RE:Aphrodite

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 27292787
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Aphrodite (Ἀφροδίτη, Ἀφροδείτη, aiol. Ἀφρόδιτα [Hs. Ἀφροδῖτα, corr. Bekker] nach Choiroboskos 1200; vgl. Ahrens Dial. I 109, 2, einmal Ἀφορδιτα, kret. Inschr. Cauer Delect.² nr. 121, 26, ursprüngliche Wortform wohl das kyprische Ἀφοροδίτα; vgl. M. Schmidt Kypr. Inschr. T. XIX 7 Ἀφοροδοδοσιω, S. 529; auch Aprodita Bezzenb. Beitr. X 105; Ἁβροδίτη = ἁβροδίαιτος spielend nur Schol. Eur. Troad. 990: οὐκ οἶδε πολεμικὰ ἔργα; die anderen alten Etymologien s. a. E.), eine ursprünglich in Thessalien heimische, dort wahrscheinlich von dem Volksstamm der Pelasger zuerst verehrte und von diesem in Verbindung mit Aiolern nach Kleinasien, mit Argeiern über Boiotien nach Attika, aus Arkadien nach Kypros verbreitete Göttin. Die hypokoristische Verschleifung des Namens in Thessalien und die daselbst und zwar an den verschiedensten Orten nachweisbare Weihung eines besonderen Monats an die Göttin, zwei anderwärts nur ausnahmsweise beobachtete Erscheinungen (vgl. Thrakien, Bithynien, Iasos, Kypros) beweisen, wie breit und tief ihr Kult im thessalischen Volkstum wurzelt.

Inhaltsverzeichnis

A. Kulte.

Das europäische Festland.

I. Thessalien.

1. Pelasgikon Argos und Pelasgiotis: a) Larisa: Monat Ἄφριος, Bischoff Fast. gr. ant. [Leipz. Stud. VII] 319. 334, 5; Jahrb. f. Phil. CXLV 1892, 479ff. (Name Ἀφρόδειτος Athen. Mitt. XI 1886, 126 nr. 73. CIG 1957), vgl. Bull. hell. XIII 1889, 395f. nr. 4. 9. – b) Insel ‚Lakereia‘, d. i. die mit den pontischen Φίλυρες erst später confundierte mythische Φιλυρηῒς νῆσος des Philyra-Kronos-Rhea-Mythos (Apoll. Rhod. II 1231) und der lakereischen Phlegyes insulani Euphorions (Serv. Aen. VI 618; vgl. Unger Theb. Parad. 352. Roscher Myth. Lex. II 1032, 61ff.): A. Enkelin des Kronos und der Philyra, Tochter des Aphros (s. d.) von der Lakereierin Astynome (s. d.). Vgl. auch die φίλυρα (Silberlinde), der A. geheiligt nach Horat. carm. I 38, 2. Ovid. fast. V 337. Cornut. n. d. 24 (mit Etymologie von φίλειν, Beziehung auf die aphrodisischen Kränze). A. χρυσέη direct als Tochter des Kronos s. III Ib. – c) Gyrton: Kopf der A. auf Münzen Catal. greek coins Brit. Mus., Thessaly 203, 1a. –

2. Perrhaibia: Monat Ἄφριος, Ussing Inscr. gr. 8. 8b = Le Bas Béotie 1241, vgl. 1314. B. Keil Herm. XX 1885, 630. –

3. Hestiaiotis: a) Trikka am Lethaios: A. ἀνδροφόνος, Plut. Erot. 21 (vgl. Photios bibl. 279, 533. Schol. Arist. Plut. 179), so genannt zur Erinnerung an die Steinigung der Laïs durch thessalische Frauen in ihrem ἱερὸν aus Eifersucht wegen der Liebe des Thessalers Hippolochos zu der Ausländerin (,Korintherin‘). Nach Polemon frg. 44 bei Athen, XIII 589 C, FHG III 127 ein τέμενος der A. ἀνοσία, in dem Laïs um der Liebe des Pausanias willen mittels hölzerner χελῶναι (Fussbänke? Spiegel?) erschlagen sei von den Thessalerinnen. [2730] Das Grab der Laïs mit Hydria, darauf Versinschrift (Laïs, geboren in Korinthos, Tochter des Eros u. s. w.) am Peneios; vgl. Suid. s. χελώνη. Schol. Arist. Plut. 179. Über die Unterscheidung der mythischen, im Hetaerennamen fortlebenden Laïs von der Hetaere aus Hykkara s. Jahrb. f. Phil. Suppl. XVI 1887, 213ff.; über die parallele Entwickelung des Hetaerennamens Leaina aus dem Löwin- und Sphinxtypus im Aphroditedienst und seine Verknüpfung mit dem Laïosmythos s. u. II 1a. – b) Onthyrion beim späteren Metropolis: A. Καστινιῆτις, Kallim. frg. 82b (bei Strab. IX 438). Die dortige irrtümliche Angabe, dass die Schweineopfer der A. Kastnietis ohne Beispiel seien, korrigierte später Kallimachos Hypomn. frg. 100h, 1 (bei Athen. III 95 F. 96 A) durch den Hinweis auf die argolischen Hysterien (O. Schneider Callim. II 240. 350f.; vgl. u. V 5 a. E. XXVII 3. XXIX 1). Tempel in Metropolis, Bull. hell. XIII 1889, 398f. nr. 16, 23. Auf Münzen Kopf der A., oder A. bekleidet stehend oder auf Felsen unter einem Baum sitzend, mit Nike, Thyrsos oder Taube, Leake North. Greece IV 507. Head HN 257. Cat. Brit. Mus. Thess. 36, 1. 4. –

4. Thessaliotis: Pharsalos: A. Πειθώ, Röhl IGA 327. Daselbst, wichtig für die thessalische Herkunft der A. Αἰνειάς, Aineias, als Kriegsbeute des Neoptolemos: Simmias bei Schol. M Eur. Andr. 14 Dind. = Tzetz. Lyk. 1263 (ohne die ersten 5 Verse, Cobet bei Dindorf a. O.). Κρίσις περὶ κάλλους der A. mit den 3 Chariten Καλή, Πασιθέη, Εὐφροσύνη bei Peleus und Thetis Hochzeit, wobei durch den Urteilsspruch des bei Cheiron als Schüler in der Mantik anwesenden Teiresias als Schönste die Kale hervorgeht. Später wird der in ein Weib verwandelte Teiresias von dem Kreter Arachnos (s. d.) nach dem Beilager selbst für A. gehalten: Sostratos Teiresias bei Eustath. zu Od. X 492 p. 1665, 58ff., vgl. Wagner Herm. XXVII 1892, 137ff. und unten XXI 3 a. E. –

5. Magnesia: Monat Ἀφροδισιών, Athen. Mitt. VII 1882, 71, II und 75. XV 1890, 283, I. Im Dorfe Neleia bei Demetrias: A. Νηλεία Athen. Mitt. XV 1890, 303. –

6. Ainianes (ursprünglich Nachbarn der Perrhaiber in Pelasgiotis, vgl. die perrhaibische Stadt Ainia): Κυθήρα Περσεφάασσα Πασιφάεσσα als Besitzerin des Liebeszaubers und Empfängerin von Geryoneus Herde zu Erytheia aus Herakles Händen auf ainianischer Stele im thebaïschen Ismenion, Ps.-Aristoteles mirab. ausc. 133 p. 843 a, nach Welcker Götterl. II 700, 4 übergelehrt, mystisch, nach Usener Rh. Mus. XXIII 1868, 342 alt; vgl. Lyd. de mens. IV 44; eine A. nach Robert-Preller Gr. Myth. I⁴ 373. Sie bringt die hesychische, von Unger wegconjicierte Κυθήρα πόλις Θεσσαλίας in Erinnerung, deren Name bei Lakonika und Kreta sich wiederholt. Über Ainos s. XVI 1 a, Pyrrha XXI 2. XXV 21, Spercheios XXV 2.

Von Thessalien verbreitete sich der Dienst der A. südlich nach Boiotien und weiter, wie östlich nach Kleinasien, entsprechend dem frühzeitigen Auftreten der Pelasger in diesen Gegenden (Crusius Jahrb. f. Phil. CXXIII 1881, 296ff.; Allg. Enc. ‚Kabiren‘ 20; Beitr. z. griech. Mythol. 12. 16ff.; vgl. Philol. N. F. III 1890, 720 mit Anm. 34), und zwar vor dem Eintreffen des Achaierstamms mit seinem Kulte des Zeus und [2731] der Dione (H. D. Müller Myth. I 254), deren Kind sie wird, Il. V 370, vgl. III 1 b.

II. Boiotien.

1. Thebai: a) A. als Gattin des Ares, Mutter der Harmonia, der Gattin des Kadmos: Hesiod. th. 933f. Pind. hymn. frg. 29 Bgk. Eur. Phoin. 7; γένους προμάτωρ Aisch. Sept. 127f. R. Drei hochaltertümliche Holzbilder der A. Urania, Pandemos, Apostrophia stiftet Harmonia: Paus. IX 16, 3 (über diese s. Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 696ff. und über Ἀποστροφία Plut. qu. conv. III 6, 4: ἀποστραφέντας, sc. γυναῖκας, d. i. μόνους, καθεύδειν). Sie hatte ein Fest Ἀφροδίσια (Xen. hell. V 4, 6), an welchem die edelgeborenen Frauen (vgl. auch Plut. de gen. Socr. 4. 25) ἔπαιζον und verkleidet im κῶμος umherzogen (Polyain. II 4, 3)an der Wintersonnenwende (Plut. Pelop. 24. GIG I p. 732. Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 700. 732). Epheu war in ihrem Kult verboten, Plut. qu. Gr. 112. Zur Brumalzeit des Festes stimmt der finstere Charakter der Söhne von A. und Ares bei Hesiod. th. 934, Δεῖμος und Φόβος, und der finstere Charakter der älteren Ares-Gattin, Erinys (Jahrb. f. Philol, a. O. 685–722. O. Crusius Roschers Myth. Lex. I 470, 46ff.), an deren Stelle A. in Thebai getreten sein wird (Jahrb. f. Phil. a. a. O. 716. 739). Die bei Erinys ständigen nephalischen Opfer muss auch die Theben eigentümliche A. Ἀποστροφία gehabt haben; wenigstens eignen sie der wesensgleichen auf Rat der Sibyllinen in Rom eingeführten Venus Verticordia-Postvorta, charakteristischer Weise nach der Legende ‚seit ihrer Vermählung mit Mars‘: Ovid. Fast. IV 151. Die Paarung mit Ares ist stehend im Zwölfgöttersystem (s. d.) geblieben (Jahrb. a. O. 742f.). Polyneikes, der Überbringer des A.-Kults aus Theben nach Mantineia (Paus. II 25, 2), hat im bedeutsamen Traum des Adrastosmythos und seiner Verwirklichung neben dem ebergestalteten Tydeus Löwengestalt, bezw. Löwenfellkleidung; ebenso die von H. D. Müller (Myth. I 297 mit Anm. 4) den Pelasgern zugesprochene Sphinx; ebenso ist des edlen thebaïschen Gephyraiers Harmodios angebliche Geliebte nicht blos Λέαινα genannt, sondern auch als Löwin dargestellt, und R. Jacobi beobachtet noch öfter Zusammenhang von Löwinnenstatuen mit A.-Kult (Jahrb. f. Phil. CVII 1873, 366f., vgl. III 1 e). Wenn Harmonia eine thebaïsche A.-Heroïne ist (vgl. auch den thebaïschen Gephyraier Ἁρμόδιος), so hat auch der Löwe mit dem Eber im Gespann des Κάσσμος und der Ἁρμονία auf dem schwarzfig. Vasenbilde Wiener Vorlegebl. C VII 3 Bedeutung; vgl. Crusius Roschers Myth. Lex. II 841, 57ff. Vielleicht stammt der Löwe aus dem durch den (areïschen) Sparten Echion gegründeten, in Thebai vorboiotischen Kult der Göttermutter (Robert Herm. XXII 1887, 45ff. Maass Gött. gel. Anz. 1889, 815). Über pelasgisch-aphrodisischen Ursprung des Oidipus-Mythos s. Crusius Beiträge 21. – b) Als A. ehrten die Thebaier durch Tempelgründung die Geliebte des Demetrios Poliorketes, Lamia, Polemon frg. 15 bei Athen. VI 253 B, FHG III 120. Auch die Aphroditeheroïne (Crusius a. O. 22. 23, 2) Leukothea hat in Thebai Kult: Plut. apophth. Lacon. Lyk. 26. Pelasger in Boiotien: Crusius a. O. 8. 14f., als Träger des A.-Kults: 16ff.; Jahrb. f. Philol. CXXIII 1881, [2732] 298ff. Tümpel Philol. N. F. III 1890, 117ff. 721ff. IV 1891, 568ff. 48; vgl. jedoch V 1892, 400f. –

2. Thespiai: A. Μέλαινα: Paus. IX 27, 5, nach VIII 6, 5 von den μίξεις ἐν νυκτὶ genannt; sie wird den Eros, dessen Mutter sie ward (Paus. IX 27, 2; vgl. u. VII 3. VI 1 c), aus einem alten autochthonen Kriegs- und Freundschaftsgott zu einem Gott aphrodisischer Liebe gemacht haben. Kopf der A. oder diese stehend und die rechte Hand ausstreckend über ein weibliches Götterbild mit Blüte in der Hand auf Münzen: Journ. Hellen. Stud. VIII 13. –

3. Delphoi. a) A. ἐπιπυμβιδία, Idol mit χοαὶ und Anrufung zum Zweck der Psychomantie: Plut. qu. Rom. 23 (vgl. den Aschenkrug der Laïs im trikkaeischen A.-Dienst [I 3 a] und die Grabesbeziehungen der Sphinx). – b) A. ἄρμα, eine Umschreibung für A. als Liebesgöttin, wie das homerische φιλότης für συνουσία (also von ἀρ-αρ-ίσκω): Plut. Erot. 23, 7; nach G. Curtius Etym.⁵ 691 vielmehr aiolisch gleich ἅρμα, wie vom gleichen Stamme ἅρμονία (Curtius 340), so dass Ἄρμα gleich Ἁρμονία wäre. –

4. Steiris: Votiv Bull. hell. V 1881, 449. –

5. Orchomenos: a) A. Ἀκιδαλία am Akidaliaquell, Gattin des Dionysos, Mutter der Chariten, die sich darin baden, um des Einflössens von ἀκίδες (= curae) willen. Serv. Aen. I 720 = Myth. Vat. II 36. III 11. 12; vgl. den von Chariten gewobenen πέπλος der A. in der Ilias (V 338) und ihre Teilnahme am Charitenchor Od. XVIII 194. – b) A. Ἀργυννίς, Tempel am Kephissos, gestiftet von Agamemnon zur Erinnerung an den dort ertrunkenen geliebten Knaben: Phanokles frg. 5 aus Clem. Al. Protr. 32; s. u. Argynnos. –

6. Tanagra: Tempel, Paus. IX 22, 1. –

7. Thisbe, taubenreicher Zufluchtsort der A. (θαλασσαίη): Nonn. Dion. XIII 62. In Boiotien an nicht genauer zu bestimmender Örtlichkeit (wegen der Einflechtung der Göttermutter bei Thebai, Chaironeia oder Plataiai: Robert Hermes XXII 1887, 451) beschützt und bestraft A. den Hippolytos in der schon aus den Ehoien stammenden Sage von der Atalante δρομαία (Robert a. O. 445ff.).

III. Attika.

1. Athenai. Vgl. E. Curtius Stadtgeschichte Athens, Schriftquellen X–XII. CVI und pass. a) A. (mit Ares) unter den Zwölf-Göttern, Aristot. Ἀθήν. πολ. 25. Paus. I 5, 5. 8, 9. CIA II 1171 (Akropolis); vgl. II 1327 und die anderen Stellen bei E. Curtius IX. – b) Ausserhalb der Mauern ἐν κήποις (Plin. n. h. XXXVI 16): A. die älteste der Moiren (Lukian. imag. VIII 11), Hermen vor dem Tempel, in demselben Statue von der Hand des Alkamenes (s. d.), Paus. I 19, 2, als Armstütze eines jüngeren Typus verwandt auf lateranischem Relief Benndorf-Schöne nr. 482 Taf. XIII 2. E.Curtius a. O. 23. Dieselbe Auffassung bei Epimenides (Theog. frg. 9 aus Schol. Soph. OC 42 = Tzetz. Lyk. 406): A. χρυσέη, Moiren und Erinyen als Kinder des Kronos von der Εὐονύμη (Εὐωνύμη) Natalis Comes, vgl. Istros FHG I 419, 9 und Εὐώνυμος, den Eponym des attischen Demos Εὐωνυμία, Sohn des Uranos [von Ge], bei Steph. Byz.). Οὐρανία ward diese A. genannt nach Lukian. d. meretr. VII 1, wonach die Urania ἐν κήποις als Opfer eine δάμαλις empfing; vgl. Athen. XIII 572 D ff.; ausserdem Νηφάλια (wie Helios, Selene, Eos, die Nymphen), Polemon frg. 42 bei Schol. Soph. OC 100, [2733] FHG III 127. Einkünfte: CIA I 189, 11; vgl. I 202. 273 e. f; von Eurip. Med. 831ff. laut attischer Sage als Rosengöttin gefeiert, die aus dem Kephissos schöpft und, Eroten entsendend, mit lieblich erquickender Luft die Fluren anhaucht. Nach verworrenem Bericht des Pausanias I 27, 3 führte aus einem περίβολος neben ihrem Tempel ein unterirdischer (noch nicht wiedergefundener) Gang an den Bezirk der Athene Polias auf die Burg, wohl (nach Robert Herm. XVI 1881, 87) zum Dionealtar (CIA I 324 C u. ö., vgl. III 333, u. oben I 6 a. E.), durch welchen geheimnisvolle, selbst der Athenepriesterin unbekannte Gegenstände durch die Arrhephoren ausgetauscht wurden (Robert a. O., an die homerische Verknüpfung der A. mit Dione erinnernd. Toepffer Att. Gen. 121. E. Curtius a. O. XI). Eine Darstellung dieser A., auf dem Schoss der Dione, sieht Robert in der Gruppe des Parthenonwestgiebels. Vielleicht ward sie auch Nemesis genannt, CIG III 289: Οὐρανίας Νεμέσεως, aus Hadrians Zeit (Hesiod th. 217ff. Nemesis als Schwester der Moiren), vgl. jedoch A. neben Nemesis in Patrai, weswegen Posnansky (Nemesis und Adrasteia 12. 56) vielmehr die rhamnusische Nemesis für diese Urania-Nemesis hält. Ein athenisches Totenfest Νεμέσεια zweifelhafter Beziehung Bekk. Anecd. 282, 32 = Νεκύσια = γενέσια aus Solons Zeit, Mommsen Heortol. 209. Die von Pausanias I 14, 7 bei der folgenden A. (des κολωνὸς ἀγοραῖος) berichtete Legende von der Stiftung durch Aigeus aus Furcht vor den μήνιμα der Göttin, auf welche er die Kinderlosigkeit seiner Gattin und Schwestern zurückführte, bezieht sich nach Wachsmuth (Stadt Athen I 411, 1. 2), v. Wilamowitz (Kydathen 157), Robert-Preller (Gr. Myth. I 348, 5) vielmehr auf diese A. Urania. – c) Auf dem κολωνὸς ἀγοραῖος: A.-Uraniabild von Pheidias Hand, über dessen Legende bei Paus. I 14, 7 siehe III 1 b a. E. – d) A. ἐφ’ Ἱππολυτίῳ (CIG I 212) oder Ἱππολύτῳ, Ἱππολυτία (Schol. Eur. Hipp. 30. Diodor. IV 62), am Südabhang der Akropolis, ward erst im 5. Jhdt. aus Troizen, der Heimat des Hippolytos-Phaidramythos eingeführt (Robert-Preller Gr. Myth. I 348, 5. v. Wilamowitz Kydathen 170). Dieses Ἱππολύτειον ἱερὸν Ἀφροδίτης (Schol. Od. XI 321) wird von Euripides Hipp. 30 (mit Schol.) als κατόψιον auf Troizen bezeichnet und sollte von Phaidra aus unglücklicher Liebe zu Hippolytos, der umgekehrt die A. verschmähte und dadurch die Rache der A. heraufbeschwor, gegründet sein (Eurip. a. O. 29ff. 1ff; Schol. v. 29: Φαίδρα ἐξιλεουμένη τὸν Ἔρωτα, wozu vgl. Tzetz. Lyk. 1329: Ἐρωτικὸς ναὸς als den durch Phaidra gegebenen Namen des Aphrodision). Paus. I 22, 1–3 erwähnt die Verbindung mit Peitho und dem Grabe des Hippolytos und nennt sie, der officiellen Bezeichnung auf den Inschriften entsprechend, A. πάνδημος, weil von Theseus bei Gelegenheit des συνοικισμὸς τῶν δήμων (!) gestiftet; vgl. O. Müller Prol. 401 und E. Curtius (a. O. 43), der an das Amtszeichen der athenischen Beamten und Volksredner zu allen Zeiten, den Kranz aus der troizenischen (V 9 a) Myrte der A. erinnert; vgl. Schol. Arist. Eq. 59. Der grosse Apollodoros (bei Harpokration, FHG [2734] I 431, 18) knüpft sie an Solons Versammlung des gesamten δῆμος auf der alten ἀγορὰ zur ἐκκλησία an und erklärt die A. Ἑταίρα (frg. 17 bei Athen. XIII 571 C; vgl. Photios und Hesych. Ἑταίρας ἱερὸν Ἀθήνησιν) als τοὺς ἑταίρους καὶ τὰς ἑταίρας συνάγουσα, d. h., wie v. Wilamowitz bei Wentzel Ἐπικλήσεις θεῶν (1890) I 4 nachweist, die συνήθεις καὶ φίλας freigeborener Frauen und Mädchen. An πόρνας denkt erst Nikandros (Kolophoniaka 3 bei Athen. XIII 569 DE: Solon stiftet den Tempel vom Ertrage der Bordelle). Foucart Bull. hell. XIII 1889, 156ff. trennt die Ἱππολυτία, als auf der Asklepieionsterrasse gelegen, von der westlicheren πάνδημος des Pausanias, zwischen dieser Terrasse und dem Burgaufgang; vgl. auch Dörpfeld Athen. Mitt. XIV 1889, 121. Opfer (θυσία) einer weissen μηκὰς an Pandemos: Luk. d. meret. 7, vgl. Plut. Thes. 18: A. ἐπιτραγία genannt (wie CIA III 335), weil sich bei dem Opfer vor Theseus Abfahrt nach Kreta unter A.s Schutz die Opferziege in einen Bock verwandelte. Πομπὴ, καθάρσια (Taube), περιάλειψις der Altäre, Waschung der ἕδη der A. Pandemos (und wohl auch der Peitho, Paus. I 22), Δελτ. ἀρχ. 1888, 187f. E. Curtius a. O. IX. Inventar: CIA I 212 (ὅρμος). II 702, 4. 699, 25 (Silberhydrien), dsgl. 681, 18; andere Schatzurkunden I 198, 9. 200 e, 11. II 679, 20. III 130 a (Votiv ....ν πόκοις mit weiblicher Brust in Relief). Δελτ. ἀρχ. 1889, 127f. Bull. hell. XIII 1889, 159, 1 und 160, 2. A. μεγάλη, σεμνή, πάνδημος (Votiv mit Priesterinnennamen, Relieftauben, von einem Skamboniden und eines Ikariers Tochter) ....νόης Πανδήμου νύμφης: CIA III 369 (Sesselinschrift des Dionysostheaters). Eine Votivbasis im NW. der Akropolis gefunden: CIA II 1208. Der vierte Tag den Opfern an A. Pandemos geweiht nach Menandros κόλαξ frg. 292 bei Athen. XIV 659 C, CAF III 82ff. Kock (Nachtfeier der s. g. Τετραδισταί); vgl. u. V 5 c. Lobeck Agl. 433f. – e) In den Propylaeen A. Sosandra des Kalamis: Paus. I 23, 2, Stiftung des Kallias. Vgl. CIA I 392 (IV p. 44). Lukian imag. IV 6; d. meretr. III 2. Dabei eherne Statue einer Löwin von Amphikrates Hand (Plin. n. h. XXXIV 72) zum Andenken an die Geliebte des Aristogeiton, Leaina: Paus. a. O. Die Legende zur Erklärung der ausgerissenen Zunge auch bei Athen. XIII 596. Über das Löwensymbol bei der hetaerischen A., hier mit deutlicher Beziehung auf die thebaische Heimat des gephyraeischen Tyrannenmörders, s. o. II 1 a. – f) Beim Andronikosturm: Ἀφροδίτῃ κατ’ ὄναρ, Votiv CIA III 188. – g) Im Norden der Stadt bei Panag. Spiliotissa (alter Grotten-A.?) Statue mit Weihinschrift an Isis, CIA III 162; vgl. II 1671, dreiteiliger Stein für fünf Altäre der Götter Hermes (vgl. V 5 c), A., Pan, Nymphen (III 11 a. E.), Isis (V 9 b. XXII 6). – h) Im Arestempel (mit thebaischen Beziehungen wegen der Nähe der Statuen der Tyrannenmörder und Pindars) 2 Statuen der A., Paus. I 8, 4. Auf Verfertigung von Statuen des Ares und der A. bezieht U. Koehler Ann. d. Inst. 1865. 315ff. die Rechnungsurkunde CIA III 318f. (Zweifel dagegen Boeckh im CIA a. O. und E. Curtius a. O. S. IX. 59ff.). – i) A. ψίθυρος Ἀθήνῃσιν, Eustath. zu Od. XX 18 p. 1881 (fälschlich aus Pausanias citiert). Hesych. [2735] s. ψιθύρα. Bekk. anecd. I 317, 11 und Harpokration p. 186, 26, wo sie mit Hermes ψιθυριστής und Eros ψιθύρης zusammengestellt ist; ψεδυροὶ Ἀφροδίτης Aisch. Hiket. 1041ff. Vgl. A. neben Mars und Mercurius als Heliopolitani zusammengestellt. Δελτ. ἀρχ. 1888, 190, 3 (nahe der Pyle der Agora gefunden). – k) Sesselinschriften für A. ἐναγώνιος, CIA III 189 und an Ἀφ.. III 380; Ἀ. χαλκῆ auf delischer Amphiktionenliste, CIA II 422. – l) Als Λέαινα Ἀ. erhielt die Geliebte des Demetrios Poliorketes, des ,Sohns der A. von Poseidon‘, Kult in Athen nach Demochares (frg. 3 bei Athen. VI 252 F, FHG II 449; vgl. frg. 4, Athen. VI 253 B). –

2. In Athmonon: A.-Uraniatempel gestiftet vom alten Landeskönig Porphyrion zu König Aktaios Urzeit, älter als die gleichen ἐν κήποις und am Markthügel (III 1 b. c): Paus. I 14, 7. Porphyrion ward von A. im Gigantenkampf getötet: Schol. Arist. Av. 1252 und 553 (wo er Vogelgestalt hat); vgl. die Darstellung auf der Reliefvase von Melos und über Giganten als Gegner der A. überhaupt XVIII 1 a. XXIII 6. –

3. Im Dorfe Hermos an der heiligen Strasse nach Eleusis: A. Πυθονίκη, Grabmal der vergötterten Hetaere Pythionike des Harpalos, Paus. I 37, 5; Tempel und Altar: Theopompos (frg. 277 bei Athen. XIII 595 A); vgl. Diodor XVII 108. Plut. Phok. 23. CIG 508. CIA II 1156f (Votiv). 1157 auch Φιλη (sic) Ἀφροδίτει. Journ. Hellen. Stud. II 123; unweit eines A.-Tempels: Paus. a. O. § 7. –

4. Alopeke. Priester der A. CIA III 697, Votiv: Athen. Mitt. XIII 1888, 356, 692. –

5. Oropos: A. mit der Tochter des Asklepios und der Paionia, Panakeia, Iaso, Hygieia zusammen auf einer der vier Seiten des Altars am Amphiaraion, Paus. I 34, 3. –

6. Kolonos Hippios: A. χρυσάνιος zwischen Dionysos und den Musen genannt, Soph. OC 693. –

7. Thriai: A. Φίλα, Tempelkult zu Ehren der vergötterten Gemahlin des Demetrios Poliorketes, Phila (Φιλαῖον), gegründet von dem Lampsakener Adeimantos, Dionysios π. ὀνομάτων 10 bei Athen. XIII 255 C. CIG 507. 509. Alexis frg. 111, CAF II 336 Kock bei Athen. VI 254 A. Über die irrtümliche Gleichsetzung mit dem A.-Tempel Paus. I 37, 7 (z. B. bei Boeckh CIG a. O.) vgl. Bursian Geogr. v. Gr. I 327, 2. –

8. Rhamnus: Die als Nemesis gestiftete Statue des Agorakritos soll ursprünglich als A. für die Concurrenz mit Alkamenes Statue ἐν κήποις geschaffen sein, Plin. n. h. XXXVI 17. Über den Schwanenritt, den A. mit Nemesis teilt, vgl. Studniczka Kyrene 164 und überhaupt die Artikel Agorakritos und Nemesis. Über den Typus Gardner Types of greek coins 170, zuletzt Rossbach Athen. Mitt. XV 1890, 64ff. –

9. Κύλλου Πήρα am Hymettos: Heiligtum der A. mit einer Quelle, deren Trinkwasser Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit aufhebt: Photios, Suidas. Davon die sprichwörtliche Übertreibung ἐμβάλλεται εἰς κύλλην, Demon bei Zenobios II 37 Mill., vgl. Crusius Beitr. z. griech. Mythol. 17, 1. Da diese von Aristophanes (frg. 273, I 462 K. aus Hesych) für ein πορνεῖον sprichwörtlich gebrauchte Örtlichkeit (Quelle, Hügel, Grotte) von Kratinos (frg. 168, I 64 K.) bei Photios und Suid. s. κυλλουπήρα auch καλιά oder καλλία, nach Hesych. s. κίλλεια (Herodian II 534, 3 Lentz) auch κυλία, κίλλεια, [2736] κάλλιον, κύλλη (im Sprichwort) u. a. genannt wurde, so erkennt Crusius (17, 7) hier einen Beinamen der A. selbst, und zwar den von den Pelasgern Herodots, (VI 136) an den Hymettos verpflanzten, einer Art Genetyllis und Porne. Vgl. über den Grottenkult X 1. XVII 6. XIX 1. XXI 3 a. E. XXIX 1; über die aphrodisischen Wirkungen einer A.-Quelle XXVI 19; zum Namen III 11. Die nahebei gefundene Sphinx Spata (Athen. Mitt. IV Taf. 5) erinnert an die boiotische Heimat der Hymettos-Pelasger. –

10. Peiraieus. a) A. ἄπαρχος, von Themistokles gegründetes Heiligtum, Ammon. π. βωμῶν bei Schol. Hermogen. π. ἰδεῶν, Rhetor. Gr. V 533. VI 393 W. – b) Kantharos, Schiffshäuser: Tempel, Ἐφ. ἀρχ. 1884, 169f. Z. 46; vgl. Schol. Arist. Pax 145. – c) A. (Εὐπλοία) Κνιδία), Tempel von Konon gestiftet zur Erinnerung an den Seesieg 394, Paus. I 1, 3. CIA II 1206 (Votiv). – d) A. Συρία (Οὐρανία) Heiligtum: CIA II 168 (Erlaubnis an Kaufleute aus Kittion auf Kypros [vgl. XXIX 14] zur Stiftung 333 v. Chr., U. Koehler Herm. V 351). CIA II 627, 4. 6 (Priesterin), vgl. III 1280 a Col. b, 40 von Orgeonen der Εὐπορίας θεᾶς Βελήλας und deren Götterkreises. II 1588 (Votiv einer Kittierin an A. Συρία Οὐρανία vgl. 1445 den Κήττιος Ἀφρ[όδιτος].– e) A. in Verbindung mit Adonis und Demeter im Ehrendecret Ἀθήν. VIII 296, Dittenberger Syll. 427; desgl. (ohne Demeter?) auf dem Decret der Salaminier, CIA II 1560f. – f) A. im Bezirk der Göttermutter: CIA II 1560f. (Votiv, Mitte des 4. Jhdts.); als Heilgöttin neben Μητρὶ θεῶν εὐαντήτῳ ἰατρίνῃ, III 136. 187. –

11. Vorgebirge Kolias: A. Κωλιάς, Tempelkult, Arist. Nub. 51f. mit Schol.; Lysistr. 2 mit Schol. Kallim. Hekale frg. 66 g Schn. aus Suidas s. Κωλιάς. Strab. IX 398. Steph. Byz. s. Κωλιάς. CIA III 339; nach Schol. V Arist. Nub. 52 (und Schol. Lukian. Pseudol. 11) ist die αἰσχρὰ A. auch selbst Γενετυλλίς genannt als γενέσεως ἔφορος (wie die A. von κύλλου πήρα, s. o. III 9), während Genetyllis nach den anderen Schol. z. d. St. und zu Lys. 2 eine andere Göttin aus dem Kreis dieser A. war. Nach Paus. I 1, 5 standen neben dem Kultbild der A.-Kolias die Genetyllides (vgl. die drei entsprechenden Figürchen neben dem A.-Bild mit Modius und Bogen, Nouv. Annal. de l’Inst. I 82, 3 pl. A 1). Pausanias a. O. vergleicht die Γενναΐδες von ionisch Phokaia. Als Kultgebräuche beim Frauenfest dieser weiblichen Zeugungsgöttin nennt Aristophanes καταγλωττίσματα, λαφυγμός, μυρόν, κρόκος. Der Gründer des Tempels war ein attischer Jüngling, der von Tyrsenern geraubt war; die Ursache Dankbarkeit für die Rettung aus der Hand der Seeräuber durch die Tochter des Anführers, welche (durch Einwirkung doch wohl der A.) in Liebe zu ihm entbrannt war, Schol. Ar. Nub. 52. Lukian Am. 42. Alkiphr. III 11. Eust. Dion. Perieg. 952. Et. M. p. 550, 41. Suid. Harpokr. s. Κωλιάς, Tzetz. Lyk. 867, der die A. fälschlich ἐν Κύπρῳ hat (wohl missverständlich aus Κύπρις), sie κωλῶτις nennt und die Tyrsenerin μιγεῖσα τούτῳ (τῷ νεανίᾳ). Die nach Crusius (Beiträge 18) aus der A. Kolias nur differenzierte Γενετυλλίς ist nach Hesych. s. v. eine Hekate-ähnliche γυναικεία θεὸς ξενική mit Hundeopfern und bringt so die thrakisch-samothrakische [2737] Höhlengöttin A. Ζηρυνθία (XVII 6) in Erinnerung, die auf der samothrakischen Inschrift Conze Reise auf d. Inseln d. thrak. Meeres T. XVI 10, S. 69 A. Καλιάς heisst (XIX 1). Die Tyrsener dieser Legende sind die tyrsenischen Pelasger der nordthrakischen Inseln und des Hymettos (III 9), welche letzthin aus Thebai (II 1) stammen. Die Fesselung der κῶλα in dieser etymologisierenden A.-Legende (vgl. Art. Kolias) entspricht vielleicht jener Fussfesselung im Oidipusmythos, den H. D. Müller (Philol. XIV 134, vgl. Crusius a. O. 21f.) der Religion der tyrsenischen Pelasger zugeschrieben hat, so auch die Verstrickung des Ares mit der A. im homerischen Demodokosgesang und die etymologisierende Form Σφίγξ für die altboiotische Φίξ (Hesiod. th. 326), makedonische Βίξ, des Oidipusmythos (von σφίγγειν; anders Bethe Theban. Heldenlieder 17). Auch Hesychs Zeugnis (s. Κωλιάς) für einen Demetertempel auf Kolias verwertet Crusius (a. a. O. 17) für die Zuweisung dieses A.-Kults an die thebaisch-hymettisch-thrakischen Tyrsener-Pelasger. Die Gruppierung dieser A. mit Nymphen (Genetyllides) und Pan (Strab. IX 398) erinnert an die gleiche Zusammenstellung in Athenai selbst, III 1f. Die A.-Kolias auf dem Schosse der Thalassa als Versinnbildlichung des aus dem Meeresschosse aufragenden gleichen Vorgebirges erkennt Furtwängler (Roschers Lex. d. Myth. I 414) im Parthenongiebel und denkt sie ursprünglich als nacktes Idol verehrt. In Eleusis hielt die Mutter der Ortsheroïne und Gattin des Hermes, Daeira, Phanodemos (frg. 21 aus Eust. Il. VI 378 p. 648, 35) ,fälschlich‘ für A. –

12. Kopana: Athen. Mitt. XIII 1888, 356 nr. 705. – Ἀφροδισιακὸν μέταλλον erscheint auf Inschrift CIA II 780, 5. Add. 782 b p. 513. – A. als Trierenname CIA II 792, 25. 793 b 18. 802 a 35. 789 b 80. 791, 79; vgl. Boeckh Staatsh. d. Ath. III² 85. Preller-Robert Gr. Myth. I³ 365, 2. A. mit Taube auf attischen Tetradrachmen Beulé Monn. d’Ath. 255, dagegen Imhoof-Blumer und Gardner Journ. Hellen. Stud. VII 34; mit Taube und Modius Bursian S.-Ber. d. Sächs. G. d. W. 1860, 223.

