RE:Alexandreia 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 13761388
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Alexandreia (Ἀλεξάνδρεια), Name zahlreicher von Alexander d. Gr. gegründeter Städte. 1) Alexandreia in Ägypten, heute Iskanderije, 31° 13′ 5″ nördl. Breite und 27° 35′ 30″ östl. Länge von Paris. Verschiedene antike Namen bei Steph. Byz. (vgl. [1377] Ps.-Kallisth. ed. C. Müller p. XX). Gegründet von Alexander d. G. im Winter 332/1 = Ol. 112, 1 (Droysen Hellenism. I 307. III 2, 206f.) und schnell emporgeblüht (Paus. VIII 33, 3. Amm. XXII 16, 15). Residenz der Ptolemaeer und Hauptstadt des römischen Ägypten (Ptol. IV 5, 9), bisweilen auch den Kaisern zur Residenz empfohlen (Lumbroso L’Egitto al tempo dei Greci e dei Romani, Rom 1882, 86, ein Buch, in dem die mannigfaltigen Aufsätze des Verfassers über A. gesammelt sind), nach Strab. XVII 798 μέγιστον ἐμπόριον τῆς οἰκουμένης.

Eine vollständige Beschreibung der Stadt aus dem Altertum (geschrieben hatten darüber Kallixenos, Apollonios Rhod., Nikanor, Aelius Dius und Horapollon) ist nur bei Strab. XVII 791–795 erhalten (vgl. dazu Lumbroso 162); gelegentlich erwähnt wird sie besonders in den Biographieen Alexanders, am ausführlichsten in der Recension A des Ps.-Kallisthenes (Iulius Valerius) ed. C. Müller, Paris 1846 (vgl. auch die Ausgabe von H. Meusel in Jahrb. f. Philol. Suppl. V 706) I 31–33, dessen topographische Angaben von Lumbroso 121 untersucht worden sind; wichtig auch die armenische Übersetzung, woraus in deutscher Übersetzung J. Zacher (Pseudokallisthenes, Halle 1867, 97) einiges mitgeteilt hat.

Das Stadtgebiet kennen wir durch die Untersuchungen in der Description de l’Egypte V 181–530 (Saint-Genis) und XVIII 383–496 (Gratien Le Père), in dem Atlas E. M. II pl. 81 eine grosse Karte des Bodens, A. V pl. 31 ein restaurierter Plan, und besonders durch die Ausgrabungen und Terrainstudien, die Mahmoud-bey 1866 für Napoleon III. gemacht und, da sie von diesem nicht mehr verwertet wurden, in dem Mémoire sur l’antique Alexandrie, Copenhagen 1872, veröffentlicht hat; darin eine Karte der Umgegend von A. und ein Plan der antiken Stadt in 1:20 000; eine von H. Kiepert besorgte Copie der auch die moderne Stadt enthaltenden Originalaufnahme des Planes in 1:10 000 in der königl. Bibliothek zu Berlin (verkleinert in Baedekers Unterägypten). Das Mémoire recensiert und der Stadtplan mit einigen Änderungen wiederholt von H. Kiepert in der Ztschr. d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin VII 1872, 337 (vgl. C. Wachsmuth in Jahresber. 1873 II 1092). Neuere Funde sind an Ort und Stelle von dem Arzte Dr. Neroutsos-bey beobachtet und zuletzt in L’ancienne Alexandrie, étude archéologique et topographique, Paris 1888, mitgeteilt worden, dabei Mahmouds Plan mit wichtigen Nachträgen versehen; Mahmouds Plan auch bei M. Erdmann Zur Kunde der hellenistischen Städtegründungen, Progr. d. protest. Gymn. zu Strassburg 1883, und neuerdings bei Stoffel (Mitarbeiter Napoleons) Histoire de Jules César, guerre civile pl. 19, vgl. II 257ff. Kleine Kärtchen von A. in Kieperts Atlas antiquus III und von W. Sieglin in Droysens historischem Handatlas 2. S. die umstehende Planskizze.

Die Inschriften im CIG 4677–4692. CIL III Suppl. 6576–6622; ausserdem von Neroutsos mit Einschluss der Henkelinschriften im Ἀθηναῖον II 1873, 429. III 1874, 71. 213. 441 (auch separat erschienen Τ. Δ. Νεροῦτσος ἐπιγραφαὶ τῆς ἀρχαίας πόλεως Ἀλεξανδρείας, Athen 1875) und von Μ. Γ. Δημιτσᾶς ἱστορία τῆς Ἀλεχανδρείας [1378] Athen 1885, 745 gesammelt; einzelnes bei Neroutsos L’anc. A. 90. Archaeologia XXVIII 1840, 152. Bull. d. Inst. 1866, 199. 1878, 58. Journ. d. Sav. 1879, 487. Rev. arch. XL 1880, 166 = 1883 I 194. Bull. hell. IX 1885, 146. XVI 1892, 71. American Journ. of arch. I 1885, 18. III 1887, 261. Für die Münzen aus der Kaiserzeit vgl. besonders Zoega Numi aegyptii imperatorii, Rom 1787, und S. F. Feuardent Collections Giov. di Demetrio, II Paris 1873. R. St. Poole Catalogue of the coins of Alexandria and the Nomes, London 1892. A. v. Sallet Die Daten der alexandrinischen Kaisermünzen, Berlin 1870.

