ephesos (ebd. Ionia XI 1. 2). Die A. von Versailles stellt zweifellos eine Weiterentwicklung des von Praxiteles für Antikyra geschaffenen Typus dar; auch die Tracht mit dem Mäntelchen fanden wir bereits im Kreise praxitelischer Kunst. Eine Zwischenstufe zwischen der A. von Antikyra und der A. von Versailles stellt nach Furtwängler ein Torso der Sammlung Jacobsen (Ny Carlsberg 1048) dar. Ebenso wie dieser Torso ist mir auch die Terracottastatuette der Sammlung Gréau (Froehner Coll. Gréau, Paris 1886 pl. XXIII, Catal. nr. 663), jetzt in Berlin (Inv. 8258), nicht zugänglich gewesen, die Furtwängler (Arch. Anz. 1892, 105 nr. 9) als Nachbildung einer bedeutenden A.-Statue des 4. Jhdts. bezeichnet.

Im allgemeinen folgt die Entwicklung des A.Ideals in dieser Periode den auf das Anmutige gerichteten Wegen der praxitelischen Kunst. Im Kopfe wird mit Vorliebe das Zarte, Mädchenhafte hervorgehoben; complicierte Frisuren, wie sie die archaische Kunst liebte, meidet man, ein Haarknoten oder Schopf, ein schlichter Scheitel, ein einfaches Haarband genügen meist zum Kopfputz; seltener finden wir ein richtiges Diadem. Neben den statuarischen Kopftypen sind noch einige Münz- und Vasentypen zu erwähnen. Sehr schön, vergleichbar etwa dem skopasischen Kopf vom Südabhang der Akropolis (Friederichs-Wolters 1277) ist der A.-Kopf der Münzen von Aptera (Brit. Mus. Cat. Coins, Crete pl. II 3–5); von eigenartiger Schönheit auch der einer Münze von Chersonasos (ebd. IV 1: mit Lorbeerkranz; unter dem Haarknoten fallen noch Locken auf den Hals); schöne Typen zeigen auch die Münzen von Stymphalos, besonders die Silbermünze (ebd. Pelop. pl. XXXVII 4: das Haar ist hinten aufgenommen und ziemlich hoch oben zum Knoten gebunden; in den Nacken fallen kleine Löckchen, das Vorderhaar ist um eine Binde gelegt; Lorbeerkranz). Einen schönen stolzen Typus finden wir in der A. Soteira von Syrakus (ebd. Sicily p. 183: über der Stirn liegt eine breite Binde, hinten ist das Haar ziemlich künstlich aufgenommen); ein Diadem trägt die A. der Münzen von Amisos (ebd. Pontus III 2). Auch auf den späteren Vasenbildern ist der Haarknoten die gewöhnliche Frisur der A.; doch finden wir auch noch die Sphendone (z. B. Müller-Wieseler II 66, 843. Élite céram. II 103. 103 B. Wiener Vorlegebl. V 9, 3. E 4) und das Blattdiadem (Élite céram. II 103 A. Müller-Wieseler II 66, 843), selten krause den ganzen Kopf umgebende Löckchen (Ber. Sachs. Ges. 1875 Taf. II). Die Gewandung ist bereits bei den einzelnen Typen hervorgehoben; sie wechselt auch auf den späteren Vasenbildern je nach Auffassung [1429] und Situation, zwischen dem langen dorischen Kleide und dem kurzen Jagdcostüm, über dem die Göttin gelegentlich (Beisp. Élite céram. II 103) eine Nebris trägt. Hinzuzufügen ist nur, dass auf Vasenbildern auch die sog. asiatische Tracht (gestickter Chiton mit langen anschliessenden Ärmeln, phryg. Mütze) vorkommt, wohl in Anlehnung an Amazonendarstellungen (Beisp. Élite II 74. 88 A. Müller-Wieseler II 13, 142. Stark Niobe Taf. Il. Gerhard Apul. Vasenb. XV u. s; vgl. Stephani Nimbus und Strahlenkr. 60. 138).

b) Mythische Scenen. 1. Gigantomachie: Amphora aus Ruvo in der Ermitage 523 (Müller-Wieseler II 66, 843: in der Mitte fährt Zeus mit Nike nach rechts, links kämpft Athena, rechts sitzt A., die unterhalb befindlichen Giganten, deren einer von Herakles gepackt wird, mit Pfeilen beschiessend). 2. Jagd auf die Hirschkuh, s. o. bei Lysippos; die Hirschkuh als Begleitung der A. in dem Typus der A. von Versailles. 3. Aktaions Bestrafung wird auf den späteren Vasen in der Regel so dargestellt, dass A. allein oder unter Beihülfe von Lyssa die Hunde auf den Frevler hetzt (Beisp. Élite céram. II 100. 103. 103 B, vgl. Bolte De mon. ad Odysseam pertin., Diss. Berol. 1882, 44ff.); vereinzelt ist Aktaion dargestellt, wie er die Hirschkuh töten will, während A. ruhig dabei sitzt (Maskenamphora in Neapel, Élite céram. II 103 A, vgl. Eurip. Bakch. 339). 4. Iphigeneias Opferung: Maskenamphora, R. Rochette Mon. Inéd. pl. 26 B. Wien. Vorlegebl. V 9, 3. 5. Niobemythos: a) Wahrscheinlich dem 4. Jhdt. entstammte die Niobidendarstellung in der Grotte oberhalb des dionysischen Theaters zu Athen (Paus. I 21, 3, vgl. Stark Niobe 114ff.). b) Auf attische Typen der ersten Jahrzehnte des 4. Jhdts. führt Helbig (Führer II 794) ein auch bei Stark 175, 1 erwähntes Relief in Villa Albani zurück, das er mit E. Braun (Ruin. u. Mus. Roms 685) auf den Niobemythos deutet: eine matronale Gestalt steht traurig da, von ihr weg schreitet A. – um Leto an Niobe zu rächen? c) Krater aus Ruvo, Jatta 424 (Stark Taf. II): A. erscheint hier auf einem von zwei Hirschkühen gezogenen Wagen, d) Amphora in Neapel 3246 (Ber. Sächs. Ges. 1875 Taf. IV): links oben im Gespräch die Gruppe der sitzenden Leto, neben der A. und Apollon stehen.

