RE:Dioskuren

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 10871123
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Dioskuren.[1]
Διὸς κοῦροι μεγάλοιο Hymn. Hom. 33 – attisch Διοσκόρω bis ins 4. Jhdt., z. B. Eurip Or. 459. Aristoph. Pac. 285. Plat. Leg. VII 796 B, vgl. Phrynichos p. 235 Lobeck und dessen Anmerkung – dorisch Διόσκωροι z. B. IGA add. 62a – Διόσκουροι, Söhne des Zeus, heisst das göttliche Zwillingspaar, das schon in vordorischer Zeit wohl in ganz Griechenland verehrt, in verschiedenen Landschaften mit verschiedenen Einzelnamen benannt, schliesslich unter den lakonischen Namen Kastor und Polydeukes (Pollux) allgemein bekannt und als unzertrennliches ritterliches Paar in jeder Not, zumal in Kampf und Sturm helfend gedacht wurde. Ihre Culte (s. u. § 9) lassen sich durch ganz Hellas, über die Inseln nach Ost und West verfolgen. Obgleich nur für Mittelgriechenland und die Peloponnes ihr hohes Alter nachgewiesen werden kann, so ist es doch wahrscheinlich, dass dieser Cult nach den Inseln und Kleinasien schon während der grossen Wanderungen übertragen ist. Er hielt sich wohl in den niederen Schichten des Volkes, tritt deshalb zunächst nicht hervor und dringt nicht in das ältere Epos ein. Die mutterländische [1088] Ritterschaft bringt den Cultus wieder in die Höhe, der Dichter der Kyprien (s. § 19) sichert den D. in der Heldensage einen festen Platz: damals erhalten sie ihren Typus als ritterliches Paar, treu über den Tod hinaus. Seit dem 5. Jhdt. treten sie, von früh her Schützer der Fremden, besonders als lichte Helfer zur See hervor, ohne ihren ritterlichen Typus zu ändern. Als Retter von Krankheit und Schützer der Frauen sind sie nur noch in wenigen Spuren erkennbar, die aber zeigen, dass der Glaube gerade an diese ihre Eigenschaften sehr tief im Volke wurzelte.

A. Die Dioskuren als Gottheiten. § 1. Ihre Paarnamen. Der Name D. ist so wenig ursprünglich allgemein, wie die Einzelnamen. Sein ältester Beleg, und zwar sogleich als Cultname, ist die Felsinschrift des 8. oder 7. Jhdts. in dem heiligen Felsen der Stadt Thera, unter dem Tempel des Apollon Karneios, IGIns. III 359 und Taf. 2. Hiller v. Gärtringen Thera I 151 und Taf. 11. 12. Vgl. das Fest Διοσκούρεια in der theraeischen Colonie Kyrene, bezeugt im Schol. Pind. Pyth. V 6. Die theraeischen Ansiedler dürften ihn aus Boiotien mitgebracht haben, IGS I 1792, 5. Jhdt., vgl. u. § 5; auch das Fest Διοσκουρήϊα in Delphi, Bull. hell. XIX 11 (D Z. 10) spricht für das Alter dieses Cultnamens D. in dieser Gegend.

Dieselbe Bedeutung etwa hat wahrscheinlich ihr lakonischer Name Τινδαρίδαι (so die lakon. Inschriften), durch den sie als Söhne des Τυνδάρεως (so die litterarisch überlieferte Form) bezeichnet werden, d. h. des Zerschmetterers, also eines gewaltigen Gottes, etwa des Zeus (sanskr. Wurzel tud, lat. tundere, tudes = Hammer, G. Curtius Gr. Etym. nr. 248. Usener Rh. Mus. LIII 341). Dieser Name Τινδαρίδαι, in Lakonien auch noch in römischer Zeit neben dem allgemein durchgedrungenen Namen D. gebräuchlich (Le Bas-Foucart 162j und f), in den sicilischen Städten Selinus, Akragas, Tyndaris ursprünglich, ist in der ganzen älteren Poesie bis in die zweite Hälfte des 5. Jhdts. ausschliesslich üblich, während Διὸς κοῦροι Hom. Hymn. 33 nur appellativisch neben Τυνδαρίδαι steht, S. Wide Lak. Culte 317f.

Weit weniger individuell ist ihr Cultname Ἄνακε in Attika, Argos (auch Ἄνακτες), Amphissa (Ἄνακτες παῖδες), s. u. § 9 b. Im Schwur werden sie bei Aristophanes in den Acharn. 905 vom Boioter und in der Lysistrate 81. 1105 von der Lakonerin sogar einfach τὼ θεώ angerufen.

Diese sehr allgemeinen Benennungen ‚Gottessöhne‘ (Διόσκουροι, Τινδαρίδαι), ,Herren‘ (Ἄνακε), ,Götter‘ (θεώ) sind, da sie im Cult oder Schwur festgehalten wurden, wie Inschriften und Feste Διοσκουρήϊα, Ανάκεια beweisen, zweifellos die ursprünglichen für dies Götterpaar; folglich sind ihre Individualnamen jünger. Das wird bestätigt durch die Verschiedenheit derselben in den einzelnen Landschaften, Kastor und Polydeukes in Lakonien, Amphion und Zethos in Boiotien u. s. w., vgl. F. Marx Athen. Mitt. X 87. v. Wilamowitz zu Euripides Herakles v. 30.

§ 2. Ursprüngliches Wesen des Paares. Aus jenen allgemeinen Namen ist nicht zu entnehmen, welche Erfahrung und Empfindung zur Schöpfung dieser Gottheit geführt hat, mit andern [1089] Worten, in welcher Art sich ihre Göttlichkeit ursprünglich offenbarte. Nur der Schluss ergiebt sich notwendig, dass sie als ein untrennbares Paar gleichartiger Wesen gedacht werden, wie die Charitinnen, stets namenlos in Dreizahl zu Orchomenos (Paus. IX 35, 1, vgl. Usener Götternamen 131), sonst meist in Zweizahl und verschieden benannt, ebenso wohl ursprünglich die Horen, in zwei und drei Individualnamen verschieden differenziert; vielleicht, dürfte auch an τὼ θεώ zu Eleusis erinnert werden. Bestätigt wird diese Folgerung durch die Beschreibung des uralten Bildes der D. in Sparta (?) bei Plutarch de frat. amore p. 478 A τὰ παλαιὰ τῶν Δ. ἀφιδρύματα Σπαρτιᾶται δόκανα καλοῦσιν. ἔστι δὲ δύο ξύλα παράλληλα δυσὶ πλαγίοις ἐπεζευγμένα, καὶ δοκεῖ τῷ φιλαδέλφῳ τῶν θεῶν οἰκεῖον εἶναι τοῦ ἀναθήματος τὸ κοινὸν καὶ ἀδιαίρετον. Vgl. Etym. M. p. 282, 5. Zonar. 563. Eustath. in Iliad. p. 1125, 59 (E. Curtius Vermutung, Peloponnes II 316, dass die δόκανα das Symbol der heiligen Grabesthür seien, scheint mir haltlos; die δόκανα sind der Fetisch, vgl. § 12). Es liegt nahe, diese δόκανα in Therapne, der berühmtesten Cultstätte der D., dicht bei Sparta, zu denken. Auch war es wohl derselbe Wunsch, die Gleichheit und Unzertrennbarkeit deutlich darzustellen, der dazu führte, sie als kleine Kinder mit Spitzmützen, als Zwillinge darzustellen, wie Marx 88 treffend bemerkt, der vier solcher Terracotten aus Kyzikos, Boiotien, Olympia gesammelt hat. Wie die δόκανα durch Querhölzer verbunden waren, so zeigt sie die Terracotte von Kyzikos sich umschlingend, die von Olympia mit einem Kreuzbande gebunden, alle aber wenigstens auf einem Sitze oder einem Tragbrette.

Demnach ist es nicht unwahrscheinlich, wenn Marx 86 auch die Paare der Apharetiden in Messenien und der Molioniden in Elis (auch die Aloaden?) für ursprünglich gleiche Gottheiten hält, zumal Ibykos frg. 16 Bgk.⁴ (Athen. II 57) die Molioniden λευκίππους . . ἅλικας ἰσοπάλους ἑνιγυίους, ἀνφιτέριυς γεγαῶτας ἐν ὠέῳ ἀργυρέῳ nennt, was an die eng verbundenen spartanischen δόκανα der D., ihre spätere allgemeine Ritterlichkeit und ihre Geburtssage aus dem Ei erinnert. Freilich sind die Molioniden Söhne des Poseidon-Aktor (Homer Il. XI 751. Pind. Ol. X 26. Hesiod. frg. 32 Rz.), ebenso die Apharetiden (ausdrücklich von Idas, Apollod. bibl. III 10, 3), vgl. Usener Rh. Mus. LIII 348f. Aber da der Cultname Ἄνακε und ihre Schwurbezeichnung τὼ θεώ jeder Beziehung zu Zeus bar sind und vielleicht auch Τυνδάρεως der Zerschmetterer auf Poseidon wie auf Zeus bezogen werden könnte, so ergiebt sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch Διόσκουροι eine secundäre Bezeichnung ist, und die älteste Vorstellung die ganz allgemeine und beziehungslose war, die uns im Namen Ἄνακε vorliegt.

§ 3. Individualnamen der Dioskuren. Sämtliche Individualnamen der D., vielmehr der ,Herren‘, die hier zu Söhnen des Zeus, dort des Poseidon gemacht worden waren, sind nicht für sie geschaffen zur genaueren Bezeichnung ihres Wesens, sondern vielmehr durch Vermischung dieser gar zu allgemeinen Doppelgottheit mit je zwei anderen localen, unter sich irgend wie verbundenen [1090] Wesen entstanden. Den analogen Process sehen wir noch in historischer Zeit sich an den D. vollziehen: fliessen sie doch mit den Kureten, Korybanten, Kabiren, θεοὶ μεγαλοί zusammen (z. B. Paus. III 24, 5. X 38, 7. CIG 2296, vgl. u. § 8. Lobeck Aglaoph. 1212ff. Preller-Robert Griech. Myth. I 749, 5. 862). Die Unbestimmtheit und Allgemeinheit ihres Wesens führte leicht dazu. Entscheidend ist, dass die Individualnamen nicht unzertrennliche Paare – das einzige sichere Charakteristicum der ,Herren‘ – darstellen, sondern noch deutliche Spuren ihre Einzelexistenzen zeigen, vgl. v. Wilamowitz a. a. O. So Amphion-Niobe, Zethos-Aedon, so Idas als alleiniger Gegner des Apollon (Homer Il. IX 560. Apollod. bibl. I 7, 8), so Kastor und Polydeukes. Diese sind auch im Cult jeder für sich allein als einzelne Götter bewahrt worden. Polydeukes allein in einem ἱερόν an der Quelle Πολυδεύκεια oder Μεσσηΐς bei Therapne (Paus. III 20, 1), als Einzelfigur im Bruder des Diktys, Sohn des Magnes (Hesiod frg. 26). Kastor allein an seinem Grabe in Argos (Plut. quaest. gr. 23), als Einzelfigur erhalten im militärischen Lehrer des Herakles aus Argos, Κάστωρ Ἱππαλίδας Theokrit. XXIV 127. Apollod. bibl. II § 63 W., ferner an seinem μνῆμα beim Grabe des Amyklassohnes Kynortas in Sparta (Paus. III 1, 31), vgl. πύλαι Καστορίδες in Gythion (Paus. III 21, 9), in Kyrene (Pind. Pyth. V 10), in Rom in der aedes Kastorus (Liv. II 20, 13. CIL I 197, 17. 201). Besonders Rom ist beweiskräftig, es verbürgt, dass Kastor allein von Griechen in Italien intensiv verehrt worden ist. Nach der Legende ist Kastor 496 nach Rom überführt, Liv. II 20, 13. Der Cult des einen ist also von dem des anderen und die beiden einzelnen Culte sind von dem gemeinsamen D.-Cult scharf getrennt; damit ist die ursprüngliche Fremdheit zwischen den D. und Kastor-Polydeukes wie auch zwischen Kastor und Polydeukes bewiesen. Vermutlich ist die Verschmelzung in Lakonien geschehen, wo sowohl die D. als auch Kastor und Polydeukes verehrt wurden, und durch Gleichheit oder Ähnlichkeit ihrer Wesenheiten zu erklären.

§ 4. Identification mit Kastor-Polydeukes. Wenn nämlich die weissen Rosse auf Beziehungen zum Licht deuten und die D. (λευκῶ πώλω ihr Cultname in Theben, Euripid. neues Frg. der Antiope C 55 in Cunningham Memoirs VIII) dies Attribut oder Symbol mit den Molioniden (λεύκιπποι bei Ibykos frg. 16 B.4) teilen, so dürfte den ursprünglichen D. oder ,Herren‘ diese Beziehung zum Licht eigen gewesen sein. Sicher hatten sie Kastor und Polydeukes.

Cult und Sagen stellen diese, wie längst erkannt, zu Helios: auf römischen Sarkophagen erscheinen die D. neben Sol und Luna, O. Jahn Arch. Beitr. S. 79ff. 92. In Epidauros stellt eine Dedication des Lakedaimoniers S. Pompeius Hilarianus Helios und D. zusammen (Ἐφ. ἀρχ. 1885, 196). woraus S. Wide Lak. Culte 319, 1 auf ihre Cultgemeinschaft schliesst. In Argos sind Kastor und Polydeukes nach der von Pindaros 2 Nem. X 49 wiedergegebenen argivischen Geschlechtssage eingekehrt im Hause des Stammvaters Παμφάης, d. i. Helios (Usener Götternamen 57. 73. Wide a. a. O., vgl. die mit Helios im Inotempel bei Thalamai vereinigte Πασιφάη Paus. III 26, 1). Kastor und [1091] Polydeukes rauben dem Λεύκιππος die Töchter Φοίβη und Ἱλάειρα (ὁ δὲ ποιήσας τὰ ἔπη τὰ Κύπρια θυγατέρας αὐτὰς Ἀπόλλωνός φησιν εἶναι Paus. III 161), im Φαιβαῖον bei Therapne werden die D. verehrt (Paus. III 20, 2), gemeinsamer Priester Λευκιππίδων καὶ Τινδαριδᾶν auf archaisierender spartanischer Inschrift der Kaiserzeit, Bull. d. Inst. 1873, 188 = Athen. Mitt. XXII 97. 336, 3. Die doch wohl den ursprünglichen D. geltende Vorstellung, dass sie in Therapne unter der Erde leben (Alkman frg. 5 Bgk.⁴ Pind. Nem. X 51ff.; vgl. Homer Il. III 243; Od. XI 301) steht nicht notwendig im Widerspruch dazu, dass sie ursprünglich irgendwie als Lichtwesen galten; wird doch auch Kastor im Grabe zu Argos und Sparta verehrt. Schon zur Zeit des nicht alten Kypriendichters und des Interpolators von Homer Od. XI 302–304, etwa 8., 7. Jhdt., empfand man den Widerspruch: Kastor wurde für sterblich vom Tyndareus gezeugt, Polydeukes als echter Zeussohn für unsterblich in den Kyprien frg. 5 Kink. erklärt, und ihr Sänger dichtete (Wentzel Ἐπικλήσεις V 18ff., s. u. § 19), und Pind. Nem. X 55. 75ff. hat es ihm schön nachgedichtet, dass als Kastor erschlagen war, Polydeukes von seinem Vater Zeus die Gnade erbat, dass er mit seinem Bruder auch den Tod und der auch mit ihm die Unsterblichkeit teile; so leben sie einen Tag drunten, den anderen droben in des Himmels goldenem Hause. Vgl. Pind. Pyth. XI 94. Eurip. Helena 138. Lycophr. 565. Lucian. dial. deor. 26. Andere meinen, und man wird die Möglichkeit offen halten müssen, dass hier eine alte Vorstellung mitwirkt, vielleicht von Lichtwesen, die zwischen Hell und Dunkel stehen, wofür man auch anführen könnte, dass die Rosse der D. nicht blos weiss, sondern auch schwarz gemalt wurden, so attische Lekythos bei Fröhner Deux peintures = Roscher Myth. Lex. I 1170; oder sogar der eine auf weissem, der andere auf schwarzem Rosse, so auf den Vasen Monum. Grecs publ. pour l’encourag. 1875 Taf. 1/2, im Britisch Museum. Transactions of the royal Soc. 2. Ser. Taf. 4 S. 289. Schwarzer und weisser Pileus auf der Vase Panofka Musée Blacas Taf. 82.

Diese Verbindung der D. mit Kastor und Polydeukes ist von der Peloponnes (Lakonien, Argos) aus verbreitet worden und allgemein durchgedrungen. So wurden die ursprünglich einzelnen Heroen untrennbar wie die D., andererseits nahmen die D. jener Namen und Wesen völlig auf. Kastor und Polydeukes haben mit den D. denn auch die weiteren Wandlungen durchgemacht.

§ 5. Dioskuren und Rosse. Die Verbindung mit Rossen und zwar besonders weissen (schwarzen: attische Lekythos. 5. Jhdt., Fröhner Deux peintures = Roscher Myth. Lex. I 1170, auch das eine weiss, das andere schwarz, s. § 4 a. E.) ist der ursprünglichen Götterzweiheit von alters her eigentümlich. Das beweist ihr Cultname in Theben bei Euripid. Antiope C 55 λευκὼ πώλω Διός, vgl. Euripid. Herakles 30 (dazu v. Wilamowitz); Phoen. 606. Pind. Pyth. I 66. Hesych. s. λευκόπωλοι, und dasselbe Attribut ihrer elischen Hypostase der Molioniden, die Ibykos frg. 16 Bgk.⁴ λεύκιπποι nennt. Sie sind ursprünglich selbst in Gestalt zweier weisser Rosse gedacht, wie v. Wilamowitz Eurip. Herakl.² zu v. 30 aus ihrem [1092] thebanischen Cultnamen mit Recht geschlossen hat, vgl. Δημήτηρ Ἐρινύς und Poseidon als Rosse im arkadischen Thelpusa, Paus. VIII 25, 5 u. s. w. Später wurden die weissen Rosse ihr Attribut, als sie selbst durch den anthropomorphisierenden Drang der Hellenen in menschliche Gestalt gewandelt waren. So wurden sie Rossebändiger, Alkman frg. 9 Bgk.⁴ πώλων ὠκέων δματῆρες ἱππόται σοφοί, vgl. die Marmorcolosse auf dem Monte Cavallo zu Rom und Vasenbilder (s. Albert bei Daremberg-Saglio Dict. II 253 B Anm. 103). Auch auf Wagen einherfahrend werden sie gedacht, Eurip. Helen. 1495, als Wagenlenker an den ἆθλα ἐπὶ Πελίᾳ nach Stesichoros frg. 1, der erzählt, dass Hermes ihnen die Rosse Φλόγεος und Ἅρπαγος von Podarge (der Harpyie), Hera die Rosse Ξάνθος und Κύλλαρος gegeben. Da die Reitkunst, der Ilias noch unbekannt, erst spät erfunden wurde, sind die D. als Ritter entsprechend jung, aber dann sehr verbreitet, Hymn. Hom. XVI 5. XXXIII 18 ταχέων ἐπιβήτορες ἵππων, in ihren Epiphanien, Kunstdarstellungen, Münzen.

