RE:Salz

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I A,2 (1920), Sp. 20752099
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Salz. Mit ἅλς (oder dem sehr gebräuchlichen Plural ἅλες; seltener und spät das Neutrum ἅλας), sal, bezeichnen Griechen und Römer nicht bloß unser Koch-S., sondern auch andre S., die mitunter, namentlich in salzarmen Gegenden, dessen Stelle vertreten mußten, die aber ihrer chemischen Beschaffenheit nach sich von jenem wesentlich unterscheiden. Im allgemeinen unterschied man die S. nach der Art der Gewinnung als Gruben-S., ἃλς ὀρυκτός (Diosc. V 125. Strab. III 144. Arrian. anab. III 4, 3. Ps.-Arist. mir. ausc. 134 p. 844 a, 12), sal fossicius (Varro r. r. I 7, 8) oder fossilis (ebd. II 11, 6. Cels. VI 13), worunter jedoch nicht bloß Stein-S. zu verstehen ist, sondern alles S., das nicht direkt an der Oberfläche liegt, und als Meer-S., ἃλς θαλάσσιος (Diosc. a. a. O. Plut. quaest. conv. VIII 8, 2 p. 729 A. Galen. XII 372 K.), sal maritimus (Varro I 7, 8) oder marinus (ebd. II 11, 6. Plin. XXXI 84). Eine andere Unterscheidung macht Plin. XXXI 73: sal omnis aut fit aut gignitur, utrumque pluribus modis sed causa gemina, coacto umore aut siccato. Er unterscheidet also im allgemeinen S., das seine Entstehung menschlicher Tätigkeit verdankt und das er ebd. 81 sal facticius nennt, und S., das sich schon fertig in der Natur findet, sal nativus ebd. 77 genannt; bei beiden nimmt er aber zugleich eine zweifache Art der Bildung an, nämlich entweder durch Verdichtung oder durch Eintrocknung (Verdunstung) einer salzhaltigen Flüssigkeit. Galen unterscheidet XII 372 ἅλες ὀρυκτοί und θαλάσσιοι, XI 694 aber ὀρυκτοί, οἱ ἐκ τῆς θαλάσσης καὶ πολλαχόθεν τῆς γῆς ἐξ ὑδάτων ἐλαφρῶν ἀναξηρανθέντων γεννώμενοι. Wir wollen uns im folgenden bei der Besprechung der Hauptarten zunächst des Koch-S. und seiner Fundstätten als Einteilungsgrund an den Aggregatzustand und weiterhin an die Gewinnungsart halten.

Das eigentliche Koch- oder Speise-S. (Natrium-Chlorid), von dem wir hier hauptsächlich zu handeln haben, ist jedenfalls schon in sehr frühen Kulturperioden bekannt gewesen, wenn auch ursprünglich nur in solchen Gegenden, wo es als Meer- oder See-S. am Tage lag, also an der Meeresküste oder in der Nähe von S.-Seen; daher heißt es bei Hom. Od. XI 122 von den im Innern des Landes lebenden: εἰς ὅ κε τοὺς ἀφίκησι οἳ οὐ ἴσασι θάλασσαν ἀνέρες, οὐδὲ [2076] θ’ ἅλεσσι μεμιγμένον εἶδαρ ἔδουσιν (Paus. I 12, 5 glaubte, Homer habe damit die Epeiroten gemeint, was auf einer Verwechslung von ἠπειρῶται mit Ἠπειρῶται beruht, vgl. Eust. ad Od. XI 122 p. 1676, 22). Und ähnlich heißt es noch in historischer Zeit bei Sall. Iug. 89, 7 von den Numidiern: plerumque lacte et ferina carne vescebantur et neque salem neque alia inritamenta gulae quaerebant (vgl. Frazer Paus. II 108f.). Vor allem fand das Meer-S. Anwendung. Am Meeresufer bildet sich durch Austrocknen oder Verdunsten des Meerwassers das S. entweder von selbst, indem das Wasser am Uferrand oder in Klippen zurückbleibt, das dann unter dem Einfluß der heißen Sonne verdunstet, so daß das S. entsteht (Plin. XXXI 74: aliud genus ex aquis marinis sponte gignitur spuma in extremis litoribus ac scopulis relicta. hic omnis rore densatur, et est acrior qui in scopulis invenitur; vgl. Isid. XVI 2, 3, der sagt: spuma in extremis litoribus vel scopulis derelicta et sole decocta. Darnach ist wohl auch bei Plinius nicht rore zu lesen – der Tau spielt anderweits bei der S.-Gewinnung eine Rolle, vgl. Plin. XXXI 85 –, sondern mit Pontedera sole oder mit v. Jan nach Vinc. Bellovac. spec. nat. VI 83 solis calore; Mayhoff vermutet haec enim sole); oder, wo dies die Beschaffenheit der Küste nicht zuläßt, leitet man es künstlich durch geneigte Kanäle in Bassins, die man beim Eintritt der sommerlichen Hitze absperrt, damit das darin angesammelte Meerwasser verdunste. Diese Meersalinen, die man heute S.-Gärten nennt, waren schon den Alten bekannt; Rutil. Namat. I 475ff. beschreibt ihre Anlage folgendermaßen: Subiectas villae vacat aspectare salinas; | namque hoc censetur nomine salsa palus, | qua mare terrenis declive canalibus intrat | multifidosque lacus parvula fossa rigat. | Ast ubi flagrantes admovit Sirius ignes, | cum pallent herbae, cum sitit omnis ager, | tum cataractarum claustris excluditur aequor, | ut fixos latices torrida duret humus. | Concipiunt acrem nativa coagula Phoebum | et gravis aestivo crusta calore coit. Da der Dichter von multifidi lacus spricht, so kannte man vielleicht auch schon die heutige Art der Anlage, die aus drei Abteilungen besteht: in der ersten wird das Meerwasser nur gesammelt und durch Verdunsten konzentriert; in der zweiten scheidet sich Gips ab; in der dritten bewirkt man die Kristallisation des S., das herausgeschaufelt und, in Haufen gebracht, der feuchten Luft ausgesetzt wird, wodurch die magnesiumhaltige Mutterlauge, die das S. feucht und bitterschmeckend macht, ausgewaschen wird. Auf letzteres Verfahren deutet wohl Nicand. Alex. 518: πολλάκι δ’ ἢ ἅλα πηκτὸν ὁμιλαδόν, ἢ ἁλὸς ἄχνην | ἐμπίσαις; τήν τ’ αἰὲν ἀνὴρ ἁλοπηγὸς ἀγείρει | νειόθ’ ὑφισταμένην, ὁπόθ’ ὕδασιν ὕδατα μίξῃ; vgl. ebd. das Schol.: καὶ τὸ νειόθ’ ὑφισταμένην ἀντὶ τοῦ κάτωθεν ἐκ βάθους συνισταμένην τοῦ κράματος τῶν ἁλῶν, ἐπὰν οὗτοι μῖξιν λάβωσιν· ἰστέον ὅτι οἱ ἁλοπηγοὶ μιγνύουσι τοῖς θαλασσίοις ὕδασι γλυκέα ὕδατα καὶ συνταράσσουσιν ἀμφότερα. Man führte also den S.-Gärten Süßwasser zu; besonders aber galt Regenwasser als günstig für die S.-Bildung, Plin. XXXI 45: facticii (salis) varia genera. volgaris plurimusque in salinis mari adfuso non sine [2077] aquis dulcibus riguis, sal imbre maxime iuvante ac super omnia sole molto; vgl. II 233: pluvias salinis aquas dulciores esse quam reliquas, nec fieri salem nisi admixtis dulcibus. Auch der Wind war von Einfluß, indem bei Nordwind die S.-Bildung besser vonstatten ging, als bei Südwind (Nordwind ist trocken, läßt daher besser verdunsten, Südwind, der über das Meer kommt, nicht), Plin. ebd. 85: pluvia dulcescit omnis, suaviorem tamen rores faciunt, sed copiosum aquilonis flatus: austro non nascitur. Die Griechen nannten solche S.-Gewinnungsanstalten am Meer wie an Seen und Quellen ἁλοπήγια (Strab. VII 312. XII 568. XIII 605. Plut. Rom. 25; der dabei beschäftigte Arbeiter ἁλοπηγός, Nicand. a. a. O.), die Römer salinae (Cic. nat. deor. II 53, 132. Caes. bell. civ. II 37. Vitruv. X 4, 2. Liv. I 33, 2. II 9, 6 u. ö. Col. II 2, 15. X 135. Plin. II 233. XXXI 81 u. ö.; vgl. Charis. I 33, 23 K.), doch bekommt dies Wort allgemeinere Bedeutung und wird auch von S.-Bergwerken gebraucht, daher kommt in der Kaiserzeit ebenso in salinas (Dig. XLVIII 18, 8, 8) oder in opus salinarum damnare (ebd. XLIX 15, 6) vor, wie in metalla (der Singular war nach Varro de l. l. VIII 48 und Charis. a. a. O. ungebräuchlich).

