RE:Ares 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 642667
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2) Ares, Ἄρης (aiolisch Ἄρευς, Sappho frg. 66. 91 Bgk. Prisc. VI 92 vol. I 277 Htz. Alkaios frg. 124 Bgk. und Choirobosk. II 210, 33; Genet. auch Ἄρητος Eustath. Il. 1133, 16), Gott thrakischer Stämme in Griechenland, πάρεδρος einer bald Enyo, bald Erinys, Aglauros genannten, in Thebai Aphrodite umgenannten Göttin.

I. Thrakien, früher Aria = Ἀρεία genannt (Steph. Byz. s. Θρᾴκη = Ἀρία, Meineke: Ἀρεία? Prob. Verg. Georg. IV 462), ist die Heimat des A. bei Homeros. Von dort kommt er Il. XVIII 301 und dorthin kehrt er Od. VIII 361 zurück, wohl weil ihm dort ebenfalls, wie der zugleich genannten Aphrodite in Paphos, Opfer bereit sind. Nun kennt Homeros kein anderes Thrake als das zwischen Pierien und Emathia einer- und Athos, Lemnos anderseits gelegene am Axios, von lanzenkämpfenden Paionen bewohnt (Il. XIV 226ff. XVI 287f.); und so haben dort auch alle Späteren den A. zu localisieren gesucht. So bezeugt Herod. V 7 für Thrakien Verehrung des A. neben Dionysos und Artemis, des A. überhaupt Cornut. n. d. 21. Aber diese Anknüpfungen sind, wie die Genealogien unter I 11 zeigen, secundär, möglicherweise allerdings schon durch die Wanderung der Pierier vom Olympos nach dem Pangaion vorbereitet (Herod. VII 112f. Thuk. II 99). Die thrakischen Stämme, denen A. eignete, bevor die homerische Dichtung sie in den nordaegaeischen wiederfand, wohnten vielmehr in Thessalien (Pierien s. u. III) und Boiotien und Phokis (s. u. IV). 1. Amphipolis hiess früher Ἄρεος πόλις, Harpokrat. s. v. – 2. Bizye hat A. ausschreitend mit Sturmleiter auf Münzen, Voltereck Elect. num. III 7. – 3. Athos (?) und Lemnos: Hekatomphonien von Menschen nach Erschlagung von 100 Feinden dem A. zu Ehren werden zu Lemnos apud Athenas dargebracht nach Diophantes von Lakedaimon de sacris deorum bei Fulg. Plac. de exp. serm. p. 559 (vgl. Philol. XXIII 562), FHG IV 397, 501, 9, wo Athoos zu lesen ist wegen der ohnehin sprichwörtlich engen Verbindung dieser nächsten Nachbarn der Lemnier mit Lemnos (wenn Ἀθᾶνας [bei Suid.] von Ἄθως abgeleitet werden dürfte, läge diese Form näher). Geopferte Gefangene dem A. und der Enyo zu Ehren bei den Thrakern, Ammian. XXVII 4, 4. Auf Lemnos ward auch die alte thebaische Ehe des A. mit Aphrodite in Ehebruch (Il. VIII 266ff.) umgestempelt, der lemnischen [643] Ehe der Aphrodite mit Hephaistos zu Liebe, der ihn mit jener zusammen im Fesselnetz festbannt; vgl. deren δίκτυα o. Bd. I S. 2768, 50. Auch die Ehe des A. mit Chryse bezieht O. Crusius (Jahrb. f. Philol. CXXIII 300, 37 zu Paus. IX 36, 1) auf Lemnos (= Chryse). – 4. Am Echedoros ist A. Gatte der Pyrene, Vater des Kyknos, den er nach dem unglücklichen Wettlauf mit Herakles im Tode an Herakles rächen will, bis ein Blitzstrahl des Zeus die Kämpfenden trennt, Apollod. Bibl. II 5, 11, 3. Hyg. fab. 31. – 5. Krestones Gott nennt ihn (d. h. Kandaios, Mamertos) Lykophron 937f. 1410; vgl. Wentzel Epikleseis VII 20. 23 (über L. Webers Quaest. Lacon. 49ff. Herleitung aus Sosibios π. τῶν ἐν Λακεδαίμονι θυσιῶν. – 6. Auf dem Phlegräischen Gefilde besiegt im Gigantenkampf A. den Mimas (Apoll. Rhod. III 1227. Claudian. carm. min. 87) und Peloros (Claudian. ebd. 53, 79); den Μίμων auf der Trinkschale Berlin 2531. – 7. Salmydessos benachbart ist die Heimat des A. bei Soph. Ant. 970; vgl. Oid. Tyr. 190f. – 8. Vom Haimosgipfel geht er herab, Kallim. H. Del. 63ff. – 9. Den Pangaios zu schleudern ist er bereit ebd. 133ff. – 10. Ἄρειον πεδίον, eine wüste Gegend Thrakiens mit umgestürzten Bäumen, nennt Polyb. XIII bei Steph. Byz. s. v. – 11. Thrakien allgemein ist Geburtsort des A. nach Arnob. IV 25. Veget. de re mil. I 28; vgl. Verg. Aen. III 335 (bei den Geten). XII 331 (am Hebros). Ovid. Fast. V 257f. (an der Propontis). Stat. Theb. VII 6ff. 35ff. Qu. Smyrn. VIII 335. Darum ist er selbst ein Thraker, Antipatros Anth. Plan. IV 176,6. Nonnos Dion. XXVII 313. Clem. Protr. p. 25 P. Ein Thraker war Enyalios, von dessen Erschlagung mit der Keule A. selbst den Namen Enyalios (s. d.) überkommen haben soll, Arrian. frg. 57 aus Eust. Il. VII 166 p. 673, 47f., FHG III 597 = Tzetz. Chil. XII 791. Dieser Enyalios heisst Sohn des Kronos und der Rhea Schol. Arist. Pax 456. Thraker sind des A. Kinder Phobos, Il. XIII 301, und dessen Bruder Deimos, IV 440 u. ö., nach Hesiod. Theog. 939 von Aphrodite (s. u. IV 1); Diomedes, der König der Bistonen, Eur. Alk. 497; vgl. Diodor. IV 15. Hyg. fab. 99, von Kyrene, Apollod. II 5, 8; der Myser Hebros, Tzetz. Antehom. 273. Philostrat. Heroïd. 15, 16. Vom thrakischen Hebros auf die Hebräer (und von der thrakischen Samaïke auf Samaria?) scheint übertragen zu sein die Sage vom Grabe des Aressohnes Askalaphos; s. u. XXVII 1; thrakische Kinder des A. sind ferner der Eponymos von Maroneia, Ismaros, von der Thrasse, Et. M. s. v.; Strymon, von der Helike, Plut. de fluv. XI 1. Anton. Lib. 21; Biston. von der Kalirrhoë, Philost. in Schol. Apoll. Rhod. II 706; Lykurgos, Nonn. Dion. I 30–43. 96ff. XXI 11. XXX 282. Qu. Smyrn. II 439. IX 375; Rhesos, Serv. Aen. I 469; Tereus, Apollod. Bibl III 14, 8, 2, von einer bistonischen Nymphe. Hyg. fab. 45; die Amazon (Sing.), Il. XXIV 804 nach der Variante im Schol. Townl.: vgl. die Thrakerin Penthesileia (Ἀρηΐς Qu. Smyrn. I 206. 586. 187. 318–675), Prokl. Hypoth. Aethiop., ferner die Amazon als Tochter des A. (Gegnerin des Achilleus), Aithiopis frg. 1 Ki., sowie den thrakischen Dialekt der Amazonen, Schol. Apoll. Rhod. II 946, und ihre Rossopfer an A., Schol. Arist. Lysistr. 191. Sie sind Töchter des [644] A. von der Najade Harmonia bei Pherekyd. frg. 25 aus Schol. Apoll. Rhod. II 992, FHG I 75, und bei diesem selbst a. a. O. (vgl. Preller-Robert I 343, 5), sichtlich durch Übertragung aus Boiotien; s. u. IV 4; vgl. V 1. Über Aba-Ergiskos-Sergentzis s. u. III 5.

II. Makedonien. Hier ist Ἄρας, Ἄραντος (ältere Form für Ἄρητος zu erschliessen aus den nach Hesych makedonischen Ἀράντισι = Ἐρινύσι nach Analogie der in Thebai und Athenai zu beobachtenden Verbindung der Erinys mit A. und des in Krieg und Jagd erfahrenen Eponymen Ἄρας (s. d.) von Ἀραντία = Ἀραιθυρέα. Vgl. den Namen Ἀράντας eines acht Ellen grossen Riesenbebrykers bei Arrianos v. Nikomedia frg. 50 aus Eust. Dion. Per. 378 und des Dolionen bei Dion. Hal. I 47 (von Askanios besiegt). Ἀραντίς: Ἐρινύς = Ἀρείων: Ἐρίων. Ob die von Nonnos Dion. XLI 148 für die syrische Stadt Beroë gebrauchte Bezeichnung Ἄρεως αὐλή ursprünglich der gleichnamigen makedonischen Stadt gegolten hat?

III. Thessalien, Αἱμονία genannt nach einem Sohn des A., Haimon (Schol. Apoll. Rhod. II 504), kennt einen in sonstigen griechischen Kalendern fehlenden Monat Ἄρειος (s. d. Nr. 14), der die festen Wurzeln des Areskults in dieser Landschaft beweist, zu 1. Phalika, Bull. hell. V 1881, 442 (= att. Elaphebolion, Bischoff Leipz. Stud. VII 337ff.). – 2. Magnesia, Athen. Mitt. VII 1882, 71. – 3. Malis, Lamia, Rhangabé Ant. hellén. 947. An demselben und einigen anderen Punkten haften auch sonst deutliche Erinnerungen, so zunächst in – 4. Tempe. a. Vom Aloïon sind die Eponymoi die Aloaden (s. d.), welche den Thraker A. 13 Monate in einem grossen ehernen Fasse fesseln, bis er von Hermes befreit wird durch Vermittlung der mitleidigen Eeriboia, der Stiefmutter der Aloaden. Dies geschah damals, als das Brüderpaar mit Ossa und Pelion den Olympos stürmen wollte, nach Apollod. Bibl. I 7, 4, 6. Nach dem Schol. Townl. B Il. V 385 hatte dagegen A. den Adonis, Aphrodites Liebling, aus Eifersucht auf der Jagd getötet, worüber die Aloaden zornig waren. Da sie Aloïon nach Besiegung der Thraker gründen (Steph. Byz. s. Ἀλώϊον), so scheint dieser Mythos ein Nachhall des auch in Diodors (V 50f.) pragmatisierender Darstellung erscheinenden feindlichen Gegensatzes der Einwohner Thessaliens zu den Thrakern zu sein, Preller-Robert I 104, 1. 103, 2. Über den κέραμος s. u. XX 4. Die 13 Monate scheinen unorganisch für das ‚grosse Jahr‘, den ἐνιαυτός, zu stehen, der für mythische Knechtung typisch ist (H. D. Müller Ares 55; Myth. I 183). – b. Homole, nach Schol. Apoll. Rhod. I 594 in Thrakien gelegen, muss der Sitz des thessalischen Gottes Enyeus sein, dessen Prophetin oder Tochter Homoloa (Phot. Suid. s. Ομολώιος Ζεύς. Apostol. XII 6. 7) eine Enyo Ομολωίς birgt (O. Müller Orch.² 229. Gerhard Myth. § 604. Tümpel Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 705). Von dort soll Θέρσανδρος, Sohn des aus A.s thebaischer Ehe mit Aphrodite entstammten Πολυνείκης, zwei Aresheroen mit durchsichtigen Namen des Kriegsgotts (Studniczka Kyrene 68. 86), mit Kadmeionen nach Thebai ,rückgewandert‘ sein, Paus. IX 8, 6, wohl eine die Richtung umkehrende Erinnerung der nordsüdlichen Wanderübertragung nach dem schon von Niebuhr (Vorträge über römische Geschichte [645] 103ff.) gelehrten, von H. D. Müller (Mythol. d. griech. Stämme I 29. 202. II 169) gehandhabten Gesetze der ,Polarisation‘ oder ‚Doppel-, Rückwanderung‘. Enyo, die Kampfesgenossin des A. in der Ilias (V 592) ist seine Gattin nach Schol. Arist. Pax 457, oder seine Mutter (Schol. Il. V 333. Cornut. 21), Tochter oder Amme (Cornut. a. O.). So ist Enyeus Hypokorisma von Enyalios (s. d.), dessen Name mit Ἄρης zusammen (Il. XVII 211) wie ohne ihn (XIII 519. XX 69. XXII 132, vgl. Archilochos frg. 1 Bgk.) als Name des Gottes erscheint und nur in späteren aitiologischen Legenden (s. o. I 11) und in localer Differenzierung (s. u. XIV 3) von ihm getrennt wird; so im Schol. Arist. Pax 457 = νεώτεροι beim Schol. A Il. XVII 211 (A. durch Enyo Vater des Enyalios = Hesych. s. Ἐνυάλιος) und bei den Ἀττικοί des Schol. A Il. a. O. und Schol. Soph. Aias 179, die wohl infolge falscher Lesung der Sophoklesstelle (ἤ τιν’ statt ἥντιν’) und des Ephebeneids einen besonderen Gott Enyalios construierten. – 5. An Hestiaiotis und seine Verbindung mit dem euboeischen Histiaia denkt v. Wilamowitz (Isyll. 53, 22) bei der Herleitung des Abanten Molon, also der phokisch-euboeischen Abanten, die Aristoteles frg. 105 bei Strabon X 445, FHG II 141, aus Thrakien herleitet und Welcker (s. u. IV 1) als Träger und Vermittler des boiotisch-phokischen A.-Kults mit Recht bezeichnete. Dann müsste die vergeblich gesuchte Metropole des phokischen Abai und des abantischen Areskults (s. u. IV 1), das thrakische Aba-Ergiske-Sergentzis, in dem thessalischen Thrake, beim Tempepass, angesetzt werden, und der Kult des homoleïschen Enyeus-Enyalios mit Enyo wäre durch jene Abanten südlich übertragen; vgl. u. noch V 1. IX 3. – 6. Pelasgiotis: mit Dotis zeugt A. den Phlegyas, Apollod. Bibl. III 5, 5, 3, wie sonst mit Chryse, Paus. IX 36, 1. Steph. Byz. s. Φλεγύα. – 7. Pagasai: A. erzeugt mit Pyrene (sonst auch mit Pelopia, s. u. XI 2) den Ἀρητιάδες (Hesiod. Aspis 57) Kyknos (Apollod. Bibl. II 5, 11), der die Vorüberziehenden überfällt (Eur. Herakl. 391 ξενοδαΐκτας), tötet und aus ihren Schädeln dem Vater A. einen Tempel bauen will, Stesichoros frg. 12 Bgk. aus Schol. Pind. Ol. X 15. Hesiod. Aspis. Pindar Ol. X 15. Zu diesem nach Boios oder Boio (bei Athen. IX 393 e = παλαιοὶ des Eust. Il. II 458 p. 254, 52ff.) vogelgestaltigen Sohn des A. (Enyalios) gehören die κυκνόμορφοι Γραῖαι (Aisch. Prom. 797), deren eine, und bei Homeros ursprünglich einzige, eben Enyo ist. – 8. Nach Hypata im Ainianenland (vgl. oben II 3), wo Herakles die Geryoneustochter Erytheia der Kythera Phersephaassa weiht (Ps.-Aristot. mirab. ausc. 145), gehört vielleicht die Erytheia, mit der A. den Eurytion erzeugt, Hellanikos frg. 41 aus Schol. Hes. Theog. 293, FHG I 50. Serv. Aen. VIII 249; Eurytos = Eurypylos localisiert Maass (Gött. Gel. Anz. 1890, 344) bei Hypata. – 9. Skyros, von thrakischen Dolopern bewohnt, von der Ilias IX 668 nach Asien verlegt, hat einen König Ἐνυεύς, Sohn des Dionysos (Schol. DL) von Ariadne (Townl.); vgl. den von Rhadamanthys in Kyrnos (auf Euboia?) eingesetzten Ἐγυεύς Diod. V 79, den Toepffer Att. Geneal. 201 in Εὐνεύς (= Dionysos) ändert. – 10. Auf den thessalischen Olympos versucht vergebens A. den Hephaistos zurückzuführen, [646] um seine Mutter Hera von dem tückischen Fesselstuhl zu befreien, wird aber von Hephaistos mit Feuerbränden zurückgescheucht, Libanios narr. I p. 372 nr. 3 West. Sappho frg. 66 Bgk. u. a., namentlich bildliche Darstellungen, vgl. Preller-Robert I 177.