§ 6. Verhältnis zu Ritterschaft, Krieg, Gymnastik. Durch ihre Verbindung mit Rossen müssten die D. Spiegel der Ritterschaft und ritterlichen Lebens werden, um so mehr, als sie, ein unzertrennliches Paar, zugleich die Kriegskameradschaft typisch darstellten. Überbleibsel uralten Glaubens, scheint der Cult der D. zur Zeit der grossen Wanderungen im Absterben gewesen zu sein; denn im Osten haben sie weder in der Religion noch in der Poesie Bedeutung gehabt; Homer kennt sie gar nicht, nur durch Reflexe aus dem Mutterlande sind sie spät und selten eingesprengt. Erst mit dem Aufleben des Rittertums treten sie im Mutterlande wieder hervor, erst jetzt werden sie persönlich ausgestaltet und treten deshalb jetzt erst in die Heldensage ein, die aber schon in letzter Phase steht; die D.Sagen sind jung. s. § 17ff. Die D. haben diese Entwickelung, weil sie geradezu notwendig sich vollziehen musste, wohl in den verschiedenen Landschaften durchgemacht, wo sich ein Ritterstand ausbildete; am glänzendsten in Lakonien. Hier sind sie die Schützer und Vorbilder jeder ritterlichen und kriegerischen Übung und Sitte. In Sparta (Paus. III 14, 7) wurden sie als ἀφετήριοι verehrt am δρόμος, wie sie auch in Olympia am Eingang des Hippodroms einen Altar hatten (Paus. V 15, 5). Als Muster im Dauerlauf erwähnt die lakedaimonischen D. Kallimachos Lav. Pall. 24. Wenn auch der Name des spartanischen Sturmmarsches, von Pfeifern geblasen, Καστόρειον, auf den alten Einzelheros Kastor zurückzuführen ist (Schol. Pind. Pyth. II 127. Plut. Lycurg. 22; de musica p. 1140 C. vgl. O. Müller Dorier II 335), so hat man doch schon früh den D. verstanden, und wohl zum Teil deshalb galten die D. als Erfinder des Waffentanzes (ἐνόπλιος, πυρρίχη) in Lakonien, die Kureten in Kreta. Plat. leg. VII 796 B. Nach Epicharm (frg. 75 Kaibel) hat den D. Athena den ἐνόπλιος gepfiffen, Schol. Pind. Pyth. II 127. Athen. IV 184 F. Aristid. I p. 24 Dind. Auch das Tanzen καρυατίζειν sollen die Lakonen von den D. gelernt haben, Luc. de salt. 10 (Theokrit nennt sie XXII 24 ἱππῆες, κιθαρισταί, ἀεθλητῆρες, ἀοιδοί). Der Sänger dieser [1093] ritterlichen lakonischen D. wurde der Dichter der Kyprien. Wie sich mir bei der unten § 19f. kurz dargelegten Untersuchung der D.-Sagen ergab, hat er sie geradezu in die grosse Heldendichtung eingeführt; er hat ihnen nicht nur für immer ihren Platz in der Helenasage gewiesen, er hat auch ihren Raub der Leukippiden, ihren Kampf mit den Apharetiden und ihren Tod endgültig gestaltet und mit dem Helenaraube des Paris verknüpft (Il. III 136–244 nehmen auf die Kyprien Bezug). Sie sind hier schon typisch ausgeprägt als die gewaltigen Helden, die stets bereiten Schützer der Schwester, und vor allem als die treuen Kameraden, treu über den Tod hinaus, Kyprien frg. 9, 5 Kink. Pind. Nem. X 75ff. Das ist schönste Ritterpoesie. – Als Hüter der Freundschaft werden die D. angerufen Theognis 1087ff. Pind. Nem. X 97 nennt sie neben Hermes und Herakles Schützer der Agone und Athleten, vgl. Ol. III 36. Weihgeschenk eines gymnischen Siegers in Sparta CIG 1421, in Argos IGA 37? Als vorbildliche Kämpfer erscheinen sie in den ersten von Herakles veranstalteten olympischen Spielen, wo Kastor δρόμῳ, Polydeukes πυκτεύων siegte, Paus. V 8, 4. Im Stadion zu Hermione haben sie wettgekämpft, Paus. II 34, 10. In den ἆθλα ἐπὶ Πελίᾳ, in der kalydonischen Jagd, im Argonautenzuge spielen sie eine Rolle, s. § 24.

Von der Poesie werden sie als Recken individualisiert, vielleicht zum Teil im Anschluss an Züge ihrer älteren Sonderexistenzen. So wird Kastor als Rosselenker besonders hervorgehoben, Hom. Il. III 237 = Od. XI 300. Hymn. XXXIII 3. Hesiod. Katal. Berl. Pap. in S.-Ber. Akad. Berl. 1900, 842 v. 27. 31. Pind. Isthm. I 27 (Kastor und Iolaos ἡρώων διφρηλάται Λακεδαίμονι καὶ Θήβαις κράτιστοι); Pyth. V 10. Theocr. XX 136; er ist auch wohl speciell der ritterliche Krieger, Pind. Nem. X 170. Theocr. XX 79. Apollod. III 11, 2 (vgl. den Lehrer des Herakles Κάστωρ Ἱππαλίδας, Theocr. XXIV 125ff. Apollod. bibl. II § 63). Polydeukes ist der Faustkämpfer, Hom. Il. III 237 = Od. XI 300. Simonid. frg. 8 Bgk.⁴ Apoll. Rhod. II 1ff. Theocr. XXII 27ff. Kyprien frg. 9, 6: ἀεθλοφόρος Πολυδεύκης. Hesiod. Katalog v. 27. 31 in S.-Ber. Akad. Berl. 1900, 842. Beide werden typisch als Reiter und Faustkämpfer wie in dem Homerverse bezeichnet, Apoll. Rhod. I 146. Theocr. XX 2. 34. Hοr. sat. II 1. 26; carm. I 12, 25. Ovid. fast. V 700. Spiegel aller kriegerischen Tugenden: Diodor. VI frg. 7. Als Ritter erscheinen sie dann auch bei ihren Epiphanien (Schlacht an der Sagra, am See Regillus) auf attischer Lekythos, Fröhner Deux peintures = Roscher Myth. Lex. I 1170, auf Votivrelief von Larissa Heuzey Macédoine Taf. 25. 1 = Conze Vorlegebl. IV Taf. 9, 2 u. s. w. Mit dem Sinken des griechischen Rittertums treten die D. wieder zurück, sie vermochten sich als Schützer der hippischen und gymnischen Übungen neben den zahlreichen Concurrenten nicht hervorzuthun. Aber ihre lakonischen Namen Kastor und Polydeukes, durch die Kyprien und das Rittertum verbreitet, bleiben und es bleibt ihr ritterliches Wesen, da es aus ihrer ursprüglichen Verbindung mit den hellen Lichtrossen erwachsen war. Doch ihre Göttlichkeit war uralt volkstümlich, sie überlebte die Ritterzeit und offenbarte [1094] sich weiter wie wahrscheinlich von Anfang her als helfende, rettende in Todesnot.

Ein nahes Verhältnis der D. zum Wasser glaubt Petersen Röm. Mitt. XV 344ff. erschliessen zu dürfen, da die D. wie in Rom am Lacus Iuturnae, so in Lykien an drei Stellen, wo sich Wasser aus einem geschlossenen Thale den Weg bahnen, verehrt wurden (Petersen Reisen in südwestl. Kleinasien II 168f.). So seien auch die zwei Reiter über den mittleren Wasserspeiern auf dem Brunnenbilde der attischen sf. Hydria Ant. Denkm. II Taf. 19 als D zu erklären. Er erinnert an die Quelle Πολυδεύκεια bei Therapne und des Polydeukes Kampf mit Amykos um die Quelle; auch die Aṣvins seien Wasserspender gewesen, vgl. § 7 c.

§ 7. Dioskuren als Σωτῆρες. Diese Bezeichnung ist nicht oft in Votivinschriften erhalten; aus Tarent IGI 2406, 108; Mitte des 3. Jhdts. bei Artemidor von Perge auf Thera, IGIns. III 354. Kaiserzeit CIG I 1261. 1444 CIA III 195. Hom. Hymn. XXXIII 6 σωτῆρας τέκε παῖδας ἐπιχθονίων ἀνθρώπων ὠκυπόρων τε νεῶν. Ein lyrischer Vers (ohne Grund dem Terpander als frg. 4 von Bergk zuerteilt) bei Dion. Hal. de compos. verb. c. 17 ὠ Ζῆνος καὶ Λήδας κάλλιστο σωτῆρες, wohl aus einem lyrischen Dichter auch Sext. Empir. p. 411, 1 καὶ τοῦτῳ συμφωνεῖ τὸ τοὺς Διοσκούρους ἀγαθούς τινας εἶναι δαίμονας σωτῆρας εὐσέλμων νεῶν, ein tragischer Vers (adesp. 14 N.) bei Aelian. v. h. I 30 σωτῆρες ἔνθα (ἐσθλοί Hercher) κἀγαθοὶ παραστάται, Eurip. Helena 1500ff. 1642ff. Theocr. XXII 6 ἀνθρώπων σωτῆρας ἐπὶ ξυροῦ ἤδη ἐόντων ἵππων θ’ αἳ .. χαλεποῖς ἐνκυρσαν ἀήταις. So ruft bei Aristophan. Eccl. 1069 der Jüngling, als durch Erscheinen der dritten liebenden Alten seine Not zum Höchsten steigt: ὦ Ἡράκλεισ ὦ Πάνες ὦ Κορύβαντες ὦ Διοσκόρω. So Sokrates in Plat. Euthydem. 293 A δεόμενος τῶν ξένων ὥστε Διοσκούρων ἐπικαλούμενος σῶσαι ἡμᾶς .. ἐκ τῆς τρικυμίας τοῦ λόγου. An die Retter dachte auch wohl T. Quinctius Flamininus, als er für die Befreiung der Griechen den D. in Delphi Schilde weihte, Plut. Tit. 12. Rettung des Dichters Simonides aus dem einstürzenden Saale des Aleuaden Skopas zum Dank für ein Lied auf sie, Kallim. frg. 71 bei Suid. s. Σιμωνίδης (Aelian. frg. 450 Herch.). Cic. de or. II 86. Phaedr. IV 25. Val. Max. I 8, 7. Quintil. XI 2, 11. Usener Rh. Mus. LV (1900) 292 zeigt, dass die D. wie die Verstorbenen (Brief der Cornelia an C. Gracchus bei Halm Corn. Nepos p. 123, 25), z. B. auch die vergöttlichten Könige Ptolemaios I. und Berenike (Theocr. XVII 124f.), als Fürbitter angesehen und angerufen wurden (Catull. 68, 65 und das Epigramm des Artemidoros in Thera. IGIns. III 422 p. 101).

a) Schützer der Frauen. In den Sagen retten die D. Amphion Zethos ihre Mutter Antiope, Kastor Polydeukes ihre Schwester Helena aus den Händen des Theseus, doch ist letztere Sage schwerlich ursprünglich, s. u. § 22. Spät auch, vielleicht eine Erfindung des Euripides selbst, ist der Zug (Iph. Aul. 1153), dass die D. Klytaimestra beschützen, als Agamemnon ihren ersten Gatten Tantalos umgebracht und ihr Kind vom [1095] Busen gerissen hat. Sonst sind mir Belege für das Clientelverhältnis von Frauen zu den D. nicht bekannt. Nur Folgendes könnte man etwa darauf beziehen. Priesterin der D. und τὸ δ’ ἀγωνοθέτις τῶν σεμνοτάτων Διοσκουρείων in Sparta, römische Zeit, CIG 1444. Das Votivrelief von Larissa Heuzey Macéd. Taf., 25, I = Conze Vorlegebl. IV Taf. 9, 2 weihte Δανᾶ Ἀτ (oder φ)θονειτεία, vgl. Deneken De Theoxeniis 7. Sicilische Inschrift IGI 205 Καλλιγενίαν Κάστ[ορα καὶ Πολυδεύκην], vgl. Usener Götternamen 123. Hier führt, wenn die Ergänzung richtig, ihre Zusammenstellung mit der Göttin der guten Geburt auf ein Verhältnis zu Frauen und Kindersegen.

Nach Varro bei Gell. XI 6 schwuren in ältesten Zeiten nur die Frauen bei den D., allmählich hätten auch die Männer edepol gesagt, aber mecastor sei den Frauen verblieben. Daraus ist immerhin die Tradition eines intimeren Verhältnisses der Frauen zu den D. zu folgern.

b) Retter im Kriege. Im Krieg und auf See zeigt sich ihre Hülfe am häufigsten. So riefen die italischen Lokrer im Kriege wider das übermächtige Kroton auf Spartas Rat die D. an, und sie brachten in der Schlacht an der Sagra, als gewaltige Kämpfer auf weissen Rossen erscheinend, den Sieg: aus Timaios Iustin XX 2. 3. Diodor. VIII frg. 32. Strab. VI 261. Cic. de nat. deor. II 6. III 13. Plut.-Aem. Pauli. 25; vgl. ihre dem Iason von Pherai geleistete Hülfe in der Schlacht, Polyaen. Strateg. VI 1, 3. Ebenso helfen sie den Römern in der Schlacht am See Regillus am 15. Juli (s. CIL I² p. 322), Cic. nat. deor. II 6. III 11. Dion. Hal. VI 13. Plut. Aem. Paull. 25. Nur dem Kastor war der Tempel auf dem Forum Roms geweiht, Liv. II 20, 13, der aedes Kastorum officiell hiess, s. § 9 e. Die Sage der Epiphanie beider D. ist also nach dem Muster der Schlacht an der Sagra, aber vor 304 v. Chr., erfunden. In der bei Liv. II 20, 13 vorliegenden Tradition ist von einer Epiphanie keine Rede. Ähnliche Epiphanien bei Pydna (Cic. nat. deor. III 11. Val. Max. I 8, 1) und Verona (Plut. Mar. 26).

c) Schützer in der Fremde. Der Retter bedarf der Mensch in den Gefahren der Reise, in der Fremde zu Lande wie zur See. So werden die D. zu Beschützern der Fremden, Τυνδαρίδαι φιλόξενοι Pind. O. III 1. 71. Man darf das wohl verallgemeinernd folgern aus Herodot. VI 127: in Paios in der nordwestlichen Landschaft Arkadiens Azania waren die Tyndariden erschienen und empfangen worden im Hause des Euphorion καὶ ἀπὸ τούτου ξεινοδοκέοντος πάντας ἀνθρώπους. Ein Pandokeion am Dioskureion in Pherne erwähnt Demosth. XIX 158. Eingekehrt waren sie auch bei Pamphaes in Argos, Pind. Nem. X 49, und bei Phormion, Paus. III 16, 2f. Suid. s. v.; vgl. Meineke Comici Gr. II p. 1227ff. Σιδέκτας, häufig vorkommender Name in der Familie der spartanischen D.-Priester, von Deneken De Theoxeniis, Berl. Diss. 1881, 23f. gedeutet = ὁ τὼ σιὼ δεξάμενος (sc. τὼ Τινδαρίδα). Darauf geht die ἐπίκλησις der D. in Lakonien: ξένοι, Schol. Lycophr. 563. Vielleicht hängt mit diesem Glauben zusammen, dass in Paros der Polemarch den D. die Theoxenien ausrichtete, CIG II p. 1074 add. 2374 e, 3. oder 2. Jhdt. v. Chr. Wohl als Beschützer [1096] der Fremden werden die D. auf Märkten verehrt, in Sparta als ἀμβούλιοι, Paus. III 13, 6, in Athen ἐμπόλω Δ. bei Aristoph. frg. 310 Kock (Poll. VII 15), also geradezu Handelsgötter.

d) Retter zur See. Sterne, um die D. als rettende Götter in Meeresnot anzurufen, bedurften die Griechen keines besonderen Anstosses, auch nicht der Vermischung der D. mit anderen Gottheiten. Wenn irgend wem, so fallen dem Schiffer die Begriffe Licht und Rettung zusammen. Da, der Grieche den Pflug wie das Ruder führt (Hesiod. op. 618ff.), so kennt er einen specifischen Unterschied zwischen göttlichen Helfern zu Land und zur See nicht oder kaum. So ruft er in der Not überall den Retter an, an den er glaubt. Es ist begreiflich, dass die lichten D., die λευκὼ πώλω auch dem Schiffer und gerade ihm lebendige Götter wurden und blieben, zumal sie als Beschützer der Fremden gelten. Als Retter aus Meeresnot preist sie Hom. Hymn. 33 (weisse Schafe ihr Opfer auf dem Schiff im Sturm). Eurip. Helena 1501ff. 1664f.; Electra 1241. Isokr. X 61. Lyriker Bergk III p. 730 nr. 133 bei Plut. 426 C = 1103 D. Theocr. XXII 8ff. = Hor. carm. I 12, 27ff. Luc. de merc. cond. 1. Weihgeschenk des Argenidas in Verona, abgeb. bei Roscher Myth. Lex. Ι 1171. Grabschrift eines Schiffers in Massilia, IGI 2461 = Kaibel Epigr. 650 πλωτήρων σωτῆρσιν Ἀμυκλαίοισι θεοῖσι.

