RE:Archidamos 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 467
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3) Archidamos II., Sohn des Zeuxidamos und König von Lakedaimon, als sein Grossvater Leotychides nach Tegea in die Verbannung gehen musste. Herod. VI 71. Diod. XI 48, 1. Paus. III 7, 10. Er soll sich zuerst bei dem grossen Erdbeben, von welchem Sparta etwa im J. 465 im vierten Jahre seiner Regierung heimgesucht ward, ausgezeichnet haben. Dadurch, dass er die Spartaner aus der Stadt hinausführte, soll er sie zugleich vor dem Untergange durch das Erdbeben errettet und den drohenden Angriff der abgefallenen Heloten und Perioeken vereitelt haben. Doch ist diese Erzählung von zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Diod. XI 63, 5f. Plut. Cim. 16; vgl. Thukyd. I 101, 2. Paus. IV 24, 5. Schol. Aristoph. Lys. 1144. Er war des Perikles Gastfreund. Thukyd. II 13, 1. Bei den Verhandlungen vor dem Ausbruch des peloponnesischen Krieges sprach er gegen den Krieg, wies auf die mangelhafte Vorbereitung Spartas hin und riet, zunächst ein gütliches Abkommen mit Athen zu erstreben. Thukyd. I 79, 2f. Plut. Pericl. 29. Als der Krieg ausgebrochen war, führte A. im Frühjahr 431 v. Chr. das peloponnesische Heer gegen Attika. Da er noch immer auf Nachgiebigkeit der Athener hoffte, zögerte er mit dem Einfall längere Zeit und rückte auch nachher nur langsam vor, was ihm viele Vorwürfe eintrug. Längere Zeit hielt er sich bei Acharnai auf. Thukyd. II 10, 3f. 18. 20. Plut. Pericl. 33. Auch in den drei folgenden Kriegsjahren führte er die Peloponnesier, 430 nach Attika, 429 gegen Plataiai, 428 wieder gegen Athen, Thukyd. II 47. 71. III 1. Jedoch im nächsten Frühjahr 427 erscheint Kleomenes an der Spitze des peloponnesischen Heeres (Thukyd. III 26, 2) und im nächsten Frühjahr 426 ist Agis, der Sohn des A., König (Thukyd. III 89). Hieraus folgt, dass A. wahrscheinlich im J. 427, spätestens im Winter 427/6 gestorben ist. Zugleich ergiebt sich, dass Diodors Zeitbestimmungen, wonach A. im J. 476 v. Chr. (Ol. 76, 1) dem Leotychides folgte und nach 42jähriger Regierung 434 v. Chr. (Ol. 86, 3) starb, nicht richtig sein kann; Diodor selbst widerspricht in seiner dem Thukydides entlehnten Erzählung (XII 42, 6. 47. 52) dieser Zeitrechnung. Vielmehr ist wahrscheinlich A. etwa von 469–427 v. Chr. König gewesen. Man nimmt an, dass Diodor irrig die Verbannung des Leotychides, die sich 476 v. Chr. ereignet habe, mit seinem Tode habe zusammenfallen lassen, s. Clinton Fast. Hellen. II 209f. Grote History of Greece V 115 (cap. 44). Duncker Gesch. d. Altert. N. F. VII 68. Busolt Gr. Gesch. II 353.