RE:Alkamenes 5

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1507–1508
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5) Berühmter Bildhauer und Erzgiesser, jüngerer Zeitgenosse und nach Plinius n. h. XXXIV 72 Schüler des Pheidias, neben dem ihm in dem wahrscheinlich auf pergamenische Kunstschriftsteller zurückgehenden Kanon der Plastiker bei Quintilian XII 10, 8 (vgl. Paus. V 10, 2) unter besonderer Hervorhebung seiner Götterbilder die zweite Stelle angewiesen wird. Als Athener bezeichnet ihn mit besonderem Nachdruck Plinius XXXVI 16, während andere ihn einen Lemnier nennen (Suid. Tzetz. Chil. VIII 340); zwischen beiden Angaben hat man durch die Annahme vermitteln wollen, dass A. der Nachkomme eines der attischen Kleruchen auf Lemnos gewesen oder dass ihm als Auszeichnung für seine künstlerischen Schöpfungen das attische Bürgerrecht verliehen worden sei. Von seinen Werken ist nur die von Thrasybulos 403 nach dem Sturz der Dreissig in den Heraklestempel von Theben geweihte Gruppe des Herakles und der Athena chronologisch fixiert, Paus. IX 11, 6. Doch sprechen gewichtige Gründe dafür, dass die berühmtesten seiner Schöpfungen, die Aphrodite ἐν κήποις (Paus. I 19, 2. Plin. n. h. XXXVI 16. Luk. Im. 4, 6), die dreigestaltige Hekate auf dem Nikepyrgos (Paus. II 30, 2) und der Hephaistos (Cic. n. d. I 30. Valer. Max. VIII 11, vgl. Paus. I 14, 6) in die Jahre 440–430 fallen, die darnach die Blütezeit seines Schaffens bezeichnen würden. Ebenfalls für Athen fertigte A. die Kultbilder des Ares und des Dionysos (aus Goldelfenbein), Paus. I 8, 4. 20, 3, für Mantineia das des Asklepios, Paus. VIII 9, 1. Eine bei Pausanias erhaltene antike Tradition bezeichnete A. ausserdem als den Meister des Westgiebels am Zeustempel zu Olympia (V 10, 8) und des Kultbildes in einem von den Persern zerstörten Heratempel auf der Strasse von Athen nach Phaleron (I 1, 5). Wenn diese Angaben auf wirklicher, d. h. inschriftlicher Überlieferung [1508] und nicht auf blosser Combination antiker Kunstforscher beruhen sollten, so würde man aus chronologischen Gründen genötigt sein, einen zweiten älteren A. anzunehmen, wie dies neuerdings mehrfach geschehen ist; s. Loeschcke Westl. Giebelgr. d. Zeustempels zu Olympia 7. Six Journ. of hell. stud. X 1889, 111. Koepp Arch. Jahrb. V 1890, 275. Einen in zahlreichen statuarischen Repliken und auf attischen Reliefs vorliegenden Heratypus will E. Petersen Röm. Mitt. IV 1889, 65ff. auf A. zurückführen, indem er die Tradition von der Zerstörung jenes Tempels durch die Perser verwirft. Nachbildungen der Aphrodite ἐν κήποις hat Furtwängler Roschers Myth. Lex. I 412 in den früher fälschlich als Venus Genetrix bezeichneten Statuen erkannt; s. auch Conze Ath. Mitt. XIV 1889, 199ff. E. Petersen Ant. Denkm. I 45 zu Taf. 55. Von sonstigen Werken des A. kennen wir nur noch die Gruppe von Prokne und Itys auf der athenischen Akropolis (Paus. I 24, 3) und durch Plinius XXXIV 72 die Siegerstatue eines Fünfkämpfers, der nach einer beachtenswerten Conjectur von W. Klein Arch.-epigr. Mitt. XIV 1891, 6ff. (encriomenos d. i. ἐγχριόμενος für encrinomenos) sich mit Öl salbend dargestellt war und von dem uns nach einer ansprechenden Vermutung desselben Gelehrten in dem Dresdener und Münchener ‚Salber‘ (Mon. d. Inst. XI 7. Ann. d. Inst. LI 1879 tav. ST) Copien erhalten sind. Correctheit, Schönheit und Erhabenheit (diligentia decor pondus, ἀκρίβεια εὐπρέπεια ἀξίωμα) werden in dem bei Quintilian erhaltenen pergamenischen Kunsturteile den Schöpfungen des A. in gleichem Masse wie denen des Pheidias zugesprochen; vgl. Robert Arch. Märch. 41ff. 50ff.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 61
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5) Über A. s. jetzt Furtwängler Meisterwerke S. 122ff. und passim, der u. a. den Hephaistos dieses Meisters in der Büste Chiaramonti, die er mit einem Torso in Cassel combiniert (s. auch Sauer Theseion 247ff.), erkennen will. Über den Dionysos s. Reisch Eranos Vindobonensis S. 1ff. Prokne und Itys will Winter nach dem Vorgang anderer, namentlich von Michaelis, in einer Gruppe auf der Akropolis erkennen, Antike Denkmäler II Taf. 22 S. 8.