So wurden die D. notwendig zu Schützern der Schifffahrt und Gebern guter Fahrt überhaupt, Eurip. El. 1241, besonders bezeichnend 1347; die D. wollen eilen zum sicilischen Meer, die Flotte der Athener zu retten (im Frühling 413, H. Weil); Orest. 1636f. gemeinsam mit Helena. Hor. carm. I 3, 2. Der Leuchtturm auf Pharos bei Alexandreia war vom Erbauer Sostratos von Knidos θεοῖς σωτῆρσι geweiht, Strab. XVII 791. Am Meer standen ihre (? vgl. § 8) Bilder bei Pephnos und Prasiai, Paus. III 26, 3. 24, 5, im boiotischen Kreusis, IGS I 1826. Sie beruhigen das Meer, Ammian. XIX 10, 4. Der Hirt in Eurip. Iph. Taur. 272 hält die in der Höhle am Meer sitzenden Orest und Pylades für Διοσκόρω ἢ Νηρέως ἀγάλματα. D. als Schiffsbild, Act. Apostol. 28, 11. D. und Nereiden bei der Geburt der Aphrodite auf der Basis eines Weihgeschenks für Poseidon und Amphitrite des Herodes Atticus, Paus. II 1f. Den D. als Seegöttern zu Ehren wurden auch Inseln auf ihren Namen getauft, Steph. Byz. s. Διοσκουριάς. Die lichte Seite ihres Wesens wurde in diesem Vorstellungskreise besonders stark ausgebildet. Nach Hom. Hymn. 33 ἐξαπίνης ἐφάνησαν ξουθῇσι πτερύγεσσι δι’ αἰθέρος ἀΐξαντες, nach Eurip. El. 991 φλογερὰν αἰθέρ’ ἐν ἄστροις ναίουσι, vgl. 1349; Orest. 1636.

Sicher aber schon im 5. Jhdt. werden die D. selbst als Sterne gedeutet. Es wird nicht ein bestimmtes Sternenpaar gewesen sein, sondern jedesmal in den ersten Sternen, die aus der Sturmnacht Rettung verheissend leuchteten, sah der Schiffer die angerufenen rettenden λεθκὼ πώλω). Euripides sagt Helena 140 von den Tindariden τεθνᾶσι κοὖ τεθνᾶσι . . ἄστροις σφ’ ὁμοιωθέντε φάσ’ εἶναι θεώ. Polem. frg. 76 a FHG I in Schol. Eurip. Orest. 1637; Callim. lav. Pall. 24 nennt sie einfach Λακεδαιμόνιοι ἀστέρες, danach Hor. carm. I 3, 2 fratres Helenae lucida sidera; nur ein Stern [1097] I 12, 27 quorum alba stella. Diodor. IV 43, 2 aus Dionysios Skytobrachion (um 100 v. Chr.). Die Sterne wurden das häufigste Attribut der D. Ob schon die drei goldenen Sterne am Mastbaum, die die Aigineten für den Sieg bei Salamis nach Delphi weihten, auf die D. und Apollon Delphinios (Preller Gr. Myth. II² 105ff.) zu beziehen sind, ist zweifelhaft, zumal ein archaisches Denkmal, das die D. mit Sternen zusammenstellt, nicht bekannt ist, Furtwängler in Roschers Lex. II 1172. Dagegen zwei Sterne des Lysander (Plut. Lys. 12. Cic. de div. I 75) in Delphi. Spät erst scheint man den D. das St. Elmsfeuer zugeschrieben zu haben, Luc. navig. 9; Charidem. 3, auf einem Roman-Papyrus her. von Mahaffy Rendiconti della R. Accademia d. Lincei 1897, erkannt von Crusius Beilage zur Münch. Allg. Ztg. 1897 nr. 145.

Die Benennung des Tierkreisbildes der Διδυμοι-Gemini-Zwillinge als D. kennt Arat noch nicht, wohl aber Eratosth. catast. 10, doch gab es daneben mehrere andere Benennungen, Hyg. poet. astr. II 22. Darstellungen aus antiken Himmelsgloben s. Rh. Mus. LV 419. Thiele Himmelsbilder 98.

e) Retter in Krankheit. Als Retter haben sich die D. auch in Krankheit bewährt. Nach Theopomp bei Suidas s. Φορμίων wird dieser, in der Schlacht an der Sagra verwundet, in Sparta von den D., die er zu ξένια gerufen, geheilt. Hesych. Miles. 15 (FHG IV 149) bezeugt, dass zu Byzanz in ihrem von Byzaz d. h. bei der Gründung erbauten Tempel λύσις τῶν παθῶν τοῖς ἀνθρώποις ἐγίνετο. Dasselbe bezeugt für Rom Schol. Pers. II 56 p. 20 Buecheler, der wohl mit Recht des Persius Traum sendende fratres aenos auf die D. deutet: cum Romani pestilentia laborarent, Castor et Pollux in somniis populum monuerunt, quibus remediis curarentur. Und wie hier ausdrücklich gesagt wird, dass die D. wie die andern Heilgötter im Traum erscheinend ihre rettenden Anordnungen geben, so sagt derselbe Zeuge ganz allgemein in D. templo somniorum interpretes haberi solent, qui .. visus hominum exponebant. Dass sie ebenso in Byzanz heilten und zwar den Incubanten erschienen und dass sie in den christlichen Heiligen auf weissen Rossen Cosmas und Damianus fortleben, ist von L. Deubner De incubatione (Leipzig 1900) 77–79 bewiesen. Myriantheus Açvins 114 hat die kühne Hypothese gewagt, dass die kriegerischen Ärzte Machaon und Podaleirios ursprünglich thessalische D. seien.

§ 8. Vermischung der D. mit fremden Gottheiten. Die Vermischung der D. mit anderen Gottheiten lag, wie schon oben § 3 betont wurde, bei der ursprünglichen Allgemeinheit ihres Wesens sehr nahe. Besonders eigneten sich dazu Götter von derselben Unbestimmtheit, wie Kureten, Korybanten, das Kabirenpaar u. s. w. Die Deutung der Ἄνακτες παῖδες zu Amphissa, Paus. X 38, 7, 6 schwankte zwischen D., Kabiren, Kureten. In Prasiai, Paus. III 24. 5, wurden drei kleine Erzstatuen neben Athena als D. oder Korybanten betrachtet. Auch die zwei Statuetten am Meere bei Pephnos, Paus, in 26, 3, werden nicht anders zu beurteilen sein, wie jene und die Terracotten aus Kyzikos, Boiotien, Olympia, die zwei Kinder darstellen, Marx Athen. Mitt. X 81. Die μεγάλοι θεοί in [1098] Andania (Dittenberger Syll.¹ 388, 33) sind von Sauppe als Kabiren, von Preller-Robert Gr. Myth. I 749, 5 als D. angesprochen worden, die Ἥρωες in Charadrai als D. oder epichorische Heroen, Paus. X 36, 6. Neben den Korybanten werden die D. angerufen bei Aristoph. eccl. 1069. Die πυρρίχη tanzten zuerst nach lakonischer Sage die D., nach kretischer die Kureten, Plat. leg. VII 796 B. Herodot scheint, wie Lobeck Aglaoph. 1212 schliesst, die D. und Kabiren noch scharf gesondert zu haben. Seit der hellenistischen Zeit, an deren Anfang der Cult der samothrakischen Kabiren μεγάλοι θεοί durch die Concurrenz der Ptolemaier und Antigoniden und die günstige Lage der Insel zur Blüte kam, ist die Vermischung der D. mit ihnen allgemein; sie ergab sich leicht, weil beide im Schifferglauben als gute Geleiter zur See lebten.

In Delos ist ihnen Ende des 2. Jhdts. v. Chr. ein Tempel gebaut worden mit der officiellen Bezeichnung θεοὶ μεγάλοι (Σαμοθρᾴκων) Διόσκουροι Κάβειροι, Bull. hell. VII 339, 4. 340, 5. 341. CIG 2296 auch θ. μ. καὶ Δ. καὶ Κάβ., Bull. hell. VII 337, 3. Votivrelief aus Larissa in Thessalien zeigt die D. zu Ross zu den Theoxenien eilend, Inschrift θεοῖς μεγάλοις Heuzey Macédoine Taf. 25,1 = Conze Wien. Vorlegebl. IV Taf. 9, 2. Ein Tetradrachmon der Insel Syros zeigt die D. mit Sternen und der Umschrift θεῶν Καβείρων Συρίων, abgebildet Roscher Myth. Lex. II 2535. Vgl. Tetradrachmon des Eumenes II. ohne Umschrift bei Imhoof-Blumer Abh. Akad. Berl. 1884, 13 Taf. 3, 18. Hymn. Orphic. 37. Varro in Schol. Verg. Aen. III 11 bringt die D. mit den samothrakischen μεγάλοι θεοί und den römischen Penaten zusammen, Vergil selbst lässt den Aeneas sagen, er verlasse die Heimat cum sociis natoque penatibus et magnis dis. Vgl. Dion. Hal. I 68ff.

Sehr merkwürdige Vermischungen der D. liegen vor in der von Cic. de deor. nat. III 53 benutzten Liste (über ihre Quelle Walt. Michaelis De origine indicis deor. cognom., Berl. Diss. 1898) Διόσκουροι etiam apud Graios multis modis nominantur: primi tres, qui appellantur Anactes Athenis, ex rege Iove antiquissimo et Proserpina nati Tritopatreus Eubuleus Dionysus, secundi Iove tertio nati et Leda Castor et Pollux, tertii dicuntur a nonnullis Alco et Melampus et Tmolus, Atrei filii, qui Pelope natus fuit.

§ 9. Culte. Die folgende Aufzählung macht auf Vollständigkeit nicht Anspruch, a) Peloponnes. In Lakedaimon zusammengestellt und besprochen von Sam Wide Lakonische Culte 304ff. Hier waren die D.-Culte so alt und zahlreich, dass die D. besonders von Dichtern häufig Lakonen genannt werden [z. B. Hom. Il. III 243. Theognis 1087; auch Amyklaeer, als Synonym (z. B. Verg. Georg. III 89), obgleich gerade in Amyklai ein D.-Cult nicht nachweisbar] und dass Aristophanes die Lakonerinnen in der Lysistrate 81. 1105 νὴ τὼ σιὼ schwören und die Tyndariden 1300 unter den Hauptgöttern besingen lässt. Hier liegt ihre berühmteste Cultstätte Therapne (Alkman frg. 5. Pind. Pyth. XI 61; Nem. X 51; Isthm. I 31 mit Schol. Steph. Byz. s. v.). Da leben sie unter der Erde (Alkman frg. 5. Pind. Nem. X 50): also waren hier ihre Gräber (s. § 12 unter ,Amphoren‘- und ,Schlangen‘ über ihren Totencult). Dies D.-Heiligtum [1099] ist es doch wohl, das nach Paus. III 20, 2 nicht fern von Therapne im Φοιβαῖον liegt, vgl. Herodot. VI 61. Hier opferten die Epheben dem Enyalios. Wo die δόκανα (Plut. de frat. am. p. 478 A) standen, ist nicht überliefert, vermutlich hier. Granius Licinianus p. 5 B 8 ed. Bonn, hat nach Ed. Wölfflins Herstellung Röm. Mitt. XV 177 die Sitte, dass jeder römische Reiter ausser seinem Reitpferde ein Handpferd habe, aus dem lakedaimonischen Kastorcult erklärt, aber hinzugefügt: (verum) Therampnis Custoris et Pollucis simulacra sirios (σειρίους) equos habent. Chorlieder auf die D. von Alkman frg. 9. 12–15; vgl. 23.

In Sparta hatten die D. mit den Charitinnen zusammen ein Heiligtum in der Nähe des Dromos (Paus. III 14, 6), an dem selbst sie als Ἀφετήριοι verehrt wurden, einen Altar als Ἀμβούλιοι mit Zeus Ἀμβούλιος und Athene Ἀμβουλία zusammen auf dem Markt (Paus. III 13, 6), ferner nahe bei dem Χιτών genannten Gebäude ein Haus, das sie, weil sie es als Menschen besonders geliebt, einst als kyrenische Fremde erscheinend vom Besitzer, dem Spartiaten Phormion, trotz seiner Weigerung genommen hatten (Paus. III 16, 3). Verehrung mit Helena zusammen durch ξένια, Eurip. Hel. 1668 s. unten § 10, Priester der D. in Sparta, CIG 1340. 1353. 1355, alle römischer Zeit. Priesterin der D. καὶ ἀγωνοθέτις τῶν σεμνοτάτων Διοσκουρείων römischer Zeit CIG 1444. Die D. gelten als Bild des spartanischen Doppelkönigtums, Herodot. V 75. Sehr bemerkenswert ist, dass sowohl Polydeukes allein in Therapne an der Quelle Μεσσηΐς oder vielmehr Πολυδεύκεια ein Hieron hatte (Paus. III 20, 1), als auch Kastor allein ein μνῆμα und Hieron in Sparta neben dem Grabe des Amyklassohnes Kynortas besass (Paus. III 13, 1), vgl. die πύλαι Καστορίδες in Gythion (Paus. III 21, 9) und o. § 3 und Artikel Kastor. Auf spartanischen Inschriften sind sie nicht selten: Τινδαρίδαι (Le Bas-Foucart 162 j und f römischer Zeit. 163 a. Athen. Mitt. XXII 336, 3), Δ. Σωτῆρες (CIG 1261. 1421. Le Bas 162 g) und sonst, auf Votivreliefs und Münzen allein und mit Helena. Älteste Darstellungen aus Sparta s. Furtwängler Athen. Mitt. 1883, 372. – Vgl. Deneken De Theoxeniis Berl. Diss.1881. Rud. Münsterberg Zürich. Diss.1890. Gythion: Le Bas 245 b. 245; Kaisermünzen Journ. Hell. Stud. VII 66, vgl. φύλαι Καστορίδδες Paus. III 21, 9.

Pellana: dahin habe Hermes die bei Thalamai geborenen D. gebracht, Paus. III 26, 3, also galt auch Pellana als Geburtsort.

Krokeai: eherne Bilder am Steinbruch, Paus. III 21, 4;

bei Sellasia: Votivrelief, Athen. Mitt. VIII 372 (Taf. 18, 2) = IGA 62 A add. = Cauer Del. 2 8;

im heutigen Daphni: CIL III 493;

Kythera: Votivrelief, Athen. Mitt. V 231.

Ob sie mit der alten Gebirgsstadt Λᾶς verbunden waren, ist ungewiss; denn die Legende (Paus. III 24, 7), sie hätten den Tempel der Athena Asia, aus Kolchis heimgekehrt, gegründet, ist nichtig, und ihr Beiname Λαπέρσα (Lycophr. 511. Strab. VIII 364. Hesych, Steph. Byz.) hat bei Sophokles frg. 871 N.² die erste Silbe kurz.

[1100] Auf lakonischen Münzen zu Fuss, zu Ross, oder ihre Köpfe: Greek coins in the British Museum, Peloponnes 124–127. 129. 131.

In Messenien war der D.-Cult nach messenischer Tradition nicht weniger alt als in Lakedaimon, Paus. III 26, 3. IV 31, 9. Sie seien bei der messenischen, später lakonischen Stadt Pephnos (Thalamai) auf einem Inselchen geboren, wo ihre kleinen ehernen Bilder unter freiem Himmel am Meer standen, Paus. III 26, 3. III 1, 4 (schwerlich alt). Den Überfall der Spartiaten durch zwei Messenier zu Ross in der Maske der D. bei einem D.-Feste im zweiten messenischen Kriege habe die D. ihnen verfeindet, Paus. IV 27, 1. Polyaen. II 31, 3. Bei Neugründung von Messene durch Epameinondas haben die Messenier dem Zeus Ithomatas und den D. geopfert, Paus. IV 27, 6, vgl. 27, 1. 26, 6. Dies ist allerdings ein vollgültiger Beweis für das Alter des Cultes, nicht weniger die Thatsache, dass in der messenischen Stadt Tyndaris in Sicilien, 395 gegründet, die D. Stadtgötter waren, s. unter e. Doch kaum Spuren: Bilder der D. mit den Leukippiden in der Stadt Messene, Paus. IV 31, 9. Die μεγάλοι θεοί in Andania verehrt neben Demeter, Ἅγνη, Hermes, Apollon Karneios (Dittenberger Syll.¹ 388, 33 u. s. w.) werden auf die D. gedeutet, die aber hier in hellenistischer Zeit mit den Kabiren verschmolzen seien, Preller-Robert Griech. Myth. I 749, 5.

In Argos sind die D. als Ἅνακτες alteinheimisch; in der Stadt Heiligtum mit Bildern von Dipoinos und Skyllis der D., ihrer Frauen, der Leukippiden und ihrer Söhne, Paus. II 22, 5; Grab des Kastor (Μιξαρχαγέτας) allein, Plut. quaest. gr. 23 (vgl. den aus Argos flüchtigen militärischen Lehrer des Herakles Κάστωρ Ἱππαλίδας , Theocr. XXIV 127ff. Apollod. bibl. II § 63 W.). Nach Lerna zu ein (ἱερὸν Δ. Ἀνάκτων, Paus. II 36, 7. In das Haus des Παμφάης (= Helios, vgl. Λεύκιππος) zu Argos waren sie eingekehrt, Pind. Nem. X 49. Dessen Geschlecht wie das der D. blühte in Argos, CIG 1124. Votivinschriften an die ϝάνακοι, Arch. Ztg. 1882, 383. IGA 43 a p. 173 und 37(?). Sophokl. frg. 871 N². Schol. Pind. Pyth. I 127. Die kleinen Statuetten mit πῖλοι neben Athena in Prasiai (Paus. III 24, 5) können wegen ihrer Dreizahl nicht D. sein, wenn man nicht etwa annehmen will, dass auch die D. wie die Horen und die Charitinnen neben der Zweizahl auch in Dreizahl local gedacht seien, vgl. Cic. de deor. nat. III 53. Hermione: im Stadion sollen die D. wettgekämpft haben, Paus. II 34, 10; Epidauros: Ἐφημ. ἀρχ. 1885, 196, Weihung an Helios und D. aus römischer Zeit.

Sekyon: Hieron der D. hinter dem der Τύχη Ἀκραία, also auf der Burg, Paus. II 7, 5, vgl. Reliefs am sekyonischen (?) Schatzhaus zu Delphi, Bull. hell. XX 661. In Sekyon sind Sagen der Antiope und ihrer Söhne Amphion und Zethos, der boiotischen D.. localisiert, Schol. Apoll. Rhod. IV 1090. Apollod. bibl. III 5, 5. Hyg. fab. 7.

Olympia: am Ablauf im Hippodrom Altäre der D., des Ποσειδῶν Ἵππιος und der Ἥρα Ἱππία, Paus. V 15, 5. In Olympia ist die Zwillingsterracotte, Athen. Mitt. X 83 Abbildung, gefunden.

[1101] Mantinea: Drachme von 400–385 v. Chr. Head HN 376. Vgl. Greek coins in the British Museum Peloponnes 184, 5 = Taf. 34, 23: Münzbild Altar mit den Büsten der D., Lanze.

