RE:Gerasa 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 12421244
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2) Im Ostjordanland (Joseph. bell. Iud. I 4, 8. II 18, 1. III 3, 3; ant. XV 5, 3. Ptolem. V 15, [1243] 23. Euseb. Onom. ed. Lagarde 216, 99. 225, 99. 259, 75. 263, 81. 268, 84. 282, 83 = Hieron. ebd. 89, 2. 96, 2. 122, 1. 125, 29. 130, 31. 134, 19. 141, 22. Ammian. Marc. XIV 8, 13. Epiph. adv. haer. 73, 26. Steph. Byz. Theodosius 24. Hierocl. Synekd. 722, 7. Georg. Cypr. 1063 – Nebenform Garasa, vgl. Surus Garasenus in der Inschrift Ephem. epigr. II p. 457–459 = CIL X 867 = III Suppl. p. 1959; vgl. Ephem. epigr. II 288. V 1; bei Plin. V 18, 74 Galasa, was in Garasa zu verbessern sein dürfte), an der Ostgrenze von Peraea gelegen (Joseph. bell. Iud. III 3, 3). Iamblichus (vgl. Reland 806) führt den Namen G. darauf zurück, daß hier die Veteranen (γέροντες) Alexanders d. Gr. angesiedelt worden seien. Die Gründung der hellenistischen Stadt – von einer früheren wissen wir nichts – mag in die Zeit Alexanders fallen.

Nach einer Inschrift aus römischer Zeit (Germer-Durand Revue biblique 1895, 386f.) trägt die Stadt den Namen Antiocheia (s. Antiocheia Nr. 6). Auf einer anderen Inschrift (Mommsen Ber. d. sächs. Ges. II 1850, 223. Waddington 1722), welche die Gerasener zu Ehren des A. Iulius Quadratus in dessen Heimat Pergamum gesetzt haben, bezeichnen sie sich selbst als Ἀντιοχεῖς οἱ πρὸς τῷ Χρυσορόᾳ (s. Antiocheis und Chrysorrhoas Nr. 9[WS 1]); letzterer Name bezeichnet also den Bach, an dem der Ort liegt, das heutige Wâdi Ḳerâwân (s. u.).

Das erste, was wir von der Stadt hören, ist, daß Alexander Iannaeus gegen Ende seiner Regierung (78 v. Chr.) sie eroberte (Joseph. ant. XV 15, 3 = bell. Iud. I 4, 8). Alexander starb auch in ihrem Gebiet während der Belagerung der Festung Ragaba (Joseph. ant. XIII 15, 5). Pompeius ‚befreite‘ wohl auch G., wenigstens gehörte die Stadt dann zur Dekapolis (vgl. Bd. IV S. 2416. Ptolem. V 15, 23. Steph. Byz. Plin. a. a. O.; s. o.) Beim Ausbruch des Jüdischen Krieges wurde G. von den Juden überfallen und verwüstet (Joseph. bell. Iud. II 18, 1). Doch blieben, während in den andern Städten die Juden niedergemetzelt wurden, die Juden in G. verschont (Joseph. bell. Iud. II 18, 5). Aus der weiteren Geschichte von G. ist uns nicht viel bekannt. Während es von Ptolemaios (a. a. O.) wie alle Städte der Dekapolis noch zu Syrien gerechnet wird (Mitte des 2. Jhdts.), und auf einer Inschrift aus der Endzeit des Kaisers Antoninus Pius ein Cornelianus als Statthalter von G. genannt wird, der mit dem gleichnamigen Legaten von Syrien wohl identisch ist (CIG III 4661, dazu Add. p. 1183), gehört später die Stadt zur Provinz Arabia. Über die verschiedenen Ansichten, wann es dieser Provinz zugeteilt worden, s. die Literatur bei Schürer Gesch. d. jüd. V. II³ 143. 334. Daß es vor 162 n. Chr. geschah, beweisen zwei Meilensteine aus der Umgebung von G., vom J. 162 n. Chr. datiert, welche den Namen des Geminius Marcianus tragen, der um jene Zeit Statthalter von Arabien war (Clermont-Ganneau Études d’Arch. orient. II 1897, 88ff.). Eusebios (Onom. ed. Lagarde 242, 70 = Hieron. ebd. 125, 29) nennt G. eine πόλις ἐπίσημος von Arabien, und Ammianus Marcellinus (a. a. O.) nennt im 4. Jhdt. G. als eine der bedeutendsten Städte in der Provinz. Hieronymus (in Obadjam v. 19, [1244] Vallarsi VI 381) kann das ganze frühere Gilead (s. d.) als Gebiet von G. bezeichnen, ihr Gebiet muß also jedenfalls sehr groß gewesen sein. Als berühmte Männer von G. nennt Steph. Byz. den Rhetor Ariston, den Sophisten Kerykos, den Rhetor Plotin, wozu noch der Philosoph und Mathematiker Nikomachos kommt. Einige Bischöfe s. bei Epiphan. haer. 73, 26, vgl. Le Quien Oriens christ. II 859f. Die Münzen von G. (von Hadrian bis Alexander Severus) haben keine Ära. Eine Inschrift aus den J. 177–180 n. Chr. ist vom J. 138 der städtischen Aera datiert, die also ungefähr 40 n. Chr. begonnen haben muß; ihr Grund ist unbekannt (Allen American Journal of philol. VI 192f.).

