RE:Agrai

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 887–888
Pauly-Wissowa I,1, 0887.jpg
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Agrai (Ἄγραι, auch im Singular Ἄγρα, vgl. Steph. Byz., Etym. Magn. und Suid.; regulär ist der Singular in den Inschriften), das im Südosten des athenischen Stadtgebietes gelegene, zu dem Demos (Agryle s. d.) gehörige Revier der Artemis Agrotera am linken Ufer des Ilisos (die Stätte ihres Heiligtumes selbst, das Pausanias I 19, 6 erwähnt, ist bis jetzt unbekannt). Der Name Agra wurde später speciell von der Hügelgruppe [888] gebraucht, die das sogenannte panathenäische Stadion umschliesst und in früherer Zeit Helikon hiess und auf ihrer Höhe den Altar des Poseidon Helikonios trug. Vgl. Kleidemos in Bekkers An. Gr. I 326, 30. Ausserdem wurden hier im Monat Anthesterion die kleinen Mysterien gefeiert, daher officiell genannt τὰ μυστήρια τὰ ἐν Ἄγρας (bezeugt von dem Lexikographen Pausanias bei Eustath. zur Il. II p. 361, 38 und Bekkers An. Gr. I 326, 25) oder τὰ πρὸς Ἄγραν (so in den Inschriften, z. B. CIA II 315. Ἐφ. ἀρχ. 1890, 83. 84 nr. 51 Z. 9f. und bei Plut. Demetr. 26). Mit Beziehung hierauf heissen (bei Himer. Ecl. X 16 und Stat. Theb. VIII 766) Gestade und Wasser des Ilisos selbst mystisch. Und zwar muss der Mysteriendienst hier begangen worden sein in den zwei von dem Periegeten Pausanias I 14, 1ff. (in der berüchtigten ‚Enneakrunosepisode‘) oberhalb der Kallirrhoe angeführten Tempeln, dem der Demeter und Kore einerseits und dem des Triptolemos andererseits. Das erstere wird von dem Atthidographen Kleidemos als τὸ μητρῷον τὸ ἐν Ἄγρας bezeichnet (Bekkers An. Gr. I 327, 3), wie die Göttin auch officiell (CIA I 273) μήτηρ ἐν Ἄγρας hiess. Mit eben diesem Demeterheiligtum darf man wohl auch den alten, in eine Kirche der Παναγία στὴν πέτραν umgewandelten ionischen Amphiprostylos zusammenbringen, den Stuart noch sah und aufnahm (Altert. v. Ath. Lief. I 7f. und Text I S. 72f.), der dann aber bei dem schleunigen Bau einer Ringmauer um Athen im J. 1778 abgebrochen wurde (vgl. Wachsmuth Stadt Athen I 22). Ausserdem ist das Heiligtum der Eileithyia in Agra litterarisch und inschriftlich bezeugt (Kleidemos in Bekkers An. Gr. I 326, 30, wo für ἀγοράν vielmehr Ἄγραν zu schreiben ist, und die Theaterplatzaufschrift CIA III 319; vgl. auch Ath. Mitt. III 196f.); mit ihr oder Artemis wird die Hekate in Agra identisch sein, die Plutarch (de malign. Herod. 26) erwähnt. Vgl. Wachsmuth a. a. O. I 225. 227. 238f. 275ff. und II 273. Lolling in Müllers Handb. d. Altw. III 236, 1.

Anmerkungen (Wikisource)

  • Siehe auch Agrai 2 im Supplementband I, 31.