Kleitor: Paus. VIII 21, 4 Heiligtum der D. oder μεγάλοι θεοί. Die Münze im British Museum Peloponnes 179, 1 = Taf. 33, 9 (ein Reiter) ist auf D. mit Unrecht bezogen. Paios im nordwestlichen Arkadien: sicher Familiencult im Hause des Euphorion, bei dem die D. eingekehrt, Herod. VI 127.

b) Nördliches Griechenland. Attika:hier wurden die D. von alters her wie in Argos als Ἄνακε (s. d.) verehrt im Ἀνάκειον am Südfuss der Burg (wo sie stehend und ihre Söhne zu Pferde dargestellt waren). Ihr Fest Ἀνάκεια. Ihr Priester diente auch dem ἥρως Ἐπιτέγιος, CIA III 290. CIA III 195 Σωτήροιν Ἀνάκοιν τε Διοσκούροιν ὅδε βωμός. Speisung der D. im Prytaneion: Komoedie Πτωχοί bei Athen. IV 137 E, vgl. R. Schoell² Herm. VI 18. Im Demos der Φηγαιῆς CIA II 947. Auch Ἐφέστιοι (Theodoret Therap. 8 p. 115 Sylb.), schwerlich aber Φωσφόροι haben die D. in Athen geheissen, R. Schoell a. a. O. In die eleusinischen Mysterien einweihen lassen hat sie die attische Sage unter König Menestheus gelegentlich des Zuges wider Aphidna, kaum vor Ende des 6. Jhdts., Xen. hell. VI 3, 6. Plut. Thes. 33. Apollod. bibl. II 15, 12. Diod. IV 14. 25. Aelian. v. h. IV 5. Schol. Lycophr. 504. CIA III 900. 3 Vgl. Strube Bilderkr. v. Eleusis 46ff. Votivrelief attischen Stils Ende 5. Jhdts., links die beiden D. sitzend mit Lanze in der Linken, neben sich je ein Ross; vor ihnen Frau mit Schale und Kanne, ein Ehepaar und zwei Kinder adorierend, gefunden zu Rom auf dem Esquilin, Bull. arch. com. di Roma 1887 Taf. V = Daremberg-Saglio Dict. II 259 Fig. 2443.

Boiotien: hier sind die D. mit Amphion und Zethos identificiert. Als Cultname sind D. seit dem 5. Jhdt. nachweisbar, IGS I 1792 (Thespiai); vgl. IGS I 2875 (Koronea). 554 (Tanagra). 1826 (Kreusis, am Hafen, römischer Zeit). In Thera D. schon im 8. oder 7. Jhdt., also boiotisch? Sie waren hier so verbreitet, dass der Boioter wie die Lakonerinnen bei Aristoph. Acharn. 905 νὴ τὼ θιώ schwört.

Theben: Euripid. Antiope neu gefundener Schluss C 55 in Cunningham Memoirs VIII 2 λευκὼ πώλω τὼ Διὸς κεκλημένοι τιμὰς μεγίστας ἕξετ’ ἐν Κάδμου πόλει. Die Zwillingsterracotte Athen. Mitt. X Taf. IV 1 ist hier gefunden, auch Taf. IV 2 wahrscheinlich aus Boiotien. Grab des Amphion und Zethos in Theben, Erntesegen spendend, den die Tithoraier sich zuzuwenden suchten, indem sie alljährlich von der Erde des Grabes zu rauben suchten. Marx Athen. Mitt. X 88 vermutet sehr wahrscheinlich Culte der D. (= Amphion und Zethos) zum Teil mit ihrer Mutter Antiope in den Orten, wo ihre Sage localisiert ist: Hyria oder Hysiai (Steph. Byz. Strab. IX 404), Eleutherai (Paus. I 38, 9), Eutresis (Steph. Byz. Strab. IX 411), Tithoraia (Steph. Byz. Paus. IX 17, 3).

Chalkis: für die Beziehung des παίδων φάφος auf die D. reichen Plutarchs Angaben, quaest. gr. 22, nicht aus, vgl. Marx a. a. O. 88.

Opuntische Lokrer: Münze, British Museum, Central Greece 10, Taf. 2, 12.

[1102] Delphi: nur durch die Labyadeninschrift Bull. hell. XIX 11 (D Z. 10) bekannt; ihr Fest im zehnten Monat Endyspoitropios Διοσκουρήϊα. T. Quinctius Flamininus weihte in Delphi nach der Befreiung Griechenlands silberne Schilde und sein Scutum den D., Plut. Titus 12.

Amphissa: unter den Ἄνακτες παῖδες dürfen hier wie in Argos und Athen die D. verstanden werden, doch sind sie auch mit Kabiren und Kureten zusammengebracht, Paus. X 38, 7, vgl. Marx a. a. O. und Preller-Robert Gr. Myth. 862.

Charadrai in Phokis: auf dem Markte Altäre der Ἥρωες, die nach den einen die D., nach andern epichorische Heroen waren, Paus. X 33, 6, vgl. Marx 83.

Thessalien. Larissa: Votivrelief, Heuzey Macédoine Taf. 25, 1 = Conze Vorlegebl. IV Taf. 9, 2.

Pherai: Διοσκούρειον Demosth. XIX 158.

Thrakien: Inschrift Arch.-epigr. Mitt. XIV 22. 50 Z. 37. XIX 112, 19 τὸ κοινὸν τῶν Διοσκόρων spät.

c) Im Osten. Thera: der älteste Beleg überhaupt, Felsinschrift des 8. oder 7. Jhdts. unter dem Tempel des Apollon Karneios Pauly-Wissowa I,2, 1613 b4 10-Iota.jpgοPauly-Wissowa I,2, 1617 b22.jpgοPauly-Wissowa I,2, 1613 b4 19-Qoppa.jpgPauly-Wissowa I,2, 1617 b19.jpgοPauly-Wissowa I,2, 1613 b4 10-Iota.jpgPauly-Wissowa I,2, 1613 b4 04-Delta.jpg. IGIns. III 359 und Taf. 2. Hiller v. Gaertringen Thera 1151. Aus der Mitte des 3. Jhdts. v. Chr. Felsaltar mit zwei Kappen und zwei Sternen, den D. Σωτῆρες geweiht von Artemidoros von Perge, dem ptolemaeischen Commandanten von Thera, IGIns. III 422 mit Abbildg. Hiller v. Gaertringen Thera I 166; Arch. Anz. 1899, 187.

Melos: Münze mit den Pilei der D., British Museum, Crete and Islands 105, Taf. 24, 4.

Thasos: Münzen, Köpfe der D. mit bekränzten Piloi und Sternen: Beschreib, d. ant. Münz. Berl. I 296.

Chalkidike: bei Torone Heiligtum, Thuc. IV 110.

Thessalonike: Beschreib. d. ant. Münz. Berlin II 139. British Museum, Macedon. 112, 32.

Lemnos: Münze von Hephaistia mit den Kappen oder Sternen der D., s. Beschr. d. antik. Münzen Berlin I 280.

Imbros: Kappen der D., Münzen a. a. O. I 274 f. Kyzikos: Zwillingsterracotte Arch. Ztg. 1865 Taf. 199; Kaisermünzen Mionnet Suppl. V 326 nr. 281. 335 nr. 347. 349. Vgl. Gerhard Arch. Ztg. 1865 S. 65, Taf. 199. Marx a. a. O. 86.

Byzanz: Tempel des Kastor-Polydeukes von Byzas, also bei der Gründung erbaut, ἐν ᾦ καὶ λύσις τῶν παθῶν τοῖς ἀνθρώποις ἐγένετο, Hesych. Miles. 15 (FHG IV 149).

Dioskurias am Pontos. D. zweifellos Stadtgötter.

Tomi: D. auf Münzen oft von den ältesten erhaltenen um 200 v. Chr. an, Münzen Nordgriech. I Taf. 5, 6; Köpfe der D., Rosse, Vorderteile der Rosse mit Sternen, in Kaiserzeit die D. gelagert mit Schalen. Pick Arch. Jahrb. XIII 152 Taf. X 13. 14.

Kaliatis: Greek coins in the British Museum, Thrace 22.

Istros? Silbermünzen: Zwei jugendliche Köpfe nebeneinander, einer nach oben, der andre nach unten, Brit. Mus. Catal., Thrace 25. Ant. Münz. Nordgriechenlands I nr. 405ff. und S. 149 auf D. gedeutet (?).

[1103] Pantikapaion: Münzen mit Kappen der D., Beschreib, d. antik. Münzen Berlin I 13f.

Phrygien. Sidibundu: Münze Kaiserzeit, Head HN 568.

Pergamon? CIG 3540 = Inschrift v. Perg. 321 ἡ Διοσκουρίτων συμβίωσις, von Foucart und Fraenkel auf die D. bezogen, auf Männer von Dioskurias gedeutet von E. Ziebarth Griech. Vereinsw. 122. Tetradrachmon Eumenes II. bei Imhoof-Blumer Abh. Akad. Berl. 1884 Taf. 3, 18 mit den D. sehr ähnlich dem Tetradrachmon von Syros, abgebildet bei Daremberg-Saglio Dict. I 773.

Kolophon: hellenistische Münze mit den Pilei der D., auf deren Spitze je ein Stern, British Museum, Ionia 40, Taf. 8, 9.

Erythrai: Dittenberger Syll.² 600, 7. 121. Mitte des 1. Jhdts. v. Chr.

Magnesia am Maiander: O. Kern Die Inschr. v. Magn. 229.

Karien. Olymos: Le Bas-Waddington Asie min. nr. 331.

Kedreae: am Sinus Ceramicus τὸ κοινὸν τῶν Διοσκουριαστᾶν Θευδοτείων, Bull. hell. X 424, 2 = Athen. Mitt. XV 441.

Lykien: auf Münzen römischer Kaiserzeit D. häufig.

Alifaradin: 3 Felsenreliefs auf D. gedeutet von Petersen Reisen im südwestl. Kleinasien II S. 168. 171, Fig. 78. 79.

Rhodos: Priester der D. Philiskos, nach dem datiert eine Weihung (Base oder Mauer ?) in Rhodos, IGIns. III 30, und in Tenedos, IGIns. II 640.

Syrien: auf den Seleukidenmünzen, British Museum 5f. 18. 50. 63; ihre Pilei 75. 97, auf Thron 49.

d) Africa. Alexandreia: Der Leuchtturm auf Pharos war vom Erbauer Sostratos von Knidos den θεοὶ σωτῆρες geweiht,, Strab. XIII 791.

Ägypten: Orakelfrage an die κύριοι Διόσκουροι Grenfell, Hunt, Hogart Fayûm towns and their papyri, London 1900, 293, Papyrus nr. 138.

Kyrene hat den D.-Cult von Thera und Lakonien erhalten. Pind. Pyth. V 10f. nennt Kastor allein (wie in Sparta) des Battos Schützer, also Familiencult des Königshauses, vgl. Schol. zu v. 6, wo ein von Battos eingerichtetes kyrenisches Fest Διοσκούρεια bezeugt ist. Vgl. die Legenden bei Paus. III 16, 2. Suid. s. Φορμίων. Auf kyrenischen Münzen ein oder zwei Sterne, Ross mit Stern.

Im numidischen Constantinae: Votiv CIL VIII 6940 Castori Augusto. 6941 Polluci Augusto.

e) Im Westen. Kephallenia? Weihinschrift 6. Jhdts. den Διὸς Oούροιν, Rev. archéol. 3e Sér. XVIII 1891, 45.

Korkyra: ἱερόν Thuc. III 75. rechteckiges Kistchen mit Inschrift Διοσκούροις etwa 5., 4. Jhdt. Arch. Ztg. 1846, 378 Taf. 48, 4, Votiv CIG 1874 römischer Zeit: Διοσκόροις Ἰστρωναίοις nach dem Berge Korkyras.

Epirus: späte Felsinschriften am Meer, CIG 1824ff.; Heiligtum in den akrokeraunischen Bergen, Heuzey Macéd. 407; vgl. Ampelius lib. mem. c. 8.

Sicilien. Akragas: Tyndariden mit Helena, Pind. Ol. III 1. 39, vgl. Schol. zu v. 1. Ihr Tempel nach 338 v. Chr. gebaut. Vgl. Koldewey-Puchstein [1104] Die griech. Tempel in Unterit. und Sicil.

Selinus: Tyndariden, IGA 515 = IGI 268.

Syrakus: Münzen von 215–212 v. Chr. Num. Chron. 1874 pl. 13, 13 u. s. Zusammengestellt von Holm n. 504 bei Cavallari und Holm Topografia di Siracusa (deutsch von B. Lupus: Stadt Syrakus).

Tyndaris: 395 v. Chr. für Messenier gegründet: Tyndariden, Stadtgötter auf Münzen, v. Duhn in Sallets Numism. Ztschr. 1876, 39. Head HN 166.

Panormos: Kékulé Terrakotten von Sicilien S. 40 Fig. 82. Greek coins in the British Museum, Sicily 123.

Italien. Vgl. M. Albert Le culte de Castor et Pollux en Italie 1883, vgl. Jordan DLZ 1883, 1503. Vaglieri bei Ruggiero Dizionario epigrafico II 132ff.

Tarent: Heiligtum auf dem Markt? Röm. Mitt. XV 39. Münzen Greek coins in the Brit. Mus., Italy 160–163. 172f. Luynes Choix d. monn. Taf. II 6. Arch. Jahrb. 1887, 201. Viele Votivterracotten an die D. s. Lenormant Gaz. arch. 1881, 164. Arch. Jahrb. 1887, 201. Röm. Mitt. XV 1ff. Votiv an die Σωτῆρες IGI 2406, 108.

Brettii. Münze: British Museum, Italy 320 = Roscher Myth. Lex. I 1177.

Lokroi: aus Ιustin. XX 2 u. 3 zu erschliessen, vgl. Ed. Meyer Gesch. d. Altert. II § 420 Anm. Epiphanie in der Schlacht an der Sagra gegen Kroton. Altäre an der Sagra, Strab. VI 261.

Caelia in Apulien. Münze: British Museum. Italy 134.

Larinum: CIL IX 724.

Vibo: CIL X 38.

Neapel: der D.-Tempel stand bis ins 16. Jhdt., laut Inschrift IGI 714 von Tiberius Iulius Tarsus errichtet den Διοσκούροις. Votiv IGI 748.

Capua: Bauinschrift CIL I 567 = X 3779 vom J. 648 d. St. Castori et Polluci murum et pluteum faciund. coeravere eidemque loedos fecere, CIL I 569 = X 3781. Aus Liv. VIII 11 schliesst Preller Röm. Myth. II 301, dass die D. schon im 4. Jhdt. auch zu Capua als Schützer der Ritter galten.

Nuceria Alfaterna. Münze: British Museum. Italy 121.

Am Berge Tifata: CIL I 569 vom J. 655 d. St. .. signa marmor. Cast. et Pol.

Cora der Volsker: der D.-Tempel steht heute noch auf der Stadthöhe mit der Dedicationsinschrift CIL I 1150f. = X 6505f: aedem Castoris et Pollucis.

Tusculum: Cic. de div. I 98 aedes Castoris et Pollucis, Münzen der Gens Sulpicia mit D. auf der einen, Tusculum auf der andern Seite. CIL XIV 2576. 2620. 2629. 2639. 2918. 2637. 2629. Jährliches lectisternium: Fest. s. stroppus. Mommsen Münzwesen 651. 657. 573. 591.

Veii: CIL XI 3777.

Rom. Hier hat sich früh der Glaube, zunächst aber nur an Castor allein, eingebürgert, wie er in Lakonien, Argos, Kyrene lebte. Das bezeugt der später den beiden D. geweihte Tempel auf dem Forum, der noch zu Ciceros Zeit (Milon. 91) aedes Castoris, offiziell (CIL I 197, 17. 200) Kastorus [1105] hiess, vgl. Jordan Ephem. epigr. III p. 70. Drei seiner Säulen vom Neubau des Tiberius stehen noch heute; neue Ausgrabung und Reconstruction von O. Richter Arch. Jahrb. XIII 87ff. mit Tafeln. Heilig war den D. auch der benachbarte lacus Iuturnae auf dem Forum; Ovid. fast. I 705ff. Plut. Aem. Paull. 25. Livius II 20, 13 giebt demnach ältere Überlieferung wieder, wenn er erzählt, dass 496 v. Chr. in der Schlacht am See Regillus der Dictator Aulus Postumius dem Castor allein den Tempel gelobt. Auch aus der Notiz des Varro bei Gell. XI 6 ist zu entnehmen, dass der römische Schwur mecastor älter war als edepol; beachtenswert ist, dass nach demselben Zeugnis ersterer ein specifischer Weiberschwur sei, und bei keinem ,alten Schriftsteller‘ von einem Manne gesagt werde, was richtig scheint. Später, als die von den Griechen allgemein aufgenommene lakonisch-argivische Identification des Kastor und Polydeukes mit den D. auch in Rom eindrang, gesellte man den Pollux dem Kastor zu; die unzertrennlichen D. wurden es nun auch in Rom. Nach dem Vorbilde der D.-Epiphanie in der Schlacht der Lokrer wider die Krotoniaten an der Sagra wurde die Legende vom Siege am See Regillus umgestaltet; nicht Kastor allein, sondern beide hatten geholfen und zwar sichtbar und thätig; Cic. de deor. nat. II 6. III 11. Dion. Hal. VI 13. Plut. Aem. Paull. 25. Ebenso die andern Epiphanien, in den Schlachten bei Pydna (Cic. 3 de deor. nat. III 11. Val. Max. I 8, 1) und Verona gegen die Cimbern (Plut. Mar. 26). Wenn wirklich 304 v. Chr. von Q. Fabius Maximus nicht nur die transvectio et probatio equitum eingeführt, sondern auch der Weg, den die Ritterparade einschlug, festgesetzt worden ist – vom Thor, durch das die Sieger am See Regillus eingezogen waren, zum Forum vor die Aedes Kastorus, Capitol, Circus – so wäre damals schon Kastor Schutzherr der Ritterschaft gewesen, also doch wohl auch schon als D. aufgefasst worden. Capellen der D. noch im Circus Flaminius, Vitruv. IV 8, 4. CIL I² p. 244 = IX 4192 und CIL I² p. 217 = IX 2320: eidibus Augustis: Castori Polluci in circo Flaminio; im Circus Maximus? vgl. CIL I² p. 262. Tertull. de spectac. 8: singula ornamenta circi singula templa sunt; ova honori Castorum adscribunt. – Erwägenswert scheint die Frage, ob das D.-Paar nicht auch die Verdoppelung des Stadtgründers Romulus-Remus veranlasst habe.

Die D. übten in Rom ärztliche Thätigkeit, wie sie auch in Byzanz und in der Legende von Phormion (Suid. s. v.) sich als σωτῆρες auch nach dieser Seite zeigten, vgl. o. § 7 e. Sie gaben ärztlichen Rat im Traum, also war wohl Incubation bei ihnen üblich; in ihrem Tempel Traumdeuter, Schol. Pers. II 56 p. 20 Buecheler; vgl. Deubner De incubatione 79. Münzen der Gens Memmia, Postumia, Servilia (Babelon Monn. de la Républ. II 444). Münze des Geta, in Korinth geschlagen, Mionnet Suppl. IV 232, 72.