IV. Megara.

a) A. ἐπιστροφία, Heiligtum mit Orakel der Nyx auf dem Wege zur Burg neben Tempel des Dionysos νυκτέλιος und Zeus κόνιος, Paus. I 40, 6. – b) A. πρᾶξις, Heiligtum mit sehr altem Elfenbeinbild neben 2 Bildern der Peitho und Paregoros von Praxiteles Hand und Eros, Himeros und Pothos von Skopas, Paus. I 43, 6. A. mit Apfel und Taube auf Votivrelief: Sybel Katalog d. Skulpt. zu Athen nr. 388.

V. Argolis.

1. Tiryns: Terracottaidole, F. Kopp bei Schliemann Tiryns 414, vgl. Philol. N. F. V 1892, 394. Einen Tempel der Πειθώ, d. i. der A. selbst (vgl. o. I 4. XXI 4), stiftete von Tiryns aus Proitos zum Dank für die Heilung seiner Töchter in Sikyon, Paus. II 7, 7. Diese μανία der Proitiden führt Aelian. v. h. III 42 (statt wie sonst auf Dionysos) auf A. zurück; sie bestand in Mannestollheit und muss durch die auf dem Berge Keraunion oder Athenaion wachsende Ἀδράστεια ῥίζα veranlasst sein, durch welche jede γυνὴ ἐμμανὴς γίγνεται, ‚Lysimachos Nostoi‘ (frg. 10 aus Ps.-Plut. de fluv. 18, 12, FHG III 338; vgl. Philol. a. O.). –

2. Lerna [2738] (früher mit dem ganzen Küstensaum zu Tiryns gehörig): Marmorstatue der A., neben dem Dionysos-Saotestempel, gestiftet von den Danaïden, Paus. II 37, 1 (entsprechend der Concurrenz beider Gottheiten im Proitidenmythos). –

3. Temenion (ebenfalls tirynthisch, Paus. II 16, 2. 25, 8): A.-Tempel neben Poseidontempel, Paus. II 38, 1. Über die von Tiryns weiter verbreitete Heiligkeit des Nautilos der A. s. V 9 b a. E.; über die ebendaher datierende Bezeichnung einer Muschel als ,Ohr der A.‘ s. V 6. –

4. Mykenai (von Tiryns aus gegründet durch Perseus): s. den kunstmythologischen Teil (G I 4). –

5. Argos. a) A. Ἀκρία, Hesych., wohl identisch mit einer der beiden folgenden. – b) A. Οὐρανία, Haupttempel in der unteren Stadt, Paus. II 38, 8; daneben ein Grab der Ariadne im Tempel des kretischen Dionysos; vgl. die A. Ἀριάδνη von Amathus, XXIX 16, und überhaupt unter Delos XXII 6. – c) A. Νικηφόρος Holzbild von Hypermnestra gestiftet zum Dank für Lösung von Todesstrafe anlässlich der unbotmässigen Verschonung des Lynkeus beim Gattenmord der Danaïden, Paus. II 19, 6. Verknüpfung der A. mit Hermes auch im Kalender, wo der 4. Monatstag beiden Gottheiten geheiligt war, Proklos zu Hesiod op. 800, vgl. Theophr. charact. 14. Clem. Al. Strom. VII 744 und überhaupt über ihre συμβωμία bei den παλαιοί Plut. coni. praec. prooem., allegorisch gedeutet auf die γάμου ἡδονὴ μάλιστα λόγου δεομένη. Dieser Nikephoros gehört wohl das Ehefest Hybristika (s. im folg.) im Hermesmonat. – d) A.-Heiligtum oberhalb des Theaters, mit einer vor dem Kultbild stehenden στήλη, welche im Relief die Darstellung der Telesilla mit Helm in der Hand und Bücherrolle zu Füssen enthielt, zur Erinnerung an ihren Sieg an der Spitze der mit Tempel-Votivwaffen gerüsteten argivischen Frauen über den Kleomenes, Paus. II 20, 8. Nach O. Müller Dor. I² 174, 3. II 366 war das Schema dieser Telesilla das einer auf den Helm schauenden A.; vgl Él. Céram. IV pl. XXXI (nackt) und die Gemmen Müller-Wieseler Denkm. II 272 a. b. Bewaffnete A. auf Münzen Cat. Brit. Mus. XXVI 5. Wide Lakon. Kulte 141, 2. Auf diese mit dem A.-Kult in Beziehung gesetzte Stadtverteidigung wird man auch die A. Περιβασώ Hesychs (s. v.) oder Περιβασίη des Nikander frg. 23 Schn., Clem. Al. Protr. II 39 p. 33, 17 P. beziehen dürfen (wo Dindorf Steph. Thes. VI 793 D Περιβασοῖ liest; Schol.: ἀρχημοποιῷ ἐπίθετα [sic] κτλ.); denn diese wird trotz O. Schneider Nicandr. p. 32 nicht mit dem Scholiasten dem anderen argolischen Beinamen Ἀσχημοποιός gleichgesetzt und obscön erklärt werden dürfen (wie auch Welcker Götterl. II 714 thut), sondern vom περιβαίνειν = ἀμύνεσθαι als eine πρόστατις, ἀμύντειρα. Nicht genannt ist A., sondern durch Stiftung eines Standbildes des Enyalios vertreten, in der anderen Version dieser Sage bei Plut. de mul. virt. 4, wo aber die Datierung des angeknüpften Hybristikafestes an den Hermesmonat und die Beziehung auf Hochzeitsgebräuche doch den Gedanken an A., und zwar die Nikephoros nahe legt. Beim Feste tauschen Männer und Frauen die Trachten (vgl. die gleiche Sitte der Kyprier beim Opfer an A. barbata = Ἀφρόδιτος: Serv. Aen. II 632); bei den Eheschliessungen [2739] mit den ἄριστοι τῶν περιοίκων (zum Ersatz der gefallenen Männer) wird durch Gesetz den Frauen Anlegung eines falschen Bartes (wieder entsprechend der kyprischen A. barbata: s. u. XXIX 19 a. Anf.) während des Beilagers anbefohlen, zur Verhütung des τούτους ἀτιμάζειν καὶ περιορᾶν ἐν τῷ συγκαθεύδειν. Das ist das Motiv, welches zur Ermordung der stadtfremden Aigyptiaden einst geführt hatte, wie diese ἀνδροφονία der Danaïden zur Stiftung des A.-Nikephorostempels; vgl. o. I 3 a. Die Einflechtung der gattenmordenden Frauen des Mythos in die Geschichte des Kleomenes ist, wie aus dem Vergleich mit Herodots Darstellung (VI 77ff.) längst erkannt ist, spät und apokryph. – e) A. Τυμβωρύχος unaufgeklärter Bedeutung, Clem. Alex. Protr. II 38 p. 33 P. – f) Auf dem Wege nach Mantineia Doppeltempel mit Ares, gestiftet von Polyneikes (dem Besitzer des Halsbandes der Harmonia): Paus. II 25, 1. – Hysteria der A., ein Fest mit Opfern zahmer Schweine nennt Kallimachos Hypomnem. frg. 100 h, 1 aus Athen. III 95 F (vgl. die stehende Figur mit Schwein im linken Arm Schliemann Tiryns 417f. und I 3 b. XXVII 3.) – Venus Argiva, die puppae der römischen Mädchen empfangend, Engel Kypros II 331. – An A. ist vielleicht auch zu denken bei dem οἴκημα mit weiblicher Adonisklagefeier, Paus. II 20, 5. Archaische langbekleidete A. auf Münzen, Journ. Hell. Stud. VI 91. –

6. Die Halieis (von Tiryns ausgewandert um 468 nach Herodotos, Ephoros, Strabon, Steph. Byz., Philol. N. F. II 1889, 687ff.) nannten οὖς Ἀφροδίτης (Hesych. s. v.) oder ὠτάριον Ἀφροδίτης (Antigonos v. Karystos π. λέξεως bei Athen. III 88 A; emendiert von Maass Ind. Lect. Gryph. 1891 XI) die sonst (Aristot. hist. an. IV 4, 13 = Schol. Nicandr. Al. 393. Plin. n. h. XXXII 149) οὖς θαλάσσιον, und ὠτίον, heute Haliotion genannte Flachmuschel, Philol. N. F. V 1892, 395f. –

7. Hermione, von dem ein Teil der Fischfang treibenden Bevölkerung Halieis bewohnte (Steph. Byz. s. Τίρυνς), hatte der A. Ποντία, Λιμενία einen Tempelkult mit Marmorbild geweiht (Paus. II 34, 11) und einen zweiten Tempel einer A., in welchem Bräute und sich neu verehelichende Witwen vor der Hochzeit opfern, Paus. II 34, 12. Votiv an A. CIG 1233; vgl. den verwandten Kult V 8. VIII 3 d. X 1. Wide Sacra Troezen. 34f. Mit Eros stehend auf Münzen, Mionnet Suppl. IV 263, 162. –

8. Auf dem Wege nach Troizen, an der πέτρα Θησέως und dem Altar des ‚Zeus‘ Sthenios (= Poseidon), A. Νυμφία, Tempel von Theseus vor der Ehe mit Helena gestiftet, Paus. II 32, 7. –

9. Troizen, Ἀφροδισιὰς genannt, Eust. Il. II 561 p. 287, 11: a) A. Κατασκοπία, Tempel, gestiftet von Diomedes, mit Grab der Phaidra, Denkmal des Hippolytos und heiliger μυρσίνη mit durchbohrten Blättern; vgl. wieder die athenische Myrte der Beamten, Paus. II 32, 2–4, wo die ἐπίκλησις aus dem ἀποβλέπειν der verliebten Phaidra auf den Ἱππόλυτος γυμνάζων erklärt ist, vgl. das ἱερὸν κατόψιον ἐφ’ Ἱππολύτῳ) mit Phaidrasage in Athen, die Filiale dieses Kults (III 1 d), der zugleich der Mutterkult des entsprechenden von Halikarnassos ist (XXVI 19. Philol. N. F. V 1892, 402), wie der troizenische Poseidondienst derjenige des halikarnassisch-triopischen (CIG 2655. Schol. Theokr. 17, 69. M. Mayer Giganten und Tit. 139. [2740] Wide Sacra Troezen. 14). Μορφὼ soll die A. Τροιζηνία der Phaidra Lykophron 449 genannt haben nach einer alten Variante des Tzetzes: γράφε καὶ τὴν Τροιζηνίαν (statt Vulg. Ζηρυνθίαν) κτλ.; vgl. Maass Gött. gel. Anz. 1890, 354. – b) In dankbarer Erinnerung stiftet die Antheadencolonie Halikarnassos der troizenischen Metropole den A.-ἀκραία-Tempel auf einer Anhöhe der Troizenia jenseits der Akropolis, neben einem Isistempel, Paus. II 32, 6 (vgl. den Isiskult auch zu Halikarnassos, Bull. hell. 1890, 111; Hauptschmuck der Isis auf Bronzemünzen von Halikarnassos, Waddington Rev. num. 1851. 240 nr. 9; vgl. Drexler Num. Ztschr. XXI 1889, 128. 390; und die Isis neben A. und Hermes in Athen III 1 g). Da die Filialen zu Athen und Halikarnassos als σύμβωμος der A. den Hermes haben, so wird der Hermes πολύγυιος von Troizen (Paus. II 31, 10) auch schon (wie in Argos) Beziehung zu A. gehabt haben. Auf diese für Seefahrten und Coloniegründung bemühte Göttin bezieht sich wohl auch die Heilighaltung des πολύπους κωπηλάτης (Klearchos v. Soloi π. τῶν ἐν ὑγρῷ frg. 47 bei Athen. VII 317 A, FHG II 318), d. i. des Nautilos, den Mucianus bei Plin. n. h. IX 94 und 88 concha Veneria nennt (Philol. N. F. V 1892, 387ff.) in Übereinstimmung mit Kallimachos (Epigr. 6 Schn. aus Athen. VII 318 B; s. XXXIII 10). Die zu Troizen entdeckten ‚mykenischen‘ Gräber (Δελτ. ἀρχ. 1889, 105f.) zeigen, dass die Urbevölkerung dieser Stadt identisch war mit jener tirynthisch-mykenischen , welche auf Gold- und Glasplättchen den Nautilos gewohnheitsmässig darstellte und trug (vgl. Philol. a. O., Tafel und o. V 3). – c) A. ἐμ Βάσσαις, zusammengenannt mit τελεστῆρες der grossen Mutter, Bull. hell. X 1886, 136ff. = A. ἐν ἕλει, καλάμοις, κήποις im Gegensatz zur κατασκοπία (ἀκραία), Wide Sacra Troezen. 36. Auf Münzen A. den Schleier hebend, links den Apfel, Journ. Hell. Stud. II 97f. Abneigung gegen den Wein spricht wohl aus der Angabe, dass der troizenische Wein zeugungsunfähig mache, Plin. n. h. XIV 18. –

10. Methana: Nackte A. auf Münzen, Journ. Hell. Stud. VI 99. –

11. Epidauros: im römischen Bade A.-Statue (Genetrix), Ἐφημ. ἀρχ. III 1886, 256f. –

12. Melina: A. Μελιναία, Steph. Byz. s. Μελίνα; nach Tzetz. Lyk. 403 von μέλι (ἡδὺ συνουσίας) abzuleiten.

VI. Achaia.

1. Korinthos: a) Burg, A. bewaffnet neben Eros und Helios, der ihr Korinthos gegeben hat, Paus. II 5, 1. 4, 7. Strab. VIII 379. Alkiphron III 60 (aus Kythera kommend). A. auf Kaisermünzen mit Schild (ohne sonstige Bewaffnung) mit Sphendone, zuweilen mit Eros, oft im Tempel oder auf dem Felsen Akrokorinthos, auch mit Poseidon oder Herakles oder beiden; auf autonomen der Kopf, Imhoof Journ. Hellen. Stud. VI 74ff.; archaisch Cat. Brit. Mus., Corinth. 8f. nr. 79–86. 91–94; vgl. 11ff. nr. 117–697 pass. – b) Markt in der unteren Stadt. A.-Statue des Kytheriers Hermogenes neben Hermes und anderen Gottheiten, Paus. II 2, 7. – c) Cypressenhain Kraneion vor der Stadt, A. μελαινίς, Tempel mit Grab der Laïs, worauf eine Löwin einen Widder haltend (vgl. Plut. Erot 21 u. o. II 1 a.) Auf Münzen mit Scepter und Apfel oder im Tritonenwagen oder nackt allein, [2741] Journ. Hell. Stud. VI 67f. Beiname Πειθώ und Οὐρανία (?) bei Pindaros frg. 122 Bgk. aus Athen. XIII 573 E; daselbst auch die πολύξενοι νεανίδες ἀμφίπολοι (Hierodulen, vgl. Strab. VIII 378. Alkiphr. III 60), die lange fälschlich den orientalischen, vor der Ehe um Geld, zum Erwerbe eines Malschatzes, die Jungfrauschaft opfernden freien Mädchen gleichgesetzt wurden, Enmann Aphroditekult 83f. Mehr als 2000 solcher Hetaeren verdienten von den Fremden für Tempel und Stadt, Strab. a. O. XII 559. Im Perserkriege erhörte A. die Fürbitte derselben um Rettung der Hellenen, Timaios frg. 57. Theopomp. frg. 170, FHG I 205. 306. Simonides frg. 173 Bgk. bei Athen. XIII 573. Fest der Κωμάζουσαι ἑταῖραι: Alexis Φιλοῦσα: frg. 253, CAF II 389f.; vgl. Athen. XIII 574 B. Nach Bergk de rel. com. Att. 339f. 396ff. spielen daselbst auch die hetaerischen Ἀφροδίσια des Theopompos CAF I 734. – d) Kenchreai: A.-Tempel, Paus. II 2, 3. – e) Lechaion desgl. neben Poseidon und Musendienst, Plut VII Sap. conv. 2. 21 (Hs. Ἀμφιτρίτη corr. v. Wilamowitz Herm. XXV 1890, 225; das Symposion gilt dieser A. und findet in ihrem Tempel statt). Kopf auf Münze, Journ. Hell. Stud. VI 66. – f) Isthmos: A. als Kind von Thalassa auf dem Arm getragen zwischen Nereïden auf der Vorderseite des Poseidonwagens im Poseidontempel, Paus. II 1, 7. – g) Geraneia: A.-Statue im Tempel des Zeus Aphesios, Paus. I 44, 13. – h) Alkyonis-limne: A. zu erschliessen aus Schol. Theokr. VII 57. 59 (A. neben Leukothea, Palaimon und Nereïden im Kult der Aiolidin Alkyon[e]). –

2. Sikyon: Tempel der A. mit Goldelfenbeinbild des eingeborenen Kanachos, sitzend mit Apfel und Mohn (μήκων, wegen des alten Stadtnamens Μηκώνη) in den Händen und πόλος auf dem Haupt. Der Eintritt ist nur der einen zu ewiger Keuschheit verpflichteten γυνὴ νεωκόρος und einer auf Jahresfrist verpflichteten λουτροφόρος gestattet. Opfer (ἁγίσματα): Schenkel, ausgenommen von Schweinen, zugleich mit Laub von dem nur im Peribolos-Hypaithron wachsenden παιδέρως (= Ἀφροδίτης βλέφαρον, Plin. XXXVII 123) und zwar auf Wachholderfeuer; daselbst Antiopestatue. Typus der Mediceerin auf Münzen: Journ. Hell. Stud. VI 79. Vgl. den (A.-) Peithotempel des Tirynthiers Proitos mit der Legende von der Heilung der μανία der Proitiden, Paus. II 7, 7f., und über die Verbindung mit Paphos-Golgos durch die sikyonische Kolonie u. XXIX 1 a. E. –

3. Titane: A. im Asklepiostempel, Paus. II 11, 8. –

4. Aigeira: a) Hauptheiligtum der (A.) Urania, unbetretbar für Menschen, neben Asklepios- und Isistempel (vgl. III 1 f. V 9 b), Paus. VII 26, 7. – b) daselbst auch Tempel der θεὰ Συρία mit Enthaltsamkeitsvorschriften vor dem Eintritt an bestimmten Tagen. –

5. Bura: A.-Tempel mit Dionysos-Tempel neben Demeter- und Eileithyiaheiligtümern, Paus. VII 25, 9. A. halbnackt mit Scepter auf Münze, Mionnet II 165 nr. 128. –

6. Aigion: a) A.-Tempel neben Poseidontempel im Hafen, Paus. VII 24, 1; nackte A. auf Münze, Journ. Hell. Stud. VII 91. – b) Im Tempel des Zeus ὁμαγύριος (mit Bezug auf den Sitz der achaeischen Bundesregierung in Aigion), Paus. VII 24, 2; vgl. A. neben Zeus Ἀμάριος [2742] und Athene Ἀμαρία als Schwurgöttin des Bundes, Inschr. Rév. arch. 1876 II 96. Le Bas-Foucart 353. –

7. Argyra: A. als Spenderin von λήθη Ἔρωτος in der Legende vom Hirtenknaben Selemnos (s. o.), den sie in einen Fluss verwandelt, und der eponymen Bachnymphe Argyra, seiner Liebhaberin, Paus. VII 23, 1. –

8. Patrai: a) A.-Heiligtum unweit des Poseidontempels mit einem durch Fischernetz aus dem Meere gefischten Agalma; dabei Ares- und Apollonstatuen. – b) desgl. am Hafen. – c) im Hain am Hafen neben Apollontempel: Paus. VII 21, 10. 14: zahllose Byssosarbeiterinnen, denen Ἀφροδίτης μέτεστιν. – d) desgl. neben Nemesis-Heiligtum, VII 20, 9 (vgl. o. III 1 b. 8). Kopf der A. oder stehende A. mit Schild gegenüber der Artemis Laphria auf autonomen Münzen, Cat. Brit. Mus., Pelop. 22. 28 nr. 2. 3. 41.

VII. Arkadia.

Vgl. Immerwahr Kulte und Mythen Arkadiens, 1891.

1. Mantineia: a) An der Grenze gegen Orchomenos beim Berg und Grab des Anchises Tempel, zu Pausanias Zeit verfallen: Paus. VIII 12, 9. – b) A. Συμμαχία, Tempel gestiftet wegen der Schlacht bei Aktion, mit Votivstatue der Nikippe, Paus. VIII 9, 8. –

2. Orchomenos (vgl. o. VII 1): Tempel mit Bild neben Poseidonheiligtum, Paus. VIII 13, 2. Auf Münzen A. mit Kugel, auf Säule gestützt: Mionnet IV 284 nr. 69. Vgl. die A. im Schwur des Vertrags von Orchomenos mit dem achaeischen Bunde o. VI 6 b. –

3. Bei Melangeia: A. Μελαινίς, angeblich genannt von den μίξεις ἀνθρώπων ἐν (μελαίνῃ) νυκτί; Tempel nebst Dionysoskapelle an der κρήνη Μελιαστῶν, Paus. VIII 6, 5; vgl. o. II 2. VI 1 c. –

4. Tegea: a) A. ἐν πλινθίῳ, Tempel und Statue auf dem Markte, Paus. VIII 48, 1. – b) A. Παφία, Tempel gegründet von Laodike, der paphischen Tochter des nach den Troïka nach Kypros ausgewanderten Arkaderführers Agapenor, Paus. VIII 53, 7; vgl. u. XXIX 1 a. E.; zugleich über tegeatische Localzeichen. –

5. Ladon: A. Λαδωγενής genannt wegen ihrer dortigen Geburt, Hesych s. v.; vgl. das Aphrodision am Ladon zwischen Psophis und Thelpusa, Paus. VIII 25, 1. –

6. Psophis: A. Ἐρυκίνη, Tempel gestiftet von Kindern der Psophis, Enkeln des Sikanerkönigs Eryx, Paus. VIII 24, 6. 2. Der psophidische Flussgott Erymanthos soll von A. geblendet worden sein, weil er sie badend sah; die Rache seines Vaters Apollon an Adonis (Ptolem. Heph. 1) s. u. Erymanthos. –

7. Teuthis: Tempel der A., Paus. VIII 28, 6. –

8. Akakesion: desgleichen nebst Aresaltar im Despoinaheiligtum, Paus. VIII 37, 12. –

9. Phigaleia: A. ἐν κωτίλῳ, Tempel über dem Apollon Epikurios, Paus. VIII 41, 10. A. an Pfeiler gelehnt auf Münze, Journ. Hell. Stud. VII 111. –

10. Megalepolis: a) A. Μαχανῖτις, Tempel im Bezirk der Grossen Göttinnen, mit Hermes- und A.-Statuen von Damophons Hand. Der Name von den ἔργων ταύτης πλεῖσται ἐπιτεχνήσεις und παντοῖα ἀνθρώποις ἀνευρημένα, Paus. VIII 31, 9. – b) Unweit, des Theaters A.-Tempel mit Dreiheit von Holzbildern, einer Urania, einer Pandemos und einer unbenannten A., Paus. VIII 32, 5; entsprechend wohl der thebaischen Apostrophia (vgl. o. II 1 a) und wohl übertragen und nachgeahmt bei dem jungen συνοικισμὸς dieser Stadt durch Epameinondas; dafür spricht der benachbarte Aresaltar. Stiftung eines θρίγκος [2743] rings um den Tempel durch eine Priesterin (ἱροπόλος) in der Versinschrift Bull. hell. 1873, 218, Le Bas-Foucart 331 a. Auf Münze Typus der Mediceerin mit Delphin, Journ. Hell. Stud. VII 209. Über Zusammenhänge mit Eryx vgl. Klausen Aeneas u. d. Penaten 361 ff. Dibbelt Quaest. Coae myth., Gryphisw. 1891, 9. Die Übereinstimmung des arkadischen Dialekts mit dem alt-kyprischen entspricht dem in der Agapenorsage behaupteten Kultzusammenhang (nach Enmann Aphroditekult 40 nur zufällig); dieser datiert mithin aus der Zeit vor der achaeischen Besiedelung der südaegaeischen Inseln und lange vor der der Kykladen, Bergk De titulo arcad., z. Anf. Dümmler Athen. Mitt. XI 1886, 257, der als Ursache dieser arkadisch-kyprischen Besiedelung eine vordorische Achaierwanderung aus Phthiotis in die Peloponnes annimmt. –

11. Phlius: A. (wenn nicht Hebe) auf Münze, Journ. Hell. Stud. VII 55.

VIII. Lakonika.

(Vgl. S. Wide Lakonische Kulte 1893, 136ff.).

1. Amyklai: a) Statue der A. παρ’ Ἀμυκλαίῳ, von Polykleitos Hand, Paus. III 18, 8; das χαλκέον ἔγχος Ἀμυκλαίης Ἀφροδίτης nennt Nonnos Dion. XLIII 6. – b) A. unter dem Dreifuss neben der entsprechenden Artemis, Paus. a. O. – c) Auf dem Hyakinthosaltar neben Athene, Artemis, Horen und Moiren, Paus. III 19, 4. Vgl. u. VIII 3 b. c. –

2. Therapne: A. ist zu erschliessen vielleicht aus der Wanderung des Therapnaiers Praxandros nach Lapathos in die γαῖα Γόλγων ἀνάσσης, d. i. Ἀφροδίτης, Lyk. 586ff. Helenaheiligtum, Herodot. VI 61. Vgl. die hesiodische Fahrt der meergeborenen A. aus Kythera nach Kypros (auch Diodor. V 55) und u. XXIX 19. –

3. Sparta: a) Das älteste Heiligtum nach Pausanias III 15, 10f. ist das oberhalb des Theaters mit auffälliger zweistöckiger Anlage, α) im Erdgeschoss, einer bewaffneten A., nach Plutarch inst. lacon. 28 wegen der allgemeinen lakonischen Sitte, allen Göttern Waffen zu verleihen; nach Lactant. inst. div. I 20, 29ff. infolge des Beilagers der bewaffneten Spartiatinnen mit den bewaffneten Spartiaten im messenischen Kriege. Vgl. Themist. or. 13 p. 177 A. Anthol. Planud. 171. 173ff. Anth. Pal. IX 320. Auson. epigr. 42f.; β) im Oberstock, sitzende A. Μορφὼ) (= Hesych. s. v. aus dem Auctor der Ἐπικλήσεις θεῶν Wentzel VII 12f.) im Schleier mit Fesseln an den Füssen, die nach einigen (Paus. Schol. Lyk.) ihr Tyndareos angelegt haben soll, aus Rache für die Schmach der Töchter (der Helena, Tzetz. Lyk. 449), um A. künftig unschädlich zu machen, nach anderen symbolisch für die Sicherung der Ehen gegen Untreue der Gattinnen (wieder ‚durch Tyndareos‘: fälschlich Pausanias), oder zur Warnung der Jungfrauen vor Zuchtlosigkeit (nach dem Schol. Lyk., der das Holzbild von einem Λaκεδαίμων νομοθέτης gestiftet sein lässt; nach Wentzel Ἐπικλήσεις θεῶν VII 13 entweder Lakedaimon oder Lykurgos). Die Sage bei Stesichoros frg. 26, 2f.: A. ἠπιόδωρος strafte Tyndareos für Vernachlässigung beim Opfer durch Ehescheidung und mehrfache Heiraten seiner Töchter. Vgl. über gefesselte Götterbilder Herod. I 26. Paus. III 15, 5. Polemon bei Schol. Pind. Ol. VII 95. Plut. qu. Rom. 61. Eustath. Dion. Per. 505 = Schol. Pind. a. O.; an missverstandenen Schmuck denkt E. Curtius Nuove Memor. d. Inst. 374. Das kyprische Dorf Morpho [2744] vergleicht Ross Inselreisen IV; vgl. XXIX 6. – b) A. Ἀρεία, Tempel hinter dem der Athene Chalkioikos, enthielt eines der überhaupt ältesten hellenischen Holzbilder, Paus. III 17, 5; vielleicht identisch mit der Ἀριοντία (κἠν Ἀφροδίτας), IGA 79. Wide 141f.; vgl. auch die A. Lykophrons 832, die Tzetzes freilich vom ἄρειν = ἁρμόττειν δύο ξένους (Perseus und Andromeda) πρὸς μίαν συνάφειαν γαμικήν erklärt (vgl. Ἁρμονία, A. Ἄρμα. o. II 3 b). – c) A. ἐνόπλιος neben Moiren und Artemis ὀρθία, CIG 1444; vgl. o. VIII 3 a α. – d) A. Ἥρα, altes Holzbild, dem die Brautmütter bei der Hochzeit opfern im Tempel der Hera Ὑπερχειρία, Paus. III 13, 9; über ihre Heliochrysos-, Chrysanthemos- und Kypeiroskränze s. d. Stellen bei Wide 28. – e) A. Ὀλυμπία mit Zeus Olympios, Rundtempel in der Skias, mit Kultbildern von Epimenides gestiftet, Paus. III 12, 11, im Bau erinnernd an den gortynischen Rundbau mit seinen Gesetzesinschriften in der kretischen Heimat des Epimenides, M. Mayer Giganten u. Tit. 147. – f) A. Ἀμβολογήρα neben Hypnos und Thanatos, auf Grund einer Weissagung gestiftet; zu erklären aus dem Gesang Plut. qu. conviv. III 6, 4 ἀνάβαλ’ ἄνω τὸ γῆρας, ὦ καλὰ Ἀφροδίτα. Welcker Götterl. II 710f. Örtlich unbestimmte Votivinschrift Le Bas-Foucart 162 i. Münzen Lambros Ἀναγραφ. τ. νομισμ. 89. –

4. Epidauros Limera: A.-Tempel, Paus. III 23, 6. –

5. Aphrodisias, Etis und Boiai, Kythera gegenüber, Landungsstelle des A.-Sohnes Aineias bei seiner Westfahrt, Paus. VIII 12, 8; die erstere Stadt nach A. benannt, die zweite nach Etias, einer Tochter des Aineias, Paus. III 22, 11. In der dritten sind laut κτίσις bei Paus. § 12 Hase und Myrtenbaum geheiligt der boiatischen Hauptgöttin ‚Artemis‘-Soteira, hinter der sich hier eine A. bergen muss: Wide 121f. –

6. Gytheion: A. Μιγωνῖτις auf dem Μιγώνιον, gegenüber der Insel Kranaë, Paus. III 22, 2. gestiftet von Alexandros und benannt vom μιγῆναι πρῶτον mit Helena; daneben Bilder der Thetis und Praxidike, von Menelaos gestiftet nach der Heimkehr. Statuette der A. mit Eros, Athen. Mitt. II 323ff. nr. 34. 35; vgl. 420f. nr. 261. A. stehend mit Apfel und Scepter auf Münzen, Journ. Hell. Stud. VII 66.