Als zuschauende Füllfigur wird A. ziemlich häufig auf unteritalischen Vasenbildern verwandt. Beispiele: Kalydonische Jagd (Ann. d. Inst. 1868 tav. L M), Unterwelt (Ermitage 424. Wiener Vorlegebl. E 4), Orestes in Delphoi (Jahn Vasenbilder Taf. I = Neapel 3249), Herakles in Delphoi (Wiener Vorlegebl. II 8), Hochzeit des Herakles und der Hebe (Berlin 3257. Gerhard Apul. Vas. Taf. XV), häufig auf Marsyasdarstellungen (s. d.) u. s. Vgl. im allgemeinen L. Bloch Die zuschauenden GOtter in d. rf. Vasengem., Leipzig 1888.

a) Das Ideal der A. Aus denselben Gründen, wie ich sie oben S. 105f. für Apollon ausgeführt habe, beschränke ich mich auch bei A. in dieser Epoche auf eine einfache Zusammenstellung nach den drei Rubriken der Künstlernamen, der Umbildungen bereits früher besprochener Typen und der bisher nicht erwähnten Typen.

[1430] 1. Künstler. Avianius Evander ergänzte nach Plin. n. h. XXXVI 32 den Kopf der im palatinischen Apollontempel aufgestellten A. des Timotheos (s. o.). Lysias arbeitete ein Viergespann mit Apollon und A. darauf aus einem Stein, quod in Palatio super arcum divos Augustus in honorem Octavi patris sui dicavit, Plin. a. a. O. 36. Philiskos von Rhodos verfertigte eine Gruppe des Apollon und der A. unter Musen, die später in der Porticus der Octavia stand, Plin. a. a. O. 34. Endlich Damophon von Messene, den man früher in das 4. Jhdt. setzte, der aber, wie zuerst Robert unter dem Eindruck der Lykosurafunde mündlich mit Nachdruck aussprach und Overbeck (Plastik⁴ II 485ff.) mit Berufung auf Robert und auf Dörpfelds Kritik des Tempelbaues überzeugend ausführt, vielmehr der römischen Kaiserzeit angehört (s. auch Artikel Damophon). Pausanias hat von ihm mehrere A.-Darstellungen überliefert: 1) Kultbild der A. Laphria in Messene (Paus. IV 31, 7 τὸ σχῆμα ἑτέρωθι δηλώσω, bezieht sich auf VII 18, 10, wo von der A. Laphria des Menaichmos und Soidas [s. o.] gesagt wird τὸ μὲν σχῆμα τοῦ ἀγάλματος θηρεύουσά ἐστιν). Danach war das Werk wohl eine archaisierende Umbildung oder auch directe Nachbildung des Typus der pompeianischen Statuette; über Wolters’ auf dem früheren Zeitansatz des Damophon beruhende Zurückführung des Typus der A. Colonna auf das Werk des Damophon ist bereits oben gesprochen. 2) A. Phosphoros in einer figurenreichen Gruppe im Asklepiostempel zu Messene (Paus. IV 31, 10). 3) Ob das A.-Relief am Eingang zum Tempel der Grossen Göttinnen zu Megalopolis von Damophon herrührte, ist aus dem Wortlaut der Pausaniasstelle (VIII 31,1) nicht mit Sicherheit zu entnehmen. 4) Sicher dagegen war von Damophon die Kultgruppe in diesem Tempel, also Demeter und Kora-Soteira; davor standen, in kleineren Dimensionen gebildet, zwei Mädchen, die Blumenkörbe auf dem Kopf trugen; die einen erklärten sie einfach für die Töchter des Damophon, die andern für Athena und A., die einstigen Gespielinnen der Kora beim Blumenpflücken (Paus. VIII 31, 2; vgl. die gewöhnlich auf A. und Aphrodite gedeutete Gruppe auf Koraraubsarkophagen, Matz-Duhn 3062–3064. 3066. 3070. 3075. 3082–3084). 5) Zum Teil wieder aufgefunden ist die Kultgruppe im Tempel der Despoina zu Akakesion-Lykosura (Paus. VIII 37, 4; abg. Cavvadias Fouilles de Lycosoura pl. 1–4. Overbeck Plastik⁴ II zu S. 487): Demeter und Despoina sassen neben einander, zur Seite der letzteren stand der Titan Anytos, zur Seite der Demeter A. mit Nebris und Köcher, in einer Hand eine Fackel, in der andern zwei Schlangen (oder Jagdspeere, vgl. Blümner Jahrb. f. Philol. CV 390). Der Kopf der A. ist gefunden, er trägt die in der römischen Kaiserzeit vorübergehend wieder auftauchende wellenförmige Haarfrisur der hellenistischen Zeit, wie sie der bekannte Münchener Kopf (Glyptothek 89) zeigt.