Meer-S. wurde an zahlreichen Küstenorten des Mittelländischen Meeres gewonnen. In Griechenland spielt zwar das attische S. nicht die wichtige Rolle, die man nach der (freilich mehr bei den Römern, als bei den Griechen) sprichwörtlichen Anwendung erwarten möchte (statt Attici sales, wie Cic. ad fam. IX 15, 2, sagt Lucian. Anach. 18 und Prom. 1 μυκτὴρ ὁ Ἀττικός); es wurde zwar auch an der attischen Küste S. gewonnen (Plinius erwähnt XXXI 87 attisches S.), und die CIA II 1059 erwähnten ἁλμυρίδες (nach Hesych. s. v. τόπος ἐν τῇ Ἀττικῇ παρὰ τὰς ἐσχατιάς, οὗ τοὺς νεκροὺς ἐξέβαλλον) waren vielleicht einige Küstenstriche, die S. lieferten, s. Boeckh Staatsh. d. Ath.³ I 126, doch vgl. Judeich Topogr. v. Athen 376 (daß auch an der über den Ilisos führenden Brücke, in dem nicht einmal authentisch bezeugten Demos der Gephyraier, S. gewonnen wurde, wie Boeckh a. a. O. angibt, kann ich nicht belegen). Dagegen wird gewiß mit Recht der bei zwei attischen Demen vorkommende Name Halai (Ἁλαὶ Αἰξωνίδες an der Westseite des Hymettos und Ἁλαὶ Ἀραφηνίδες an der Ostküste, vgl. o. Bd. VII S. 2226f.) auf dort befindliche S.-Werke zurückgeführt (vgl. Bursian Geogr. v. Griechenland I 346. 360); bei jenem finden sich heut noch S.-Becken zwischen Kap Zoster und Kap Punta (Löper Athen. Mitt. XVII 410), bei diesem in der Küstenebene zwischen Brauron und Araphen ebenfalls ein S.-See, der heute Aliki heißt. Alte Meersalinen finden sich auch am Südende der phalerischen Bucht (Fiedler Reisen in Griechenl. I 24) und heut noch betriebene bei Anavyso (ebd. II 580). Anscheinend war aber die S.-Produktion in Attika nicht erheblich; denn wie wir aus Arist. Ach. 521 und 760, wo Dikaiopolis den Megarer fragt: ἅλας οὖν φέρεις: entnehmen, bezog Athen seinen S.-Bedarf zum Teil von Megara, und zwar waren nach dem Scholion z. d. St. dort bei Nisaia Salinen. Das megarische S. war besonders zum Einsalzen brauchbar, weil es scharf und trocken war (Plin. a. a. O.: servandis carnibus aptior [2078] acer et siccus ut Megaricus) und fand auch in der Medizin Verwendung (Diosc. V 125). Dasselbe gilt vom euboiischen S. (Plin. a. a. O.). Auch auf Kreta wurde Meer-S. gewonnen, Plin. a. a. O. 81: fit tamen et in Creta sine riguis mare in salinas influentibus; ferner im Schwarzen Meer (Salinae in Moesien, Geogr. Rav. IV 7), besonders an der Mündung des Borysthenes (Dnjepr), wo es in großen Mengen gewonnen wurde, Herod. IV 53: ἅλες ἐπὶ τῷ στόματι αὐτοῦ αὐτόματοι πήγνυνται ἄπλετοι; nicht nur die benachbarten Barbaren, sondern auch die Griechen und Skythen vom taurischen Chersonnes machten hier ihre S.-Einkäufe, Dio Chrys. or. XXXVI 437 M.: ταύτῃ δὲ καὶ τῶν ἁλῶν ἐστι τὸ πλῆθος, ὅθεν οἱ πλείους τῶν βαρβάρων λαμβάνουσιν ὠνούμενοι τοὺς ἅλας καὶ τῶν Ἑλλήνων καὶ Σκυθῶν οἱ Χερόννησον οἰκοῦντες τὴν Ταυρικήν; heut ist das Mündungsgebiet, der Limán, stärker ausgesüßt und nur im Sommer wird das Wasser brackig, s. o. Bd. III S. 736. Auch an der Küste des Asowschen Meeres, der alten Maiotis, lagen Salinen; auf der Tab. Peut. ist der Meerbusen als Lacus dargestellt und bezeichnet und dazu bemerkt: Salinae. hic sal per se conficitur, und bei Eupatoria lag nach Strab. VII 312 eine λιμνοθάλαττα ἁλοπήγιον ἔχουσα. In Italien werden besonders häufig die Salinen an der Tibermündung erwähnt. Die am linken Ufer bei Ostia belegenen werden als Gründung des Ancus Marcius bezeichnet, Liv. I 33, 2. Plin. a. a. O. 89. Aur. Vict. vir. ill. 5. (Plut. Rom. 25 führt diese ἁλωπήγια schon auf Romulus zurück); am rechten Ufer hatten in der Frühzeit Roms die Veienter Salinen, die ihnen angeblich Romulus abnahm, Dion. Hal. II 55, 5; vgl. Liv. V 45, 8. VII 17, 6. 19. 8. Hier lag in späterer Zeit der Campus Salinarum Romanarum; vgl. den Artikel darüber von Lanciani im Bull. com. 1888, 85 und die Inschrift der saccarii salariorum totius urbis et campi Salinarum Romanarum ebd. und Not. d. scavi 1888, 228. Diese beiden rechts und links von der Tibermündung belegenen Salinen (Aur. Vict. or. gent. Rom. 12 duo stagna aquae salsae vicina inter se) waren gegrabene Bassins von beträchtlicher Ausdehnung und Tiefe, in die das Seewasser durch Kanäle hineingeleitet wurde und wo dann das Salz niederschlug; sie wurden noch im 15. und 16. Jhdt. unterhalten und an eigene salarii verpachtet, Preller S.-Ber. Sächs. Ges. d. W. 1849, 8 (über die Salinen von Ostia handelt eine besondere Abhandlung von Fea Storia delle saline d’Ostia, Rom 1831). Die Niederlage für die von Ostia und wohl auch vom rechten Ufer her auf dem Fluß zugeführten S.-Vorräte hieß ebenfalls salinae: sie lag am Fuß des Aventin, unweit Porta Trigemina, Liv. XXIV 47, 15. Front. de aqu. I 5; der Ort heißt heute noch Salara vecchia, unterhalb S. Sabina (s. Jordan Topogr. d. Stadt Rom I 1, 235. 3, 172, 51. Richter Topogr. d. Stadt Rom 195). Die Straße, auf der das S. von Rom in das Hinterland befördert wurde, hatte darnach den Namen Via salaria und war wohl die erste Handelsstraße, die Rom anlegte, vgl. Varro r. r. I 14, 3. III 1, 6. 2, 14. Plin. a. a. O. 89: Salariae viae, quoniam illa salem in Sabinos portari convenerat. Fest. 327, 3: quia per eam Sabini sal a mari deferebant; das Stadttor [2079] der Aureliansmauer, aus dem sie hinausführte, hieß darnach Porta Salaria (heute noch Porta Salara), vgl. Cic. nat. deor. III 5, 11. Mart. IV 64, 18. Suet. Vesp. 12. Strab. V 228. Jordan a. a. O. I 1, 430. Richter a. a. O. Erwähnt werden ferner Salinen bei Volaterrae (Rutil. Nam. a. a. O.), bei Herculaneum die salinae Herculeae (Col. X 135. CIL IV 128; Salinenses in einem pompeianischen Graffito ebd. IV 2, 1611; vgl. Nissen Ital. Landesk. II 760); an der Ostküste finden wir solche im Lande der Vestiner (Salinae, auf der Tab. Peuting; vgl. Geogr. Rav. V 1, mit Nissen a. a. O. 849: heute Saline di Barletta); Salinae an der Via Flaminia, Itin. Ant. 314, 7; auch an der apulischen Küste, Geogr. Rav. IV 31. V 1, vgl. Guid. Geogr. 22. 71; wo die bei Plut. Crass. 9 erwähnten Σαλῖναι lagen, ist ungewiß. In Sizilien waren besonders die Salinen von Agrigent bekannt, deren S. die Eigentümlichkeit gehabt haben soll, sich gegen Feuer indifferent zu verhalten, dagegen aus dem Wasser zu springen, Plin. a. a. O. 85: Agrigentinus ignium patiens ex aqua exilit, vgl. Solin. 5, 18. Antig. Caryst. 177 (183); etwas abweichend August. civ. Dei XXI 5: Agrigentinum Siciliae salem perhibent, cum fuerit admotus igni, velut in aqua fluescere, cum vero ipsi aquae, velut in igne crepitare. Als Orte, die den Namen Salinae führten und daher auch als solche betrachtet werden dürfen, sind dann zu nennen ein Ort im Lande der Suetrii in Gallia Narbonensis (Ptolem. III 1, 42 [38 Müll.]. CIL XII 23 und 66; s. ebd. p. 9; heute liegt dort der Ort Castellane, wo nach Beraud Statistique des Basses-Alpes 447 noch im 14. Jhdt. salzhaltige Quellen sich fanden) und einer im Süden der Ostküste des römischen Britannien (Ptolem. II 3, 21 [11 Müll.]; vgl. Geogr. Rav. V 31, wo zwei Orte namens Salinae aufgeführt sind). Ob das S. aus Hispania Baetica, das nur in der Arzneikunde erwähnt wird (Plin. a. a. O. 86), Meer-S. war, muß dahingestellt bleiben.

In Asien lieferte Salamis auf Kypern nach Plin. a. a. O. 86 das beste unter allen Meer-S.; vgl. Diosc. V 125. Plin. 79. In Kleinasien produzierte besonders die Troas viel S., und zwar die Ebene in Alesion beim Vorgebirge Lekton, Strab. XIII 605. Eustath. Il. II 616 p. 304, 30; vgl. XI 756 p. 883, 3, vornehmlich aber das bei Hamaxitos belegene Tragasai, Strab. a. a. O.: καὶ τὸ Τραγασαῖον ἁλοπήγιον, αὐτόματον τοῖς ἐτησίαις πηγνύμενον πρὸς Ἁμαξιτῷ; Galen. XII 372: τοῖς θαλασσίοις δ’ ὁμοειδεῖς εἰσι καὶ οἱ κατὰ λίμνας τινάς, ἐχούσας ἁλμυρίδα, γενώμενοι τοῦ θέρους, ἐξοπτωμένου τοῦ ὕδατος ἐξ αὐτῶν, ὥσπερ καὶ οἱ Τραγάσιοι πλησίον Σμινθίου. συνίσταται γὰρ ἐνταῦθα πρὸς τῶν αὐτοφυῶν ὑδάτων θερμῶν ἱκανῶς ὄντων ὕδωρ δαψιλές, λιμνάζον οὐκ ἐν πολλῷ χωρίῳ καὶ τοῦτο τοῦ θέρους ὅλον ἐκδαπανᾶται ξηραινόμενον ὑπὸ τοῦ ἡλίου, τοῦ τόπου δ’ ἁλμυρίδα σύμφυτον ἔχοντος, τὴν ἐπωνομίαν ἀπό τε τοῦ χωρίου καὶ τῶν ὑδάτων λαμβάνοντες. Das tragasäische S. erwähnt Plin. 85: in igni nec crepitat nec exilit; vgl. ebd. 86. Isid. XVI 24, und Athen. III 73 D erzählt, die dortigen Umwohner hätten früher das Recht gehabt, davon nach Belieben zu nehmen; als aber Lysimachos eine Steuer darauf legte, sei das S. verschwunden und erst wieder zum Vorschein [2080] gekommen, als die Steuer aufgehoben wurde. Dieses S.-Werk ist noch immer an der Mündung de Tuzla vorhanden, s. Leake Asia min. 273. Wohl nur auf Verwechslung, nicht auf sichern Tatsachen beruht es, wenn Poll. VI 63 zu den ἅλες Τραγασαῖοι bemerkt: λίμνη δὲ αἱ Τραγάσαι Τρωικὴ ἢ πεδίον Ἠπειρωτικόν, obschon Steph. Byz. s. Ἀλήσιος das Ἀλήσιον πεδίον und s. Τράγασαι auch Tragasai nach Epeiros verlegt und die sicher bezeugte Lage beider Ortschaften in der Troas garnicht erwähnt. Die weite Verbreitung des tragasaiischen S. bezeugen die Wortwitze, die Arist. Ach. 808 und 853 mit Τραγασαῖος macht.

In Afrika fand an der ägyptischen Küste nahe bei der Nilmündung S.-Gewinnung statt, Plin. 45: (fit sal) et circa Aegyptum ipso mari influente in solum, ut credo, Nilo sucosum; ferner an der libyschen Küste (Diosc. V 125) und in Afrika proconsularis bei Utica, wo man das gewonnene S. zu Hügeln aufhäufte, die an der Luft so erhärteten, daß sie nur mühsam mit eisernen Werkzeugen zerschlagen werden konnten, Plin. a. a. O.: Africa circa Uticam construit acervos salis ad collium speciem, qui ubi sole lunaque induruere, nullo umore liquescunt vixque etiam ferro caeduntur. Die Salinen daselbst erwähnt auch Caes. bell. civ. II 37. In Mauretanien nennt der Geogr. Rav. III 8 auch einen Ort namens Salinae; vgl. ebd. V 28, und I 2 heißt Mauretanien patria salinarum.

Gegenüber dem aus dem Meerwasser entweder von selbst sich bildenden oder in besondern Anlagen gewonnenen Koch-S. steht das aus S.-Lagern gewonnene. Hier haben wir das auf bergmännischem Wege zu Tage geförderte zu scheiden von dem aus flüssigen S.-Lager-Lösungen gewonnenen. Ersteres, was wir Stein-S. nennen, wird in salifodinae (Vitruv. VIII 3, 7) oder salis metalla (Solin. 5, 19) gegraben, Plin. a. a. O. 77. Isid. XVI 2, 3. Die größten S.-Bergwerke Europas, die von Wieliczka und Staßfurt, sind in alter Zeit noch unbekannt gewesen; die S.-Lager von Reichenhall, Hallstatt und überhaupt vom Salzkammergut, bei denen die Sole durch eingeleitetes Süßwasser gewonnen wird, das längere Zeit in den S.-Kammern stehen bleibt und die S.-Adern auslaugt, werden zwar in alten Quellen nicht genannt, aber hier haben Fundtatsachen als unzweifelhaft ergeben, daß schon in vorchristlicher, also wohl auch in römischer Zeit, S.-Gewinnung betrieben wurde (vgl. v. Sacken Das Gräberfeld von Hallstatt, Wien 1868, 150), und daß die Steinsalzlager in Pannonien und Dakien bereits in alter Zeit ausgebeutet wurden, das erweist der in diesen Ländern mehrfach vorkommende Ortsname Σαλῖναι, Ptolem. II 16, 4 (15, 3 Müll.). III 8, 7. VIII 11, 4; vgl. Vetus Salina, Itin. Ant. 314, 7. Wirkliche S.-Bergwerke auf europäischem Boden erwähnen unsere alten Quellen nur wenige. Vitruvius spricht von solchen in Sizilien, VIII 3, 7; auch das purpurne S. von Centuripae (Plin. 86) war Stein-S., wie das von Agrigent, nach Solin. 5, 19: cetera salinarum metalla, quae sunt in Agrigento aut Centuripis proximantia, funguntur cautium ministerio: nam illinc excuduntur signa ad facies hominum vel deorum; und ebenso darf man nach [2081] der Beschreibung (Plin. a. a. O.): circa Gelam in eadem Sicilia tanti splendoris, ut imaginem recipiat, das von Gela dafür halten (Isid. XVI 2, 5 berichtet das gleiche vom S. von Pachynum; vgl. Solin. a. a. O.). Bekannt waren ferner die S.-Bergwerke von Spanien (Solin. 23, 4 von Spanien: non coquunt ibi sales, sed effodiunt). Cato bei Gell. II 22, 27 spricht von einem großen S.-Berg in Hispania citerior, bei dem sich stets neues S. bilde: mons ex sale mero magnus; quantum demas, tantum adcrescit, wie man heute allgemein annimmt, handelt es sich hier um den noch jetzt bestehenden 150 m hohen Berg aus reinem hartem Stein-S. bei Cardona in der Provinz Lerida. Plin. a. a. O. 80 spricht von dem ebenfalls in Hispania citerior belegenen S.-Bergwerk von Egelasta: in Hispania quoque citeriore caeditur (sal) glaebis paene translucentibus, cui iam pridem palma a plerisque medicis inter omnia salis genera perhibetur (vgl. Solin. 23, 4); man nimmt an, daß es sich um die Salinen von Menbaca (zwischen Castulo und Baesucci) handelt, s. o. Bd. V S. 1980. Das ist wohl dasselbe spanische S., von dem Sid. Apoll. ep. IX 12, 1 spricht und das in den tarraconensischen Bergen gebrochen wurde. Dies spanische sal montanus (Col. VI 17, 7) oder sal fossilis (Veget. mulom. III 22, 1) fand in der Medizin vielfache Anwendung. Auch im südlichen Spanien, in Turdetanien, wird Stein-S. erwähnt (Strab. III 144).