Die Stadt war gegenüber der Insel Pharos an der Stelle des ägyptischen, durch ein Serapisheiligtum ausgezeichneten (Tac. hist. IV 84) Dorfes Ῥακῶτις (Paus. V 21, 9. Plin. V 62. Rh. Mus. XXVI 1871, 465) angelegt worden; Rhakotis blieb auch späterhin der einheimisch-ägyptische Name von A. Nach Strabon befand sich hier ehemals eine Küstenwache zum Schutze gegen fremde Schiffer, namentlich griechische, die seit homerischer Zeit auf dem Wege zur kanobischen Mündung die natürlichen Häfen von Pharos (vgl. Skyl. peripl. 107) benutzt haben mögen. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts stand der Sarkophag von Nektanebos I. in A. (Wiedemann Gesch. Äg. 288), aber es ist nicht ausgemacht, dass der König hier bestattet gewesen wäre und Rhakotis besondere Bedeutung gehabt hätte. Zu einer neuen Stadtanlage ist Alexander dadurch bewogen worden, dass sich an der sonst hafenlosen Deltaküste gerade hier Gelegenheit bot, mit Benutzung der Insel Pharos einen Hafen nach einem besonders bei den Griechen beliebten Schema (λιμὴν ἀμφίστομος Strab.) herzustellen; auf den Hafen gründeten sich die militärischen und oekonomischen Vorteile, die man von einer makedonischen Stadt in Ägypten erwarten mochte. Eine andere Überlieferung (Iason bei Steph. Byz. Plut. Alex. 26; vgl. Ps.-Kall. I 30) legt das Hauptgewicht auf die Erinnerung an die Homerverse Od. IV 354ff.

Berechnet war die Stadt zunächst auf die schon vorhandene Bevölkerung der Landschaft (vgl. Ps.-Kall. I 31; über die einen besonderen Gau bildende χώρα Ἀλεξανδρέων, regio Alexandriae, s. Kuhn Verfass. d. röm. Reichs II 477) und die nach A. verpflanzten Bewohner von Kanobos (Aristot. Oecon. II 33), dann auf eine colonia Macedonum (Iust. XI 11, 13), endlich auf eine Colonie von Juden (Joseph. Bell. II 18, 7; eine Synagoge CIL III Suppl. 6583); Römer und Italiker sind schon im 2. Jhdt. v. Chr. ansässig (Bull. hell. VIII 107). Über die spätere Zusammensetzung der Alexandriner s. Dio Chrys. or. XXXII, ihren Charakter u. a. Polyb. XXXIV 14, Hadrians Brief an Servian Hist. Aug. Saturn. 8. Lumbroso 92. Mommsen Röm. Gesch. V 581. Wohl nur die Griechen waren in Phylen (Ptolemais, Westermann Biogr. 50; Dionysia FHG III 164 aus Satyros) und Demen (Satyros a. a. O. Steph. Byz. s. Λητωεύς; sonst vgl. Lumbroso 72, 2) geteilt. Über Vereine Lumbroso 72, 3. Einwohnerzahl „mehr als 30 Myriaden Freie“ Diod. XVII 52.

Angeblich hat Alexander selbst die Stadt limitiert [1381] (Arrian. anab. III 1, 5. 2, 1), wobei nach makedonischer Sitte (Curt. IV 8, 6) der Lauf der Stadtmauer durch Mehl anstatt mit Kreide auf dem Boden vorgezeichnet wurde; das Opfer einer Jungfrau erwähnt Malal. Chron. 192 Bonn. Architekt war Deinokrates von Rhodos (Vitruv. II praef. 4. Dinochares bei Plin. n. h. V 62. VII 125); ausserdem wird noch Kleomenes von Naukratis genannt (Iust. XIII 4, 11. Ps.-Kall. I 31, vgl. Aristot. oecon. II 33. Arrian. anab. VII 23, 7), der nach seiner Stellung zu schliessen (ἐπὶ τῶν προσόδων Droysen Hell. I 324) aus den ägyptischen Einkünften die Baukosten geleistet haben muss, ferner von Ps.-Kall. I 31 (vgl. C. Müller zu der Stelle) Krates ταφρώρυχος von Olynth, Heron und endlich als legendarischer Urheber der Wasserleitungen und Cloaken Herons Bruder „Hyponomos“.

