RE:Ardanion

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 153–154
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Ardanion (ἀρδάνιον [ἀρδάλιον] τό), Name eines Gefäßes, abgeleitet von ἄρδω (Suid. Bekker Anecd. 441, 30). Die ἀρδάνια dienen verschiedenen Zwecken:

1. Sie werden als Trog zum Tränken des Viehs benutzt (Hesych. Eustath Il. VIII 187).

2. Sie werden als Behälter für Weihwasser verwendet, das vor einem Hause, in dem ein Toter lag, aufgestellt wurde, damit die Besucher des Hauses sich von der durch den Leichnam verursachten Befleckung entsühnen konnten (Hesych. Suid. Poll. VIII 66. Aristoph. Ekkles. 1030ff. Eurip. Alk. 98ff. Schol. Eur. Alk. 98). Da die Gefäße nun ebenfalls befleckt waren und nicht mehr gebraucht werden konnten, nahm man zu diesem Zwecke gewöhnlich zerbrochene Tongefäße (γάστρα κεραμίων, ὄστρακα, πυθμένας, die sonst wertlos waren (Eustath. Il. VIII 187 ἀρδάνιον • τὸ ἀπὸ τοῦ πυθμένος τοῦ κεραμείου ἕως τῆς γαστρός.

3. Daß es sich beim ἀ. ursprünglich um Scherben handelt, geht auch daraus hervor, daß ἀρδάνια von den Frauen an Stelle des Epinetron oder Onos (s. o. Bd. VI S. 182 und H. Blümner Technologie² [1912] 115ff.; daselbst auch weitere Literatur und Abb. d. Epinetron) benutzt wurden, um die gesponnenen Fäden darauf glatt zu reiben (Suid.). Da das Epinetron einem der Länge nach durchschnittenen großen Gefäße, einem Krater oder dgl., ähnelt, lag es nahe, Scherben von solchen Gefäßen als Ersatz dafür zu verwenden. Man kann dann weiter vermuten, daß der Name ἀ. später von den Scherben auf das eigens für [154] die Verwendung in der Spinnerei verfertigte Epinetron übergegangen ist und so schließlich ein bestimmtes Gerät bezeichnet.

Andere Benennungen für ἀ. sind κύμβαλον, von Hesych als dorisches Synonym genannt, ferner γόργυρα (Hesych s. ἀρδάλια, s. τόρτυρα). Der Name πηγαῖον (Hesych s. πηγαῖον) ist vom Inhalt auf das Gefäß übertragen (vgl. Schol. Eur. Alk. 99).