RE:Admetos 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 377380
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Admetos (Ἄδμητος). 1) Sohn des Pheres (Aisch. Eum. 723. Soph. frg. 354. Eur. Alc. 11. 476. Apollod. bibl. I 8, 2, 3. I 9, 14. Hyg. f. 14 Diod. IV 53, 2. Schol. Ap. Rh. I 49. Prob. 14. Georg. III 1. Kaibel epigr. 192) und der Klymene (Schol. Eur. Alc. 16) oder Periklymene, Tochter des Minyas (Hyg. f. 14), Bruder des Lykurgos (Apd. I 9, 14), Grossvater des Magnes [378] (Anton. Lib. 23). Er ist König von Pherai in Thessalien, wo er am Berge Chalkodonion seinen Sitz hat (Ap. Rh. I 49. Verg. Cul. 262. Hyg. f. 14). In der ältesten Tradition erstreckt sich seine Herrschaft auf die vier Städte Boibe, Glaphyra, Iolkos und Pherai (Il. II 711. Aristarch im schol. Eur. Alc. 1154). Schon bei Euripides aber reicht sie östlich bis an den boibeischen See, bis zum Pelion, Iolkos und zum aegaeischen Meer, westlich bis zum Molossergebiet, umfasst also ganz Thessalien (Alc. 590ff.; vgl. 422ff. 510. 687). Demgemäss ist A. in der Poesie und der Heldensage, soweit die letztere uns greifbar vorliegt, der Repräsentant zunächst von Pherai und Umgegend, später auch von ganz Thessalien. Als Thessaler ist A. reich an Herden (Eur. Alc. 573ff. 588), besonders an Pferden (Il. XXIII 288 u. schol. Townl. Callim. h. II 48. Stat. Theb. VI 332ff. Triph. 171). Demgemäss heissen seine Kinder Eumelos (Il. II 714. XXIII 288. 391. 532. Aristot. Pepl. 29. Hyg. f. 97. Dict. I 14. Triph. 171), Perimele (Ant. Lib. 23, Mutter des Magnes) und Hippasos (Schol. Ar. Vesp. 1239), während ein viertes Kind, Pheres, schlecht bezeugt ist (Dares 26). Stehende Eigenschaft ist ferner seine Rechtlichkeit (ὁσιότης, εὐσέβεια, hervorgehoben bei Eur. Alc. 11. Diod. VI 7, 6 und in dem Skolion bei Athen. XV 695c. Arist. Vesp. 1239 nebst Schol. Schol. Ar. Ach. 980. Paus. att. fgm. 14 Schwabe; vgl. Diogenian. II 68. Zenob. I 18), und damit zusammenhängend seine von Euripides stark betonte, aber kaum erfundene Gastlichkeit (Alc. 343ff. 539. 545ff. 555ff. 747f. 762. 855). Die Wichtigsten Sagen des A. sind Apollons θητεία und A.s Ehe mit Alkestis. Apollon muss dem A. als Knecht und Hirte dienen auf Befehl des Zeus, zur Strafe dafür, dass er die Kyklopen getötet hatte, die den Donnerkeil geschmiedet hatten, mit dem Zeus den Asklepios tötete; so erzählte Hesiod, der benutzt ist bei Eur. Alc. 1ff. Apollod. bibl. III 10, 4, 1. Hyg. f. 49. 51. Serv. Aen. VII 761. Schol. Eur. Alc. 1; vgl. v. Wilamowitz Isyllos 62ff. 82, 55. Ferner: Diod. VI 7, 6. Luc. de sacr. 4. Orph. Arg. 175. Prob. Georg. III 1. Serv. Georg. III 2. Schol. Lucan. VI 368. Stat. Theb. VI 376ff. Nach Pherekydes war der Anlass zur θητεία, dass Apollon die Söhne der Kyklopen, nach Alexandrides von Delphoi, dass er den Drachen Python getötet hatte (Schol. Eur. Alc. 1; vgl. Val. Flacc. I 444). Nach Rhianos (Schol. Eur. Alc. 1) verliebte sich Apollon in den A. und begab sich deshalb in seine Dienste (Callim. h. II 49. Nonn. Dion. X 322. Plut. Erot. 17. 18; Num. 4, 7. Ov. her. V 151; a. a. II 239. Tib. II 3, 11. III 4, 65ff.). Gleichfalls auf Hesiod geht zurück, dass Apollon, weil A. ihn liebreich und ehrfürchtig behandelt habe, dessen Kühe mit doppelter Fruchtbarkeit segnete, so dass sie Zwillingskälber gebaren (Apollod. III 10, 4, 2. Callim. h. II 54. v. Wilamowitz a. a. O. 66). Auch der Pferde des A. wartet Apollon (Schol. T zu Il. XXIII 288. Callim. h. II 49). Als specielle Örtlichkeit, wo Apollon die Herden des A. weidet, wird der Bach Amphrysos genannt (Callim. h. II 48. Verg. G. III 2 nebst Servius und Probus. Serv. Aen. VII 761. Lucan VI 867 nebst Schol. und comm. Bern. Stat. Silv. I 4, 103). A. gründet dem Apollon das [379] Heiligtum Eretria bei Pharsalos: Strab. X 447. Bei den Kynikern und den Kirchenvätern ist diese θητεία Apollons