In Asien lieferte namentlich Kappadokien Stein-S. von gelblicher Farbe, Plin. 86: in Cappadocia crocinus effoditur, tralucidus et odoratissimus; es ließ sich wie Marienglas spalten, Plin. 77: ibi quidem caeditur specularium lapidum mode; pondus magnum glaebis, quas micas vulgus appellat; vgl. Col. a. a. O. Veget. mulom. I 20, 1. Gal. XIX 724. Ebendort gewann man aber auch S., indem man Wasser in die Steinsalzlager leitete, aus dem dann das S. durch Abdampfen gewonnen wurde, Plin. 82: fit et puteis in salinas ingestis; … in Cappadocia e puteis ac fonte aquam in salinas ingerunt. Auf welche Weise das in Form kleiner Backsteine in den Handel kommende kappadokische S. gewonnen wurde (Plin. 84: e Cappadocia qui in laterculis adfertur, cutis nitorem dicitur facere), steht dahin. Kition auf Kypern, sonst wegen eines dort befindlichen S.-Sees bekannt (s. u.), scheint auch Gruben S. besessen zu haben, nach Antig. Caryst. 157: περὶ δὲ τὴν ἐν Κιττίω φάσκειν Νικαγόραν ὅτι ἀντμηθείσης ἐπ’ ὀλίγον τῆς γῆς ἅλες εὑρίσκονται; vgl. Engel Kypros I 57. In Indien lieferte ein Berg Oromenos (oder Ormenos), von dem man sonst nichts weiß, Stein-S., Plin. 77: sunt et montes nativi salis, ut in Indis Oromenus, in quo lapicidinarum modo caeditur renascens. In Arabien sollen S.-Berge bei Gerrha (am Persischen Meerbusen) so große Stücke Stein-S. geliefert haben, daß die Einwohner Mauern und Wohnhäuser daraus bauten, wobei sie Wasser als Bindemittel benützten, nach Eratosth. bei Strab. XVI 706: οἰκούντων γῆν ἁλμυρίδα καὶ ἐχόντων ἁλίνας τὰς οἰκίας· ἐπεὶ δὲ λεπίδες τῶν ἁλῶν ἀφιστάμεναι κατὰ τὴν ἐπίκαυσιν τὴν ἐκ τῶν ἡλίων συνεχεῖς ἀποπίπτουσι, καταρραίνοντες ὕδατι πυκνὰ τοὺς τοίχους συνέχουσι. Plin. VI 147 von Gerrha: turres habet ex salis quadratis molibus; [2082] XXXI 78: Gerrhis Arabiae muros domosque massis salis faciunt aqua ferruminantes. Ähnliches wird von Steinsalzbauten der Amanter, elf Tagereisen westlich von der großen Syrte, berichtet (Plin. V 34: domos sale montibus suis exciso ex lapide construunt; Solin 28, 1: inter Nassamonas et Trogodytas gens Amantum est, quae salibus domus extruunt: quos in modum cautium e montibus excitatos ad usum aedium caementiciis nectunt struicibus. tanta ibi huiusce venae copia est, ut tecta faciant e salibus). Herodot. IV 185 erzählt von der Sandwüste südlich vom Atlas: ἔστι δὲ ἁλός τι μέταλλον ἐν αὐτῇ διὰ δέκα ἡμερέων ὁδοῦ καὶ ἄνθρωποι οἰκέοντες· τὰ δὲ οἰκία τούτοισι πᾶσι ἐκ τῶν ἁλίνων χόνδρων οἰκοδομέαται· ταῦτα γὰρ τῆς Λιβύης ἄνομβρά ἐστι … ὁ δὲ ἃλς αὐτόθι καὶ λευκὸς καὶ πορφύρεος τὸ εἶδος ὀρύσσεται (Lenz Mineral. d. Gr. u. Röm. 13, 39 bemerkt hierzu, daß Ibn Batut, der im 14. Jhdt. den zwischen Marokko und Tombuktu liegenden Teil der Sahara bereiste, dort alle Häuser der Stadt Taghasa aus S.-Quadern erbaut fand). Stein-S. fand sich auch nahe bei Pelusium und im Grenzgebiet von Ägypten und Arabien, nach Plin. XXXI 77, und in der Nähe von Utika in Lagen bis zu drei Klaftern Tiefe; es war weiß und angeblich beim Herausfördern nicht fest, sondern zäh und klebrig, wurde aber in der Luft und an der Sonne fest und dem parischen Marmor ähnlich, sodaß man Figuren und Gefäße daraus schnitzte, nach Ps.-Arist. mir. ausc. 134 p. 844a, 6: τῶν δὲ Λιβύων ἐν Ἰτύκη τῇ καλουμένῃ, ἣ κεῖται μέν ὡς λέγουσιν ἐν τῷ κόλπῳ τῷ μεταξὺ Ἑρμείας καὶ τῆς Ἵππου ἄκρας, ἐπέκεινα δὲ Καρχηδόνος ὡς σταδίους διακοσίους … γίνεσθαί φασιν ἅλας ὀρυκτούς, ἐπὶ τρεῖς ὀργυιὰς τὸ βάθος, τῇ ὄψει λευκοὺς καὶ οὐ στερεούς, ἀλλ’ ὁμοίους τῷ γλισχρωτάτῳ γλοιῷ· καὶ ὅταν ἀνενεχθῶσιν εἰς τὸν ἥλιον, ἀποστερεοῦσθαι καὶ γίνεσθαι ὁμοίους τῷ Παρίῳ λίθῳ· γλύφεσθαι δὲ ἐξ αὐτῶν λέγουσι ζῴδια καὶ ἄλλα σκεύη. Doch wäre es möglich, daß dies unterirdische S.-Lager mit dem oben nach Plin. XXXI 81 erwähnten, künstlich aus Meer-S. gewonnenen identisch wäre, da von diesem Ähnliches berichtet wird; der Verfasser jener Schrift berichtet offenbar nur nach unbestimmten Nachrichten.

Nach dem Stein-S. kommen sodann die salzhaltigen Flüssigkeiten in Betracht, die ihren S.-Gehalt unterirdischen S.-Lagern, mit denen sie in Verbindung stehen, verdanken, also vornehmlich S.-Seen und S.-Quellen (vgl. Vitruv. VIII 3, 7: sunt autem et aliis pluribus locis et fontes et flumina et lacus, qui per salifodinas percurrentes necessario salsi perficiuntur). Auch hier sind neben den Nachrichten der Schriftsteller die Resultate heranzuziehen, die Untersuchungen von seit alters betriebenen Salinen ergeben haben. Vornehmlich handelt es sich dabei um ein eigentümliches altes Verfahren beim Abdampfen des S., das die moderne Anthropologie ‚Briquetage‘ genannt hat. Im Tal der Seille in Lothringen, in der Nähe von Brügge, in Giebichenstein bei Halle und noch anderorts hat man nämlich aus Fundobjekten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf folgende Methode geschlossen. Tonstangen, ziemlich roh mit der Hand geformt, wurden als Träger von flachen, mit einer Rinne versehenen Ziegeln in Reihen übereinander aufgestellt und [2083] darunter ein Feuer angemacht; das salzige Quellwasser, von oben hergeleitet, floß dann durch die Abflußrinnen von Absatz zu Absatz und verdampfte unter dem Einfluß der Hitze; dabei bedeckten sich alle Tonstücke mit einer S.-Schicht, die sich leicht abkratzen ließ (s. Korrespondenzbl. der deutschen Gesellsch. f. Anthropol., Ethnol. und Urgeschichte XXXII [1901] 119ff. Schliz Ztschr. f. Ethnologie XXXV [1903] 642. Laloy in L’Anthropologie 1904, 479). Es ist möglich, daß Plin. XXXI 83 etwas Ähnliches im Sinn hatte, wenn er sagt: Galliae Germaniaeque ardentibus lignis aquam salsam infundunt; allerdings ist hier von den erhitzten Tonstücken, die das durch Verdampfen gewonnene S. annehmen, nicht die Rede. Bei Varro r. r. I 7, 8 erzählt Scrofa, er habe bei seinem Feldzug am Rhein bemerkt, daß im transalpinischen Gallien die Einwohner weder Stein-S., noch Meer-S. hätten, sondern statt dessen die salzhaltige Kohle gewisser Holzarten benützten. Das wäre allerdings nur eine Art Laugen-S. oder Pottasche gewesen, wie Arist. met. II 3 p. 359a[WS 1], 35 von den Umbrern berichtet, sie hätten aus verbranntem Rohr und Schilf S. gewonnen: τοιοῦτον δὲ ἕτερον (nämlich lockeres, graues S.) γίνεται καὶ ἐν Ὀμβρικοῖς … ἔστι γάρ τις τόπος ἐν ᾧ πεφύκασι κάλαμοι καὶ σχοῖνοι· τούτων οὖν κατακαίουσι, καὶ τὴν τέφραν ἐμβαλόντες εἰς ὕδωρ ἀφέψουσιν· ὅταν δὲ λίπωσί τι τοῦ ὕδατος, τοῦτο ψυχθὲν ἁλῶν γίνεται πλῆθος. So auch Plin. 83: apud Theophrastum invenio Umbros harundinis et iunci cinerem decoquere aqua solitos, donec exiguum superesset umoris und Eustath. Il. XI 122 p. 1676, 23: ἤδη δὲ καὶ ἀπὸ ῥιζῶν τινῶν ὑφαλμύρων καύσεως (ἃλς γένεται). Daß Scrofa wohl nur ungenau unterrichtet war, wenn er die Anwendung des salzhaltigen Wassers und dessen Verdampfen zu erwähnen unterließ, darf man aus diesen Stellen des Aristoteles und Theophrast bei Plinius schließen, sowie aus dem Bericht des Tac. ann. XIII 57. Hier wird nämlich erzählt, daß im J. 58 n. Chr. zwischen Hermunduren und Chatten um den Besitz des Grenzflusses, der salzreich war (flumen gignendo sale fecundum), ein blutiger Krieg ausgefochten wurde. Welcher Fluß damit gemeint ist, ist allerdings fraglich; man hat an die Werra gedacht, in deren Nähe noch heute Salinen liegen (bei Salzungen), andere halten die fränkische Saale dafür (die Salinen bei Kissingen) oder die Weser (vgl. Nipperdey zu Tac. a. a. O. Hehn Das Salz 30). Es ist klar, daß nicht an Bereitung von S. aus dem Wasser des Flusses selbst zu denken ist, da in Deutschland kein Fluß existiert, der so reich an Koch-S. wäre, daß es sich selbst bei unserer fortgeschrittenen Technik aus ihm darstellen ließe, sondern daß Quellen und Brunnen in der Nähe des Flusses gemeint sind, wie denn auch Tacitus gleich darnach bemerkt: inde indulgentia numinum illo in amne illisque silvis salem provenire, non ut alias apud gentes eluvie maris arescente unda, sed super ardentem arborurn struem fusa. ex contrariis inter se elementis, igne atque aquis, concretum. Hier ist also deutlich vom Gewinnen des S. durch Verdampfen der Sole die Rede. Einige Jahrhunderte später, zur Zeit Iulians, kämpften ebenso Germanen und Burgunder um die S.-Quellen an ihrer Grenze. Ammian. Marc. [2084] XXVIII 5, 11, doch ist nicht zu entscheiden, welche hier gemeint sind, da es sich ebensowohl um die Salinen von Hall wie um die von Kissingen handeln konnte. Ähnlich, wie das oben beschriebene, mag das Verfahren in Spanien gewesen sein, von dem Plin. 83 sagt: Hispaniae quadam sui parte e puteis hauriunt muriam appellantes, illi quidem et lignum referre arbitrantur. quercus optima, ut quae per se cinere sincero vim salis reddat, alibi corylus laudatur. ita infuso liquore salso arbor etiam in salem vertitur. quicumque ligno confit sal niger est. Daß das Verfahren jedenfalls ein sehr unvollkommenes war, zeigt die Bemerkung, daß das so produzierte S. schwarz war. Dies scharfe Laugen-S. wird bei Horaz mehrfach als sal niger, wenn auch in übertragenem Sinne, erwähnt, sat. II 4, 74; ep. II 2, 60. Ebenso wird Plin. 82 von Salinen im Lande der Chaonier (Epeiros) bemerkt, das durch Abdampfen gewonnene S. aus Quellen und Brunnen sei kraftlos und nicht weiß: in Chaonia excocunt aquam e fonte refrigerandoque salem faciunt inertem nec candidum. Dieser S.-Quellen und des daraus bereiteten S. gedenkt auch Arist. met. II 3 p. 359a[WS 2], 30: τούτου τοῦ ὕδατος ἀφέψοντές τι μέρος τιθέασι καὶ γίνεται ψυχθέν, ὅταν ἀνατμίσῃ τὸ ὑγρὸν ἅμα τῷ θερμῷ, ἅλες, οὐ χόνδροι, ἀλλὰ χαῦνοι καὶ λεπτοὶ ὥσπερ χιών. Anders war das Verfahren bei der dalmatinischen Völkerschaft der Ardiaier, die mit den benachbarten Autariaten wegen S.-Quellen am Saron beständig in Fehde lagen; hier schöpfte man im Frühjahr das S.-Wasser ab und ließ es in Behältern 5–6 Tage stehen, bis sich eine S.-Schicht bildete, Strab. VII 307: ἀρυσαμένοις καὶ ἀποθεῖσιν ἡμέρας πέντε ἐξεπήγνυντο οἱ ἅλες; etwas abweichend Ps.-Arist. mir. ausc. 138 p. 844b, 9: ἐν Ἰλλυρικῷ δὲ τοῖς Ἀρδιαίοις καλουμένοις, παρὰ τὰ μεθόρια τῶν Αὐταριατῶν, κἀκείνων φασὶν ὄρος εἶναι μέγα, τούτου δὲ πλησίον ἄγκος, ὅθεν ὕδωρ ἀναπηδᾷ, οὐ πᾶσαν ὥραν ἀλλὰ τοῦ ἦρος, πολὺ τῷ πλήθει, ὃ λαμβάνοντες τὰς μὲν ἡμέρας ἐν τῷ στεγεῷ φυλάττουσι, τὰς δὲ νύκτας εἰς τὴν αἰθρίαν τιθέασι. καὶ πέντε ἢ ἓξ ἡμέρας τοῦτο ποιησάντων αὐτῶν πήγνυται τὸ ὕδωρ καὶ γίνεται κάλλιστον ἅλας, ὃ ἕνεκεν τῶν βοσκημάτων μάλιστα διατηροῦσιν· οὐ γὰρ εἰσάγονται πρὸς αὐτοὺς ἅλες διὰ τὸ κατοικεῖν πόρρω αὐτοὺς τῆς θαλάσσης καὶ εἶναι αὐτοὺς ἀμίκτους. Eine heiße S.-Quelle wird bei Pagasai in Thessalien erwähnt, Plin. 75. Ross Inselreisen III 11 erwähnt S.-Quellen auf Melos, ebd. 65 auf Karpathos und 138 einen S.-Teich auf Kos; mit letzterem bringt er den bei Theokr. 7, 1 und Mosch. 3, 99 genannten Fluß Haleis (nach dem Schol. zu Theokr. eine Ortschaft) in Verbindung. Vom Flusse Himeras in Sizilien berichtet Vitruv. VIII 3, 7: in Sicilia flumen est Himeras, quod a fonte cum est progressum dividitur in duas partes. quae pars profluit contra Etruriam, quod per terrae dulcem sucum percurrit, est intincta dulcedine, quae altera pars per eam terram currit, unde sal foditur, salsum habet saporem. Indessen ist die Angabe, daß diese beiden Flüsse aus einer Quelle entspringen, irrtümlich; der nach Süden gehende salzhaltige Fluß Himeras heißt heute noch Fiume salso. In Asien ist es namentlich die Gegend um das Kaspische Meer, wo aus salzhaltigen Flüssen S. gewonnen [2085] wurde; und zwar war der S.-Gehalt der Flüsse angeblich so groß, daß sie oben eine S.-Kruste bildeten, unter der der Fluß wie unter einer Eisdecke dahinfloß, Plin. 75: sed et summa fluminum densantur in salem, omne reliquo velut sub gelu fluente, ut apud Caspias portas, quae salis flumina appellantur, item circa Mardos et Armenios. Die Caspiae portae sind ein berühmter Bergpaß (heute Chawar), der aus Medien nach Hyrkanien und Parthien führte; hier erschwerte ein beständiger Regen salzigen Wassers vom überhängenden Gestein die sehr enge Passage, Plin. VI 43: angustias impedit corrivatus salis e cautibus liquor atque eadem emissus. Solin. 47, 1: in his angustiis etiam illud asperum. quod praecisorum laterum saxa liquentibus inter se salis venis, exundant humorem affluentissimum, qui constrictus vi caloris velut in aestivam glaciem corporatur. Nach Plin. XXXI 86 war das S. vom Oxus rot. Man wird aber wohl annehmen müssen, daß es sich bei der merkwürdigen Nachricht von den unter einer S.-Kruste fließenden Flüssen um Erfindung oder wenigstens Übertreibung handelt; ja man könnte zweifelhaft sein, ob das dort gewonnene S. in der Tat von unterirdischen S.-Lagern stammte. Denn das Wasser des Kaspisees ist namentlich an der Ostküste stark salzhaltig, und da hier Buchten sind, die durch Landzungen (Barren) eingeschlossen sind, wodurch der Zutritt des freien Meerwassers mehr oder weniger gehemmt wird, so findet dort infolge des regenlosen und heißen Steppenklimas eine starke Wasserverdunstung statt, bei der sich zunächst am Boden ein Gips- oder Anhydrit-Lager bildet, über dem sich ein Steinsalzlager ansammelt; so namentlich in dem fast geschlossenen Golf von Kara Burgasi (vgl. Jul. Weber Berichte über einige Zweige von Bergbau und Industrie, Winterthur 1898, 5ff.). Auf diesen S.-Ablagerungsprozeß könnten daher die Nachrichten der Alten wohl zurückgehen.