IV. Boiotien. 1. Thebai, das Ἄρειον τεῖχος der Ilias (IV 407), heisst allgemein die Erde des παλαίχθων A., Aisch. Sept. 105. Er hat die Stadt zu seiner εὐφιλήτα gemacht, Schol. Soph. Ant. 126. A. hat nach dem Schol. Soph. Ant. 128 (statt der Enyo) hier die Erinys Tilphossa zur Gattin, und ist Vater des Ἄρεως δράκων (Pind. frg. 29 Bgk.), nach v. Wilamowitz (Herm. XXVI 199, 1. 236, 3) Ὄφις genannt von Pherekydes frg. 44. Eurip. Bacch. 1026 und dem Namen nach erhalten in der Örtlichkeit Ὄφεως κεφαλαί am Weg nach Glisas (Paus. IX 19, 3), aus dessen ausgesäten Zähnen die Spartoi (s. d.) hervorwachsen, Schol. Soph. Ant. 128. A. selbst säte diese bei Eur. Her. 252, befiehlt dem Kadmos, den Drachen zu töten bei Pherekyd. frg. 44 aus Schol. Apoll. Rhod. III 1178, FHG I 83 und Hellanikos frg. 2, FHG I 45, nach gemeinsamer Quelle (Crusius Roschers Lex. II 835), in welcher A. die Hand seiner Tochter Harmonia offenbar von der Bestehung des Drachen- und Sparten-Abenteuers abhängig gemacht hatte (so Crusius a. O. 836). A. ist Vater des euhemeristisch vermenschlichten Δράκων, Derkyllos frg. 4 aus Schol. Eur. Phoin. 7, FHG IV 387. Palaiphat. 6. Durch Ge ist Erinys als Mutter des Drachen ersetzt bei Eur. Phoin. 657. 931 (γηγενής); vgl. Schol. z. d. St. ἐκ Γῆς καὶ Ἄρεως. Der Drache bewohnt die Ἀρεία κρήνη (s. d.) oder Ἄρεως κρήνη oder Ἀρητιὰς κρήνη (s. d.). Dem A. muss Kadmos einen ἀΐδιος ἐνιαυτός dienen (θητεύειν) zur Sühne für die getöteten Sparten (ἀνθ’ ὧν ἔκτεινεν, Apollod. Bibl. III 4, 2. Nonn. Dion. IV 442) und den getöteten Drachen (Lykos frg. 14 d aus Suid. s. Καδμεία νίκη, FHG IV 657. Schol. Il. II 494, vgl. Schwartz De schol. Hom. 456–468. Apollod. Bibl. III 4, 1, 3; s. auch Crusius Roschers Lex. II 829. 861). Sonst erscheint als Gattin des A. Aphrodite, Mutter der Harmonia (Hesiod. th. 937. 957ff. Aisch. Sept. a. O. Apollod. Bibl. III 4, 21. Tab. Iliac. CIG 2126 B, frg. Veron.), die als Gattin des Kadmos ihren Vater zum Stammvater des thebaïschen Jungfrauenchors in Aischylos Sieben gegen Theben macht (Κύπρις γένους προμάτωρ 125–129). Χαλκάρματος πόσις Ἀφροδίτης heisst er bei Pindar Pyth. IV 155f. (entsprechend der Louvrevase aus Melos, Ravaisson Mon. grecs 4. Wiener Vorlegebl. VIII 7); gewappnet führt er Aphrodite auf der Kypsele, Paus. V 18, 1 (die Hochzeitsfeier des Paares auf dem Olympos schildert das Idyll des Maximus Planudes 148ff. 158ff., Holzinger Zeitschr. Öst. Gym. 1893). Und auch die durchaus feste Paarung beider im Zwölfgöttersystem, also seit dem 8. Jhdt. (Petersen Progr. Hamburg 1868. Tümpel Jahrb. f. Philol. Suppl. XI 1880, 742) bezeugt die Echtheit der mythischen Beziehungen, die erst im Demodokosgesang der Odyssee (VIII 266ff.) zu ehebrecherischen gestempelt sind, wohl unter Vorgang einer localen Umformung auf Lemnos, wo die thebaïschen Zuwanderer schon eine feste Paarung der Aphrodite (s. Bd. I S. 2747) mit Hephaistos vorfanden (Crusius Jahrb. f. Philol. [647] CXXIII 300f.). Die ursprüngliche Zugehörigkeit des Mythos des Demodokos zur heiligen Thebe erkannte aber schon O. Müller Proleg. 357. Da die boiotische Theogonie Hesiods 939 als Kinder dieses Paares die wilden Brüder Deimos und Phobos nennt, da ferner die thebaïsche Aphrodite ihr Fest ungewöhnlicher Weise am Wintersolstitium hat, und die thebaische Vorzeit vielmehr Erinys-Tilphossa als Gattin des A. kannte, so darf die locale Paarung A.-Aphrodite als eine Metamorphose der älteren A.-Erinys (= Enyo) angesehen werden, veranlasst durch das Eindringen der Pelasger (mit Aphrodite, s. Bd. I S. 2731) in die Kultgemeinde des A. und der Erinys (Tümpel Jahrb. Phil. Suppl. XI 1880, 716). A.s grimmiger Zorn suchte immer wieder Thebai heim durch Misswachs und Hungersnot, Seuche, Mord und Krieg; vgl. die Zusammenstellung der Zeugnisse bei Stoll Ares, 1865. Darum opfert sich Menoikeus selbst dem A., um ihn zum Bundesgenossen zu gewinnen für seine Vaterstadt (Eur. Phoin. 936. Paus. IX 25, 1. Apollod. Bibl. III 6. 7, 8). Auf der Mauer stehend, lässt er sein Blut in die Höhle des Aresdrachens hinabrinnen; an seinem Grabmal aber spriesst eine Granate mit innerlich blutroten Früchten, Paus. IX 25, 1. Auch auf dem Grabmal des Eteokles pflanzen ,die Erinyen‘ (Erinys?) einen Granatapfelbaum, aus dessen Früchten beim Brechen Blut fliesst, Philostrat. Imag. II 29. Die Berührung von A. mit Erinys ist hier wichtiger als die ,phrygische Färbung‘, die V. Hehn (Kulturpfl.⁶ 237) in diesen Mythen erkennen will. Wie im Mythos nach dem von Kadmos Steinwurf veranlassten Wechselkampf der erdgeborenen (areïschen) Sparten fünf übrig bleiben und von Kadmos in die neugegründete Kadmeionenstadt als Stammväter des Adels (Pherekydes frg. 44, FHG I 83. Hellanikos frg. 8, FHG I 83. Apollod. Bibl. III 4, 1) aufgenommen werden, so liess in der Sage bei Paus. IX 5, 1 (= Nonn. Dion. V 48f.) Kadmos nach seiner Eroberung der thebaïschen Erde die autochthonen Aonen, soweit sie nicht im Kampfe vernichtet waren, sondern sich ergaben, am Orte bleiben. Die autochthonen Gegner des zuwandernden Kadmos und seiner Leute heissen bei Strab. IX 401. 410 Thraker und Pelasger (vgl. O. Crusius Jahrb. f. Philol. CXXIII 296, 22); vgl. die boiotischen Thraker des Hellanikos frg. 71, FHG I 54 u. a. (O. Müller Orch.² 379f.). Das sind die thrakischen Verehrer des A. (mit Erinys) und die pelasgischen der Aphrodite. Denn als thrakischer Stamm geben sich schon durch die Namenendung -όνες die Ἀόνες zu erkennen (O. Crusius Allg. Encyclopädie u. d. W. Kaukonen 24, 11); vgl. das Ἀόνιον πεδίον und die Ἀονίη κρήνη bei Thebai und den Ἀόνιος δράκων des A. bei Apoll. Rhod. III 1178, der dieses später verallgemeinerte Epitheton sonst nie im Gebrauch hat (Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 714; vgl. zugleich dort und bei Crusius Roschers Lexik. II 854, 11ff. 879 über die Spuren einer alten Etymologie der Σπαρτοὶ Ἄονες, d. i. des aonischen Adels, als σποράδην οἰκοῦντες Ἄονες). Sie sind der thrakische Stamm, dem der boiotische A. eignete. Welcker hatte ihn in den phokischen Thrakern von Abai, d. i. den Abanten, vermutet (Gr. Götterl. I 414. 418). Diese sind freilich nicht nach Thebai gewandert, sondern nach Euboia. Aber dorthin haben sie wirklich auf [648] ihrem südlichen Zug aus Thessalien die in die Argonautik verflochtene Sage von A., seinem Drachen und den Sparten übertragen; s. u. V 1. Letzthin sind beide Namensformen blos dialektisch verschieden Ἄϝονες = Ἄβαντες, H. D. Müller Jahrb. f. Phil. Suppl. XVI 1887, 210f. Der thebaïsche Sparte Epameinondas führte noch später als Schildzeichen den Aresdrachen, Paus. VIII 11, 5. Tümpel Progr. Neustettin 1887, 18. Wie Lykurgos, der Thraker und Aressohn, blos seinen eigenen Lanzenschaft als Gott über sich anerkannte, so ist dem A. die Lanze göttliches Symbol. Nicht blos dass er bei Homeros als ἐγχεσπάλος (Il. XV 605) eine ungeheure Lanze als Hauptwaffe führt (V 594) und als Liebhaber der μεναίχμη (Anakr. frg. 70 Bgk.) und δοριμήστωρ (Eur. Andr. 1015) dem Lanzenkampf besonders vorsteht (Hesiod. Aspis 453), wodurch die ,Areslanze‘ geradezu sprichwörtlich gemacht wurde (s. u. XXX a. E.); er pflanzt sie auch selbst auf dem Areiopag (s. u. VII 1) auf; noch später trägt die heilige Lanze der Archon in Thebai (Plut. gen. Socr. 31), ἀκαμαντολόγχαι heissen die Sparten bei Pindar Isthm. VII 10. 13 (vgl. die Ἄβαντες αἰχμηταί ὀρεκτῇσιν μελίῃσιν Il. II 536ff., ἀγχέμαχοι Plut. Thes. 5, δουρίκλυτοι Archilochos ebd. und u. V 1). Die Sparten trugen die heilige Areslanze als σύμφυτον σημεῖον (Muttermal) auf der Brust, Tzetz. Lyk. 152. Dion Chrys. or. IV 149. Iulian. Or. II 81 c. Plut. ser. num. vind. 21; vgl. Hygin. fab. 72. Ob damit das so verschieden erklärte δόρυ καὶ κηρύκειον der thebaïschen Gephyraier (Hesych. Suid. Zenob.) und das als Kriegserklärung gebräuchliche Schlagen des Speers an den Schild (A.: Kallim. H. Del. 136. Preller-Robert Gr. Myth. I 344, 1) zusammenhängt? ,Arespriester‘ war der πυρφόρος, welcher in der alten Zeit vor Erfindung der tyrsenischen Kriegstrompete durch Abschleuderung einer Fackel ins μεταίχμιον von Zweikämpfern, oder in der Schlacht vor jedem Heere voranschreitend, den Kampf eröffnete und unverletzlich war: in der thebaïschen Sage vom Zuge der Sieben bei Eurip. Phoin. 1377 und den Scholien z. d. St. (daselbst das Sprichwort οὐδὲ πυρφόρος ἐσώθη). Vgl. u. XIV 3 a. E. – 2. Orchomenos und Aspledon: A. von der Aktortochter Astyoche Vater des Askalaphos und Ialmenos, Il. II 512ff. XV 112. IX 82 = Paus. IX 37, 7. Hygin. fab. 159 (ebenso Enyalios Il. XIII 518ff., wo A. seines Sohnes Tod durch Deïphobos beklagt; vgl. XV 110ff.). A. ist Vater des Minyas nach ,Dionysios‘ beim Schol. Pind. Isthm. I 79. Über die Thraker, welche aus Orchomenos die Minyer vertreiben, vgl. O. Müller Orch.² 383f. – 3. Schwankender Ortsbeziehung ist (vgl. Robert Herm. XXII 1887, 451) die Sage von A. als Vater des Hippomenes, den Aphrodite unterstützt: so (abweichend von der Ehoie) Schol. Theokr. III 40. – 4. Der Thermodon bei Tanagra, der Sitz der thebaïschen Gephyraier, ist wohl das ursprüngliche Local der später mit dem Flussnamen zugleich nach Themiskyra am Pontos übertragenen Sage von A. als Gatten der νύμφη ναΐς Harmonia und Vater der Amazonen, Pherekyd. frg. 25 aus Schol. Apoll. Rhod. II 992. 994, FHG I 75 = Apollon. Rhod. a. O. Vgl. das boiotische Amazonikon bei Steph. Byz. s. v. – 5. Tanagra, die Stadt des Eroskults wie des der Aphrodite Melainis (Paus. IX 27, 5), [649] legte jene Herleitung des σχέτλιος παῖς Eros von der δολόμητις Aphrodite und dem κακομήχανος A. nahe, welche uns zuerst bei Simonides frg. 43 Bgk. begegnet. Eros und Anteros als Kinder des A. von Aphrodite hat Schol. Apoll. Rhod. III 26. Cic. n. d. III 60. – 6. Abai in Phokis vgl. o. III 5. IV 1. V 1.