2. Umbildungen älterer Typen. Umbildungen und Modernisierungen alter Idole kommen wiederholt vor; das ephesische Idol ist bereits oben erwähnt; andere Beispiele auf Münzen von Abydos (Imhoof–Blumer Griech. Münzen Taf. VII 18), Sebastopolis (ebd. X 9. 10) u. s. Umbildung eines Werkes aus dem Ende des 5. Jhdts. in hellenistischem [1431] Geschmack auf einer Bundesmünze von Pergamon und Ephesos (ebd. VII 10). Die megarische A. des Praxiteles (s. o.) erscheint zur Tyche umgebildet in einer schönen Münchener Statue (Brunn-Bruckmann Taf. 123, vgl. Furtwängler Meisterwerke 555). Der praxitelische Typus der auf ihr archaisches Idol gelehnten Göttin (s. o.) erscheint in hellenistischem Geschmack weiter gebildet auf einer Gemme (Arch. Ztg. XXXVIII 1880 Taf. 17, 2): A. steht in Vorderansicht (der zur Linken gewandte Kopf zeigt die Haarwellenfrisur des Münchener Kopfes) mit rechtem Standbein; die rechte Hüfte ist herausgebogen; A. trägt den dorischen Chiton, über den das Köcherband läuft, ein Mantel ist um den Unterkörper geschlungen und über den linken Arm geworfen; in der Linken hält sie den Bogen (darunter steht das Idol), die erhobene Rechte nimmt einen Pfeil aus dem Köcher. Zu ihrer Rechten steht aufblickend der Hirsch. Verwandt ist eine schöne Terracottastatuette aus Tanagra (abg. Kekulé Thonfig. aus Tanagra Taf. 17, besser Furtwängler Samml. Sabouroff Taf. 120. 121): A. (gleiche Haarfrisur) lehnt sich mit dem linken Ellbogen auf einen Pfeiler und stützt die Rechte in die Seite; sie trägt hier das später üblichere kurze Jagdcostüm mit umgegürteter Nebris, darüber noch ein Mäntelchen, an den Füssen Jagdstiefel, und blickt herab zu dem aufblickenden Hunde. Ein später Ausläufer desselben Typus ist endlich eine Thonlampe aus Knidos (Newton Discov. pl. LXXXIV 5 = Arch. Ztg. a. a. O, 17, 3), wo A. im Jagdcostüm in jeder Hand eine der Dochtmündungen hält (Kopf fehlt); der Hund sitzt aufblickend neben ihr. Eine Umbildung des Typus Colonna (mit Hinzufügung eines ionischen Chitons) finden wir in zwei Statuen in Villa Borghese (Clarac 568, 1210) und im Louvre (ebd. 286, 1214). Zu dem oben besprochenen, von Furtwängler Meisterw. 558 dem Praxiteles zugeschriebenen Typus gehören als Varianten (das Mäntelchen ist auf der Schulter fortgelassen und nur als breiter Gurt umgelegt) ein Torso in Mantua (Clarac 558 B, 1239 A), ferner Statuen im Vatican (Visconti Mus. Pio-Clem. III 38. Clarac 570, 1215) und in Oxford (ebd. 560 B, 1201 A). An den Versailler Typus lehnt sich (mit Hinzufügung einer Nebrisschärpe) eine Neapler Bronze (Mus. Borb. II 58. Clarac 564 C, 1218 C) und deren Varianten in Villa Borghese (ebd. 567, 1209) und Palazzo Vidoni (Matz-Duhn 687. Braun Ant. Marmorw. I 2) an. Den Versailler Typus verbinden mit dem der Hirschjagd zwei Votivreliefs aus Philippi (Heuzey-Daumet Miss. en Macéd. pl. IV 2. 3): A. im Jagdcostüm eilt der fliehenden Hirschkuh nach, indem sie mit der Rechten nach einem Pfeile greift.

3. Bisher nicht erwähnte Typen. Ein leicht archaisirendes Kultbild hellenistischer Zeit giebt die A. von Gabii in München (abg. Roschers Lex. I 1009; vgl. Friederichs-Wolters nr. 450) wieder; die Göttin trägt hier ein hohes, mit Rehfiguren verziertes Diadem und darüber einen Schleier, einen langen Chiton mit Knöpfärmeln und Sandalen; an beiden Seiten des Kopfes fällt eine Locke nach vorn auf die Brust, die Linke hielt ein Attribut (Bogen?), mit der gesenkten Rechten packt A. ein Rehböckchen bei den Vorderläufen. Ebenfalls ruhig stehend, mit der neben ihr stehenden Hirschkuh gruppiert, in deren Geweih sie fasst,

[1432] finden wir sie auf einer Gemme (Müller-Wieseler II 16, 169) und einem Bronzemedaillon des Antoninus Pius (Cohen Méd. imp. VII 144), vgl. Roschers Lex. I 606. Ruhig steht auch die sog. Zingarella des Louvre (Froehner Notice 95. Clarac 287, 1231: Ärmelchiton, ziemlich langer Mantel, Köcherband); Replik in England Clarac 500, 984 (als Muse ergänzt). In kurzem Chiton mit Fackel und Schale zeigt A. eine Terracotta aus Myrina (Bull. hell. VII 1883, 209). Einige den Amazonenbildungen verwandte Typen hat Schreiber (Roschers Lex. I 603) zusammengestellt; manche davon könnten unbedenklich für Amazonen gelten, wenn sie nicht den Köcher auf dem Rücken trügen, während die Amazonen ihn an der Seite zu tragen pflegen. Jagend und bogenschiessend erscheint A. in einem namentlich für Bronzestatuetten beliebten Typus: Bronzen aus Herculaneum (Ant. d’Ercol. Bronzi II 43. 45. Mus. Borb. XI 58, 1. Braun Vorschule d. Kunstm. Taf. 50. Friederichs-Wolters nr. 1789); aus Pagonda (bei Chalkis auf Euboia), Arch. Ztg. XIX 1861 Taf. CLIV 4. 5; verwandt eine römische Bronze aus Lyon (Gaz. arch. 1876 pl. 13). Hierher gehört auch der erhaltene Oberteil einer Bronzestatue aus dem Apollontempel zu Pompeii (abg. Overbeck-Mau Pompeii 541), mit einem der Versailler Statue verwandten Kopftypus; vgl. auch die Münzen von Orchomenos Arkad. (Brit. Mus. Cat. Coins, Pelop. pl. XXXV 16. Imhoof–Blumer Monn. grecq. pl. E 10). Erwähnt seien noch einige besonders schöne Münzköpfe, so der auf den jüngeren Münzen von Ephesos mit losem, hinten leicht zum Knoten geschürztem Haar (Brit. Mus. a. a. O. Ionia pl. X 48); der lockige Rundkopf mit Kräusellöckchen im Nacken und Diadem auf Münzen von Magnesia a. M. (ebd. XVIII 9–11), wo besonders der strahlende Blick des Auges an manche Apollontypen erinnert; die schönen Köpfe mit der Frisur des Münchener Kopfes auf Münzen des Pyrrhos (Brit. Mus. a. a. O. Thessaly pl. XX 8. Imhoof–Blumer a. a. O. D 15) und von Orthagoria (Brit. Mus. a. a. O. Maced. p. 88); der Kopf einer Münze des 3. Jhdts. von Paros (Brit. Mus. a. a. O. Crete pl. XXVI 6: lächelnder Ausdruck; das Haar hinten aufgebunden und von vierfacher Binde umschlungen); der eigenartig reizvolle Kopf einer Münze von Olus aus dem 1. Jhdt. (ebd. XIV 12: bekränzt; das Haar ist auf der Stirn gescheitelt und tritt jederseits über der Stirn in zwei Haarwellen unter der Binde hervor).

