RE:Ballspiel

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 28322834
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Ballspiel wurde das ganze Altertum hindurch viel geübt. Es war ein beliebtes Kinderspiel (Apoll. Rhod. III 135. Anth. Pal. VI 309); auch erwachsene Mädchen vertrieben sich gern die Zeit damit (Jacobs Anth. Gr. I 277. Vasenbilder Jahn Sächs. Ber. 1854, 258. Stephani C. R. 1863, 13, 3); seine volle Entwicklung aber erhielt es als gymnastisches Spiel der Jünglinge und Männer. Es erscheint in der Odyssee bei den Phaiaken und war später allgemein verbreitet. Die Erfindung schrieb man den Lydern (Herodot. I 94. Plin. n. h. VII 205), den Kerkyraeern, Sikyoniern und Lakedaimoniern (Athen. I 14 d) zu. Dass letztere besonders eifrige Ballspieler waren, sagt auch Eust. Od. 1553, 65; der Name σφαιρεῖς für die eben aus den Epheben ausgetretenen Jünglinge hängt wahrscheinlich mit dem B. zusammen, ist aber erst aus der Kaiserzeit bezeugt (Paus. III 14, 6. CIG 1386. 1432); ein Lakonier Timokrates schrieb περὶ σφαιριστικῆς (Athen. I 15 c). In Athen war Sophokles ein vorzüglicher Ballspieler und zeigte dies auf der Bühne in der Rolle der Nausikaa (Athen. I 20 f). Ein ballspielender Philosoph Athen. I 15 c. Auch Alexander d. Gr. übte das B. eifrig (Plut. Alex. 39. 73); so auch der ältere Dionysios (Cic. Tusc. V 60). Als Besonderheit wird berichtet, dass die Milesier, die mehr athletischen Übungen begünstigend, das B. abschafften (Eust. Od. 1601, 42). Man legte viel Wert auf anmutige Bewegungen beim B.; s. die Schilderung des Damoxenos bei Athen. I 15 b.

Von den Griechen kam das B. zu den Römern und wurde hier als griechische Übung betrachtet (Hor. sat. II 2, 11; vgl. a. p. 380); es wurde allgemein geübt und wird sehr oft erwähnt, Der Pontifex Mucius Scaevola (Cic. de or. I 217. Val. Max. VIII 8, 2), der jüngere Cato (Sen. ep. 104, 33), Augustus (Suet. 83), Maecenas (Hor. sat. I 5, 48) spielten Ball, und es gab Leute, die ihre ganze Zeit damit zubrachten (Sen. de brev. vitae 13, 1). Im allgemeinen aber trieb man es zur Pflege der Gesundheit vor dem Bade (s. S. 2756f.); über die hygienische Wirkung Galen V 899 K. Antyllos bei Oribas. I 528. In den Gymnasien der Griechen, bei den Römern auch in den Villen, gab es eigene Räume für das B.; s. Sphairisterion.

Junge Leute pflegten beim B. nackt zu sein, wie bei anderer Gymnastik (Athen. I 15 c. Plut. Alex. 73); auch bei den Römern wurden wenigstens einige Spiele, wie der Trigon (Mart. VII 72, 9) nackt gespielt. Bei Petron. 27 ist Trimalchio als älterer Mann mit der Tunica bekleidet; dagegen [2833] scheint es, dass Spurinna (Plin. ep. III 1, 8) nackt Ball spielte.