IX. Elis.

μεστὴ Ἀφροδισίων, Strab. VIII 343:

1. Hafenort Kyllene, früher Μηκώνη genannt wie Sikyon: Tempel, Paus. VI 26, 5; vielleicht mit Beziehung zu dem περισσῶς verehrten Hermesbild, aus einem ὀρθὸν αἰδοῖον ἐπὶ βάθρου bestehend. –

2. Olympia am Kronoshügel: a) A. Urania-Tempel, Paus. VI 25, 1, in Verbindung mit dem Tempel der Eileithyia Urania 20, 2. M. Mayer Giganten u. Tit. 147. Die Goldelfenbeinstatue des Pheidias setzte einen Fuss auf eine Schildkröte (nach Plutarch coni. praec 32 οἰκουρίας σύμβολον καὶ σιωπῆς; ob nicht vielmehr wegen der Χελωνάτας, Χελωνίτης ἄκρα mit Χελωνίτης κόλπος von Elis, auf dem eins der vielen strabonischen Aphrodisia stehen konnte? vgl. die nach Furtwängler auf dem Schoss der Thalassa emporragende nackte A.-Kolias des Parthenongiebels); ähnlich die archaïsche nackte A. auf Schildkröte stehend, M. Wilde Signa ant., aes tab. 11. Zu dem Anklang an die aphrodisischen χελῶναι Thessaliens o. I 1 vgl. die Homonymie [2745] des Flussnamens Peneios. Cicero de n. d. III 59 leitet die A. Urania zu Elis zusammen mit dem ithyphallischen Hermes (obscenius excitata natura) von Uranos und Hemera (Die) ab, unabhängig von Hesiod theog. (vgl. u. S. 2770). – b) Im Temenos des Tempels A. Pandemos auf Bock sitzend, Erzbild von Skopas, Paus. VI 25, 1, der den Bock als Symbol der Schildkröte gegenüberstellt (als Gegensatz?); vgl die Münzen Journ. Hell. Stud. VII 76f. und Weil Abhandlung, für E. Curtius 1884, 134; überhaupt u. XL. – c) Im Heraion: eherne A. des Sikyoniers Kleon, Paus. V 17, 3; anderes Anathem (des Mikythos), 26, 2. Ἀφροδίτα als Ehestifterin zwischen Iason und Medeia auf der Kypsele, 18, 3; aus dem Meere auftauchend, bekränzt von Peitho unter den anderen Göttern, auf dem Sockel des Goldelfenbeinbildes des Zeus von Pheidias, 11, 8. Eine sehr archaïsche Bronze mit einer Hand auf der Brust, die andere vor der Scham das Gewand zusammenfassend, Ausgrabungen in Olympia III T. 24.

X. Lokris.

1. Naupaktos: A. in Grotte (vgl. III 9 a. E.), verehrt von Witwen, die neue Vermählung erbitten, Paus. X 38, 12. Athen. Mitt. IV 23, 1. Kopf der A. auf Münzen, Mionnet II nr. 18; Suppl. III 27. II nr. 20ff. –

2. Oiantheia: A.-Tempel, Paus. X 38, 5.

XI. Aitolia.

Kalydon: Aphrodisien mit Hetaerenmarkt, Plaut. Poen. 190f. 264. 1180f.

XII. Akarnania.

A. Αἰνειάς, Tempel, Dion. Hal. ant. I 50; auf Aineias zurückgehend.

XIII. Ambrakia.

1. A. neben Zeus Soter, CIG II 1798f.; A. Αἰνειάς nach Dion. Hal. ant. I 50 verknüpft mit Aineiasdienst. –

2. Aktion desgleichen mit Spielen und Seegefechten zu Ehren der Schiffahrtgöttin, Dion. Hal. I 49–53.

XIV. Epeiros.

1. Dodona: A., CIG 1823, mit Zeus vereint, Serv. Aen. III 466; auf Aineias zurückgeführt als A. Αἰνειάς, Dion. Hal. ant. I 51. Verg. Aen. a. O. A. Δωδώνη genannt, Clem. Rom. Hom. IV 16. V 13 (ob Διώνη zu lesen? vgl. Theokr. VII 116. Bion I 93. Ovid. Stat. Pervigilium Ven. häufiger). –

2. Kassope: A.-Kopf mit Kranz auf Münzen, Cat. Brit. Mus., Thess. 98f, 1. 3. 12f.

XV. Illyria.

Dyrrhachion: A.(?) auf Münzen, Cat. Brit. Mus., Thess. 78 nr. 185.

XVI. Makedonia.

1. Chalkidike: a) Ainos, dessen Eponymos Aineias ist, erster Wohnsitz dieses Heros auf seiner Wanderung ins Tyrsenerland, Tzetz. Lyk. 1232ff. (Strab. XIII 608 ungenau ,am makedonischen Olympos‘ anstatt bei Rhaikelos und Almonia). Daselbst nach Konon 46 (vgl. Schol. AD Il. XX 307: ἐν † πυάνη. Hegesippos π. Πaλλήνης bei Dion. Hal. ant. I 49 und die Münze des 6. Jhdts., Arch. Ztg. 1879, 23) Grab des Anchises und Gründung eines Tempels der A., welche dem Aineias die leitende Kuh auf die von ihr (Demetr. v. Skepsis bei Dion. Hal. a. O. I 48) anbefohlene Wanderung mitgegeben hatte. Da Aineias unzweifelhaft ein ursprünglich hellenischer Stammheld war, bevor er zum Dardaner ward (Dümmler bei Studniczka Kyrene 131), nämlich wohl Eponymos des thessalischen Ainos (und der Ainianen?), so muss seine Wanderung, ehe sie in die Troïka verflochten und schliesslich nach dem westlichen Tyrsenerlande gerichtet ward, eine andere östliche Richtung gehabt haben, der auch [2746] die Verbreitung des mütterlichen A.-Dienstes entspricht. – b) Pallene: A. mit Tauben auf Münzen, Mionnet Suppl. III 106. – c) Uranopolis (wo Thukyd. VI 109 und Strab. VII 331 frg. 35 Pelasger aus Lemnos kennen): A. mit Scepter auf Himmelskugel. Münzen Cat. Brit. Mus., Maced. 133f. nr. 1–5. Gardner Types of greek coins T. XII 13. –

2. Allgemein ,in Makedonien‘: A. Ζειρήνη), Hesych.; entweder = διαδουμένη (von ζείρη = μίτρα, ταινία, διάδημα, Hesych.) oder = ἐν κεστῷ, χιτῶνι (von ζειρά = κεστός, ζώνη, χιτών, χλαμύς, Eustath. Il. XI 155 p. 837, 51; vgl. Lobeck Agl. II 1227); vgl. XVII 1. 6.

XVII. Thrakien.

1. Drys bei Mesambria: Heimat der A. Ζηρινθία, Nikand. Ther. 461; vgl. XVII 6. –

2. Chersones: a) Kallipolis, CIG 2011; Ἀφρείη, Inschr., Kaibel Herm. XIX 1884, 261. b) Stadt Aphrodisias (ohne Zeugnis). –

3. Sestos: A. (Κύπρις θαλασσαία, Musaios 319) Fest nebst Adonien, Mus. 5f. Daselbst in einem Turme (24f. 32) ihre Priesterin (31. 141) Hero, eine ἄλλη Κύπρις ἄνασσα (v. 33). Die ‚gottentstammte‘ (v. 30) χαρίεσσa Ἡρὼ ist = Ἡροφίλη (Maass Herm. XXIII 1888, 614), also letzthin wesensgleich dieser aineiadisch idaeischen ,Priesterin Apollons‘, deren ,sibyllische‘ Weisungen mit den (ἐπι-)σκήψεις der A. selbst an Aineias (Dion. Hal. I 48, 2. Konon narrat. 46, beide wohl wegen der etymologischen Zuspitzung auf das idaeische Skepsis nach Demetrios dem Skepsier) übereinstimmen (vgl. auch Wörner Progr. Leipzig 1882, 21f.). Über die Verbindung dieser A.-Herophile oder A.-Hero mit dem abends πρὸς ζόφον das Meer durchmessenden Λεάνδρος-Helios (Usener Rh. Mus. XXIII 1868, 356) vgl. u. XXI 1. 3. XXV 2. 4. –

4. Perinthos und Herakleia: Pannychia der A., Xenoph. Ephes. III 2; Münzen Mionnet Suppl. II 405. –

5. Byzantion: Tempel, Zosim. II 30; Pandemos, gegründet von Phedalia, Chron. Pasch. p. 495 Bonn. In einem Bade A. Λουομένη, Agathias Anth. Pal. IX 619. –

6. Ζήρινθον ἄντρον: A. Ζηρινθία, Tzetz. Lyk. 449, Ζηρυνθᾶ, Zonar.; Ζηρυνθία, Et. M. p. 411, 30. Suid. s. v.; empfängt nach Lykophron 448 Hundeopfer und ist nach v. 150 = A. Μορφώ (vgl. Sparta). Lobeck Agl. II 1227 y findet die Örtlichkeit in dem ἄντρον † κείρην bei Dio Cass. LI 26 wieder, dessen Sage von der Flucht der ,Titanen‘(!) in diese Höhle nach ihrer Besiegung er mit der entsprechenden Gigantensage von Apaturon am Pontos (XVIII 1 b) vergleicht. Zur Grotte vgl. III 9 a. E. Allgemein: A. Θραικία, Hesych.; Θρήισσα Nonn. Dion. IV 316. Vgl. die thrakische Stadt Ζειρηνία und o. XVI 2. XVII 1.

XVIII. Pontische Küsten.

1. Maiotis (aussen). a) Phanagoreia, CIG 2120, Ἀ. Ἀπατουριάς 2125, Ἀπάτουρος Strab. XI 495 (s. unter Apature und Apaturia), eine Höhlengöttin, die sich vor den verfolgenden Giganten in der Grotte versteckte (vgl. XVII 6), sie einzeln hineinlockte und durch den herbeigerufenen Herakles töten liess; danach genannt ἐξ ἀπάτης, wohl zugleich wegen des nicht gewährten, aber versprochenen Liebesgenusses; vgl. Stephani C. R. 1859, 128. Eine etymologische Legende, welche diese A. mit den nach O. Müller (Prol. 401f.) über Kyzikos durch Teïer oder Milesier nach der Maiotis übertragenen troizenisch-athenisch-ionischen Ἀπaτούρια (sonst der Athena) verknüpfen [2747] sollte, vgl. auch Boeckh zu CIG 2120. – b) Ἀπάτουρον: dieselbe, IGA 350. Strab. a. O. Steph. Byz. s. Ἀπάτουρον; vgl. über den Parallelismus des altionischen A.-Kultes mit seinem Giganten Porphyrion M. Mayer Giganten u. Tit. 184. – (Innen) c) Tanaïs: A. mit Ares und Zeus, CIG 2132 e. –

2. Auf der Chersones: a) A. Urania, nach Herodot. IV 59 eigentlich eine skythische Artimpasa; vgl. Latyschew Inscr. ant. or. sept. Pont. Eux. 203. – b) Pantikapaion: A. Οὐρανία Ἀπατούρη Βοσπόρου μέδουσα, CIG 2109 b. 2108 g. 2109; auf Schwan im Gewand zwischen Flügelfrauen, Stephani C. R. 1877 Vign. 446 (200 v. Chr.); vgl. Kalkmann Arch. Jahrb. I 1886, 236. 249 (ἀναδυομένη).

Die aegaeischen Inseln.

XIX. Samothrake.

1. A. Καλίας, Opfer empfangend von Leuten aus Dia, auf Inschrift Conze Reise auf d. Ins. d. thrak. Meers Taf. XVI 10; nach K. Keil Philol. XXIII 613f. eine A. in der Grotte (καλιά), ähnlich der paphischen, zerynthischen, hymettischen, naupaktischen; s. III 9 a. E.; vgl. auch XXI 3 a. E. und Crusius Beiträge 18. –

2. A. neben Pothos, mit hochheiligen Ceremonien geehrt und von Skopas abgebildet, Plin. n. h. XXXVI 25. Crusius a. O. 15, 3. –

3. Eine zerynthische A. ist nach dem Schol. Arist. Pax 278f. zu verstehen unter der Καλλονή (s. d. und Usener Rh. Mus. XXIII 1868, 319ff. 366ff.). –

4. Genau entspricht ihr die samothrakische A.-Hypostase (O. Müller. O. Crusius a. O. 22f.) Leukothea, deren homerischer rettender Zauberschleier in der πορφυρίς, ταινία πορφυρᾶ περὶ κοιλίαν (Schol. Apoll. Rhod. I 917) samothrakischer Mysterien steckt. Καλλονὴ ist wohl die als ‚Göttin der Schönheit‘ gedeutete A. Καλίας und mit enthalten in den samothrakisch-lemnischen, aus Rhodos stammenden Ἄωοι θεοὶ Hesychs (Crusius Roschers Myth. Lex. I 387), vgl. XXIII 6 a. Auf Beziehung zu Thebai deutet die in samothrakischem Feste gesuchte Harmonia (s. d.), zu Boiotien und Kleinasien die im Mittelpunkte des Kultes stehende Göttermutter mit Löwen (nach Lobeck Agl. 1221 = A.). Die Übertragung des A.-Kultes mitsamt den Grossen Göttern durch Aineias (aus Samothrake, propter matris originem Serv. Aen. VII 207) wird Hauptmotiv der Aineiassage. Pelasger bezeugt Herodot II 51.

XX. Lemnos.

A. rächt die (amazonische) Vernachlässigung ihres Dienstes an den Lemnierinnen durch δυσοσμία (der Achselhöhlen, Dion. Chrys. or. 33. Tars. I), an den Männern durch ἵμερος nach thrakischen Weibern, worauf diese von den betrogenen Gattinnen getötet werden, Asklepiad. Tragodum. frg. 13 aus Schol. AD Il. VII 968. Schol. Apoll. Rhod. I 615. Apollod. I 9, 17, 1. Philostr. Her. 19, 14. Charakteristisch für die Göttin ist ihr χόλος αἰνὸς, ihre ὀργή (Schol. Apoll. Rhod. I 609–614f.), die χόροι, εἰλαπίναι, ἀοιδαὶ und θύεa an ihrem Sühnfest (857ff.), gemeinsam mit Hephaistos, und der Gebrauch ehelicher Enthaltung am Jahrestag des Männermords ,bis auf den heutigen Tag‘ (Schol. 615). Die Paarung der A. mit Hephaistos (Schol. Apoll. Rhod. I 859) entsprechend dem homerischen Demodokosgesang (Od. VIII 266ff.) deckt sich mit der Paarung der (A.) Κaβειρώ mit Hephaistos als Mutter des Kabeiros (Crusius Allg. Enc. 2 Sect. XXXII 21, 15; Beitr. z. griech. Myth. 13). Durch [2748] sie ist die concurrierende alt-boiotische Ehe mit Ares zum Ehebruch herabgedrückt. Pelasger sind auch hier nachweisbar (Herod. V 25).

XXI. Lesbos.

1. A. χρυσέη oder χρυσῆ Homers und Hesiods (Theog. 5mal), des Stasinos (frg. 4, 4 Ki.), Mimnermos (frg. 1, 1 Bgk.) und Theognis (1293), verehrt auf Lesbos: Kleanthes von Assos (der mytilenaeischen Colonie) bei Schol. BD(L) Il. III 64, d. h. in dem lesbischen Χρύση (Steph. Byz.), das mit dem homerischen Chryse der alten Ὀδυσσέως πρεσβεία (Il. A) identisch und zusammen mit Chryses und dem später nach Arisbas Zerstörung nach Methymna verpflanzten (CIG 2190 b) chryseischen ,Apollon‘ Smintheus (= Helios) bei Arisba und Kallone (Kantakuzen. XX 1, 479 Bonn.) zu suchen ist, Philol. N. F. III 1890, 91. 203f. Sie lebte in der homerischen Chryseïs, der Ruf ihrer Schönheit in dem Namen des φρουρίον Καλλονῆ, der Mythos von ihrem Wassersprung (Ptolem. Heph. bei Photios 7 p. 198, 9. 14 West.) in der Lesbierin Apriate (Euphorion bei Parthenios Erot. 26. Philol. a. O. 104ff.) und in der biographischen Legende der Sappho (vgl. u. XXI 3) fort. –

2. Pyrrha (Kallone-Chryse gegenüber), ist wohl Metropole des Aphrodisions auf der festländischen ἄκρα Πύρρa an Lesbos Peraia (XXV 21) und selbst Tochterkult des thessalischen Kultes (Insel Pyrrha, Pyrrhaia am Dotion, Πύρρa μοῖρα Θεσσaλίας Suid. bei Hesych. s. v.). –

3. Mytilene: Agalma der A., Votiv, geweiht ἐν τῷ εἴρῳ von (fremden?) Lederzünftlern, Athen. Mitt. XI 1886, 274ff.; Ἀφροδίτα neben Ἀθηνᾶ Ἰδήνa auf Inschriften, Conze Lesbos T. 16, 11 = Collitz Dial.-Inschr. I nr. 297. Statue auf Erzmünze (ΑΦ in Monogramm), Rasche Lex. rei num. III 1, 1020. Im Mythos segnet sie Phaon (s. d.) mit Schönheit und Jugend zum Dank dafür, dass er sie unerkannt über den (mytilenaeischen?) Golf setzte. Er ward als Verführer der Mytilenaeerinnen dann getötet. Aelian. v. h. XII 18. Nach Serv. Aen. III 279. Palaiphat. 49 verkleidete sie sich ihrem Fährmann gegenüber als altes Mütterchen (wie Hera bei Iason). Vgl. Phaethon (d. i. Helios) als Genossen der A. bei Euripides, v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 414ff. A. versteckt diesen Phaon von Mytilene im θρίδαξ, Kratinos frg. 330, I 110 Kock (wie sonst den Adonis). Eubulos frg. 14, II 169 K., beide bei Athen. II 69 C D, und sprang seinetwillen vom leukadischen Fels ins Meer (XXI 1), beides Züge, die in die Biographie der Pelasgia (Epist. Sapph. 27. Philol. N. F. III 719ff.) Sappho übergegangen sind und, wie das Umdrängtwerden der Sappho durch die priapeïschen Daemonen Konisalos, Orthanes, Lordon und Keles im Phaon des Komikers Platon (frg. 173ff., I 645ff. Kock. Bekk. anecd. 472, 24: Orthanes, Priapos, Hermaphroditos), ursprünglich dem A.-Kreis der pelasgischen Religion angehörten; vgl. die beiden ithyphallischen Jünglinge am Tempeleingang in Samothrake und den dortigen priapeïschen Pothos (Crusius Jahrb. f. Philol. CXXIII 298f.) neben A., überhaupt den ithyphallischen Hermes (Herodot. II 51= der A. verehrenden Pelasger, hier der vom Pylaion bei Mytilene (Il. II 843ff. Hellanikos bei Strab. XIII 640f. Philol. a. O. 708ff.). Daselbst in den Schönheitswettkämpfen des Pylaiïdees (Hesych. s. v. Philol. N. F. IV 1891, 568ff.) die Grundlage zum Parisurteil, [2749] vgl. auch o. I 4 u. XXIIII 2. XXV 2 a. Auf boiotische Vermittlung von Thessalien her deutet die Sphinx als Gattin des Makar (Lysimach. Theb. Parad., FHG III 336, 5). Iulia (die ältere) als A. auf der Inschrift Collitz I nr. 220. Καλιὰ (der A.?) Conze Reise auf Lesbos Taf. XVII 1. Philol. N.F. III 1890, 724ff., vgl III 9 a. E. –

4. A. Πειθώ neben Hermes(-Kadmilos) u. a. mit Schweine- und Vogelopfern auf Inschriften, Conze a. O. Taf. IV 3. Keil Philol. Suppl. II 1863, 579f. Lolling-v. Wilamowitz Athen. Mitt. XI 1886, 271f.; thessalischen Ursprungs: vgl. A. Peitho in Pharsalos, Schweineopfer in Onthyrion, I 4. 3 b.

XXII. Ionische Inseln.

1. Allgemein: von A. gern besucht, Horat. carm. III 28, 14. –

2. Keos, IGA 397; in Iulis A. Ktesylla, von anderen Ktesylla Hekaerge genannt, Kultstiftung des Hermochares zu Ehren seiner Geliebten Ktesylla (s. d.) in einer von Ant. Lib. 1, laut Glosse nach Nikandros Heteroiumena, erzählten Sage, in welcher ein Liebesapfel und die Verwandlung der Ktesylla in eine Taube wichtig sind; vgl. Ovid. met. VII 369. Zur Beziehung auf Troizen vgl. Troizenos, Sohn des Keos, Il. II 846f. –

3. Kythnos und Siphnos mit Taube auf Münze, Mionnet II 327. –

4. Gyaros: A. Μυχία, Bull. hell. 1877, 356; Aelian. n. a. X 34; vgl. Suidas s. μυχοί. –

5. Paros, IGA 405; ob mit dem Charitendienst (Apollod. III 15, 7) verbunden (vgl. o. II 5 a)? –

6. Delos: Tempel der A., Bull. hell. 1882, 87 nr. 1, mit Thesauros, Inschrift von 279 v. Chr. Bull. hell. XIV 1890, 392 Z. 19. 36ff., und heil. Tauben ebd. 393; vgl. 456. 457, 1; vgl. Bull. hell. XV 1891, 131, 27 (Votiv); mit sehr altem verwittertem Hermenidol (bekleidet), das Ariadne dem Theseus gegeben und dieser vereint mit den geretteten παῖδες hier gestiftet hatte, Paus. IX 40, 3f. Kallim. Del. 307ff. (A. Ἀρχαίη, ἄγαλμα ἀριήκοον), von O. Schneider (Callim. I 326f.) gegen Meinekes Änderungsversuch geschützt durch die Deutung auf das höhere Alter der hesiodischen Ἀναδυομένη; also ähnlich dem des hochaltertümlichen Uraniadienstes zu Athen (vgl. o. IX 2 a). A.-Fest im Hekatombaion mit Fackeltänzen, Geranos genannt, von Theseus mit den ἠΐθεοι der Minotaurosfahrt selbst eingeführt, Kallim. a. O. Plut. Thes. 21. Bull. hell. 1882, 23. Kanephore der A. und des Apollon Bull. hell. 1883, 368. Der Beiname ἅγνη (ebenda und in den Votiven Bull. hell. 1882, 489ff.) liegt wohl auch dem kretischen Namen ihrer Heroine als ἀρι-άγνη zu Grunde, G. Curtius Gr. Etym.⁵ 706. Verbindung mit Apollon auch Bull. hell. 1882, 43; allein ebd. 48 (Votiv); mit Isis später, Ἀθήναιον IV 458 nr. 7. Bull. hell. 1882, 330; vgl. 473 und ähnliche Verbindungen III 1 f, der Verbreitung der Theseussage entsprechend, sowie XXIX 16. Zu der naxischen Verbindung der A.-Ariadne mit Dionysos vgl. die dionysische Aniossage mit der Verwandlung der Töchter in Tauben und die Heiligkeit der delischen Tauben, Serv. Aen. III 80. –

7. Naxos: Der Ariadnemythos (s. d.) eignet der A.; vgl. XXII 6. Ariadne empfängt von A. die Weissagung über Dionysos, Pherekyd. frg. 106 aus Schol. Od. XI 320, FHG I 97, und den (verstirnten) goldenen Kranz von A. und den Horen, Eratosth. Katast. 5. A. ist σεμνὴ Βάκχοιο [2750] πάρεδρος im Orph. Hym. auf A. 55, 7 (v. 22f. tanzend eine θυιὰς unter den Nymphen ἐν χθονὶ Δίᾳ); vgl. Kanter De Ariadne, I Breslau 1879, über diese Ehe und überhaupt u. XXIX 16. –

8. Amorgos: A. Urania-Tempel ἐν Ἀσπίδι, CIG 2264 u mit Monogramm der A. (unklarer Bedeutung), Ross bei Boeckh a. O., vgl. Ἀσπὶς in Argos, Plut. Kleom. 17. 21; Pyrrh. 32. Paus. II 23, 8. –

9. Samos: A. ἐν ἕλει oder ἐν καλάμοις, gegründet von attischen Hetaeren, die dem Perikles in den samischen Krieg gefolgt waren, Alexis v. Samos bei Athen. XIII 572 F, FHG IV 299; A. des Dexikreon genannt, entweder weil ein ἀγύρτης dieses Namens die Samierinnen von schändlicher Üppigkeit heilte oder weil ein Schiffer dieses Namens auf ihren Rat nach Kypros einmal blos Wasser verfrachtete und durch den Verkauf bei Windstille ein reicher Mann wurde, Plut. qu. Gr. 54. Votiv: Athen. Mitt. XIV 1889, 103 nr. 46. Kabeiren: Nonnos Dion. XXIX 194. Leukotheaquelle: Plin. n. h. V 135.

XXIII. Dorische Inseln.

1. Aigina: A.-Statue im Hebetempel, Paus. II 29, 6. IGA 352. CIG 2138 neben Heba (von Aixone? CIG 214). Münztypus der Venus Victrix, Journ. Hell. Stud. VI 94. –

2. Melos: Fundort der berühmten Marmorstatue im Louvre mit wohl zugehörigem Apfel in der Linken; dem redenden Symbol der Insel, vielleicht in Anlehnung an die auf Vasenbildern sehr früh (Journ. Hell. Stud. VII 196ff.) erscheinende Sage vom Parisurteil, sofern (nach Furtwängler) der dem 3. Jhdt. v. Chr. angehörende Künstler ihn dem abweichenden älteren Typus selbständig einfügte; vgl. auch XXIX 8. Münzen Mionnet III 231ff. (mit Bewaffnung). –

3. Anaphe: Tempel und Garten der A., CIG 2477. –

4. Kos: Ἀφροδίσιον (Tempel oder Opfer) mit verpachteten Kulteinkünften, Inschrift Athen. Mitt. XVI 1891, 406, 13. 427. A. ἀναδυομένη im Asklepieion auf dem Gemälde des Apelles (s. d.), Strab. XIV 657. Plin. n. h. XXXV 87 u. a. –

5. Nisyros: Inschrift Athen. Mitt. XV 1890, 134 (Ἀφροδισιασταί); vgl. Eckhel II 601. Vielleicht nebst der koïschen A. mit dem epidaurischen Dienste zusammenhängend wegen der colonialen Verbindung. –

6. Rhodos. a) Kameiros: A. Mutter der Rhodos, Pind. Ol. VII 25 (wo Bergk ποντίας–Ἀφροδίτας verbindet), und zwar von Poseidon, Herophilos beim Schol. Pind. a. O.; vgl. o. VI 1 e. f (während Asklepiades ebenda für A. Ἀμφιτρίτη einsetzte als Gattin des Helios(!); vgl. v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 429, 2). Bei Zenon u. a. bei Diodor. V 55f. heisst die Mutter der Rhodos, Gattin des Poseidon, welche aus Scham vor der aus Kythera anlandenden A. sich ins Meer stürzte, Halia-Leukothea-Kapheira (Philol. N. F. IV 1891, 44ff.) und ist, wie A. selbst, eine Tochter der Thalassa, also eine A.-Heroine (καταδυομένη, in der Odyssee ἀναδυομένη, vgl. o. XXI 1). Wenn Kapheira Heroine von Kameiros ist (Lobeck Agl. II 1184), so ist diese anlandende A. erhalten auf dem Vasenbild von Kameiros Salzmann Nécrop. d. Cam. 60: A. mit Zweig auf einem Schwan aus dem Meere auftauchend, Kalkmann Arch. Jahrb. I 1886, 231. 249f. Das Rhodios Cytheria reliquit des Prudent. c. Symm. II 493 reiht sich an die Bestrafung der Igneten [2751] durch A. wegen versuchter Vergewaltigung bei ihrer Landung (Diod. V 55) an. Inschrift Bull. hell. IV 1880, 138. 143. V 336. Terracotte, Gaz. arch. V 1879 Taf. 30. – b) Ialysos: A. als Genossin des Poseidon wahrscheinlich wegen des Poseidonpriestertums der Kadmeionen; vgl. Philol. a. O. 48, 9. Telchinen als Verfertiger des Harmoniahalsbandes, Stat. Theb. II 274. – c) Stadt Rhodos, Inschrift Bull. hell. IV 1880, 139 (mit Apollon und Asklepios). –

7. Kythera: Der homerische Name der A. Κυθέρεια (s. d.), blos in der Odyssee, während die Ilias Κύπρις hat, wird von Hesiod. th. 198 und Schol. HQ Od. VIII 288. Et. M. 546, 48 (nach Welcker Götterl. I 667 fälschlich) von Κύθηρα, wo sie zuerst nach der Schaumgeburt gelandet sei, abgeleitet. Der Tempel (Athen. Mitt. V 1881, 230) war nach Herodot I 105 von Φοίνικες ἐκ Συρίης (Askalon) gegründet (vgl. Paus. I 14, 7. Alkman frg. 21 Bgk., PLG I⁴ 22), nach Pausanias III 23, 1 das älteste und ehrwürdigste Heiligtum der A. in Griechenland; Urania genannt, bewaffnet, Paus. I 14, 7; nach Herodot I 109 eine Mylitta (wenn nicht mit Φοινίκη die karische Landschaft bezeichnet sein sollte; vgl. die Φοίνικες des Kadmos in Ialysos, Zenon von Rhodos bei Diodor. V 58. Dion. Hal. I 10). Archaischer Kopf, nach v. Sallet Num. Ztschr. IX 141ff.; Arch. Ztg. XXXIV 1876, Taf. 1f.; Bronze: Rév. arch. 1868 I 124. Kopf auf Münzen: Cat. Brit. Mus., Peloponnesos 107f., 1–9. 12–16 (mit Kranz). Aineiadische Stiftung behauptet Dion. Hal. I 50. –

8. Kreta: Ἀφροδίτa auf Stein, Cauer Delect.² nr. 121, 26. a) Knosos: A. Ἀνθεία, Hesych. Am Labyrinthe Ariadne = A. vgl. XXII 6 und Naxos-Dia (XXII 7), dessen Ariadne-Aphroditesage der knosischen Insel Dia ursprünglich zu eignen scheint. – b) Lyktos und c) Dreros: A. Schwurgöttin, stets mit Ares und anderen Göttern, Cauer Delect.² 117. – d) Hierapytna: desgleichen neben Ares und Kureten, CIG 2555. – e) Lato-Kamara, CIG 2554 Schwurgöttin (Z. 181 neben Ares) mit altem Tempel (Z. 161f.); vgl. Bull. hell. XIII 1889, 56f. nr. 3, 10 (Votiv). – f) Phaistos: A. Σκοτία Et. M. 543, 49; vgl. Anth. Pal. VII 52. Hesych. s. v. (ἱερὸν κατ’ Αἴγυπτον!). Die nahen Beziehungen Kretas (Gortyn, Kydon, Katreus) zu Arkadien (Tegea: Paus. VIII 53, 2. Gortyn ebd. 28, 2 pass.) legen Herleitung von da ebenso nahe wie beim kyprischen A.-Kult; die Verflechtung des Lethaiosflusses in die Sage von A.s Tochter Harmonia (Vib. Seq. p. 13) wie der Name Lethaios (und Γόρτυν) die Rückführung auf kadmeïsche und thessalische Pelasger.

XXIV. Adriatische Inseln.

1. Zakynthos: A.-Kopf auf Münzen, Cat. Brit. Mus., Peloponnes. 98 nr. 50. –

2. Anaktorion: desgleichen ebd. Thessaly 119. 121 nr. 46. 65. 70. –

3. Leukas: desgleichen ebd. 134f. nr. 111–122 (111 mit Ampyx). 175 nr. 26–31. –

4. Kerkyra: desgleichen ebd. 132. 137f. nr. 287ff. 378–382. 387–393; vgl. auch die Münzen unbekannter Herkunft 143ff. nr. 12–31.

Kleinasien.