G. ist das heutige Dscherasch im Wâdi Ḳêrawân oder Wâdi Dscherasch, auch Wâdi ed-Dêr genannt (dem alten Chrysorrhoas, s. o.). Die großartigen Ruinen der alten Stadt, mit denen von Petra, Palmyra, Baalbek die bedeutendsten Syriens, werden von den dort angesiedelten Tscherkessen als bequeme Steinbrüche benützt und gehen raschem Untergang entgegen. Die Stadtmauer hat einen Umfang von 5,5 km. Die bedeutendsten Ruinen sind: ein großes Triumphtor im Süden vor der Stadtmauer, dem Traiansbogen auffallend ähnlich. Daran anschließend eine Naumachie mit 155,5 m langem, 55 m breitem Becken, und an diese angebaut ein Circus von 90 und 55 m Durchmesser. Innerhalb der Stadtmauern ein großes Theater (87 m Durchmesser) mit 32 wohlerhaltenen Sitzreihen, und ein zweites kleineres für Tierkämpfe. Vom Forum nahe der Südmauer führt eine 803 m lange, 12,6 m breite Säulenstraße durch die ganze Stadt, mit zwei Querstraßen; von ersterer stehen noch 71 Säulen (von insgesamt ca. 520 Säulen), von letzteren sind nur wenige erhalten. In der Hauptsäulenstraße liegt der große Sonnentempel auf einer Terrasse von 160 : 104 m, die ringsum von 260 Säulen umgeben war, mit großen Propyläen. Weiter sind noch zu nennen Thermen, zwei Tetrapylon, eine bedeutende Nekropole.

Literatur: Seetzen Reisen I 388ff. IV 202ff. Burckhardt Reisen I 401ff. 530ff. Buckingham Travels in Palestine 353ff. Neubauer Géogr. du Talmud 83. Raumer Palästina 249. Ritter Erdkunde XV 2, 1077ff. Merrill East of the Jordan 281ff. Gautier Au delà de Jourdain 46ff. G. A. Smith Historical Geography 602ff. Schumacher ZDPV XXV 109ff. Schürer Gesch. d. jüd. V. II³ 141–144. Thomsen Loca Sancta 51f. Benzinger-Baedeker Palästina⁷ 129ff.

Münzen: Eckhel III 350. Mionnet V 329; Suppl. VIII 230f. De Saulcy 384f. pl. XXII nr. 1–2.

Inschriften: CIG 4661–4664. 8654. 8655. CIL III 6598. 118f. 6034f. 13603. 14156–14160. Wetzstein Abh. Akad. Berl. 1863 nr. 205–207. Böckh Ber. Akad. Berl. 1853 S. 14ff. Allen Amer. Journ. of Philol. III (1882) 206. VI (1885) 191ff.; Pal. Explor. Fund Quart. Statements 1882, 218ff. 1883, 107f. Germer-Durand Rev. Biblique 1895, 374–400. Schumacher und Buresch ZDPV XVIII 126–148. Clermont-Ganneau Rev. archéol. trois. sér. XXVIII (1896) 151f. 337ff. Brünnow MuNDPV 1897, 38f. 1901, 49ff.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Chrysorroas Nr. 9