V. Euboia-Abantis. 1. Chalkis. Da Chalkis = dem mythischen Kolchis ist (Maass Gött. Gel. Anz. 1890, 352), so ist hier der kolchische A.-Hain mit dem A.-Drachen und A.-Feld anzusetzen, in dessen selbstgezogenen Furchen Iason die von Aietes ihm gegebenen Drachenzähne sät und die erzgerüsteten Lanzenkämpfer der mütterlichen Erde entwachsen, Apoll. Rhod. Arg. II 404. 989. III 1178ff. 1270ff. 1357ff. 1366ff. Apollod. I 9, 16, 5. Hygin. fab. 22. Vor dem A.-Tempel liegt eine ἐσχάρα zum opfern von Schafen und Rindern (II 1169–75), in ihm selbst ein heiliger μέλας λίθος (1122ff.), bei dem die Amazonen Pferde opfern (1176). Er erinnert an den δεινὸς Ἐνυαλίου σόλος Ἄρεος, μέγας περιηγὴς πέτρος, der auf dem Ἄρεως πεδίον liegt und von Iason unter die rasenden Erzzahnentsprossenen geschleudert wird (III 1365ff.). M. Mayer denkt (Giganten und Tit. 26) an ein Symbol der Landesherrschaft. Er ist aber ein Fetisch. Der A.-Drache wird eingeschläfert durch φάρμακα (Apoll. Rhod. IV 157. Apollod. Bibl. I 9, 23, 11; vgl. Antimachos Lyde frg. 7–14), d. h. durch die stehende Schlangenkost 30 (O. Jahn Arch. Beitr. 223, 15), den nephalischen Honigopferkuchen (Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 734f.). Der Mythos stammt wohl mitsamt der ihn umrahmenden Argonautik aus der thessalischen ,Ackerfurchenstadt‘ Ἰωλκός (Hesych. s. v. O. Gruppe Progr. Berl. Askan. Gymn. 1891, 5), und wird durch die aus Thrakien südwärts über Phokis nach Euboia wandernden Abanten übertragen sein (Aristot. frg. 105 aus Strab. X 445, FHG II 141; vgl. o. III 5. IV 1. 6). Der Eponymos von Chalkis, Χάλκων, vollständiger Χαλκώδων, scheint durch seinen Namen selbst auf die Geburt aus ‚ehernem Zahn‘ anzuspielen (H. D. Müller Jahrb. f. Philol. Suppl. XVI 1887, 210f.). Die erzgerüsteten lanzenbewehrten Sparten des Mythos sind die aus der Ilias als αἰχμηταὶ berühmten nahekämpfenden Abanten Euboias (s. o. IV 1), die Verehrer des χαλκέος Ἄρης Homers Il. V 704 u. ö. – 2. Ein Castell Ἄρης, Ἄρητος kennt auf Euboia Theopompos frg. 160 aus Steph. Byz. s. v., FHG I 305. Es ist zweifelhaft, ob mit diesem Castell oder mit Chalkis und den χαλκίδες-Vögeln des chalkidischen Wappens (Studniczka Arch. Jahrb. I 93) die Insel Aretias (s. d.) der Argonautik mit ihren Ἄρειοι ὄρνιθες (Apoll. Rhod. II 1033ff. III 325) σιδηρόπτεροι Στυμφαλίδες (Timagenes FHG IV 520, 4), den alumnae Martis (Serv. Aen. VIII 300), zusammenhängt. Στύμφη heisst Chalkis nach Steph. Byz. s. Στύμφηλος, erinnernd an Στύμφαλος in der makedonisch-thrakischen Heimat der abantischen A.-Verehrer. – 3. Über den Ἐγυεύς (Ἐνυεύς?) von Kyrnos s. o. III 9; über die weitere Übertragung des A.-Kults durch Abanten nach Argolis s. u. IX 3, und nach dem ionischen Erythrai s. u. XXI.

VI. Aitolien-Hyantis. A. erzeugt mit der olenischen Hipponoostochter Periboia, späteren Gattin des Oineus, den Tydeus, Diod. IV 35, [650] der θέσει Sohn des Oineus ist und den aitolischen A. in der Brust trägt, Eur. Phoin. 134; mit Protogeneia den Oxylos, Apollod. I 7, 7, 2; mit Demonike den Euenos (wie sonst mit der Oinomaostochter Sterope, Dositheos Aitolika frg. 5 aus Plut. Parall. 40, FHG IV 401), Pylos, Thestios, Molos, § 3; mit Oineus Gattin Althaia den Meleagros, I 8, 2, 1; sonst auch Dryas, § 4. Hyg. fab. 45. 159; mit Demodike den Thestios, Schol. Apoll. Rhod. I 146; Portheus, den Vater des Oineus, Anton. Lib. 2. Portheus und Porthaon sind wie Perseus (von περθ-, vgl. u. IX 2) A.-Heroen (H. D. Müller Philol. XIV 1859, 128f.; Myth. I 106), ebenso Tydeus (H. D. Müller a. O. I 211. 213. Voigt Beitr. z. Myth. d. A. 227) und Molos (μῶλος = μάχη, μῶλος Ἄρηος Ilias). Mit Astynome erzeugt er den Stadteponymos Kalydon (,Derkyllos Αἰτωλικὰ‘? bei) Plut. de fluv. XXIII⁴. Als Träger dieser Genealogien, die A. als Stammvater aitolischer Geschlechter zeigen, weist F. A. Voigt a. O. 245ff. die boiotischen Ὕϝαντες (vgl. Ὑφάντειον bei Orchomenos) nach, die vor Kadmos Andringen wohl nach der phokischen Hyampolis und von da später (mit Boiotern?) nach Aitolien-Hyantis (Apollod. frg. 156 bei Strab. X 464, FHG I 454) weichen (Jahrb. f. Phil. Suppl. XVI 1887, 210. 221) und mit den thrakischen Ἄϝαντες-Ἄϝονες wesens- und namensgleich sind, H. D. Müller a. O. 210f. Der Aressohn Τυδεὺς παρὰ Ὑάντεσσιν liegt wohl auch dem sprichwörtlich gewordenen etymologischen Mythos zu Grunde, παρὰ συφορβοῖς τετράφθαι Τυδέα (Antim. Theb. frg. 12 Ki.). A. hilft dem Acheloos im Ringkampf gegen Herakles über auf dem megarensischen Anathem von Dontas Hand in Olympia, Paus. VI 19, 7.

VII. Attika. 1. Athenai. a. Ἄρειος πάγος und πέτρα sind nach Aischylos Erklärung (Eum. 688f.) A.s Feld und Gau (vgl. E. Curtius Stadtgeschichte von Athen 53 gegen Fehldeutungen des Namens), einst Opferplatz des A. bei den dort ansässigen, von A. abstammenden Amazonen; vgl. auch Eust. Dion. Per. 653; nach Paus. I 28, 5 vielmehr so genannt von dem ersten Urteilsspruch über ἄρης ἐμφύλιος (Aisch. Eum. 851f. H. D. Müller Ares 83. O. Müller Eum. 154), der an diesem noch später als Blutsgerichtshof dienenden Orte abgeurteilt war. A. galt als Gatte der Aglauros (Hellanik. frg. 69 aus Suid. s. Ἄρειος πάγος, FHG I 54. Apollod. Bibl. III 14, 2), Vater der Alkippe, die er an ihrem Schänder, dem Poseidonsohn Halirrothios (s. d.), blutig durch Mord rächte; Demosthen. XXIII 66. Eur. El. 1258ff; Iphig. Taur. 945f. 961ff. Dafür wurde A. (nach Apollod. Bibl. III 74, 12 irrtümlich Poseidon) von den Göttern dort abgeurteilt (Paus. I 28, 5) und bei Stimmengleichheit durch den Stimmstein des Zeus (Eur. Iph. T. 945f.) oder der Athena (Areia Paus. a. O.) von der Todesstrafe befreit, statt deren er einen ἀΐδιος ἐνιαυτὸς θητεύειν musste ὑπὸ πατρὸς ἀνάγκῃ, Panyassis frg. 16 Ki. bei Clem. Al. Protr. p. 30 P. Das Heiligtum der Semnai-Erinyen daselbst (Eur. El. 1272. Thuk. I 126, 11. Paus. I 28, 6. VII 25, 2; vgl. E. Curtius a. O. XXIX 15ff.) zeigt wieder die altthebaische Verbindung von A. und Erinys, abermals mit Schlange (im Erinyenhaar), Quelle und Schlucht (χάσμα χθονός Eur. El. 1271. E. Curtius Atlas v. Athen IX; Stadtgeschichte 52: die Quelle dieses Erdspalts). [651] – b. Der Tempel des A. (Paus. I 28, 6) lag nordwestlich vom Hügel des A. (Curtius a. O. 171 Karte), enthielt die Statue des Gottes von Alkamenes Hand, zwei Aphroditen, eine Enyo von den Söhnen des Praxiteles und eine Athena. Einen Priester des A. und der Enyo neben dem Hierokeryx des Zeus Geleon bietet die Inschrift CIA III 2, θυσίαι an A. CIA II 409 b 10f., χαριστήριον an A. (und den Sebastos) vom Acharnerdemos CIA III 130, die στῆλαι ἐλεφάντων daselbst erwähnt G. Kodinos de const. sign. 47, 14f. Bonn.; vgl. Curtius a. O. p. LIX u. XV. Die Epheben schwören bei A. Enyalios (ungetrennt), Aglauros, Zeus (Geleon), Hegemone (= Artemis), Dem. XIX 303. Pollux VIII 106. Über seine und der Erinyen Entwickelung zu Schutzgöttern des Marktverkehrs s. Curtius a. O. 52f. Ausser mit Agraulos (s. o.) ist ,Enyalios‘ verbunden mit Artemis Ἀργοτέρα im Opfer des Polemarchen, Aristot. Ἀθήν. πολ. 58, 1. Pollux VIII 91. Als A. sich ansiedeln wollte, fand er die Akropolis schon besetzt, Schol. Eur. Hipp. 974. Der thrakische Stamm, der den A. ἀγχίπτολις (Soph. Ant. 970) brachte und nach ihm die besetzte Trutzburg gegenüber der Akropolis und überhaupt den Gau mit dem uralten Namen πάγος benannte, bis A. vor Poseidon zurückwich (Curtius a. O. 53. 35), muss aus Thebai stammen. Dort ist wenigstens die Heimat der Gephyraier Harmodios und Aristogeiton (Herodot. V 55) und Pindars, die ihre Statuen sämtlich am Abhange des Areiopags haben (Paus. I 8, 5), zugleich mit dem Grabe des Oidipus im Bezirk der Erinyen (Paus. I 28, 7). Die enge Verbindung des Harmodios mit Thebai geht aus dem Anklang seines Namens an die dortige A.-Tochter Harmonia hervor, seine Beziehung zum athenischen A.-Kult daraus, dass der Archon Polemarchos ihm sowohl wie dem Aristogeiton und A. Opferdienste leistet (Pollux VIII 91). Die Lanze, die A. auf dem Areiopag aufpflanzt (Hellanikos frg. 69 aus Suid., FHG I 54) bringt das gleiche Kultsymbol des thebaischen A. in Erinnerung (s. o. IV 1). Auch die dort entstandene Verbindung mit Aphrodite wiederholt sich hier, ausser der constanten Paarung im Zwölfgöttersystem (Thuk. VI 54, 7. Vita X orat. 847 A. CIA III 284. Xenoph. Hipparch. III 2. Herodot. VI 108 u. a., vgl. Curtius a. O. IX 13ff.) und ausser im A.-Tempel auf der Inschrift Δελτ. ἀρχ. 1888, 190, 3 (nebst Hermes und Iup. O. M.); vgl. CIA I 318. 319 mit U. Köhler Ann. d. Inst. 1865, 316f.). – 2. In Acharnai: Tempel des A. nach Ross Demen 63 nr. 58; vgl. CIA III 130 u. o. VII 1. – 3. Salamis: Enyalios-Tempel, gegründet von Solon dem Aias zu Ehren zum Andenken an die Wiedergewinnung von Salamis, Plut. Sol. 9; nach Toepffer Qu. Pisistr., Dorpat 1886, 19ff. ist wegen der älteren Beziehungen von Salamis zu Megara auch dieser Kult älter.