XXV. Aiolis, Bithynien, Propontis, Paphlagonien, Phrygien, Lydien.

1. Allgemein Bithynien: Monat Ἄφριος, Hemerolog. Flor. 24. Juli ff. Otroia (= Otryai?) am Askaniossee: [2752] A. Tochter des Eponymos (Strab. XII 566) Otreus von sterblicher Mutter, Gattin des Anchises, Mutter des Aineias, Grossmutter des Eponymos Askanios: Hom. Hym. V 111ff. 146ff. –

2. Ilios. a) Bei Homeros ist A. Beschützerin wie der Ilier, so speciell des Paris Alexandros (III 374ff.) und Aineias (IV 131ff.; vgl. u. 3. Ida und 11. Parion), wohl schon aus thessalischer Sage, wo die alte Heimat Ainos des letzteren zu suchen ist (vgl. Studniczka [Dümmler] Kyrene 131) und der erstere am Spercheios von Achilleus und Patroklos erschlagen ward nach uralter epichorischer Sage bei Istros (frg. 12 aus Plut. Thes. 34, FHG I 419; vgl. Bethe Theban. Heldenlieder 124, 26). Der Schönheitswettstreit mit Hera und Athena in der Ilias XXIV 25ff. und nach Proklos auch in den Kyprien; vgl. o. XXI 3. XXIII 2. Auch die Nomenclatur des troischen Königshauses ist hellenisch, speciell dem (aiolischen) Helioskreis entnommen (Müllenhoff Deutsch. Altertumsk. I 16* über Il. XX 237); Trümmer thessalischen Volkstums, Pelasger, sind sicher bezeugt in Plakie, Skylake, Adramyttion, Antandros u. a. A.-Heiligtum auf Tab. Iliaca CIG 6125. Über den Kunsttypus der A. bei den Urtroern vgl. den kunstmythologischen Teil. – b) A.-Heiligtum in der ilischen Ebene, Plut. Lucull. 12 (A. im Traum dem Lucullus erscheinend). – c) A. ἐν Τρῳάδι, CIG 6165 (Original der capitolinischen Replik des Menophantos). – d) Dem Skamandros wird ein symbolisches Opfer der Jungfrauschaft dargebracht beim Flussbad der Bräute und deren πομπὴ der A. zu Ehren vier Tage nach der Hochzeit, Aischines epist. 10. –

3. Ida: die askanische Otreustochter (vgl. o. XXV 1) A. als Mutter des Aineias und der Aineiaden verehrt (Il. V 513. II 820ff. Hom. Hym. IV; vgl. u. B), vielleicht auch der Hippodameia, der Gattin des Alkathoos, da Ἱπποδάμεια selbst nach Hesych. s. v. = A. ist, und Aineias seine Mutter unter dem gleichen Bilde einer ἔφιππος (Il. II 820) verehrt haben soll (Schol. BL); vgl. XXVI 1. A. Ἰδαίη CIG 6280 B 4 (mit Aineias und Paris. Marcell. bei Kaibel epigr. 1046 a 4). Der Name ging auch auf die lesbische Βρισηΐς κούρη über (Schol. Il. I 392) und soll nach Preller (Gr. Myth. II³ 384) auch die Hippodameia des Pelopsmythos als A.-Heroine erweisen; vgl. III 6. –

4. Gergis, durch die Sphinx und Sibylle seiner Münzen (Phlegon FHG III 604, 2) zugleich an die thebaische und die lesbische Sphinx, Tochter des troischen Geronten Ukalegon (Il. III 148. Lysim. FHG III 336, 5) und an die aphrodisische Sibylle Herophile (s. o. XVII 3 Hero, Skepsis XXV 5) erinnernd, enthält den herodotischen (V 122) Teukrerrest, der nach v. Gutschmid, Dümmler und Thrämer Träger jenes auf die hellenische A. übertragenen kyprisch-vorsemitischen, urbabylonischen (XXV 2 b) Kunsttypus ist. –

5. Skepsis: A. auf Münzen, Mionnet V 553. Über die (ἐπι-)σκήψεις der A. von Skepsis an Aineias und deren etymologische Verknüpfung mit dem Stadtnamen vgl. o. XVII 3. Der aineiadischen A. von Ida und Skepsis. deren Aineiassage hauptsächlich in Pergamon ausgebildet zu sein scheint (v. Wilamowitz Antig. v. Karyst. 161), gilt der homerische Hymnos auf A., während in den homerischen Epen die Gesamtheit der in Lesbos und Aiolis über Lykien [2753] bis Kypros verbreiteten Anschauungen von der A. vorausgesetzt sind. –

6. Neu-Ilion, dessen Neugründer Aineias ist (Tzetz. Lyk. 970. Dion. Hal. I 59), hat Münzen mit A., Mionnet II 664, 288; und später Antonia minor als A. Ἀγχισιάς bezeichnet, Inschriften Le Bas Asie min. 1039. –

7. Lyrnos hat A. als Mutter ihres gleichnamigen Ktistes von Anchises, Apollod. III 12, 2, 3. –

8. Alexandreia-Troas: A. auf Münzen, O. Müller Arch. § 377; Herophile (A.-Heroine, vgl. o. XVII 3) als νεωκόρος des ,Apollon‘-Smintheus, Tochter eines sterblichen Mannes und einer unsterblichen Idanymphe, Paus. X 12, 1. –

9. Dardanos (nach Ilions Fall Reich des Anchises und Aineias): A. auf Münzen, Mionnet V 553. –

10. Abydos: A. πόρνη, mit Legende von einer mutigen stadterrettenden Hetaere, Pamphilos und Neanthes v. Kyzikos frg. 35 bei Athen. XIII 572 E, FHG III 11. –

11. Abarnis nach Schol. Apoll. Rhod. I 932 ἀπαρνίς, genannt ἀπὸ τοῦ ἀπαρνεῖσθαι der A., den von Dionysos geborenen Priapos zu nähren διὰ τὸ ἀπρεπὲς τοῦ αἰδοίου (er ist eine Erscheinungsform des ithyphallischen Hermes pelasgischen Kults, Crusius Beitr. 15). Ebenda Lampsakos als Ort der Niederkunft genannt. Kultzeugnisse fehlen; wie auch in Arisba (Gründung des Askanios), Parion (Dienst des Priapos, Hermes: Polyain. VI 24, Eros; bei Simonides frg. 43 Bgk. aus Schol. Apoll. Rhod. III 26 Sohn der A. von Ares; vielleicht eponyme Stadt des A.-Lieblings Paris, des Gründers von Parion, Arrian. peripl. 22, 8. 18ff., alte epichorische Überlieferung nach v. Wilamowitz und Th. Mommsen Herm. XXVI 1881, 625, 4, vgl. Ioan. Ant. FHG IV 550, 23. Suid. s. v.; sonst Parios), Priapos, Plakie und Skylake (Pelasgerstädte), Daskylion (pelasgische Dolionen aus Thessalien und Magnesia, Ephoros frg. 104 aus Schol. Apoll. Rhod. I 1037, FHG I 262). –

12. Artakia bei Kyzikos (Milesiercolonie): A. Ἀρτακία (nicht Ἐφέστιος), Demosthen. Bithyn. bei Steph. Byz. s. Ἀρτάκη, FHG IV 385, 6, wo mit Meineke καὶ Ἀρτακία vor οὕτω einzusetzen ist. Münze von Kyzikos mit bekränztem Kopf der A. Cat. Brit. Mus. Mysia 33, 102. –

13. Prokonnesos: A. (?) auf Münzen ebenda 178f., 1–6. –

14. Prusa: A. πελαγία auf Münzen, Mionnet Suppl. IV 227; vgl. II 480. V 222. –

15. Myrlea: A. auf Delphin, ebd. I 40–48. –

16. Prusias (Kierion) ad Hypium: A. ἐπήκοος, Waddington Asie min. 1173. –

17. Amastris in Paphlagonien, CIG 4150 c. –

18. Nikaia: A. neben Zeus, Athena, Nemesis, Philia, Homonoia: Dion Chrysost. or. 39 p. 158 R. –

19. Chalkedon: A. ἐλεήμων, Hesych. (vgl. u. XXIX 19). –

20. Assos an der lesbischen Peraia: Kaiserkult der Ἀφροδείτη Ἰουλίa, Inschrift des Lollius, Papers of the americ. school I 40 nr. 16. –

21. Pyrrha: A.-Tempel, Strab. XIII 606, wohl Filiale der lesbischen Stadt gleichen Namens. –

22. Pergamon: A. Nikephoros, Liv. XXXII 33f.; daneben Hain Nikephorion, Polyb. XVII 2. A. ἐπήκοος, CIG 3542 (vgl. u. nr. 25). Conze Vorläufiger Bericht II 46. A. in der Gigantomachie des Zeusaltars auf Areswagen: Puchstein S.-Ber. Akad. Berlin 1888, 1235. 1889, 329. Auf Münzen Kegelidol der Πaφία A. mit paphischem Tempel, Eckhel II 463; mit Herakles und Eros, Mionnet II [2754] 589, vgl. Suppl. V 444. Ἰουλίa Ἀφροδίτη auf Münzen, Cat. Brit. Mus. Mysia 139 nr. 248f. –

23. Myrina: A. Knidia in zahlreichen Terracottarepliken Bull. hell. VII 1883, 88f. Nécrop. de Myr. I 1886. –

24. Kyme: Münztypus Wieseler Gött. gel. Nachr. 1877, 33–42. –

25. Thyateira (Axarion): Votiv, darüber zwei Ohren, Bull. hell. X 1886, 521 nr. 22, wegen des Beinamens ἐπήκοος (nicht wegen Ohrenheilung), Hauvette-Besnault Bull. hell. VI 1882, 487; vgl. XXV 16. 22. XXVI 17. XXX 9. XXXV. Drexler Jahrb. f. Phil. CXLV 1892, 367. Das Ἀφροδίσιον CIG 3536 findet Thrämer Pergamos 199 in dem Ἄφεσον des Steph. Byz. s. Ἀπολλωνία. – Die Phryger und Lyder nannten die A. Κυβήβη nach Charon von Lampsakos frg. 34 a, FHG IV 627. Die A. Κυβήκη (sic) ist nach Hipponax frg. 120 die Tochter des Zeus (und der Dione). Weitere lydische Kulte s. u. XXVI.

XXVI. Ionien, Karien.

1. Temnos: A.-Bild aus Myrtenholz, gestiftet von Pelops beim Gebet an die Göttin um Gewährung des Sieges im Kampfe um Hippodameia, Paus. V 14, 8; vgl. XXV 3. –

2. In Koloë (Γυγαία λίμνη) bei dem μνῆμα πόρνης, d. i. Grabhügel des Alyattes, mit Prostitutionsgebräuchen und -Legende, ist Beziehung auf A. (nachträgliche durch Hellenen) aus der Analogie von Abydos (vgl. o. XXV 10) zu vermuten, Herod. I 93 = Strab. XIII 627. –

3. Sardes: A. Paphia mit Kegel- oder Pyramidenidol, auch dem Kopf der A. auf Münzen, Mionnet IV 137. –

4. Tmolos: Das ἑταίρας μνῆμα auf dem Berggipfel von Gyges gegründet (Athen. XIII 573) ist wohl nach Analogie der A. ἑταίρα von Samos (XXII 9) und Ephesos (XXVI 10) aus aphrodisischer Deutung einer durch Jungfrauenprostitution geehrten lydischen Göttin durch Hellenen zu erklären. –

5. Smyrna. a) A. (Urania) neben Eros Uranios (wenn nicht die Stratonikis b gemeint ist), CIG 3157. – b) A. Στρατονικίς zu Ehren der Stratonike, Tochter des Demetrios, gegründet, Vitr. V 9. Tac. ann. III 63. CIG 3137 (θεὰ Στρατονικίς). 3156 (Ἀ. Στρατονικίς). Athen. Mitt. XVI 1891, 133ff. Auf Münzen bekleidete A. νικηφόρος, Cat. Brit. Mus. Ionia 239ff. 266ff., 20f. 22–46. 248ff. 254–262. –

6. Erythrai. a) A. Πάνδημος, Dittenberger Syll. 538, 57. – b) ἐν Ἐμβάτῳ, Rev. arch. 1877 I 108ff. Dittenberger a. O. 370, 40. 57. 74. 160. – c) In Erythre (Hs. argyro, corr. Maass De Sibyll. indic. 30, 77) fanum Veneris mit Leuchtturm und Sibyllenreliquien am Strande, Ampel. lib. mem. VIII 16. vgl. πύργος und λύχνος der (A.-Priesterin) Hero (-phile) zu Sestos o. XVII 3. –

7. Teos: A. bekleidet, mit Apfel und Scepter, Cat. Brit. Mus. Ionia 321, 81. –

8. Kolophon: A. Ἀλεντία, Lykophr. 868 m. Schol., am dortigen Flusse Aleis. –

9. Hypaipa: Die Schönheit der eingeborenen Frauen ein δῶρον Ἀφροδίτης, Steph. Byz. s. v. –

10. Ephesos. a) A. ἑταίρα mit mehreren Tempeln, Eualkes bei Athen. XIII 573 A, FHG IV 406. – b) A. αὐτομάτη oder ἐπιδαιτία, gestiftet von Alexis infolge seiner Liebe zur Meliboia (s. d.), Serv. Aen. I 720. – c) A. als Mutter Caesars mit Ares, CIG 2957; nackte Idole von ägyptisierendem Typus aus den tiefsten Schichten im Brit. Museum. –

11. Tralles: A. auf Münzen, Mionnet IV 187 (Pelasgersiedelung, Schol. AD Il. X 429). –

12. Miletos. [2755] a) A. ἐν καλάμοις, Theokr. id. 23, 4; vgl. 7, 115 mit Schol. – b) Ausserhalb: Chariton II 2. Daselbst wie an der kleinasiatischen Westküste überhaupt, Gergithier (Athen. XI 524), die von den Urtroern (Gergithiern) und urkyprischen Gerginern, Athen. VI 255 f, nicht zu trennen sind; vgl. u. XXIX a. E. –

13. Alexandreia am Latmos: A. des Praxiteles im Adonistempel, Steph. Byz. s. Ἀλεξάνδρεια. –

14. Iasos: Monat Ἀφροδισιών, CIG 2673f. Bischoff Leipz.Stud. VII 397. Bull. hell. VIII 1884, 454. XIII 1889, 34. Journ. Hell. Stud. VIII 106. –

15. Mylasa. a) A. Εὐπλοία, Bull. hell. V 1880, 108. XII 1888, 30. – b) A. Πάνδημος, Bull. hell. XII 32 nr. 12. – c) A. Στρατεία, CIG 2693 f, 7. Keil Philol. VII 202. Daselbst auch Nemesis (der A. verwandt? Robert-Preller Gr. Myth. I⁴ 358, 1) neben Peitho, Bull. hell. VI 1881, 39. –

16. Lagina: A.-Priesterin, Bull. hell. XII 1888, 270f. –

17. Stratonikeia: A. Ἐπήκοος beim Zeus-Panamarostempel, Bull. hell. XII 1888, 270, 55. Waddington Asie min. 1173; vgl. XXV 25. –

18. Aphrodisias, gegründet von Pelasgern und (später bewohnt von) Lelegern, Steph. Byz. s. Νινόη mit Crusius Beitr. 16, 4. Veneris civitas, Tac. ann. III 71. 62; nach A. genannt, Zopyros bei Steph. Byz. s. v., FHG III 236, 89. Vielleicht ist Ἀφροδισιὰς die Übersetzung von Ninoë, von Nin-, Nanai, dem akkadischen Namen der vorsemitischen nackten Göttin: Jensen bei Thrämer Pergamos 413. A. mit θεοὶ σεβαστοί, Weihung von Statuen der A., des Hermes und Eroten, Bull. hell. IX 1885, 78, 2. 68 nr. 1, 40. Votiv des Heliospriesters an A. und die Kaiserkulte: Bull. hell. XIV 1890, 612ff. nr. 7. 10. Tempelruinen Fellows Lyc. 33. Texier Asie min. III 153ff. pl. 150–156. Fest aus der Kaiserzeit, CIG 2737–2851. 2821ff.; ἀνθηφόρος, vgl. Auson. id. 14. Pervig. Ven. 13. Preller-Robert I 358, 3. Langbekleidetes Idol mit Kalathos auf dem Haupt, geschlossenen Füssen, vorgestreckten Armen, zwischen Sonne und Mond, davor schiessender Eros auf Münzen, Gardner Types of gr. coins Pl. XV 10. Müller-Wieseler Denkm. II 284 c. 285 d. Lajard Culte de Vénus Pl. III A 1–4. 19. 13. –

19. Halikarnassos, Burg Salmakis: A. mit Hermes, Tempel an der wegen ihrer aphrodisischen Wirkungen berüchtigten Quelle Salmakis gegründet von Salmakides, dem Eponymos der alten Salmakis und der Σαλμακιτέων (IGA 500), ionischer Siedler (Kaibel Herm. XXV 1890, 100). Er kam im Gefolge des Melas und Areuanios aus Argos und Troizen (Vitruv. II 8, 12), d. i. der Antheaden (Paus. II 30, 9. 32, 6; vgl. Dittenberger Syll. 372), von Troizen, letzthin Tiryns (Philol. N. F. V 1892, 401f. 397). Mutterkult der A. Ἀκραία in Troizen, selbst Filiale der dortigen A. κατασκοπία (V 9 a). –

20. Oikus: ἕδος ξάνθας Διώνης, Theokr. VII 116. –

21. Idyma: A. unter anderen Gottheiten, Bull. hell. X 1886, 430, 6. –

22. Knidos. a) A. δωρῖτις, Paus. I 1, 3, nach Robert-Preller I 356, 1 = εὔδωρος. – b) A. εὐπλοία d. i. die meist ausschliesslich als Κνιδία bezeichnete und c) A. ἀκραία (= Hesych. Ἀκρέα) ebenda; mit A. ἐν κήποις zusammengestellt, Luk. imag. 8. Mit Hermes: Newton Discov. Hal. Cnid. 749, 31 (aus Pheneos? dagegen Usener Rh. Mus. [2756] XXIX 1874, 27, 4); vgl. XXVI 18. Allgemein A. Κνίδου: Alkman frg. 21 Bgk. bei Menandros Rhet. gr. IX 135 W. Heilig ist ihr die wegen ihrer heilsamen Wirkung beim Abortus und überhaupt für Gebärerinnen auch ὠδινολύτη genannte (Plin. n. h. XXXII 5) Echeneïs-Wasserschnecke, welche einst ein Schiff des Periandros mitten in der Vorbeifahrt hemmte, weil es Lustknaben, die castriert werden sollten, nach Korinthos trug (Plin. n. h. IX 79f. Philol. N. F. V 1892, 387, 7). Im Euploia-Tempel die berühmte Statue der nackten A. von Praxiteles, Luk. imag. 6; am. 13. Plin. n. h. VII 127. XXXVI 20ff. u. ö. Auf Münzen die Δωρῖτις, Trivier Gaz. arch. V 1879, 212ff., z. T. mit Myrtenkranz; oder die Euploia des Praxiteles, Gardner Types of gr. coins Pl. XV 20f. –

23. Phoinix: A.-Priesterliste, Bull. hell. X 1886, 249. Der Kult von Rhodos aus gegründet mit den Kulten des Zeus, Asklepios, der Athene u. a.

XXVII. Lykien, Pamphylien.

1. Xanthos: A. Urania ὀλυμπία, Λυκίων βασιληΐς, κούρη, Hephaistos Gattin, Prokl. Hym. V 1. 6ff. Abel (Überschrift: A. Λυκίη). Auf lykischen Münzen sitzend zwischen zwei Sphingen; wohl eine als A. graecisierte asiatische Göttin, Gardner Types of gr. coins 172, Pl. X 34. –

2. Perge: A. vielleicht neben Adonis, Hesych. s. Ἀβώβας. –

3. Kastnion: A. Καστινῆτις, welche angeblich allein unter den Aphroditen Schweineopfer empfängt, Kallim. frg. 82 a bei Strab. IX 438, eine falsche Behauptung, später corrigiert in den Hypomnemata frg. 100 h 1; vgl. I 3 b a. E. A. Καστνία, Lykophr. 403; als μοιχαλίς, ἀδελφοποιός (von κάσις) erklärt von Tzetzes; vgl. auch v. 1234 mit Schol.; Göttin vom Kastnionberg bei Aspendos (Steph. Byz. s. Κάστνιον), wo Eustath. Dion. Per. 852 (vgl. Avien. descr. orb. 1015) Schweinesühnopfer der A. erwähnt, gestiftet durch Mopsos, der infolge eines Jagdgelübdes die erste Beute, ein Wildschwein (σῦν), opferte. Da Aspendos eine Argeiercolonie ist (Strab. XIV 667. Eustath. a. O.), so lag eine (künstliche?) Anknüpfung dieser Göttin an die Opfer zahmer Schweine (ὑστήρια) empfangende A. von Argos (V 5 a. E.) nicht ausser Möglichkeit. –

4. Olbia: A. Εὐπλοία (Votiv eines Rhodiers) Latyschew 94. Boeckh zu CIG II 2103 b. Über pamphylisch Ἀφορδίτα vgl. P. Kretschmer Ztschr. f. vergl. Sprachf. XXXIII 1893, 267.

XXVIII. Kilikien.

1. Aigai: A. Εὐπλοία neben Poseidon Ἀσφάλειος, CIG 4443. –

2. Stadt und Vorgebirge Ἀφροδισιάς: s. d. Nr. 1. –

3. Nagidos, Münze mit Hasen: Cavedoni Spic. num. 209.

XXIX. Kypros.

Monatsname Ἀφροδίσιος (vom 23. September ab seit der Kaiserzeit; vorher wohl Frühlingsmonat: M. Schmidt Kypr. Inschr. 525, 35 zu T. XIX 7. Lydus de mens. IV 45. Porphyr. de abst. II 54. Euseb. praep. ev. IV 16). Wenn die Ilias A. Κύπρις nennt, so haben zwar einige Scholien B(L) zu V 422 und Et. M. 546, 17ff. und mit ihnen Enmann Kypros 22. 62 etymologischer Deutung (1. = κυόπορις von κύ- und πορ- Geburtspenderin; 2. über cupra Land. Erde aus kuap-var-s = Seelenheimbewohnerin) zu Liebe eine ursprüngliche Beziehung zu der Insel Kypros abgelehnt; aber die Odyssee schon nennt ihren Hain und duftenden Altar, den sie besucht zu Paphos VIII 362f. (ohne Bild. Schol. ET); [2757] ihren duftenden Tempel Hom. hym. IV 58f. 61f., vgl. hym. X 5: A. als Herrin von Salamis; Hesiodos (th. 199) nennt sie Κυπρογενής (= Hom. hym. X 1), weil sie nach ihrer Meergeburt dort zuerst ans Land stieg. Alkman frg. 21 Bgk. bei Strab. VIII 340, Eust. Il. II 625 p. 305, 34 und ‚Aischylos‘ (Archilochos? Meineke) bei Strab. VIII 341 sowie Sappho frg. 133 Bgk. nennen als ihren Aufenthaltsort Paphos neben Kypros, Pindaros frg. 122, 14 nennt sie als Herrin von Kypros u. s. w. Herodotos endlich kennt zwar schon I 199 eine Mehrzahl kyprischer Orte, wo der A. von den Jungfrauen die Jungfrauschaft vor der Ehe geweiht werde, wie der ‚babylonischen A.‘ und der assyrischen ,Mylitta-A.‘ Daneben citiert er aber noch in alter Weise, wie die gleichzeitige Nennung des kytherischen Dienstes zeigt, aus dem alten Epos, schlechthin τὸ ἐν Κύπρῳ ἱρόν, welches er, freilich neuernd, vom askalonischen Heiligtum der A. Urania herleitet (I 105). Pausanias I 14, 7 interpretierte dies (in Übereinstimmung mit Odyssee, Alkman, Aischylos, Sappho) treffend durch πρώτοις Κυπρίων Παφίοις κατέστη σέβεσθαι τὴν Οὐρανίαν, während Enmann a. O. 19. 27 darunter unnötig und willkürlich Kittion verstehen will. Man kann aber die herodotische Herleitung aus Askalon auf sich beruhen lassen, es bleibt die Continuität der Tradition für Paphos doch als gültig bestehen; ja sie ist die sicherste Erläuterung der iliadischen Bezeichnung Κύπρις.

1. Paphos: Regenloser Altar im Freien, Tac. hist. II 3. Plin. n. h. II 210. Varro bei Serv. Aen. I 415 und Augustin c. d. XXI 6. Tacitus a. O. erwähnt noch das Kegelidol ohne Bildnisverehrung, die alte Legende von der Stiftung des Tempels durch König Aërias (s. d.; wohl mit Beziehung auf die Aufstellung des Altars sub divo), den Beinamen der Göttin Ἀερία (aus gleichem Grunde?) nach ‚einigen‘ Zeugen, die Rückführung der Tempelweihe auf Kinyras nach jüngerer Tradition und die Einführung der Opfer männlicher Tiere, ohne Blutbesprengung des Altars, nebst Weissagung aus dem Eingeweide, besonders junger Böcke (vgl. Lloyd Nereid. mon. 51), durch den Kiliker Tamiras, sowie die gemeinsame Verwaltung des Priestertums durch Kinyraden mit den Tamiraden (Hesych. s. v.), welche jedoch die Orakelspendung jenen überlassen müssen. Zum ἀγήτωρ vgl. den ἀρχιερεὺς τῆς Ἀφροδίτης, Waddington 2786. Ein Grab der A. (im Tempel?) zu Paphos nennt Clemens Rom. recog. I 24. ϝάνασσα, ἁ θεός heisst, in Grotte verehrt, A. auf epichorischen Inschriften, Collitz-Deecke Dial. Inschr. 38–40. Bezzenb. Beitr. XI 1886, 315. Παφία auf späteren Inschriften: CIG 2620. 2637. 2640 (mit Zeus Polieus und Hera). Bull, hell. III 1879, 169, 15. Das Kegelidol war rund (Tac. a. O.), ähnlich einem umbilicus oder einer meta, nach Hesych auch (γῆς) ὀμφαλός (s. v.) genannt; weiss, Maxim. Tyr. Dial. 38; symbolischer Bedeutung, Philostr. v. Apoll. III 16. Daneben waren spannenlange Idole der A. käuflich, von Hesych. s. v. ὀστρακίδες genannt, offenbar den sog. Istaridolen ähnlich, Athen. XV 675 F. Auf Münzen der Kopf der A. mit Mauerkrone oder mit Stephanos, Gehänge und Ohrringen, wechselnd mit Darstellungen des Idols im Tempel (stets mit Knopf, zuweilen armartigen Ansätzen), Gardner [2758] Types of gr. coins X 46. Cat. Brit. Mus. Ptolem. 7, 56–61. Über den Heroenkult der Kinyraden im Heiligtum (Clem. Al. Protr. 3, 45 p. 40, vgl. Apollod. III 14, 3) und Kinyras selbst, den ἱερέα κτῖλον Ἀφροδίτας der Κυπρίων φᾶμαι (Pind. Pyth. II 16), Sohn der Nymphe Paphia von Eurymedon oder Apollons καὶ Πάφου (Hs.; καὶ Παφίας Enmann Kypros 32) s. Art. Kinyras. Die Schweine brauchten auf Kypros keine Abfälle zu fressen (σκατοφαγεῖν), Antiphanes Κορινθία frg. 126 K. bei Athen. III 95. Gaz. arch. IV 1878, 50ff. Der geflügelte Adoniseber phoinikischer Münzen wird mit diesen (hellenischen) Schweineopfern ursprünglich nichts zu thun haben; vgl. o. XXVII 3. XXIX 16. Ursprünglich war der A. wie der Hera auf Kypros ein in Fell (κῴδιον) gewickeltes Lamm geopfert worden ,nach korinthischem Brauche‘, Lyd, de mens. IV 45. Die πανήγυρις von Männern und Frauen der ganzen Insel bewegte sich von Paphos nach ,Palaipaphos‘ (= Golgoi) alljährlich. Bei der Weihe wurde den Festgenossen Salz und ein Phallos überreicht (Clem. Al. Protr. 2, 14 p. 13 P. Arnob. V 19. Jul. Firm. 10), mit Anspielung auf die kyprische Meergeburt der A. aus der Thalatte (ἅλες) von den αἰδοῖα des Uranos, durch welche zuerst bei Hesiodos Theog. 188ff. die Nacktheit der kyprischen A. begründet und in ihre Mythologie eingeführt wird. Die σάπιθος genannte θυσία der Paphier ist unerklärt. Nach anderer Sage stiftet den (hellenischen) A.-Kult zu Paphos Agapenor von Tegea auf dem Nostos aus Ilion (Il. II 609 = Lykophr. 478. 484 mit Tzetzes z. d. St.). Dies geschah nach Paus. VIII 5, 2 ἐν πόλει Πάφῳ (Boeckh Ind. lect. Berol. 1822. 1823. Neubauer Comment. Mommsen. Berol. 1877, 677; Παλαιπάφῳ Hss.), wo er die Stadt eben gründete (Strab. XIV 683). Bis dahin hatte die (autochthone) Göttin nur auf einem Γολγοὶ (s. d.) genannten Platze von seiten der kyprischen Autochthonen Verehrung genossen (Neubauer a. O.). Hier ging dann die Verschmelzung der arkadischen A. von Tegea und Paphos mit der Orientalin von Γολγοὶ vor sich, deren autochthone Verehrer, in den Γεργῖνοι fortlebend, von Dümmler (Athen. Mitt. XI 1886, 251) zu den in Namen (Γεργίθιοι) und Stamm verwandten Urtroern gestellt werden (s. o. XXV 4). Die hellenische Siedelung Agapenors ist nicht zu trennen von der sikyonischen unter dem, von A. mit Adonis erzeugten (Schol. Theokr. 15, 100) Ktisten Golgos nach Golgoi (Steph. Byz. s. v.) und der des (Tegeaten) Kepheus und des Lakoniers Praxandros (von Therapne) mit Buraiern (und Keryneiern) aus Achaia über Olenos und Dyme nach Golgoi (Keryneia) und Lapathos: Philostephanos bei Tzetz. Lyk. 586ff.; vgl. zu 589, FHG III 31, 12 (unvollständig). Jahrb. f. Philol. Suppl. XVI 1887, 155f. Es sind Herodots Ἕλληνες ἀπὸ Ἀρκαδίας (VII 90). Von hier stiftete Laodike, die ebenso gut Tochter des Agapenor (ἀγαπάω?) wie des heiligen Kinyras heisst (Apollod. III 9, 1), als Genossin der A. der heimatlichen Athene zu Tegea einen πέπλος. Hierokepia bei Paphos wird seinen Namen von einem ‚heiligen Hain‘ der A. haben, mit dem jene πανηγύρεις in Verbindung standen, entsprechend den westlichen Heiligtümern ἐν κήποις; vgl. Μυρῖκαι (Tamariskenhain) χωρίον ἱερὸν τῆς Ἀφροδίτης ἐν Κύπρῳ. In Paphos sucht der Scholiast die ζαθέοι [2759] νηοί, in denen Hesiods A. den Phaethon als νηοπόλος μύχιος verbirgt (Theog. 990). –

2. Atheniu (nach falscher französischer Auffassung = Γολγοί) hat nur einen Apollontempel. A. Μυκηροδί‹α›, Cesnola Cyp. Griech. Inschr. 23, Altar mit Dedication, vgl. Collitz I nr. 69. Neubauer a. O. 673. 677ff. –

3. Marion-Arsinoe, Hain und Heiligtum der A. s. ebenda. –

4. Akamas-Vorgebirge: Παρθένιος δ’ ἐν Ἀφροδίτῃ Ἀκαμαντίδα (sc. Ἀφροδίτην nicht πόλιν) αὐτήν φησι, Steph. Byz. s. Ἀκαμάντιον (Meineke Anal. Alexandr. 362); vgl. u. XXIX 8 a. E. –

5. Soloi: Heiligtum der A. und Isis, Strab. XIV 683. –

6. Morpho, nach Ross (Inselreisen IV) Ursitz der A. Μορφώ zu Sparta (VIII 3 a β). –

7. Aphrodision, Strab. XIV 682. Steph. Byz. s. Ἀφροδισιάς, natürlich nach der Göttin genannt. –

8. Salamis: A. als Beschützerin genannt, Hom. Hym. X 4. Venus prospiciens, Tempel mit Statue in dieser Haltung, nach der Legende bei Ovid. met. XIV 760f., vgl. 698ff. Die durch A. in Marmor verwandelte Anaxarete (s. d.), bei Hermesianax Leontion II (bei Antonin. Lib. 39) Arsinoe, Königstochter zu Salamis, bei Plutarch. amator. 20 Leukomantis παρακύπτουσα genannt; nach Wyttenbach Index verb. Plut. II 1187 ein σχῆμα πορνικόν. Der Tempel war Freistätte, Tac. ann. III 62. Die Idole sind wie in Paphos griechisch (mit beiden Händen vor der Brust und bekleidet, Cesnola Salamin. 202), entsprechend der griechischen Colonialsage vom Salaminier Teukros, Lykophr. 450 und Tzetzes z. d. St. = Herodot. I 90 (Zuwanderung aus Salamis und Athen), d. i. des Theseiden Akamas, Eponymos des kyprischen Vorgebirges bei Soloi; vgl. o. 4. Speciell mit Salamis wird Stasinos, der kyprische Dichter der Kypria, von Proklos Legende in Verbindung gebracht. –

9. Chytroi: A. Paphia auf epichorischen Inschriften. Collitz-Deecke nr. 2–14; Temenos und Statue der thronenden Göttin mit Kind auf dem Schoss, Perrot-Chipiez III 554 nr. 377 (orientalischen nackten Vorbildern entsprechend). Die Weihgeschenke stellen hauptsächlich Reigentänze dreier Frauen um eine Flötenspielerin oder um einen Baum auf runder Basis dar, z. B. Perrot-Chipiez III 587 nr. 399. –

10. Tamassos: Gefilde der A., aus dem sie die drei Atalanteäpfel von einem Baum mit goldenen Zweigen bricht, Ovid. met. X 644ff. (von prisci senes der A. geweiht); dieser Apfelbaum ist es wohl, in den Melos I., Gatte der Dienerin A.s, der Pelia (Taube), der Genosse des Kinyraden Adonis, von A. verwandelt wird, Serv. ecl. VIII 37, wozu der Melos II., Sohn des I., als Gründer von Melos und Erfinder der Schafschur eine apokryphe Dittographie ist. Βέρβεια (?) als Name der Apfelbaum pflanzenden A.: Eriphos Μελίβοια frg. 2 bei Athen. III 84 B, CAF II 429 Kock. –

11. Tremithus, nach einigen bei Steph. Byz. s. v. vom τρέμειν des Landes beim Betreten der anlandenden A. so genannt. –

12. Pedalion, mit der A. geheiligtem tischartigem Vorgebirge, Strab. XIV 682. –

13. Olymposberg mit A. Ἀκραία, einem von Ehefrauen gemiedenen Tempel, ebenda. –

14. Kittion (Larnaka): A. auf epichorischen Inschriften, M. Schmidt XII 4. XX 4. XIX 5. XVI 4, Taf. XV 1. Παφία mit Zeus Keraunios, CIG 2641; Tempel der Astoreth auf der Baurechnung CISem. I 86 A, nach Enmann Kypros [2760] 15 identisch mit dem von Kittiern im Peiraieus gebauten; vgl o. III 10 d und daselbst den Kittier Aphroditos. –