Einige specielle Darstellungen zeigen A. mit ihren heiligen Tieren gruppiert: auf einem Hahn reitend, Terracotta aus Ephesos oder Smyrna im Berliner Museum (neue Erwerbung), Arch. Ztg. XL 1882, 272; auf dem Hirsch reitend s. u. Kap. IX; auf einem Stier reitend (dabei Apollon auf einem Greif reitend), Wandgemälde des 2. Jhdts. n. Chr., abgebildet Stephani C. R. 1876, 219; Kopf der A. zwischen zwei Böcken, Silbermedaillon aus Herculaneum (Welcker Alte Denkm. II Taf. 3, 5 = Roschers Lex. I 566). Porträt einer jungen Römerin als A. auf einem Grabcippus in Villa Aquari zu Rom (Matz-Duhn 3899). Die bei Schreiber (Roschers Lex. I 567) als ,A. mit Nebris und Kälbchen‘ abgebildete, stark ergänzte Dresdener Statue einer jugendlichen Bakche hat mit A. natürlich nicht das geringste zu thun.

[1433] b) In mythischen Scenen. 1. Aktaion. Stets die Version, nach der A. im Bade von Aktaion belauscht wird (s. Artikel Aktaion); so auf pompeianischen Wandgemälden (Helbig 249–253), einer Bronzestatuette in Arolsen (Gädechens 69. Friederichs-Wolters 1762) und zahlreichen Reliefs, z. B. Terracottarelief Gargiulo, jetzt im Mus. Naz. zu Neapel (abg. Bonner Studien Kekulé gewidm. 179), Thonlampen (aus Tarsos, Arch. Ztg. XI 1854, 305*. Samml. Barre 205. 206), Sarkophagreliefs (Louvre, Froehner Notice 103; Pal. Castellani, Matz-Duhn 3378), dem Basisrelief einer Apollonstatue aus Bierbach im Museum zu Speier (abg. Westd. Ztschr. XI 1892, 99), einem Glasgefäss aus Merseburg im Brit. Mus. (IGI 2576, 3) u. s.  2. Geburt und Kindheit, von Robert (Herm. XXII 1887, 460ff.) auf einem Sarkophag der Villa Borghese (Helbig Führer II 914 stimmt der Deutung zu, während Overbeck Kunstmyth. Apollon 368 sie ablehnt; gegen letzteren wendet sich Roberts Replik Arch. Jahrb. V 1890, 220, 6) nachgewiesen, in dessen Mittelscene Leto ihre Kinder dem Zeus vorstellt.  3. Gigantomachie. Im pergamenischen Altarfries kämpft A. mit zwei Gegnern, einem bärtigen Schlangenfüssler, der von dem Hunde der Göttin angefallen wird, und einem schönen behelmten Jüngling, dem sog. Montgomery (vgl. Schillers Jungfrau von Orléans II 7); letzteren wollte Furtwängler Arch. Ztg. XXXIX 1881, 69 Orion nennen, besser ist er wohl mit Robert und Puchstein (S.-Ber. Akad. Berlin 1889, 343) Otos zu benennen; in dem anderen sieht Puchstein den bei Apollodor genannten ,Gration‘ (vgl. o. Kap. V 5); A. ist bogenschiessend dargestellt, im kurzen Jagdcostüm, mit Stiefeln an den Füssen, das Haar zum Knoten aufgebunden. An die pergamenische Darstellung lehnt sich an ein fragmentierter Relieffries im Vatican (Helbig Führer I 142. Friederichs-Wolters 1859, abg. Overbeck Kunstmyth. Atlas V 2 a), wo A. in Begleitung ihres Hundes einen schlangenfüssigen Giganten mit dem Bogen bekämpft; auch hier erscheint ihr (wie auf dem pergamenischen Fries) Hekate gesellt.  4. Hippolytos: im Gespräch mit ihm(?) auf pompeianischen Wandgemälden (Helbig 256. 257); von Hippolytos eine Opferspende empfangend auf einer Schmalseite des lateranischen Hippolytossarkophages (Benndorf-Schoene 394. Helbig Führer II 673. Mon. d. Inst. VIII 38); ein Opfer an A. ist auch auf einem Sarkophagbruchstück in Palazzo Farnese (Matz-Duhn 3309) dargestellt.  5. Hirschkuh: der Hirschkuh nacheilend, Votivrelief Heuzey-Daumet Miss. en Macéd. pl. IV 2. 3; den Fuss auf den liegenden Hirsch setzend, Altarreliefs in Palazzo Merolli (Matz-Duhn 3763) und Avignon (Arch. Ztg. XI 1854, 365*).  6. Iphigeneias Opferung s. die Wiener Vorlegebl. V 8ff. zusammengestellten Monumente.  7. Xiobiden s. Artikel Niobe.  8. Tityos: Säulenrelief im Tempel der Apollonis in Kyzikos (Anth. Pal. III 14); Weihgeschenk der Knidier in Delphoi (Zeit unbekannt), Paus. X 11,1.

IX. Attribute und Symbole.

Ähren. Erzmünze von Neapolis Samariae: Idol ähnlich der ephesischen A., in der Rechten eine Peitsche, in der Linken Ähren haltend, Mionnet Descr. V 501, 79ff.; vgl. die Gaben der Hyperboreer.

[1434] Ἀμφιφῶντες, Kuchen mit Lichtern besteckt, in Athen, s. o. Bd. I S. 1949.

Bärin, Symbol der A. in peloponnesischen (besonders arkadischen) und attischen Kulten: in Brauron und Munichia straft sie die Tötung einer Bärin durch eine Pest, und als ,Bärinnen‘ dienen ihr die attischen Mädchen (s. Artikel Ἀρκτεία); A. Kalliste selbst erscheint in ihrer Hypostase Kallisto als Bärin (s. o. Kap. IV 21); Atalante wird von einer Bärin genährt (Apollod. III 9, 2, 2. Aelian. v. h. XIII 1, 4); nach Phanodem (Et. M. s. Ταυροπόλος) wird Iphigeneia beim Opfer nicht durch eine Hirschkuh, sondern durch eine Bärin ersetzt, in Anlehnung an den der A. Iphigeneia geltenden (s. o. Kap. VII unter Βραυρωνία) brauronischen Kult; in Patrai opfert man der A. Laphria, junge Bären, Paus. VII 18, 12; vgl. den "Ἄρκτων ὄρος bei dem an A.-Kulten so reichen Kyzikos.