VIII. Megara: Ἐνυαλίου (ἱερόν), Thuk. IV 67.

IX. Argolis. 1. Argos. Enyalios, θεὸς γυναικῶν genannt wegen des Siegs der (mit Aphrodite verwandten) Telesilla über die Lakedaimonier (Lukian. Amor. 30), erhält im Zusammenhang mit dem Hybristikafeste eine Statue, Plut. de mul. virt. 4. Auf Münzen a) behelmt stehend mit Zweig in der Linken, Imhoof-Blumer u. P. [652] Gardner Journ. of hell. Stud. VI 91; b) mit Patera und Speer, ebd. VIII 56. – 2. Tiryns. Ein A.-Heros ist nach Studniczka (Kyrene 68. 86) Proitos sowohl wie dessen ursprünglicher Vater Thersandros und dessen (in Asien geltender) Vater Polyneikes, Paus. X 30, 5; vgl. o. III 4 b. Als Sohn des Abas (Choirobosk. bei Bekker An. II 416. Herodian. I 10) ist Proitos ein Abant aus Phokis (v. Wilamowitz Herm. XXVI 212, 2); auch dem Namen nach, da πρόιτος bei Herod. a. O. (von ) = der Voranschreitende ist, Ahrens-Meister Griech. Dial. I 96. Maass Indogerm. Forsch. 1 167, 1. Als Enkel des Abas (über Proitos) ist auch Perseus ein Abant, Thraker und Aresheros (H. D. Müller Philol. XIV 129; vgl. o. VI). – 3. Auf dem Wege nach Mantineia ein Doppelheiligtum des A. (nach Westen) und der Aphrodite (nach Osten), gegründet von Πολυνείκης (= A.-Heros), also von Thebai aus, Paus. II 25, 1. – 4. Hermione: A.-Tempel und Bild neben dem Tempel des Klymenos und gegenüber der Demeter Chthonia (also bei den chthonischen Gottheiten des Pronberges), Paus. II 35, 9. Ein Priester des A. Ἐνοιάλιος, CIG 1221 mit Boeckhs Note. – 5. Troizen: A.-Tempel, gegründet zum Andenken an die Besiegung der Amazonen durch Theseus, Paus. II 32, 9. Wide Sacra Troezeniorum, Upsala 1888, vergleicht die Theseusstatue beim athenischen A.-Tempel (Paus. I 8, 4) I und die Amazonenbilder am athenischen Theseion (Paus. I 17, 2); vgl. auch Preller-Robert I 343, 5. Die den A.-Kult übertragenden thrakischen Stämme lassen sich hier ebensowenig wie in den übrigen südgriechischen Landschaften nachweisen, nur aus dem Eponymos Abas erschliessen.

X. Achaia. 1. Korinthos: Enyalios die Aphrodite führend auf der Kypsele, Paus. V 18, 5, wohl im Sinne der ehelichen Vermählung (Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 666, 3). A. daselbst blühend in νέων οὐλίαις αἰχμαῖσιν ἀνδρῶν, Pindar Ol. XIII 23. A. bricht die Fesseln des wehrlos gemachten Thanatos und übergiebt ihm den Sisyphos und die anderen künstlich dem Leben erhaltenen Menschen, Pherekyd. frg. 78 aus Schol. Il. VI 153, FHG I 90. A. stehend mit Speer und Trophäe auf Münze, Imhoof-Blumer u. P. Gardner Journ. of. hell. Stud. VI 76. – 2. Aigion. A. stehend behelmt mit Speer und Schild auf Münze, ebd. VII 86. – 3. Triteia (früher zu Arkadien gehörig): A. Gatte der eponymen tritongeborenen Athenapriesterin, Vater des Melanippos, Paus. VII 22, 8. 9 (opfergeniessend mit Triteia zusammen im Athenatempel). – 4. Patrai: A.-Statue (und Apollonstatue) neben dem Hafentempel der Aphrodite, Paus. VII 21, 10. – 5. Olenos: A. wird geboren von Hera in Thrakien, westlich der Propontis, nachdem sie auf dem olenischen Gefilde von einer dort gewachsenen Blume schwanger geworden, Ovid. fast. V 251. Aus ,Olens Hymnos‘ citiert Pausanias (II 13, 3) die Geburt des A. und der Hebe (= Hesiod. th. 922): ein sonderbares Zusammentreffen. Hinter der ,Blume‘ kann sich der arkadische Stammvater Ἄνθος bergen, auf den eine (wohl zum lykäischen Zeuskult in Arkadien gehörige) Familie mit erblichem Wehrwolftum zurückgeführt wird von Euanthes bei Plinius n. h. VIII 81. Dieser Anthos ist ein Zeusheros, als Heragatte also geeignet.[653]

XI. Elis. A. θεὸς ἐπιχώριος καὶ πατρῷος Ἠλείων, Pindar Ol. XIII 16; nach eleisch-phliasischer Sage Gatte der thebaischen Asopostochter Harpinna, Vater des Oinomaos, Paus. V 22, 6. Diod. IV 73 (in Pisa). Tzetz. Lyk. 149. Schol. Vet. z. Pindar. a. O.; mithin Grossvater der Hippodameia, deren Vater er jedoch irrtümlich einmal heisst (Eust. Dion. Per. 680). 1. Pisatis (allgemein): A. statt des Ἀλξίων κατ’ ἐπίκλησιν Vater des Oinomaos, Paus. V 1, 6. – 2. Olympia: A. ἵππιος unter den anderen Ἵππιοι Poseidon, Hera, Athena, Paus. V 15, 6. A. von Pelopia Vater des Kyknos, Apollod. Bibl. II 7, 7.

XII. Pylos. Für Pylos kämpft A. gegen Herakles in dem hesiodischen Ehoienbruchstück Aspis 359ff. Vielleicht enthält die Stadt und Quelle Arene mit König Aphareus Spuren des A. im Namen (ob Ἄϝαρις = Ἄορις wie Ἄβαντες: Ἄονες?.

XIII. Arkadien: A. ein Arkader, ἄλλοι bei Clem. Al. Protr. p. 25 P. 1. Mantineia, s. o. IX 3 und den Phylennamen Ἐνυαλία, Le Bas II 352 p. – 2. Arantia-Araithyrea-Phlius. Der Eponyme Aras mit seiner Schwester Aoris, das jagd- und kriegsgeübte Geschwisterpaar alter Landessage, bringt die makedonischen Arantides = Erinyes (s. o. II), die Jägerinnen der attischen Tragoedie, die Parhedroi des A., in Erinnerung, sowie den Aphareus von Arene und den Jäger A. in Therapne (s. u. XIV 3). – 3. Tegea: a. A. γυναικοθοίνας, Statue auf dem Markte, so benannt, weil in dem Kampfe gegen den Spartaner Charillos die tegeatischen Frauen nicht nur unter Führung der Marpessa χήρα (Hs.) oder χοίρα (Dindorf nach Dionys. Arg. bei Herodian. π. μονήρ. λέξ. p. 8) siegten und das Tropaion errichteten, sondern auch allein, ohne die Männer, den Opferschmaus der Epinikia feierten, Paus. VIII 48, 4. – b. A. ἀφνειός auf dem Kresionberge, Liebhaber der Kepheustochter Aerope, die von ihm den Aeropos gebiert, aber in den Wehen stirbt; so genannt, weil diese aus der toten Mutterbrust noch unschädliche Nahrung dem Säugling spendete, Paus. VIII 44, 7. A. und Athena sich die Hand reichend auf Münze, Mionnet II 256, 72; vgl. o. IX 1. – 4. Parthenion oder Tegea: A. Gatte der Atalanta, Vater des Parthenopaios, Apollod. Bibl. III 9, 2, 9. Serv. Aen. VI 480. – 5. Erymanthos: A. erzeugt mit der Artemisnymphe Phylonome, Tochter des Nyktimos von der Arkadia, als Zwillinge die beiden arkadischen Könige Lykastos und Parrhasios, die auf dem Erymanthos von der Mutter ausgesetzt werden, Zopyros Hist. III frg. 1 aus Plut. Parall. 36, FHG IV 531. – 6. Stymphalos: Über die von A. aufgezogenen Vögel vgl. o. V 2. – 7. Lykosura: A.-Altar neben dem Despoinaheiligtum, und A.-Tempel mit Aphroditebildern, Paus. VIII 37, 12. – 8. Megalepolis: Alter Altar des A. unweit des Heiligtums der dreifachen Aphrodite (die offenbar bei dem Synoikismos durch Epameinondas aus Thebai eingeführt ward): Paus. VIII 32, 3; vgl. überhaupt Immerwahr Arkadische Kulte 162ff.

XIV. Lakonika: A. ein Spartiate: Epicharmos bei Clem. Protr. p. 25 P. Arnob. IV 25. 1. Vom Dromos aus wohl südlich (Wide Lakonische Kulte 151, 1) gegenüber dem Poseidon Hipposthenes ein uraltes Holzbild des gefesselten Enyalios, den man so angeblich am Entweichen [654] hindern, thatsächlich wohl eher wie den Aktaion (Paus. IX 38, 5) unschädlich machen wollte, Paus. III 15, 7; vgl. H. D. Müller Ares 33; Myth. II 119. – 2. Enyalioskult ausserhalb und südlich der Stadt am Phoibaion nahe dem Poseidon-Gaieochostempel, unweit Therapnes, woselbst die Epheben nach einem vorherigen Opfer junger Hunde (vgl. u. XX) Eberzweikämpfe veranstalteten, aus deren Ergebnis sie Schlussfolgerungen machten auf den Ausgang der sehr ernstlichen eigenen Kampfspiele am Platanistas, Paus. III 14, 9f. Die Hundeopfer an A. sind eine alte lakonische Sitte, Plut. qu. Rom. 11. – 3. A. Thereitas (Θηρειτὰς Pausanias, Θηρίτας Hesych. s. v.; beide aus der Sylloge Ἐπικλήσεων, Wentzel Epikleseis VI 7, VII 19), uraltes Heiligtum auf dem Wege nach Therapne, gestiftet von den Dioskuren von Kolchis aus (= Chalkis, Wide a. O. 150), laut einer von Pausanias (III 19, 7f.) etwas angezweifelten Legende genannt nach seiner Amme Θηρώ, ‚deren Namen wohl die Kolcher gekannt haben müssten, da die Griechen ihn nicht(!) kannten‘. Lakonische Menschenopfer an A. nennt Apollodoros frg. 20 bei Porphyr. de abstin. II 55. Euseb. praep. ev. IV 155 d, FHG I 432. Einen Stier opfern die Lakonen dem A., wenn sie den Feind durch List, einen Hahn, wenn sie ihn in offener Feldschlacht besiegten, nach Plut. inst. lacon. 25. Darin scheint ein Dualismus im Ortskult ausgesprochen zu sein, der in Rechnung zu setzen wäre bei der Beurteilung der Angabe des Schol. Arist. Pax 457, dass Alkman (frg. 104 Bgk.) bald den A. dem Enyalios gleichgesetzt, bald beide unterschieden habe, und der ins Gewicht fallen würde gegen Wides geistvollen Vorschlag (a. O. 151), obige Dreiheit der A.-Heiligtümer als eine von Pausanias blos nicht durchschaute litterarische Brechung der Kultberichte eines und desselben Heiligtums zu erklären; vgl. Hesych. Θηρίτας (3) παρὰ Λάκωσιν Ἐνυάλιος (1. 2). Für die Glaubwürdigkeit der Überlieferung von Θηρώ (gegen Pausanias) entscheidet sich und denkt an die gleichnamige Mutter Chairons von Chaironeia, die Kore-Θήρα von Lebadeia, und eine Herleitung über Kolchis-Chalkis aus Boiotien Wide Lak. Kulte 150; dagegen Studniczka Kyrene 148. Für einen Priester des A. halten die Schol. Eur. Phoin. 1377 den Πυρφόρος des lakonischen Heeres, s. u. XXXI a. E. und o. IV 1 a. E.

XV. Illyrien. A. entrückt dahin seine Tochter von der Aphrodite, Harmonia, mit Kadmos, Eur. Bacch. 1348f.; nach Diodor. IV 417 trieb Zorn des A. das Paar in diese Ferne: Zorn des A. verwandelt auch beide in Drachen, Ovid. met. IV 563ff. III 95ff. Nonnos IV 414. Vgl. Crusius bei Roscher Myth. Lex. II 877, 29f. und 890, 45f. über den Zusammenhang der Sage mit den dortigen Ἄμαντες = Ἄβαντες = Ἄονες.