Italia: hier im Bundesgenossenkriege ein Münzstempel mit den auseinandersprengenden D. copiert, mit dem einige Decennien früher Servilius Rufus in Rom geprägt hatte, Bompois Les types monét. de la guerre sociale Taf. 1. Friedländer Oskische Münzen 81, 8.

[1106] Ostia: Spiele am 27. Januar, Belege s. CIL I² p. 308. XIV 1. 376.

Etrurien: Sehr häufig Darstellung der D. allein und in mythologischen Gruppen auf etruskischen Spiegeln, Gerhardt-Koerte Tf. XLVff. CCLIIIff. und Bd. V Taf. 75–83. 90.

Assisi: Orelli-Henzen 6126.

Zwischen Cremona und Brixia: CIL V 4154, vgl. Suet. Otho 9. Tac. hist. II 24: ad Castoris, Ort bei Cremona.

Gallien. Massilia: auf einer Grabschrift erwähnt πλητήρων σωτῆρσι Ἀμυκλαίοισι θεοῖσι IGI 2461. Agathe: IGI 2514 Μητράσι καὶ Διοσκούροις. Zwischen Ucetia und Nemausus: Votiv Castoris Quintina . . CIL XII 2999. Ugernum: Castorib. Aug. CIL XII 2821. 2561. 2562. Am Lacus Lemanus: Castori et Polluci Soldatenweihung CIL XII 2526. Vienna: Tempel und signa Castoris et Pollucis cum equis nebst Hercules und Mercur, CIL XII 1904.

Spanien, Dertosa: Votiv CIL II Suppl. 607 a.

§ 10. Beziehungen zu andern Göttern. Cultgemeinschaft der D. ist zu constatieren mit:

Ares, s. Enyalios.

Athena und Zeus, alle als Ἀμβούλιοι auf einem Altar auf dem Krammarkt zu Sparta verehrt, Paus. III 13, 6; zu Rom CIL VI 413.

Athena? Den Tempel der Ἀθηνᾶ Ἀσία in Las sollen die D. aus Kolchis heimkehrend gegründet haben, Paus. III 24, 7. Den Tempel der Ἀθηνᾶ Χαλκίοικος, von Tyndareos gestiftet, haben als seine Nachfolger die D. gebaut, Paus. III 17, 2. Athena hat den D. zum Enoplios gepfiffen, Epicharm. frg. 75 Kaib. Athene mit den D. und Helena mehrfach auf etruskischen Spiegeln: Koerte Etr. Spieg. V zu Taf. 79 = 80, 1. 2 = IV Taf. CCIII nach griechischer Vorlage? Vgl. Taf. 83, 2.

Charitinnen, in einem Tempel verehrt zu Sparta, Paus. III 14, 6.

Demeter, Hagne, Hermes, Apollon, D. als μεγάλοι θεοί in Andania, Dittenberger Syll.¹ 338, 33.

Diomedes? Sehol. Pind. Nem. X 12.

Enyalios, Ares. Im Phoibaion bei Therapne stand der Tempel der D. und hier opferten die Epheben dem Enyalios, Paus. III 20, 2. Das Bild des sehr alten Arestempels zwischen Sparta und Therapne sollen die D. aus Kolchis mitgebracht haben, Paus. III 19, 7.

Helena in Sparta: Eurip. Hel. 1667f., spartanische Reliefs, Ann. d. Inst. 1861 tav. D 2; vgl. Deneken De theoxeniis 17f. Auch an andern Orten, v. Duhn Sallets numism. Ztschr. 1876, 39, in Athen Paus. lex. rhetor. p. 112 Schwabe (Eustath. 1425). Auf etruskischen Spiegeln, V Taf. 78–82. Rud. Münsterberg Züricher Diss. 1890, 9ff. bestreitet in all diesen Darstellungen die Deutung auf Helena und schlägt S. 17 die Benennung Hestia vor. vgl. CIG 1253. 1440% 1447.

Helios in Epidauros, Ἐφημ. ἀρχ. 1885, 196. Besuch der D. bei Παμφάης in Argos, Pind. Nem. X 49. Raub der Töchter des Λεύκιππος Φοίβη und Ἱλάειρα. Im Φοιβαῖον bei Therapne stand der Tempel der D., Paus. III 20, 2. Vgl. Bull. d. Inst. 1873-188. In Rom CIL VI 413. Auf römischen Sarkophagen neben Sol und Luna, O. Jahn Archäol. Beiträge 79ff. 92.

Hermes und Herakles, als Schützer der gymnischen [1107] Agone, Pind. Nem. X 53; Ol. III 60; vgl. CIG 1421.

Ἡρως Ἐπιτέγιος, sie haben gemeinsam einen Priester in Athen, CIA III 290.

Καλλιγένεια (Frauengöttin für gute Geburt)? in Sicilien IGI 205; vgl. Usener Götternamen 123.

Matres zu Agathe in Gallien, IGI 2514.

Μήτηρ θεῶν Inschrift aus Thrakien, Arch.-epigr. Mitt. Österr. XIV 22, 50 Z. 37 θύουςι ὑπὲρ τῆς τοῦ δήμου σωτηρίας μητρὶ θεῶν καὶ Διοσκούροις. Über ihr waren die D. zu Ross dargestellt.

Nymphe Σεμέστρη in Byzanz, Hesych. Miles. 15 (vgl. 3), FHG IV 149.

Poseidon Ἵππιος und Hera Ἱππία ?, am Ablauf des Hippodroms zu Olympia standen deren Altäre und der der D. dicht bei einander, Paus. V 15, 5.

Vintius am Genfer See, CIL XII 2561 Vintio Au[gusto] Polluci s., 2562 Deo Vintio Polluci.

§ 11. Beinamen der Dioskuren. Ἀμβούλιοι, Cult auf dem Krammarkt zu Sparta, Paus. III 13, 6.

Ἀφετήριοι, Cult Sparta, Paus. III 14, 7.

Augusti in Africa CIL VIII 6940f.; in Gallia XII 2821.

Ἐμπόλω, Cult? aus Aristophanes Ἥρωες frg. 310 Kock citiert Poll. VII 15 neben Ἑρμῆς ἐμπολαῖος καὶ ἀγοραῖος, vgl. die D. ἀμβούλιοι auf dem spartanischen Markt.

Ἐφέστιοι, Cult? Theodoret Therap. 8 p. 115 Sylb., vgl. R. Schoell Herm. VI 18.

Λᾰπέρσαι, Cult? Sophokl. 871 N.² Lycophr. 510. Strab. VIII 364. Steph. Byz. Hesych.

Lezkv pvlv, lezkopvloi, Cult in Theben, Euripides neuer Schluss der Antiope C 55; Hercul. 30; Phoen. 606. Pind. Pyth. I 66. Hesych., vgl. Molioniden Ibykos frg. 16.

Ξένοι in Lakonien, ἐπίκλησις der D. in Schol. Lycophr. 563.

Σωτῆρες, Cult? Thera IGIns. 359. CIG 1261. 1444. CIA III 195.

Φωσφόροι Der ἀείσιτος des Prytaneions zu Athen ἱερεὺς τῶν φωσφόρων CIA III 10. 1041f. 1048 von R. Schoell Herm. VI 18 kühn auf Priester der D. gedeutet.

§ 12. Symbole, Attribute der Dioskuren. Ihr ältestes Bild sind δόκανα, zwei durch Querhölzer verbundene Balken in Lakedaimon, s. o. § 2. Der Stein bei Furtwängler Ant. Gemmen Taf. XIII 29 stellt sie sicher nicht dar, da er zwei Säulen mit lose hängendem Band verbunden zeigt. Schwerlich auch Tarentiner Votive, Petersen Röm. Mitt. XV 42ff. Vielleicht ist ein verschollener Baumcultus der D. anzunehmen; die D. im hohlen Baum erspäht Lynkeus, Kypr. frg. 9. Pind. Nem. X 62. Auf einer Münze von Gythion zwischen den D. ein Baum, Journ. Hell. Stud. VII 66. Epiphanie der D. auf einem Birnbaum in Messenien, Paus. IV 16, 5.

Als weisse Rosse wurden sie, die Lichtgötter, ursprünglich selbst gedacht in Theben, wo die Erinnerung im Cultnamen blieb: λευκὼ πώλω τὼ Διός, Euripides neuer Sehluss der Antiope C 55; Hercul. 30; Phoen. 606. Pind. Pyth. I 66. Hesych. λευκόπωλοι, vgl. die Molioniden, die Ibykos frg. 16 λεύκιπποι nennt. Münzen von Städten, die die D. verehren, haben oft ein Ross mit Stern [1108] über ihm, z. B. Kyrene, Syrakus, Tyndaris, Tomi (Pick Arch. Jahrb. XIII 152). Auch nur die Protomai der Pferde; Albert bei Daremberg-Saglio Dict. II 254, 107. Die D. häufig zu Ross (auch als Anabat einer), seltener zu Wagen dargestellt, z. B. in Tarent, Röm. Mitt. XV 14ff.

Zwei schlanke Amphoren, öfter je von einer Schlange umwunden, auf lakonischen Denkmälern. Lakonische Votivreliefs: Dressel-Milchhöfer Athen. Mitt. II nr. 209. 210; des Argenidas in Verona Dütschke Bildw. v. Oberitalien IV nr. 538 abgeb. Roscher Myth. Lex. I 1171. In der spartanischen Colonie Tarent in Terracotten, Arch. Jahrb. 1887, 201 Fig. 4. Jhdt. Röm. Mitt. XV 7ff. und Münzen. British Museum Guide pl. 33, 12. Eine solche Amphora zwischen den D. auf etruskischen Spiegeln, Gerhard I Taf. XLVIII 6, 8. Wahrscheinlich sind diese hohen Amphoren auf den Grabcult der D. in Therapne, wo sie unter der Erde leben (Alkman frg. 5. Pind. Nem. X 56), zu beziehen, und als Gefässe ohne Boden auf dem Grabe zur Aufnahme der Opfer aufzufassen, wie die grossen bodenlosen Dipylonvasen, auf Gräbern stehend, diesem Zweck dienten, Brückner und Pernice Athen. Mitt. XVIII. Doch sind archaische Exemplare dieser lakonischen Votivreliefs bisher noch nicht bekannt.

Schlangen, nur in Lakonien wegen des chthonischen D.-Cultus, zwei um die Amphoren, s. o., aber auch eine: auf dem Votiv des Argenidas neben den Amphoren (Dütschke Bildw. Oberitaliens IV nr. 538), und auf dem spartanischen Relief Athen. Mitt. II nr. 220.

Hahn, auch wegen seiner Beziehung zur Unterwelt? Im Giebel eines spartanischen Reliefs an die D. zwei Hähne, Athen. Mitt. II nr. 209, auf Münzen von Tyndaris Hahn und Stern, Mionnet I 327. Catal. of greek coins in the British Museum, Sicily 235. Vgl. Kallim. epigr. 56 Wil.

Silphion wurde ihnen in Kyrene geheiligt. Auf Münzen von Kyrene Silphion und zwei Sterne. Mit Silphionstengel erschienen die Dioskuren in Sparta, Paus. III 16; vgl. Suid. s. Φορμίων.

Sterne wurden seit Ende des 5. Jhdts.(Euripid. Helen. 140. 1495; El. 970) ihr häufigstes Attribut durch die Seefahrer, s. o. § 7 d. Sie fehlen dagegen in Tarent. Z. B. mit den Piloi über dem von Artemidor v. Perge im 3. Jhdt. zu Thera gestifteten Altar, IGIns. III 359 Abb., in Thera auch gefunden ,eine steinerne Dioskurenkappe mit Stern‘ v. Hiller Thera 258, 40. Griech. u. röm. Münzen.

Πῖλοι später constantes Attribut, auf Vasen und Münzen älterer Zeit nicht, vgl. Furtwängler Roschers Myth. Lex. I 1172. Aber Lycophr. 506 zeigt, dass Ende des 4. Jhdts. die πῖλοι die übliche Tracht der D. waren. Head HN 376 D. mit πῖλοι auf einer Münze von Mantinea 400–385 v. Chr. Nicht entscheidbar ist Alter und Deutung der drei kleinen Erzstatuetten mit Piloi am Meer bei Prasiai, Paus. III 24, 5. Die Zwillingsterracotten Athen. Mitt. X 81ff. Taf. 4 haben bis auf eines Piloi. Piloi mit Sternen als Bilder der D. auf Thera, s. Sterne.

Kranz und Palmzweig als Sieger und Schützer der Agone s. § 6, auf altspartanischem Relief, Athen. Mitt. VIII Taf. 18, 2, Terracottareliefform 4. Jhdt. aus Tarent, Arch. Jahrb. 1887, {{Seite|1109 201. Röm. Mitt. XV 8ff. Münzen von Tarent 4. Jhdt. und spätere der Brettier. Nachweise bei Daremberg-Saglio Dict. II 257 Anm. 201 und Fig. 2440 = Roscher Myth. Lex. I 1175.

Schalen halten sie gelagert auf Terracotten aus Tarent, Arch. Jahrb. 1887, 201 Abb. Röm. Mitt. XV 7ff.

Θαλάμαι τόποι ἱεροὶ Δισκούρων ὡς Αἴλιος Διονύσιος, Ael. Dion. lex. p. 170 Schw. (Eustath. 906, 48 = Phot. Lex. Hesych.).

Flügel haben beide oder einer der D. auf einigen etruskischen Spiegeln, Gerhard I Taf. 52–54. Arch. Ztg. 1865, 124. Das beweist nichts, am wenigsten für griechische Vorstellung, vgl. jedoch Hom. Hymn. XXXIII 13, die D. ξουθῂσι πτερύγεσσι δι’ αἰθέρος ἀΐξαντες.

Stlengis in Tarent häufig, Röm. Mitt. XV 7ff., andere agonistische Geräte ebd. 30.

Fackeln ebd. 22.

§ 13. Feste und Opfer. Über ihre Hauptfeste Διοσκούρεια (Delphi, Boiotien?, Kyrene), Ἀνάκεια (Athen, Argos) – aus Lakonien (CIG 1444 spät), Messenien und den übrigen Landschaften sind die alten Namen unbekannt – wissen wir fast nichts. Nur ist aus Philochoros FHG I 410 bei Athen. VI 235 B ein Satz von der Stele im Anakeion zu Athen auf die Ἀνάκεια zu beziehen; von den beiden auserwählten Rindern soll 1/3 εἰς τὸν ἀγῶνα (vgl. Agone der D. in Sparta), 1/3 für den Priester, 1/3 für die παράσιτοι sein (also Theoxenia s. u., vgl. Deneken 23). Ferner wurden sie in Lakedaimon durch Tänze und Agone gefeiert, Plat. leg. VII 796 B. CIG 1444 römischer Zeit nennt eine Priesterin und ἀγωνοθέτις τῶν σεμνοτάτων Διοσκουρείων. Aus Paus. IV 27, 2 ist immerhin zu entnehmen, dass ihr Fest auch im Feldlager von den Spartanern gefeiert wurde. Dagegen wissen wir durch Deneken De theoxeniis, Berl. Diss. 1881, 1ff. über die weite Verbreitung dieser besonders den D. dargebrachten Götterspeisung, auf Tischen angerichtet, zu der sie auf die bereiteten Sophas eingeladen wurden. Dieser sehr altertümliche Brauch hat sich besonders als Familiencult zum Teil lange erhalten, wurde aber auch von Staaten acceptiert und nach Rom übertragen vielfach ausgeübt, vgl. Theoxenia und Lectisternia.

Den D. werden ξένια oder θεοξένια gefeiert: in Akragas, Pind. Ol. III 39f.: Theron und sein Geschlecht, die Ἐμμενίδαι, πλεισταῖσι βροτῶν ξεινίαις αὐτοὺς (τοὺς Τυνδαρίδας) ἐποίχονται τραπέζαις. in Sparta: Eurip. Hel. 1667 wird der Helena eröffnet θεὸς κεκλήσει καὶ Διοσκόρων μέτα σπονδῶν μεθέξεις ξένιά τ’ ἀνθρώπων πάρα. Die Listen der Gespeisten (Priesterfamilie der D., Nachkommen des Σιδέκτας, der die D. bei sich aufgenommen hatte, hohe Beamte und Männer des Volks) öfters mit den Bildern der D. und der Helena(?), gesammelt und erklärt von Deneken 15–24. Vgl. Rud. Münsterberg Züricher Diss. 1890. Furtwängler S.-Ber. Akad. Münch. 1897, 401ff.; ferner CIG 1444, dazu Preller-Plew Griech. Myth. II 100, 1. S. Wide Lak. Culte 310f. 324 mit Anm. 3. Petersen Röm. Mitt. XV 39. In Athen lud der Staat die D. zu ξένια an seinen Herd ins Prytaneion (vgl. Schoell Herm. VI 15ff.); Athen. IV 137 E aus einer alten, dem Chionides zugeschriebenen Komoedie Πτωχοί, beschreibt [1110] das ihnen vorgesetzte Frühstück, bestehend aus Käse, Mehlkuchen, reifen Oliven, Schnittlauch. D. auf Rossen zu den ξένια (Kline) eilend auf einer attischen Lekythos bei Froehner Deux peintures de vases Gr. = Roscher Myth. Lex. I 1170. Ebenso auf Tarentiner Votivtafeln, Röm. Mitt. XV 24. 27 die D. zu Tische liegend. In Kroton: Suid. s. Φορμίων. Die italischen Lokrer, in Sparta an die Hülfe der D. gewiesen, bereiten diesen auf dem Schiffe eine κλίνη und ξένια, die D. helfen ihnen dafür in der Schlacht an der Sagra, Diod. VIII 32. In Paros θεοξένια vom Polemarchen besorgt, CIG add. 2374 e. In Thessalien: Polyaen. strat. VI 1, 3, Theoxenien von Iason von Pherai veranstaltet; Relief aus Larissa bei Heuzey Macéd. Taf. 25, 1 = Conze Wien. Vorlegebl. IV Taf. 9, 2. Bakchylides frg. 28 Bgk.4 bei Athen. XI 500 B rief die D. zu ξένια in einem Liede. In Tenos ein κοινὸν δῶν θεοξενιαστῶν CIG 2388.

Schifferopfer in Sturmesnot: weisse Lämmer, Hymn. Hom. XXXIII 10.