Häufiger als S.-Quellen oder S.-Flüsse werden S.-Seen erwähnt; jedoch ist es in der Regel nicht möglich, zu beurteilen, ob es sich um solche handelt, aus denen richtiges Koch-S. gewonnen werden konnte, oder um Bittersalzseen, die aus eingetrocknetem Meerwasser, aus dem das Koch-S. schon auskristallisiert ist, entstanden sind. Das S. solcher S.-Seen, die die Griechen λιμνοθάλατται nennen (Arist. hist. an. VIII 13 p. 598a, 20; gen. an. III 11 p. 761b, 7. Strab. VII 312; das S. daraus nennt Diosc. V 125 λιμναῖα), wird als pulverig, nicht in Klumpen kristallisierend bezeichnet, Plin. XXXI 73: omnis e stagnis sal minutus atque non glaeba est. Mehrfach erwähnt wird das aus einem See bei Tarent durch sommerliche Hitze entstehende, wobei der ganze See zu S. wird, immerhin in geringer Tiefe, Plin. ebd.: siccatur in lacu Tarentino aestivis solibus, totumque stagnum in salem abit, modicum alioqui altitudine genua non excedens. Das Tarentiner S. galt unter den aus S.-Seen (sie heißen bald lacus, bald stagna) gewonnenen für eins der besten, auch als das wohlschmeckendste (Plin. 85), ebenso als besonders brauchbar zu medizinischen Zwecken (ebd. 86). Dann gab es derartige Seen auf Sizilien, zumal den Lacus Cocanicus (heute noch Lage Cocanico genannt) und einen andern bei [2086] Gela belegenen, die nur an den äußern Rändern zu S. austrockneten, Plin. 73: item in Sicilia in lacu, qui Cocanicus vocatur, et alio iuxta Gelam; horum extremitates tantum exarescunt; vgl. ebd. 79 und über sizilisches S. im allgemeinen Diosc. V 125. Isid. XVI 2, 5. In Asien ist Kypern zu nennen, wo ein S. liefernder See bei Kition lag, bei dem man aber das Wasser, das verdampfen sollte, herausleitete, Plin. 74: sicut ad Citium in Cypro et circa Memphin extrahunt e lacu, dein sole siccant. Dieser S.-See, der in der Nähe des heutigen Larnaka liegt, liefert heut noch ein besonders weißes S. vorzüglicher Qualität; die S.-Bildung kommt daher, daß der See tiefer als der Meeresspiegel liegt und das S.-Wasser durch eine durchlassende Bodenschicht in den See geführt wird, s. M. Ohnefalsch-Richter Griech. Sitten u. Gebräuche auf Cypern (Berlin 1913) 152ff. Ebd. wird von einem ähnlichen See beim heutigen Limassol (nahe beim alten Kurion) berichtet. Nach Engel Kypros I 57 befand sich auch bei Salamis ein sehr großer und reichhaltiger S.-See; er sei noch vorhanden und in Benützung und bedecke sich alljährlich mit einer S.-Kruste; vgl. Itin. Hieros. 4, 3. Namentlich aber ist es Phrygien und Kappadokien, wo man S. aus Seen durch Verdampfen gewann (Plin. 73); in Phrygien war dafür der See von Tatta berühmt, Strab. XII 568: ἡ μὲν οὖν Τάττα ἁλοπήγιόν ἐστιν αὐτοφυές, οὕτω δὲ περιπήττεται ῥᾳδίως τὸ ὕδωρ παντὶ τῷ βαπτισθέντι εἰς αὐτό, ὥστε στεφάνους ἁλῶν ἀνέλκουσιν, ἐπειδὰν καθῶσι κύκλον σχοίνινον, vgl. Diosc. a. a. O. Plin. 84. Dieser große S.-See, an der Grenze von Galatien, Kappadokien und Lykaonien belegen und früher zu Phrygien, später zu Lykaonien gerechnet, heißt heute Kadun-Duslag und versorgt noch immer die ganze Gegend mit S. Auch der bei Herodot. VII 30 erwähnte See von Anaua, südlich vom Maiander, wird heute noch als S.-See benützt (heutiger Name Tus-gjöl). Auch bei Aspendos in Pamphylien lag ein solcher S.-See, Plin. 73: Aspendi, ubi largius coquitur et usque ad medium (d. h. bis zur Mitte des Sees, nicht bloß an den Rändern), und in Baktrien lieferten zwei große Seen S., ebd. 74: in Bactria duo lacus vasti, alter ad Scythas versus, alter ad Arios, sale exaestuant. Hehn a. a. O. 18f. bemerkt hierzu, daß damit nicht etwa der Elton- und der Bogdo-See in der kleinen Kirgisensteppe gemeint seien, da diese nicht in Baktrien liegen, daß vielmehr, da Plinius bezw. seine Quelle die Lage der Seen nach zwei Volksrassen bezeichnet, der gegen die Skythen zu belegene wohl der (oben erwähnte) Kara Bugas sei, der gegen die Arier zu belegene unser heutiger Aralsee. Das ist jedoch deshalb unwahrscheinlich, weil unter den Ariern bei Plinius doch wohl die Bewohner der persischen Provinz Aria zu verstehen sind, wie auch VI 113, was zu der Lage des Aralsees ganz und garnicht stimmt. Auch Ägypten wies S.-Seen auf, und zwar bei Paraetonium an der Ostgrenze und bei Pelusium nach Vitruv. VIII 3, 7, dann weiterhin bei Memphis, Plin. XXXI 74 und 86. Isid. XVI 25. Wo die lacus, et quidem turbidi, salem ferentes lagen, die Plin. 75 im römischen Afrika nennt, ist nicht zu sagen.