Deinokrates Plan (in makedonischem Mass entworfen? Erdmann 12), nach dem der Boden der Stadt (Strab. XVII 793, vgl. Plut. Alex. 26) die Gestalt einer makedonischen (Plin. n. h. V 62) Chlamys, d. h. eines Parallelogramms (vgl. Strabo II 118, anders Wachsmuth Rh. Mus. XXXV 1880, 454. Lumbroso 162) von 30 Stadien Länge und 7–8 Stadien Breite (andere Masse bei Steph. Byz. Diodor. XVII 52. Joseph. Bell. II 16, 4. Plin. V 62. Curtius IV 8, 1) erhalten hatte, ist an dem Terrain und nach Mahmouds Untersuchungen noch ziemlich deutlich. Die Stadt lag auf einem 5000 m. langen, 1600–2000 m. breiten, bis zu 30 m. hohen und durch eine Niederung südlich von Lochias in zwei Teile zerlegten Abschnitt des Hügelrückens, der sich zwischen dem Meere und der Mareotis von SW nach NO erstreckt, und war von einem nach Mahmoud turmlosen (vgl. aber Ps.-Kall. II 28) Mauerring umschlossen. Die Häfen waren mittels der Insel Pharos so angelegt, dass sich im Osten, wo Insel und Festland durch die Lochias (D) am nächsten zusammen trafen, ein befestigter, im Westen ein offener befand. Die Zufahrten zu den Häfen vom hohen Meere aus waren wie noch heute eng und gefährlich (Bell. Alex. 14); die Lage der drei von Plin. n. h. V 128 genannten alvei Steganus, Posideus und Taurus ist nicht bestimmbar; den Posideus pflegt man wegen eines bei Synesios epist. 640 Herch. erwähnten Poseidonheiligtums an der Westspitze von Pharos anzunehmen.

Die Einfahrt des befestigten, sehr grossen Hafens (sein Umfang 30 Stadien? Joseph. Bell. IV 10, 5) war einerseits durch das Akron von Pharos (φάριος μύρμηξ? Synes. 639) begrenzt, andererseits durch eine Mole von Lochias aus (Joseph. a. a. O.) möglichst beengt, und dazu war der Molenkopf auch noch von Klippen umgeben. Rückwärts war der Osthafen durch einen künstlichen zwischen der Insel und dem Festlande aufgeschütteten Damm, das Heptastadion (C), geschlossen. Dieser Damm, dessen Lage Mahmoud aus Leitungsresten anscheinend richtig erschlossen hat (dargestellt auf den Gemmen Toelken Verzeichn. d. geschnitt. Steine VII 110. 111?; über seine Breite Schambach Jahrb. f. Philol. CXXV 1882, 220), muss ebenso wie die Lochiasmole eine Festungsmauer getragen haben, die sich auf der Insel irgendwie bis zur Einfahrt des Hafens fortsetzte (Joseph. a. a. O. Bell. Alex. 17f.); ausserdem trug [1382] er auch die Wasserleitung zur Insel. Die westliche Hälfte von Pharos war nicht befestigt, aber gleichwohl bewohnt, bis sie von Caesar verwüstet (Strab. XVII 792) und dann neu colonisiert wurde (Plin. n. h. V 128; Heroengräber Steph. Byz. Ps.-Kall. I 31. Eustath. zu Dionys. Perieg. 259. Tzetz. Lykoph. 124; vgl. Arrian. VII 23, 7; für die in ausserägyptischen Inschriften begegnende Isis Pharia wird man auf Pharos einen Tempel ansetzen müssen). Der zwischen ihr, dem Heptastadion, dem Lande und einer jetzt nicht mehr kenntlichen Landzunge gelegene Hafen des Eunostos (des kyprischen Königs und Verwandten des Ptolemaios, vgl. C. Wachsmuth Festrede, Göttingen 1876, 4) war offen, aber an ihm lag die Κιβωτός (I), ein ὀρυκτὸς καὶ κλειστὸς λιμήν, d. h. ein hinter die Mauer längs des Strandes zurückgezogener, somit befestigter Hafen, und mit dem grossen Osthafen war er durch zwei gewölbte Durchlässe des Heptastadion verbunden (Bell. Alex. 19). Ein anderer ὀρυκτὸς λιμὴν καὶ κλειστός, für die königl. Marine bestimmt (Bell. Alex. 13, vgl. Lumbroso 164, 1) und daher jedenfalls befestigt, war an der Lochias von dem Osthafen abgezweigt (E).

Der Kibotoshafen, dessen Gestalt und Grösse hypothetisch ist, war durch seine directe und schiffbare Verbindung mit der Mareotis wichtig; diese bestand wahrscheinlich schon vor Deinokrates (vgl. Skyl. 107, ein anderer westwärts ausserhalb der Stadt gelegener Abfluss der Mareotis ins Meer, Drakon, nach Ps.-Kall. I 31 s. Lumbroso 127ff. Mahmoud 49) und wird in der (schon für Ps.-Kallisthenes Anschauung?) eine Strecke weit überdeckten alten Mündung des Nilcanals (J), der noch heute südlich vom alten Stadtgebiet längs der Mareotis fliesst (eine neue Mündung [K] 1822 weiter westlich angelegt), zu erkennen sein. Saint-Genis will (Descr. V 337) den Ansatz der geradlinigen Fortsetzung des Kibotoscanals bis zur Mareotis beobachtet haben (J'); vgl. Mahmouds Plan.