Biene, Symbol der ephesischen Göttin, daher ständig auf den Münzen von Ephesos; auch die Priesterinnen heissen μέλισσαι, vgl. Preller-Robert I 133, 6. Bei Eur. Hipp. 76f. wagt nur die Biene die der A. heilige Wiese zu betreten.

Bipennis, Attribut auf Münzen von Laodikeia (Journ. Hell. Stud. VII 60f. pl. N 11. 12) Leukas (Brit. Mus. Cat., Thessaly etc. 181 pl. XXIX 1), Phigalia (Journ. Hell. Stud. VII 110 pl. V 9).

Blumen sind der A. nicht oft als Attribut gegeben. Eine Blume hält sie auf dem wohl sicher ein altertümliches Kultbild wiedergebenden attischen Vasenbild, Athen. Mitt. V Taf. 10, vgl. Robert Arch. Märch. 158. Kränze von heiliger Blumenflur ihr geweiht, Eur. Hipp. 70ff., vgl. Iph. Aul. 1463. [1544].

Bogen und Pfeil sind der A. seit alter Zeit als häufigstes Attribut eigen; es sind ihre Waffen in ihrer Eigenschaft als Todesgöttin (vgl. o. S. 17). Dass die Pfeile nicht etwa als eine (übrigens sehr gezwungene und frostige) Allegorie der Mondstrahlen aufzufassen sind, lehrt schon der Umstand, dass gerade in älterer Zeit A. nicht selten auch andere Waffen führt, die auch von den eifrigsten modernen Nachfolgern stoischer Symbolik nicht in dieser Weise gedeutet werden können.

Buckelochs, der A. von Leukophrys und verwandten Kulten heilig, vgl. K. O. Müller Dorier I 396; daher auf Münzen von Magnesia a. M. (Imhoof–Blumer Griech. Münzen Taf. VIII 23. Friedländer-v. Sallet Münzkab. Taf. III 223), Neapolis Samar. (Mionnet V 501, 79ff.), Tralleis (ebd. IV 187, 1088); Relief eines Opfers aus Magnesia (Athen. Mitt. XVII 1892, 277f.); vgl. Drexler Roschers Lex. II 2003. Kern Gründungsgesch. v. Magnesia 12.

Ceder s. Kedreatis.

Cypresse s. Kyparissia. Cypressenwald auf dem Berg Lykone (Tempel der A. Orthia), Paus. II 24, 5; Cypressen beim Tempel der Eurynome in Phigalia, Paus. VIII 41, 4; A. zwischen zwei Cypressen auf einer Münze von Kleonai, Journ. Hell Stud. VIII 55 pl. FF 21.

Eber s. Kaprophagos. Rolle des Ebers in der Geburtssage vom Ptoon, s, o. S. 22, 58; in der Gründungssage des ephesischen Tempels, Athen. VIII 361 D. A. sendet den kalydonischen Eber (Il. IX 538f. Apollod. I 8, 2, 2) und den Eber, welcher den Adonis tötet (Apollod. III 14, 3, 4); sie freut sich an den Ebern im wilden Gebirge, [1435] Od. VI 102ff.; durchbohrt einen Eber auf einer Kupfermünze von Tralleis, Mionnet IV 189, 1097. In Patrai opfert man der A. Laphria u. a. auch Eber, Paus. VII 18, 12; und auf Münzen von Capua (Brit. Mus. Cat., Italy 81) findet sich ein Eberkopf als Revers zu einem A.-Kopfe.

Fackel, eines der häufigsten Attribute der A. besonders in späterer Zeit, da es, ursprünglich wohl ein Attribut der Hochzeitsgöttin (oder der Jagdgöttin?), später besonders im Anschluss an die Ausbildung der Hypostase Hekate mit Vorliebe als Symbol der Mondgöttin verwandt wurde. So nennt sie Sophokles ἀμφίπυρος (Trach. 214) und lässt sie im Fackelschein Lykiens Berge durchstreifen (O. T. 205ff.). Auf Münzen oder im Kult folgender Orte lässt sich die Fackel als Attribut der A. nachweisen: Aigion (Brit. Mus. Cat., Pelop. 19), Akakesion-Lykosura (ἄγαλμα von Damophon im Despoinatempel, Paus. VIII 37, 4), Akarnanischer Bund (Brit. Mus. Cat., Thess. 169 pl. XXVII 4. 5), Amantia (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 137), Amphipolis (Fackellauf, Diod. XVIII 4. Brit. Mus. Cat., Maced. 55. 60), Antikyra (ἄγαλμα von Praxiteles. Paus. X 37, 1), Apollonia am Rhyndakos (Brit. Mus. Cat., Mysia 12), Athen (Brit. Mus. Cat., Att. 83), Aulis (ἄγαλμα, Paus. IX 19, 6), Aureliopolis (Mionnet Suppl. VII 323, 49), Bruttium (Brit. Mus. Cat., Italy 322), Colla (ebd. Thrace 193), Ephesos (ebd. Ion. 77. 100. 101 pl. XIV 13. 103. 106. 108f. Imhoof–Blumer Monn. Gr. 286), Kalynda (ebd. 307), Kaphyai (Brit. Mus. Cat., Pelop. 178 pl. XXXIII 6), Kasa (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 705), Korinthos (Brit. Mus. Cat., Corinth 76 pl. XX 1), Krannon (Relief Millingen Anc. Uned. Mon. II 16), Kydonia (ebd. Crete 30), Lakonien (ebd. Pelop. 126 pl. XXV 3), Lysimachia (ebd. Thrace 195), Magnesia a. M. (Mionnet Suppl. VI 235, 1028), Mantineia (Journ. Hell. Stud. VII 98 pl. S 17), Megara (Brit. Mus. Cat., Att. 121f. pl. XXI 14. XXII 2), Nikaia (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 603 Taf. VI 10), Orchomenos Ark. (Journ. Hell. Stud. VII 100 pl. S 24), Parion (Brit. Mus. Cat., Mys. 105ff.), Patrai (ebd. Pelop. 27 pl. VI e), Perge (Mionnet Descr. III 460, 74 u. ö.), Perinthos (Brit. Mus. Cat., Thrace 151), Pharos (ebd. Thess. 81 pl. XIV 12f.), Pherai (Mionnet Suppl. V 305f., 252ff.), Phigalia (ebd. Suppl. IV 290, 102), Philadelpheia (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 720 Taf. XI 20), Pitane (Brit. Mus. Cat., Mysia 173), Pyrros (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 141 pl D 15), Sardeis (ebd. 388), Sebastopolis Kar. (Imhoof–Blumer Griech. Münz. 673f. Taf. X 10), Sekyon (Journ. Hell. Stud. VI 79 pl. H 17–19), Selge (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 341), Syrien (Brit. Mut. Cat., Seleuc. Kings 60 pl. XVIII 5), Tabai (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 316), Tanagra (Brit. Mus. Cat,, Centr. Gr. 66. Journ. Hell. Stud. VIII 9 pl. X 3–5), Thuria (ebd. VII 69 pl. O 23), Thurioi (Brit. Mus. Cat., Italy 302), Thyateira (Mionnet Descr. IV 167, 964), Tiberiopolis (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 414), Tion (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 607 Taf. VI 17), Tralleis Mionnet Descr. IV 187, 1088).