Nicht Koch-S., sondern ein im wesentlichen [2087] aus andern Natrium-S. bestehendes ist das sog. Wüsten- oder[WS 3] Steppen-S., das in abflußlosen Gebieten durch Verdunstung von Quellen und Flüssen entstanden ist. Solches findet sich vom Kaspischen Meer bis zum Altai sowie in der Sahara in großer Menge; im Altertum war speziell das von Libyen und der Kyrenaika bekannt. Das ist das sog. sal Ammoniacus, bei dem allerdings Plinius anscheinend zwei Arten, richtiger wohl zwei Etymologien unterscheidet: die eine Sorte hieß nach dem Orakel des Iuppiter Ammon, wo Wüsten-S. in Menge vorkam, die andere, die aus Höhenzügen der Kyrenaika stammte, sollte ihren Namen davon haben, daß das S. unter Sand lag; letztere war eine geschätzte Droge, die aber von unangenehmem Geschmack war und nur in der Medizin, nicht bei der Speisenbereitung Verwendung fand, Plin. 78f.: postea inter Aegyptum et Arabiam etiam squalentibus locis coeptus est inveniri detractis harenis, qualiter et per Africae sitientia usque ad Hammonis oraculum, is quidem crescens cum luna noctibus. Nam et Cyrenaici tractus nobilitantur Hammoniaco et ipso, quia sub harenis inveniatur, appellato. similis est colore alumini, quod schiston vocant, longis glaebis neque perlucidis, ingratus sapore, sed medicinae utilis. probatur quam maxime perspicuus, rectis scissuris. Was er freilich dann noch hinzufügt, klingt recht fabelhaft: insigne de eo proditur, quod levissimus intra specus suos in lucem universam prolatus vix credibili pondere ingravescat. causa evidens, cuniculorum spiritu madido sic adiuvante molientes, ut adiuvant aquae. Die Erwähnung der cuniculi läßt vermuten, daß sich diese Worte nicht auf das zuletzt behandelte sal Ammoniacus, sondern auf das § 77 besprochene Stein-S. überhaupt beziehen. Dies Ammon-S. (vgl. auch Diosc. a. a. O. Col. VI 17, 7. Isid. a. a. O. 3) wird öfter erwähnt, zuerst von Herodot, der IV 181ff. verschiedene S.-Lager auf dem Wege zum Ammontempel und weiterhin anführt, die in Entfernungen von zehn Tagereisen lagen und ganze Hügel bildeten. Ist letzteres auch Fabel, so sind doch heute wie einstmals weite Stellen in jener Gegend mit Wüsten-S. bedeckt; es ist ein Gemenge von Gips mit 10–20%[WS 4] Koch-S. (vgl. v. Minutoli Reise zum Tempel des Iuppiter Ammon 174. 180). Arrian. anab. III 4, 3 erwähnt, daß die Priester des Ammonheiligtums das dort vorkommende S. in Körben aus Palmblättern nach Ägypten als Geschenk für den König brachten, in länglichen Stücken bis über drei Zoll Größe; und nach Deinon bei Athen. II 67B und Eustath. Od. XI 351 p. 1500, 2 wurde das ammonische S. auch an den Perserkönig gesandt. Die alten Quellen wußten freilich von diesem Ammon-S. (das aber nichts mit dem heutigen sal ammoniacum, d. i. Salmiak, zu tun hat) nur vom Hörensagen und berichten daher allerlei Merkwürdiges. Da es vielfach vom Wüstensand bedeckt war, wurde es zu den ἅλες ὀρυκτοί gerechnet (Arrian. a. a. O. Diosc. V 125, vgl. Veget. mulom. III 22, 1); aber ganz fabelhaft berichtet Synesios, der doch aus der kyrenaiischen Pentapolis stammte, in seinem 148[WS 5]. Briefe: εἰσὶν ἠπειρῶται παρ’ ἡμῖν ἅλες, ἀπέχοντες πρὸς νότον ἔλαττον ἢ πρὸς ἀπαρκτίαν ἡ θάλαττα· τούτους Ἄμμωνος καλοῦμεν τοὺς ἅλας· [2088] πέτρα δὲ αὐτοὺς ψαφαρὰ καὶ τρέφει καὶ κρύπτει, ἣν ὅταν ἀφέλῃς ἐπιβεβλημένην ὥσπερ ἐφελκίδα ῥαστῴνῃ πολλῇ καὶ χερσὶ καὶ σκαλίσιν ἀροῦν τὸ βάθος· τὸ δὲ ἀναχωννύμενον ἅλες εἰσίν, ἰδεῖν τε ἡδεῖς καὶ γεύσασθαι. Eratosth. bei Strab. I 49 glaubte, daß dies S., sowie die dort am Wege nach dem Heiligtum sich findenden Schnecken, Muscheln u. dgl. von einer λιμνοθάλαττα, einem S.-See herrührten, der sie als ἀναφυσήματα θαλάττης in die Höhe bringe, da er unterirdisch mit dem Meer in Verbindung stehe; und Plin. 79 berichtet, das Ammon-S. nehme mit dem Monde nachts zu. Es kam wohl nur als medizinische Droge in den Handel; vgl. Cels. VI 6, 39. Diosc. und Veget. a. a. O. Gal. XI 690. XIII 928. 943. XIX 724.

Schließlich mag noch als Besonderheit erwähnt sein, daß man nach Plin. XXXI 82 aus Asphalt S. gewann: prima densatio Babylone in bitumen liquidum cogitur oleo simile, quo et in lucernis utuntur; hoc detracto subest sal. Und nach Plin. 83 wurde auch aus der S.-Lake marinierter Fische durch Einkochen S. hergestellt: quin et e muria salsamentorum recoquitur iterumque consumpto liquore ad naturam suam redit. vulgo e menis iucundissimus. In medizinischer Anwendung hatte Bedeutung der sog. S.-Schaum, ἄχνη ἁλός, spuma salis, worunter man das S. verstand, das unter dem Einfluß von Sonne und Luft kraftlos geworden war und das man namentlich am Meer an den Klippen sammelte, Diosc. V 126: ἁλὸς ἄχνη ἐπίψηγμά ἐστιν ἁλὸς ἀφρῶδες. εὑρισκόμενον ἐπὶ τῶν πετριδίων; vgl. Plin. XXXI 105. Gal. XII 374. Die Salinen lieferten auch, wie heutzutage, für Heilzwecke und andere Sole, die ἅλμη (Diosc. V 127) hieß, lat. salsugo, Plin. 42: praeter haec etiamnum appellatur in salinis salsugo, ab aliis salsilago, tota liquida, a marino aqua salsiore vi distans; über ihren Gebrauch in der Medizin vgl. ebd. 97 u. 160 (wo die spanische empfohlen wird), in der Landwirtschaft Plin. XIX 85. Dagegen ist, was man S.-Blüte, ἄνθος ἁλός (Diosc. V 128), flos salis (Plin. XXXI 92) nannte und in der Medizin wie in der Landwirtschaft gebrauchte (vgl. Cat. r. r. 88. Plin. a. a. O. 85. XIII 9; ebd. 14 u. ö. Galen. XI 109. XII 374. XIX 724), kein S.-Produkt, sondern Natriumkarbonat (Soda); das man aus den Natronseen Ägyptens und auch von anderwärts bezog.

Die große Bedeutung, die das S. als fast unentbehrliches Würzmittel der Nahrung für den Menschen hat, wird von den Schriftstellern öfters rühmend hervorgehoben, so von Plin. XXXI 88: ergo, Hercules, vita humanior sine sale non quit degere, adeoque necessarium elementum est, uti transierit intellectus ad voluptates animi qouque eximias. Plut. quaest. conv. IV 4, 4 p. 668f.: τῶν θαλαττίων τὸν ἅλα πρῶτον (εὑρήσεις), οὗ χωρὶς οὐδὲν ὡς ἔπος εἰπεῖν ἐστὶν ἐδώδιμον. Dio Chrys. or. XVIII p. 257 M. Nach Plat. conv. p. 177 B und Isocr. X 12 waren besondere Lobschriften auf das S. verfaßt worden. Daß man es als Merkwürdigkeit berichtete, daß fern von der Meeresküste wohnende Völker kein S. kannten, haben wir schon oben erwähnt; und unter den besprochenen S.-Arten haben wir auch solche gefunden, die bei gewissen Völkern das ihnen unbekannte Meer- und Stein-S. ersetzen [2089] mußten, mochten sie auch nach Beschaffenheit, Farbe und Geschmack sich wesentlich von dem von Griechen und Römern in erster Linie bevorzugten weißen und leicht zerreibbaren Speise-S. entfernen (vgl. Plin. 85: salsissimus sal, qui siccissimus, suavissimus omnium Tarentinus atque candidissimus, sed de cetero fragilis, qui maxime candidus). Es ist daher sehr begreiflich, daß Homer das S. ‚göttlich‘ genannt hat (Il. IX 214). Zwar haben die alten Erklärer sich darüber den Kopf zerbrochen, weshalb er das getan hat. Eustathius z. d. St. 748, 50 meinte, es sei aus mythologischen Gründen geschehen, weil dieses S. ein Geschenk gewesen sei, das Peleus an seinem Hochzeitstage von Nereus erhalten habe, und weil es die Kraft besessen habe, Traurige fröhlich zu machen; er gibt aber daneben noch andere Erklärungen: weil es als Symbol der Gastfreundschaft den Fremden vorgesetzt werde, oder weil in S. gelegte Speisen sich lange halten, oder weil es reinigende (sühnende) Kraft besitze; und Plut. quaest. conv. V 10 p. 684ff. hat der Frage ein besonderes Kapitel gewidmet, wobei er zu dem Schluß kommt, daß das S. ebenso wie Wasser, Licht u. a. als göttlich bezeichnet worden sei, weil die Menschen alle gemeinsamen, für die Bedürfnisse des Lebens unentbehrlichen Dinge zu vergöttlichen liebten, und damit wird er auch wohl das Richtige getroffen haben. In ähnlichem Sinne nannte Plat. Tim. p. 60 E das S. κατὰ λόγον νόμου θεοφιλὲς σῶμα (in abweichender Fassung zitiert Plut. a. a. O. diesen Ausspruch). Weil das S. die Nahrung nicht nur gesünder und bekömmlicher, sondern auch wohlschmeckender macht (vgl. Arist. met. II 3 p. 659a, 33. Plut. de Is. et Osir. 5 p. 352 F), so nannten es die Griechen auch ἄλες ἡδυντῆρες, Eratosth. b. Hesych. s. ἡδυντῆρες. Poll. VI 71. Tryphon bei Walz Rh. Gr. VIII 756, 6. Bei der Bereitung der Speisen, beim Mahle selbst oder bei der Herrichtung von Nahrungsmitteln fand das S. sehr mannigfache Verwendung, vgl. Plin. 87: ad opsonium et cibum utilior quisquis facile liquescit, item umidior minorem enim amaritudinem habet, ut Atticus et Euboeicus servandis carnibus aptior acer et siccus, ut Megaricus. Isid. XVI 2, 6: salis natura necessaria est ad omnem escam. pulmentis enim saporem dat, excitat aviditatem et appetitum in omnibus cibis facit. ex eo quippe omnis virtus, delectatio et summa hilaritas. Vgl. Gal. VI 745, der über das Einsalzen von Speisen, zumal von Fischen, ausführlich handelt. Die gewöhnlichste Verwendung war, daß es in der Küche den Speisen beigemengt oder bei der Mahlzeit aus dem stets bereitstehenden S.-Faß (s. u.) darüber gestreut wurde (wenn bei Speisen das S. fehlte, wurde der Koch bestraft oder die Hausfrau gescholten. Plut. de coh. ira 13 p. 461 C). So wird schon bei Homer a. a. O. der Braten hergerichtet; vgl. Plut. a. a. O. IV 4, 3 p. 668 F: οἱ ἥρωες … οὐχ ὑπέμενον τὰ κρέα χωρὶς ἁλῶν προσφέρεσθαι, μαρτυροῦντες ὅτι τοῦτο τῶν ὀψῶν μόνον ἀπαραίτητόν ἐστίν, was dann im folgenden noch näher ausgeführt wird; vgl. ebd. V 10, 3 p. 685 C. Wie dem Fleisch und den Fischen, setzte man es den Gemüsen, Salaten u. dgl. bei, vgl. z. B. Plin. XIX 85; ebd. 143. XX 43 u. o. Dem Brotteig wurde in der Regel S. beigemischt, [2090] Verg. Mor. 47. Gal. VI 499 (vgl. Blümner Technol. d. Gr. u. Röm.² I 60), wie es auch beim beliebten Gersten- oder Speltbrei, der μᾶζα, dem puls, nicht fehlen durfte (vgl. Becker-Göll Charikles II 312. Gall. III 313). Käse wurde wie heute eingesalzen, Plin. XI 242. XXVIII 132. Col. XII 13, 2. Pallad. VI 9, 1. Aber auch als Zukost, ὄψον, opsonium, wurde es, wie Zwiebeln u. a., genossen, Plat. rep. II 372[WS 6] C: ἅλας τε δῆλον ὅτι καὶ ἐλάας καὶ τυρόν, καὶ βολβοὺς καὶ λάχανα, οἷα δὴ ἐν ἀγροῖς ἑψήματα, ἑψήσονται. Plut a. a. O. IV 4, 3 p. 669 B: οὐ μόνον τοίνυν πρὸς τὴν τροφὴν ἀλλὰ καὶ πρὸς ποτὸν ὄψον εἰσὶν οἱ ἅλες; und namentlich gewürztes S., das mit irgend einem scharfen, appetitreizenden Pflanzenstoff abgerieben war, z. B. mit Thymian, die θυμῖται ἅλες, Arist. Ach. 772 u. 1099 mit Schol. Solches Würz-S. heißt ἅλες ἡδυσμένοι, Athen. IX 366 B, lateinisch sal conditus, Plin. XXXI 87: conditur etiam odoribus additis et pulmentarii vicem implet, excitans aviditatem incitansque in omnibus cibis ita, ut sit peculiaris ex eo intellectus inter innumera condimenta (vgl. Acro ad Hor. sat. I 3, 14); darnach ist im Ed. Diocl. 3, 9 in der griechischen Fassung σαλακονδεῖτον tarifiert (sonst findet sich die spätgriechische Form ἀλασάρτυτον, Corp. gloss. III 184, 13. 255, 1). Verschiedene Rezepte zur Bereitung von sales conditi gibt Apicius I 29. Im Gegensatz dazu heißt das gewöhnliche Speise-S. sal purus, Hor. sat. I 3, 14, Ovid. fast. I 338; vgl. ἅλες ἀνήδυντοι, Athen. a. a. O.