15. Idalion, Lieblingsaufenthalt der A. nach Theokr. XV 100 (neben Golgoi und Eryx); Hain mit Amarakoskräutern, Verg. Aen. I 692. Catull 36, 11; vgl. die idalischen Salben (Amarakos) der A., Stat. Silv. I 3, 10. Claud. Nupt. Hon. et Mar. 49ff. A. θεὰ Γολγία genannt auf epichorischen Inschriften, Collitz-Deecke nr. 61. Auf lakonischen Einfluss (analog der Wanderung des Therapnaeers Praxandros nach Lapathos) weist hin der Kult des Apollon Ἀμυκλοῖ, Enmann Kypros 37f. Doch ist die Nekropole von Idalion sonst Hauptvertreterin der phoinikischen Epoche, Dümmler Athen. Mitt. XI 1886, 210. 243. XIII 1888, 231; vgl. auch die Darstellung des Tanzes mit Flöte, Sambuka, Tympanon a. O. XI 38, 1. Hierher leitet auch Dümmler a. O. 238 die Frau mit dem Säugling, Perrot-Chipiez III 553, 376 ab. –

16. Amathus: A.-Heiligtum durch den Eponymos Amathos, Sohn des Aërias, gestiftet, kyprische Sage bei Tac. ann. III 62; Asylrecht: ebenda; nach Pausanias IX 41, 2 combiniert mit Adoniskult, darinnen der ὅρμος der Harmonia (ebenda) und nach Paion (bei Plut. Thes. 20, FHG IV 371) das Grab der A.-Ἀριάγνη in einem Haine mit symbolischem Kultbrauch des Männerkindbetts im Monat Gorpiaios. Γένεσις Κυπρίας (oder Κυπρίδος. Hs. Κύπρου, corr. Meineke) als kyprische Bezeichnung einer σπονδή, Hesych. s. v. Die θυσία, genannt κάρπωσις, nennt Hesych s. v., Chöre von Jungfrauen und νύμφαι das ganze Jahr hindurch für A. und Adonis (mit dem Namen Ariadne zusammengehalten an Naxos erinnernd) Orph. Hym. 55, 24ff. Der dortigen A. stellte nach Nonnos Dion. V 611ff. der Zeus ξένιος (Ovid. Met. X 222ff.) des benachbarten Tempels vergeblich in Liebesbrunst nach. Aus seinem Samen entsprossen die gehörnten Kentauren ‚Kerastai‘: vgl. Androkles bei Et. M. 738, 50. Tzetz. Lyk. 447. Nonnos Dion. XXXII 71ff. Knaack Herm. XXV 1890, 82f. Der mit der A. (Ovid. † celeri, Lactant. deae = Veneri) verbundene Zeus, auf dessen Altar man ‚statt der geopferten Fremdlinge eher Kälblein und Eber (bidentes) von Amathos erwarten sollte‘, ist ein Adonis. Aber die Kentaurensage erinnert an Thessalien (I 1) trotz der in Limnasi gefundenen Idole gehörnter Kentauren (Arch. Anz. 1888, 88). Der A.-Kult gehörte den Autochthonen von Amathus (Skylax peripl. 103, Geogr. gr. min. I 78), d. i den nach Theopompos (frg. 111, FHG I 295) ‚von den Hellenen Agamemnons verdrängten Resten der Kinyraden‘. Amathus-Hamath aber, die πόλις ἀρχαιοτάτη (Steph. Byz. s. v.), ist Tochterstadt der syrischen Hamath (Ἠμάθ) am Orontas (Synkellos 89. Kiepert Alte Geogr. 134. Stein zu Herodot. VII 90. Duncker G. d. A. V⁵ 238. 240. E. Meyer G. d. A. I 338, mit gleichem von den Hellenen übernommenem Silbenschriftsystem); vielleicht zielen hierauf die kyprischen Αἰθίοπες Herodots VII 90, da Adonis Sohn Ἠμαθίων ein Aithiope ist (Jahrb. f. Philol. Suppl. XVI 1887, 190), wie die Ἀργείων ἄποικοι zu Kurion (Herod. V 113) wohl die VII 90 genannten οἱ ἀπὸ Κύθνου sind (vgl. das von Amphitryon zerstörte Kythnos bei Argos, Photios p. 533 Bekk.). –

17. Alambra. [2761] die Hauptnekropole der vorphoinikischen Epoche, bietet zahlreiche Idole, Dümmler Athen. Mitt. XI 1886, 210. –

18. Am sonst nicht bekannten Καυκάσιον ὄρος wird A., wie die samothrakische Harmonia, von allen Göttern vergeblich gesucht, nachdem sie infolge der Beschämung beim Ehebruch mit Ares sich versteckt hat, aber von einem alten Weib verraten ist, das sie zur Strafe in eine noch später gezeigte στήλη verwandelt, Tzetz. Lyk. 825. –

19. Eine kyprische Stadt Kythera nennt Et. Gud. 352, 19 (vgl. Schol. Hesiod. theog. 192) im Zusammenhang mit A., wohl irrtümlich, wie Tzetz. Lyk. 867 eine kyprische A. Κωλῶτις (vgl. o. III 11). Über das kyprische Bild einer ,mannweiblichen bärtigen A.‘ mit Scepter von Calvus (Macr. S. III 8, 2) deus, von Aristophanes frg. 702 Ἀφρόδιτος genannt, mit Vertauschung der Kleider durch die beiden Geschlechter beim Opfer (vgl. o. V 5 d), s. Art. Aphroditos. Ein kyprisches Fest περιόρια Hesych. s. v. (Grenzumgang?). Die kyprische ζακορία θυσία Ἀφροδίτης Hesychs ist eine orientalische διακορεία der Jungfrauen (Meineke bei M. Schmidt). A. Ἐλεήμων und Ἔγχειος nennt allgemein Hesych. (zu letzterer vgl. Kaibel Epigr. gr. 794 mit Ross und Welcker Rh. Mus. VII 521ff.; dazu Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 655, 1). Hesychios nennt den an die lakonischen Ἀγητόρια (= Karneen) erinnernden archaischen Oberpriestertitel ἀγήτωρ. Auf Kypros bezieht Engel (Kypros II 558f.) die Ἀῶα genannten abgehauenen und an den Thüren für die A. aufgestellten δένδρα (Maien), Hesych. s. v., die wohl mit dem A.-Feste θύλλα (κλάδους ἢ φύλλα, Hesych.) zusammengehören. Vgl. Ἀῶος = Ἠοῖος = Adonis; Ἀβώβας. Der von den Hellenen mitgebrachte A.-Kult floss zusammen mit dem einer autochthonen nackten Geschlechts- und Muttergöttin mit Altar-, Säulen- und Hainkult, welche auf den bildlichen Darstellungen Brust oder Scham oder beides mit Händen deckte. Sie gehörte nicht ursprünglich den Phoinikiern, welche sie zwar unter Übertreibung des geschlechtlichen Elements, vielleicht unter Hinzufügung der Taube, wenn diese nicht urbabylonisch war (vgl. Jahrb. f. Philol. Suppl. XI 1880, 740, 1), ferner des adonischen Eberopfers, der Sambukamusik zum Kulte, den Hellenen vermittelten, selbst aber von den Urkypriern erhalten hatten, welche damals längst ins gebirgige Binnenland hinaufgewichen waren; diese Urkyprier von Kittion und Amathus waren schwerlich Phoinikier (Dümmler Athen. Mitt. XI 1886, 212), aber auch schwerlich Semiten, wie Thrämer Pergamos 354, 2 richtig gegen Dümmler 251, 2 bemerkt, sondern – wie ihre urkanaanitischen Verwandten, die auch in Sprache und Schrift verwandten Kittim = Cheta von Hamat (E. Meyer ZDMG XXXI 719, schon früher Movers Phöniz. II 203. 246. Dümmler 247f.; vgl. E. Meyer G. d. A. I 213 § 176) und die mit ihnen in dauerndem Verkehr stehenden, ebenfalls nur semitisierten Urbewohner Babylons (E. Meyer I 166. 222 pass.), überhaupt Mesopotamiens – ein vorsemitisches Volk, das auf Kypros von den Phoinikiern zuerst nach Cesnola mit Glück Ohnefalsch-Richter trennte (Arch. Jahrb. I 1886, 131. Dümmler 209ff.): Herodots ‚kyprische Aithiopen‘ (VII 90; vgl. o. 14). Dieses Urvolkes nacktes Göttinidol steht schon im Zusammenhang der semitisch-babylonischen [2762] Kunst, welche der Darstellung des nackten weiblichen Körpers sonst ausweicht (Kroker Arch. Jahrb. I 1886, 102f.), als erstarrtes Idol einer unverstandenen Vorzeit da, mitten in der belebten Handlung babylonischer Cylinder (Dümmler 217). Solche Vorstellungen des mesopotamischen Urvolks mögen mit anderen Bestandteilen des Schöpfungsberichts (E. Meyer G. d. A. I 215f.) in die Genesis übergegangen sein, wo die ihre Blösse verhüllende Eva im Paradies mit dem Apfelbaum (vgl. den eigentümlichen ‚Lebensbaum‘ auf babylonischen Reliefs) stark erinnert an die kyprische Göttin mit der entsprechenden Handhaltung auf den Idolen, heiligem Hain und tamassischem Apfelbaum, den sie selbst pflückt. Mag einerseits diese urbabylonische Nanai durch ihre Nacktheit schon früher in Asien selbst bequemen Anlass zur Verschmelzung mit der höllenfahrenden gewandlosen Istar der chaldaeischen Semiten geboten haben, so kam andererseits auf Kypros einer Verschmelzung mit der A. der kyprischen Arkader deren Mythos von der Nacktgeburt aus dem Wasser entgegen, vielleicht auch die dunkle Taube (πελειάς, die sie als homerische Tochter des Zeus von Dione von Dodona aus führt, und die der gezüchteten weissen Edeltaube der semitischen Naturgöttin (περιστερά) sich zum Vergleich bot. Ein gleiches Ergebnis hatte die Verschmelzung der urtroischen Göttin mit der ursprünglich thrakischen Αἰνειάς deshalb, weil die urtroische Kultur nach Perrots, Dumonts, Dümmlers Beobachtung (Athen. Mitt. XI 1886, 212. 249–282) der urkyprischen ebenso entspricht, wie der von Troas aus südlich über die kleinasiatische Westküste noch später verbreitete Name der Gergithier dem der kyprischen Gerginoi (vgl. die teukrisch-gerginische Wandersage des Klearchos bei Athen. VI 255 C, FHG II 310, 25). von Gutschmid bei Thrämer Pergamos 180f. 354f.; vgl. Dümmler a. O. 256 und über die dieser ‚anatolischen‘ Urrace eigenen Namen auf -s(s)- und -nd- Kiepert Handb. der alten Geogr. § 73, 3. Thrämer 354, 2. Da dieser wegen der Laris(s)en auch die Pelasger zuzurechnen sind, so würde deren A. mithin als urverwandt betrachtet werden dürfen mit jener urkyprischen (urtroischen) nackten Göttin, deren Bilderdienst mit ihrem anikonischen Kulte verschmolz.

XXX. Syrien.

1. Antiocheia: A.-Kult mit Pannychien, Malalas X 263 Bonn., verbunden mit Adonis. –

2. Germanikeia in Kommagene: A. mit Eros auf Münzen, Mionnet V 115. –

3. Arados: Altes Heiligtum der A. (= Astarte) mit Asylrecht, Chariton VII 5. –

4. Emesa: Tempel der A. (= Astarte), mit Priester Sampsigeramos, Malalas X 296 Bonn. –

5. Byblos: A.-Tempel verbunden mit Adonisorgien, Ps.-Lukian. dea Syria 6; die Frauen scheren sich oder kaufen sich los; hiervon und von dem Keuschheitsopfer einmal im Jahre (vgl. Apollod. bibl. III 14, 3: auf A.s Veranlassung) wird das A.-Opfer bestritten. Vgl. u. XXX 11. –

6. Libanon, eine Tagereise von Byblos: A.-Tempel, vor alters von Kinyras gestiftet, Ps.-Lukian. a. O. 9; vgl. A. Λιβανῖτις, Lukian. adv. ind. 3. –

7. Aphaka in der Koile Syria: A. Ἀφακῖτις, Zosim. I 58. Et. M. s. v. Euseb. v. Constant. III 58; paneg. Const. 8. Sozom. II 5 (A. als Komet oder Planet), vielleicht identisch mit 6 (Engel Kypros [2763] II 438). –

8. Sidon: A.-Bild, Zonar. lex. s. Ἀστάρτη. –

9. Tyros, Höhle Megâret-elfurûg (caverna τῶν αἰδοίων): A. ἐπήκοος neben König Ptolemaios, Votiv, CISem 21, 6. –

10. Damaskos: A. Ἀναῖτις; s. u. XXXII. –

11. Berytos ist nach den alexandrinischen Vorlagen des Nonnos (Dion. XLI 367) jene Stadt Beroë, deren Eponyme, auch Amymone genannt, nach älterem Mythos Tochter der A. von Adonis war (XLI 155). Dort, nicht auf Kypros, sollte A. zuerst nach der Schaumgeburt ans Land gestiegen sein (XLI 98ff.). Überhaupt wird die Συρία θεά von Hierapolis und andern Orten auch mit A. verglichen, Alkman frg. 21 Bgk., aus Menandros Rhet. gr. IX 135 W. Lukian. dea Syria 32 (wegen des κεστός). Orph. Hymn. 55, 17. Sanchuniathon bei Euseb. praep. ev. I 10 (Byblos von Kronos der Dione = Βααλτίς geschenkt). Lyd. de mens. I 19 (A. bei den Phoinikern Βλάττα, l. Βααλτίς, genannt). Hesych. Βήλθης = A.

XXXI. Palaestina.

1. Askalon: A. Urania, nach Herodot. I 105 das allerälteste und sogar Mutterheiligtum ,des kyprischen‘ (vgl. o. XXIX Anfang). –

2. Ioppe, Insel Paria (Plin. n. h. V 129); der A. wird geopfert, wobei eine Jungfrau durch ein κῆτος geraubt wird (= Atargatis), Theopomp. bei Konon narr. 40, wo damit die Sage von der Aussetzung der Andromeda contaminiert ist (Jahrb. f. Philol. Suppl. XVI 1887, 147). –

3. Akkon, Aphroditebad mit Statue: Proklos der Philosoph in Talmud, ʿAbhoda zara III 4. –

4. Bozra in Idumaia, Sprengopfer an A. im Bad (um 250 n. Chr.): Talmud Schebhiith VIII. Vgl. zu 3. 4 Lewy Philol. N.F. VI 370.

XXXII. Mesopotamien, Arabien, Indien.

Bei den Babyloniern Σαλαμβώ Name der A., Hesych. s. v.; desgleichen Μόλις, Nikol. Dam. frg. 10 (wohl verstümmelt aus Μύλιττα, die nach Herodot. I 131. 199 der A. Urania gleichgesetzt wird; FHG III 361, 16 hat Koraes Μύλιττα eingesetzt). Bei den Persern Μίτρα (Herodot. I 132); in Babylon, Susa, Ekbatana, bei Persern und Baktrern A. Ἀναῖτις: Berosos frg. 16, FHG II 509. Agathias II 24. A. Ἀσσυρίη Opp. cyn. I 7. Nonn. Dion. III 111. In Arabien Ἀλιλάτ genannt: Herod. I 132. III 8. A. Ἐλυμαία Appian. syr. 66. Ἰνδῴν Ἐρυθραίη nennt A. Nonnos XXXV 190. Geliebte des Dionysos vor seinem orientalischen Zuge und vor der Liebe zu Adonis war sie nach Et. M. 2, 17.

Africa.

XXXIII. Aigyptos.

1. Atarbechis: A.-Tempel, Herodot. II 41. –

2. Ἀφροδίτης πόλις daneben, Steph. Byz. s. v. –

3. Chusai: A.-Kult mit Rinderopfern (Isis), Aelian h. a. X 27. –

4. Ἀφροδισιάς, Stadt bei Alexandreia, Steph. Byz. –

5. Memphis: A. ξείνη, ,die einzige ihrer Art‘, im Tempel des Proteus, auf Helena bezogen von Herodotos II 112; hellenische Göttin, der Selene von anderen gleichgestellt, Strab. XVI 807. Proteus, Sohn der A.: Suid. –

6. Theben: Sil. Ital. III 683. –

7. Tentyris: A.-Tempel neben Isisheiligtum, Strab. XVII 815. –

8. Momemphis an der kanobischen Mündung: A.-Kult mit heiliger Kuh, Strab. XVII 803; A. χρυσῆ mit heiligem πεδίον (als πολύπυρος αἶα Ἀφροδίτης schon von Aischylos Suppl. 555, auch von Hestiaia bei Eustath. Il. III 64 p. 384, 20ff. als χρυσοῦν πεδίον erwähnt), Hekataios d. J. bei Diodor. I 97; vgl. o. XXI 1. [2764] Philol. N. F. III 1890, 104. Χρυσοῦν πεδίον ist griechische Übersetzung des ägyptischen Kanobos nach Aristid. Or. 48 p. 608. –

9. Naukratis: A.-Kult und Tempel, mit dem Brauch des Ναυκρατίτης στέφανος aus Myrte, um die 23. Olympiade gestiftet von Herostratos (s. d.) infolge einer glücklichen Rettung aus Seegefahr, wobei die angerufene Göttin alles rings um das Schiff mit Myrten erfüllt hatte, zugleich mit kleinem Scherbenidol der A. aus Paphos, Polykrates π. Ἀφροδίτης bei Athen. XV 675 F, FHG IV 480, 5. Ἀφροδίτηι und Πανδήμοι mehrfach auf Vasenfragmenten ebendaher, Arch. Anz. IV 1889, 211. 393. 107, 5. 108, 11; auf Münze Kopf, Cat. Brit Mus. Ptolem. 349 nr. 38. –

10. Zephyrion Prom. A. Ἀρσινόη Ζεφυρῖτις, Kallim. Epigr. 6 Schn. bei Steph. Byz. s. Ζεφύριον und Athen. VII 318 D; Κύπρις εὐπλοίη, gestiftet vom ναύαρχος Kallikrates zu Ehren der βασίλισσα Arsinoë: Poseidippos Epigr. ebd. und in desselben neugefundenem (längerem) Epigramm (Tempelaufschrift) auf dem Papyrus Didot, Weil Monum. grecs p. p. l’assoc. ... des études grecs 1879, 30; vgl. Blass Rhein. Mus. XXXV 1880, 91; Οὐρανία, Anth. Pal. VI 290; Ἱππία, Athen. XI 497 D; vgl. Schol. A Il. XIII 703. Schol. Theokr. 17, 123. Catull 66, 54 (castum Veneris gremium). Der dem späteren ptolemaeischen Hofkult der Arsinoë zu Grunde liegende ältere A.-Kult muss mit dem Namen Zephyrion aus Halikarnassos Zephyrion (Steph. Byz. s. v.), letzthin wegen der Höhenlage und des Nautilosvotivs bei Kallimachos aus Troizen eingeführt sein (Philol. N. F. V 1892, 396ff.). –

11. Alexandreia: a) Festfeier des Beilagers der A. mit Adonis, dargestellt durch ihre Statuen: Theokr. id. XV 127f.; vgl. Dümmler oben S. 386, 25ff. – b) A. Βελιστίχη: Tempelkult der vergötterten argivischen Hetäre des Ptolemaios II., Athen. XIII 576 F. 596 E. Auf Münzen stehend bekleidet, Helm und Schild haltend, auf diesem δύναμις, Cat. Brit Mus. Ptolem. 165 nr. 1345; Kopf mit Kranz, dabei Stier, 127 nr. 1080f.; im Kreise der eponymen Wochentaggottheiten, nr. 1079. Ihre Vorliebe für die γονιμώδεα λουτρὰ Ägyptens und die Wagenfahrten in seinen Ebenen überhaupt nennt Orph. Hymn. 55, 18. Die ionischen (milesischen) hexapolitanischen (halikarnassisch-rhodischen) Söldner und Siedler verschmolzen ihre heimische A. mit der ägyptischen Hathor (Orion im Et. M. s. Ἀθύρ) oder der Nephthys (Plut. Isis und Osiris 12), besonders aber der Isis εὐπλοία, mit der sie zusammen in der troizenischen Metropole und deren Filialen erscheint (Philol. a. O.).

XXXIV. Kyrene.

Nach Pindaros Pyth. V 24 κᾶπος Ἀφροδίτης schon vor Ankunft der Nymphe Kyrene, die, mit Apollon anlangend, von ihr empfangen ward: Pyth. IX 5–21. Nach Schol. V 31 ist möglicher Weise vielmehr der Χαρίτων λόφος (Herodot. IV 175. Kallim. frg. 266 Schn.) gemeint A. half der vornehmen Kyrenaeerin Ladike, Gattin des Amasis, in Liebesangelegenheiten und erhielt von ihr den Tempel vor der Stadt gegründet, Herodot. II 181 (apokryphe Legende nach Wiedemann Ägypt. Gesch. II 648). Κυρηναῖοι Ἀφροδισιασταί in Nisyros, Athen. Mitt XV 1890, 134. – In Libyen überhaupt: A. ἄδικος, Hesych. s. v. (wahrscheinlich Genetiv von Ἄδιξ, [2765] einer als A. verstandenen eingeborenen Göttin). Stadt und Inseln Aphrodisias in Libyen unweit Kyrene, Herodot. IV 169. Steph. Byz. s. v. Stad. mar. m. 49.

XXXV. Karthago

A. ἐπήκοος, Hesych. s. v. (sonst Iuno caelestis genannt, nach Drexler Jahrb. f. Philol. CXLV 1892, 362 = Tanit). Ἀφρικὴ) überhaupt von Ἀφρώ, Ἀφρεία genannt nach J. Baunack Studien aus d. Gebiete des Griech. und Arischen I 60ff.; vgl. Nonnos Dion. XIII 348: A. neben Kythereia, über die Bassarika des Dionysios aus Kallimachos (frg. 266 Schn. Χαρίτων λόφος = Herodot. IV 178).

XXXVI. Sicilien.

1. Eryx: A. Ἐρυκίν⟨η⟩ CIG 5499, mit stets brennendem und umgrüntem aschenlosem Altar im Freien, zu dem die Opfertiere: Schaf, Ziege, Bock, Sterke, mit berühmt gewordener Willigkeit gehen (Aelian. n. a. X 50), und zwei πανηγύρεις: Ἀναγώγια beim Abzug der heiligen weissen Tauben (περιστεραί) nach Libyen im Gefolge der unsichtbar mitwandernden Göttin, und καταγώγια bei der Rückkehr, wobei eine junge, der χρυσῆ A. Homers und der πορφυρᾶ A. Anakreons (frg. 2 Bgk.) an Farbe gleichende πελειάς, also dunkle Taube, offenbar eine Einkleidung der Göttin selbst, die Führung übernimmt. Beide Feste durch neun Tage getrennt, ebd. IV 2. Berühmt waren die Hierodulen, wie die unermesslichen Tempelschätze, gestiftet von Eingeborenen und Fremden, eine Zeitlang abgeschafft und nur durch heilige Diener vertreten (Strab. VI 272; vgl. Paus. VIII 24, 6), dann wieder auf ein römisches SC hin durch die Nachbarstädte neu geliefert (Diod. IV 83; vgl. IV 79. V 77). Der Kopf der Göttin auf Münzen: Cat. Brit. Mus. Sicily 62, 4. 5. 63, 14. 64, 18), thronend mit Taube in der Rechten, 62f., 9–13. 63, 15. Der durch Tiberius erneuerte (Tac. ann. IV 43), durch Claudius (Suet. Claud. 25) vollendete Tempel, von dem der am Collinischen Thor in Rom ein Tochterkult ist (Strab. a. O.), gilt letzthin als eine Stiftung der Gründerinnen von Eryx, Atalla (Enteila) und Aigesta (Segesta), der drei troischen Töchter des Phoinodamas, die durch A. auf Sicilien gerettet waren von der Gefahr, θηρίοις βορὰ vorgeworfen zu werden (von Laomedon aus Rachsucht wegen der Aussetzung seiner Tochter Hesione für das κῆτος), Lykophr. 958. 953ff. mit Tzetz. z. d. St. Sonst gilt Eryx, Sohn der A. von dem eingeborenen König Butes, als Stifter, Diod. IV 83. Steph. Byz. Hygin. fab. 260. Serv. Aen. I 570 (oder von Poseidon = a. O. V 24. Apollod. II 5, 10. Tzetz. Lyk. 866. 958). Schol. Theok. XV 101. Aineias gilt als Stifter bei den Römern, Cic. Verr. IV 33. Fest. p. 261. Serv. Aen. V 759f. Hygin. fab. 260. –

Das ist Übertragung von 2. Elymon (= Elyma), dessen A.-Altar Aineias gestiftet hatte, Dion. Hal. I 53. –

3. Segesta: A. Urania, CIG 5543 (Weihung einer Statue); von Aineias gestiftet, Dion. Hal. a. O. Kopf auf Münze, Cat. Brit. Mus. 131 nr. 14. –

4. Lilybaion: A. siedelt den geraubten Butes an, Apollod. 19, 25. –

5. Selinus: A.-Kult, dem der πορνοβοσκὸς Konnidas (Hs. Κίνναρος, corr. Crusius Philol. Suppl. VI 285) seinen Reichtum zu vermachen versprach, Timaios frg. 57 a aus Zenob. I 31, FHG IV 640; vgl. Lobeck Agl. II 1031. –

6. Akragas: Land der ἑλικῶπις Ἀ. oder der Chariten, Pind. Pyth. VI 1. [2766]

7. Kamarina: A. in Gewand auf Schwan übers Meer getragen, Münzen und Vasen, Benndorf Griech. u. Sicil. Vasenb. 75ff. Kalkmann Arch. Jahrb. I 1886, 231ff. (entsprechend etruskischen Darstellungen der Turan). –

8. Syrakusai: A. καλλίγλουτος, Nikandros frg. 23 Schn. bei Clem. Alex. Protr. II 39; καλλίπυγος, wie Clemens a. O. über den Auctor Ἐπικλήσεων (Wentzel VII 7) aus Kerkidas und Archelaos bei Athen. XII 554 entnahm; βαίωτις (Preller-Robert Gr. Myth. I 366, 4) oder βαιῶτις (M. Schmidt), Hesych. s. v.; εὐδωσώ ebd., nach Lobeck Rhem. 322 komischen Sinnes. –

9. Akrai: Tempel, CIG 5430, 2. 22; mit Hera zusammen 5424 (προστάται); vgl. 5425f. 5428. 5433. –

10. Katana: CIG 5652 (Votiv). 5651. –

11. Naxos: A.-Tempel am Strande, darin grosse Nachbildungen von αἰδοῖα ἀνδρεῖα καὶ γυναικεῖα lagen, Γέρρα νάξια genannt, App. proverb. I 72 p. 390, 15 Gott. = Epicharmos frg. 103 bei Schol. Lukian. gymn. 32. Paroem. Ath. 116, Bodl. 278; vgl. O. Müller zu Fest. ep. 40. Et. M. 228, 44 C 319 (δερμάτινα). –

12. Messana, CIG 5618 (Votiv vieler ναυροί = νεωροί?). –

13. Panormos neben Kypros und Paphos als Hauptort genannt von Sappho frg. 6 bei Strab. I 40. CIG 5553 (Weihung eines Tisches). Kopf auf Münze, Cat. Brit. Mus. 123 nr. 25. Vgl. u. XLI a. E.

XXXVII. Aiolische Inseln.

Meligunis, wohl Sitz der gleichnamigen Eponyme, die μία τῶν Ἀφροδίτης θυγατέρων heisst; Hesych. s. Μελιγουνίς.

XXXVIII. Italien.

1. Tarent: Ἀ. Βασιλίς, Hesych. s. v. Mionnet Suppl. I nr. 530. –

2. Hyria: A. auf Münzen, Cat. Brit. Mus. Italy 158f. 163, 6–10. 19f. –

3. Athenaion (Castrum Minervae): Ἀφροδίτης ὅρμος (θέρινος ὅρμος), so genannt seit Aineias Landung, Dion. Hal. I 51. Ales (Hales)fluss: vielleicht Ἀ. Ἀλεντία, die Lykophron, im Zusammenhang süditalischer Beziehungen (Tamasion, Siris, Lakinion, Longyros u. a.) 868 nennt, Tzetzes aber auf das A.-Heiligtum am gleichnamigen kolophonischen Flusse bezieht. –

4. Neapel: Ἀ. Εὐπλοία, CIG 5796. –

5. Lavinium: A.-Tempel, Bundesheiligtum der Latiner, von Vergil. Aen. I 258ff. XII 193ff. mit Aineias Landung in Beziehung gesetzt, nach Strab. V 232 unter Obhut der Ardeaten; vgl. die ,Sinuessa benachbarte‘ A. πελάγους ἀνερχομένη: Kaibel Epigr. 810, 1ff. –

6. Ancona: A. mit Lorbeerkranz auf Münzen: Cat. Brit. Mus. Italy 40, 1. – Über die Turan, d. i. Τυρρηνία (O. Crusius Beiträge 20, 2), genannte A. der Etrusker-Tyrsener, durch den Namen dem Turms-Hermes (= Τυρρηνός, Turnus) nahestehend, ferner die Verschmelzung mit Nerio, das Verhältnis zur Murcia Fruti u. a. s. d. Art. und überhaupt über die Einführung der Dienste der A. in Rom: G. Wissowa De Veneris simulacris Romanis, Breslau 1882.

XXXIX. Der Westen.

1. Pyrenaeen. Auf der Grenze zwischen Iberien und Narbonensis: Ἀ. Πυρηναία, Tempel, Strab. IV 178. 181. 182; nach Plin. n. h. III 23 zu urteilen, vielleicht phokaeischen Griechen gehörig. –

2. Erytheia hat eine Insel Aphrodisias (s. d. Nr. 9) zwischen Iberien und Gades.

XL. Heilige Tiere, Pflanzen etc. und Opfer.

Die Wölfe, Löwen, Bären, Panther der [2767] idaeischen A. μήτηρ θηρῶν s. Homer. Hym. IV 68. Pferd: XXV 3; vgl. die χρυσάνιος A., Soph. O. C. 693 Dind. Rind, Kalb: III 1 b. XXIX 16. XXXIII 8. XXXVI 1. Bock: III 1 d. IX 2 b. XXIX 1. XXXVI 1 (Ziege); vgl. Boehm Arch. Jahrb. IV 1889, 208ff. Lamm: XXIX 1. XXXVI 1. Widder: Bethe Arch. Jahrb. V 1890, 27ff. Schwein: I 3 b. V 5 a. E. XXI 4. XXVII 3. XXIX 1. 16; nicht für die A. Urania: Fest. p. 310 s. suillum. Sprichwörtlich Ἀφροδίτῃ ὗν τέθυκεν· ἐπὶ τῶν ἀχαρίστων, Apostol. IV 59. Arsen. VI 51. Diogen. Vind. I 89; der A. wegen des (Todes des) Adonis verhasst und darum beim Opfer von vielen Hellenen vermieden: Schol. Arist. Acharn. 800. Löwin, Sphinx: II 1. XXI 3. XXV 4. XXVII 1. Hase: VIII 5. XXVIII 3. Philostr. imag. I 6. Stengel Herm. XXII 1887, 95. Delphin: VII 10 b. Stephani Compte Rendu 1864, 219. Furtwängler Sammlung Sabouroff LXXVI. Arch. Anz. IV 1889, 90. Taube: I 3 b. II 7. III 1 d. 12. IV b. XVI 1 b. XXII 2. 3. 6. XXIX a. E. XXXVI 1; vgl. Pherekrat. bei Athen. IX 395 B (Luftfahrt). Dunkle Wildtaube (τρήρων πελειάς) Apoll. Rhod. III 541; vgl. 550. Weisse Edeltaube der A.: Alexis Συντρέχοντες frg. 214, Kock CAF II 375 (περιστερά, vom περισσῶς ἐρᾶν, λαγνόν genannt, Apollod. π. νεῶν frg. 19, FHG I 43), in Hellas eingeführt nicht vor 490: Charax FHG I 32, 3; in Vorderasien nicht vor 600: Hehn Kulturpflanzen und Haustiere⁶ 395ff. vgl. Schol. Stat. Theb. IV 226. Myth. Vat. I 175 und über Sikyon Imhoof-Blumer und Keller Tier-und Pflanzenb. 33; über die altmykenische Taubengöttin s. den kunstmythologischen Teil (G I 4). Sperling: Sappho frg. 1 Bgk. Eustath. Il. II 308 p. 183 (Opfertier). Schwan: XVIII 2 b. XXIII 6 a. XXXVI 7. Rebhuhn und Schwalbe: Aelian. n. a. X 34. Gans: ebd. und Lyd. de mens. IV 44. Wasserhuhn (φάληρις): Eustath. Il. I 206 p. 87, 10. Arist. Av. 565 (wegen der Ähnlichkeit mit dem φάλλος, Athen. VII 325 B; nach Eust. auch διὰ τὴν λευκότητα τὴν ἐν σπέρματι ζωικῷ, weil φάλιον (φάλαρα) = λευκὸν ist). Wendehals (Iynx): Pind. Pyth. IV 380ff. mit Schol. (von A. zuerst aufs Rad geflochten und zum Liebeszauber für Iason gegen Medeia gebraucht). Schol. Theokr. II 17. Vogel allgemein: XXI 4. Fisch πόμπιλος, mit A. zusammen geboren als ζῷον ἐρωτικόν im Meer aus den αἰδοῖα des Uranos: (Epimenides) Telchinengesch. bei Athen. VIII 282. Sardelle (ἀφύη = ἀφρύη) wegen der gleichen Meer- und Schaumgeburt: Athen. VII 325 B, vgl. 284 F. Eustath. Il. p. 87, 35. Schildkröte IX 2 a. Ruderpolyp (Nautilos) V 3. 9b. XXXIII 10. Seeohr V 6. Muscheln überhaupt: O. Jahn S.-Ber. d. sächs. G. d. W. 1853, 18ff. 1855, 80ff. Stephani C. R. 1864, 219ff. Tümpel Philol. N. F. V 1892, 385ff.