Ferkel, als Symbol der Entsühnung von A. gehalten auf einer Münze von Elaius (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 46 pl. F 27).

Flügel. Über Darstellungen der A. mit Flügeln s. o. Kap. VIII.

[1436] Greif, tritt als heiliges Thier des Apollon in der Hyperboreersage auch zu A. in Beziehung. Hervorzuheben das Gemälde des Korinthers Aregon im Tempel der A. Alpheionia an der Alpheiosmündung: A. von einem Greifen emporgetragen, Strab. VIII 343. A. reitet den Greif auf einer italischen Reliefvase (Berlin 3853); vgl. auch Preller-Robert I 243.

Hahn. A. auf einem Hahn reitend, Terracotta des Berliner Museums, Arch. Ztg. XL 1882, 272; einen Hahn tragend, archaische Terracotten aus Korkyra, Bull. hell. XV 1891, 40f.; sog. persische A., einen Hahn am Halse packend, altkorinthisches Alabastron, Berlin 1010.

Hase. Im allgemeinen kein Tier der A., gilt er im Kult von Boiai ausnahmsweise als ein solches; über die Ursachen hierfür vgl. Wide Lakon. Kulte 121.

Helm s. o. Kap. III 14.

Hirschkuh, gilt ganz allgemein als das heilige Thier der Jagdgöttin A., als deren Attribut sie auf zahllosen Darstellungen, besonders Münzen erscheint; ausser den Monumenten, welche die Hirschkuh einfach attributiv neben A. setzen, sind folgende Typen bemerkenswert: 1. A. packt die Hirschkuh am Geweih; so auf der melischen Vase (Conze Mel. Thongef. Taf. IV), der Françoisvase (Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. IV), auf ephesischen Kupfermünzen (Brit. Mus. Cat., Ionia 91. 101. 104) und altkorkyraeischen Terracotten (Bull. hell. XV 1891 pl. V-VII). – 2. A. hält die Hirschkuh attributiv im Arm, ebd. pl. III; statuarisch in Villa Albani (Helbig Führer II 849). – 3. A. kniet auf dem zusammenbrechenden Tiere, es mit dem Speer durchbohrend: Münzen von Chersonesos (Brit. Mus. Cat., Thrace 3), Hierokaisareia (Mionnet Descr. IV 48, 248), Kastabala (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 354). Vgl. auch die rf. Pelike freien Stils (ehem. Samml. Blacas) Arch. Ztg. IV 1846 Taf. 46. Élite céram. II 92 (A. stösst mit der Fackel nach der Hirschkuh). – 4. A. reitet auf der Hirschkuh auf Münzen von Ephesos (Brit. Mus. Cat., Ionia 80. 98 pl. XIII 11) und wiederholt in unteritalischen Vasenbildern; Beispiele: Schale des Wiener Hofmuseums (Übersicht nr. 680, abg. Élite céram. II 8. Laborde Vases Lamberg II 26); Krater Durand 15 (später Bourgeois-Thierry, abg. Gargiulo Racc. 114. Élite II 43); Dareiosvase in Neapel (Mon. d. Inst. IX 50. 51); ferner am Panzer der Augustusstatue aus Prima Porta (Mon. d. Inst. VI 84) und in dem Relief eines Silbertellers aus Rom im Berliner Museum (Arch. Ztg. XLII 1884, 67); vgl. auch den Basalthirsch im Lateran (Helbig Führer II 640), welcher einst A. trug. Stuckrelief im Tepidarium der Forumsthermen in Pompeii (Gell Pompeiana I 30. Mus. Borb. II 53). – 5. A. fährt auf einem von Hirschkühen oder Hirschen gezogenen Wagen: Zweigespann auf dem Fries von Phigalia (Anc. Marbl. IV 11. Overbeck Atlas zur Kunstm. XX 15) sowie auf Münzen von Akrasos (Mionnet Descr. IV 3, 13. 16. 20), Aureliopolis (ebd. 15, 77), Ephesos (Brit. Mus. Cat., Ionia 97. 99f.), Hierokaisareia (Mionnet Descr. IV 49, 254); Viergespann auf Münzen von Ephesos (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 286) und Patrai (Mionnet Suppl. IV 150, 1004); in der Procession beim Feste Laphria in Patrai fährt ihre Priesterin in [1437] derselben Weise (Paus. VII 18, 12); vgl. auch das sf. Vasenbild Élite II 9 und die apulischen Vasenbilder Stark Niobe Taf. 2 und Helbig Führer II 264, 117. In Ephesos standen zwei Hirsche neben dem Kultbild, wie zahlreiche Münzen beweisen; das ἄγαλμα der A. im Despoinatempel von Akakesion trug ein Hirschfell (Paus. VIII 37, 4), so auch auf verschiedenen der oben besprochenen statuarischen Typen; A. selbst ist als Hirschkuh gedacht in der Sage von Saron (Paus. II 30, 7); sie verwandelt Taygete in eine Hirschkuh, Aktaion in einen Hirsch; im Taygetos freut sie sich der Hirschjagd (Od. VI 102ff.); ihre heilige Hirschkuh erjagt Herakles; Hirsche opfert man der Laphria in Patrai (Paus. VII 18, 2); vgl. die Hirschinsel bei Kolophon (Strab. XIV 643) und die Epikleseis Elaphia, Elaphebolos.