Der Ball war mit Haaren (Jacobs Anth. Gr. IV 291, 23. Baehrens Poet. Lat. min. IV 376, 59) oder Federn (Mart. XIV 45) gestopft und mit Lappen benäht, meist farbig: purpurn (Anacr. frg. 14 Bgk.), grün (Petron. 27), goldfarbig (Claud. laus Ser. 144), buntfarbig (Ovid. met. X 262. Dio Chrys. I 281 R.). Von verschiedenen Arten von Bällen erfahren wir erst aus römischer Zeit: sie unterschieden sich durch die Grösse und dadurch, dass sie entweder gestopft oder nur mit Luft gefüllt waren. Der mit Luft gefüllte Ball, jedenfalls aus Leder und grösser als die anderen, hiess follis (s. d.), auch folliculus. Der gewöhnliche gestopfte Ball hiess pila. Von ihr werden bei Martial unterschieden: harpastum (s. d.), wahrscheinlich kleiner, pila trigonalis (s. Trigon), über deren Beschaffenheit nichts Näheres bekannt ist, und paganica (s. d.), grösser und mit Federn gestopft. Antyllus bei Oribas. VI 32 (wo der Text schwerlich in Ordnung) scheint ausser dem follis (κενὴ σφαῖρα, Θύλακος) einen kleinen, mittelgrossen und ganz grossen, und wieder drei nach der Grösse abgestufte Unterarten des kleinen Balls zu unterscheiden: ob diese mit den bei Martial vorkommenden Bällen zusammengestellt werden dürfen, ist bei dem grossen Zeitabstande sehr zweifelhaft; der grosse, schwere, mit beiden Händen geworfene Ball kommt sonst nicht vor. Als besonderes Kunststück kam es zur Zeit Hadrians auf, sich gläserner Bälle zu bedienen, Inschrift des Ursus, Orelli 2591, dazu Mommsen Ephem. epigr. I p. 55.

Über die verschiedenen Arten des Spiels sind wir sehr unvollkommen unterrichtet; doch lassen sich dieselben etwa folgendermassen klassificieren. 1. Einzelspiele. Hierher gehört die ἀπόρραξις (Poll. IX 103. 105. Hesych. s. v.), das Fangen des auf den Boden geworfenen und aufspringenden Balles. Ferner das Fangen des gegen die Wand geworfenen Balles, welches Pollux (IX 106) und Eustathios (Od. 1601, 34) von der ἀπόρραξις unterscheiden; es ist dargestellt in einem Thronrelief Ann. d. Inst. 1857 B C. Beides, wohl wesentlich Kinderspiele, spielten mehrere um die Wette, man zählte die Würfe, der gewinnende hiess König, der verlierende Esel, ὄνος, und musste die Befehle des andern ausführen (Poll. a. O. Plat. Theaet. 146a. Jacobs Anth. Gr. IV 291, 23), ursprünglich vermutlich ihn auf dem Rücken tragen (Becq de Fouquières Jeux des anciens 194): vielleicht bezieht sich hierauf die Darstellung bei Laborde Vases Lamberg I 47, Eroten unter ἀπόρραξις spielenden Mädchen, deren eines den Eros auf dem Rücken trägt. Die Beziehung des Ausdrucks expulsim (s. d.) ludere (Varro bei Non. 104, 27) auf diese Spiele, namentlich das letztere, ist unsicher. Das einfache Aufwerfen und Fangen eines oder mehrerer Bälle erscheint auf Vasenbildern als Spiel der Frauen, Panofka Bild. ant. Leb. 19, 8 (ein Ball). Roulez Vases de Leyde 20. Müller Musée Thorwaldsen I 84. Heydemann Griech. Vasenb. Taf. 9, 3, vgl. S. 9, 12 (3 Bälle); drei mit je zwei Bällen in dieser Weise spielende Männer auf einem Wandbilde Vestigia delle Tenne di Tito 18; letzteres lässt annehmen, dass auch hierbei die gelungenen Würfe gezählt wurden. Ob auf eines dieser Spiele sich der Name ἀνακρουσία (Hesych.) bezieht, ist zweifelhaft.