bei A. ein beliebter locus communis im Kampfe gegen den alten Götterglauben: z. B. Luc. Iup. conf. 8. Clem. Al. protr. III 65. Tert. apol. 14. Minuc. Fel. 23, 5. Aug. de civ. d. XVIII 13 (wo Herakles mit Apollon verbunden wird, wie Clem. Al. strom. I p. 139). Weitere Stellen: Eur. Alc. 570–75. Philostr. ep. 57. Ant. Lib. 23. Schol. Nic. Al. 560. Hyg. f. 14. Sen. Herc. fur. 455. Stat. silv. III 3, 57. Dracont. VIII 206. Zum Danke für die liebreiche Behandlung hilft Apollon dem A. die Alkestis zur Gattin zu gewinnen. Deren Vater Pelias wollte die Tochter nur dem zum Weibe geben, der es vermöchte, Löwe und Eber vor den Wagen zu spannen. Mit Hilfe Apollons gelingt das dem A. (Apoll. bibl. I 9, 15, 1 = Hyg. f. 51, aus Hesiod, v. Wilamowitz a. a. 68; A. den Eber und den Löwen unter ein Joch spannend waren auf dem amyklaeischen Throne dargestellt. Paus. III 18 , 16; vgl. Ann. d. Inst. 1861, 227ff.). Bei der Hochzeitsfeier (Schilderung Eur. Alc. 915) versäumt A. der Artemis von Pherai zu opfern und findet in seinem Brautgemach Schlangen. Das Zeichen erfüllt sich, A. muss sterben (Apoll. bibl. I 9, 15, 2), Apollon aber erwirkt von den Moiren, die er trunken macht, dass A. am Leben bleiben solle, wenn sich jemand freiwillig für ihn opfere (Aisch. Eum. 721ff. Eur. Alc. 12. 32. 42. 222, als deren Quelle man auf Grund von Serv. Aen. IV 694 gewöhnlich, doch ohne zureichenden Grund, Phrynichos annimmt; Apd. bibl. I 9, 15, 2). Nur Alkestis ist bereit für ihn in den Tod zu gehen: Persephone sendet sie aber, gerührt von ihrer Treue, dem A. an die Oberwelt zurück. So die alte auf Hesiod zurückgehende Darstellung der Sage (Plat. symp. 179 B. Apd. I 9, 15, 3), während in jüngerer, aus Phrynichos stammender Tradition Herakles die Alkestis dem Tode abringt (Eur. Alc. Apoll. bibl. I 9, 15, 3. Hyg. f. 51. v. Wilamowitz a. a. O. 67ff.). Die Sage ist eine der populärsten im Altertum, Alkestis und A. gelten als Typen der Gattenliebe; z. B. Ael. v. h. XVI 15. Philostr. her. II 3. Prop. II 6, 23. Ov. trist. V 14, 37; Pont. III 1, 106. Sen. Med. 666; Dial. XII 19, 5. Val. Max. IV 5, 6. Stat. silv. III 3, 192. V 3, 272. Hieron. adv. Iov. I 15; ausserdem: Plat. symp. 208 D. Iuv. IV 652. Hyg. f. 243. 251. Dict. I 14. Ferner nimmt A. teil an der kalydonischen Jagd (schon auf der Françoisvase, Apd. bibl. I 8, 2, 3. Hyg. f. 173), an den Leichenspielen, die Akastos nach dem Tode des Pelias veranstaltet, wo er mit Mopsos, dem Sohne des Ampykos, sich im Faustkampfe misst (so auf dem Kypseloskasten, Paus. VI 17, 9. Diod. IV 53, 2), an dem Argonautenzuge (Pind. Pyth. IV 126ff. nebst Schol. Soph. fgm. 354. Ap. Rh. I 49. Orph. Arg. 175. Apd. bibl. I 9, 16, 8. Hyg. fab. 14) und bei Statius an den nemeischen Spielen, wo er eine Chlamys mit einer Darstellung von Hero und Leander gewinnt (Theb. VI 371ff. 540ff.). A. sendet Colonisten aus, die den Leukippos sich zum Führer wählen, erst nach Kreta gehen, von dort vertrieben werden und sich schliesslich in Ephesos ansiedeln (Parthen. 5). Eine vereinzelte Tradition attischen [380] Ursprunges (Phanodemos Schol. Ar. Vesp. 1239) lässt ihn gegen Ende seines Lebens mit Alkestis und Hippasos vertrieben werden und in Athen bei Theseus Aufnahme finden. Damit ist Eur. Alc. 210 zu vergleichen, wo gesagt wird, dass A. Gegner in seinem Volke habe. A. hat ein Orakel (Clem. Al. Strom. I p. 144). Otfr. Müller Prolegomena 300ff., dem v. Wilamowitz Isyll. 75ff. folgt, hat erkannt, dass der Heros A. nicht die ursprüngliche Figur ist, sondern eine Umbildung einer ursprünglich mythischen Person, des Königs der Unterwelt, dem Apollon nach der Tötung des Drachen Python dienen muss; danach ist auch Alkestis zu beurteilen. Die neueren physikalisch-allegorischen Deutungen, zusammengestellt bei K. Dissel der Mythos von A. und Alkestis, Progr. Brandenb. 1882, sind abzuweisen.