Vereine zur Verehrung der D.: τὸ κοινὸν τῶν Διοσκουριαστᾶν in Kedreai am keraunischen Meerbusen im südlichen Kleinasien, Bull. hell. X 424, 2 = Athen. Mitt. XV 441; τὸ κοινὸν τῶν Διοσκόρων Arch.-epigr. Mitt. 1895, 112 nr. 19; ἡ Διοσκουρίτων συμβίωσις Inschrift v. Pergamon 321, von Ziebarth Griech. Vereine 122 vielmehr auf Männer von Dioskurias gedeutet.

§ 14. Festzeit. Sie ist unbekannt, nur dürfte wohl aus der romanhaften Geschichte bei Paus. IV 27, 2 geschlossen werden, dass sie in den Sommer fiel, da die Spartaner ihr Fest im Feldlager feiern. Nur vom Tempel der D., vielmehr Kastors, in Rom ist das Datum der Weihung bekannt, 27. Januar, dieser Tag war den D. heilig, Ovid. fast. I 705. Am selben Tage ihnen ludi Ostienses gefeiert, vgl. Mommsen CIL I² p, 308. Am 15. Juli fand die Parade der Ritterschaft statt (transvectio und probatio equitum), 304 v. Chr. endgültig geordnet, sie wird an das Datum des Sieges am See Regillus geknüpft, Dion. Hal. VI 13. Liv. IX 46. Val. Max. II 2, 9. CIL I² index. Vgl. A. Mommsens Combinationen Philol. XI 706 und Jahrb. f. Philol. Suppl. III 355, die sicher unrichtig sind, insoweit sie vor dem 3. Jhdt. mit der Identification des Sternbildes der Δίδυμοι mit den D. operieren.

§ 15. Deutung der D. und Verwandtschaft mit den Aṣvins. Die D., besser ,Herren‘ stellen sich in griechischer Anschauung als ein freundlich helfendes, unzertrennliches männliches Götterpaar dar, zunächst ohne jede bestimmtere Auffassung und deshalb sehr verschieden ausgebildet. Ursprünglich ist ihnen das Lichte, das in ihrer altertümlichen Gestalt als λευκὼ πώλω erscheint und in ihrer späteren Ausbildung besonders zu Seefahrtsgöttern festgehalten ist.

Oft ist als besonders charakteristisch für die D. hervorgehoben ihr Wechsel zwischen Licht und Dunkel, Tod und Leben. Die Quelle sämtlicher Belege für die Vorstellung, dass die D. einen Tag droben, den andern unter der Erde hausen (Hom. Od. XI 302f. Pind. Nem. X 103ff. 164f.; Pyth. XI 94; vgl. Eurip. Helen. 138. Lycophr. 565), ist das Epos der Kyprien, s. § 6 und § 19. Ob ihr Dichter damit nur disparate Vorstellungen [1111] der D. vereinigen wollte oder irgend einem Volksglauben einen anschaulichen Ausdruck gab, ist schwer entscheidbar, vgl. § 4 und § 16. Jedenfalls bestand neben dem Glauben, dass sie als lichte Rosse oder auf solchen reitend daher sprengten, auch der, dass sie in Therapne bei Sparta unter der Erde lebten, Alkman frg. 5. Hom. Od. XI 301; Il. III 243. Da ferner die D. auch auf schwarzen Rossen, oder in einem und demselben Bilde der eine auf weissem, der andere auf schwarzem erscheint, oder auch der eine mit weissem Pileus, der andere mit dunklem (Nachweise § 4 a. E.), und da der Schifferglaube sie vorzüglich bei Nacht hülfreich glaubte und ihnen Sterne als Symbol gab, so ergiebt sich in der That die Wahrscheinlichkeit, dass die D. nach griechischer Vorstellung zwischen Hell und Dunkel vermittelnd standen.

Die vergleichende Mythologie hat sie mit den indischen Aṣvins zusammengestellt, die bei Sonnenaufgang angerufen wurden, also Lichtgötter waren, auf Rossen und als Helfer aus Meeresnot, als Ärzte, als Schützer der Frauen, Schwachen und Verfolgten gedacht wurden, Oldenberg Religion des Veda 50. 207–215. Das alles stimmt überraschend überein. Auch der Unterschied, dass jene Rettung ohne Kampf, der dem Indra vorbehalten ist, bringen, stimmt wohl zu dem ursprünglichen Wesen der griechischen D., die nur durch ihre Verbindung mit Rossen kriegerisch ausgebildet sind; bei ihren Rettungen weder aus Sturmesnot noch von Krankheit haben die Griechen an Kampf gedacht. Da ganz selbständige Entstehung und Entwicklung bei solcher Gleichheit nicht wohl denkbar erscheint, dürfte die Identification notwendig sein, umsomehr als auch bei den Kelten und Germanen ein männliches Götterpaar verehrt wurde, das Timaios bei Diod. IV 56 und Tac. Germ. 43 mit den D. gleichsetzten. Mannhardt Ethnol. Ztschr. VII 309ff. vergleicht auch die lettischen Gottessöhne dêwa deli. Vgl. auch Andrew-Lang Mythol., franz. Übers. 172f. Zu weit und verschwommen über göttliche Zwillinge Hartung Relig. u. Myth. der Griech. IV 87ff. Dagegen ist die Deutung auf Abend- und Morgenstern haltlos (Welcker Götterlehre I 606ff.), schon weil sie der am meisten charakteristischen Eigenschaft der D., ihrer Untrennbarkeit, aufs schärfste widersprechen. Vgl. v. Wilamowitz Eurip. Herakl.² XIV. Weitere Deutungen aus der Mythenvergleichung s. Mannhardt a. a. O. Kuhn Herabkunft des Feuers 25. 126. Myriantheus Ac̣vins oder arische Dioskuren, München 1876.

§ 16. Etymologien ihrer üblichsten Individualnamen (s. § 3) Kastor Polydeukes haben für ersteren noch zu keinem wahrscheinlichen Resultat geführt da der von Pott vermutete Zusammenhang von candor candidus zwar möglich, aber nicht zwingend ist, um so weniger als diese Wurzel bisher im Griechischen noch nicht nachgewiesen wurde. Dagegen hat die von Baunack Mém. de la soc. de ling. V 3 aufgestellte, schon von Schwenck Etym.-myth. Andeut. 1823, 149 (vgl. Lobeck Paralip. 135, 31) vermutete Gleichung Πολυδεύκης = Πολυλεύκης ,Glanzreich‘ viel Wahrscheinlichkeit. Wackernagel vergleicht Δευκαλίων = Δεθκαρίων (Reitzenstein Philol. LV [1112] 195) aus der Grundform *Λευκαλίων verschieden dissimiliert. Vgl. Lewy Indogerm. Forsch. II 445; Semit. Fremdw. 174. Wackernagel weist noch auf eine andere mögliche Etymologie hin von δευκ-, δυκ- vgl. homerisch ἐνδυκέως. Hesych. δεύκει· φροντίζει, also πολυδεύκης = ,vielsorgend‘. Die Deutung Πολυδεύκης ,der ganz Süsse‘ beruhe nur auf Nikanders δευκής ,süss‘ und dem unbelegten δεῦκος .Süssigkeit‘, das nach Schol. Nicand. Ther. 625 aitolisch sein soll; doch seien vielleicht beide Worte aus falsch gedeutetem homerischen ἀδευκής herausgesponnen.

B. Die Dioskuren in den Sagen. § 17. Geschlecht. Das unzertrennliche göttliche Zwillingspaar scheint ursprünglich ganz isoliert gestanden zu haben, wie das ihrem unbestimmten Wesen entspricht. Nur so konnte es geschehen, dass sie zu Söhnen des Zeus Διὸς κοῦροι, des Tindareos Τινδαρίδαι, des Aphareus (Poseidon) Ἀφαρητίδαι, des Poseidon-Aktor Molioniden wurden. Auch ihre Cultnamen in Athen und Argos Ἄνακ(τ)ες und in Theben λευκὼ πώλω beweisen es. Dass der Zusatz Διός secundär ist, zeigt Ibykos frg. 16 Bgk.⁴, λευκίππους κόρους Μολιόνας. Über die verschiedene Einordnung in den gentilicischen Götter- und Heroenverband s. unter Amphion, Zethos, Aphareus, Aktor. In Lakonien, Messenien sind die D. Τι(υ)νδαρίδαι Söhne des Τι(υ)νδάρεως, des Zerschmetterers, und der Leda geworden, Hom. Od. XI 298; nur Leda genannt: Il. III 236. Pind. Ol. III 61. Da der Göttername Τινδάρεως im weiteren Griechenland nicht üblich und unverständlich war, Leda aber als Gattin des Zeus bekannt blieb und auch die Verbindung des Zwillingspaares mit Zeus (Thera, Kyrene, Boiotien, Phokis, Hesiod. in Schol. Pind. Nem. X 150) Bestand behielt, so wurden von den Dichtern die beiden Väter naiv nebeneinander gestellt, wie auch bei Herakles, Theseus, Bellerophon u. s. w., Hom. Hymn. 33 Τινδαρίδαι οἳ Ζηνὸς Ὀλυμπίου ἐξεγένετο. Neben den doppelten Vätern stand eine doppelte Vorstellung von den D. In Lakedaimon walteten die Tindariden unter der Erde in Therapne (Alkman frg. 5. Pind. Nem. X 56. Hom. Od. XI 301), und Gräberculte hatten Kastor Polydeukes einzeln in Therapne, Sparta, Argos, aber es war auch der Glaube an ihr lichtes, rettendes Wesen lebendig. Diese auseinanderstrebenden Anschauungen zu einigen, auch die beiden Väter Tyndareos und Zeus anzubringen, hat der Dichter der Kyprien nach dem Muster des Herakles-Iolaos den Kastor zum sterblichen Sohne des Tyndareos und der Leda, den Polydeukes zum unsterblichen Sohn des Zeus von derselben Frau gemacht, frg. 5, 9 Kink., danach Pind. Nem. X 73ff. Apollod. bibl. III 10, 7. Hyg. fab. 77; vgl. o. § 4. Als Geburtsstätte der D. geben Hom. Hymn. XXXIII 4f. XVI 3f. wohl nach sehr altem Glauben den Taygetos an, auf dem Zeus die Leda heimgesucht habe; Hymn. XVI 3 fügt hinzu ,heimlich‘. Schon aus Alkman frg. 14 ist das Inselchen vor Pephnos bei Thalamai am Südwestfuss des Taygetos als Geburtsort belegt, auch Pellana muss dafür gelten, da Paus. III 26, 2 die contaminierte Sage giebt. Hermes habe die bei Pephnos geborenen D. nach Pellana gebracht, wo sie aufgezogen seien.

Die genealogischen Zusammenhänge des Tyndareos und der Leda verknüpften naturgemäss [1113] auch die D. Kastor Polydeukes mit weiteren, besonders mit Helena, der Tochter Ledas und des Zeus (Hom. Il. III 426; Od. IV 184. 219), s. u. § 20. Die Gehurt aus dem Ei wird in unserer älteren Überlieferung nur von Helena, nicht von Kastor Polydeukes berichtet, Kyprien frg. 6 Kink. Lycophr. 88; attische Vasen des 5./4. Jhdts. zeigen die D. neben Leda, wie sie das Ei findet, Kékulé Bonn. Festschr. f. arch. Inst. 1879, 7ff., vgl. Darstellung auf etruskischen Spiegeln bei Gerhard-Koerte V Taf. 77, vgl. 75. Eratosth. Catast. p. 142 Robert. Apollod. bibl. III 10, 7. Paus. I 33, 8. Es findet sich aber auch die Tradition, dass auch die D. aus dem Ei geschlüpft seien, Schol. Lycophr. 88. Schol. Kallim. h. Dian. 232. Schol. Hom. Od. XI 298. Auson. epitaph. 56. Lykophrons Anspielung (v. 506) auf die von den D. als Hüte (πῖλοι) gebrauchten Eierschalen zeigt, dass diese Sage nicht jung ist. Sie dürfte vielmehr den unzertrennlichen Götterzwillingen eigentümlich sein. Denn es ist diese Sage nicht nur der deutlichste Ausdruck der engsten Zusammengehörigkeit (vgl. die δόκανα), sondern wir finden sie auch bei dem elischen Paare, den Molioniden, die nach Ibykos frg. 16 aus einem silbernen Ei geboren sind.

§ 18. Frauen und Nachkommen. Als Frauen waren den D. durch lakonisch-argivische Sage und Cult die Leukippiden gesellt Φοίβη und Ἱλάρεια, s. § 19 und § 10 unter Helios. Sie waren mit den D. dargestellt in kostbaren Statuen von Dipoinos und Skyllis im D.-Tempel zu Argos, Paus. II 22, 5. Vgl. Gerhard Etruskische Spiegel, Taf. CCLXXVII 1. Arch. Anz. 1898, 196. Natürlich gebaren sie ihnen auch Söhne; Ἄναξις und Μνασίνους waren ihre Namen in Argos, wo sie mit ihren Eltern in der eben erwähnten archaischen Tempelgruppe standen. Am amyklaeischen Thron sah man sie als Reiter, Paus. III 18, 13. Auch in Athen im Ἀνάκειον waren sie nach Paus. Ι 18, 1 und zwar zu Pferde neben den stehenden D. dargestellt. Bei Apollod. bibl. III § 134 heissen sie Ἀνώγων und Μνησίλεως.

Das ursprüngliche Wesen des göttlichen Zwillingspaares scheint mir ihre Verbindung wie mit Eltern, so auch mit Kindern auszuschliessen, wie diese denn auch als wesenlose Wiederholung des väterlichen D.-Paares erkannt sind, ähnlich Amphilochos des Amphiaraos Sohn, vgl. Preller-Plew Griech. Myth. II 98.

In Argos leitet sich von den D. ein Geschlecht ab, das ihren Cult pflegt, CIG 1124, doch steht daneben das Geschlecht des Pamphaes, der die D. zuerst in Argos aufgenommen, Pind. Nem. X 49, wie in Sparta das des Σιδέκτας ( = Götterwirt), s. o. § 13 und Deneken De theoxeniis 15ff.

§ 19. Dioskuren und Apharetiden. a) Veranlassung des Streites. Grundlegend hat über diese Sage gehandelt Wentzel Ἐπικλήσεις (Göttingen 1890) V 18–25. Danach sind drei Versionen zu unterscheiden. Für die älteste weil roheste halte ich die in Ps.-Apollod. bibl. III § 135 Wagn. (vgl. Paus. IV 3, 1) erhaltene: die D. rauben gemeinsam mit den Söhnen des Aphareus, Idas und Lynkeus, Rinder aus Arkadien. Idas, mit Teilung der Beute beauftragt, zerschneidet ein Rind in vier Teile und erklärt, die Hälfte der Beute soll dem gehören, der zuerst sein Rinderviertel aufgefressen [1114] habe, dem zweiten der Rest. Rasch verschlingt nun Idas seinen Teil und noch den des Bruders und treibt mit ihm die ganze Beute davon nach Messenien. Die D. fallen in Messenien ein, treiben diese und viele andere Beute zusammen. Es folgt ihre Entdeckung, Kampf und Tod. Dargestellt ist der gemeinsame Rinderraub auf einer Tuffmetope des Sekyonierschatzhauses zu Delphi aus der ersten Hälfte des 6. Jhdts.: zur Seite der Rinder schreiten gleichmässig hintereinander, inschriftlich benannt, Kastor, Idas, der dritte Name Polydeukes und Lynkeus der vierte selbst mit seinem Namen sind weggebrochen, Bull. hell. XX 1896 Taf. 11, 1; vgl. 661f. – Eine zweite Version veranlasst den Kampf der beiden Brüderpaare durch den Streit um die von beiden umworbenen Töchter des Leukippos (Leukippiden). Sie waren mit den Apharetiden, ihren Vettern, verlobt, werden aber von den D. geraubt. Litterarisch erst spät bezeugt war diese Sagenform schon dargestellt von Polygnot im Ἀνάκειον zu Athen (Paus. I 18, 1 γάμον τῶν θυγατέρων τῶν Λευκίππου), wohl ähnlich dem von Polygnot abhängigen Relief des Heroon zu Gjölbaschi-Trysa (Benndorf Taf. 17); hier werden die Mädchen aus der Hochzeitsfeier selbst von den D. geraubt. Ebenso Schol. Pind. Nem. X 112. Vielleicht auch auf dem Südfriese des Schatzhauses ,der Knidier‘ nach Homolle Bull. hell. XX 586 (?). Einfach den Raub ohne nähere Umstände geben Hyg. fab. 80 (Phoebe sacerdos Minervae). Ovid. fast. V 699. Theokr. XXII neuert: er erzählt zwar den Raub der Leukippiden (ἀναρπάξαντε φερέτην), lässt aber 149f. den Lynkeus sagen, die D. hätten ihm und seinem Bruder, den Verlobten, durch bestechende Geschenke an Leukippos die Heirat nach langem Werben (152ff.) gestohlen. Die dritte Version ist von dem die mutterländischen Sagen reichlich verwertenden und vielfach contaminierenden Dichter der Kyprien (Procli Excerpt.; frg. 5. 7. 9) durch nicht ungeschickte Verschmelzung der beiden genannten, also älteren Versionen hergestellt worden. Wentzel a. a. O. hat den gelungenen Nachweis geführt, dass auch Lycophr. 535–566 (dazu Schol. 548 p. 120, 26 Kink.) genau diesem Epos folge, wie Pindars (Nem. X 110ff.) Abhängigkeit von den Kyprien schon das Scholion Nem. X 114 bemerkt. Die Geschichte war in den Kyprien in die Erzählung von des Paris Fahrt nach Sparta und Helenaraub eingeschoben, um das Fernbleiben der D. vom troischen Kriege zu motivieren. Paris wird, ehe er zu Menelaos kommt, von den D. bewirtet. Bei dem Mahl verhöhnen die anwesenden Idas und Lynkeus die Wirte, weil sie ohne Brautgeschenke dem Leukippos die Töchter entführt. Erzürnt rauben die D. den Apharetiden Rinder, um diese dem Leukippos zu geben. Jene verfolgen, ereilen die D., und es entspinnt sich der Kampf. Diese Sagenform erscheint auf attischen Vasenbildern: die Leukippiden werden vom Spiel fort aus einem heiligen Bezirk geraubt von den D. (Midiasvase Gerhard Abh. Akad. Berl. 1839. Mon. d. Inst. XII Taf. 16. Arch. Ztg. X Taf. 41. Ἐφημ. ἀρχ. 1885 Taf. 5) und Sarkophagen (Arch. Ztg. X Taf. 41, 1. 2; ferner Taf. 40, 3 Wissowa IV,1 330 b1.jpg Gal. Giust. II 138 Wissowa IV,1 330 b1.jpg Mus. P. Clem. 1~V 44 Wissowa IV,1 330 b1.jpg Winckelmann Mon. in. 41), vgl. Wentzel a. a. O. 24f. Koerte Urne Etrusche [1115] II Taf. 37. 38, wo die Leukippiden kleine Idole in den Armen halten.

