RE:Arsinoë 18

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 1279–1280
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18) Im Asklepioskreise Doppelgängerin der Koronis:

A. Nach messenischer Sage Tochter des Leukippos und Enkelin des Aioliden Perieres, von Apoll Mutter des Asklepios und der Eriopis (Asklepiades im Schol. Pind. Pyth. III 14 nach epischer Quelle, vgl. unten. Apollodor. III 10, 3. Paus. II 26, 7; vgl. IV 3, 2.) Die örtlichkeiten dieser eigentümlichen Überlieferung liegen im östlichen Messenien (Gerenia, Pharai), dessen Asklepioskult zwar aus Thessalien stammt (Heiligtum des trikkaeischen Asklepios in Gerenia nach Apollod. bei Strab. VIII 360), aber den Anspruch auf autochthon messenischen Ursprung des Gottes und seiner Söhne erhebt (vgl. Thraemer in Roschers Lex. I 625. v. Wilamowitz Isyllos 54). Auch in der Stadt Messene war eine Quelle am Marktplatz nach A. benannt (Paus. IV 31, 6) und ebendaselbst im Tempel der Messene feierte ein Wandgemälde des Omphalion unter anderen Gestalten messenischer Sage Leukippos mit seinen drei Töchtern Hilaeira, Phoibe und A., der letzteren Sohn Asklepios samt ihren Enkeln Machaon und Podaleirios (Paus. IV 31, 12). Pausanias nennt (II 26, 7) als schriftliche Quelle dieser Messenien die Priorität vor Thessalien zuerkennenden Quelle Ἡσίοδον ἢ τῶν τινα ἐμπεποιηκότων ἐς τὰ Ἡσίοδου τὰ ἔπη συνθέντα ἐς τὴν Μεσσηνίων χάριν. Dass das hier gemeinte hesiodische Gedicht der Leukippidenkatalog gewesen, hat v. Wilamowitz (Isyllos 79) aus Schol. Hes. Theogon. 142 erkannt. Ob die Partie dieses Gedichtes, die von A. und ihrer Nachkommenschaft handelte, zu dem ursprünglichen Bestande der Kataloge gehörte oder (wie Pausanias Quelle vermutete) in dieselben zu Gunsten der Messenier interpoliert war, bleibt eine offene Frage. v. Wilamowitz empfindet neben [1280] Hilaeira und Phoibe eine dritte Tochter Leukipps und deren Descendenz als störend (a. a. O. 77). Indessen beachte man, dass sicher auch in lakonischer (B), wahrscheinlich auch in arkadischer (C) Überlieferung A. Tochter des Leukippos ist, ja der homerische Hymnus auf Apoll 212 Apoll dem Leukippos und dessen Gattin gegenüberstellt, womit kaum etwas anderes gemeint sein kann, als seine Werbung um beider Tochter A. (Gemolls Versuch, diesen Vers auf den pisatischen Leukippos und Daphne zu beziehen, ist unhaltbar). Jedenfalls vertritt A. als Mutter des Asklepios einen altpeloponnesischen Kultkreis, in welchen der aus Thessalien importierte Gott unter Beseitigung seiner ursprünglichen Mutter (Koronis) aufgenommen worden ist (vgl. unter Asklepios). Einen Ausgleich zwischen thessalischer und messenischer Überlieferung versuchte Sokrates von Argos, indem er Asklepios von A. geboren und dann von Koronis adoptiert werden liess (Schol. Pind. Pyth. III 14). Im Schol. AD zu Il. IV 195 sind irrtümlich sowohl A. als Koronis unter die Frauen des Asklepios geraten.

B. In lakonischer Überlieferung galt ebenfalls A. als Mutter des Asklepios, doch hatte sie hier ein gegen Messenien abweichendes Stemma, insofern ihr Vater Leukippos Sohn des Amyklas und Enkel des Lakedaimon war, Aristeides von Kos im Schol. Pind. Pyth. III 14. Zwischen den beiden Müttern der Überlieferung vermittelte Aristeides, indem er Koronis für den Mädchennamen der A. erklärte.

C. Arkadische Überlieferung (Quelle die sondernden Theologen). Cic. de nat deor. III 57 tertius Aesculapius Arsippi et Arsinoae,....... cuius in Arcadia non longe a Lusio (so hiess der obere Lauf des Gortynios Paus. VIII 28, 2) flumine sepulcrum et lucus ostenditur. Ebenso Io. Lydus de mens. IV 90, nach dem auch diese A. Tochter des Leukippos war (bei Ampel, lib. mem. 9 sind die Namen beider Eltern verderbt: Aristeti et Alcippes; in letzterem scheint der Vater Leukippos zu stecken).