RE:Arados 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 371–372
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Arados. 1) Stadt in Phoinikien (Ptol. V 15, 27. Plin. n. h. V 78. 128. II 227. Strab. XVI 753. 754. Steph. Byz. Hierokl. 716. Joseph. ant. Iud. I 138. XIII 367. XIV 323. Arrian. anab. II 13, 7f. 20, 1. Polyb. V 68, 7. Appian. b. c. IV 61. V 9. Theoph. chron. 344 de Boor). Auf einem ca. 3 Stunden nördlich von der Mündung des Eleutheros gelegenen, etwa 3 Km. (Strab. XVI 753 20 Stadien) vom Festland entfernten Felsenriff von nur 800 m. Länge und 500 m. Breite, in völlig unzugänglicher Lage, sollen flüchtige Sidonier die Stadt A. gegründet haben (Strab. XVI 753; nach einer Überlieferung ebd. 766 soll sie Colonie der Insel A. im persischen Meerbusen sein, s. Nr. 2). Eine mächtige Umfassungsmauer dicht auf den Kanten des steilen Felsenrandes in der Ausdehnung von 7 Stadien (Strab. XVI 753) lief um die Insel und liess nur auf der Ostseite einen sehr bescheidenen Hafen frei. Ihren Wasserbedarf mussten die Bewohner auf dem Festland oder aus Cisternen holen, in Kriegszeiten schöpften sie mittels langer Röhren aus Süsswasserquellen, die auf dem Meeresboden hervorbrachen und noch heute vorhanden sind (Strab. [372] a. a. O. Plin. n. h. II 227. V 128). Ihre Bewohner entwickelten eine grosse Handelsthätigkeit und waren berühmte Schiffsleute (Strab. XVI 754. Ezech. XXVII 8. 11); ihr Emporium lag eine Stunde nördlich auf dem Festland bei Karne (Strab. a. a. O.). Frühzeitig hatten sie ihre eigenen Könige (Strab.); in der persischen Zeit erscheint A. als dritte Bundesstadt der Phoinikier neben Tyrus und Sidon. Ihre Herrschaft erstreckte sich weit über das Festland, die ganze nosairische Küste mit den Städten Paltos, Balanaia, Karne, Enydra, Marathos, Simyra gehörte zu ihrem Gebiet (Strab. a. a. O. Polyb. V 68, 7. Diod XXXVI 6), das ostwärts bis an den Orontes gereicht zu haben scheint (Steph. Byz. s. Ἐπιφάνεια). König Straton von A. unterwarf sich und sein Gebiet Alexander d. Gr., die Stadt behielt aber eine gewisse Selbständigkeit, namentlich ihr Asylrecht (Arrian. anab. II 13, 7f. II 20, 1). Die höchste Blüte von A. fällt in den Ausgang der Seleukidenzeit, deren Wirren die Stadt klug zu benutzen wusste (Strab. a. a. O.). Nach der Schlacht bei Philippi zog sich A. eine hartnäckige Belagerung zu, wodurch sie bedeutend litt (Dio Cass. XLVII 30. XLVIII 24. XLIX 22). In späterer Zeit (2. Jhdt. n. Chr.) wurde sie von ihrer Festlandscolonie Antarados überflügelt. Unter Constans wurde die Stadt von den Arabern zerstört (Theoph. chron. 344 de Boor). Auf der heutigen Insel (und Dorf) Ruâd sind noch Reste der alten Mauer und andere Ruinen erhalten. Münzen s. Head HN 665ff. Inschriften CIL III 185. 186. Ritter Erdkunde XVII 50–55. 868–879. Renan Revue archéol. 1862, 273–280; Mission de Phénicie 19–42. Baedeker Paläst. u. Syrien³ 383f. Movers Die Phönizier II 98ff. Pietschmann Gesch. d. Phönizier 36–39.