Hund, in zahllosen Darstellungen Begleiter der Jägerin A., wird als solcher auch Attribut der Hypostase Hekate, der man in der zerinthischen Höhle auf Samothrake sogar Hunde opfert, während im Kult der A. selber der Hund als Opfertier nicht vorkommt.

Kalathos, die hohe Kopfbedeckung, ist in der altertümlichen Kunst (s. o. Kap. VIII A 1 a) ein häufiges Attribut der A., das in der späteren Zeit nur auf einer Reihe kleinasiatischer Münzen erscheint, die Kultbilder wiedergeben, jedoch auch anderen Göttinnen (Demeter, Hera) zukommt. S. u. Mauerkrone.

Köcher gehört zum Bogen und findet sich auf A.-Darstellungen in der Regel mit diesem zusammen.

Leier als Attribut kommt A. eigentlich nicht zu; nur vereinzelt finden wir sie in A.s Hand, durch Übertragung von Apollon. Beispiele: 1) sf. Hydria (Gerhard Auserl. Vas. I 20. 21), 2) sf. Kanne Beugnot 6 (Élite céram. II 7), 3) rf. Amphora Pourtalès (ebd. 14), 4) rf. Vase Hamilton (Tischbein II 12 [27]), 5) rf. Pelike der Ermitage 2185, abg. Gaz. arch. 1876 pl. 32 (Stephani, der S. 135ff. andere Beispiele zusammenstellt). Über die Figur der Sosiasschale s. o. S. 96.

Lorbeer ist ein wohl erst von Apollon auf A. übertragenes Attribut, vgl. die Epikleseis Daphnaia, Daphnia. Einen Lorbeerkranz trägt sie auf Münzen des Aitolischen Bundes (Brit. Mus. Cat., Thessaly 195 pl. XXX 7), von Athen (ebd. Att. 87 pl. XV 9), Chersonasos Kret. (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 212), Kalchedon (Brit. Mus. Cat, Pontus 126 pl. XXVII 15), Makedonien (ebd. Maced. 16), Olus (Imhoof–Blumer a. a. O. 217), Perge (Mionnet Descr. III 459f., 70ff.), Selge (Imhoof–Blumer Choix pl. V 167; Monn. Gr. 341), Stratonikeia (ebd. 315); einen Lorbeerzweig auf einer Münze von Smyrna (Brit. Mus. Cat., Ionia 254 pl. XXVII 2).

Löwe gehört zu den ältesten Tiersymbolen der A. So kämpft in der Sage ihre Hypostase Kyrene mit einem Löwen; Kallisto wird nach einer Version (Eur. Hel. 375) vor der Vereinigung mit Zeus in eine Löwin verwandelt; Alkathoos sollte nach Bezwingung des kithaironischen Löwen dem Apollon Agraios und der A. Agrotera einen Tempel gestiftet haben (Paus. I 41, 3). Im Kult finden wir den Löwen in Syrakus (Löwin in der Festprocession geführt, Theokr. II 68) und Theben [1438] (vor dem Tempel der A. Eukleia standen Löwen, Paus. IX 17, 1). In der archaischen Kunst ist der Löwe nicht selten der A. als Attribut beigegeben: A. zwischen zwei sitzenden Löwen, Bronzebeschlag aus Grächwyl (Arch. Ztg. XII 1854 Taf. LXIII 1), Gemme (ebd. 3); A. einen Löwen an den Beinen packend, am Kypseloskasten (Paus., V 19, 5), Françoisvase (Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. IV), Bronzelief aus Olympia (Olympia, Bronzen Taf. XXXVIII), Terracotten in Berlin (Arch. Ztg. a. a. O. Taf. LXII 2), Neapel (ebd. 1) und Korkyra (Bull. hell. XV 1891 pl. V 2); am Schwanz, melische Vase (Arch. Ztg. a. a. O. Taf. LXI), sf. Amphora Campanari (Gerhard Auserl. Vasenb. I 26), Gemme (Arch. Ztg. a. a. O. Taf. LXIII 2).; nach Analogie orientalischer Gottheiten (Mithra, Sandon, Iuppiter Dolichenus) auf ihrem heiligen Tiere stehend auf asiatischen Monumenten wie dem Cylinder Arch. Ztg. a. a. O. 4 und der Münze von Philadelpheia, Imhoof–Blumer Griech. Münzen 720 Taf. XI 20. Vgl. Studniczka Roschers Lex. II 1750ff.

Mauerkrone. Die hohe Kopfbedeckung, welche A. häufig in altertümlichen Monumenten trägt (s. o. Kalathos), ist nicht selten oben turmzinnenartig ausgezackt; das ist aber nur als Verzierung aufzufassen. Eine wirkliche Mauerkrone, die sie als Stadtgöttin bezeichnet, trägt sie bisweilen auf Münzen; Beispiele: Abydos (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 620 Taf. VII 18), Akmonia (Mionnet Descr. IV 196, 3), Capua (ebd. I 113, 129), Chersonesos Taur. (Brit. Mus. Cat., Thrace 1), Isindos (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 696), Priapos (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 258).

Maus, s. die Epiklesis Mysia.

Mondsichel, kein Attribut der griechischen A., wohl aber der asiatischen, mit A. identificierten Naturgöttinnen und als solches auf A. übertragen, besonders als sich die Vorstellung von A. als einer Mondgöttin entwickelte. So finden wir A. zwischen Sonne und Mond auf Münzen von Perge (Mionnet Descr. III 463, 94. 467. 115. 469, 134) und Stratonikeia (ebd. Suppl. VI 538, 489). Die Mondsichel selbst ist auf Münzen ein häufiges Attribut der A.; Beispiele: Aphrodisias (Imhoof–BlumerMonn. Gr. 306), Bruttium (Brit. Mus. Cat., Italy 322), Consentia (ebd. 341), Ephesos (ebd. Ionia 99), Gerasa (Mionnet Desr. V 329, 57), Leukas (Brit. Mus. Cat., Thessaly 179ff. pl. XXXVIII 16), Leuke (Imhoof–Blumer Monn. Gr. 289 pl. E 34), Nikaia (Imhoof–Blumer Gr. Münz. 603 Taf. VI 10), Perge (ebd. 770), Stratonikeia (ebd. 674), Tion (ebd. 607 Taf. VI 17), Thyateira (Mionnet Descr. IV 167, 964).