An der Mareotis befand sich ein Binnenhafen, λιμὴν λιμναῖος (nicht zu identificieren, wie u. a. Schambach a. a. O. 224, 18 gethan hat, mit der palus a meridie interiecta Bell. Alex. 4, die Mahmoud 27. 109 fälschlich in der Niederung südlich von der Lochias ansetzte). Seine Lage wird von Strabon nicht angedeutet, ebensowenig, wie er sich zu dem Canal von Schedia (Z) verhielt, der ebenso wie der Kibotoscanal mit der Mareotis zusammenhing. Wahrscheinlich war der Kibotoscanal nur die Fortsetzung des Schediacanals und beide dienten ausser der Schiffahrt auch dazu, die keine Quellen enthaltende Stadt mit Wasser zu versorgen. Sie entsprechen also im wesentlichen dem heutigen Nilcanal (vgl. Descr. XI 244. XV 365. Mahmoud 69), von dem mehrere unterirdische Stollen (Z') das Wasser in das Stadtterrain leiten; daraus wird es in grosse Cisternen gehoben, hier aufbewahrt und weiter verteilt, ein Leitungssystem, das auf Krates und Deinokrates zurückgehen kann (mehrere in dem erhaltenen Ausbau aus der letzten Zeit des Altertums herrührende Cisternen in der Descr. A. V pl. 36, 1–8. 37, 4–23). Die Mareotis (Descr. XVI 199. Mahmoud 99), etwa seit dem 17. Jhdt. eingetrocknet, 1801 durch eine von den Engländern hergestellte Verbindung mit dem See von Abukir wieder überschwemmt und mit Meerwasser angefüllt, wurde [1383] ehemals durch Nilcanäle gespeist (Strab. XVII 793) und nahm deshalb an der Nilschwellung teil. Ihr Wasser mag, wie es Skyl. 107 angiebt, trinkbar, wenn auch wegen des salzhaltigen Bodens von geringer Qualität gewesen sein. Vor allem wird man wegen des ungleichen Wasserstandes die im Bell. Alex. 5 bezeugte unmittelbare Verbindung mit dem Nil vorgezogen haben. Der Binnenhafen muss hiernach südlich von dem Canal gelegen haben (in der Richtung von Lochias? vgl. Philo in Flacc. 11); er ist vielleicht identisch mit dem von Iustinian befestigten Hafen Φιάλη (Procop. de aed. VI 1). Der grosse Flusshafen für A. befand sich bei Schedia (oder Χαιρέου) an der kanobischen Mündung (Strab. XVII 800).

Das Stadtgebiet selbst war durch ein von Strabon und Plut. Alex. 26 bezeugtes, von Mahmoud wieder aufgefundenes Netz rechtwinkelig sich kreuzender reit- und fahrbarer Strassen geteilt (über die Beziehung ihrer Richtungen zum Gründungstag Erdmann 20). Darunter waren zwei mehr als ein Plethron breite Hauptstrassen; sie lagen nicht in den Mittellinien der Chlamys, sondern die eine war nach Norden, die andere nach Osten darüber hinausverschoben. Die Längsstrasse (ἡ πλατεῖα Strab. Polyb. V 39, 3. XV 30, 4. 33, 12. Diodor. XVII 52) erstreckte sich ca. 30 Stadien weit von dem Thor, das im Westen zu dem προάστειον mit der Nekropole (vgl. Mai Spicil. rom. III 689, wo auch ein locus cui Leucado vocabulum est erwähnt wird. Joseph. c. Ap. II 4; Reste Descr. A. V pl. 42. Lumbroso 176, 2. Neroutsos 74) führte, bis zu der Κανωβικὴ πύλη im Osten; die Querstrasse lief in der schon genannten Niederung von Lochias aus nach Süden (vgl. Joseph. Bell. XI 16, 4). Parallel dazu lagen die bei Ps.-Kall. I 31 (vgl. Lumbroso 133) aufgezählten Strassen, von denen bei dem schlechten Zustande des Textes nur die Serapisstrasse, die auf die sonst nicht bestimmbare Agora geführt zu haben scheint, und die Aspendia (Athen. IV 174b. d), an der vermutlich das Tychaion lag (Theophyl. VIII 13, 10 de Boor. Liban. IV 1113 Reiske = Nicol. progymn. I 408 Walz; von O. Müller Zeitschr. f. d. Altertumswiss. 1839, 388 für das nach dem Chron. Pasch. 497 Bonn. von Severus gestiftete Pantheon gehalten, vgl. Neroutsos 96), deutlich sind; eine Hermesstrasse im östlichen Teile der Stadt (Bull. d. Inst. 1877, 79, vgl. das Hermesrelief aus A. ebd. 1848, 154 und die Inschrift des procurator ad Mercurium CIL X 3847). Wasserleitungen und Cloaken begleiteten die Hauptstrassenzüge.

