RE:Ardabur 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 606607
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Ardabur. 1) Consul im Orient 427. Da sein Sohn Aspar bald Alane (Candid. FHG IV 135 a), bald Gothe genannt wird (Jord. Get. 45, 239) und auf dem Florentiner Silberschilde (CIL XI 2637) den Gothen Plinta, Consul 419, zur Linken des A. als seinen Vorfahr abbildet, so ist anzunehmen, dass er mütterlicherseits von jenem abstammte. A. war also wohl Alane und Schwiegersohn des Plinta. Er gehörte zur arianischen Sekte (Theophan. 5943). Im J. 421 wurde er von Theodosius II. als Magister militum zum Oberfeldherrn im Perserkriege gemacht. Er fiel von Armenien aus in Azazene ein und schlug hier Narses, den Anführer der Perser (Socr. VII 18). Am 6. September 421 wurde die Nachricht des Sieges in Constantinopel verkündigt (Mommsen [607] Chron. min. II 75). Während die Römer Azazene verwüsteten, versuchte Narses von Mesopotamien aus die Reichsgrenze anzugreifen; doch rückte ihm A. nach und schloss ihn in Nisibis ein. Die Kunde, dass der Perserkönig mit Elephanten zum Entsatz heranziehe, rief aber eine solche Panik im römischen Heere hervor, dass es die Belagerungsgeräte verbrannte und abzog. Später schlug und tötete A. noch sieben persische Grosse durch einen Hinterhalt (Socr. VII 18; vgl. 20. 23). Im J. 424 wurde ihm gemeinsam mit seinem Sohne Aspar und mit Candidianus die Führung des Krieges gegen den Usurpator Johannes übertragen. Er eroberte Salona und wollte von hier zur See 425 nach Aquileia gehen, das Aspar an der Spitze der Reiterei überrascht und durch Handstreich genommen hatte. Doch trennte ihn ein Sturm mit drei Schiffen von der übrigen Flotte und trieb ihn dem Feind in die Hände. Johannes behandelte ihn gut in der Hoffnung, durch seine Fürsprache die Anerkennung des orientalischen Kaisers zu erringen, und wurde von A. in ihr bestärkt. Doch zugleich benutzte dieser die Freiheit, welche er in Ravenna, der Residenz des Usurpators, genoss, um einige Officiere zu gewinnen und den Verrat der Stadt vorzubereiten. Unterdessen hatte Aspar die Kaiserin Placidia und den jungen Valentinian III., welche sein Heer begleiteten, in Aquileia zurückgelassen und zog gegen Ravenna. Mit Hülfe von seinem Vater und dessen Mitverschworenen drang er unbemerkt in die Mauern ein, bemächtigte sich der Person des Johannes (Socr. VII 23. Philost. XII 13 = Migne Gr. 65, 621. Olymp. frg. 1, 46. Mommsen II 76. Theophan. 5938. 5943) und gab die Stadt der Plünderung seiner Soldaten preis (Mommsen I 658). Nach seinem Consulat im J. 427 wird nichts mehr von A. überliefert, ausser dass der spätere Kaiser Marcianus in seinen Diensten gestanden hatte (Theophan. 5943).