RE:Aphaia

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2708
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Aphaia (Ἀφαία), Name der Diktynna (s. d.) in Aigina. Pindar bei Paus. II 30, 3. Ant. Lib. 40. Hesych.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 100101
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S. 2708, 62 an Stelle des Art. Aphaia:

Aphaia (Ἀφαία), eine mit Artemis Diktynna verwandte Heroine oder vielmehr Göttin, in Aigina verehrt. Dies sagt kurz die Glosse des Hesych.: Ἀ. ἡ Δικτύννα, καὶ Ἄρτεμις. Pindar dichtete den Aigineten ein Lied auf sie (Pausan. II 30, 3. Schol. Aristoph. Equ. 1263. Pind. frg. 89 Schroeder). Ausführlich ist ihre Sage wahrscheinlich von einem hellenistischen Dichter behandelt, nach Schneider Nicandrea 69f. von Nikander; dadurch wurde sie mit anderen artemisverwandten Figuren, Britomartis und Diktynna, vermengt und in eine längere, nichts weniger als einheitliche Geschichte verknüpft, die bei Ant. Lib. 40 und kurz bei Pausan. II 30, 3 (vgl. auch Ciris 303f. und Hesych.) in verschiedenen Brechungen vorliegt. Britomartis, heisst es, fuhr, als sie den Nachstellungen des Minos entronnen war, nach Aigina mit einem Fischer Andromedes (ihre kretische Genealogie gehört nicht hierher; s. Britomartis Bd. III S. 881). Als er, gleich Minos, sie begehrt, floh sie vom Schiffe in das ἄλσος, wo jetzt ihr [101] ἱερόν ist, und wurde dort unsichtbar. Im Artemisheiligtum weihten die Aigineten ihr den Ort, wo sie verschwunden war, nannten sie A. und opferten ihr als einer Göttin (Text des Ant. Lib. nach Fränkel, der unnütze moderne Ergänzungen beseitigt). Den Ort giebt Pausanias an; er liegt auf dem Wege von der Stadt zum Tempel des panhellenischen Zeus.

Über die Göttin A. und ihre Cultstätte auf Aigina haben Furtwänglers Ausgrabungen] im Bezirk des bisher sog. Athenatempels einige Aufklärung gebracht. Eine dort gefundene Bauinschrift lautet nach Furtwänglers in einigen Punkten von Fränkel berichtigter Ergänzung: [τοῦ δεῖνος Κλ]εοίτα ἱαρέος ἐόντος τἀφαίαι ὦιϙος | [ὠιϙοδομ]ήθη χὠ βωμὸς χὠλέφας ποτεποιήθη | [χὠ περίβολο]ς περι[ε]ποιήθη (Furtwängler Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen auf Aigina, S.-Ber. Akad. München 1901, 363. Fränkel Rh. Mus. LVII 1902, 152ff. und IGP I 1580); ausserdem findet sich der Name der Göttin noch zweimal in Weihinschriften auf einem flachen Opferbecken und einem Marmorbecken, die zwei in dem Heiligtum öfters vorkommenden Gattungen von Votivgeschenken angehören. Die Lage des Tempels der A., den man früher an anderer Stelle suchte, ist damit gesichert (vgl. Paus. II 30, 3). Während aber Furtwängler in diesem οἶκος der A. den älteren auch in monumentalen Resten nachweisbaren Vorgänger des jetzigen Tempels sieht und auch diesen selbst der A. zuweist, indem er auf dessen Einweihung das pindarische Lied (frg. 89 Schroeder, s. o.) bezieht, erkennt Fränkel unter Berufung auf Ant. Lib. 40 ἐν δὲ τῶι ἱερῶι τῆς Ἀρτέμιδος τόν τε (δὲ Hs., corr. O. Schneider) τόπον ἐν ὧι ἀφανὴς ἐγίνετο ἡ Βριτόμαρτις ἀφιέρωσαν Αἰγινῆται καὶ ὠνόμασαν Ἀφαίαν in dem οἶκος nur eine kleine im Tempelbezirk gelegene Capelle und teilt den grossen Tempel selbst der Artemis zu. Für Fränkels Interpretation der Inschrift sprechen philologische Erwägungen aller Art, die Furtwängler in seiner Entgegnung (Rh. Mus. LVII 1902, 252ff.) vergeblich zu entkräften bemüht ist, für Furtwängler wiederum, dass Weihgeschenke und Inschriften, die auf einen Artemiscult deuten, bis jetzt nicht gefunden sind, und dass nach seiner Versicherung auf dem sehr eng begrenzten Raum für zwei Cultstätten kein Platz ist. Die Controverse ist zur Zeit noch nicht spruchreif und ihre Lösung erst von dem Fortgang der Ausgrabungen zu erwarten; selbst eine vorläufige Stellungnahme ist ohne Autopsie oder genaue Pläne, deren Veröffentlichung noch aussteht, unmöglich.