Die bisher geschilderten topographischen Gesamtverhältnisse von A. waren vermutlich im Plan des Deinokrates so bestimmt. Von dem allmählichen Ausbau und von Umbauten erfahren wir wenig. Die Mauern sollen von Ptolemaios Soter erbaut worden sein (Tac. hist. IV 83); zu Aurelians Zeit waren sie verfallen (Amm. XXII 16, 15). Die Erbauung des sog. arabischen kaum ein Drittel des ursprünglichen Stadtterrains einschliessenden Mauerrings (H) wird Ahmed Ebn Tulun zugeschrieben. Unter Ptolemaios Soter wurde dem Anscheine nach die Einfahrt des grossen Osthafens durch den berühmten von dem Knidier Sostratos erbauten Leuchtturm Pharos (A), dessen Stelle nicht mehr genau bestimmbar ist, kenntlich gemacht. Des Sostratos [1384] Vater Dexiphanes wird, freilich in legendarischer Verbindung mit der Kleopatra, als Erbauer des Heptastadion (τετραστάδιον!) genannt (Chron. Pasch. 363 Bonn. Tzetz. hist. II 26. IV 503. VI 296; vgl. Amm. XXII 16); die Anschwemmung an diesen Damm, die in nachantiker Zeit so gewachsen ist, dass die ganze türkische Stadt darauf Platz fand, hatte schon im 1. Jhdt. n. Chr. begonnen (Seneca nat. quaest. VI 26, vgl. Wachsmuth Rh. Mus. XLII 1887, 464), und zu Synesios Zeit war der Hafen bereits zum Teil versandet. Wie in neuerer Zeit wird auch im Altertum der Nilcanal und das Leitungssystem oftmals ausbesserungsbedürftig gewesen sein; Canalreparaturen werden von Augustus berichtet (Dio Cass. LI 18, vgl. Suet. Oct. 18 und die Inschrift Eph. ep. VII 448), am Ende des 4. Jhdts. n. Chr. von Tatianus (fluvius Tatianus s. Excerpta Barbari 62a bei Schöne Euseb. I Append.), von 459 n. Chr. (Theophan. chron. 115, 6 de Boor). Im 1. Jhdt. n. Chr. war der Nilhafen von Schedia näher an A. und zwar nach Nikopolis verlegt worden (Joseph. Bell. IV 11, 5. Plin. n. h. VI 102), wo sich von dem Hauptcanal nach A. ein Canal nach Kanobos (Strab. XVII 795. 800) abzweigte. Antoninus Pius erneuerte die Hauptlängsstrasse (Malal. 280 Bonn.), den späterhin sog. δρόμος, der von Säulenhallen eingefasst war (Aristid. II 450 Dind. Mai III 181. 689. Hermes VII 1873, 364. Zoega catal. cod. copt. 12; vgl. auch διαβάθρα τοῦ δρόμου Wachsmuth Rh. Mus. XLII 1887, 462), und die beiden Thore an seinen Enden im Westen und Osten, die nun πύλη σεληνιακή (L) und πύλη ἡλιακή (V) hiessen (vgl. Achill. Tat. V 1. Mai III 485. Journal Asiatique XIII 1834, 398). Portae Petrinae erbaute der oben genannte Tatianus im 4. Jhdt. n. Chr. Aus spätrömischer Zeit stammt auch das von Mahmoud aufgefundene Strassenpflaster und die Säulenreihe an der Hauptquerstrasse und an anderen Strassen. Das erst im 4. Jhdt. erwähnte Tetrapylon (Lumbroso 138) hat vielleicht am Kreuzungspunkt der beiden Hauptstrassen (gleich dem μέσον πεδίον bei Ps.-Kall. I 32? vgl. Achill. Tat. V 1. Joseph. Bell. II 8. Erdmann 17ff. vermutet hier die Agora) gestanden.

Ausser den schon genannten einzelnen Gebäuden von A. werden uns noch folgende überliefert.

Auf der Halbinsel Lochias lag ähnlich wie die Burg des Dionysios in Syrakus und die des Maussollos in Halikarnass ein königlicher Palast. Der grössere Teil der wie eine ἄκρα (Polyb. V 39, 4. Plut. Kleom. 37. Athen. V 196a. Caes. b. c. III 112) angelegten Residenz, die Ptolemaios beschrieben hatte (Athen. XIV 654), hat sich weiter in die Stadt hinein sowohl westwärts längs des grossen befestigten Hafens als auch ostwärts erstreckt. Von Deinokrates war (nach hippodamischer Lehre?) 1/5 des Stadtterrains dafür bestimmt (Plin. V 62); später nahm sie zusammen mit den sonstigen öffentlichen Anlagen 1/4 bis 1/3 der Stadt ein (Strab. XVII 793). Ausser den z. B. noch von Vespasian (Philostr. vit. Ap. V 26) benutzten Wohngebäuden (über deren Pracht s. Lucan. X 111ff.; ein χρηματιστικὸς πυλών Polyb. XV 31, 1; das μέγιστον περίστυλον Polyb. FHG II p. XXVII, vgl. 3 Makkab. V 23; eine zum Theater führende mehrere Räume enthaltende [1385] σύριγξ, zwischen dem Μαίανδρος und der παλαίστρα gelegen Polyb. XV 30, 6; in dieser Palaestra die τετράγωνος στοά erwähnt Lumbroso 136, 2? das ὀπτανεῖον Plut. Ant. 28) gehörten zur Residenz noch mannigfache Anlagen und Gärten (vgl. Athen. XIV 654; hier das κυνήγιον Theophan. chron. 66, 5. 96, 16 de Boor? εὐρυχωρίαι Polyb. XV 30, 4), ferner der schon erwähnte kleine Kriegshafen am Fuss von Lochias (E) und, gegenüber im grossen Hafen gelegen, das jetzt tief unter Wasser befindliche Inselchen Antirrhodos (F), dann eine ὁπλοθήκη (Philo in Flacc. 11), das Lager der makedonischen und anderen Truppen (Polyb. XV 28, 4. 29, 1), ein Gefängnis (Polyb. V 39, 4. Plut. Kleom. 37), ein Dionysisches unweit des Hafens gelegenes (Caes. b. c. III 112) und wahrscheinlich mit einem Dionysostempel verbundenes (vgl. Athen. VII 276b. Lumbroso 107) Theater (Polyb. XV 30, 4. 6), das 428 n. Chr. einstürzte (Theophanes 92, 33 de Boor), das Museion mit der Bibliothek, die bei dem von Caesar veranlassten Brande der alexandrinischen Flotte und der Schiffshäuser Feuer gefangen hatte (Plut. Caes. 49; vgl. Ztschr. f. d. Altertumswiss. 1839, 857. Lumbroso 165, 2), endlich das σῆμα Ἀλεξάνδρου (von Mahmoud 50 an der Stelle des heutigen Hügels Kom-ed-demas vermutet [U'], vgl. Neroutsos 55), ein Peribolos mit dem Grabe Alexanders (Iason περὶ τῶν Ἀλεξάνδρου ἱερῶν ἐν Ἀλεξανδρείᾳ Athen. XIV 620d. Ps.-Kall. III 34) und den Gräbern der Ptolemaeer (Joseph. c. Ap. II 5. Sueton Octav. 17; Heroon des Hephaistion ebenfalls hier? vgl. Arrian. VII 23, 7); Kleopatra hatte ihr Grabdenkmal bei einem Isistempel innerhalb der Residenz zu bauen begonnen (Plut. Ant. 75, vgl. Dio Cass. LI 8. 10. Suid. s. ἡμίεργον; auf diesen Isistempel hat Neroutsos die in der oberägyptischen Inschrift CIG 4703c von Letronne hergestellte Isis Lochias Soteira beziehen wollen, aber durch Lepsius Denkm. Abt. VI Bl. 75, 23 wird die Lesung Μωχιάς statt Lochias bestätigt).