XVI. Kreta. 1. Lato, 2. Olus, 3. Hierapytna: A. mit Aphrodite neben anderen Gottheiten als Schwurgott, CIG 2554. 2555. – 4. Biennos: A.Kult mit Hekatomphonien μέχρι καὶ νῦν; die Stadt selbst ist genannt nach der βίᾳ, welche hier A. von den Poseidonsöhnen Otos und Ephialtes erlitt, nach Steph. Byz. s. v.

XVII. Naxos: A. verbirgt sich nach der Erlösung aus dem Keramos der Aloaden in einer σιδηροβρῶτις πέτρα, Schol. Townl. B Il. V 385ff. Daselbst haftet überhaupt die Aloadensage (s. d.). [655]

XVIII. Pamphylien. A.-Kult, Bull. hell. VII 1883, 263.

XIX. Lykien. Kyaneai: A. θεὸς μέγας mit Ἐλευθερία (nach Boeckh = Aphrodite Πάνδημος), CIG 4303 h 1.

XX. Karien. Hundeopfer an A.: Arnob. IV 25. Clem. Al. Protr. p. 25 P. 1. Halikarnassos: A.-Tempel auf der mittleren Burg, Vitruv. II 8, 11. Ross Inselreisen IV 37. – 2. Mylasa: Iulius Caesar (Sohn des Agrippa und der Iulia) als νέος Ἄρης bezeichnet, Bull. hell. XII 1888, 481, 15ff. nr. 4 (vgl. CIA III 444. 444 a Ἄρηος υἱός. – 3. Mastaura: A. angeblich Vater des Dionysos-Masaris, nach Aussage der Ma-Rhea auf Heras Frage, wessen das von Zeus der Rhea zur Erziehung übergebene Kind sei, Alexand. Polyhist. Lyd. et Car. frg. 12 aus Steph. Byz. s. Μάσταυρα. Geffcken De Steph. Byz., Gotting. 1886, 44. – 4. Auf die Stadt Keramos deutet den ehernen κέραμος als Gefängnis des A. im Aloadenmvthos das Schol. D Il. V 385. Besser denkt H. D. Müller (Myth. II 50) an die (irdenen) κέραμοι, in denen die Überreste verbrannter Leichen beigesetzt zu werden pflegten. Dann wäre die ‚Gefangenschaft‘ des A. eine solche im Totenreiche, eine Umschreibung des auch sonst häufigen Göttertodes und ein Überlebsel alten Seelenkults, wie er sich bei chthonischen Gottheiten und Heroen erhielt. XXI. Ionien. Erythrai: Enyalios neben Enyo, Priester, Rev. arch. 1877 I 109. Ein Θρᾴκιον γένος kennt daselbst Pausanias VII 5, 8; wenn derselbe (§ 12) als Namen der dortigen dritten Phyle (und einer χώρα) Χαλκίς bezeugt, so wird diese aus dem Chalkis von Euboia-Abantis stammen, die Thraker aber werden eben jene abantischen des Aristoteles sein, die nach Herodotos (I 146) nicht gerade den geringsten Teil der sog. ionischen Kolonisten ausmachten; vgl. Toepffer Att. Geneal. 38, 1.

XXII. Aiolis. 1. Magnesia, und – 2. Smyrna: A. neben Athena Ἀρεία als Schwurgott, CIG 3137. – 3. Tmolos, Sohn des A. von der Theogone, Plut. de fluv. VII 5. – 4. Pergamon zeigt auf dem Fries des Zeusaltars A. neben Aphrodite zu Wagen, Puchstein S.-Ber. Akad. Berl. 1888, 1235f. 1889, 329.

XXIII. Troas. 1. Ophrynion: A. und Aphrodite, Eltern des Aineias, Verg. Aen. III 34. – 2. Lampsakos (?): Priapos ist bald Sohn des A. von Aphrodite, Schol. Apoll. Rhod. I 932, bald Lehrer des A. im Waffentanze, Lukian. de saltat. 21. Bei Homeros kämpft A. auf troischer Seite, Il. XXI 416 als Beschützer der Aphrodite.

XXIV. Bithynien. Bithyopolis: A., Gatte der Rhesosschwester Sete, Vater des Bithys, des Eponvmos der thrakischen Βιθύαι von Bithyopolis, Steph. Byz. s. Βιθύαι u. Βιθυόπολις.

XXV. Pontosküsten. 1. Pantikapaion: A.-Tempel und Statue von Sauromatas gestiftet, CIG 2108 a.– 2. Tanais: A. mit Zeus und Aphrodite als Opferempfänger, CIG 2132 e. – 3. Paphlagonien. Sinope: A. Gatte der Aigina oder Parnasse, Vater der Sinope, Orphiker und andre bei Aristot. frg. 186 aus Schol. Apollon. Rhod. II 948. FHG II 161. – 4. Aretias (s. d. und o. V 2) mit den Ἀρήιοι ὄρνιθες, Apoll. Rhod. Arg. II 1033 ist wie – 5. Kolchis mit dem A.-Hain, [656] Ares-Heiligtum und -feld vom euboeischen Chalkis aus (über das ionische Erythrai?) hier localisiert. – 6. Desgleichen am Thermodon die Amazonen (s. o. IV 3), die im Alkmonischen Hain von A. und der Najade Harmonia erzeugt sind (Apoll. Rhod. II 990ff.) und deren Königinnen Otrere und Antiope dem A. einen Tempel bauen, Apoll. Rhod. II 385. A.-Harnisch des Aietes: III 1228.

XXVI. Armenien: A. Gatte der Armenia, s. o. IV 3; vgl. überhaupt über A.-Orakel bei kleinasiatischen Thrakern Herodot. VII 76. 1. Am Diorphonberge wird A. angerufen beim Abpflücken der goldenen Äpfel von einem ῥοία-artigen Baume, in den am armenischen Araxes der unglückliche Gegner des A., Diorphos (s. d.), verwandelt war, jener auf unnatürliche Weise geborene Sohn der Erde, welche vom herabgefallenen Samen des Mithras befruchtet war: ,Klesiphon π. δένδρων‘ bei Plut. de fluv. XXIII 4. – 2. Der Chalyberheros Chalyps ist Sohn des A. nach Schol. Apoll. Rhod. II 373. [1]

XXVII. Palaistina. 1. Samaria ist das Grab des von A. dort begrabenen Sohnes Askalaphos, nach dessen σᾶμα Ἄρεως die hebräische Stadt genannt sei, Nostos bei Eustath. Il. XV 140 p. 1089, 38ff. Et. Mag. p. 708, 6. Steph. Byz. s. Σαμάρεια; vgl. Meineke z. d. St. (ob Verdrehung einer Überlieferung vom thrakischen Hebros und Samaike?). – 2. Auf dem Libanon tötete A. den Adonis aus Eifersucht auf Aphrodite, Schol. Townl. B Hom. Il. V 385; und zwar in Ebergestalt, Serv. Ecl. X 18. – 3. Beroë heisst Ἄρεως αὐλή) bei Nonnos Dion. XLI 148; vgl. o. II.

XXVIII. Sicilien. 1. Selinus: Φόβος Kultname des A., IGA 515, wie sonst sein Begleiter, Il. IV 440. XV 119. – 2. Syrakusai: Ἄρεως τέμενος genannt von Pindar Pyth. II 1f.

XXIX. Theokrasien. 1. A. bei den Skythen, Cornut. 21, in Schwertgestalt (Ammian. Marc. XXXI 2, 23), durch Menschen-, Schaf- und Pferdeopfer verehrt, Herod. IV 62 und Prisc. Panit. frg. 8, FHG IV 90 (bei den Hunnen), frg. 10, FHG IV 96; die einzige Gottheit, der sie Statuen und Altäre errichten, Herod. IV 59; mit Eselopfern, Arnob. IV 25. Clem. Al. Protr. p. 25 P. – 2. Die Assyrier verehren unter dem Namen Baal und Thuros im Zusammenhang mit dem Planeten A. den A. πόλεμος, Malalas p. 19. Kedrenos p. 30, 5ff. Bonn. – 3. Die persischen Karmaniten verehren blos den A., und zwar durch Eselopfer, Strab. XV 727. – 4. Die Ägypter verehren in Pampremis als A. einen Gott, der seine Mutter vergewaltigte, durch den Brauch eines Scheinkampfes mit Keulen um den Eintritt in den Tempel, Herod. II 63; nach II 83 ist er ein Weissagegott. – 5. In Libyen wurden dem A. die Fremden geopfert von Lykos in der Diomedessage, Iuba v. Maur. frg. 23 aus Plut. Par. min. 23. FHG III 472. Lykos ist Sohn des A. von der Laodike, Hyg. fab. 159. – 6. In Lusitanien werden Böcke, Pferde und Kriegsgefangene dem A. geopfert, Strab. III 155. – 7. Über die Verschmelzung mit dem gleichfalls Speer und Schild führenden römischen Mars s. d.