Myrte: III 1 d. V 9 a. VIII 5. XXVI 1. XXXIII 9. Ovid. Fast. IV 143 (sub myrto gebadete Statue, weil A. durch einen Myrtenzweig ihre Blösse vor den Blicken der Satyrn schützte, nach griechischem αἴτιον). Vgl. V. Hehn Kulturpflanzen⁶ 216ff. (aus orientalischem Kulte stammend). Lorbeer XXXVIII 6. Silberlinde (φίλυρα): I 1 b. Zweige allgemein: XXIII 6 a. Granatapfel: VI 2. XXIII 2. XXVI 7. XXIX 10; so auch der Parisapfel nach Hehn Kulturpflanzen⁶ 233, während nach S. 241 im Atalantemythos die χρυσέα [2768] μῆλα der A. kydonische (Quitten) waren; vgl. die εὔκαρπος Κυθέραια Soph. frg. 879 Dind. und die κάρπωσις θυσία Hesychs (s. o. XXIX 16). Veilchen: Homer. Hym. VI 18 (A. ἰοστέφανος). Solon frg. 19, 4. Lilie, durch einen dem ὄνου μόριον ähnlichen Stempel bestraft für ihren Streit mit der Dionetochter A., Nikand. Alex. 409 mit Schol. und Euteknios. Lattich: XXI 3. Amarakos: XXIX 15. Mohn: VI 2. Rose: III 1 b. Paus. VI 24, 7; aus A.s Blut entstanden: Tzetz. Lyk. 831. Philostr. ep. I. Bion I 65f., wo A.s Thränen zu Anemonen werden. Mandragora: Hesych. s. Μανδραγορῖτις; vgl. unten D. Ἀφροδίτης βλέφαρον = παιδέρως: Plin. XXXVII 123; vgl. VI 2. Binse: Tzetz. Lyk. 832. A. mit Blumen und Kränzen allgemein: Kyprien frg. 3f. Ki.; vgl W. Gurlitt Arch.-epigr. Mitt. II 1878, 194ff., vgl. 159ff. Nephalia (Mohn, Honig, Wasser, Milch; kein Wein) nur in Theben, III 1 b; vgl. Jahrb. f. Philol. Suppl. XI 1880, 734ff. Kein Epheu: Plut. qu. Gr. 112 (vgl. II 1 a). Kein Buchsbaum: Cornut. de nat. deor. 23 a. E. Salz: XXIX 1. Wein floss sonst reichlich bei den Aphrodisien, wie schon die sprichwörtliche Verbindung der A. mit Dionysos, der Liebe und des Rausches, nahelegt. Aristophanes (frg. 596, CAF I 543 Kock) nannte ihn γάλα Ἀφροδίτης, und Philostratos brauchte Ἀφροδίσιον für ein καπηλεῖον. A. selbst wird im Orph. Hymn. 55, 22 eine θυιάς genannt. Vgl. die Γένεσις Κυπρίας (oder Κυπρίδος) genannte kyprische σπονδή (Hesych. s. v.). Aus Ziegenkäse und Honig bestand das πόπανον laut dem Ἀφροδίσιον (Hs. Ἀφροδισιος) des Antiphanes frg. 52, CAF II 31 Kock; aus geröstetem Weizen und Honig wohl der πυραμοῦς, der nach der Nachtfeier an die A. Πάνδημος den Tetradisten (s. d.) zu teil ward: Menandros Κόλαξ CAF III 82ff. Ähnlich waren wohl die Bestandteile des Σίρβηνον πόπανον (Hesych. s. v.). Gold: XXI; vgl. die vielen mit χρυσὸς zusammengesetzten Beinamen bei Bruchmann Epitheta deorum 69ff. – Andere Attribute: Ihr κεστὸς ἱμὰς ist bei Homeros (Il. XIV 214ff. u. ö.) ein Zaubergürtel, der seiner Trägerin, einmal Hera (a. O.), auch versteckt getragen, unwiderstehlichen Liebreiz verleiht; die Kontroversen der alten Erklärer s. in Ebeling-Capelles Homerlexikon unter κεστός. Gleichsetzung mit der samothrakischen πορφυρίς: Crusius Beiträge 23; vgl. o. XIX 4; der thrakischen ζείρη, ζειρά, ζεῖρα (Eust.) o. XVI 2. Δίκτυα der A. kennt Ibykos frg. 2 Bgk. Bewaffnung s. o. XXIII 2. 7. VIII 1. 3 a α. c. V 5 d. VI 1 a. XXIX 19 (nach v. Wilamowitz Eurip. Herakl. I 315, 85 ein Anzeichen, dass diese Ἀρεία eigentlich eine peloponnesische Ἀθάνα ist); Apollon. Rhod. I 743 (im Schild des Ares sich spiegelnd), dazu Schol. zu v. 763 (ein Symbol für die ἔρωτές τε καὶ πόλεμοι in den Städten). Anth. Pal. IX 321. XVI 177. 176. 171 (Epigramme des Philippos, Antipatros, Leonidas auf die spartanische A. in Waffen). Vgl. über die Attribute überhaupt den kunst-mythologischen Teil.

XLI. Festzeiten.

In Thessalien der Monat Ἄφριος, entsprechend dem attischen Elaphebolion, dem boiotischen Agrionios (Bischoff Leipz. Stud. VII 319. 334), also Ende März, Anfang April; in Bithynien vom 24. Juli ab: vgl. XXV 1. So auch das delische Fest (XXII 6) im Hekatombaion = Juli [2769] – August am Jahresanfang. Im Frühjahr wohl auch auf Kypros, wo später seit der Kaiserzeit der Ἀφροδίσιος im September und October lag (s. o. XXIX z. Anf.). In Theben die Brumalzeit (II 1 a). Vgl. oben I 1 a. 2. 5. V 5 c XXV. XXVI 14. XXIX 16 (Gorpiaios). Der 4. Monatstag A. und Hermes geheiligt: III 1 d; bei den Pythagoraeern der 6.: Jamblich. v. Pyth. V 152. Lobeck Agl. 432. Da im orphischen Hymnos 55, 2 A. (φιλοπάννυχις heisst, so mag man beim sicilischen Frühlingsfest des Pervigilium Veneris an eine dortige παννυχὶς der A. denken. Vgl. die Nachtfeier der Tetradisten (XL a. E.) und die Schilderung des Hetaerentreibens in Eubulos παννυχίς frg. 84, CAF II 193 Kock. Κωμάζειν an den Aphrodisien ausser in Theben (vgl. o. II 1 a) zu Korinthos (VI 1 c): Alexis Φιλοῦσα frg. 253, CAF II 389f. Himerios or. I 5; daselbst III 2 am Abend Tänze der A. zu Ehren (vgl. Horat. carm. I 4, 5 bei Mondschein mit den Chariten).

B. Mythos, Dichtung, Philosophie.

Das physische und das ethische Machtgebiet der A. ist im Kult fast unbeschränkt. Als Ahnmutter alter makedonisch-thrakisch-troischer (Aineiaden-) wie thebaisch-attisch-rhodisch-nordaegaeischer (Kadmeionen-)Geschlechter, der keine Seite des menschlichen Lebens und Wesens in Familie und Staat fremd ist, erscheint sie universal genug und geeignet, um einst als Stammgöttin eines Sonderstammes die verschieden gestalteten religiös-ethischen Bedürfnisse eines solchen befriedigt haben zu können (II 1 a. E. I 1. 4. 6. III 1 b. 11. V 7. XXIII 6 u. ö.). Bei Homeros erscheint das Wesen der δῖα ἐυστέφανος χρυσέη κούρη Διὸς schon beschränkt auf das Gebiet einer Beschützerin der Liebe und zwar der geschlechtlichen (als Helferin der Hera, bei der idaeischen Schäferstunde, und des Paris, bei der Verführung der Helena); als Göttin der Schönheit und Siegerin im Schönheitswettstreit mit Hera und Athena vor Paris (Il. XIV 29ff.); Freundin des Putzes (Il. IX 389. III 397. V 535: πέπλος der Chariten. Od. XXII 470: κρήδεμνον an Andromache); Vorsteherin der Ehe (Od. V 429. XX 74. XXII 470) und κουροτρόφος (bei den Töchtern des Pandareos, Od. XX 67ff.; vgl. Anth. Pal. VI 318), woraus sich die späteren verschiedensten Theokrasien mit ähnlich gearteten Hellenen- und Barbarengöttinnen erklären. Auch der thessalische Ursprung der Κύπρις und Κυθέρεια scheint bei Homeros, wie im Altertum überhaupt, über den neueren berühmteren und durch Bilderdienst ausgezeichneten Kultstätten vergessen. Aber die homerische Abstammung von Zeus und Dione (Il. V 370) bezeugt thessalische Heimat (I 6 a. E.), während der Beiname χρυσέη schon den lesbischen Kult angeht (XXI 1). Dem lemnischen Mythos von A.s Ehe mit Hephaistos zu Liebe ist die alte thebaische mit Ares, die auch in dem Zwölfgöttersystem sich als ständige Paarung erhalten hat, in der Odyssee (Demodokos-Gesang VIII 267ff.) in Ehebruch verwandelt. Begleiterinnen sind seit der Ilias V 338 (Od. XVIII 192) ständig die Chariten geblieben (wegen Orchomenos: s. o. II 4) und Eros. In den Kyprien des Stasinos windet A. Kränze (frg. 4 Ki.), und ihre Gewänder sind getaucht in die Fülle der Frühlingsblumen: Krokos, Hyakinthos, Narkissos, Rosen und Lilien [2770] (frg. 3), wie bei Hesiodos (Theog. 194) unter den Füssen der eben Geborenen Blumen spriessen. Von den homerischen Hymnen feiert der vierte die aineiadische A. als Geliebte des viel älteren Anchises, eng verflochten in epichorische Königsgenealogien (Otreus, Askanios: vgl. o. XXV 1), als idaeische μήτηρ θηρῶν, umgeben von Wölfen, Löwen, Bären und Panthern (68ff.), durch ἵμερος zwingend Götter und Menschen zu wechselseitigen Mischehen und Liebschaften, sowie alle Kreatur zu Wasser und zu Lande (3f. 72ff.). Die Beinamen gehen sämtlich auf den Schmuck. Der hesiodische Mythos (Theog. 191ff. = Hom. Hym. VI) lässt A. geboren werden aus dem Meerschaum, in dem die Flut aufwallt, als die von Kronos Sichelschwert abgeschnittenen Zeugungsteile des Uranos, Gatten der Gaia, bei Kythera ins Meer gefallen waren. Er will also mit einem Schlage die Beinamen κυπρογενής, κυθέρεια, ἀφροδίτη (= ἀφρογενής), φιλομμηδής (von μήδεα = φιλομμειδής?), οὐρανία und πελαγία, wohl im kyprischen Localmythos, erklären und setzt somit deren tatsächlichen Gebrauch voraus (die Ausspinnungen siehe bei Robert-Preller Gr. Myth. I 353, 2. 3) Auf den Mythos bezieht sich wohl der Tanz Ἀφροδίτης γοναί, Luk. de salt. 37; vgl. die gleichnamigen Komödien des Nikophron (frg. 1–4, I 775 Kock), Polyzelos (I 789; vgl. 775), Antiphanes (frg. 55) und Philiskos (II 443; vgl. 33 Kock). Auch die Γένεσις Κυπρίας (Κυπρίδος?) genannte kyprische σπονδὴ Hesychs (s. o. XL) knüpft hier an. Schon der Demodokosgesang der Odyssee verlegte Bad und Tanz der A. nach Kypros (Od. XVIII 293). Die Theogonie kennt Eros und Himeros als Begleiter der A. (201; vgl. Ibykos frg. 1: Eros ihr Vorläufer), die Entführung Phaethons durch A., die den δαίμων δῖος zu ihrem νηοπόλος macht (986ff., vgl. o. XXIX a. E.); ferner die Erzeugung des Telemachos mit Odysseus (1014). In den Ἔργα καὶ ἡμέραι wird die Ausstattung der Pandora, der ersten Menschenmutter, durch A. mittels χάρις, πόθος und μελεδῶνες erzählt (65). Die Ehoien hatten u. a. A.s Rache an Atalante und Hippolytos, vgl. o. II a. E. Dem Mimnermos ist die Göttin der Liebe, A. χρυσῆ, zugleich Göttin der Jugend (ἥβης ἄνθεα ἁρπαλέα) bei Männern und Frauen (frg. 1, 1–5). Sappho feiert die A. als βραδίνα (frg. 90), πότνια, μάκαιρα (frg. 1, 4. 13), πολύολβος (frg. 59), ποικιλόθρονος δολόπλοκος (frg. 1, 1f.), auf sperlingbespanntem goldenem Wagen fahrend (1, 8ff.) und mit Peitho als Dienerin (57 a) oder Tochter (135), Eros als Sohn (von Uranos 132, vgl. 117) oder θεράπων (74). Bei Stesichoros (frg. 56, 2ff.) wird A. ἠπιόδωρος von Tyndareos beim Opfer vergessen und straft ihn durch mehrfache Verheiratungen und Ehetrennung der Töchter. Simonides (frg. 43) nennt A. und Ares als Eltern des σχέτλιος παῖς Ἔρως. Hipponax (frg. 120) hat den (phrygischen) Synkretismus A. Διὸς Κούρη Κυβήκη (vgl. o. XXV a. E. und Hesych. s. Κυβήβη). Pindaros berichtet von dem Patriotismus der korinthischen Hierodulen der A. Πειθώ (frg. 122, 14, vgl. o. VI 1 c), von der ἀργυρόπεζα A. (von Barka) als Empfängerin der von Apollon geliebten Kyrene, und von A. ἐύθρονος als Beherrscherin der weiblichen ὀπώρα (Isth. II 7). Ähnlich nennt Aischylos sie παραίτιος der δενδρῶτις ὥρα τέλειος und αἴτιος der [2771] Allschöpfung durch die Liebeszeugung von Uranos und Gaia (Danaid. frg. 41; vgl. Hiket. 1001). Die Macht der αἰολόμητις θεὰ ist nächst der des Zeus die grösste (1037ff.). Sophokles kennt sie als χρυσάνιος (OC. 693), εὔκαρπος (frg. 879 Dind.), ἄναυδος ἀμφίπολος εὔλεκτρος (Trach. 860. 515), täuschend den Zeus, Poseidon, Hades (497–516). In der κρίσις (frg. 330 Dind.) lässt er sie dem Paris erscheinen salbenduftend und sich spiegelnd. Dem Euripides ist die homerische Dionetochter A. als Beschützerin des Paris (Rhes. 646) und Erregerin des troischen Krieges eine δόλιος πολυκτόνος (Hel. 238), Besitzerin des βέλος, das ihr κλῃδοῦχος (Hipp. 539) Eros entsendet (532), ἄπληστος κακῶν, Erfinderin arglistiger Täuschungen (1102), δολόφρων (I. A. 1301), δεινή, οὐκ εὔχαρις (Med. 640. 632. 835ff.; vgl. o. III 1 b). Auch die hesiodische δέσποινα ποντία (Hippol. 522) ist ihm, weil sie, in Erde, Luft und Meer gleichermassen zu Haus, als Spenderin des ἔρως und Schöpferin aller Menschen diese überall mit ihrem Drange verfolgt und verwirrt (440ff.), eine πανοῦργος (1400; vgl. 1327 und o. III 1 b). Im Phaethon freilich (frg. 771–784) ist die Διὸς κούρη Οὐρανία Ἐρώτων πότνια γαμήλιος θεῶν καλλίστα (frg. 381, 15ff.) die Gattin ihres Lieblings Phaethon (v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 396–434. 416) in freier Anlehnung an Hesiodos. Die Orphika feiern die pantheistische A. als Herrin über Himmel, Erde und Meer im Hymn. 55, 13ff., der zugleich die reichste Sammlung von Beinamen bietet (so v. 7 πάρεδρος Βάκχου, 3 δολόπλοκος, 2 γενέτειρα); vgl. frg. 101 Abel: παρθένος αἰδοίη. Bei Proklos zu Plat. Kratyl. p. 116 ist eine von Ζῆλος und Ἀπάτη empfangene hesiodische A. unterschieden von einer anderen, die entsprossen ist aus dem ins Meer gefallenen Samen des Zeus bei Gelegenheit seines vergeblichen Liebesangriffes auf Dione. Dagegen formulierte Platon (symp. 180 D) den Gegensatz zwischen Homers und Hesiods A. so: (I.) die ältere mutterlose A. Urania, Tochter des Uranos, (II.) die jüngere A. Pandemos, Tochter des Zeus von Dione (vgl. Xenoph. symp. VIII 9), jene von einem Eros οὐράνιος, diese vom Eros πάνδημος unterstützt (180 E). Cicero (n. d. III 59) giebt der ‚schaumgeborenen A.‘ Hermes zum Gatten, den zweiten Cupido zum Sohn, der Dionetochter aber homerisch Hephaistos zum Gatten, Ares zum Buhlen, Anteros zum Sohne, schickt aber voraus die eleische Tochter des Caelum und der Die (Schwester des Hermes, III 56) und lässt als vierte folgen die syrisch-kyprische Adonisgattin Astarte. Mit der zunehmenden Neigung zu erotischer Motivierung drang A. auch in solche Mythen ein, die ihr ursprünglich fremd waren, besonders seit dem Hellenismus; parallel lief die pantheistische Deutung ihrer allumfassenden, schöpferischen, erregenden Götterkraft durch die Philosophie. Empedokles hatte zuerst sein Princip der φιλότης (γηθοσύνη, στοργή, ἁρμονία) auch Ἀφροδίτη, Κύπρις benannt (66ff. 85. 368 Stein) und liess diese vor der Herrschaft des πῦρ (ξηρόν) im ὄμβρος (ἡδέα ποιπνύουσα) walten (bei Simplic. de caelo 507 e ed. Brandis). Vorausgegangen war ihm in dieser Speculation vielleicht der Eleat Parmenides, falls Plutarch (Amator. 12f.) richtig A. als Subjekt ergänzt hat zu dem Vers πρώτιστον μὲν Ἔρωτα θεῶν μητίσατο πάντων. Ethisch formulierte den [2772] Begriff ihres Wesens Platon (s. o.), politisch den der A. Πάνδημος Apollodoros (s. o. III 1 d) und Plutarchos (Pelop. 18f. im Hinblick auf den Nutzen der ἐρασταὶ und ἐρώμενοι in der heiligen Schar der Thebaier für den Staat). Die Pythagoreer (theol. arithm. p. 33) nennen die Fünfzahl auch A. (sonst auch γαμηλία, ἀνδρογυνία, ἡμίθεος), und zwar διὰ τὸ ἐμπλέκεσθαι ἀλλήλοις ἄρρενα καὶ θῆλυν ἀριθμόν (vgl. u. B a. E. und o. V 5 d. XXIX 19 die A. ἀρσενόθηλυς). Ein neues Ferment bildete auch die zuerst bei Platon auftauchende Kenntnis der orientalischen Geltung der A. als Gestirn: XXX 7. Plat. Tim. 97 A; Epin. 987 B. Sext. Emp. adv. math. V 29. Nonn. Dion. VI 242. XLI 345. Plut. plac. phil. II 15. Lukian. astr. 22. Hygin. p. a. II 42 (Fabel von den Planeten Venus und Mars). Schol. Hesiod. th. 990. Varro bei Serv. Aen. I 382. II 801 in der Aineiassage; vgl. Kalkmann Arch. Jahrb. I 1886, 238, 53. 241ff.; über die Beziehung des Planeten Venus zur Astarte Movers Phoen, I 606. – Sprichwörtlich (vgl. auch o. S. 2767, 8ff.): Ἀφροδίσιος ὅρκος (οὐκ ἐμποίνιμος), Plat. symp. 183 B. Apostol. IV 56. XVI 23. Arsen. VI 49. Makar. VI 47. Hesych. s. v.; zuerst bei Hesiod. frg. 4 aus Schol. Plat a. O.: ὅρκον... ἀμποίνιμον (E. Schwartz De Dionys. Scytobr., Bonn 1880, 63; Hss. ἀμείνονα, ἀπήμονα) ...ἔργων πέρι Κύπριδος. In anderen Sprichwörtern und Wendungen ist A. zu einem Abstractum derselben Bedeutung wie venus herabgesunken. Überhaupt führte die fortschreitende Erschliessung der orientalischen Kulturwelt zu einer Reihe Theokrasien mit ähnlichen Göttinnen fremder Völker; nach dem grossen Mischungsprocess auf Kypros zuerst deutlich bei Herodotos (vgl. o. XXXII. XXXV. XXXVIII, aber auch schon XVI–XVIII). Die Vorstellung der A. als einer allgegenwärtigen Naturmacht, seit Jahrhunderten eingebürgert, kam dem entgegen und trieb neue Blüten zum Teil wunderlicher Mythologeme; zu den schon oben eingeflochtenen vgl. noch des Theopompos Ansicht (frg. 293, FHG I 328), dass die ‚westlichen Völker‘ die Persephone als Frühling, A. als Sommer, Kronos als Winter auffassen, und diesen mit A. das All zeugen lassen; sowie des Philochoros Gleichsetzung einer angeblichen kyprischen mann-weiblichen A. barbata (XXIX 19) mit dem Monde (frg. 15, FHG I 387, vgl. die A. ἀρρενόθηλυς des θεολόγος bei Lyd. de mens. I 10 und die Artikel Aphroditos und Hermaphroditos). Eine Zusammenstellung physischer und ethischer Ausdeutungen mit Hülfe der Beinamen (die man unter den besonderen Artikeln behandelt findet), s. bei Cornutus n. d. 24 mit Osanns Commentar.

C. Etymologien.

Ausser 1. der hesiodischen (Theog. 196) vom ἀφρὸς des Meeres und δι=δύω (Eust. Il. III 261 p. 413, 11. Choirobosk. bei Cramer An. II 170. Platon Krat. 406 C. Mosch. Id. II 71. Bion Id. IX (XVI) 1 ἀφρογένεια) und 2. der des Euripidesscholiasten (s. S. 2729, 16) von ἁβροδίαιτος sind zu erwähnen 3. von ἀφροσύνη (ἐν τοῖς ἐρωτικοῖς πάθεσιν): Euripides Troad. 990. Cornut. 24. Alleg. Homeric. Et. M. p. 179, 10ff. Aristoteles bei Eustath. Il. III 275 p. 414, 37; 4. von den ἀφρώδη σπέρματα τῶν ζῴων ἐν τοῖς συνουσίαις: Cornut. a. O. Schol. Eur. Troad. 990; 5. = [2773] ἀφόρητος, Schol. Eurip. Troad. 990 mit Berufung auf Eurip. Hippol. 443: οὐ φορητός. Vgl. Ἀφοροδίτα S. 2729, 14. Neuere zunächst aus semitischen Wurzeln: Scheiffele 1. Aufl. dieser R.-E. Schwenck Myth. IV 211 (von parah mit der Bedeutung der Fruchtbarkeit). Röth Gesch. d. Philos. I 252. Preller G. M. I² 263 (von assyr. perida = ,Taube‘, phoinik. mit Artikel aphʿrudet). Hommel Jahrb. f. Philol. 1882, 176 (von Ashtoreth = Ἀστάρτη); aus indogermanischen: Leo Meyer Bemerkungen zur älteren Gesch. d. griech. Myth. 36 (von scr. bhrâj = ‚leuchten, glänzen‘ mit prothetischem Vokal). Enmann Kypros 69f. (von scr. bhrac- ‚blinken‘ und diti = ‚Schein‘, ,Glanz‘, oder einem indogerm. tnd-, dnt- = ‚schlagen, Feuerschlagen‘) als eine indogermanische ,Feueranzünderin‘ (vgl. L. v. Schröders Erklärung der A. als einer indischen Apsaras, Griech. Götter und Heroen, I, Aphrodite, Eros und Hephaistos, 1881). Wenn man Ἀφορ(ο)διτα durch Metathesis erklären dürfte, empföhle sich am meisten P. Kretschmers Erklärung als ἀφρ-ὁδίτη (von ὁδίτης wie ταμίη: ταμίης = ,auf dem Schaum hinwandelnd; eine aus griechischer Hymnenpoesie stammende Bezeichnung‘ (Ztschr. f. vgl. Sprachf. XXXIII 1893, 267).

D. Beinamen.

Νach Lyd. de mens. IV 44 fast 300 (vgl. Theokrit. XV 109 über A.s Namenreichtum), s. unter den im folgenden genannten Artikeln, beziehungsweise unter den angegebenen Nummern dieses Artikels. Ἅγνη XXII 6. Ἀγχισιάς XXV 6. Ἄδικος, Ἄδιξ XXXIV. Ἀδωναίη Orph. Arg. 40; Ἀδωνίας Nonn. Dion. XXXIII 25. Αἰνειάς I 4. 6. XIII. (XVI). Ἀκαμαντίς XXIX 4. Ἀκιδαλία II 5 a. Ἀκραία V 9 b. XXVI 21 c. XXIX 13; Ἀκρία V 5 a. Ἀλεντία (Ἀλέντα) XXVI 8. XXXVIII 3. Ἀλιλάτ XXXII. Ἀμβολογήρα VIII 3 f. Ἀμυκλαίη VIII 1 a. Ἀναδυομένη IX 2 c. XXIII 4. Ἀναῗτις XXX 10. XXXII. Ἀνδροφόνος I 3 a. V 5 d. Ἀνθεία XXIII 8 a. Ἀνοσία I 3 a. Ἀπαρνίς XXV 11. Ἄπαρχος III 10 a. Ἀπάτουρος, Ἀπατουρίη, Ἀπατουριάς XVIII 1 a. b. 2 b. Ἀποστροφία II 1 a. VII 10 b. Ἀργυννίς II 5 b. Ἀργυρόπεζα B. Ἀρεία VIII 3 b. Ἀρέντα VIII 3 b. Argiva V 5 f. Ἀριάγνη XXIX 16. Ἀριοντία VIII 3 b. Ἄρμα II 3 b. VIII 3 b.Ἀρρενόθηλυς B a. E. Ἀρτακία XXV 12. Ἀρτίμπασα XVIII 2 a. Ἀρχαίη XXII 6. Ἀσσυρίη XXXII. Ἀσχημοποιός V 5 d. Αὐτομάτη XXVI 10 b. Ἀφακῖτις XXX 7. Ἀφρογενής, Ἀφρογένεια C. Ἀφροδύτη C. Ἀφρείη XVII 2 a. XXXV. Ἀφρώ XXXV. – Βααλτίς, Βήλθης XXX 11. Βαιῶτις XXXVI 8. Βασιλίς XXXVIII 1. ἐν Βάσσαις V 9 c. Βέρβεια XXIX 10. Βελιστίχη XXXIII 11 b. – Γενέτειρα Orph. Hym. 55, 2 (Γενέτειρα Ἁρμονίης Nonn. Dion. XLVI 351). Γενετυλλίς III 9. 11. – Διώνη XXVI 20. Διωναίη Orph. Arg. 1323. Dionys. Per. 509. 853. Δωρῖτις XXVI 22 a. – Ἔγχειος XXIX 19. Ἑκαέργη XXII 2. Ἐλεήμων XXV 19. XXIX 19. ἐν Ἕλει XXII 9. Ἑλικῶπις XXXVI 6. Ἐναγώνιος III 1 k. Ἐνόπλιος VIII 3 c. Ἐπήκοος XXV 16. 22. 25. XXVI 17. XXX 9. XXXV. Ἐπιδαιτία XXVI 10 b. Ἐπιστροφία IV a. Ἐπιταλάριος in Rom: Plut. fort. Rom. II 10. Ἐπιτραγία III 1 d. Ἐπιτυμβιδία II 3 a. Ἐριέντης Hesych. s. v. Ἐρινύς Ἀ. ἢ (Ἀφροδίτης?) εἴδωλον Hesych. s. v. Ἐρυθραίη XXXII. Ἐρυκίνη VII 6. XXXVI 1. Ἑταίρα III 1 d. XXVI 4. 10 a. Εὐδωσώ XXXVI 8. Εὔκαρπος B. Εὐμενής Hesych. s. v. Εὐπλοία III 10 c. XXVI 15. 22 b. XXVII 4. XXVIII 1. [2774] Ἔφιππος XXV 3. – Ζειρήνη XVI 2. Ζεφυρῖτις XXXIII 10. Ζηρινθία XVII 1. 6. – Ἡγεμόνη Hesych. Ἠπιόδωρος VIII 3 a β. Ἥρα VIII 3 d. – Θαλασσαία XVII 3. Θραικία XVII 6. Θριδακίνη (mit Bezug auf den Adonismythos) Kallim. frg. 371 Schn. – Ἰδαίη XXV 3. Ἰνδῴη XXXII. Ἱπποδάμεια XXV 3. Ἱππολυτία III 1 d. – Καβειρώ XX. ἐν Καλάμοις XXII 9. Καλιάς III 11. XIX 1. Καλλίγλουτος, Καλλίπυγος XXXVI 8. Καλλονή XIX 3. XXI 1. Καστνία XXVII 3. Καστνιῆτις I 3 b. Κατασκοπία V 9 a. ἐν Κήποις III 1 b. Κνιδία III 10 c. Κουροτρόφος B. Platon. com. frg. 174, 7 Kock. [Soph.] bei Athen. XIII 592 A, PLG II⁴ 248 Bgk. Κτήσυλλα XXII 2. Κυθέρεια XXIII 7. Κυβήβη, Κυβήκη XXV a. E. Κύπρις, Κυπρογένεια XVII 3. XXIX. Κωλιάς III 11. Κωλῶτις III 11. ἐν Κωτίλῳ VII 9. – Λαδωγενής VII 5. Λαμία II. 1 b. Λέαινα III 1 l; vgl. III 1 e. Λιβανῖτις XXX 6. Λιμενία V 7. Λουομένη XVII 5. Λυκείη Orph. Hym. 55, 11. Λυκίη XXVII 1. – Μανδραγορῖτις Hesych. s. v. (von der οἰνικὴ ὑπνωτικὴ βοτάνη; vgl. XL). Μέλαινα II 2. Μελαινίς VI 1 c. VII 3. Μελιναία V 12. Μηχανῖτις VII 10 a. Μιγωνῖτις VIII 6. Μίτρα XXXII. Μόλις XXXII. Μορφώ V 9 a. VIII 3 a β. XXIX 6. Μυκηροδία XXIX 2. Μύλιττα XXIII 7. XXXII. Μυχία XXII 4. – Νέμεσις III 1 b. 8. Νηλεία I 5. Νικηφόρος I 3 b. V 5 c. d. XXVI 5 b. Νυμφία V 8. – Ξείνη XXXIII 5. Ξενική III 11. – Ὀλυμπία VIII 3 e. XXVII 1. Οὐρανία II 1 a. III 1 b. c. 2. 10 d. V 5 b. VI 1 c. 4 a. VII 10 b. IX 2. (XVI 1 c). XVIII 2 a. b. XXII 8. XXXI 1. XXXVI 3. – Πάνδημος II 1 a. III 1 d. VII 10 b. IX 2 b. XVII 5. XXVI 6 a. 15 b. XXXIII 9. Πασιφάεσσα I 6. Παφία VII 4 b. XXIX 1. 7. 14. Πειθώ I 4. V 1. VI 1 c. XXI 4. Περιβασίη, Περιβασώ V 5 d. Περσιθέα Hesych. s. v. ἐν Πλινθίῳ VII 4. Ποντία V 7. XXIII 6 a. Πόρνη XXV 10. Πρᾶξις IV b. Πυθονίκη III. 3. Πυρηναία XXXIX 1. – Σαλαμβώ XXXII. Σκοτία XXIII 8 f. Στρατεία XXVI 15 c. Στρατονικίς XXVI 5 b. Συμμαχία VII 1 b. Συρία III 10 d. VI 4 b. XXX 11. Σώσανδρα III 1 e. – Τρυμαλῖτις Hesych. s. v. Τυμβωρύχος V 5 e. Τυρρηνία = Turan XXXVIII 6. – Φερσεφάασσα I 6. Φίλα III 3. 7. Φιλομμειδής, Φιλομμηδής B. – Χρυσάνιος III. 6. Χρυσῆ I 1 b. III 1 b. XXI 1. XXXIII 8. XXXVI 1. – Ψίθυρος III 1 i. Die poetischen Epitheta s. bei Bruchmann Epitheta deorum 1893.