Hinter dem Theater lag am Hafen, dessen Ufer von einem Quai (κρηπίς Polyb. XV 38, 8. Plut. Kleom. 34) eingefasst war, das Emporion (R, etwaige Reste davon Neroutsos 23) mit den Magazinen (ἀποστάσεις, vgl. Wachsmuth Stadt Athen II 1, 105; darunter die Φρόντωνος ἀπόστασις bei Mai III 492?) und vor dem Emporion ein ein Poseidonheiligtum (T) tragender Vorsprung, den Antonius durch einen Damm bis mitten in den Hafen verlängert hatte, um hier einen Palast, das sog. Timonium (G), zu erbauen (Plut. Ant. 70). Weiterhin kam das Καισάριον (so Strab. 794 und Malal. chron. 217 Bonn., welch letzterer den Namen fälschlich von dem Sohne Kleopatras herleitet; Plin. XXXVI 69: Caesaris templum; Phil. leg. ad Gai. 22 τὸ λεγόμενον Σεβάστιον, ἐπιβατηρίου Καίσαρος νεώς; vgl. Mommsen CIL III Suppl. 6588. Lumbroso 154); seine Lage lässt sich durch die beiden Obelisken (Plin. XXXVI 69), die von dem Architekten Pontius 13 v. Chr. davor errichtet worden waren (CIL III Suppl. 6588) und sich bis in neueste Zeit an Ort und Stelle befanden (S), genauer bestimmen. Die Christen hatten es in eine Kirche verwandelt (vgl. Sokrat. hist. eccl. VII 15 Reading; weitere Schicksale Neroutsos 14). Südwestlich hinter dem Caesareum scheint ein Tempel der Isis Plusia, dann [1386] am Dromos vielleicht auch ein Tempel der als Serapis und Isis verehrten Philopator und Arsinoe gelegen zu haben (Neroutsos 5. 22, vgl. Ἀθηναῖον II 464). Den Ufersaum zwischen dem Emporion und dem Heptastadion füllten die Schiffshäuser (P) aus; über die ναυπήγια (auf Pharos?) s. Wachsmuth Rh. Mus. XLII 1887, 462 (zu dem ebenda erwähnten ἀμπέλιον vgl. Lumbroso 126, 4 und Chron. Pasch. 471 Bonn.). In der Nähe der Schiffshäuser stand ein Arsinoeion mit zwei Obelisken davor, die unter Philadelphos von Satyros errichtet, von Maximus auf die Agora versetzt wurden (Plin. XXXVI 68, vgl. XXXIV 148). Unmittelbar am Hafen muss auch ein Tempel der Bendis (Βενδίδειον s. Lumbroso 126) seinen Platz gehabt haben, vielleicht im Bezirk der ehemaligen Kirche des H. Athanasios (Q).

Alle bisher aufgezählten Gebäude, zu denen man noch das speciosum Genii templum Amm. XII 11 (vgl. das τέμενος Ἀγαθοῦ Δαίμονος, des Gottes, dessen Fest, die Natalicien der Stadt, am 25. Tybi gefeiert wurden, nahe der Stoa beim Mesonpedion Ps.-Kall. I 32. Lumbroso 139) rechnen könnte, reichten vermutlich nicht über den Dromos hinaus; an diesem, d. i. der πλατεῖα, lag auch das grosse Gymnasion mit dem Dikasterion und nimmt Neroutsos 71 das Heiligtum des Kronos (Athen. III 1106. Rufin. hist. eccl. II 25) an, während südlich von ihm das Paneion, ein künstlicher Gebirgsgarten, von Mahmoud 57 vielleicht richtig an der Stelle des Hügels Kom-el-Dikkeh (U) angesetzt wird. Ein am Dromos gelegener Stadtteil, der als Wohnort berühmter Männer genannt wird, hiess Προυχεῖον oder Βρύχιον (s. Stephanus Thes.), zerstört 272 n. Chr. (Hier. chron. ol. 262. Amm. XXII 16, 15). Zwischen dem Brychion und einem inschriftlich zusammen mit dem Mausoleum Alexanders genannten Stadtteil Neapolis zu scheiden ist nicht möglich (Wachsmuth Rh. Mus. XXXV 1880, 449. Lumbroso 131).