XXX. Die dichterische Darstellung hat wenige Wandlungen durchgemacht. Schon bei Homeros ist A. eine Verkörperung des Kriegs, in der Hälfte der Stellen zu einem Synonym von [657] πόλεμος herabgesunken. Er ist der stürmische blutdürstige Unheilstifter, rasend (Il. V 831), keine Gesetze anerkennend (761), zu keiner Partei treu haltend, ein Überläufer (834), als welchen ihn Athena tadelt (XXI 413f.), allen Göttern am meisten verhasst (V 889f.). Er wäre längst der ἐνέρτατος Οὐρανιώνων, wenn er nicht Heras Starrsinn und Streitsucht hätte und des Himmelskönigs Sohn wäre (V 892–898). Hauptgegnerin ist ihm Athena, deren planvolles und edles Kriegswalten in bewussten Gegensatz gesetzt ist zu seiner unstäten und unedlen Kampfwut (Il. V 30. 407. XV 127). Bei seiner heroischen Kriegertracht wird nur die ungeheure Lanze besonders hervorgehoben (s. o. IV 1). Seine übermenschliche Natur spricht sich aus in dem Vergleich mit der finsteren Wetterwolke (V 864ff.) und in den sieben Plethren, die er im Falle deckt (XXI 407f.), oder wenn er schreit wie neun- bis zehntausend Männer (V 860f.). Spuren einer allgemeineren Bedeutung, wie sie bei den Tragikern zuweilen überrascht, einer Beziehung auf Mord oder ungewöhnliche Todesarten auch des Friedens, fehlen, bis auf solche Angaben wie in der Odyssee VIII 330, dass er der Götter schnellster sei, oder die eigentümlichen Beinamen χαλκέος (Il. V 704 u. ö.), die Wendung δῦ δέ μιν Ἄ. (XVII 210) und die von H. D. Müller (Ares, 1848; Myth. I 157ff. II 43ff.) als Symptome chthonischen Wesens zusammengestellten Bezeichnungen wie πελώριος, ὄβριμος, κρατερός, δεινός, στυγερός. Auch kennt Homeros die beiden in gleicher Richtung weisenden Mythen von seiner Fesselung durch die Aloaden (Il. V 385ff.) und durch Hephaistos (Od. VIII 361); ausserdem seine Abstammung mit Eris von Zeus und Hera (Il. IV 440. V 518), seine Gattin Astyoche, Mutter des Askalaphos und Ialmenos (II 512f. XV 112. III 82), seine Söhne Deimos und Phobos (IV 440. XIII 298. XV 119), Genossin Enyo (V 591), seine Waffengemeinschaft mit Aphrodite, der er zur Errettung des Aineias seinen Wagen leiht und dann selbst bei eigner Verwundung für Hülfeleistung zu Danke verpflichtet wird (XXI 416 = 430f.). Schliesslich werden beide von Athenas Faust zur Erde geschmettert und dort liegend von Hera belächelt (426. 434). Die hesiodische Theogonie kennt zuerst seine Schwestern (von Zeus und Hera) Hebe und Eileithyia (921); seine Beziehung zu Kyknos, dem Gegner des Herakles, die Aspis (57ff.); zur Penthesileia die Aithiopis des Arktinos (frg. 1 Ki.); zum Iambos als dessen Vater die Ἰλίου πέρσις des Arktinos frg. 4 Ki.; zu Eros, seinem Sohn von Aphrodite Simonides (frg. 43 Bgk.); zu Athen und dem Areiopag Panyassis (frg. 16, 4); zu Tydeus und Aitolien Euripides (Phoin. 154), während die Verbindung mit Thebai schon Homeros, Pindaros, Aischylos kennen (s. o. IV 1). Meist begnügt sich die Dichtung damit, die homerische Allegorie vom Krieg auszugestalten: so wenn Archilochos seinen Ἐνυάλιος ἄναξ (frg. 1) μιήφορος nennt (frg. 48), oder Tyrtaios (frg. 11, 7) πολύδακρυς, Alkaios (frg. 28) δαΐφοβος, δαΐκτηρ (vgl. frg. 29–32), Stesichoros (frg. 48) πυλα(ι)μάχος = τειχεσιπλήτης, Simonides (frg. 43) κακομήχανος, Bakchylides (frg. 36) ἄκαμπτος wobei er ihn neben ὄλβος, στάσις, αἶσα stellt. Eine ausführliche Schilderung seiner Freude am Krieg und Abneigung gegen die Freuden [658] des Dionysos entwirft der Chor in Euripides Phoin. 784ff. (wo der πολύμοχθος Ἄ. die Σπαρτῶν γέννα entsendet; vgl. schon den ἄχορος, ἀκίθαρις Ἄ. des Aisch. Suppl. 650ff.). Daemonische Natur klingt dagegen aus dem ἀνίερος des Euripides (frg. 992 N.²) hervor, entsprechend dem μιαίνων εὐσέβειαν des Aischylos (Sept. 327). Noch deutlicher spricht sich die Beziehung des A. zum Bürgermord überhaupt in anderen Stellen der attischen Tragiker aus, unter dem Einfluss der Bedeutung, die in Athenai der Gott des Areshügels für Mordsühne hatte. So spricht Aischylos vom θηλυκτόνος Ἄ. mit Bezug auf den Gattenmord der Danaïden (Prom. 860), vom τίθασος Ἄ. mit Rücksicht auf Orests Muttermord (Eum. 355), wie Sophokles (El. 1385) die blutgierige Rachsucht des Orestes auf A. zurückführt und die Erinyen als ‚witternde Hunde‘ dazustellt (vgl. auch 1423). Die Mordlust des Aias wird ebenfalls von A. verhängt bei Soph. Aias 706, wo der Scholiast Ἄρης durch λύσσα, μανία erklärt. Für Thebai ist überhaupt A. der Entsender immer sich wiederholenden Bruder- und Bürgermordes und vieler Seuchen: Soph. O. C. 1391; O. T. 190 (μαλερὸς Ἄ. = Pest). Stoll (Ares, 1865) hat die Stadtgeschichte unter diesem Gesichtspunkte durchgegangen und die Zeugnisse zusammengestellt. Wieder anders ist der Sinn des λιθόλευστος Ἄ. des Soph. Aias 252, wo der Scholiast nicht θάνατος, sondern φόνος λιθόλευστος hätte erklären sollen (Steinigung). Und bei Kratinos (frg. 364 Kock aus Schol. Hom. Il. XVIII 521) wird Ἄ. πισσοκωνίας (Hs. -κονίας) von Bergk De reliq. com. 255 als Beiname des A. verstanden, hergenommen von der Pechbestreichung der zum Flammentod Verdammten (vielleicht eine Anspielung auf einen aischyleischen Ausdruck, frg. 113 N.). So haben sich in der Nationalmythologie vorwiegend nur die schreckhaften Züge des alten Stammgottes thrakischer Abanten, Äonen, Hyanten erhalten. Sie wurzeln im ursprünglichen Seelenkult, dem ängstlichen Glauben an die nachzehrende, nach Blut dürstende Seele, die Opfer heischt und wandernd auch den Menschenleib befällt, um den Besessenen mit dämonischen Trieben zu erfüllen (vgl. z. B. o. VI). Meist unter die Erde gebannt (vgl. o. XX 4. III 4 a) oder einen Fetisch-Stein beseelend (V 1) oder gefesselt (I 3), selbst im Bilde (XIV 1), vermag das unsterbliche Wesen doch den Bann abzuschütteln und die Erde heimzusuchen. Sein Bild ist die Höhlenschlange (IV 1. V 1); in den adeligen Familien des Stammes lebt er fort (ebenda) als ein den Seinen wohlwollender Ahnengeist. Dieses nur in Tegea (XIII 3) noch deutlich erkennbare freundliche Walten tritt in der Dichtung nur im achten homerischen Hymnos hervor, den G. Hermann den orphischen einreihte (nr. 88). Da heisst er ein Schirmer des Olymps, Helfer der Themis, Führer der gerechtesten Männer, der um Frieden angefleht wird und um Beruhigung der Leidenschaften. Da er hier aber im Kranze der 7 Planeten erscheint, so ist ein Teil dieser Angaben wohl dem Planet Mars zuzusprechen, den zuerst Platon (Epinomis 987 c) erwähnt; vgl. Tim. Lokr. 97 a. Arist. de coelo II 12; de mund. 2. Plut. Plac. philos. II 15, 4. 32, 1. Orph. frg. 41. Nonnos Dion. V 348. VI 241. XIII 240 u. ö. (oft neben Iupiter und Saturn erwähnt). Meist heisst [659] er πυρόεις, so an unzähligen Stellen bei Manethon (neben πυρβόλος, πυρπόρος, φοίνιος, αἰθαλόεις, αἰγλήεις: Bruchmann Epithet. Deor. 36ff.) und bei Schol. Germ. Arat. p. 103, 3 Breysig, von Natur hitzig, p. 227, 17, nämlich von Liebesglut. 229, 12, zur Aphrodite 185, 17 = 229, 8f., ebenso wie der Planet der Aphrodite nocturnis originibus günstig, daher Theod. Prodr. carm. astr. 539 ihn ζωογόνος nennt. Im Hellenismus wird auch A. von der Zeitkrankheit der Sentimentalität, ja Melancholie angesteckt, die er seiner Liebesbeziehung zu Aphrodite verdankt (Stark Ber. Ges. d. Wiss. Leipzig 1860, 19. Dilthey Rhein. Jahrb. 1872, 53f. 41ff.). Sonstige geringe Neuerungen im Mythos sind im kultstatistischen Teile des Artikels eingeflochten in landschaftlicher Verteilung. Nachzutragen sind als nicht localisierbar einige Einzelheiten. So geniesst A. die Liebe der Eos, und diese wird von der eifersüchtigen Aphrodite bestraft mit fortwährender Liebesglut, Apollod. Bibl. I 4, 4. A. wird in den grossen ägyptischen Schuppenfisch verwandelt von Typhoeus, Nikandros bei Ant. Lib. 28. Vater der Schlachtrosse Phobos, Aithon, Phlogios, Konabos ist A. bei Qu. Smyrn. VIII 242. Söhne des A. (ὄζος Ἄρηος, bei Ibykos frg. 29 Bgk.: κλάδος Ἐνυαλίου) heissen viele streitbare Heroen, Diener des A. die beiden Aias in der Ilias (X 228). Ἄρεως νεοττός und Ἄρεως παιδίον wurden sprichwörtlich ἐπὶ τῶν θρασυτάτων (Suid. s. Ἀρειοπαγίτης. Apostol. IV 7. Makar. II 31) gebraucht; ebenso φιάλη Ἄρεως für den Schild, Aristot. poët. 21, 6. 8; vgl. rhetor. III 4. 11. Antiphanes frg. 112 Kock, CAF II 55. Timotheos frg. 16 Bgk., PLG III⁴ 625. Anaxandridas frg. 80, CAF II 164 (für καρυωταὶ φιάλαι?). Ἄρεως δόρυ stellt neben Zeus σκῆπτρον und die καλλοσύνη des Phoibos Antipatros Anth. Plan. 75; vgl. o. IV 1 und Eur. Herakl. 275 (Ἄ. αἰχμή). Ἄρης τύραννος, Timoth. frg. 10 Bgk. Menandr. frg. 220 Kock, CAF III 63; vgl. Plut. Demetr. 42. Hesych. Suid. Makar. II 39. Miller Mélanges 363. Ἄρη βλέπειν hat Timokles bei Athen. VI 224 B.

XXXI. Geheiligte Pflanzen, Tiere, Gebräuche: Gras, Serv. Aen. XII 119; Granatapfel IV 1; Nephalia (Wasser-, Kräuter-, Milch-, Honigtrank) V 1; Blume (?) X 5; Fisch XXX; Schlange, Drache IV 1. V 1. VII 1 a. XV; Geier, Cornut. 21; Schwan, vgl. ausser Kyknos o. I 4. III 7 Gött. Gel. Anz. 1874, 1405; Hund s. o. XIV 2. XX; Wolf, Iulian. orat. IV 154; Eber, XIV 2; Bock, XXIX 6: Schaf, XXIX 1; Esel, XXIX 1. 3; Stier, XIV 3; Pferd, I 10. XXV 6. XXIX 1. 6; Χαλκίδες-Vögel (?), V 2. XIII 6; Hahn, XIV 3; Menschenopfer, I 3. III 7. XIV 3. XVI 4. XXIX 1. 5. 6. – Ein Paian ward dem A. (wie sonst dem Apollon) geweiht: Schol. Cantabr. Il. XXII 391; vgl. das ἀλαλάζειν τῷ Ἐνυαλίῳ, Xenophon An. V 2. 14. Heiliges Feuer (dem Opfer an Zeus Agetor vor Beginn des Feldzugs entnommen), bewahrte während der Dauer desselben der Pyrphoros (s. d.) von Sparta (Xenoph. rep. Lac. XIII 2) oder überhaupt aller hellenischen Heere, nach den Schol. Eur. Phoin. 1377, die diese πυρφόροι als Priester des A. bezeichnen; vgl. o. IV 1 a. E. XIV 3 a. E.

XXXII. Antike Deutungen. 1. Physische: = σίδηρος, Eustath. zu Il. XIII 577 p. 947, 32ff. und zu XV 543 p. 1074, 55ff. Apollon. Lex. Hom. p. 155 Toll. Suid. Et. Mag. 134. 147. Vgl. J. [660] Grimm Gesch. d. deutsch. Sprache I 124. – 2. Ethische: = νεῖκος, πόλεμος, Platon Soph. 242 d. Aristot. Polit. II 6, 6. Plut. Pelop. 19. Herakleid. Pont. Alleg. hom. 69, 24 (nach Eustath. Od. VIII p. 1597, 53 irrtümlich schon bei Empedokles), meist im Gegensatz zu seiner Partnerin Aphrodite = φιλία; vgl. Cornut. 19. Ausdeutungen seines Sohnesverhältnisses zu Zeus, Cornut. 21, zu seiner Tochter Harmonia, ebd. 19, zu den Aloaden: Schol. BD Hom. Il. V 385 (A. = θυμός, die Aloaden = οἱ ἐν παιδείᾳ λόγοι), zu Aphrodite mit Bezug auf den Planeten des A., s. o. XXX a. E.

XXXIII. Etymologien.
1. Von ἀείρειν, ἀναιρεῖν, Et. Mag. 140, 20; ἄρσις, ἀναίρεσις, Clem. Protr. 56; ἀναιρεῖν, Chrysippos bei Plut. amator. XIII 14. Vgl. Döderlein Synonym. (1827ff.) II 101. III 173, 2 = αἴρων, wie letum von levare.
2. Von ἀρή = βλάβη, Herakleid. Alleg. hom. p. 450 Vill. = Eustath. Il. I 36 p. 32, 30. Et. Mag. p. 140, 7. Cornut 21.
3. Von ἄρσαι = ἁρμόσαι, indem die δραστικὴ δύναμις προσαρμόζει τὰ πράγματα, Cornut. 21. Schol. Apoll. Rhod. I 297; vgl. G. Curtius Gr. Etym.⁵ 340 ἀρ-, ἤραρε.
4. Platon Kratyl. 407 d: von ἄρρην oder ἀνδρεῖος oder ἄρρατον (hart, unwiderstehlich), also = πολεμικός; vgl. Buttmann Lexilogus I 195. Pott Etym. 221f.
5. Suidas s. Ἄρης (vgl. Zonaras p. 289): von ἀ- privativum und (ἐ)ῥῶ = λέγω; ἐν γὰρ πολέμῳ οὐ λόγων, ἀλλ’ ἔργων χρεία; als Gegensatz zu εἰρήνη (von εἴρω = λέγω;) mit Bezug auf Homer Il. XVI 630 nach Eust. zu II 786 p. 347, 38ff.
6. Leo Meyer Bemerkungen S. 45: von scr. ár-i-s = Feind; vgl. ἄρ- (feindlich) = treffen.
7. Döderlein Synon. VI (1838) 212: = werre, frz. guerre, Krieg.
8. H. D. Müller Ares 81 von ἄρ-ουρα, arvum = χθόνιος.
9. Welcker Götterl. I 415–427 von skr. svar, zend. hvar der ,glänzende himmlische‘ Sonnengott.

XXXIV. Die Beinamen bei den Dichtern sind gesammelt von C. Bruchmann Epitheta Deorum 1893, 36–43. Über die Επικλήσεις im Kult vgl. Wentzel Epikleseis, u. o. an folgenden Stellen: über Ἀράντας II. Ἄρας II. XIII 2. Ἀφνειός XIII 3. Γυναικοθοίνας XIII 3. Ἐνυάλιος I 11. III] 4 b. VII] 1 b. 3. VIII. IX 4. X 1. XIV 1. 2. 3. XX; vgl. Hesych. s. † ναυαλεῖ. Wentzel Epikleseis II 13. Θηρειτάς, -ίτας XIII 2. XIV 3. Κανδαῖος I 5. Νέος (= Caesar) XX 2. Πισσοκωνίας (?) XXX. Πόλεμος XXIX 2. Στράτιος: Photios aus der Sylloge Ἐπικλήσεων, Wentzel Epikleseis II 9. Φόβος XXVIII 1.