Sehr allgemein war sodann die Benutzung des S. wegen seiner konservierenden Kraft zum Einpökeln von Fleisch- und Fischwaren; vgl. Plut a. a. O. IV 4, 3 p. 669 A. V 10, 3 p. 685 B. Beispiele Cato r. r. 88, 2. Varro r. r. I 2, 28. Apic. I 10 u. s. (vgl. Art. Salsamenta und Tarichos). Ferner legte man allerlei Feldfrüchte, wie Rüben, Rettiche u. dgl. in S. (vgl. besonders Col. XII 56ff.), namentlich aber Oliven (Cat. 23, 1. Varro I 60. Col. XII 49. Plin. XV 16. Pall. XII 22. 50, 2); auch Eier wurden konserviert, indem sie, bevor man sie in Kleie legte, mit S. abgerieben wurden (Varro III 9, 12). Einsalzen heißt salire oder sallire, Cato r. r. 162, 1; vgl. Varro r. r. I 2, 28; daher das oft gebrauchte salsus und salsura, vgl. Cato a. a. O. Varro II 4, 18. Col. XII 55, 1. S. war auch ein gewöhnlicher Zusatz bei der Herstellung des Speiseöls, Col. XII 51, 2. Pall. XI 10. XII 17, 2; auch bei der Bereitung von Salben pflegte es nicht zu fehlen, Plin. XIII 7. Ovid. met. fac. 94 (vgl. Blümner a. a. O. 358. 360). Wie heute, gab man es auch dem Vieh, da man annahm, daß dieses dann mehr Milch gäbe, Plin. XXXI 88: quin et pecudes armentaque et iumenta sale maxime sollicitantur ad pastus, multo tum largiore lacte multoque gratiore etiam in caseo dote. Arist. hist. an. VIII 10 p. 596a, 12. Verg. Georg. III 394ff. Pall. XII 13, 3. Isid. XVI 2, 6. Eine sehr wichtige Rolle spielte das S., und zwar ebenso das wirkliche Koch-S., wie andere, chemisch nicht dazugehörige S., in der Medizin und in der Tierarzneikunde, und zwar ebenso in innerer wie in äußerer Anwendung; vgl. Plin. 86: ad medicinae usum antiqui Tarentinum maxime laudabant, ad hoc quemcunque e marinis, ex eo genere spumeum [2091] praecipue, iumentorum vero et boum oculis Tragasaeum et Baeticum. Einzelne Erwähnungen der medizinischen Anwendung sind bei Plinius überaus zahlreich, ebenso bei Veget. mulomed. und bei Galenus; namentlich zu Pflastern nahm man es gern, die davon δι’ ἁλῶν genannt wurden, Gal. XIII 501. 928. 942. In anderweitiger, zumal technischer Verwendung wird das S. nur selten erwähnt. So gebrauchte man es bei der Gerberei, vornehmlich der Weißgerberei, Arist. Nub. 1237 mit Schol. Cato r. r. 135, 3. Suid. s. ἁλσί (vgl. Blümner a. a. O. 268), und nach Plin. XXXIII 84 diente es als Zusatz bei einem bestimmten Goldschmelzverfahren. Wenn man S. dem Brennöl zusetzte, brannten die Lampen heller, Plut. quaest. conv. I 9, 3 p. 627 C.

Seiner allgemeinen Anwendung, seinem hohen Nutzen und seiner Unentbehrlichkeit verdankt das S. auch die wichtige Rolle, die es bei Griechen und Römern in übertragener Bedeutung und im Sprichwort spielt. Daß ἅλες wegen der Verwendung beim Mahle und bei der Aufnahme von Gastfreunden die Bedeutung von ‚Freundschaft‘ bekommen hat, haben wir oben gesehen. Von seiner Würzkraft entnommen ist die Übertragung auf witzige oder bissige Reden, die freilich im Griechischen bei weitem nicht so häufig anzutreffen ist, wie im Lateinischen. Als älteste Belegstelle gilt Plat. symp.[WS 7] 177 B: ἀλλ’ ἔγωγε ἤδη τινὶ ἐνέτυχον βιβλίῳ, ἐν ᾧ ἐνῆσαν ἅλες ἔπαινον θαυμάσιον ἔχοντες πρὸς ὠφέλειαν, καὶ ἄλλα τοιαῦτα συχνὰ ἴδοις ἂν ἐγκεκωμιασμένα; allein mit Unrecht wird hier ἅλες als ‚witzige Stellen‘ erklärt (so auch bei Passow-Crönert I 318) denn es handelt sich hier um ein ‚Lob des Salzes‘, wofür die Erklärer der Stelle richtig auf Isocr. X 13 verweisen: τῶν μὲν γὰρ τοὺς βομβυλεοὺς καὶ τοὺς ἅλας καὶ τὰ τοιαῦτα βουληθέντων ἐπαινεῖν οὐδεὶς πώποτε λόγων ἠπόρησεν. Ebensowenig ist für die übertragene Bedeutung Antiphanes bei Athen. X 366 anzuführen. Zwar hat hier Valckenaer solche angenommen; allein die Worte: τῶν θαλαττίων δ’ ἀεὶ ὄψων ἕν ἔχομεν, διὰ τέλους δὲ τοῦθ’, ἅλας, die im Κώρυκος des Antiphanes ein Kyniker spricht, lassen die Deutung, daß wirkliches S., nicht gesalzene Reden, gemeint ist, umsomehr zu, als Athenaios dort von ἅλες ἡδυσμένοι als Würz-S. und ἀνήδυντοι ἅλες als Kynikernahrung spricht. Wenn Plut. quaest. conv. V 10, 2 p. 685 A vom S. sprechend sagt: διὰ καὶ χάριτας ἔνιοι προσαγορεύουσιν αὐτούς, ὅτι τῆς τροφῆς τὸ ἀναγκαῖον ἡδὺ ποιοῦσιν, so ist auch diese in den Lexika angeführte Stelle kein Beleg für jene Deutung; denn Plutarch sagt nicht, man habe die χάριτες als ἅλες bezeichnet, sondern umgekehrt die ἅλες, d. h. wirkliches S., als χάριτες. Ganz sicher ist ἅλες im Sinne von beißendem Spott nur nachweisbar in der Plutarchischen Schrift Aristoph. et Menandri comparatio 4 p. 854 C, wo es heißt: οἱ δ’ Ἀριστοφάνους ἅλες πικροὶ καὶ τραχεῖς ὄντες ἑλκωτικὴν δριμύτητα καὶ δηκτικὴν ἔχουσι. Fast möchte man vermuten, daß diese übertragene Bedeutung von ἅλες erst vom Lateinischen her ins Griechische aufgenommen worden ist. Dafür spricht, daß ἅλμυρος nicht, wie salsus, witzig bedeutet, sondern unerfreulich, widerwärtig; so spricht Platon Phaidr. p. 243 D von ἁλμυρὰ ἀκοή, und wenn er Legg. IV 705 A das Meer ein ἁλμυρὸν καὶ πικρὸν γειτόνημα [2092] nennt, hat ἁλμυρός den Doppelsinn salzig und unangenehm; so ist auch bei Theokr. XXIII 34 ἁλμυρὰ κλαίειν im Doppelsinn zu verstehen. Im Sinne von ‚pikant‘ nennt Plut. quaest. conv. V 10, 4 p. 685 C die weibliche Schönheit ἁλμυρὸν καὶ δριμύ. Wenn demnach die Glossen sales mit ἅλατα καὶ ἀστειότης übertragen, so bezeugen sie damit nur den Doppelsinn des lateinischen Wortes, das S. und Witz bedeutet. Für den übertragenen Gebrauch des Singulars läßt sich nur N. T. ep. ad Coloss. 4, 6 anführen: ὁ λόγος ὑμῶν καὶ τότε[WS 8] ἐν χάριτι ἅλατι ἠρτυμένος, wo wohl nicht die Bedeutung ‚Witz‘, sondern ‚Anmut‘ anzunehmen ist. Über diese übertragene Bedeutung von ἅλες vgl. Blümner Philol. 1913, 447. Im Lateinischen hat sal schon früh (die älteste Belegstelle ist Afranius bei Prisc. V 8 p. 659 P.: ut quicquid loquitur, sal merum est) die Bedeutung von Witz, Humor, Ironie bekommen und ist, ebenso wie der Plural sales und wie salsus, salse, so sehr Gemeingut der Sprache geworden, daß Belege anzuführen unnötig ist; sie stehen in reichster Menge zur Verfügung.

Was das S. im Sprichwort anlangt, so finden wir schon bei Homer als sprichwörtliche Redensart von jemand, der zu sparsam ist, gesagt: οὐ δ’ ἅλα δοίης, Od. XVII 455; wiederholt Theokr. 27, 60. Ein ärmliches Leben führen wird durch ἅλα λείχειν bezeichnet, Diog. Laert. VI 57; lat. salem delingere, Plaut. Curc. 562; Persa 430. S. und Brot diente ebenso wie bei uns als Kennzeichen bescheidenen Lebens, Plin. 89: salem cum pane evitasse eos (sc. veteres) proverbio apparet, daher Horat. sat. II 2, 17: cum sale panis latrantem stomachum bene leniet. Und wie heute manchenorts Darbietung von Brot und S. Zeichen freundschaftlichen Empfanges ist, so schon im Altertum; bei Babr. 167 (Crusius) heißt es vom Landmann: λαβὼν δὲ ἄρτον καὶ ἅλας πρὸς εἰρήνην ἐκάλει τὸν ὄφιν. Daher bekommt das S. direkt den Begriff der Freundschaft und Treue; so sagt Archilochos frg. 96 (Bergk) zu Lykambes: ὅρκον δ’ ἐνοσφίνθης μέγαν ἅλας τε καὶ τράπεζαν. Demosth. XIX 191 p. 401: τοὺς ἅλας παραβαίνειν καὶ τὰς σπονδάς; und Lykophr. 133 in schwülstiger Umschreibung: οὐκ αἰδούμενος … οὐδὲ τὸν ξένοις σύνδορπον Αἰγαίωνος ἁγνίτην πάγον, wozu Tzetz. ἅλες … ἐν ταῖς τῶν ξενιῶν ἀπαρχαῖς und d. Schol. ἁγνίτην δὲ πάγον ἤγουν τὸν ἅλα, ξένοις δὲ σύνδορπον, ἐπεὶ κατὰ τὸ ἔθος, ὅταν ἑστίων ξένους, ξένοις ἅλας παρετίθεσαν. So wird auch sprichwörtlich ἅλες καὶ τράπεζα verbunden, Aisch. de falsa leg. 22. Plut. quaest. Graec. 17 p. 295 C.; Beteuerung ist πρὸς ἁλῶν καὶ τραπέζης, Heliod. VI 2; vgl. Demosth. a. a. O. 189 p. 400: ποῦ δ’ ἅλες; ποῦ τράπεζα; ποῦ σπονδαί; vgl. auch die Redensart ἁλῶν κοινωνεῖν, Luc. Asin. 1. Und wie wir zu sagen pflegen, daß man erst den als erprüften Freund bezeichnen könne, mit dem man zusammen schon einen Scheffel S. verzehrt habe, so spricht Aristot. Eth. Eudem. VII 2, 46 p. 1228a, 2 vom μέδιμνος τῶν ἁλῶν, und Eth. Nicom. VIII 3 p. 1156b, 27 sagt er πρὶν τοὺς λεγομένους ἅλας ἀναλῶσαι, vgl. Plut. de amic. mult. 3 p. 94 A τῶν ἁλῶν συγκατεδηδοκὼς μέδιμνον; de frat. am. 8 p. 482 B. Plaut. Cas. 538: non ecastor vilis emptu’st modius qui venit salis. Cic. de amic. 19, 67: verum illud est quod dicitur, multos [2093] modios salis simul edendos esse, ut amicitiae munus expletum sit. Vgl. Eustath. Il. I 449 p. 132, 25. Greg. Cypr. cod. Leid. I 23. Apostol. II 28. Vertraute Freunde heißen im griechischen Sprichwort οἱ περὶ ἅλα καὶ κύαμον, nach Plut. quaest. conv. V 10, 1 p. 684 F: οἱ γὰρ οὕτω συνήθεις τῶν φίλων, ὥστε καὶ πρὸς ἅλα δειπνεῖν καὶ κύαμον, ὑπὸ τῆς παροιμίας προβάλλονται (vgl. ebd. IV 1, 3 p. 663 F). Auch die konservierende Kraft des S.s kam im Sprichwort zur Geltung: da es das Tote vor Verwesung schützte, so scherzte man (angeblich nach einem Ausspruch Chrysipps), das S. sei gleichsam die Seele des (besonders gern zum Einpökeln benutzten) Schweins, da die Seele die Unsterblichkeit verleiht, Varro r. r. II 4, 10: itaque iis (sc. suibus) animam datam esse proinde ac salem, quae servaret carnem (dicunt). Cic. de inv. V 13, 38: ut non inscite illud dictum videatur in sue, animam illi pecudi datam pro sale, ne putesceret; nat. deor. II 64, 160: cui equidem, ne putesceret, animam ipsam pro sale datam dicit esse Chrysippus. Plin. VIII 207: animamque ei pro sale datam non inlepide existimatur. Plut. quaest. conv. V 10, 3 p. 685 C: διὸ καὶ τῶν Στωικῶν ἔνιοι τὴν ὗν σάρκα νεκρὰν γεγονέναι λέγουσι, τῆς ψυχῆς, ὥσπερ ἁλῶν, παρεσπαρμένης ὑπὲρ τοῦ διαμένειν. Vgl. Clem. Alex. strom. VII 33 p. 349 P., der den Scherz dem Kleanthes zuschreibt. Das griechische Sprichwort ἅλας ἄγων καθεύδεις, Suid. s. v., wurde darauf zurückgeführt, daß ein Kaufmann seine Schiffsladung mit S. dadurch verlor, daß die Schiffsjauche im Frachtraum stieg und die Ladung darin schmolz, s. Zenob. I 23. Diogen. I 21. Arsen. 37 (vgl. auch die Fabel von dem S.-Händler, der seine Ware auf einem Esel transportiert, Babr. 111 Crus.). Suidas führt a. a. O. auch als Sprichwort den Vers an: ἁλῶν δὲ φόρτος ὅθεν ἦλθεν, ἔνθ’ ἔβη, erklärt dies aber s. ἁλῶν δὲ φόρτος abweichend ἐπὶ τῶν καθ’ ἑαυτοὺς χρωμένοις τοῖς οὖσι καὶ μηδενὶ μεταδιδόντων; richtiger Diogen. II 34 ἐπὶ τῶν τὰ ἅπερ προσεπόρισαν καὶ ἐχαρίσαντο, ἀπολλύντων; vgl. Zenob. II 20. Greg. Cypr. I 84. Apostol. II 9. Unter ἅλας θυμίτας erwähnt Suidas das Sprichwort ἅλασιν ὕει (doch vermutet Bernhardy, dies Schlaraffenland-Sprichwort habe eigentlich ἀλλᾶσιν ὕει geheißen). Nur römisches Sprichwort, weil auf lateinischem Wortspiel beruhend, ist: nihil utilius sale et sole, Plin. XXXI 102. Isid. XVI 2, 6. Hingegen scheint unser sprichwörtliches cum grano salis nicht antik zu sein; bei Plin. XXIII 149 kommt addito salis grano nur in einem Rezepte vor.