Den westlichen Teil A.s südlich von den Navalien und dem Heptastadion nahm das ägyptische Quartier, die Altstadt Rhakotis, ein. Hier lag „noch innerhalb des Canals von der Kibotos zur Mareotis“ in der darnach benannten Strasse das Sarapeion (N), noch heutzutage kenntlich (Wachsmuth Jahresber. 1873 II 1093) an der von arabischen und neueren Reisenden oft genannten (Lumbroso 196) Pompeiussäule (Descr. A. V pl. 34), dem Postament einer 302 n. Chr. von dem Eparchen Pompeius errichteten Statue Diocletians (CIG 4681). Das Heiligtum bestand schon vor Alexander; über den ptolemaeischen Tempelbau wissen wir nichts Bestimmtes (vgl. Ruperti zu Tacit. hist. IV 84, 5. Plew de Sarap. 23; über die angebliche Stiftung des Kultes und Einholung des Gottes s. Parthey zu Plut. Is. et Os. 213ff. Lumbroso 111; Statue des Gottes, Michaelis Journ. of hell. stud. VI 1885, 289ff.), dagegen besitzen wir aus späterer Zeit eine Beschreibung von Aphthonios Progymn. 12 (vgl. Heffter Ztschr. f. d. Altertumswiss. 1839, 377). Darnach wurde (seit der Zerstörung des Brychion?) die Höhe, auf der das Sarapeion lag, als Akropolis aufgefasst (vgl. Clem. Alex. protr. p. 14 Sylb.). Es stand in einem Säulenhofe (vgl. Amm. XXII 16, 12), dessen Mitte die Pompeiussäule einnahm, [1387] davor zwei Obelisken (Ps.-Kall. I 33); hinter den Hallen lagen Räume für Kultuszwecke und für die von den Arabern verbrannte Bibliothek, vor ihnen ein Propylaion mit einer Kuppel. Das Sarapeion brannte 183 n. Chr. (Hier. II 173 Schöne. Sync. 668 Bonn.); zerstört und in eine Kirche mit einem Kloster verwandelt wurde es 390 n. Chr. (Theophan. 71, 7 de Boor. Eunap. v. Aedes. 472, vgl. Cod. Theod. XVI 1. 2). Unter dem Sarapeion war eine Hetaere des Philadelphos bestattet worden, die als Ἀφροδίτη Βελεστική Kult und Tempel erhielt (Clem. Alex. a. a. O. Plut. amat. 9; vgl. Athen. XIII 576f. 596e). Christliche Katakomben südwestlich vom Sarapeion Neroutsos 38ff. Wescher und de Rossi Bull. di arch. christ. 1865, 57. 72. Am Südfusse lag ein Stadion, das Aphthonios erwähnt (vgl. Polyb. XV 30, 3. 32, 2. 33, 18. Athen. V 197d. Wachsmuth Jahresber. 1873 II 1094; aufgenommen Descr. A. V pl. 39, 2. 3); vielleicht lag auch das von Joseph. Bell. II 18, 7 genannte römische Amphitheater innerhalb der Stadt; über Spiele in A. vgl. Lumbroso 100ff. Bäder werden von Damasc. vit. Isid. 67 und Theophanes 96, 2 (vgl. 152, 4). 107, 4. 109, 25. 114, 10. 115, 6. 116, 23 erwähnt.

Entsprechend der Gräberstadt im Westen gab es auch vor dem kanobischen Thor im Osten eine Nekropole (Philo in Flacc. 11. Neroutsos 80. 102; hier auch die vallis iuxta sepulcra Mai III 687?), in der Stratonike begraben war (Athen. XIII 576f.) und das als Temenos der Nemesis geweihte Denkmal des Pompeius lag (unter Traian von den Juden zerstört, Joseph. Bell. II 18, 7; c. Ap. II 4. Appian. b. c. II 90). Eine Weihung an Nemesis CIG 4683d. Südlich von der Nekropole lag der Hippodrom (Strab. 795) und an dem Nilcanal ein Vergnügungsort der Alexandriner, Eleusis (X); in der dabei ehemals vorhandenen Ruine (W) ist wahrscheinlich der Demetertempel zu erkennen (Θεσμοφορεῖον Polyb. XV 29, 8; τέμενος τῆς Κόρης mit Tempel und Krypte Philol. XVI 1860, 354; eine Weihung an Demeter, Kora und Dikaiosyne Rev. arch. 1874, 49, an Apollon und Kora CIG 4682d; hierauf auch Euseb. praep. ev. III 12 bezüglich?). Bei Eleusis (Khadra) befindet sich auch der grösste unter den Abraumhügeln von A., deren Aufhäufung allgemeiner orientalischer Sitte entspricht; Ps.-Kall. I 32 nennt einen solchen Hügel, Κοπρία (wohl gleich dem Κοπρεών Theophan. 115, 6 de Boor, vgl. Zoega Catal. cod. copt. 258), während Philo in Flacc. 11 im Osten der Stadt allgemeine Κοπρίαι erwähnt (vgl. Lumbroso 187. Neroutsos 31ff.).