XXXV. Götter, Heroen und Menschen, die zu A. in Beziehung treten, als Gattin, Geliebte (G.), Mutter (M.), Tochter (T.), Vater (V.), Sohn (S.), Stifter (St.) eines Kults sind oben behandelt, und zwar Abas unter IX 2. Adonis III 4. XXVII 2. Aërope G. XIII 3. Aëropos S. XIII 3. Aglauros G. VII 1. Agrotera VII I b. Aias XXX. Aietes XXV 6. Aigina G. XXV 3. Althaia G. VI. Aineias S. XXIII 1. Aithon S. XXX. Alkippe T. VII 1. Aloaden III 4 (vgl. Otos, Ephialtes). Amazon T. I 11. Amazonen IV 4. V 1. VII 1. IX 5. Anthos X 5. Antiope St. XXV 6. Aoris Schwester, XIII 2. Aphrodite G. I 3. 11. III 4. IV 1. 3. 5. VII 1. IX 3. X 1. 4. XIII 7. 8. XVI 1. 2. 3. XIX. XXII 4. XXXIII 1. 2. XXV 2. XXVII 2. XXX. Arantides II. XIII 2. Armenia G. XXVI. Artemis VII 1 b. Askalaphos [661] S. I 11. IV 2. XXVII 1. Astynome G. VI. Astyoche G. IV 2. Atalanta G. XIII 4. Athena VII 1 b. XI 2. XIII 3 b. XXII 2. – Biston S. I 11. Bithys S. XXIV. – Chalkodon VI 1. Chalyps S. XXVI 2. Chryse G. I 3. III 6. – Deimos S. I 11. Demeter IX 3. Demodike G. VI. Demonike G. VI. Despoina XIII 7. Diomedes S. I 11. Dionysos I 5. XX 3. Diorphos XXVI 1. Dioskuren St. XIV 3. Dotis G. III 6. Drakon S. IV 1. – Eeriboia III 4. Eleutheria XIX. Enyalios I 11. XIV 3. Enyeus III 4. 9. Enyo G. M. I 3. III 4 b. 7. VII 1 b. XXI. Eos G. XXX. Epameinondas IV 1. Ephialtes III 4. XVI 4. XVII. Erinys Tilphossa IV 1. Erinyen VII 1. Eris Schwester XXX. Eros IV 5. Erytheia G. III 8. Euenos S. VI. Eurytion S. III 8. – Ge IV 1. Giganten I 6. Graiai III 7. VII 1. – Haimon S. III i. A. Halirrothios VII 1. Harmodios VII 1 b. Harmonia G. I 11; T. IV 1. 4. VII 1 b. XV. Harpinna G. XI. Hebros S. I 11. Hebe Schwester X 5. Helike G. I 11. Hephaistos I 3. III 10. Hera M. X 5. XI 2. Herakles I 4. XII. Hermes VII 1 b. Hippomenes S. IV 3. Homoloa III a. – Ialmenos S. IV 2. Iambos S. XXX. Ismaros S. I 11. – Kadmos IV 1. XV. Kalydon S. VI. Klymenes IX 4. Konabos S. XXX. Kore XIV 3. Kyknos S. I 4. III 7. XI 2. Kyrene G. I 11. – Laodike G. XXIX 5. Lykastes S. XIII 5. Lykos S. XXIX 5. Lykurgos S. I 11. – Masaris XX 3. (I 11). – Melanippos S. X 3. Meleagros S. VI. Menoikeus IV 1. Mimas, Mimon I 6. Minyas S. IV 2. Molon III 5. Molos S. VI. – Nike T. XXX. – Oinomaos S. XI 1. Otos III 4. XVI 4. XVII. Otrere St. XXV 6. Oxylos S. VI. – Parnasse G. XXV 3. Parrhasios S. XIII 5. XIII 4. Parthenopaios XIII 4. Pelopia G. XI 2. Peloros I 6. Penthesileia I 11. Periboia G. VI. Perseus VI. IX 2. Phlegyas S. III 6. Phlogios S. XXX. Phobos S. I 11. IV 1 (vgl. XXVIII 1. XXX). Phylonome G. XIII 5. Polyneikes III 4. IX 2. 3. Porthaon S. VI. Poseidon XI 2. XIV 1. Priapos S. XXXIII 2. Proitos IX 2. Protogeneia G. VI. Pylos S. VI. Pyrene G. I 4. III 7. – Rhea M. I 11. XX 3. Rhesos S. I 11. – Sauromatas St. XXV 1. Semnai VII 1. Sete G. XXIV. Sinope T. XXV 3. Sisyphos X 1. Spartoi IV 1. V 1. Sterope G. VI. Strymon S. I 11. Stymphalides V 2. – Telesilla IX 1. Tereus S. I 11. Thanatos X 1. Theogone G. XXII 3. Thero XIV 3. Thrasse G. I 11. Thersandros III 4. IX 2. Thestis S. VI. Tmolos S. XXII 3. Triteia G. X 9. Tydeus S. VI. Typhoeus XXX. – Zeus VII 1 b. Einzelbehandlungen lieferten ausser den Verfassern der Handbücher (Gerhard 1854 I § 374ff. mit localer Anordnung, Welcker 1857, I 413ff., Preller-Robert I 335ff., unter Berücksichtigung der neueren Funde bis 1886, Stoll in Roschers Myth. Lex. I 477ff.) H. D. Müller Ares 1848. Tümpel Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 641ff., O. Crusius Jahrb. f. Phil. CXXIII 289ff. (Beziehungen zu Erinys, Enyo, Aphrodite u. a.). F. A. Voigt Leipziger Studien IV 1881, 227ff. (Verhältnis zu Dionysos, Perseus; Aitolien, Tegea u. a.).
II. Ares in der Kunst. Von ältesten A.Bildern sind zu erwähnen ein angeblich von Polyneikes geweihtes Xoanon in einem A.-Aphroditetempel zwischen Argos und Mantineia (Paus. II 25, 1); ein an Ketten gelegtes Holzbild des Enyalios [662] in Sparta (Paus. III 15, 7) und ein Standbild des Enyalios, errichtet in Argos zur Erinnerung an Telesilla und ihre Kampfgenossinnen, Plut. mul. virt. 4. In Tegea stand auf dem Markt ein hocharchaisches Relief des A., der dort von den Weibern allein als Gynaikothoinas verehrt wurde (Paus. VIII 48, 4).

In der älteren decorativen Kunst ist A. verhältnismässig selten, am meisten noch in der attischen dargestellt worden. Nichtattische Beispiele sind der inschriftlich als Ἐνυάλιος bezeichnete A. des Kypseloskastens, der in voller Rüstung Aphrodite, als seine Gemahlin, an der Hand führte (Paus. V 18, 5), und der als Beschützer des Acheloos gegen Herakles auftretende in der Gruppe des Medon (Paus. VI 19, 12). Mit Aphrodite als rechtmässiger Gemahlin verbunden erscheint er dann auch in attischen Darstellungen von Götterprocessionen (bei der Hochzeit der Thetis auf der Vase des Klitias, Wiener Vorlegebl. 1888, Taf. 2) und Götterversammlungen (rf. Schale des Oltos Mon. d. Inst. X 23. 24. Wiener Vorlegebl. D 1; rf. Schale des Sosias Berlin 2278. Ant. Denkm. I 9). Wo A. ohne Aphrodite im Kreise der Götter erscheint, handelt es sich um specifisch attische Auffassung, so in der Scene der Athenageburt (sf. Amphoren Berlin 1699. 1709. 1862. London B 147 [Walters], Mon. d. Inst. III 44. München 645, El. ceram. I 60; vgl. Löschcke Arch. Ztg. 1876, 112f.), neben dem in den Olymp eingeführten oder kitharspielenden Herakles (sf. Kylix London B 379 [Walters]; abgeb. Journ. Hell. Stud. V Taf. 41; sf. Amphoren London B 228. Berlin 1857; sf. Lekythos Berlin 1961), endlich neben andern Olympiern, wie Leto und ihren Kindern im rf. Bild einer srf. Amphora des Andokides (Klein 3), oder Dionysos (London B 551). In lebhafter Action erscheint A., ausser im Gigantenkampf (London B 145. 251. 617 [Él. cér. I 7]. Berlin 1925 und wahrscheinlich auch im Giebel des olympischen Schatzhauses der Megareer, Friederichs-Wolters 294. 295; vgl. im übrigen Overbeck K.-M. II 344ff.), wenn er als Rächer seines Sohnes Kyknos dem Herakles gegenübertritt, auch dies, im Gegensatz zu nichtattischen Darstellungen, die nur Herakles und Kyknos enthalten (amyklaeischer Thron, Paus. III 18, 10; chalkidische Amphora München 1108; auch eine Erzgruppe auf der athenischen Akropolis, Paus. I 27, 6, folgt diesem Typus), ausschliesslich in attischen Werken. In der bedeutendsten dieser Darstellungen, auf der sf. Kanne des Cholchos (Berlin 1732. Wiener Vorlegebl. 1889 Taf. 1) werden die über Kyknos’ Leiche Kämpfenden durch Zeus getrennt; doch findet sich auch ein allgemeinerer Zweikampftypus (rf. Schale des Pamphaios, Mon. d. Inst. XI 24. Wiener Vorlegebl. D 5), sowie die Verfolgung des A. durch Herakles (sf. Schale des Archikles und Glaukytes Berlin 1799. Gerhard A. V. 61. 62; Krater des Nikosthenes London B 364. Wiener Vorlegebl. 1890/91 VI 1), und noch öfter die im Grunde unorganischen Erweiterungen des einfachen Herakles-Kyknosschemas durch Einführung des A. (London B 197 [Walters Taf. VI]. 156. 158. 202. 212. Heydemann Gr. Vasenb. I 4; sf. Hydria mit dem Lieblingsnamen Leagros München 48, abgeb. bei Klein Vasen mit Lieblingsnamen S. 39. München 81). Endlich [663] erfährt A. schon in alter Zeit eine humoristische Auffassung als der Bramarbas, der sich vermisst, den Hephaistos mit Gewalt in den Olymp zurückzuführen, aber mit Feuerbränden heimgeschickt wird und den Spott der Athena erdulden muss, als Dionysos mit leichter Mühe den Hephaistos besiegt und zurückholt (Vase des Klitias Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. 3). Der archaische A. ist ein bärtiger, vollgerüsteter, besonders mit einer mächtigen Lanze bewaffneter Krieger. Vereinzelt steht der wahrscheinlich A. darstellende unbehelmte, bärtige und mit Nackenzopf versehene Kopf auf Münzen von Chalkedon, Gardner Types of Greek coins IV 36.

Die meisten bedeutenderen A.-Darstellungen gehören der entwickelten Kunst des 5. Jhdts. an, und sicher hat die attische Kunst dieser Zeit den Hauptanteil an der Ausbildung des A.-Ideals gehabt. Auf einen statuarischen Typus der Übergangszeit geht die jugendliche A.-Figur an einem der barberinischen Kandelaber (Müller-Wieseler Denkm. II 246) zurück, die statt der vollen Rüstung nur Helm und Lanze, dazu die leichte Chlamys aufweist, im übrigen den selbstbewussten und trotzigen Gott durch den in die Hüfte gestemmten Arm gut charakterisiert. Wiederholt ist dann A. im Kreise des Pheidias dargestellt worden, von Kolotes am Goldelfenbeintisch in Olympia (Paus. V 20, 1), von Alkamenes im Kultbild des athenischen A.-Tempels (Paus. I 8, 4). Da sichere Nachbildungen dieser Werke bisher nicht bekannt sind (Furtwängler hat, mit unzureichenden Gründen, den borghesischen A. in Paris auf Alkamenes zurückzuführen gesucht, Meisterwerke 121f.), ist der Hauptvertreter dieser Kunstrichtung noch immer der A. des östlichen Parthenonfrieses (Michaelis Parthenon 14, 27). Er entbehrt nicht nur, wie die übrigen Götter dieser Versammlung, der Feierlichkeit der Erscheinung und des reichen Apparates von Attributen, die wir für Kultbilder vorauszusetzen haben, sondern zeichnet sich vor allen andern durch sein lässiges und ungeniertes Benehmen aus. Die Lanze hat er rechts neben sich schräg gegen die Vorderkante des Stuhles gelehnt, umschlingt mit verschränkten Händen das emporgezogene rechte Knie und legt den linken Fuss über den Lanzenschaft: ein treffliches Bild des etwas derben, an feinere Formen nicht gewöhnten jungen Kriegers. Der pheidias’schen Kunst stehen nahe der colossale A. in Palazzo Borghese (Matz-Duhn 1338; abg. Brunn-Bruckmann 335; vgl. Furtwängler Meisterwerke 126ff.), der mit Helm und Chlamys angethan das Schwert zückt, und eine Anzahl von A.-Köpfen, zu denen der zugehörige Körpertypus noch nicht gefunden ist (Paris; abg. Furtwängler Meisterwerke Taf. 6, vgl. S. 124ff.; Wiederholung im Museo Torlonia 104; Varianten im Lateran [Benndorf-Schöne 127; abgeb. Garucci Museo Lateranense Taf. 27] und in Ince Blundell Hall [sog. Theseus, Michaelis Anc. Marbles Ince 43; abgeb. Arch. Ztg. 1874. Taf. 1]); sie alle zeigen A. als unbärtigen jungen Mann von energischen, aber weder besonders lebhaften noch geistig bedeutenden Zügen, das Haupt von einem hochbuschigen attischen Helm bedeckt, unter dem mässig langes Lockenhaar hervorquillt. In entschiedenem Gegensatz zu diesen Typen steht [664] die berühmteste erhaltene A.-Statue der älteren Kunst, der früher Achill genannte A. Borghese in Paris (Friederichs-Wolters 1298; abgeb. Bouillon Mus. des ant. II 14) mit den zahlreichen Wiederholungen seines Kopfes (vgl. Dilthey Rhein. Jahrb. LIII 36ff.), unter denen die Münchener 91 besonders bedeutend ist. Dieser A. ist eine fast schwerfällige, kurzbeinige Gestalt, die fest auf dem linken Fusse steht, während der rechte, mit der ganzen Sohle aufruhend, ziemlich weit vorgesetzt ist. Nicht Schnelligkeit und Gelenkigkeit befähigen ihn zum Krieger, sondern die Wucht seines Leibes und die unerschütterliche Standfestigkeit. Seine Waffe ist die Lanze, auf die sich die Linke ruhig stützt; das Haupt bedeckt der Helm, den Greifen und Hunde schmücken (vgl. Dilthey a. a. O. 37). Ziemlich langes Haar quillt in weichen Strähnen unter dem Helm hervor und bedeckt die Schläfe und, in der Mitte sorglich geteilt, den Nacken; der erste Bartflaum zeigt sich an den Wangen. Der Gesichtsausdruck wechselt, und je sentimentaler er ist, desto weiter entfernte sich gewiss der Copist vom Original; ein trübes, fast missmutiges Sinnen, wie in Verstimmung über aufgezwungene Unthätigkeit wird man dem Original zuschreiben dürfen. Der vielbesprochene Ring am rechten Unterschenkel, der für ein ἐπισφύριον zu hoch sitzt, ist gewiss Zuthat des Copisten und soll eine Fessel andeuten; doch ist es müssig, entscheiden zu wollen, ob damit auf die Fesselung des A. durch Hephaist oder durch Eros angespielt sein soll. Die Proportionen des Körpers und die Bildung des Gesichts machen es wahrscheinlich, dass dieses bedeutende Bild im polykletischen Kreis entstanden ist (so noch Furtwängler in Roschers Lexikon I 489, anders Meisterwerke 121f. 128). Ebenfalls auf Originale des 5. Jhdts. scheinen zurückzugehen der A.-Kopf auf einer Diskobolenstatue des Palazzo Valentini in Rom (Matz-Duhn 1097) und der Madrider, irrtümlich auf eine aegisbekleidete Büste aufgesetzte (Hübner Ant. Bildwerke in Madrid 123; abgeb. Sächs. Berichte 1864 Taf. 1; vgl. Michaelis Arch. Ztg. XXXIV 154f.), der den korinthischen Helm trägt. Länger hat die Kleinkunst, an dem altertümlichen A.-Typus festgehalten. Auf einer schönen rf. Schale (London 811*. Mon. d. Inst. V 49), die ein Göttergelage darstellt, erscheint A. vollbärtig und im ganzen zeusähnlich, wie die andern Götter desselben Bildes, und ganz ähnlich auf der wenig jüngeren, mit jener nahe verwandten Gigantenschale des Aristophanes (Berlin 2531); selbst auf der melischen Gigantenvase im Louvre (Mon. Grecs I Taf. 2) ist A. noch bärtig. Dagegen ist er vollgerüstet, aber jugendlich in einer auf pheidias’sches Vorbild zurückgehenden Darstellung der Schmückung der Pandora (London 1265 [Newton]; abgeb. Journ. Hell. Stud. XI 280). Im allgemeinen kommt er jetzt seltener vor als in der archaischen Kunst. Mit Aphrodite zusammen erscheint er auch jetzt (Mon. d. Inst. V 49. Mon. Grecs I 2) und ebenso im grösseren Götterkreise (Parthenonfries; Schmückung der Pandora [s. o.]); wichtiger sind jedoch die Gigantomachien (Parthenonmetope Michaelis V Ost III; Vase des Aristophanes Berlin 2531 [abg. Gerhard Trinksch. u. Gef. 2. 3. Vorlegebl. I 5]; [665] melische Vase im Louvre [Mon. Grecs I Taf. 2. Vorlegebl. VIII 7]), in denen A. mit der Lanze zu Fuss oder Wagen kämpft. Aus dem Ende des 5. Jhdts. stammt ein wahrscheinlich A. darstellender Münztypus (Gardner Types of Greek coins VII 10; Cat. of Gr. coins Brit. Mus., Macedonia 164. Beschreibung d. ant. Münzen d. Berl. Mus. II Taf. 8, 72. 75), der allerdings der Attribute ganz entbehrt.