E. Beziehungen zu Heroen und anderen Göttern.

Sie sind, soweit sie nicht im obigen behandelt sind, unter folgenden Artikeln behandelt (St. = Stifter eines Kultes; M. = Mutter; G. = Gatte, Geliebter; B. = Bruder; Sch. = Schwester; S. = Sohn): Adonis G., vgl. o. III 10 e. V 5 f. XVII 3. XXVI 13. XXVII 2. XXIX 1. 10. XXX 5. Aërias St. XXIX 1. 16. Agamemnon II 5 b. Agapenor St. XXIX 1. VII 4 b. Aigeus St. III 1 b. Aineias S. I (4). 6. VIII 5; St. XII. XIII. XIV. XVI. XVII 3. XIX 4. XXIII 7. XXV 2. 3. 5. 6. 9. XXXVI 1. 2. 3. XXXVIII 5. B. Alexis St. XXVI 10 b. Aloaden (verbündet mit A.: Homer. Il. V 385; vgl. M. Mayer Giganten u. Tit. 47). Amathos St. XXIX 16. Anaxarete XXIX 8. Anchises G. VII 1. XVI 1 a. XXV 1. 7. 9. B. Anteros S. s. B. Antiope VI 2. Aphr(i)os Vater I 1 a. Apollon VI 8 a. c. VII 9. XVII 3. XXI 1. XXII 6. XXIII 6 c. XXV 8. XXIX 1. Arachnos I 4. Ares G. II 1 a. III 1 a. h. i. [2775] V 5 f. VI 8 a. VII 8. 10 b. XVIII 1 c. XX. XXIII 8 b. c. d. e. XXV 11. XXVI 10 c (vgl. Art. Adonis). Argynnos II 5 b. Argyra VI 7. Ariadne V 5 b. XXII 6; vgl. XXIX 16. Arsinoë XXIX 8. Artemis VI 8 d. VIII 1 b. c. 3 c. Asklepios VI 3. 4 a. XXIII 4. Astynome M. I 1 b. Atalante II a. E. XXIX 10. Atalla St. XXXVI 1. Athena III 1 b. VI 6 b. VIII 1 c. 3 b. XXV 2. – Belela III 10 d. Beroë XXX 11. Briseïs XXV 3. Butes XXXVI 1. 4. – Charites T. II 5 a. XXII 5. XXXV. B. – Daeira III 11 a. E. Danaïdes St. V 2. 5 d. Deimos S. II 1 a. Demeter III 10 e. VI 5. Despoina VII 8. Dexikreon XXII 9. Die s. Hemera. Diomedes St. V 9 a. Dione M. I a. E. III 1 b. XIV 1; vgl. D u. d. W. Dionysos G. II 5 a. III. 6. IV a. V 2. 5 b. VI 5. VII 3. XXII 6. 7. XXV 11. XXXII. – Eileithyia VI 5. IX 2 a. Entella s. Atalla. Enyalios V 5 d. Erinyes Sch. III 1 b. Eros II 2. III 1 b. d. i. IV b. V 7. VI 1 a. 7. VIII 6. XXV 11. XXVI 5 a. 18. XXX 2; S. vgl. B. Erymanthos VII 6. Eryx XXXVI 1. Euonyme M. III 1 b. Euphrosyne I 4. Euporia s. Belela. – Genetyllis III 11. Gigantes III 2. XVIII 1 a. XXIII 6 a. Golgos S. St. XXIX 1. – Harmonia T. St. II 1 a. XIX 4. XXIII 8 f. Hebe XXIII 1. Helena V 8. VIII 2. 3 a β. 6. Helios VI 1 a. XVII 3. XXI 1. Hemera (? lat. Die) IX 2 a. Hephaistos G. XX. XXVII 1. Hera VIII 3 d. XXV 2 a. XXXVI 9. Herakles VI 1 a. XVIII 1 a. Hermaphroditos XXI 3. Hygin. Fab. 281. Ovid. Met. IV 368 (Sohn der A. von Hermes). Hermes III 1 g. i. V 5 c. 9 b. VI 1 b. VII 10 a. IX 1. 2 a. XXI 3. 4. XXVI 18. 19. 22 c. Hermochares St. XXII 2. Hero XVII 3. Herostratos St. XXXIII 9. Himeros IV b. Hippodameia XXVI 1; vgl. D u. d. W. Hippolytos II 7. III 1 d. V 9 a. Horai VIII 1 c. XXII 7. Hyakinthos VIII 1 c. Hygieia III 5. Hypermnestra V 5 c. Hypnos VIII 3 f. – Iaso III 5. Iason IX 2 c. XXI 3. Ignetes XXIII 6 a. Isis III 1 g. V 9 b. VI 4a. XXII 6. XXIX 5. XXXIII 7. (11 b). – Kabeiros S. XX. (XXII 9). Kale I 4. Kapheira XXIII 6 a. Keles XXI 3. Kentauroi XXIX 16. Kinyras St. XXIX 1. 10. Konisalos XXI 3. Kronos, Grossvater I 1 b; Vater III 1 b. IX 2; G. B a. E. Kuretes XXIII 8 d. Kyrene XXXIV. – Ladike St. XXXIV. Laïs I 3 a. VI 1 c. Lamia II 1 b. Laodike St. VII 4 b. Leaina II 1 a. III 1 e. l. Leandros XVII 3. Leukothea II 1 b. VI 1 h. XIX 4. XXII 9. XXIII 6 a. Lordon XXI 3. Lyrnos S. XXV 7. – Medeia IX 2 c. Μεγάλαι θεαί VII 10 a. Μεγάλοι θεοί XIX 4. Melos XXIX 10. Μήτηρ θεῶν III 10 f. V 9 c. Moirai Sch. III 1 b. VIII 1 c. 3 c. Musai III 6. VI 1 e. – Nemesis III 1 b. 8. VI 8 d. XXVI 14 c. Nereïdes VI 1 f. h. Nike I 3 b. XXVI 5; vgl. D u. Νικηφόρος. Nymphai III 1 g. 11. Nyx IV a. – Orthanes XXI 3. Otreus Vater XXV 1. – Palaimon VI 1 h. Pan III 1 g. 11. Panakeia III 5. Paregoros IV b. Paris VIII 6. XXI 3. XXV 2. 11. Pasithea I 4. Peitho III 1 d. IV b. V 1. VI 2. IX 2 c. XXVI 14 c; vgl. D u. d. W. Pelops St. XXVI 1. Phaidra St. III 1 d. V 9 a. Phaon XXI 3. Philyra Grossmutter I 1 b. Phobos S. II 1 a. Phoinodamas XXXVI 1. Polyneikes St. II 1 a. V 5 f. Porphyrion St. III 2. Poseidon G. III 1 l. V 3. 8. VI 1 a. e. 6 a. 8 a. VII 2. XXIII 6 a. b. XXVIII. XXXVI 1. Pothos IV b. XIX 2. XXI 3. Praxidike VIII 6. Priapos [2776] XXI 3. XXV 11. Proitos St. V 1. VI 2. Proteus XXXIII 5. Psophis VII 6 (ihre Kinder = St.). – Rhodos T. XXIII 6 a. – Salmakides St. XXVI 19. Segesta St. XXXVI 1. Selemnos VI 7. – Tamiras XXIX 1. Teiresias I 4. 6. Telesilla V 5 d. Terpon Et. M. 141. 17, 812, 20; vgl. Pape-Benseler Eigenn. s. v. (θεράπων Ἀφροδίτης). Thalatta M. VI 1 f. XXIX 1. B. Thanatos VIII 3 f. Theseus St. III 1 d. V 8. XXII 6. Thetis VIII 6. Tritones VI 1 c. Tyndareos VIII 3 a β. B. – Urania IX 2 a. Uranos IX 2 a; Vater XXIX 1. B. – Zeus I a. E. IV a. V 8. VI 1 g. 6 b. VIII 3 e. IX 2 c. XIV 1. XVIII 1 c. XXVI 17. XXIX 14. 16. – Unbekannte sterbliche Gattin des Otreus, Phrygerin aus Bithynien, als Mutter der A. XXV 1.

F. Litteratur.

Für die Ergänzung obiger knappen Darstellung nach der Seite der geschichtlichen Entwickelung des Aphroditebegriffs in Mythos und Beinamen, poetischer Verwendung und philosophischer Speculation sind unentbehrlich ausser den Handbüchern von Gerhard (Griech. Mythologie 1854, topographisch, im Register nach ἐπικλήσεις geordnet), Welcker (Griech. Götterlehre 1857–62, mit einem Versuch, die vorgeschichtliche A. von der geschichtlichen, und zwar vor- und nachsokratischen, historisch zu scheiden), Preller Griechische Mythologie und Roscher Artikel A. im Lexikon der Mythologie (beide unter Gruppierung des Stoffs nach physischen und ethischen Gebieten ihrer Wirksamkeit), die Monographien von Engel (1841 Kypros, Bd. II Der A.-Kultus), Lajard (Recherches sur le culte etc. de Vénus en Orient et Occident 1837ff.), Enmann (1886 Kypros und der Ursprung des A.-Kults) und Roberts Commentar zu Prellers Text (unter Ergänzung der Nachweise bis 1887). Einen Überblick der bisherigen Hypothesen von Wesen und Ursprung der A. gibt Tümpel Ares und Aphrodite (Jahrb. f. Phil. Suppl. XI 1880, 641–652); eine Auswahl bis 1886 bei Enmann a. O. 1–3. 69–77; über Einzeluntersuchungen s. Preuner im Jahresber. XXV 1891, 216–231.

G. Aphrodite in der Kunst.

I. Der nackte orientalische Typus in der orientalischen und archaisch-griechischen Kunst.

1. Die Vorderansicht einer völlig unbekleideten stehenden Göttin, welche beide Hände gegen ihre Brüste drückt, findet sich schon früh auf altbabylonischen Cylindern in idolartiger Steifheit zwischen bewegteren mythischen Darstellungen, so dass die Vermutung begründet ist, die Göttin sei in dieser Gestalt bereits von der vorsemitischen Bevölkerung dargestellt worden (zahlreiche Beispiele abgebildet bei Menant Glyptique orientale). Von Babylon aus hat sich dann dieser Typus in localen Variationen zunächst nach Assyrien, Vorderasien, Syrien und Cypern verbreitet. Sehr altes flaches Bleiidol (ungewiss wie zu benennen) aus Hissarlik bei Schliemann Ilios Fig. 233 (Perrot VI 653). Die Göttin trägt lange Locken, das Geschlecht ist auch noch ornamental hervorgehoben. Ähnliche Vollfiguren aus weichem Kalkstein geschnitzt finden sich zahlreich in der jüngeren Schicht ältester Gräber auf Cypern, welche vorwiegend dem 2. Jahrtausend v. Chr. angehören, häufig mit [2777] grossen beweglichen Ohrringen und reichem Halsschmuck. Nicht selten drückt die eine Hand die Brüste empor, während die andere auf die Scham weist. Auch in Terracotta finden sich solche Idole, an ihnen ist meist die Körperbehaarung in übertriebener Weise betont. Daneben kommen schon in den ältesten Gräbern flache hermenähnliche Idole mit eingeritzter geometrischer Verzierung vor. Alle diese Idole sind nicht Nachbildungen grösserer Statuen, sondern der amulettartige apotropaeische Gebrauch ist hier der ursprüngliche. Ausserhalb der Gräber mögen ähnliche Idole die Hauskapellen geziert haben; das wohl gleichalte Tempelbild der paphischen Göttin war dagegen ein einfacher Steinkegel. –

2. Ein spannenlanges Idol aus Paphos nimmt Ol. 23 der Naukratit Herostratos auf die Heimfahrt mit (Athen. XV 576); als es das Schiff unter wunderbaren Zeichen seiner Macht im Sturme errettet, errichtet er das Bildchen in Naukratis und stiftet ihm einen Kult. Die plastischen Weihgeschenke in den jüngeren naukratitischen Kulten zeigen vielfach grosse Verwandtschaft mit dem in Cypern herrschenden Stil. –

3. Von der vormykenischen Bevölkerung der griechischen Inseln wurde das nackte Idol zum Gräberschutz schematisch nachgebildet in einheimischem Marmor und in localer Stilisierung (zahlreiche Abbildungen und neueste Litteratursammlung bei Wolters Athen. Mitt. XVI 46ff.). Es ist unsicher, ob hier der ursprüngliche Sinn noch genau verstanden worden ist; die flüchtig eingeritzten Arme pflegen einfach unter den Brüsten gekreuzt zu sein, doch ist allerdings die rima regelmässig angegeben. Das westlichste hermenartige Idol dieser Art von Delphi s. Athen. Mitt. VI 361; zwei musicierende Figuren, wohl zum Kult unserer Göttin gehörig, publiciert U. Koehler Athen. Mitt. IX Taf. 6. –

4. In Mykenai sind die taubenumflatterten sog. Astartefigürchen aus Goldblech wohl syrischer Import. Sie zeigen die übliche Betonung des Geschlechtlichen. Stilistisch weichen sie sowohl von den mykenischen, wie von den späten phoinikischen Kunstwerken ab. Die local ‚mykenische‘ Kunstübung stellt keine nackten Frauen dar. –

5. Auf einem der von F. Halbherr in der Zeusgrotte auf dem Ida entdeckten Schilde unbekannter (syrischer?) Herkunft erscheint das nackte Idol mit ausgestreckten Armen zwischen wilden Tieren. Halbherr ed Orsi Antichità dell’ antro di Zeus Ideo Tav. II; kleiner Americ. Journal of arch. IV 18 und bei Brunn Kunstgesch. I 92. Die Büste des nackten Idols, die Hände an die Brust gedrückt, über dem Kopfe von zwei Panthermasken umgeben, findet sich auf hocharchaisch-griechischem Goldplättchen aus Kamiros im British Museum (unpubliciert). Die Göttin berührt sich hier mit der bekleideten sog. persischen Artemis, welche uns jetzt durch boiotische geometrische Vasen auch als Schlächterin und Gebärerin bekannt ist (Ἐφημ. ἀρχαοιλ. III 1893 Taf. 9. 10). Nicht durchschlagend gegen Wolters Ausführungen J. Morgoulieff Étude critique sur les monuments antiques représentant des scènes d’accouchement 34ff. –

6. In Elfenbein und ägyptisierender Stilisierung die Arme am Körper gerade herabgestreckt, kommt das nackte Idol dann in griechischen Nekropolen der geometrischen Epoche vor. Aus [2778] Kamiros sind zahlreiche Exemplare in London, meist mit geometrisch verziertem Diadem geschmückt, mitunter mit doppelter Front. Beispiele aus der athenischen Dipylonnekropole bei Brückner und Pernice Athen. Mitt. XVIII 129. –

7. Wie die Ἀφροδίτη ἐπιτυμβιδία zu Delphi aussah, welcher χοαί zu psychomantischen Zwecken gebracht wurden (s. o. A II 3 a), wissen wir leider nicht. Sie stand jedenfalls ebenso wie jene in das Grab mitgegebenen Amulette mit dem Totenkult in Verbindung, war aber bereits über irgendwelchen wirklichen oder angeblichen Gräbern als Götterbild errichtet. Mit Recht ist sie von G. Körte Arch. Studien H. v. Brunn dargebracht 1ff. herangezogen worden zur Erklärung eines nackten weiblichen Idols griechischer Arbeit des 6. Jhdts., das in der Nekropole von Orvieto ein besonderes Temenos hatte (a. a. O. Taf. I). Das Standmotiv der Figur war das des Apollon von Tenea, die rechte Hand ruht auf dem Leibe und weist auf die aufdringlich angegebene rima hin. Marmor und Stil scheint auf die ionischen Kykladen hinzuweisen. Ein ähnliches nacktes archaisches Tempelbild glaubt Körte a. a. O. 24 auf Münzen des Septimius Severus für Sikyon nachweisen zu können (vgl. Imhoof-Blumer und Gardner Num. comment. on Paus. pl. H XV u. S. 30 nr. 10). Als nackte A. ist vielleicht auch die kleine Bronze der Sammlung Trau in Wien zu fassen, welche Arch.-epigr. Mitt. II Taf. 8 publiciert ist, gleichfalls eine griechische Arbeit des 6. Jhdts. Die rechte erhobene Hand hält eine grosse Knospe, der linke Unterarm ist mit festgeschlossener Hand vorgestreckt. Drei weitere nackte Frauen, zuletzt von Körte a. a. O. 25 behandelt, welche als Spiegelgriffe dienten, sind wohl kaum als A. zu bezeichnen, sondern der ägyptischen Kunstindustrie direct entlehnt, obwohl die überaus häufige Verwendung der bekleideten A. als Spiegelgriff dafür spricht, dass man auch diese Figuren leicht als Darstellungen der Göttin fasste (vgl. Furtwängler Meisterwerke der Antike 633, 1).

II. Der palladionähnliche Typus.

1. Unabhängig von dem sepulcralen nackten Bilde der Göttin, aber jedenfalls auf griechischem Boden gleich alt ist der palladionähnliche Typus mit vollem Waffenschmuck. Die Bewaffnung erklärt sich hier aus dem ursprünglichen Glauben an die himmlische Herabkunft solcher Idole im Gewitter (vgl. Artikel Athene). Das spartanische Idol,das Furtwängler in Roschers Myth. Lex. I 408 wohl nicht mit Recht auf einer Münze Num. chron. N. S. XIII pl. 5, 3 erblicken will (vgl. jetzt Imhoof u. Gardner Num. comment. on Paus. 59, pl. N 16. 17), hat zu seiner Ergänzung ein Bild der Ἀ. Μορφώ, welches sich mit verschleiertem Haupte, Fesseln an den Füssen im Oberstocke des Tempels befand. Verschiedene Deutungen und Litteratur s. o. A VIII 3 a. Uns scheinen Fesselung und Verschleierung identische mythische Ausdrucksmittel für die im Winter gebundene trauernde Göttin, welche in den ersten Frühlingsgewittern in vollem Waffenschmuck wieder in Erscheinung tritt (vgl. H. D. Müller Ares 32. K. Tümpel Jahrb. f. Philol. Suppl. Bd. XI 726. Sam. Wide Lakonische Kulte 141). Die beiden spartanischen Statuen würden sich also annähernd verhalten, wie die der Hera νυμφευομένη und τελεία in Plataiai. Vermutlich ist [2779] die Statue der Μορφώ die jüngere, da dieser Typus der ‚verlassenen Braut‘ erst in der Plastik des 5. Jhdts. ausgeprägt zu sein scheint. Auf ein Original der 2. Hälfte des 5. Jhdts. geht zurück die verschleierte, um Adonis trauernde A. vom Libanon, publ. Gazette archéol. I pl. 26 (vgl. Adonis S. 395, 42ff.). –

2. Hermenartig, doch unbewaffnet scheint das alte Idol auf Delos gewesen zu sein, das angeblich Theseus gestiftet hatte, Paus. IX 40, 2; eine Herme war auch noch die Ἀ. οὐρανία in Athen vor dem Standbild der Ἀ. ἐν κήποις in Athen, Paus. I 19, 2. Furtwängler Meisterwerke 486.

III. Reifer Archaismus.

1. In archaisch-griechischer Kunst erinnern an das nackte Idol noch einige kyprische Terracotten, welche zwar reichbekleidet sind, aber mit der einen Hand eine Blume oder eine Taube gegen die Brust drücken, während die andere das Gewand vor dem Schoss in breiter Falte zusammennimmt und etwas aufhebt. Zu den ältesten Vertretern dieses Habitus gehört das in Olympia gefundene Bronzefigürchen, Ausgr. IV nr. 74, dessen Bedeutung allerdings unsicher ist, in welchem Studniczka Röm. Mitt. II 109, 59 eine samische Arbeit erkannte. –

2. Die ausgebildeten ionischen Stile verzichten auf persönliche Charakteristik. Attribute und Begleiter bei A., Taube, Blume, Hase, Eroten genügen dem Differenzierungsbedürfnisse dieser Epoche. Noch der altsamischen Schule gehört der bei Furtwängler Meisterwerke 716 skizzierte Torso an. Die Füsse scheinen noch geschlossen gewesen zu sein, der rechte Arm ist steif nach unten gestreckt, die linke Hand drückt eine Taube an die Brust, die reiche ionische Tracht ist von der der sog. Hera des Cheramyes und der verwandten Akropolisfiguren bereits abweichend in der Richtung der chiotischen Kunst behandelt. Recht altertümlich und sicherlich noch in phokaeischen Traditionen wurzelnd, welche mit milesischer und ephesischer Kunstweise zusammenhängen, ist der Marseiller A.-Torso Gazette archéol. II pl. 31 (vgl. Collignon Sculpture gr. I 190). Die Göttin ist reich nach ionischer Weise gekleidet, auf dem Haupte trägt sie den Kalathos, in der rechten Hand eine Taube. Der Kopftypus führt hinüber zu dem Kalbträger und den verwandten Figuren von der Akropolis, über welche Winter Athen. Mitt. XIII 113ff. handelt. –

3. Der überreife ionische Zopfstil, der vornehmlieh von den Chioten ausgebildet in der 2. Hälfte des 6. Jhdts. Athen und hinsichtlich der weiblichen Gewandstatue auch die peloponnesischen Schulen beherrscht, stellt auch A. in dem bekannten Spestypus mit allerhand Attributen dar. Sehr beliebt ist dieser Typus für bronzene Spiegelgriffe, wohl korinthischer Fabrik. Ein Exemplar aus Korinth Arch. Zeitung 1875 Taf. 14, I; vgl. Dumont et Chaplain Céram. de la Grèce propre II zu Taf. 33. Die Begleiter der Göttin, Tauben oder Eroten, bilden häufig zu Seiten ihres Hauptes die passende Einrahmung des Spiegels. Entsprechende Sitzbilder, welche zur gleichen Zeit im ganzen einen altertümlicheren Charakter bewahren, sind selten. Ein thronendes Kultbild der A. schuf im letzten Drittel des 6. Jhdts. Kanachos für seine Heimat Sikyon aus Gold und Elfenbein. Es trug den Polos auf dem Haupte, Mohn [2780] (Anspielung auf Mekone) und Apfel in den Händen, Paus. II 10, 4. Erwähnt werden mag die thronende A. in den Götterversammlungen der Vase des Euxitheos und Oltos, Mon. d. Inst. X 23. 24, sowie die A., zu welcher auf einer unsignierten Schale des Brygos die von Menelaos verfolgte Helena flüchtet, Mon. d. Inst. XI 20. –

4. Sehr häufig begegnet auf sf. Vasen des 6. Jhdts. A. in Darstellungen des Parisurteils. Übersicht bei Schneider Troischer Sagenkreis 92ff. Vor der gleichförmigen Masse der attischen Vasen ist hervorzuheben eine Vase kleinasiatisch-ionischer Fabrik bei Gerhard A. V. II 170 (vgl. Röm. Mitt. II 171ff.). Hier zeigt A. eine auffällige ionische, vielleicht barbarisch (lydisch?) beeinflusste Tracht mit hoher Capuze und langen weiten Ärmeln, in der Hand hält sie den κεστὸς ἱμάς, der ihr den Preis sichert. Erwähnenswert ist auch die geflügelte A., welche auf einer Amphora einer andern ionischen Fabrik den von Diomedes bedrohten Aineias rettet, bei Gerhard A. V. III 194.

IV. Übergangszeit.

1. Aus der Übergangszeit vom ionischen Archaismus des 6. Jhdts. zur ersten attischen Kunstblüte, in welcher Zeit vornehmlich peloponnesische Schulen die führende Rolle spielen, besitzen wir wenig A.-Darstellungen, vielleicht weil für die φιλομμειδής der ionische Typus besonders lange brauchbar blieb. Den Umschwung des Geschmackes in Tracht und Kunst zu dorischer Einfachheit, wie er in den olympischen Sculpturen um 460 vollzogen vorliegt, bezeugen für die Gestalt der A. wiederum eine Reihe von Spiegelstützen, welche Pottier bei Dumont et Chaplain Céramiques II 249 zusammenstellt (vgl. Schumacher Karlsruher Bronzen nr. 223). Zur Veranschaulichung dieses Typus mag eine schöne Kleinbronze aus Dodona dienen. Bull. hell. XV pl. 9.10, welche allerdings wohl eine Adorantin mit einer Taube in der erhobenen linken Hand darstellt. Der Chiton ist unter dem in schlichten Steilfalten herabfallenden Peplos nur an Hals und Ärmeln sichtbar, auch die Haarbehandlung erstrebt die grösste Einfachheit. Lechat erinnert mit Recht an die sog. herculanischen Tänzerinnen. –

2. Ein Originalwerk aus der Zeit kurz vor der Mitte des 5. Jhdts. ist der colossale Marmorkopf der Villa Ludovisi Mon. d. Inst. X 1, der einer akrolithen Statue der thronenden A. angehörte und vermutlich von einem vornehmen Römer aus Syrakus oder vom Eryx nach Rom geschleppt wurde. Der Gesichtsausdruck ist der einer würdevollen Freundlichkeit, die längliche Form der Augen ist hier vielleicht zum ersten Mal mit Bewusstsein zur individuellen Charakteristik der Göttin gewählt. Stilistisch scheint ein gewisser Zusammenhang mit weiblichen Köpfen der aiginetischen Schule zu bestehen, auch Münztypen von Syrakus bieten verwandte Züge. Die längst ausgesprochene Deutung des Kopfes als A. scheint neuerdings nahezu gesichert zu werden durch Petersens und Benndorfs glückliche und höchst wahrscheinliche Reconstruction einiger bei der Villa Ludovisi gefundener Reliefs zur Lehne des Thronsessels des colossalen Kultbildes. Die Reliefs sind publiciert und von Petersen eingehend erläutert Antike Denkm. d. Inst. II 6 u. 7; Röm. Mitt. VII 32–80 (Taf. II). Die [2781] Rücklehne zeigt nach Petersens einleuchtender Erklärung die Geburt der Göttin aus dem Meere in streng symmetrischer, feierlicher, aber fast vollkommen freier und schöner Composition. Die Göttin, die mit staunender Lebensfreude aus dem Wasserspiegel emporsteigt, wird von zwei Chariten oder Horen empfangen, welche beiderseits auf dem Kies des Ufers stehend mit der einen Hand A. unter die Schulter greifen, mit der andern Hand (nach F. Studniczkas Beobachtung) den vom Meerwasser schweren Unterteil des Gewandes emporziehen. In letzterem erblickte Petersen ein besonderes Tuch, woran dann P. Wolters Ἐφημ. ἀρχ. 1893, 227 seine Deutung, dass eine Entbindungsscene dargestellt sei, zu knüpfen suchte. Diese Deutung scheitert einfach daran, dass keine knieende Frau, sondern deutlich eine emporsteigende dargestellt ist; eine Meereslandschaft ist auf dieser Kunststufe nicht zu erwarten. Das prächtig fliessende Haar und der feine, sich eng an den Oberkörper anschmiegende Chiton in Verbindung mit dem schweren vollgesogenen Unterteil des Gewandes bringen meisterhaft den Eindruck des abfliessenden Wassers hervor (mit Recht gegen Wolters Deutung Morgoulieff a. a. O. 45ff.). Die Seitenlehnen des Sessels zeigen zwei einander entgegengesetzte Dienerinnen der A., eine tief verschleierte Neuvermählte weihrauchstreuend und eine flötenspielende nackte Hetaere. Der dem Colossalkopfe gegenüber fortgeschrittene Stilcharakter der Sesselreliefs erklärt sich wohl kaum aus dem monumentalen Charakter der Statue, sondern es waren wohl verschiedene Hände an dem Werke thätig. Es ist die kosmische A. der orphischen Theogonie, welche die sicilischen Künstler inspiriert hat, wie sie gleichzeitig von dem sicilischen Philosophen Empedokles (v. 405ff. St.) als weltbeherrschende Φιλότης und von Aischylos in den Danaiden (frg. 44 Nauck²) gefeiert worden war, und wie sie in der Venus des lucrezischen Prooemiums nachlebt. Von dem gleichen Geiste erfüllt werden wir uns die A.-Geburt vorstellen dürfen, mit welcher Pheidias das Bathron des olympischen Zeus geschmückt hatte. –

3. Beliebt sind überhaupt etwa seit den sechziger Jahren bis in den peloponnesischen Krieg hinein Darstellungen, welche sich auf die Epiphanie der Göttin beziehen. Noch voreuklidische Schrift und die Huldigung ΓΛΑΥΚΟΝ ΚΑΛΟΣ zeigt eine schöne polychrome attische Schale aus Kamiros, Salzmann Nécropole de Camirus pl. 60. Collignon Céramique pl. X. Die Göttin reitet hier mit einer Blumenranke in der Rechten auf einer ungeheuern frei fliegenden Gans. Das Erscheinen der Göttin im Frühjahr wird auf jüngeren Gefässen (mit Goldschmuck),deren bessere Exemplare dem Zeitalter des peloponnesischen Krieges angehören, durch einen grossen Schwan vermittelt, auf dessen Rücken sie thront, häufig von Eroten bekränzt, von Nereiden umgeben, während am Ufer die andern olympischen Götter sie erwarten. Die Denkmäler dieser Art sind zuletzt gesammelt und gut erläutert von A. Kalkmann Aphrodite auf dem Schwan, Arch. Jahrb. I 231ff. –

4. In die Übergangsepoche würde auch gehören die A. des Kalamis, welche Kallias am Eingang der Akropolis weihte, Paus. I 23, 2. Die Gleichsetzung dieser A. mit der aus Lucian (imag. [2782] 4, 6; dial. mar. III 2) bekannten Sosandra desselben Künstlers, für die sich A. Michaelis Arch. Zeit. 1864, 190 und E. Petersen Nuove memorie d. Inst. 99 aussprechen, ist unsicher, da sie auf der unbeweisbaren Voraussetzung beruht, dass Sosandra der Beiname einer andern Göttin sein müsse. Jedenfalls ist bis jetzt keine Replik eines kalamidëischen A.-Typus mit einiger Sicherheit nachgewiesen. Das Original der sog. Venus vom Esquilin (Helbig Führer 561) gehört gleichfalls in die Mitte des 5. Jhdts. und ist als erstes Beispiel einer unbekleideten weiblichen Einzelstatue in der entwickelten Kunst sehr beachtenswert, stellt aber jedenfalls keine A. dar. Nach v. Duhns wahrscheinlicher Vermutung (zu Bull. com. XVIII Tav. B 4) ist vielmehr Atalante dargestellt, die sich das Haar zum Wettlauf ordnet. Furtwängler Meisterwerke 633, 1 denkt an eine Hierodule der A., was wenig für sich hat.

V. Die Epoche des Pheidias.

Die Epoche des Pheidias hat für die ganze Folgezeit den Ton angegeben für die erhabene Auffassung der Göttin, wie sie etwa seit dem peloponnesischen Kriege mit unrichtiger Differenzierung alter Kultnamen der Pandemos, der Göttin der sinnlichen Liebe entgegengesetzt wurde. –

1. Von Pheidias selbst stand eine Statue der Urania aus Gold und Elfenbein in Olympia, welche den einen Fuss auf eine Schildkröte setzte, ein Motiv, das einige Kleinbronzen wiederholen. Nach Plut. de Is. 75 wäre die Schildkröte ein Symbol der Häuslichkeit. Kekulé Über eine weibliche Gewandstatue aus der Werkstadt der Parthenongiebelfiguren 10 erblickt in der Schildkröte eine Hinweisung auf das elische Gebirge Chelonatas. Nach Pausanias I 14, 7 befand sich auch im Demos Melite zu Athen ein Tempel der Urania mit einer Statue des Pheidias aus parischem Marmor. Die Venus eximiae pulchritudinis, welche Plinius n. h. XXXVI 15 in der Porticus der Octavia erwähnt, scheint eine dritte Statue zu sein. Auf dem Parthenonfries ist A. anmutig mit Eros gruppiert in der Götterversammlung, welche der Peplosübergabe zuschaut, dargestellt. Auf der Metope 25 der Südseite erscheint sie, von Eros begleitet, schützend in der Verfolgung der Helena durch Menelaos in der steifen Haltung eines altertümlichen Idols; die Versuche, sie in den Giebelgruppen des Parthenon nachzuweisen, sind momentan mit Recht aufgegeben. Dagegen steht dem Geist und der Technik der besten Giebelfiguren eine schöne Statue aus pentelischem Marmor ungemein nahe, welche wahrscheinlich durch Morosini nach Venedig kam und jetzt eine Zierde des Berliner Museums bildet. Sie ist von Kekulé in der oben citierten Schrift publiciert und eingehend gewürdigt. Die modernen, von einem Schüler Canovas herrührenden Ergänzungen sind jetzt grossenteils entfernt, so dass der Kopf mit dem Hals, die beiden Unterarme und die Stütze unter dem linken Arm fehlen. Die Spuren an der linken Seite deuten darauf hin, dass diese Stütze ein archaisierendes weibliches Idol war. Der linke Fuss war ziemlich hoch aufgesetzt, er ist jetzt ergänzt und tritt auf eine Schildkröte, die als Brunnenrohr diente. Kekulé ergänzt statt dessen nach einer Wolffschen Skizze einer vermutlichen späten Replik eine Gans (vgl. o. A IX 2 a), der gesenkten rechten Hand giebt er eine Taube, [2783] der wagrecht ausgestreckten linken einen Apfel. Er führt die Statue sowie die nächstverwandten Figuren der Giebel (z. B. die Thauschwestern) vermutungsweise auf Agorakritos zurück. Auf eine berühmte Statue der gleichen Zeit, die A. ἐν κήποις des Alkamenes (Overbeck Schriftquellen 812ff.), glaubte Furtwängler in Roschers Mythol. Lex. I 412 die in zahlreichen späten Copien verbreitete, nach römischen Münzbeischriften sog. Venus Genetrix zurückführen zu können und hat damit vielfach Zustimmung gefunden. Jedenfalls sind Zeit und Schule der schönen Statue damit richtig bestimmt. Das Problem, durch ein feines, faltenreiches Gewand die Körperformen möglichst vollständig zur Geltung zu bringen, findet hier eine etwas manierierte Lösung. Bei dem Vorherrschen des formalen Interesses in diesem Punkte kann der Einwand, den E. Reisch gegen Furtwänglers Zuteilung im Eranos Vindobon. 18 erhebt, die leichte Gewandung zieme der A. Urania nicht, nicht als durchschlagend gelten. Die schöne, schwertgegürtete Figur verwandten Stils aus Epidauros, Ἐφημ. ἀρχ. 1886 Taf. 13 = Brunn-Bruckmann nr. 14, welche man zuerst für eine A. hielt, wird von Milchhöfer Arch. Jahrb. VII 203ff. wohl mit Recht als Dike in Anspruch genommen.