Als ein Teil von A. muss auch das 20 (Joseph. Bell. IV 11, 5) oder 30 Stadien (Strab. XVII 795. 800) von der Stadt entfernte, östlich von Eleusis am Strande gelegene Nikopolis (oder Iuliopolis Plin. n. h. VI 102) aufgefasst werden, das von Augustus an der Stelle gegründet worden war, wo er einen Sieg über Antonius davon getragen hatte (vgl. Dio Cass. LI 13). Es hatte ein Amphitheater (vgl. Philostr. vit. Ap. V 26) und ein Stadion und hier wurden penteterische Aktia (Dio Cass. LI 18. CIG 5804, 27. CIL II 4136; vgl. Wachsmuth Rh. Mus. XXXV 1880, 448) gefeiert. Über den Friedhof der hier stationierten Legionen (Y, bei dem bis vor kurzem noch erhaltenen [1388] sog. Camp des Césars) vgl. Neroutsos 85; zur Nekropole von Nikopolis gehört auch das kleine Tempelchen Arch. Zeitg. XXIII 1865, 145*. XXIV 1866, 179 Taf. 210. Neroutsos 87.

Die Stadt A. selbst war in fünf nach den Buchstaben Α, Β, Γ, Δ, Ε bezeichnete Quartiere geteilt (Ps.-Kall. I 32), die vielleicht den fünf Hügeln entsprechen, über die Sarapis gebot (Lumbroso 135). In Δ, nämlich zwischen der Regia und der östlichen Nekropole, also im Nordosten der Stadt, waren die Juden angesiedelt (Joseph. Bell. II 18, 7. Philo in Flacc. 11); Β scheint in der Nähe des oben genannten Tempels der Isis Plusia gelegen zu haben. Um folgende Notiz des Etym. Flor. (Miller Mél. de litt. gr. 284) Τρία· οὕτω καλεῖται ἐν Ἀλεξανδρείᾳ τὰ Τρία, ἃ καὶ πρώτιστα τῆς πόλεώς εἰσιν· ὧν τὸ μέν ἐστιν Ἀφροδίτης, τὸ δὲ Ἡφαίστου, τρίτον δὲ Βουβάστεως mit Sicherheit auf dieselben Quartiere von A. zu beziehen (vgl. Philol. XXVIII 1869, 351) fehlt es an weiterem Beweismaterial.

Alexandreia ist eine der bedeutendsten Münzstätten des römischen Reiches, und die grosse Zahl von Silber- und Kupferprägungen, die in ihr erfolgte, in historischer, chronologischer und mythologischer Beziehung sehr interessant (vgl. die gedrängte Darstellung bei Head HN 719ff.). In der vorrömischen Münzordnung Ägyptens war ein goldenes Oktadrachmon von 28,26 g. einer Mine Silbers (= 100 Silberdrachmen oder 25 Tetradrachmen) von 357 g. und einem Talent Kupfer von 21,42 kg. (in 1000 Kupferdrachmen) gleichgestellt worden. Unter römischer Herrschaft wurde in A. Gold gar nicht ausgemünzt, an die Stelle des Oktadrachmons trat mit gleicher Berechtigung der Aureus des Augustus, der nur 7,89 g., also 3,6 mal weniger wog. Da das Silber-Tetradrachmon zu wertvoll war, als dass es als fünfundzwanzigstel des Aureus berechnet werden konnte, wurde es eingemünzt; als Kaiser Tiberius 28 n. Chr. in Silber münzen liess, konnte das dem römischen Denar gleich tarifierte Vierdrachmenstück (Shekel, στατήρ) nur Billon sein, zunächst mit 25% Silber, später aber wurde der Feingehalt auf 4 und selbst auf 1,8% reduciert. Die Kupferdrachme, die vor der Römerzeit 1/6000 des Oktadrachmons gewesen war, bildete nunmehr 1/6000 des Aureus und musste daher gleichfalls stark einbüssen. Die Kupferprägung hört etwa unter Severus Alexander auf, da das Silbergeld zu schlecht geworden war, um ein Creditgeld neben sich zu belassen. Die Silberprägung dauert bis auf Domitius Domitianus 296 n. Chr. S. Mommsen Münzwesen 722ff. Die alexandrinischen Münzsorten zeigen auf der Vorderseite den Kopf des Kaisers, auf der Rückseite ausserhalb des Bildes das Regierungsjahr mit einem L z. B. LA, LB (auch LΔΕΥΤΕΡΟΝ, LΤΡΙΤΟΝ) oder einem ΕΤΟΥΣ u. a. (v. Sallet Die Daten der alexandrinischen Kaisermünzen, Berlin 1870).

Karte

WS: Im Original befindet sich die Karte in den Spalten 1379–1380.

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