Die reinigende Kraft, die man dem S. zuschrieb, ist wohl, neben der oben erwähnten Bezeichnung als göttlich, Veranlassung gewesen, daß es im Kultus Bedeutung erlangt hat. Zwar spielt es bei den Griechen im gewöhnlichen Opfer keine Rolle; die über das Opfertier ausgestreute heilige Gerste wurde nicht, wie bei den Römern mit S. vermischt, ebensowenig die Opfereingeweide, s. Athenion bei Athen. XIV 661 A: ὅθεν ἔτι καὶ νῦν τῶν πρότερον μεμνημένοι | τὰ σπλάγχνα τοῖς θεοῖσιν ὀπτῶσιν φλογί, | ἅλας οὐ προσάγοντες· οὐ γὰρ ἦσαν οὐδέπω | εἰς τὴν τοιαύτην χρῆσιν ἐξευρημένοι. Erst später, wohl unter römischem Einfluß, kam das Vermischen der Gerste mit S. auch beim griechischen Opfer auf, s. Schol. Hom. Il. I 449. [2094] Eustath. ebd. p. 132, 44. Schol. Ar. Equ. 1167; es ist poetische Freiheit, wenn Horat. sat. II 3, 200 das Bestreuen mit mola salsa in die heroische Zeit verlegt. Aber wie man Meerwasser und S.-Quellen zu Lustrationen benutzte (Hermann Gottesdienstl. Altertümer² § 23, 8. Gruppe Griech. Myth. 814f. 889 und s. Menand. bei Clem. Alex. strom. VII 4 p. 344 P. Tzetz. zu Lykophr. 495), so auch das S. bei Reinigungsopfern, wie das im Orient und bei den Hebräern ebenfalls Brauch war (s. Arrian. anab. III 4, 3 und vgl. Buchholz Hom. Realien I 2, 206f. Behr Symbolik d. mos. Kultur II 325ff.). So Theokr. XXIV 94: καθαρῷ δὲ πυρώσατε δῶμα θεείῳ | πρᾶτον, ἔπειτα δ’ ἅλεσσι μεμιγμένον, ὡς νενόμισται, | θαλλῷ ἐπιρραίνειν ἐστεμμένῳ ἀβλαβὲς ὕδωρ. Ps.-Tib. III 4, 9; et natum in curas hominum genus omina noctis | farre pio placant et saliente sale. Censor. de die nat. 22, 19 erwähnt sal februus, mit dem im Februar an den Lupercalien lustriert wurde. Verwendung von S. bei den Mysterien bezeugt Clem. Alex. protr. 14 p. 13 P.; vgl. O. Jahn Herm. III (1869) 331f. Auch beim Liebeszauber kam nach Luc. dial. mer. 4, 4 S. zur Verwendung. Im römischen Kultus war das S. die unentbehrliche Zutat zur mola salsa (s. d.); vgl. Plaut. Amphitr. 740. Verg. Aen. II 133. Ovid. fast. III 284. Plin. XVIII 7. XXXI 89. Martial. VII 54, 5. Fest. 110, 5. 140, 10. Serv. Ecl. 8, 82; Aen. II 133 u. s. So mußten auch die Vestalinnen die muries, die an gewissen Festtagen zur Verwendung kam, aus gestoßenem, geröstetem und in Wasser gelöstem S. bereiten, s. Fest. 158b, 28. 159, 10; vgl. Wissowa Relig. u. Kult. d. Römer 143. Kroll Arch. f. Rel. VIII Beih.

Da die Speisen nicht nur in der Küche, sondern auch beim Mahle noch gesalzen wurden, so war das S.-Faß ein wichtiges Tischgerät; doch spielt es bei den Griechen, die es ἁλιά nennen (nach Poll. X 169 σκεῦός τι πύξινον, ᾧ τοὺς ἅλας ἐντρίβουσιν, wofür Archippos und Strattis zitiert werden), nicht die wichtige Rolle, wie bei den Römern, die es eben nicht bloß bei Tisch, sondern auch beim häuslichen Opfer zur mola salsa gebrauchten. Es fehlt daher in keinem Haushalt, und wenn es beim Armen ein einfaches Tongefäß oder eine Muschel war (Horat. sat. I 3, 14: concha salis puri. Pers. 3, 25: purum et sine labe salinum. Stat. Silv. I 4, 130: saepe … et exiguo placuerunt farra salino), so pflegte es doch auch in bescheidenem Haushalt von Silber zu sein, wie die bekannten Verse des Horaz andeuten, carm. II 16, 13: vivitur parvo bene, cui paternum | splendet in mensa tenui salinum; oft waren das S.-Faß und die Opferschale (patera) die einzigen, von den Vätern ererbten Silbergefäße der Familie, vgl. Liv. XXVI 36, 6. Plin. XXXIII 153. Val. Max. IV 4, 3. Fest. 329a 30. 344b 24. Acro ad Horat. carm. a. a. O. Arnob. II 67. Das S.-Faß kommt daher auch im Sprichwort vor; von einem Knicker heißt es, er verriegle es, Plaut. Pers. 267: qui salinum servo obsignant cum sale (vgl. Otto Sprichwört. d. Römer 306); und ebenfalls vom Geizigen wird das Ausbohren des S.-Fasses mit dem Finger ausgesagt: digito terebrare salinum, Pers. 5, 138, griech. τὴν ἁλιὰν τρυπᾶν, Apoll. Tyan. epist. 7 (p. 346, 22 Kayser). Silberne Gefäße, die als [2095] S.-Fässer angesprochen werden können, haben sich mehrfach erhalten (vgl. Gaz. archéol. 1885, 335); ein sehr schön gearbeitetes, aus dem Silberfunde von Boscoreale, befindet sich im Louvre (s. Monum. fondat. Piot V 1899, 96 pl. 21, 4 und 5). Als Kuriosum kann angeführt werden, daß eine hübsche kleine Schale von rotem attischem Ton mit schwarzem Firnis, die S. Löschcke im athenischen Kunsthandel erworben hat, dadurch als S.-Faß erkannt wurde, daß sie weißlichen S.-Belag ausschwitzte und beim Auslaugen ein ziemliches Quantum eines gelblichen Salzes ergab (im Besitz von Direktor Fröhlich in Königsfelden in der Schweiz).

Bei dem starken S.-Verbrauche hatte der Handel mit S. große Bedeutung, obschon uns nur vereinzelte Nachrichten darüber vorliegen. Meist war es das S. der Meersalinen, das Gegenstand des Handels bildete. Die oben zusammengestellten Notizen über die Produktionsorte zeigen, wie auch aus weit entlegenen Gegenden S. bezogen wurde; das S. von Kleinasien (Phrygien, Kappadokien, Troas, Kypern) gelangte ebenso in die Hände der Konsumenten auf europäischem Boden, wie das von Sizilien und Spanien. Vom S.-Handel an der Mündung des Borysthenes berichtet uns die oben angeführte Stelle des Dio Chrys. or. XXXVI p. 437 M., und vom Fuß des Kaukasus strömten die Bewohner nach Dioskurias, um dort ihr S. einzukaufen, Strab. XI 506. Großhändler führten S. zu Schiff (auf ἁληγὰ πλοῖα, Plut. quaest. conv. V 10, 4 p. 685 E) in die Ferne (vgl. Suid. s. ἅλας ἄγων), Kleinhändler transportierten es auf Eseln ins Innere (Babr. 111 Cras.: μακρέμπορός τις ὄνον ἔχων ἐβουλήθη | τοὺς ἅλας ἀκούων παρὰ θάλασσαν εὐώνους, | τούτους πρίασθαι). Das S. war daher auch im Tauschhandel ein wichtiges Objekt; die Thraker tauschten S. gegen Sklaven ein, und der Name ἁλώνητος für Sklaven kam davon her, Poll. VII 14: ἁλώνητοι δὲ ἐκαλοῦντο οἱ μηδενὸς ἄξιοι τῶν οἰκετῶν, ὅτι τῶν Θρᾳκῶν οἱ μεσόγειοι ἁλῶν ἀντικατηλλάττοντο τοὺς οἰκέτας; daher war ἁλώνητον ἀνδράποδον für einen Sklaven von geringem Werte sprichwörtlich geworden, Suid. s. ἁλώνητον. Etym. M. 711, 30. Zenob. II 12. Diogen. I 100. Apostol. II 59. Von dem Handel mit dem S. von Ostia den Tiber aufwärts und auf der Via Salaria ist oben bereits die Rede gewesen. Der S.-Händler heißt salarius, Martial. I 41, 8. IV 86, 9. CIL V 66. 70. X 557, 3, 20; ein corpus salariorum VI 1152 (vgl. Corp. gloss. lat. II 592, 14: salarius, salis venditor). Nach Arnob. II 38 scheint später auch salinator diese Bedeutung gehabt zu haben, doch hat man darunter ursprünglich wohl etwas anderes verstanden (s. u.).

Über den Preis des S. liegen nur ein paar vereinzelte Notizen vor. Als Athen von Demetrios Poliorketes belagert wurde und in der Stadt Hungersnot entstand, kostete der Scheffel S. nach Plut. Demosth. 33 vierzig Drachmen; das läßt aber keinen Rückschluß auf den normalen Preis zu; nur die Tatsache, daß der Scheffel Weizen damals 300 Drachmen galt, scheint darauf zu führen, daß der S.-Preis etwa 1/7 von dem des Weizens war. Daraus schließt Boeckh Staatshaush. der Athener³ I 126, daß es in gewöhnlichen Zeiten sehr billig war. Arist. Eccl. 814 [2096] spielt auf einen Volksbeschluß περὶ τῶν ἁλῶν an; nach den Scholien hätte er sich auf Verbilligung des S. bezogen, wäre aber nicht in Kraft getreten. Auch für die römische Zeit sind Preisangaben selten. Im Ed. Diocl. wird der Doppelscheffel (modius kastrensis [17, 51 l]) gewöhnliches S. zu 100 Denaren tarifiert (ca. 1,80 M.), vom Würz-S. der Sextarius (0,54 l) zu 8 Denaren (ca. 15 Pf.). Nach einer im Cod. Theod. VIII 4, 17 überlieferten Verordnung vom J. 389 n. Chr. konnte bei Lieferungen an die Soldaten der Grenzbesatzungen der Lieferant den italischen Scheffel S. (8,75 l) um 1/12 Solidus (etwas über 1 M.) ablösen.

