RE:Baal 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 2651–2652
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2) Wie manche anderen fremden Götter wurde B. von den Griechen in einen Sterblichen umgewandelt und als ein König von verschiedenen Ländern angesehen (s. auch Belos Nr. 3).

  • a) In Assyrien gilt er gewöhnlich als der erste König und der Vorgänger von Ninos und Semiramis (Kastor und Euseb. chron. 54 Schöne. Kephalion ebd. 60. Thallus frg. 2, FHG III 516. Excerpta Barbari in Chron. min. ed. Frick 283, vgl. Tertull. de pall. 2. Serv. Aen. I 739. Nonn. Dionys. XVIII 224. Hesych. bei Phot. bibl. p. 34. 41), nach Abydenos dagegen tritt eine Reihe von Königen zwischen B. und Ninos ein (Euseb. chron. 53), und Johannes Antiochenus (frg. 5, FHG IV 542) nennt als ersten König Picus oder Zeus, dessen Sohn B. sei. Diese Zeugnisse stammen alle aus ziemlich später Zeit, aber diese Thatsache ist nur dem Verlust der früheren Chronographen zuzuschreiben. Dass jene Genealogien schon sehr früh entstanden sind, beweist der Versuch des Herodotos (I 7, vgl. I 184) durch den Vater des B. einen Zusammenhang zwischen der lydischen und der assyrischen Dynastie aufzustellen. Es ist auch bemerkenswert, dass, obwohl die Schriftsteller fast nie von B. als einem Gott der Assyrer reden (Serv. a. a. O. Plin. n. h. XXXVII 149. 160), er doch König dieses Volkes, nicht von Babylonien ist. Es ist also höchst wahrscheinlich, das die assyrischen Könige in der That von dem Gotte B. abzustammen behaupteten (vgl. Abyden. FHG IV 283 Βῆλος ὁ ἐμὸς [sc. des Nabuchodonosor] πρόγονος. Nonn. Dionys. XVIII 223), und dass er schon in der einheimischen Chronographie an die Spitze des königlichen Stammbaumes gestellt wurde. Jedenfalls sind diese Berichte nicht durch euhemeristische Einflüsse zu erklären. Nach Malalas (p. 17 Bonn.), der diesen Fürsten mit griechischem Namen Kronos nennt, eroberte er Syrien und Persien (vgl. Excerpt. Barb. a. a. O. 281) und den ganzen Orient. Die Gründung der ältesten Städte wird auf ihn zurückgeführt. Er galt als der Stifter von Babylon (Curt. I V 4, 25, vgl. jedoch Phil. Bybl. frg. 17, FHG III 575) oder mindestens seiner Mauern (Abyd. frg. 9, FHG IV 284) und seiner Festung (Amm. Marc. XXIII 6. 23). Auch die Anfänge der Wissenschaft hatte man ihm zu verdanken (Plin. n. h. VI 121 inventor sideralis scientiae). Der mythische Urkönig war auch in seiner Thätigkeit einem Gotte ähnlich.
  • b) In Tyros, wie in Assyrien, ist Belus der Ahnherr der Könige (Verg. Aen. I 729. Sil. Ital. I 73. 87. II 49. VIII 31. 221. XV 745). Er galt als der Vater der Dido, und man schrieb ihm die Unterwerfung von Kypros zu (Steph. Byz. s. Λάπηθος), das er später dem Teucer überliess (Verg. Aen. I 343. 620ff. und Servius dazu). Da der assyrische B. mit dem tyrischen irgendwie verwandt sein musste, wurde der erste zum Vater des zweiten gemacht und als Belus priscus oder [2652] antiquus von dem phoinikischen König unterschieden (Alex. Polyh. frg. 3, FHG III 212. Serv. Aen. I 642. II 81. Ovid. met. IV 213). Nicht zu verwechseln mit diesem fabelhaften König sind die zwei Βαάλ, welche, der eine um 675, und der andere, der Nachfolger des Ittobal (Joseph. c. Apion. I 21. Euseb. chron. 52 Schöne) von 573–564 in Tyros regiert haben (Pietschmann Geschichte der Phönizier 302ff.).