Myrte, in Boiai der A. heilig; vgl. jedoch Wide Lakon. Kulte 121f. Myrtusa (Kallim. Hymn. Ap. 91) oder Μυρτώσιον αἶπος (Apoll. Rhod. II 507) heisst die Höhe in Kyrene, wo man A.-Kyrene verehrte, vgl. Studniczka Roschers Lex. II 1731ff.

Olive. Heiligtum der A. Koryphaia in einem Ölwald, Paus. II 28, 2; Ölbaum auf dem Grabe der hyperboreischen Jungfrauen Hyperoche und Laodike, Herodot. IV 34; A. reicht dem Apollon einen Ölzweig auf einer Münze von Ephesos, Brit. Mus. Cat., Ionia 79 pl. XIII 10.

Palme. Die Rolle der Palme in der Geburtssage s. o. S. 23f. Auf die delische Legende (bezw. das tanagräische Delion) spielt wohl die Münzdarstellung [1439] von Tanagra (A. in einem Tempel zwischen Palmzweigen) an, Journ. Hell. Stud. VIII 9 pl. X 3.

Panther, in demselben Sinne wie der Löwe Attribut der A. Am Kypseloskasten war sie dargestellt mit einer Hand einen Panther, mit der anderen einen Löwen packend, Paus. V 19, 5. Vgl. auch die Darstellung auf der Françoisvase (Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. IV) und die Terracotta Arch. Ztg. XII 1854 Taf. LXIII 8. Ein Pantherfell trägt A. auf einer attischen, ein altertümliches Kultbild wiedergebenden Vase (Athen. Mitt. V Taf. 10) und öfter auf unteritalischen Vasen (Minervini Mon. Barone 21f. Ermitage 428 u. s.).

Pflug. A.- und Apollonkopf, als Beizeichen ein Pflug, Kupfermünze von Leontinoi, Brit. Mus. Cat., Sicily 93; vgl. auch Kap. III 3.

Ross, s. o. Kap. III 7.

Schiffsvorderteil, s. o. Kap. III 15.

Schild, s. o. Kap. III 14.

Schildkröte, s. die Epiklesis Chelytis.

Schlange. Statue von Damophon in Akakesion mit zwei Schlangen, Paus. VIII 37, 4; ebenfalls mit zwei Schlangen, Bronze-Beschlag aus Grächwyl (Arch. Ztg. XII 1854 Taf. LXIII 1); A. mit einem Schlangenzweigespann fahrend, Münze von Aureliopolis (Mionnet Suppl. VII 323, 49); vgl. auch die von A. dem Admetos ins Hochzeitsgemach gesandten Schlangen.

Schleier, Attribut der A. auf einigen kleinasiatischen Münzen: Akmonia (Mionnet Descr. IV 196, 3), Bargylia (Imhoof–Blumer Gr. Münz. [1440] 670 Taf. X 3), Kidramos (ebd. 732 Taf. XII 9), Magnesia a. M. (Brit. Mus. Cat., Ionia 163ff.), Miletos (ebd. 200), Perge (Mionnet Descr. III 462, 88), Sebastopolis Kar. (Imhoof–Blumer a. a. O. 673f. Taf. X 9f.); vgl. auch die A. von Gabii in München (s. o. Kap. VIII C a).

Schwert, s. o. Kap III 14.

Sichel, s. o. Kap. III 3.

Speer, s. o. Kap. III 14.

Stier, s. die Epiklesis Tauropolos.

Wachtel, s. die Epiklesis Ortygia.

Waffen, s. o. Kap. III 14.

Wolf. Junge Wölfe der A. Laphria in Patrai geopfert, Paus. VII 18, 12; vgl. auch die Epiklesis Lykeia.

Zackenkrone, ständiges Attribut der A. auf pompeianischen Wandgemälden, vgl. Helbig 200. 234. 236f. 249. 249 b. 252. 252b. 253. 257. 1304.

Zebu, s. Buckelochs.

Ziege, als Opfertier der A. in Athen (s. die Epikleseis Agrotera, Brauronia; das Fell erhält die Priesterin, CIA II 778 A, vgl. Ar. Thesm. 758), Eleusis (CIA I 5), Sparta (an den Tithenidien, Athen. IV 139 B; vor dem Feinde, Xen. hell. IV 2, 20; pol. Lak. XIII 8. Plut. Lyk. 22), Thessalien (Ant. Lib. 13); Kopf der A. zwischen zwei aufspringenden Böcken, Silbermedaillon aus Herculaneum im Cab. d. Méd. (Mon. d. Inst. I 14 a. Welcker Alte Denkm. II 67 Taf. III 5); vgl. die Epikleseis Knagia, Knakalesia, Knakeatis und o. Kap. III 7. 14.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 145
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S. 1372, 25 zum Art. Artemis:

Die Inschriften, welche sich auf die ephesische A. beziehen, sind vollständig gesammelt von Seymour de Ricci Proceedings Society Bibl. archeol. 1901, 396ff.

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S. 1375, 34 zum Art. Artemis:

(Der Nachtrag von Baumstark wurde an der vorbenannten Stelle bereits eingefügt.)

S. 1384, 46: Eine Weihung zu Artemis Ennodia (sic) aus Atalante, IG IX 1, 281.

S. 1385, 14: Auch wurde Artemis Eukleia bei den östlichen Lokrern verehrt, wie aus der Sage hervorgeht, wonach Eukleia Tochter des Herakles und Myrto, einer Tochter des Menoitios aus Opus war, Plut. Arist. 20.

[163] S. 1403, 59: Ein alter Tempel und Hain zu Oiantheia im westlichen Lokris wird von Paus. X 38, 9f. erwähnt.

  1. Belegstellen für Kultnamen und Kulte sind in Kap. VI und VII zusammengestellt.
  2. Die Verweisungen beziehen sich auf das alphabetische Verzeichnis der ἐπικλήσεις im vorangehenden Kapitel.
  3. Hier sind nur wenige griechische oder mit griechischen zusammenhängende Kulte aufgenommen; alles übrige s. unter Diana