Im 4. Jhdt. entstanden zwei Colossalbilder des A., das eine von Skopas (Plin. n. h. XXXVI 26), das andere von Leochares oder Timotheos (Vitr. II 8, 11); auch der A. des Piston (Plin. XXXIV 89) scheint noch diesem Jahrhundert anzugehören. Die einzige erhaltene A.-Statue von grösserer Bedeutung, die ein Original dieser Zeit wiedergiebt, ist der berühmte A. Ludovisi (Schreiber Ant. Bildw. d. Villa Ludovisi 63; abg. Brunn-Bruckmann Denkmäler 388; über den Torso einer Wiederholung ohne Beiwerk in Neapel und eine Wiederholung des Kopfes in München, Glyptothek 83, s. Flasch Münchener Philologenvers. 1891, 245). Der Gott ist hier ähnlich wie im Parthenonfries aufgefasst; er hat die Waffen bis auf das in der Scheide steckende Schwert, das die Linke noch hält, abgelegt und giebt sich behaglicher Musse hin, blickt aber dabei aufmerksam und zum Aufspringen bereit in die Ferne. Vermutlich hat erst ein jüngerer Meister durch Hinzufügung des Eros (oder zweier Eroten; vgl. Schreiber a. a. O.; andere Ergänzungsvorschläge bei M. Mayer Arch. Anz. 1889, 41) die Situation umgedeutet. Das Werk, in dem man früher lysippischen Stil erkennen wollte, erinnert vielmehr an den wahrscheinlich skopasischen Meleager und manche der skopasischen Kunst nahestehende attische Grabreliefe (besonders das Grabmal vom Ilissos, Ann. d. Inst. 1874 Taf. H), es darf deshalb mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als Nachbildung des skopasischen Colosses gelten (vgl. Furtwängler Meisterwerke 525ff.). Dagegen scheinen lysippische oder Lysipp nahestehende A.-Typen in einer Wiener (Dilthey Rhein. Jahrb. LIII 18ff. mit Taf. 9. 10) und einer aus Oberägypten stammenden, nach Fiume gelangten Bronzestatuette (ebd. S. 21f. mit Taf. 11. 12) vorzuliegen, von denen die erstere A. darstellt, wie er das Schwert in die Scheide steckt, während die andere mit hochaufgestütztem Speer und in der Scheide steckendem, gegen die Schulter gelehntem Schwert eine allgemeinere Gestaltung versucht, die übrigens in dem Marsbild des capitolinischen Tempelgiebels (Arch. Zeitg. 1872 Taf. 57; vgl. über die Wiederholungen dieses Typus Dilthey a. a. O. 27ff.) wiederkehrt. Im übrigen ergänzen Münzbilder unsere Vorstellung von A.-Typen dieser Zeit: im attischen Helm erscheint der Gott auf Münzen von Gyrton in Thessalien (Cat. of Greek coins Brit. Mus., Thessaly to Aetolia Taf. III 4a), unbewaffnet, bekränzt auf solchen Philipps II. (Gardner Types VII 30), mit denen auch der attributlose Jünglingskopf auf Münzen von Phalanna (Cat. of Greek coins a. a. O. Taf. VIII 12–14) zu vergleichen ist. Darstellungen von A.-Mythen fehlen in der jüngeren Kunst ganz, bis auf eine burleske unteritalische Darstellung des Kampfes zwischen A. (Enyalios) und Hephaistos (Daidalos) London 1433 [Newton]; abgeb. Él. cér. I 36.

[666] Die hellenistische Kunst steigert das Pathos der A.-Typen, sei es, dass sie die Kampfbegier oder die Verliebtheit des Gottes betont. Die erstere Gattung vertreten einige Bronzen (kämpfender A., Rhein. Jahrb. LIII 23; Büste ebd. Taf. 3. 4) und Münzen (kämpfender A. auf Münzen der Bruttier und Messanier ebd. S. 25; vgl. Cat. of Gr. coins Brit. Mus., Italy 323ff.; stehender A. in pathetischer Haltung auf Münzen der Mamertiner bei Dilthey a. a. O. 28; sitzender A. mit Schwert und Speeren: Nikomedes I. [Cat. of Gr. coins, Pontus etc. Taf. XXXVII 1]). Unter den A.-Köpfen auf Münzen sind vor allem wichtig die inschriftlich gesicherten auf Mamertinermünzen (Cat. of Gr. coins, Sicily 109ff.), denen sich syrakusische (Imhoof-Blumer Monn. grecques Taf. B 23. Gardner Types XI 24) anreihen. Auf bruttischen Münzen finden sich auch bärtige A.-Köpfe (Cat. of Gr. coins, Italy 324f.). Der A.-Kopf mit korinthischem Helm ist ein beliebtes Münzzeichen unter Mithradates Eupator: Cat. of Gr. coins, Pontus etc. Taf. V 3. VII 3. 5. XXIII 4; vgl. Head HN 423ff. Den verliebten A., der dem Geschmack der hellenistischen Epoche besonders zusagte, lernt man indirect aus kampanischen Wandbildern kennen (vgl. Helbig Wandgemälde 313–328. Sogliano Pitture murali 133ff., unter denen 325 [Ann. d. Inst. 1866 Taf. E. F] sich durch strengere Auffassung auszeichnet), daneben aus decorativ verwendeten Kleinbronzen, für die Rhein. Jahrb. LIII Taf. 1. 2 und 7. 8 Beispiele sind. Im allgemeinen wird auch dieser A. als Gemahl der Aphrodite aufgefasst; doch scheinen römische Monumente (s. später) zu beweisen, dass auch seine Buhlschaft mit der Gemahlin des Hephaistos und die Ertappung und Fesselung des Liebespaares schon in hellenistischer Zeit dargestellt worden ist. Von den übrigen Mythen kommt nur die Gigantomachie in Betracht, in deren ausführlichen Darstellungen A. natürlich nicht fehlen durfte. Am pergamenischen Altar nahm er, zu Wagen kämpfend, die rechte Ecke der den grossen Göttern gewidmeten Hauptseite ein (Puchstein S.-Ber. Akad. Berl. 1888, 1233. 1889, 320). Aus der späteren Zeit verdienen zwei archaisierende Darstellungen von Göttervereinen Erwähnung: die Zwölfgötterbasis im Louvre (Friederichs-Wolters 422. Müller-Wieseler I 12. Hauser Neuattische Reliefs 55f.), wo A. gepanzert und bärtig dargestellt war, und das capitolinische Puteal (Friederichs-Wolters 422. Hauser 60), dessen jugendlicher A. sich im Kopftypus den Werken des 4. Jhdts. anschliesst.

In römischer Zeit sind A.-Typen und -Darstellungen oft auf Mars (s. d.) übertragen worden, woraus sich die verhältnismässig grosse Zahl von A.-Bildern römischer Kunst erklärt. Hier muss eine summarische Aufzählung der wichtigsten dieser Denkmäler genügen. 1. Statuarische Werke. Die schon erwähnte Figur auf dem capitolinischen Tempelgiebel. Gruppen von A. und Aphrodite, bezw. Porträtgruppen im Typus solcher, entstanden durch willkürliche Verbindung von statuarischen Typen des A. und der Aphrodite, in Paris, Florenz, Rom (Capitol): Clarac 326, 1431. 634, 1430. 634, 1428, auch an Sarkophagen wiederholt; z. B. Matz-Duhn 2232. 2345. – 2. Bronzen. Friederichs Kleinere Kunst u. Industrie 1925ff. [667] Dilthey Rhein. Jahrb. LIII 1ff. Häufig sind Büsten des A. wie solche anderer Götter als Gerätschmuck (Friederichs a. a. O. 1558 d 6 – e 4. Dilthey a. a. O. 4ff.) und Hängegewichte (Dilthey 8) verwendet. – 3. Reliefe. A. sitzend neben stehender Aphrodite an Terracottastirnziegeln: Campana Opere in plastica II 104; vgl. Dilthey 31. A.-Kopf, manchmal zur Bezeichnung des Planeten Mars, mit denen anderer Götter zusammen: Campana Opere in plastica I 3; sogenannter astrologischer Altar im Louvre (Visconti Mon. Gabin. 7, 16); vgl. Dilthey 17. A. und Aphrodite, von Hephaistos gefesselt und von Eroten beklagt an der Ara Casali (Wieseler Ara Casali Taf. 1) und auf Sarkophagen (Winckelmann Mon. Ined. 27. 28). A. über Kyknos Leiche gegen Herakles kämpfend an derselben Ara (Wieseler a. a. O. Taf. II 2), während ein Terracottamedaillon (Gaz. archéol. III Taf. 12) Herakles als Sieger dem gepanzerten A. gegenüber vor Zeus, Athena und Nike stehen lässt. A. zu Wagen auf calenischen Phialen, z. B. Berlin 3881. – 4. Eine etruskische Ciste und 2 Spiegel sind die einzigen Zeugnisse für einen merkwürdigen Mythus, nach dem A. als Kind in ähnlicher Weise wie Achill durch Thetis die Unsterblichkeit durch Athena gewinnt; vgl. F. Marx Arch. Ztg. XLIII 169ff. – 5. Wandgemälde s. o. – 6. Münzen. Auf römischen Münzen ist A. so häufig dargestellt, dass hier der Hinweis auf Heads Historia numorum genügen mag. – 7. Gemmen: Hervorgehoben zu werden verdient der Petersburger Stein, Müller-Wieseler II 243, der wohl auf ein hellenistisches Vorbild zurückgeht.

Nachträge und Berichtigungen

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S. 656, 11 zum Art. Ares:

Der Absatz XXVI 1 ist zu streichen, da die ganze Geschichte von dem Schwindler Ps.-Plutarch. de fluv. erfunden ist.

Nachträge und Berichtigungen

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S. 656, 64 zum Art. Ares:

8. In Edessa wird mit A. der neben Monimos (–Ammudates) als πάρεδρος des Helios verehrte Azizos identifiziert; Iulian. or. IV 150 c. d. 154 a.

S. 660, 13: Die bei weitem wahrscheinlichste Etymologie leitet jetzt den Namen von ἄρημι ab, so daß A. den Schädiger bedeutet; vgl. Bechtel Lexilogus zu Homer 59 und danach Kern Krieg u. Kult bei den Hellenen, Rektoratsrede, Halle 1915, 6f.

[Kern.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gem. Nachtrag S I Spalte 125 ist der komplette Absatz XXVI gestrichen.