b) Der Kampf. Lynkeus erspäht vom Taygetos mit seinen alles durchdringenden Augen in einer hohlen Eiche die beiden D. (Kyprien frg. 9; nur den Kastor Pind. Nem. X 116; vgl. Aristarch im Schol. zu v. 114), und Idas tötet den Kastor durch die Rinde hindurchstossend (Pindar, Lykophron). Polydeukes verfolgt die darauf fliehenden Apharetiden. An einem Grabmal (Ἀμυκλαίων τάφων Lycophr. 559, τύμβῳ πατρωΐῳ Pind. Nem. X 122, vgl. Theocr. XXII 141. 199 σῆμα πατρός. 207 στήλην Ἀφαρηΐου), dessen Stele (ἄγαλμ’ Ἀΐδα ξεστὸν πέτρον Pind. 125) sie auf ihn werfen, erschlägt er den Lynkeus, ein Blitzstrahl tötet den Idas. So Pindar. Nach Lycophr. 556 und Apollod. bibl. III § 136 (vgl. Theocr. XXII 199) fällt Lynkeus schon bevor das Grabmal erreicht ist. Ungenau, Proklos Λυγκεὺς δὲ καὶ Ἴδας ὑπὸ Πολυδεύκους (ἀναιροῦνται), da die Kyprien sicher wie Pindar und Lykophron erzählten. Apollod. III § 136 abweichend, doch offenbar nach alter Überlieferung: Πολυδεύκης . . τὸν Ἴδαν διώκων, βληθεὶς ὑπ’ ἐκείνου πέτρᾳ κατὰ τῆς κεφαλῆς πίπτει σκοθωτηείς. καὶ Ζεὺς Ἴδαν κεραυνοῖ. Vgl. Ovid. fast. V 713f. Hygin. fab. 80, vielleicht nach Versionen, die von Theokrit XXII (s. u.) beeinflusst sind, lässt den Lynkeus im Zweikampf mit Kastor fallen, und den Idas, der bei Beerdigung des Bruders mit Kastor in Streit gerät, diesen töten. Darauf tötet Polydeukes den Idas. Polydeukes, unsterblich als echter Sohn des Zeus, erhält vom Vater, der zu ihm tritt, die Wahl, ob er ganz mit den Göttern auf dem Olymp leben wolle, oder mit dem vom sterblichen Tyndareos gezeugten und gestorbenen Bruder Tod und Leben teilen und mit ihm halb unter der Erde, halb in des Himmels goldenem Hause wohnen wolle; er wählt ohne Zögern dies. So Pind. Nem. X 73–90 = Lycophr. 564–566 also aus den Kyprien (vgl. frg. 5 und Proklos). Ovid. fast. V 715ff. Apollod. bibl. III § 137. Hyg. fab. 80.

Theocr. XXII 135ff. hat die Sage dem Zwecke seines Hymnus gemäss umgebildet; er lässt auf Aufforderung des Lynkeus diesen um die Leukippiden allein mit Kastor kämpfen; den getöteten Bruder sucht Idas, der, am Grabe des Aphareus gelagert, dem Zweikampf zuschaut, sogleich durch den Wurf der Stele zu rächen, aber Zeus verhindert den Wurf und blitzt den Idas nieder; beide D. gehen unverwundet aus dem Kampfe hervor; vgl. Ovid. fast. V 707ff. Hyg. fab. 80.

Ganz singulär Castur (etruskische Beischrift) vom Pfeil im Nacken getroffen zusammensinkend auf einem feinen Scarabaeus 5. Jhdts. in Berlin, Furtwängler Ant. Gemmen Taf. XVII 36, wenn durch diesen Namen wirklich Hinweis auf eine Sage bezweckt ist. vgl. Taf. XVII und Furtwängler a. a. O. III S. 207.

Der Ort des Kampfes lag nach den Kyprien in Lakonien (Wentzel a. a. O. 25), wenn wirklich Lykophron auch darin den Kyprien folgt, dass er 559 Amyklai und 550 den Fluss Κνηκίων nennt, der in Spartas unmittelbarster Nähe fliesst (vgl. die altspartanische Rhetra bei Plut. Lykurg, 6). Demnach hätte das Grab des Aphareus, an dem sie nach den Kyprien kämpften (Pind. Nem. X 65. Theocr. XXII 141. 199. 207), [1116] ebendort gelegen. Jedenfalls entsprechen diese Angaben der spartanischen Überlieferung selbst. Denn in Sparta stand das μνῆμα des Vaters Aphareus in den ἀρχαῖα Ἐφορεῖα (Paus. III 11, 11), und ein am Δρόμος zu Sparta stehendes τρόπαιον wurde auf den Sieg des Polydeukes über Lynkeus bezogen (Paus. III 14, 7), und wenn Pausanias hinzusetzt: ,auch dies bestätigt mir die Wahrscheinlichkeit, dass die Söhne des Aphareus nicht in Sparta begraben seien‘, so ist daran nur bemerkenswert, dass ihm die Überlieferung vorlag, auch die Apharetiden seien in Sparta begraben. Lakonisches Local denkt auch wohl Theocr. XXII. Auch Ovid. fast. V 708 giebt offenbar das lakonische Aphidna aus gelehrter Tradition, wie Steph. Byz. beweist Ἄφιδνα· εστθ ξαὶ τῆς ακωνικῆς, ὅθεν ἦσαν αἱ Λευκιππίδες u. s. w.

Gedeutet ist die Sage historisch auf die Kämpfe der Spartaner (D.) und der Messenier (Apharetiden), Preller-Plew II³ 97, vgl. v. Wilamowitz Isyllos 55. Aber wenn auch Aphareus Eponym von der südmessenischen Stadt Pherai ist (Steph. Byz.s. Φαραί v. Wilamowitz a. a. O.),so schliesst doch die Idealisierung des Kampfes in unmittelbarster Nähe Spartas diese Deutung absolut aus. Sie empfiehlt vielmehr, wie auch das hohe Alter der Sage, das hoch über die Kyprien, also sicher ins 8., 9. Jhdt. hinaufreicht, die Annahme, dass hier ältere Kämpfe sich widerspiegeln, die wahrscheinlich so wenig wie die D. selbst mit den Dorern irgend eine Berührung haben.

Auch als Naturmythos ist die Sage aufgefasst worden; Mannhardt (Ethnol. Ztschr. 1875, 312 sah in Idas und Lynkeus Personification der Zeit, in der man wieder deutlich zu sehen beginnt, Kuhn (Herabkunft des Feuers 25. 126) im hohlen Baum des Kastor den Nachthimmel; Myriantheus (Ac̣vins 90) weist darauf hin, dass die Aṣvins die Sonne aus dem Baum befreien.

§ 20. Die Dioskuren und die Hippokoontiden. Auch zu den Hippokoontiden, die nach ihrer Abstammung und dem Zeugnis ihrer Culte in Sparta (Paus. III 14, 6. 15, 1) altlakonische Heroen sind, waren die D. in feindliche Beziehung gesetzt von Sagen, die fast ganz verschollen sind. Das im Papyros des Louvre erhaltene Fragment 23 des Jungfrauenliedes Alkmans zeigt nur noch, dass von Polydeukes und den Söhnen des Hippokoon gesungen war. Vgl. Diels Herm. XXXI 1896, 341f. Ihre Feindschaft wäre nach späterer Sage, in der Herakles die Hippokoontiden züchtigt, durch Streit um die Herrschaft zwischen den Vätern zu motivieren. Eine andere Motivierung hat Euphorion frg. 22 b sicher aus alter Überlieferung angedeutet, indem er sie ἀντιμνηστῆρες τῶν Διοσκούρων nannte (Schol. Clem. Alex. Protrep. 107 Klotz).

§ 21. Die Dioskuren und Helena, Parisraub. Die Verbindung der D. mit Helena zu Geschwistern ist schwerlich alt und wohl zufällig durch locale Berührung in Lakedaimon entstanden, wo diese wie jene als Kinder des Zeus Tyndareos galten. In Attika, wo doch der Cult der D. als Ἄνακε gewiss so alt als in Lakedaimon war und in Rhamnus Nemesis als Mutter und Helena als ihre Tochter festsitzt, sind sie lange nicht in das geschwisterliche Verhältnis getreten; noch im 5. und 4. Jhdt. stellen attische [1117] Vasen die D. neben Leda vor dem Helena-Ei dar (Kékulé Festschrift d. Bonn. Univers. f. das arch. Inst. 1879, 7ff.). Auch in Lakonien ist die Geschwisterschaft der D. und der Helena verhältnismässig jung; denn hätte sie schon zur Zeit der Entstehung der Sage von Helenas Entführung durch Alexandros bestanden, so würden die D. im troischen Kriege eine Rolle spielen. Das wird noch bekräftigt durch die Thatsache, dass, nachdem die D. und Helena als Geschwister anerkannt und durchgedrungen waren, das Fehlen der D. unter den Griechenhelden vor Troia so lebhaft empfunden wurde, dass man es motivieren zu müssen glaubte. So war es in den Kyprien, die die D. überhaupt lebhaft hervorhoben (frg. 5. 6. 7. 9 Kink.), dadurch erklärt, dass sie gerade zur Zeit des Parisraubes ihren Tod im Strausse mit den Apharetiden fanden (Procl. Kyprienexcerpt p. 239, 12–16 in Mythogr. Gr. I Wagner, vgl. frg. 7, 9 Kink.), und Hom. Il. III 236–244 wird entsprechend das Fehlen der D. vor Troia dadurch erklärt, dass τοὺς ἤδη κάτεχεν φυσίζοος αἶα ἐν Λακεδαίμονι.

Im Berliner Papyrusfragment der hesiodischen Kataloge (S.-Ber. Akad. Berl. 1900, 839ff.) spielen Kastor Polydeukes bei der Werbung um Helena eine grosse Rolle, v. 13. 27. 31; das Gedicht ist jung (s. v. Wilamowitz a. a. O. 842) und von den Kyrprien abhängig. Ganz allein steht meines Wissens die Notiz bei Steph. Byz. s. Διοσκούρων κώμη Λιβύης, ἐν ᾖ τὸν Πάριν ἐπιδιώξαντες ἥρπασαν τὴν Ἑλένην οἱ Διόσκουροι ἣν (fehlt in mehreren Hss., καὶ ἐν Holstenius ᾤκησαν. Liegt hier vielleicht eine Weiterbildung der merkwürdigen von Stesichoros und Euripides behandelten Sage vor, dass Paris nur ein Trugbild Helenas nach Troia gebracht habe, sie selbst aber in Ägypten bewahrt sei?

§ 22. Dioskuren und Helenaraub des Theseus. Dagegen erscheinen die D. wirkliche als Schützer und Rächer der Helena in der Sage von ihrem Raube durch Theseus und Peirithoos. Diesen Raub kennt Homer nicht (Schol. Il. VII 392. XIII 626. Lehrs Aristarch 185), doch wurde er bereits von Alkman besungen frg. 13 und war Gegenstand der archaischen Kunst, z. B. am amyklaeischen Thron des Ioniers Bathykles (Paus. III 18, 15), sf. attischen Vasen (Gerhard A. V. III 168); Helenas Rettung am Kypseloskasten (Paus. V 19, 3). Die Sage liegt nur in einer Form vor: Helena aus Lakonien von Theseus und Peirithoos geraubt, fällt dem Theseus zu, der sie seiner Mutter Aithra übergiebt; in seiner Abwesenheit holen die D. ihre Schwester zurück und führen Aithra mit, die sie ihr als Sclavin geben und die sie dann mit nach Troia nimmt; vgl. Wentzel (s. § 19) a. a. O. 20f. 23. 58. Nur in der Angabe des Ortes, wo Helena von Theseus geborgen wird, differieren die Angaben. Sie nennen meist Aphidna in Attika. Alkman frg. 13 und Pind. frg. 258Bgk.⁴ bei Paus. I 41, 4. Herodot IX 73. Hellanic. frg. 74, der so genau die Chronologie festgestellt hatte, dass er wusste, Theseus sei bei der Entführung 50 Jahre (Plut. Thes. 31). Helena 7 Jahre (Schol. Lycophr. 513) alt gewesen. Isokr. X 19. Schol. Il. III 242 A D (ἡ ἱστορία παρὰ τοῖς Πολεμωνίοις ἥ τοῖς κυκλικοῖς καὶ ἀπὸ μέρους παρὰ Ἀλκμᾶνιτῷ λυρικῷ). Schol. Il. III 144. Apollod. bibl. III [1118] § 128 Wagn. Diod. IV 63, 3. Hyg. fab. 79. Strab. IX 396. Plut. Thes. 31ff. aus Istros (Wellmann De Istro Callim. 24). Mehrfach ist statt Ἄφιδνα überliefert Ἀθῆναι, so Paus. V 19, 3 bei der Inschrift der Darstellung von Helena zwischen den D. und zu ihren Füssen Aithra auf der Kypseloslade. Allmählich ist so Athen später für Aphidna eingetreten, z. B. bei Dio Prus. or. XI p. 126, 26ff. v. Arnim. Ἐφημ. ἀρχ. 1884 πίναξ 5. Schol. Germ. Arat. 147 p. 127 Br. Diodor vereinigt beides IV 63. Nur einmal wird Trozen genannt (Schol. Apoll. Rhod. I 101 p. 309, 3 K.; vgl. Istros bei Plut. Thes. 34 s. f.). Offenbar aber liegt in der Angabe Trozen alte echte Überlieferung vor, vgl. Dümmler bei Studniczka Kyrene 194ff. Denn Aithra (s. d.) ist -mit Trozen durch den Cultus unlöslich verbunden (Paus. II 33, 1, s. Aithra), und ebenso fest sitzt Theseus in Trozen; die Zusammengehörigkeit von Aithra und Helena aber war so zäh, dass sie selbst noch in der homerischen Troiasage unzertrennlich geblieben sind (Il. III 144. Iliupersis frg. 3 Kink.). Dazu bestätigen noch zwei Cultlegenden dieser Gegend, dass hier Helena und ihr Verhältnis zu Theseus sehr alt ist; den Tempel der Ἀφροδίτη Νυμφία zwischen Trozen und Hermione soll Theseus gegründet haben, als er Helena zum Weibe nahm, Paus. II 32, 7, und das Heiligtum der Eleithyia in Argos (neben dem Tempel der D., vielmehr der Ἄνακτες) soll eine Stiftung Helenas sein, die hier von Theseus die Iphigeneia geboren habe, Paus. II 22, 6 (so Stesichoros, Alexander Aetolos, Euphorion).

Nicht weniger altehrwürdig ist der andere Ort der Handlung, Aphidna. Im Nordwinkel von Attika, der Diakria, gelegen, in der alte Beziehungen zu Theseus, viel ältere als in Athen selbst, aufzuzeigen sind (z. B. Kampf mit dem marathonischen Stier, andere s. Toepffer Aus der Anomia 40 = Beitr. z. Altert. 156f.), ist Aphidna sowohl Rhamnus benachbart, wo Nemesis, Helenas Mutter, haust (Paus. I 33, 2. 7; vgl. Kyprien frg. 6 Kink.), als auch unfern von Brauron und Aulis, den Stätten des Cultes und der Sagen von Iphigeneia (Eurip. Iph. Taur. 1462), der Tochter Helenas (Hellanikos frg. 74. Paus. II 22, 6, vgl. v. Wilamowitz Herm. XVIII 1883, 259). Zwar Aithra ist in Aphidna sonst nicht nachweisbar, aber ihre Anwesenheit bietet keinen Anstoss, da ihr Sohn hier festsitzt. Über diese Sage von Helena Theseus in Aphidna und ihrer Tochter Iphigeneia in Rhamnus v. Wilamowitz Herm. XVIII 262ff. Wentzel Ἐπιθαλάμιον Gött. 1890, 20–22. Damit ist der Versuch widerlegt, die Sage in das lakonische Aphidna (Steph. Byz.) zu verlegen, Toepffer a. a. O. 36 = 153. Vgl. Kirchner Attica et Peloponnesiaca, Greifswald. Diss. 1890, 60ff., wo Litterarur. dazu Sam Wide Lakon. Culte 321.

Die Sage vom Raube der Helena durch Theseus und ihre enge Verbindung mit Aithra sind sehr alt und echt. Dagegen dürfte der Rachezug der D. eine secundäre Erfindung sein. Denn wären die D. in dieser Sage ursprünglich, so müssten sie notwendig mit Theseus zusammenstossen. Aber davon wusste keine Sage zu erzählen, weder die von Trozen noch die von Aphidna; deshalb wird des Theseus Abwesenheit während Helenas Befreiung durch die D. mit seiner Hadesfahrt motiviert, [1119] s. besonders Paus. I 41, 4 (Alkman frg. 13. Pind. frg. 258). Plut. Thes. 31. Diod. IV 63, 3. Hyg. fab. 79. Ja, als ein später, in attischem Interesse dichtender Epiker (aus Hereas bei Plut. Thes. 32) den Theseus am Kriege um Aphidna teilnehmen liess, musste er, um ihn doch Heldenthaten thun zu lassen, des Theseus Sieg über den Skironsohn Alykos, den er keck zum Bundesgenossen der D. machte, vom Isthmos nach Aphidna verlegen; derselbe hat auch wohl die Überwindung des Megareussohnes Timalkos durch Theseus von Megara nach Aphidna übertragen, s. Paus. I 41, 4, der sie als ,megarische‘ Tradition giebt, aber als unbelegt bezweifelt. Auch ist von Kämpfen der D. mit Localheroen von Trozen oder Attika nichts bekannt, bis auf die Verwundung das Kastor durch Aphidnos. Aber diese Notiz unbekannter Zeit und Herkunft (Schol. Il. III 242) ist bedenklich, da der Verdacht sehr nahe liegt, dass im 5. Jhdt. der Stolz der Athener und ihr Hass gegen die Spartaner eine mühelose Überwindung einer attischen Stadt durch die lakonischen D. nicht zuliess; er wird verstärkt durch die Wahrnehmung, dass der Kampf der D. auch sonst zu Gunsten Athens umgestaltet ist, Schol. Germ. Arat. 147 p. 127 Br. Hyg. poet. astron. II 22. Avien. Arat. 372ff. Aber schon Eurip. Helena 142 σφαγαῖς ἀδελφῆς εἵνεκ’ ἐκπνεῦσαι βίον (τοὺς Διοσκούρους) ist mit Recht auf eben diese attische Sage von ihrem Falle vor Aphidna bezogen worden. Eine naive attische Version ist auch die im Schol. Lycophr. 513 aus Hellanikos (frg. 74) erhaltene, dass Helena den D. δώροις ἀποδοθῆναι τετοκυῖα τὴν Ἰφιγένειαν.

