RE:Chryse 12

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2489–2490
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12) Im boiotischen Orchomenos heisst Ch. Tochter des Almos, Schwester der Chrysogeneia, von Ares Mutter des Phlegyas, des Eponymos der Φλεγυαντὶς χώρα, der von Eteokles die Herrschaft von Orchomenos übernimmt; Paus. IX 36, 1 = Steph. Byz. s. Φλεγύα, der sie freilich Χρυσῆ schreibt und von einer Stadt Phlegya spricht. O. Müller denkt Orch.² 137 an den sprichwörtlichen Reichtum der alten boiotischen Stadt, deren Μινύου [2490] θησαυρός auch Pausanias, wohl nicht ohne Beziehung, a. a. O. nennt. Doch wird auch hier wieder der Name einem Athenakult angehört haben, nämlich dem kopaïschen (der überschwemmten Urstadt Athenai? vgl. O. Müller a. O. 58f.). Robert-Preller Gr. M. I 191 verweist auf die Sage von dem goldenen Regen bei der Geburt der Athena in Rhodos (Pindar. Ol. VII 34. Philostr. imag. II 27 u. a.), die hier durch den Namen der Χρυσο-γένεια besonders nahe gelegt wird (s. d.); die Göttin oder Nymphe von Lemnos-Chryse dagegen ist in den Athenakreis sichtlich erst hineingezogen; sie trägt einen fremdartigen Charakter und ist von Heinrich De insula et dea Chryse, Bonn 1839 als sintische Göttin, von Petersen Gr. Myth. 294 als thrakische Bendis, durch v. Wilamowitz Hermes XVIII 1883, 257 gleichfalls als thrakisch und als gleichwertig der byzantischen Φωσφόρος angesprochen worden. Pervanoglu Arch. Zeit XXXII 110 und O. Müller Dor. I² 390 deuten den Namen Ch. auf den Mond, Welcker a. O. 307f. auf eine Licht- (Sonnen- und Mond-) Göttin.