VI. Die grossen attischen Meister des 4. Jhdts.

Die grossen attischen Meister des 4. Jhdts. haben auch für die Gestalt der A. fast die sämtlichen Typen und Motive geschaffen, mit welchen die hellenistische Epoche und die Kaiserzeit wirtschaften.

1. Für Elis bezeugt ein Erzbild der auf einem Bocke reitenden A. Pandemos von Skopas Hand Pausanias VI 25, 1. Eine allgemeine Vorstellung der Composition geben Münzen der Kaiserzeit bei Imhoof-Gardner Journ. of hell. stud. VII 76f. (vgl. R. Weil in der Festschr. für E. Curtius 134). Der Versuch Kleins Arch.-ep. Mitt. IV 23 (vgl. C. Robert Archaeol. Märchen 46), die elische Pandemos einem älteren Skopas zuzuschreiben, ist durch die Münzen widerlegt, welche nach Gewandung und Haartracht deutlich ein Werk des 4. Jhdts. wiedergeben. Repliken des skopasischen Kopftypus sind bisher nicht nachgewiesen. Die Vasen und Reliefs, welche A. auf dem Bocke reitend darstellen, sind von Skopas unabhängig und reichen zum Teil in das 5. Jhdt. zurück. Zusammenfassende Behandlung von M. Böhm Arch. Jahrb. IV 408ff., dazu Arch. Anz. 1890, 27. 69. Die Begleiter der A. auf dem Bock zeigen, dass es sich auch hier um den Frühjahrseinzug der Göttin handelt, welche der animalischen Fortpflanzung vorsteht. –

2. In den verschiedensten Epochen seines reichen Lebens hat Praxiteles die Gestaltung des A.-Ideals beschäftigt. Uns ist das allgemeine Motiv seines berühmtesten Werkes, der knidischen A., durch Münzen der Kaiserzeit bekannt (Müller-Wieseler I 146 a), diese ermöglichen dann, in einigen Statuen und Köpfen Repliken der Statue zu erkennen. Über die Repliken vgl. Michaelis Journ. of hell. stud. 1887, 324ff. Furtwängler Arch. Anz. 1891, 140; Meisterwerke 551, 2. Die beste Replik der Gesamtstatue ist ein vaticanischer Marmor, von welchem gute Publicationen fehlen, eine gute Copie des Kopfes ist durch Herrn v. Kaufmann ins Berliner Museum gelangt, abgeb. Antike Denkm. d. Inst. I Taf. 41; die Münchener Statue Journ. [2784] of hell. stud. a. a. O. ist keine Replik des praxitelischen Originals, sondern einer etwas modificierten Fortbildung desselben. Dass man es später als eine Kühnheit empfand, die Göttin völlig unbekleidet darzustellen, wie sie sich anschickt, das letzte Gewandstück auf eine Urne herabgleiten zu lassen, um zum Bade herabzusteigen, geht aus der bei Plinius n. h. XXXVI 20 erzählten Geschichte hervor, der Künstler habe die Statue eigentlich auf Bestellung der Koer gefertigt, diese hätten aber an der Nacktheit Anstoss genommen, und so hätten die Knidier die Statue erworben und in einem Pavillon aufgestellt, so dass man sie von allen Seiten betrachten konnte. Die Statue ist, wie andere praxitelische Werke, ausgezeichnet vor den späteren Fortbildungen des Motivs durch vollkommene Unbefangenheit und Unbekümmertheit um den Beschauer. Die Vorzüge des Marmors für blühend lebensvolle Wiedergabe des Nackten müssen an dieser Statue am glänzendsten verwertet gewesen sein, der Kopf ist von grosser Schlichtheit und bei aller Anmut weit entfernt von jeder Schwärmerei. Die besseren Repliken des Kopfes nun berechtigen uns, wie Furtwängler Meisterwerke 547ff. gesehen hat, in der bekannten Venus von Arles die Replik eines etwas früheren Werkes unseres Meisters zu erblicken. Wie die badende A. gewissermassen die Meeresgeburt der Göttin ins Menschliche übersetzt, so spielte die Schmückung der A. auch bereits in älterer theogonischer Dichtung eine Rolle (vgl. Cypria frg. 3 Kinkel), und so war es ein verhältnismässig naheliegender Schritt, wenn Praxiteles die Göttin als Einzelfigur, selbst mit ihrer Toilette beschäftigt, darstellte. Den uns naheliegenden Eindruck des blossen Genres liess wohl die Sitte, allerhand Toilettengegenstände der Göttin zu weihen, nicht aufkommen. Die Statue von Arles hielt in der linken gesenkten Hand den Spiegel, die rechte war jedenfalls mit der Ordnung des Haares beschäftigt, zum Zweck der Vollendung der Toilette ist der Oberkörper entblösst und das verhältnismässig einfach behandelte Gewand sorgfältig um die Hüften festgelegt. Die Göttin, deren Kopf unverkennbar eine Vorstufe des Kopfes der Knidierin darstellt, ist ganz in ihre Verrichtung vertieft, der Stand erinnert noch an Werke des 5. Jhdts., daher die mit dem ausgeprägten praxitelischen Standmotiv verbundene gegensätzliche Bewegtheit der beiden Körperseiten noch sehr gemässigt erscheint; die Behandlung des Nackten ist noch etwas zaghaft, allgemein und flächenhaft. Die Statue von Ostia (abgeb. bei Furtwängler a. a. O. 550), in welcher Furtwängler eine Copie der delphischen Phryne erblicken wollte, stellt allerdings eine fortgeschrittene Entwicklung der Motive der Venus von Arles dar, geht aber schwerlich auf ein Original des Praxiteles zurück, sondern wuchert mit praxitelischen Motiven. Eine A. ist sicherlich gemeint, aber was man auch in den Händen ergänzen mag, die Richtung des Blickes und die Hantierung bleibt ohne Zusammenhang, die Entblössung des Oberkörpers unmotiviert. Es herrscht bereits ein etwas leeres Spiel mit schöngeschwungenen Linien, wozu eine gesuchte und überladene Gewandbehandlung kommt. Von einer bekleideten stehenden A. des Praxiteles besitzt das Louvre eine geringe Copie der späteren [2785] Kaiserzeit mit der jüngst wieder sichtbaren Bezeichnung Πραξιτέλης ἐποίησεν. Furtwängler a. a. O. 552 vermutet, dass die koische Statue das Vorbild sei. Das feine, faltenreiche Gewand ist tief gegürtet und fällt in natürlichen Steilfalten zur Erde. Mit dem älteren Vorbild der sog. Genetrix hat diese Statue nur das Problem gemein. Ob Furtwänglers a. a. O. 640ff. ausgesprochene Vermutung, dass der schöne A.-Kopf es Lord Leaconfield, den er auf Taf. 31 neu abbildet, eine Originalarbeit aus der letzten Epoche des Meisters sei, wahrscheinlich ist, kann nur vor dem Original entschieden werden, die Abbildung spricht nicht dafür. –

3. Eine Statue, für deren Berühmtheit im Altertum ihre zahlreichen Wiederholungen und Umwertungen sprechen, das Vorbild der Venus von Capua (Brunn-Bruckmann 298) und der Victoria von Brescia (ebd. 299) ist erst von Furtwängler Meisterwerke 628 in den richtigen Zusammenhang gesetzt worden. Die Göttin steht, das Gewand um die Hüften geschlungen, den linken Fuss auf eine Erhöhung gesetzt, den entblössten Oberkörper nach links gedreht, um sich in einem Schilde zu spiegeln, den sie mit beiden Armen auf den linken Oberschenkel gestützt hält. Der Schild ist gesichert durch die Umwertung des Typus für die schwebende Victoria und die Münzen von Korinth, die unseren Typus im Gegensinne zeigen, bei Imhoof- Gardner Num. comm. on Paus. 25f. pl. G 121ff. Der Kopf des Originals trug statt des Diadems eine einfache Haarbinde, welche eine bessere Replik des Kopfes im Palazzo Caetani bewahrt hat (Furtwängler Taf. 30). Mit Recht erklärt Furtwängler die Gruppierungen unserer Figur mit Ares und ihre Verwendung als Victoria für spät und unursprünglich, das Original sei eine Bronzestatue gewesen, welche im 4. Jhdt. neben das archaische bewaffnete Idol getreten sei, welches Pausanias allein erwähne. Weniger überzeugend ist die Zurückführung des Originals auf Skopas; der Künstler scheint viel mehr im Stil einem klassicistischen Geschmacke zu huldigen und an Werke wie die Lemnia des Pheidias (Furtwängler Taf. 1ff.) und die Amazonentypen des 5. Jhdts. anzuknüpfen, obwohl er im Motiv das Original der Venus von Arles vorauszusetzen scheint. –

4. Auch in der sog. Psyche von Capua zu Neapel (Friederichs-Wolters 1471) möchte Furtwängler Meisterwerke 467 eine Copie (des 1. Jhdts. v. Chr.) nach einer skopasischen A. erblicken. Er ergänzt sie mit einem spiegelhaltenden Eros zu ihren Füssen und erblickt in ihr die unmittelbare Vorstufe der Kallipygos, welche er der nächsten Generation nach Praxiteles und Skopas zuschreibt. Noch unsicherer erscheint die Zurückführung des nackten Neapler Torso Friederichs-Wolters 1468 auf Euphranor (Furtwängler 592).

VII. Die hellenistische Zeit.

In der hellenistischen Zeit geht neben der Reproduktion und Combination der alten Motive des 5. und 4. Jhdts. die Übertragung von allerhand in der Malerei und decorativen Kunst ausgebildeten Motiven in die Plastik her.

1. Die berühmte Anadyomene des Apelles in Kos, später in Rom, ragte wahrscheinlich mit dem Oberkörper aus dem Wasser und presste hier mit der Hand die Haare aus (vgl. Benndorf [2786] Athen. Mitt. I 50). Dies Motiv wird dann vom 3. Jhdt. an auch in der Plastik sehr beliebt. An Stelle der Schwanenjungfrau erscheint in hellenistischer Plastik die in der Muschel kauernde A. (z. B. Arch. Ztg. 1875 Taf. 6. 7), dann in Gemälden und Reliefs die in der Muschel stehende, von allerhand Meeresdaemonen getragene und umschwärmte Göttin. Über diesen ganzen Denkmälerkreis vgl. Stephani Compte rendu 1870/1, 128ff. Die im Bade kauernde Frau, seit Ende des 6. Jhdts. der Glyptik geläufig, erscheint in hellenistischer Zeit auch statuarisch als A.; Rückführung des Typus auf einen bestimmten Künstler ist nicht gelungen (Beispiel Müller-Wieseler II 279). Ein reizvolles Genremotiv bietet auch die nackte, Sandalen lösende A., welche in Statuetten und Bronzen sehr verbreitet ist (z. B. Sammlung Sabouroff Taf. 37). –

2. Auch die im Habitus an Kultstatuen erinnernden Darstellungen zeigen in hellenistischer Kunst häufig den Oberkörper entblösst, ohne dass es sich um einen Act der Toilette handelte; vgl. z. B. die pompeianische Statuette Arch. Ztg. 1881 Taf. 7. Dieser Typus ist im Grunde eine Vermischung der attischen Urania des 5. Jhdts. und der A. aus dem Parisurteil, welche gewiss seit der Malerei des 4. Jhdts. halb oder ganz unbekleidet dargestellt wurde, wie sie uns das spätere Kunsthandwerk zeigt. Seit hellenistischer Zeit hält A. auch häufig den Apfel als Schönheitspreis, mit welchem die Statuen, die auf ältere Vorbilder zurückgehen, oft fälschlich restauriert werden. –

3. Auch die Vorbilder des 4. Jhdts. werden in der Folgezeit in charakteristischer Weise fortgebildet, ohne dass sich im einzelnen mit Sicherheit sagen liesse, in welche Zeit die entscheidende Umformung falle, doch werden die meisten lebenskräftigen Neuschöpfungen dem 4. Jhdt. noch nahestehen. Die erfolgreichste Umbildung war diejenige, welche die knidische A. erfuhr, von welcher uns in der mediceischen und in der capitolinischen Venus zwei gute von einander recht verschiedene Verwendungen vorliegen (über die Verbreitung des Typus vgl. Bernoulli Aphrodite 223ff.). Beabsichtigt scheint eine Anadyomene, welche mit den Händen Brust und Schoss vor profanen Blicken bedeckt. Die momentane Geschlossenheit und grossartige Unbefangenheit der Knidierin geht bei dieser Änderung verloren, die Göttin scheint vorwärts zu schreiten und sich dabei nicht ohne Bewusstheit umzusehen. Nachträglich bei einigen Exemplaren zugefügte Gewandstücke vermögen an der Hauptsache nichts zu ändern. Bis tief in die Kaiserzeit hinein ist das Motiv für Porträts vornehmer Damen beliebt. –

4. Einer ganz anderen Richtung gehört eine andere berühmte A.-Statue, die von Melos an. Die Würdigung ist hier lange Zeit dadurch erschwert worden, dass die Vorzüglichkeit der Arbeit, namentlich der Fleischbehandlung, die Klarheit und Einheitlichkeit des Motivs überschätzen lässt. Auch hier sind die Fragen nach Ergänzung, Zeit und Stilrichtung kürzlich von Furtwängler (Meisterw. 601ff.) durch eine Revision der Acten über die Fundumstände und des Erhaltenen wesentlich gefördert worden. Zunächst ist kein begründeter Zweifel an der Zugehörigkeit der Künstlerinschrift Ἀγήσανδρος Ἠνίδου Ἀντιοχεὺς ἀπὸ Μαιάνδρου ἐποίησεν, deren [2787] palaeographischer Charakter etwa das 3. bis 1. Jhdt. v. Chr. offen lässt. Durch das Stück der Basis mit der Inschrift wird nun eine Einarbeitung gewonnen, welche nur einen Pfeiler getragen haben kann, der den linken Ellenbogen der A. stützte. Dann ist kein Grund, die Zugehörigkeit der mit der Statue gleichzeitig gefundenen linken Hand mit dem Apfel zu bezweifeln. Die Göttin griff also mit der Rechten nach dem herabgleitenden Gewand, mit der Linken hielt sie weithin sichtbar den Apfel. Furtwängler macht sehr wahrscheinlich, dass letzteres Motiv von der Statue einer Tyche von Melos veranlasst ist, welche er auf Münzen nachweist, und dass in beiden Fällen der Apfel als Wappen der Insel zu fassen ist. Durch die Entlehnung dieses Motivs wurde die schöne Geschlossenheit des Capuaner Typus (vgl. o. G VI 3), welcher überall vorausgesetzt wird, gelockert, die Entblössung des Oberkörpers und die Haltung des rechten Arms ist weit schlechter als an diesem Vorbilde motiviert; da der Schild fortfiel, konnte der Oberkörper mehr en face gerückt werden. Die stilistische Behandlung im einzelnen weist überall Kenntnis der grossen attischen Vorbilder eines Praxiteles und Skopas auf und daneben sogar stellenweise ein bewusstes Zurückgehen über diese Meister auf die Vorbilder des grossen Stils des 5. Jhdts. Die Statue, welche die Nische eines Gymnasiums schmückte, genoss im Altertum keine Berühmtheit, die vermeintlichen Repliken, welche erst in der Kaiserzeit mehrfach mit verschiedenen Aresstatuen gruppiert worden sind, gehen vielmehr auf das Vorbild des Capuaner Typus zurück. Schriftcharakter und Stil nötigen nicht, über das Ende des 2. oder den Anfang des 1. Jhdts. v. Chr. zurückzugehen, wo auch sonst stilistisch verwandte Tendenzen begegnen. –

5. Auf dem pergamenischen Altarfriese erscheint A. in lebhafter Arbeit begriffen; während ihr Eros voranfliegt, zieht sie den Speer aus einem erlegten Giganten, indem sie den Fuss gegen den Kopf des Gefallenen stemmt. Sie ist von sehr kräftigen Formen, mit koischem Chiton bekleidet und mit dem Schwerte umgürtet; der Kopf ist leider nicht erhalten. Ein anderer schöner Frauenkopf aus Pergamon, vermutlich einer Einzelstatue gehörig, stellt in der Formgebung die höchste Steigerung von schmachtender Weichheit dar und würde daher gut zu einer Statue der A. passen; doch ist die Benennung nicht sicher. –

6. Auf die Genredarstellungen der hellenistisch-römischen decorativen Kunst, an Spiegeln, Wandgemälden, Gemmen, kann hier nicht mehr eingegangen werden. Seit dem 4. Jhdt. steht A. neben dem dionysischen Schwarm durchaus im Vordergrund. Ihre mannigfachen Gruppierungen mit Eroten würden besonders zu behandeln sein, ebenso die Verbindung der Göttin mit anderen Göttern und Heroen, welche zur Charakteristik der Gestalt der Göttin selbst keine neuen Züge liefern. Für die unwesentlichen Modifikationen, welche die römische Kunst mit den überlieferten Typen vornahm, s. Artikel Venus und vgl. vorläufig G. Wissowa De Veneris simulacris Romanis, Vratisl. 1882. F. Marx Die Venus des Lucrez, Bonner Studien, R. Kekulé gewidmet, 115ff.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 102106
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S. 2729ff. 31 zum Art. Aphrodite:

  • S. 2730, 31: Die κρίσις περὶ κάλλους ist mit samt ihrem angeblichen Gewährsmann von dem Schwindler Ptolemaios Chennos erfunden, Hercher Jahrb. f. Philol. Suppl. I 273. 286.
  • S. 2734, 12: Gegen Gleichsetzung von A. Ἱππολυτία und Πάνδημος auch Wachsmuth Stadt Athen I 377 A. II 1, 247. Eisele Roschers Myth. Lex. III 1505ff., wo S. 1509, 22 das Citat Tümpel Philol. N. F. (nicht Suppl.) V 398 zu lesen ist.
  • S. 2734, 18: Über A. Pandemos überhaupt s. Furtwängler [103] S.-Ber. Akad. Münch. 1899. II 590ff., der sie als Lichtgottheit behandelt in Verwertung einer thebanischen Terracotte, und sie (eigentlich, wie Eisele a. O. 1513, 37ff. bemerkt, die Ἐπιτραγία) der A. Urania gleichsetzt (wie Usener Götternamen 65). Zusammenfassend Eisele a. O.
  • S. 2738, 13: Ein dem homerischen ἐχεσπάλος Ἄρης mit A. entsprechendes Götterpaar im ἱερὸς γάμος vermutet auf mykenischer Ringgemme Furtwängler N. Jahrb. f. klass. Altert. III 1900, 682, 1.
  • S. 2738, 68: Derselbe Brauch bei den beiden Verliebten, Paul. Silent. Anth. Pal. V 255, 5ff.
  • S. 2739, 50 Kalaureia: Inschr. S. Wide Athen. Mitt. XX 1895, 294, 3.
  • S. 2740, 50 Akrokorinth: ἱερὸς ὄχθος πόλις Ἀφροδίτης Eurip. frg. 1069 aus Strab. VIII 379.
  • S. 2741, 36 (Sikyon-Mekone): Mohn: Liebesorakel mit den Blumenblättern Theokr. III 29 und Fritzsche z. d. St. Pollux IX 127. Agath. Anth. Pal. V 296.
  • S. 2741, 52 (Paphos): Taube auf Münzen Imhoof-Blumer und O. Keller Tier- u. Pflanzenbilder 93.
  • S. 2743, 59 (Tyndareos): Hesiod. frg. 112 Ki. aus Schol. Eur. Or. 249.
  • S. 2744, 29 (Ambologera): als solche wirksam, Herondas I 62, Übers. von Crusius S. 80.
  • S. 2746, 35 (Sestos): Vgl. unter XXVI 6 c; Knaack Festgabe für Susemihl 78f. betrachtet Hero(-phile) als Eindringling in den A.-Kreis von Sestos.
  • S. 2747, 15: Skythische Enarer weissagen im A.-Cult aus Lindenbast, Herod. IV 67.
  • S. 2749, 30 (Paros): die Göttin Οἰστρώ auf der parischen Hetaereninschrift (Athen. Mitt. XVIII 1893, 16, 2. 25) ist von Maass a. O. als A. angesprochen und als Koseform der im Epigramm des Paul. Silent. Anth. Pal V 234 bezeugten Οἰστροφόρος Παφίη erklärt. Er denkt an eine Statue der Göttin mit Bremse in der Hand; ihr wird von ihrem Thiasos Brunnen, Altar und Thalamos neu errichtet.
  • S. 2753,40 (Kyzikos): Κλείτη κρήνη, aus Thränen der Kleite entstanden, Deïlochos von Prokonnesos frg. 8 aus Schol. Apoll. Rhod. I 1065, FHG II 18f. Fons cupidinis, dessen Wasser, getrunken, die Liebe aufhebt, Isid. orig. XIII 13, 3. Marquardt Kyzikos 14.
  • S. 2753, 62 (Pergamon): CIG II 3336. Dabei die Gallerschlacht des Attalos, Koepp De Gigantomach. 53.
  • S. 2754, 38 (Smyrna): s. u. zu S. 2763, 34.
  • S. 2754, 54 (Erythrae): Augustinus civ. dei XXI 6; nach Knaack Festgabe für Susemihl 81 stammt von hier der sestische Cult der A. Εὔπλοια mit Lampe und Sibylle Hero(-phile).
  • S. 2756, 24: Die Münzen mit der zwischen zwei Sphingen sitzenden A. sind nicht lykische, sondern kilikische (von Nagidos), Brit. Mus. Catal. Coins, Lycaonia, Isauria and Cilicia S. XIII.
  • S. 2756, 45: Nicht das pamphylische Olbia ist gemeint, sondern die Stadt am Borysthenes; die Erwähnung gehört also zu S. 2746 unter XVIII.
[Hill.]
  • S. 2757, 56 (Paphia): CIG 2641 (mit Zeus Keraunios). [104]
  • S. 2758, 68: Auf eine Tochter des Kypriers Kinyras, die in einen Tamariskenbaum verwandelt wurde, führt Hesych. (s. v.) den Baumnamen μυρίκη zurück; er soll von ihrem μύρεσθαι genannt sein.
  • S. 2759, 2: l. Athienu!
  • S. 2759, 56: Dieser Apfelbaum ist ,der einzige, der goldene Früchte trägt.‘
  • S. 2760, 6 (Amarakoskraut): Serv. Aen. V 72. I 693. Plin. n. h. XΙΙI 110. Dioskor. ΙΙΙ 41.
  • S. 2760, 50 (Amathus): Bei Ovid dagegen, der von einem Liebesverhältnis zwischen Iuppiter Hospes und Venus in Amathus nichts erwähnt, verwandelt die letztere, empört über die blutigen Fremdenopfer, die Verehrer des Gottes in junge Stiere (wovon der Name Kerasten komme), und ebenso die Propoitiden daselbst zur Strafe dafür, dass sie die göttliche Natur der A. bestritten hatten, in Stein, nachdem sie vorher hatten die Scham verlernen und sich als öffentliche Dirnen hatten preisgeben müssen.
  • S. 2761, 19 (Mannweibliche A. auf Kypros): Mit der ὄλισβος-Göttin Mise, in deren phrygischem Dienste die Frauen zu erotischem Zwecke sich in Männer verwandelten (Dieterich Philol. N. F. VI 1893, 12), verbindet die A. gemeinsame Freude nach Orph. Hym. 42, 7.
  • S. 2763, 34: Assyrier soll der König Theias sein, dessen Tochter κατὰ μῆνιν Ἀφροδίτης zwölfmal ihren Vater zum Beischlaf verführt und dann ihm den Adonis gebärt, Panyassis frg. 25 Ki. aus Apollod. bibl. III 14, 4, 1 (wiederholt ohne Nennung der A., aber unter Benennung der Adonismutter als Μυρρίνη, Schol. Opp. Hal. IV 403). Jener ,Zorn der A.‘ war nach Hygin. fab. 58 dadurch veranlasst, dass Smyrnas (so statt Myrrhine) Mutter Kenchreïs die Schönheit ihrer Tochter über die der A. gestellt hatte. Auf Theias oder Myrrhines Bitten, weder lebend noch tot zu sein, verwandelt A. selbst die Myrrhine in die entsprechende Pflanze (deren δάκρυα von Oppian. a. O. besprochen werden): Schol. Tzetz. Lyk. 828f. Nach Schol. Theokr. 1, 107 war A.s Zorn unmittelbar durch Myrrhines Prahlerei mit ihrem Haar veranlasst worden.
  • S. 2764, 26 (Zephyrion): Nach einem alexandrinischen ,Mythos der Menschen‘ erzählt die Sängerin in Theokrits Id. 15, 106ff., dass die A. Χρυσὼ Κύπρις Διωναία (πολυώνυμος καὶ πολύναος) der Berenike Ambrosia in die Brust träufelte und sie dadurch unsterblich machte.
  • S. 2765, 27 (Eryx): Rosen- und Thymianopfer. Ovid. fast. IV 870, vgl. Roscher Nektar und Ambros. 446. Zum Thymian vergleicht Murr Pflanzenwelt 197 den Hetaerennamen Ἑρπυλλίς.
  • S. 2766, 13 (Neapel): CIG 5796 zu streichen nach Kaibel IGI 745. Parthenope genannt nach der gleichnamigen Sirene, Dionys. Per. 358. A. hasste die Sirenen, weil sie den Jungfrauenstand erwählten, und verwandelte sie in Vögel, die nun nach Tyrrhenien entflohen und die νῆσος ἀνθεμοῦσσα besiedelten, Eustath. Od. XII 39 p. 1709, 42ff.; vgl. Hesiod. frg. 88 Ki. Crusius Philol. N. F. IV 1891, 98f. über den aphrodisischen Charakter der Sirenen.
  • S. 2767, 14 (Schwein): l. Schol. Arist. Acharn 792 (statt 880). [105]
  • S. 2767, 36 (Schwan): A. auf Schwan ist Umformung einer A. als Schwan nach v. Wilamowitz Eur. Herakl. II² 31, der ,die deutschen Göttinnen als Schwäne‘ vergleicht.
  • S. 2767, 58 (Kypresse): s. o. VI 1 c und Paus. VI 24, 6. (Tamariske, μυρίκη): s. o. 2758, 65. — l. φιλύρα.
  • S. 2767, 64 (Silberlinde): vgl. Nachtrag zu S. 2747, 25.
  • S. 2767, 65 (Granatapfel): A. giebt die Liebesäpfel, aus dem Garten des Dionysos gepflückt, dem Herakles, Kallimachos frg. π. λογάδων II 284 Schn. aus Schol. Theokr. II 120. Crusius Ad Plut. de prov. Alex. lib. comm. 1895, 25f.
  • S. 2768, 3: Σισύμβριον der A. geweiht neben der Myrte, Ovid. fast. IV 869; als Brautkranz Murr Pflanzenwelt 197; mentha venerea Apulei. de herb. 105. Vgl. den Hetaerennamen Sisymbrion (= Minze) Theophr. bei Athen. XIII 587f.
  • S. 2768, 9 (Rose und Thymian): vgl. Nachtrag zu S. 2765, 27. Rosmarin (λιβανωτός) als Bekränzung ihrer Statue, Horat. carm. III 23, 15f.
  • S. 2768,12 (Mandragora): Theophr. hist. plant. IX 9, 1, vgl. Xen. Conv. 24. — Krokos, Kyprien frg. 3 Ki. (Athen. XV 682 e). — Λυχνίς (Lichtnelke). nach Amerias bei Athen. XV 681f. erwachsen aus dem ausgeschütteten Badewasser nach A.s Verbindung mit Hephaistos (Murr Pflanzenwelt 266). — Ὀξυμυρχίνη und μυρταλίς, wohl aphrodisisch wegen des Hetaerennamens Myrtale nach Murr a. O. 99.
  • S. 2768, 25 (Wein): Bei Panyassis frg. 13 Ki. (Athen. II 36 d) wird der zweite Trunk der A. und dem Dionysos geweiht; der erste den Horen, Chariten und Dionysos, der dritte der ὕβρις und ἄτη.
  • S. 2768, 38 (Opferkuchen): Ψαιστία καὶ λιτῆς δῶρα θυηπολίης erhält die A. der Schiffer bei Gaetul. Anth. Pal. V 17.
  • S. 2768, 50: Ihr ὑπόθημα τρῦζον, λάλον, ὀχληρὸν ψόφῳ wird von Momos getadelt, Philostr. epist. 37.
  • S. 2768, 62: Die Nacht, der A. geweiht, Menandr. frg. 739, Kock III 209 aus Plut. mor. 318 d. 654 d. Schol. Theokr. II 10 (Philostr. vit. Soph. I 5 p. 518).
  • S. 2769, 65: In den Kyprien frg. 1 Ki. (Schol. A Hom. Il. I 5f.), wird auf Momos’ Rat von Zeus eine Tochter erzeugt, durch die zum Zweck der Entvölkerung der übervölkerten Erde (Γῆ) der menschenmordende troianische Krieg entfesselt werden soll, d. i. eben Aphrodite.
  • S. 2770, 44: In den Naupaktien frg. 7, 8 Ki. (= Herodoros, aus Schol. Apoll. Rhod. IV 59. 86) erfüllt A., damit Iason heimkehren könne, den Aietes mit Liebesbrunst gegen seine Gattin Eurylyte und schläfert ihn dann in Kolchis ein, damit er seinen Vorsatz, die Argo zu verbrennen, nicht ausführen kann (Gegenstück zu ihrer Rolle bei der homerischen Schäferstunde auf dem Ida).
  • S. 2771, 9: Dieser Schönheitswettstreit auch in den Ποιμένες des Sophokles (frg. 461 b Dindf.). Pantheistische Wirksamkeit der A. legt er der A. bei im frg. 678 Dindf. (Stob. 63, 3), wo sie genannt wird πολλῶν ὀνομάτων ἐπώνυμος: Ἅιδης, ἄφθιτος βίος, λύσσα, μαινάς, ἵμερος ἄκραντος, οἰμωγμός.
  • S. 2771, 23: Dem Euripides ist sie frg. 890 (Athen. XIII 599f., an den aischyleischen Mythos von Uranos und Ge erinnernd) als Spenderin des [106] ἔρως zugleich Spenderin alles Wachstums, entsprechend Hippolyt. 522.
  • S. 2771, 68: Auf einen anderen Empedokles geht die Bezeichnung des weiblichen χοῖρος als σχιστοὶ λιμένες Ἀφροδίτης beim Schol. Eur. Phoin. 18 wohl zurück; vgl. Macedo Anth. Pal. V 235, 6.
  • S. 2772, 10: Die 6-Zahl dagegen nannten ἀρχαῖοι bei Ioann. Lyd. de mens. II 10 p. 24f. γάμος und ἁρμονία = A., und zwar ἀρρενόθηλυς.
  • S. 2773, 37: A. Ἀλησία (-άς) s. o. Bd. I S. 1367f.
  • S. 2774, 28: A. Οἰστρώ s. o. zu S. 2749, 30.
  • S. 2774, 42: A. Σχοινηΐς, Lykophr. 832 mit Tzetz., nach Murr Pflanzenwelt 280 von der Binse.
  • S. 2774, 45: A. Χρυσώ: Theokrit. id. 15, 101, besungen von einer alexandrinischen Sängerin als Herrin von Golgoi, Idalion und Eryx.
  • S. 2774, 58: Aigialeia wird von A. zur Zeit des troischen Krieges überredet, sich mit Sthenelos, Sohn des Kometes, zu vereinigen, Eusth. Dionys. Per. 483.
  • S. 2775, 10: A. neben Charites vgl. Lolling Ἀθηνᾶ III 1891, 593.
  • S. 2775, 25: neben Hegemone, Hesych. s. v., mit Chariten, s. d.
  • S. 2775, 54: Myrike s. Nachtrag zu S. 2767, 58.
  • S. 2775, 67: Pothos Sohn der A., zuerst bei Aisch. Suppl. 1040. Πόθοι Meleag. Anth. Pal. X 21. Babr. 32, 2.
  • S. 2776, 1 Propoitides: s. Nachtrag zu S. 2760, 50.
  • S. 2776, 4 Seirenen: s. Nachtrag zu S. 2766, 43.
  • S. 2776, 12 Zeus, Vater der A.: s. Nachtrag zu S. 2769, 65.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 132–133
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     S. 2745ff. zum Art. Aphrodite:

  • S. 2745, 22: Der Kultus zu Naupaktos wird jetzt durch eine Inschrift bezeugt, IG IX 1, 391 Φείδων Ἀφροδίτᾳ. Über die Lage des Tempels, vielleicht im jetzigen Vorort Aphrodite, östlich vom Tempel des Asklepios, Woodhouse Aetolia 316. Frazer zu Paus. X 38, 12. Über einen ähnlichen Brauch bei Rhigani vgl. Pouqueville Voyage de la Grèce III 426. Die Stadt Argynna (s. u. in diesem Suppl.) deutet wohl auch auf A. hin. Bei den Opuntiern war ein A.-Typus von Terrakotten besonders beliebt, Girard De Locris Opuntiis 95, 3.
  • S. 2766, 32ff.: Zu Lokroi ist ein Kult von Iustin. XX 3 bezeugt, der von einem dies festus und templum spricht. Preller-Robert II 371, 1. Auch deutet darauf hin die Sitte der religiösen Prostitution, Athen. XII 516 a. Eine Terrakottatafel, die A. darstellt, ist neulich zu Lokroi gefunden, Quagliati Ausonia III 188ff. Abb. 41. Oldfather Philol. LXX 116f. Auf Bachofens weitausgreifende, zum Teü sehr phantastische Ausführungen über A. bei den Lokrern (Mutterrecht 309ff.) genügt es wohl, hier [133] nur hinzuweisen. Die Münze bei Mionnet Suppl. I 1004 aus Hipponion stellt wahrscheinlich Persephone, nicht A. dar.