Freilich sind die D. von alters her als Ἄνακε in Attika verehrt worden. Aber die attischen Ἄνακε sind nie Gestalten wie Theseus geworden, sondern stehen durchaus ausserhalb der Heroenkreise. Schwer fällt ins Gewicht, dass keine einzige attische Cultlegende an den Zug der D. nach Aphidna anknüpfte; dass es wirklich keine gab, zeigt die späte schwächliche Erfindung, dass Μenestheus die D. freundlich aufgenommen, ihnen zu Ehren das Ἀνάκειον gestiftet und sie in die eleusinischen Mysterien habe einweihen lassen (Plut. Thes. 23. Aelian. v. h. IV 5). Ebensowenig ist um Trozen oder in Argos eine weitere Beziehung der D. zu Theseus oder dem Helenaraube bekannt. Diese Bedenken vermögen auch die aus dem 5. Jhdt. überlieferten Verbindungen der D. mit attischen Localheroen nicht zu heben. Über Aphidnos-Kastor ist im vorigen Absatz gehandelt. Ferner soll Dekelos aus Hass gegen Theseus die D. nach Aphidna, wo Helena geborgen war, gewiesen und Titakos diese Feste verraten haben (Herodot. IX 73, der hinzusetzt, Dekeleia lebe seitdem in Freundschaft mit den Spartanern, die deshalb auch seine Feldmark im peloponnesischen Kriege nicht zerstört hätten). Nach Dikaiarch bei Plut. Thes. 32 sind mit den D. wider Aphidna aus Arkadien auch Echemos und Marathos gezogen, die Eponymoi der Ἐχεδημία = Ἀκαδήμεια und von Marathon. Was von Dekelos und Titakos berichtet wird, beweist nur die nachbarliche Feindschaft gegen Aphidna, aber nicht, dass der Zug der D. gegen Aphidna alt und echt sei. Und der Anschluss von Echemos und Marathos an die D. ist doch nur eine durchsichtige Erfindung, [1120] um jene aus Arkadien nach Attika zu bringen. Vielmehr können sehr wohl diese localen Züge sich einer späten künstlichen Dichtung, die die D. hier erst einführte, angeschlossen haben. Auch die Freundschaft von Dekeleia und Sparta beweist nichts für die D., sondern sie war eine Thatsache, die durch ein Aition schlecht und recht motiviert werden musste.

Im 7., 6. Jhdt. (Alkman frg. 13. Kypselos-Kasten Paus. V 19, 3. Dio Prus. or. XI [X] p. 127, 4 v. Arnim) sind die D. in der Sage vom Raube der Helena durch Theseus fest. Sie werden schwerlich viel früher eingeführt sein. Es trieb dazu einerseits das Eintreten der D. in die damals sehr lebhafte peloponnesisehe Sagenbildung überhaupt und besonders in die geschwisterliche Verbindung mit Helena, andererseits die Rücksicht auf die vollendete homerische Dichtung: der Raub der Helena durch Theseus und durch Alexandros-Paris, ursprünglich zwei einander ausschliessende Parallelsagen, wurden nun in Einklang gebracht, indem man den Theseusraub vor den troischen Krieg rückte und die Helena dem Theseus entreissen liess, zu welcher Rolle die D. vortreiflich geeignet waren. Es ist mir wahrscheinlich, dass die Kyprien diese Contamination gemacht haben, denn sie haben einerseits das Fehlen der D. beim Parisraube und vor Troia endgültig motiviert (s. o. § 19a), andererseits haben sie die Geschwisterschaft der D. und der Helena betont (frg. 6 Kink.), ferner haben sie die attische Sage von der Abstammung Helenas von der rhamnusischen Nemesis aufgenommen und vielleicht – wenn in Schol. Il. III 242 A D die κυκλικοί von Wentzel Ἐπιθαμάλιον 23 mit Recht auf die Kyprien bezogen sind – auch den Raub der Helena durch Theseus nach Aphidna selbst erzählt (die Verwundung des Kastor durch Aphidnos aus Schol. Il. III 242 den κυκλικοί mit Wentzel zuzusprechen liegt kein Grund vor). Da schon Alkman, Paus. II 41, 4, die durch Zutreten der D. erweiterte Helena-Theseussage kennt, so wird diese erweiterte Sage in einem Epos gestanden haben, und die Kyprien empfehlen sich durch ihre Jugend, wie durch ihre auf die homerische Troiasage hin contaminierende Tendenz.

§ 23. Die Dioskuren und Klytaimestra. Eine Folge der geschwisterlichen Verbindung der D. mit Helena war schliesslich auch die gleiche Verbindung mit Klytaimestra. Diese erscheint zuerst bei Euripides Iphig. Aul. 1153, wo er Klytaimestra erzählen lässt, die D. seien schimmernd auf ihren Rossen herbeigeeilt, um sie zu schützen, als Agamemnon ihren ersten Gatten Tantalos umgebracht und ihr Kind ihr vom Busen gerissen. Vgl. Apollod. bibl. (epit. Sabb.) p. 187, 7 Wagner. Anders Dio Prus. or. XI (X) p. 127, 8 v. Arnim.

§ 24. Die Dioskuren in Sammelsagen. Als Heldenpaar wurden die D., sobald sie in die Heroensage eingeführt waren, natürlich auch den grossen Heldenabenteuern zugesellt, die damals noch nicht feste Gestalt gewonnen hatten – vom thebanischen Krieg der Sieben und der Epigonen wie vom troischen Kriege blieben sie ausgeschlossen – oder ihrer Natur nach Erweiterungen stets gestatteten. a) So sind sie schon früh unter die Wettkämpfer bei den von Akastos veranstalteten [1121] Leichenspielen des Pelias aufgenommen worden: Stesichoros frg. 1 Bgk.⁴, der erzählt, Hermes und Hera hätten ihnen dazu je zwei Rosse geschenkt. Auf der korinthischen Amphora (Berlin 1655 Furtwängler) Mon. d. Inst. X 5 D nur Kastor bezeichnet. Im Anakeion zu Athen waren die D. als Reiter bei diesen Leichenspielen von Mikon dargestellt, Paus. I 18, 1.

b) Als Teilnehmer an der kalydonischen Jagd erscheinen sie bereits im 6. Jhdt. auf attischen Vasen: so die Françoisvase des Klitias und Ergotimos, Mon. d. Inst. IV 54, besser Wien. Vorlgbl. III 1889 Taf. 1, beide bezeichnet; attische Amphora Berlin, Furtwängler nr. 1705 abgeb. Gerhard Etrusk.-campan. Vasenb. X. Mon. d. Inst. XII 10. British Museum II 94 B 124. Auch im Giebel des Tempels zu Tegea von Skopas, Paus. VIII 45, 6: Apollod. bibl. I § 67. Ovid. met. VIII 300. Hyg. fab. 173.

c) Auch Genossen des Iason auf dem Argonautenzuge sind die D., als Helden sowohl wie als Schützer der Schiffahrt. Nach Homolle Bull. hell. XX 1896, 665 (vgl. Taf. 11, 1) auf einer Tuffmetope des Schatzhauses von Sekyon in Delphi (gebaut 1. Hälfte des 6. Jhdts.) sind die D. zu Ross neben der Argo dargestellt. Auf dem Wandgemälde des Mikon (5. Jhdt.) im Ἀνάκειον zu Athen als Argonauten: Paus. I 18, 1. Herodot IV 145 führt ihre Teilnahme am Argonautenzuge als Grund für die Aufnahme der Minyer in Lakedaimon an. Bei Apoll. Rhod. I 146 und der von ihm abhängigen Litteratur, wie Apollodor. bibl. I § 111. Hyg. fab. 14 u. s. w. Diod. IV 43. Ps.-Plut. plac. philos. II 18. Sen. quaest. nat. I 1. Vgl. Paus. III 24, 7: die D. hätten, von Kolchis heimgekehrt, in Las einen Tempel der Ἀθηνᾶ Ἀσία gegründet, und (III 19, 7) im Heiligtum des Ares zwischen Sparta und Therapne ein aus Kolchis mitgebrachtes Bild des Gottes aufgestellt.

Mit dem Argonautenzuge verknüpft ist des Polydeukes Faustkampf mit Amykos: Gerhard A. V. Taf. 153. 154; Ficoronische Ciste; Koerte Etruskische Spiegel V Taf. 90; Urne Etrusche II Taf. 35 a. Theocr. XXII 27ff. Apoll. Rhod. II 1ff. u. s. w. (s. Amykos).

Kastor Polydeukes mit weissen Rossen fangen den ehernen Riesen Talos in ihren Armen auf, den Medea einschläfert: Prachtamphora Arch. Ztg. 1846 Taf. 44 f = Baumeister Denkm. III 1722f. (nach Gräf Hermes XXXVI 102 unteritalischer, nicht attischer Fabrik, Beischrift Πολυδεύκας), auf der Rückseite schwebt Nike auf Kastor-Polydeukes u. s. w. zu. Wie Jessen o. Bd. I S. 784 gezeigt, ist die litterarisch, nicht bezeugte Version dargestellt, dass die D. den Talos überwältigen (sonst Medea).

d) Am Gigantenkampf sind die D. beteiligt auf der attischen Vase um 400, Mon. Grecs p. l’encouragement d. ét. Gr. 1875 Taf. 1, 2 und Ἐφημ. ἀρχ. 1883 Taf. 7.

e( Vereinzelt steht die Sage aus Pherekydes FHG I 93 frg. 92 bei Hesych. s. Εὐρύμας (Εὔρυμος bei Ps.-Plut. = Zenob. cod. L Vind.), dass Polydeukes diesen Eurymas aus Olenos wegen Verleumdung seines Bruders erschlagen habe. Vgl. Ps.-Plut. proverb. I 74 p. 332 Gott. = Zenob., verschlechtert bei Libanios epist. 389, wo Eurymas beim Kastor den Polydeukes verleumdet, von [1122] Kastor gescholten und von Polydeukes erschlagen wird. Ohne Namen bei Plutarch de frat. amore 11 p. 483 C. Vgl. den etruskischen Spiegel Gerhard I Taf. 58: Pollux (Beischrift) hält einen nicht benannten nackten Mann von hinten umklammert, Kastor (Beischrift) eilt von links mit gezücktem Schwert herbei.

f) Versprengt ist auch die Notiz in Schol. Pind. Nem. X 12 zwischen Citaten des Ibykos und Polemon, Diomedes habe Hermione geheiratet und sei mit den D. unsterblich gemacht worden, mit denen er auch zusammen lebe.

C. Die Dioskuren in der Kunst. Furtwänglers Behandlung in Roschers Myth. Lex. I 1173ff. ist den folgenden kurzen Notizen zu Grunde gelegt. Die für Sage und Cult wichtigen Darstellungen sind bereits je an ihrem Ort erwähnt. Thonbilder des Privatcultes in Kindergestalt, die erklären, weshalb mehrfach die Unterscheidung von D. und Kabiren, Daktylen schwierig war, hat Marx Athen. Mitt. X 1885, 81ff. Taf. IV gesammelt aus Kyzikos, Theben, Olympia, nicht älter als das 4. Jhdt.

Archaische Darstellungen selten: Tuffmetope vom Sekyonierschatzhaus in Delphi s. § 19 a, aus der Umgegend von Sparta Athen. Mitt. I 371ff. 313. 316 Taf. 18, 2: sie stehen einander gegenüber nackt, unbärtig, einmal mit Kranz, ein andermal neben den Rossen. Eine Gemme noch strengen Stils 5. Jhdts. zeigt sie (Διοσκοροί) als Knaben mit Mantel beim Knöchelspiel knieend, Furtwängler Gemmen Taf. X 17 = Roscher Myth. Lex. I 1174. Amphora des Exekias Ende 6. Jhdts., Mon. d. Inst II 22: beide nackt, bekränzt, Καστορ führt ein Pferd, Πολυδευκες spielt mit Hund – also Ritter –, Λεδα und Τυνδαρεος. Vgl. Amphora des British Museum vol. II p. 119 B 170.

Auf attischen Vasen des 5. und 4. Jhdts. sind die D. nicht selten, meist mit Chlamys oder Chiton, mit Rossen, öfters mit Petasos, nicht Pilos (O. Jahn Ficor. Ciste 16), z. B. Meidiasvase mit dem Leukippidenraub Wien, Vorlgbl. IV 6, Talosvase Arch. Ztg. 1846 Taf. 44, mit Amykos Gerhard A. V. Taf. 153f. Einweihung der D. in die Mysterien, attischer Krater im British Museum vol. IV 45 F 68, abgeb. Élite céram. III 63 A. D. neben Oidipus und Sphinx im British Museum vol. III 345 E 696. Journ. Hell. Stud. VIII Taf. 81. Polygnot hatte im Anakeion zu Athen den Leukippidenraub gemalt, Paus. I 18, 1. Attisches Votivrelief: Bull. arch. comun. 1887 Taf. V = Daremberg-Saglio II 259 flg. 2443. Die Kolosse vom Monte Cavallo hat Furtwängler Meisterwerke 95ff. auf pheidiasische Kunst zurückgeführt. Sie oder ihre Originale standen einst an den Treppenwangen des Kastortempels zu Rom nach O. Richter Arch. Jahrb. XIII 112. Gegen Beide Petersen Röm. Mitt. XV 350. Er erklärt die Statuen für Werke des Eklekticismus augusteischer Zeit oder vielleicht erst um 100 n. Chr.

Münzen und Terracotten (Röm. Mitt. XV 1900, 3ff.) von Tarent und Unteritalien etwa 4. Jhdt. bis Mitte des 3. zeigen die D. nackt oder mit Chlamys, aber ohne Piloi, häufig mit Palmzweig, Kranz, Taenien; zu Pferde neben einander im Schritt, später Galopp. Ende des 4. Jhdts. werden Piloi und Sterne für die D. charakteristisch: [1123] sie erscheinen fast ausnahmslos nackt bis auf die Chlamys. In der Zeit Alexanders unter Lysippos Einfluss wird ihr Kopftypus ,mit gewissen Zügen des späteren aufgeregten Zeusideals‘ ausgebildet. ,Die untere Stirn tritt vor, die Haare streben über der Stirn empor und fallen in Locken herab; die Augen sind gross und weit geöffnet wie bei Helios, der Blick in der Regel in die Höhe und etwas seitwärts gerichtet, der ganze Kopf etwas in den Nacken geworfen, was dem Ganzen etwas Pathetisches giebt. Wenige gute Statuen. Eine der besten ist die Bronze aus Paramythia im British Museum, Specim. of anc. sculpt. II 22‘ (Furtwängler in Roschers Myth. Lex. I 1175).

In der Diadochenzeit, auch noch Kaiserzeit, sind D. auf Münzen in Ost und West häufig stets im beschriebenen Typus. Die ersten 268 geprägten Dinare Roms zeigen die D. neben einander mit eingelegten Lanzen zum Angriff galoppierend, flatternde Chlamys, Pilos und Stern, Mommsen Röm. Münzw. 294. Köpfe der D. mit bekränzten Piloi und Sternen in dem aufgeregten Typus auf Münzen der Brettier, 3. Jhdt. Die D. stehend, zwischen ihnen Helena (?) als archaisch steifes Bild auf spartanischen Votiven, Athen. Mitt. I 371ff.; ebenso, doch auch Helena menschlich, auf griech. Sarkophag bei Robert Sarkoph. Rel. II Taf. 3.

Häufig auf etruskischen Spiegeln allein, einzeln, zu dritt (?Gerhard 264. 275ff.), auch mit andern Wesen verbunden. Häufig auch auf römischen Sarkophagen und etruskischen Aschenkisten (Leukippidenraub Taf. 37 f., Pollux und Amykos Taf. 35). Auf einer römischen Lampe in Venedig, Pal. Giustiniani dei vesc. die D. zu den Seiten des Pluton mit dem Kerberos.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 338
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S. 1104, 30 zum Art. Dioskuren:

Dioskuren erscheinen auch zu Lokroi als Giebelfiguren in einem alten ionischen Tempel. E. Petersen Röm. Mitt. V 201ff. Der Kultus stammte wohl aus Sparta, oder ist wenigstens in engem Zusammenhang mit jenem erstanden. Vgl. Philol. LXVII 432f., wo gezeigt wird, daß die Münze zu Opus aus der Zeit Galbas oder Othos, die die Dioskuren darstellt, eine Rückwirkung des Dienstes zu Lokroi ist. Sie sind auch auf einer Vase aus Lokroi jetzt in Karlsruhe dargestellt. Winnefeld Beschr. d. Vasensamml. Karlsruhe 1887 nr. 209. Fragmente eines großen Reiterakroterions aus Terrakotta von dem Tempel der Casa Marafioti zu Lokroi gehören wohl auch einer Darstellung der Dioskuren zu. Orsi Not. d. scavi 1911 Suppl. 44ff.

  1. Inhaltsübersicht:
    A. Dioskuren als Gottheiten: § 1 die Paarnamen; § 2 ursprüngliches Paarwesen; § 3 die Individualnamen; § 4 Identification der D. mit Kastor und Polydeukes; § 5 D. und Rosse; § 6 Verhältnis zur Ritterschaft, Krieg, Gymnastik; § 7 D. als Retter a) der Frauen, b) im Kriege, c) in der Fremde, d) zur See, e) in Krankheit; § 8 Vermischung mit anderen Gottheiten; § 9 Culte a) Peloponnes, b) Mittelgriechenland, c) Osten, d) Africa, e) Westen; § 10 Beziehungen zu andern Göttern; § 11 Beinamen; § 12 Symbole, Attribute; § 13 Feste; § 14 Festzeit; § 15 Deutung und Verhältnis zu den Aṣvins; § 16 Etymologie von Kastor, Polydeukes.
    B. Dioskuren in den Sagen: § 17 ihr Geschlecht; § 18 Ihre Frauen und Nachkommen; § 19 D., Apharetiden, Leukippiden; § 20 D. und Hippokoontiden; § 21 D. und Helena, Parisraub; § 22 D. und Helenas Raub durch Theseus; § 23 D. und Klytaimestra; § 24 D. in Sammelsagen a) Leichenspiele des Pelias, b) kalydonische Jagd, c) Argonauten, d) Gigantenkampf, ef) versprengte Sagen.
    C. Dioskuren in der Kunst.