[2834] 2. Fangball zu zweien. So die Phaiaken, Hom. Od. VIII 370: einer wirft den Ball möglichst senkrecht in die Höhe, der ander fängt ihn, indem er zugleich einen Sprung macht. Einfaches Hinundherwerfen und Fangen scheint gemeint zu sein Sen. de benef. II 17, 3–5. Nach dem hier (4) gebrauchten Ausdruck repercutere kam es auch vor, das man den Ball nicht fing, sondern zurückschlug; ein hierzu gebrauchtes Instrument (Raquette oder drgl.) wird nie erwähnt, wohl aber haben auf einer Münze Gordians III. die Spieler die rechte Hand mit etwas dem Caestus Ähnlichem bewehrt (Mercurialis De arte gymn. 89. Becq de Fouquières Jeux des anciens 209; Spielerpaare Sidon. ep. II 9, 4).

3. Fangball zu mehreren, Apoll. Rhod. IV 947, der sich vermutlich so das Spiel der Nausikaa dachte; so auch wohl Plut. Alex. 39. Dies und wohl auch das vorige ist datatim ludere, Naev. bei Isid. or. I 25. Plaut. Curc. 296. Non. 96, 15. Bei diesem und dem vorigen Spiel wurden die gefangenen Bälle gezählt, Sen. ep. 56, 1. Petron. 27, wo es eine Besonderheit des Trimalchio ist, dass er vielmehr die zu Boden gefallenen zählen lässt. Eine Art dieses Spiels ist der, nach dem Namen zu schliessen, von drei Personen gespielte Trigon (s. d.).

4. Massenspiele (sphaeromachiae, Poll. IX 107. Sen. ep. 80, 1. Stat. silv. IV praef.) gab es ohne Zweifel mancherlei. Hierher gehört das von zwei Parteien gespielte ἐπίσκυρος (s. d.), auch ἐπίκοινος, ἐφηβική genannt; ferner οὐρανία (s. d.), φενίνδα (s. d), welches mit dem in römischer Zeit üblichen Spiel der harpasta (s. d.; raptim ludere Non. 96, 15) identificiert wird; vielleicht ist mit diesem auch die pila arenaria (s. Harpastum) identisch. Bei diesen Spielen kam es nicht darauf an, den Ball zu fangen, sondern auch sich des auf den Boden gefallenen zu bemächtigen, wobei es sehr stürmisch herging (Sen. ep. 80, 3). Näheres über diese Spiele wissen wir nicht, auch nicht, ob dabei die Spielenden in zwei Parteien geteilt waren. Von solchen Massenspielen sprechen Galen de parvae pilae exercitio (V 899 K.), Antyllos bei Oribas. VI 32, 7. Laus Pisonis (Baehrens Poet. Lat. min. I 225) 185. Sidon. ep. V 17, 7. Dig. IX 2, 52, 4, ohne dass sich die Art des Spiels genauer bestimmen liesse. Dass die paganica ihren Namen einem Massenspiel des Dorfes (pagus) verdanke, ist eine unsichere Vermutung; überliefert ist über das Spiel mit diesem Balle nichts.

Ganz anderer Art, und kein eigentliches B. sind die von Antyllos a. O. 3–5 beschriebenen Übungen mit dem kleinsten und nächstkleinsten Ball: es scheint dass je zwei Spieler, sich in bestimmter Weise anfassend, um den Ball ringen. Über ein eigentümliches, zu Pferde gespieltes Ball- oder Kugelspiel in Constantinopel s. Cinnam. hist. VI 5.

G. Eitner De sphaeristica apud Graecos et Romanos, Vratisl. 1860. Becker-Göll Gallus III 168ff. Becq de Fouquières Jeux des anciens² 176ff. Grasberger Erziehung und Unterricht I 84ff. Wegen bidlicher Darstellungen noch Babelon Gaz. archéol. 1880, 37, 4.

[Mau.]

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 240
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S. 2832, 16 zum Art. Ballspiel:

Als bildliche Darstellung eines Ballspielers ist zu nennen der ‚betende Knabe‘ des Berliner Museums. Er spielt Ephetinda, datatim, und ist eben im Begriff, den ihm zugeworfenen Ball zu fangen. Cornelissen Mnemosyne 1878, 424. Mau Röm. Mitt. XVII 1902, 101ff.

[Mau.]

Anmerkungen (Wikisource)

Vgl. auch w:Apopudobalia.