Daß auch der Staat sich die Unentbehrlichkeit dieses Nahrungsmittels zunutze machte, ist natürlich, doch liegen auch dafür nur wenige Nachrichten vor. Aus Indien weiß Plin. XXXI 77 zu berichten, daß der König dort aus dem S.-Bergwerke des Oromenusgebirges höhere Steuern bezogen, als aus Goldgräberei und Perlenfischerei. Daß Lysimachos das S. von Tragasai besteuerte, aber später die Steuer wieder aufgeben mußte, ist oben mitgeteilt. In Byzanz betrug nach Arist. oecon. II 2 p. 1346b, 20 die Steuer für den S.-Verkauf (τῶν ἁλῶν ἁλατοπωλία) ein Drittel des Betrages; ferner bestanden S.-Steuern in Syrien (unter Demetrios, Joseph. ant. Iud. XIII 2, 3. I Maccab. 10, 27) und in Palmyra nach dem im Herm. XIX (1887) 518 von Dessau publizierten Tarif vom J. 137 n. Chr., wonach anscheinend diese Ware Monopol und der Verkauf davon den Abgabenpächtern übertragen war, was man daraus schließt, daß der Verkauf nur dieses Artikels allein auf ein bestimmtes Lokal beschränkt wird (die Bestimmung über die dabei einzuhaltende Rechnungsweise ist nicht erhalten). In Ägypten fand Zwangsverkauf des S. zugunsten des Fiskus statt, wobei die ἁλοπῶλαι die geschäftliche Durchführung in Händen hatten, s. U. Wilcken Ostraka (Berlin 1899) I 141f. 188f. Rostowzew Geschichte der Staatspacht 411ff. Auf einem Papyrus aus der Zeit des Ptolemaios Philadelphos meldet ein Beamter, daß er auf Befehl des Königs die Schullehrer, die Turnlehrer, die Schauspieler und die Sieger in gewissen Wettkämpfen von der S.-Steuer befreit habe, s. Dikaiomata, herausgegeben von der Graeca Halensis (Berlin 1913) 158.

In Rom waren die in der Königszeit angelegten Salinen von Ostia im Besitz des Fiskus; Plin. XXXI 89 berichtet von Ancus Marcius, er habe dem Volke 6000 Scheffel S. als Gratisverteilung zukommen lassen. Nach Aurel. Vict. 5, 3 hätte Ancus Marcius sogar schon ein salinarum vectigal eingeführt, doch wird in der Regel angenommen, daß dies auf einem Mißverständnis der Pliniusstelle beruhe. In welcher Weise damals Preis und Verkauf des S. geregelt war, wissen wir nicht; es wird aber aus dem Anfang der Republik (508 v. Chr.) bei Liv. II 9, 6 berichtet, der S.-Preis habe durch die Händler eine solche Höhe erreicht, daß der Staat es zum Monopol zu machen beschloß. Freilich ist die Stelle nicht intakt, sie lautet in den Hss.: salis quoque vendendi arbitrium, quia impenso pretio venibat, in publicum omni sumptu ademptum privatis. Die Herausgeber schreiben entweder in publicium [2097] omne sumptum oder cum omni sumptu oder schieben ein Partizip recepto, translato oder dgl. nach sumptu ein. Immerhin scheint der Sinn deutlich zu sein; darnach ist es denn wahrscheinlich, daß die Salinen ursprünglich verpachtet waren und daß die Pächter, die sie betrieben, auch den Preis des S. festsetzten, was nun aufhörte. Abweichend ist die Auffassung von Max Cohn Zum röm. Vereinsrecht 162ff., der annimmt, daß die Neuerung vom J. 508 darin bestand, daß man den Salinenpächtern das Recht, den Preis zu bestimmen, entzog und damit die Censoren betraute; vgl. dagegen Cagnat Les impôts indirects 237ff. (Dessau Bull. d. Inst. 1883, 83ff. macht auf die in Inschriften von Ostia mehrfach vorkommende gens Salinatoria aufmerksam; er vermutet, daß die Pächter der Staatssalinen diese von Sklaven betreiben ließen und daß diese als Freigelassene, bezw. deren Nachkommen, den Gentilnamen Salinatorius führten). Eine eigentliche S.-Steuer wurde erst 204 v. Chr. eingeführt, Liv. XXIX 37, 3: vectigal etiam novum ex salaria annona statuerunt (sc. die Censoren M. Livius und C. Claudius), sextante sal et Romae et per totam Italiam erat. Romae pretio eodem, pluris in foris et conciliabulis, et alio alibi pretio praebendum locaverunt. id vectigal commentum alterum ex censoribus salis credebant, populo iratum quod iniquo iudicio quondam damnatus esset. et in pretio salis maxime oneratas tribus, quarum opera, damnatus erat, credebant. inde Salinator Livio inditum cognomen, vgl. Cass. Dio frg. 57, 70: καὶ τοὺς ἀτελεῖς μέχρι τότε ὄντας ὑποτελεῖς ἐποίησαν. Daß es nun lediglich ein Racheakt des Livius gegenüber den ländlichen Tribus gewesen sei, daß diese das S. teurer bezahlen mußten, als die städtischen, war sicher nur Klatsch: die eigentliche Ursache der Maßregel war, daß es nicht länger möglich war, den jetzt durch ganz Italien zerstreuten römischen Bürgern das S. zu einem und demselben Preise abzugeben (vgl. Mommsen R. G.⁴ I 806). Bis dahin war also die salaria annona, d. h. der Marktpreis des S. für Rom und Italien auf einen Sextans (damals etwa 0,7 Pf.) festgesetzt; welches Quantum man dafür erhielt, wird nicht gesagt, es kann aber bei der geringen Summe nur ein sehr kleines gewesen sein. Nunmehr blieb der Preis zwar für Rom der gleiche, dagegen durften die Pächter, mit denen die Censoren die Kontrakte abschlossen, außerhalb Roms höhere Preise, die aber jedenfalls für jeden Ort bestimmt festgelegt waren (alio alibi pretio), fordern. Ob dadurch dem Staat wirklich eine höhere Einnahme erwuchs, steht dahin; Mommsen a. a. O. meint, die römische Regierung werde den Bürgern das S. zum Produktionspreise, wenn nicht darunter, abgegeben haben. Im R. St.-R.³ II 370 nimmt er an, daß Livius, wenn er die Erhöhung der S.-Preise im J. 204 v. Chr. als vectigal novum bezeichnet, damit nur sagen wolle, daß das bisher von den Salinenpächtern dem Staat bezahlte Vectigal unbedeutend und vielleicht sogar nur formell gewesen war, der Staat also auf diesen Bodenertrag sogut wie ganz verzichtet hatte. Es sei nämlich ganz besonders darauf angekommen, der Bürgerschaft reichliches und billiges S. zu verschaffen und demzuliebe wurde dem Erwerber [2098] dieser Nutzung in besonderen, mit entsprechenden Poenalstipulationen versehenen Klauseln die Verpflichtung auferlegt, die S.-Preise nicht über ein vereinbartes Maximum zu stellen und wohl auch die gehörige Zahl von Magazinen und diese ordentlich gefüllt zu halten. Allein da es sich doch sicher um eine Finanzmaßregel handelt, ist das nicht gerade wahrscheinlich, denn der Staat lieferte ja (wie locaverunt erweist) das S. den Bürgern nicht selbst und direkt. Allem Anschein nach waren damals, wie auch später, die meisten Salinen und S.-Bergwerke Staatsbesitz, wurden aber nicht vom Staate selbst betrieben, sondern von Unternehmern, die durch ihre Unterbeamten oder Kleinhändler das S. zu den amtlich festgesetzten Preisen verkauften; und indem diese damals erhöht wurden, konnten die Pächter auch dem Staat höhere Pachtsummen zahlen, worin eben das novum vectigal bestand. Diese Pächter hießen conductores salinarum oder auch salarii. Auf einer Glaspaste des Berliner Museums steht Soc(ii) sal(iariorum) et scr., was Hirschfeld Verwaltungsbeamte d. Kaiserzeit² 150, 4 zu scripturariorum (d. i. Weidepächter) ergänzt, weil die Weidepacht, in Dacien wenigstens, an die Pächter der Salinen gegeben wurde, nach CIL III 1207 conductor pascui, salinarum et commerciorum; ebd. 1363 conductor pascui, salinarum. Wie die Inschrift der Glaspaste, so rührt auch die trilingue sardinische Inschrift CIL X 7856 noch aus republikanischer Zeit her; hier wird ein Cleon salari(us) soc(iorum) s(ervus), griechisch ὁ ἐπὶ ἁλῶν, genannt; und ein corpus salariorum bietet auch die Inschrift CIL VI 1152. Wie freilich Produktion und Verkauf im einzelnen geregelt waren, darüber gehen die Ansichten auseinander. Marquardt Röm. St.-V.² II 160 ist der Meinung, die mit der Verwaltung des S.-Monopols beauftragten Beamten hätten den Titel salinatores aerarii geführt, welche Bezeichnung sich in einem Fragment des Cato bei Serv. Aen. IV 244 findet, während die Pächter des S.-Werkes die conductores salinarum oder salarii waren (doch erklärt Marquardt Privatleb. der Römer 469, 3 dieselben Bezeichnungen in etwas abweichendem Sinne). Rostowzew Philol. Suppl.-Bd. IX 412 nimmt an, daß die Pächter nur das für den Verkauf nötige S. zu liefern hatten, das dann die salinatores aerarii an die römischen Bürger verkauften. Ob dies Beamte waren, sei ungewiß; möglich sei, daß sie bestimmte Prozente für ihre Mühe bekamen, das Geschäft selbst aber pachteten. Ebenso unsicher ist die Bedeutung der in zwei Inschriften von Rimini CIL XI 930f. genannten salinatores civitatis Menapiorum und civitatis Morinorum; Marquardt a. a. O. sieht auch in ihnen Verwaltungsbeamte, Rostowzew 417, 178 Salinenarbeiter, Waltzing Etude sur les corporat. II 226 römische Spekulanten, die den S.-Verkauf an der belgischen Grenze in Händen hatten (ebenso Besnier bei Daremberg-Saglio Dictionn. des antiqu. IV 1012, 15).

Auch für die Verhältnisse der Kaiserzeit liegen nur wenig Angaben vor. Auf jeden Fall blieb der S.-Betrieb Monopol des Staats, wenn auch vielleicht, da von S.-Steuer nichts erwähnt wird, dieser keinen Gewinn daraus zog. Eine in der Campagna gefundene Inschrift (Lanciani Bull. [2099] com. 1888, 83ff.) aus der Zeit des Septimius Severus enthält eine Weihung der saccarii salarii totius urbis et campi salinarum Romanarum zum Wohl der kaiserlichen Familie; diese saccarii standen unter der Aufsicht kaiserlicher Procuratoren, der Dedikator gehörte zu einem Kollegium von 16 Mitgliedern, die das aerarium und die arca salinarum verwalteten. Jedenfalls hatten sie den Transport des S. von der Tibermündung, an der der campus salinarum lag (s. o.), nach Rom oder die Ausladung des von Ostia zu Schiff angekommenen S. zu besorgen. Da die oben angeführte Inschrift CIL VI 1152 ein corpus salariorum erwähnt, so vermutet Rostowzew 413, daß die ganze Masse der salarii ein Kollegium bildete, das eine eigene, von dem Ausschuß der Sechzehn verwaltete Kasse hatte. Da Pächter nicht erwähnt werden, so sei der Betrieb jetzt ein direkter gewesen statt des älteren Systems der Verpachtung.

In der späteren Kaiserzeit finden wir mancipes salinarum, Cod. Iust. IV 61, 11: si quis sine persona mancipum, id est salinarum conductorum (diesen Zusatz hält Rostowzew 415, 177 für eine Interpolation), sales emerit vendereque tentaverit, sive propria audacia sive nostro monitus oraculo, sales ipsi una cum eorum pretio mancipibus addicantur (vgl. Symm. ep. IX 103. X 34 [58]). Diese mancipes hatten also den S.-Verkauf unter sich, dessen Monopol sie besaßen, wie in der republikanischen Zeit die salinatores aerarii; ohne ihre Vermittlung durfte weder gekauft noch verkauft werden. Da manceps gewöhnlich einen Ladenpächter bedeutet (Plin. X 122. Fest. 151, 9; vgl. CIL VI 8455. IX 47. 96. XIV 3642), so darf man schließen, daß diese mancipes salinarum Pächter oder Mieter von S.-Magazinen waren. Aus Cod. Theod. XI 20, 3. XIV 5, 1. Symm. ep. IX 103 wissen wir, daß sie neben dem Verkauf des S. auch die Unterhaltung und Heizung der Thermen zu besorgen hatten; daß sie steuerfrei waren, ist ebd. bezeugt. Daß es aber in der Kaiserzeit neben kaiserlichen auch private Salinen gab, geht aus Dig. XXVII 9, 5, 1 und L 15, 1, 7 hervor, sie dienten aber wohl nur zum Gebrauch der Besitzer; wollten diese ihr S. in den Handel bringen, so mußten sie jedenfalls die Vermittlung der mancipes in Anspruch nehmen; vgl. Marquardt a. a. O. 253. 280.

Literatur: M. J. Schleiden Das Salz, seine Geschichte und Symbolik, Leipzig 1875. V. Hehn Das Salz, eine kulturhistorische Studie, Berlin 1873, 2. Aufl. v. O. Schrader 1901. M. Besnier Artikel Sal in Daremberg-Saglio Dictionn. des antiqu. IV 1009ff.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 959a
  2. Vorlage: 353a
  3. Vorlage: ober
  4. Vorlage: 10–2 %
  5. Vorlage: 184
  6. Vorlage: 872
  7. Vorlage: conv.
  8. Die heutigen kritischen Ausgaben des NT lesen ‘πάντοτε’.